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Der PalÀstinensische Islamische Djihad (PIJ)

Eine Terrororganisation zur Zerstörung des Staates Israel

Kommen wir zum nĂ€chsten Kult, dem PalĂ€stinensischen Islamischen Djihad (PIJ). Auch diese Terrororganisation der PalĂ€stinenser gebraucht Nötigung, um zu rekrutieren, zu indoktrinieren und seine Mitglieder zu halten, bildet eine totalitĂ€re Gesellschaft, die GrĂŒnder und AnfĂŒhrer haben sich selbst eingesetzt und benutzen ihre AnhĂ€nger zur Durchsetzung ihrer persönlichen Ziele. Im Gegensatz zur Hamas versucht der PIJ nicht, soziale Einrichtungen zu unterhalten, sondern er konzentriert sich mangels einer breiten Massenbasis und entsprechender finanzieller Mittel ausschließlich auf den Terror gegen Israel. Diese elitĂ€re Organisation besteht vornehmlich aus intelligenten, idealistischen, gut ausgebildeten und wirtschaftlich unabhĂ€ngigen Menschen, die sich ihrer Besonderheit sicher sind. (1)

Ayatollah Ruhollah Khomeini, das große Vorbild Dr. Fatih Shiqaqis

GrĂŒnder und FĂŒhrer des PIJ ist bis zu seiner Liquidierung in Malta, im Oktober 1995, wahrscheinlich durch israelische Agenten, der Arzt Dr. Fatih Shiqaqi, geboren in Gaza, 1951.

Fatih Shiqaqi hat 1979 das sich fĂŒr den PIJ bar auszahlende Geschick, die Taten des Ayatollah Ruhollah Khomeini zu preisen, dem er sein Pamphlet "Khomeini: The Islamic Solution and the Alternative" widmet. Darin unterstĂŒtzt er die Ansicht Khomeinis, daß die Sunna und die Schia zu vereinen seien. Das ist fĂŒr die große Mehrheit der Sunniten ein Sakrileg. Shiqaqi preist Ayatollah Khomeini dafĂŒr, daß er der erste moslemische FĂŒhrer sei, der PalĂ€stina einen eigenen Platz in der islamischen Ideologie zubillige. Khomeini habe einen Sieg gegen den Westen errungen, der den Islam aus der Weltpolitik habe ausschließen wollen, ihm komme deshalb die FĂŒhrerschaft fĂŒr die gesamte islamische Welt zu. Darauf, daß die islamischen LĂ€nder auf Grund ihrer eigenen strukturellen Defizite hintenan stehen könnten, kommt Shiqaqi nicht. Schuld haben die anderen, hier wie mancherorts sind es die Juden. (2)

Shiqaqi und seine Freunde akzeptieren das schiitische Prinzip der FĂŒhrung durch die Geistlichkeit (vilayet-e faqih). Dieses Prinzip besagt, daß der oberste Jurist (der Schia) des Landes, der Faqih, in dem Fall, da der Herrscher nicht den Anforderungen entspricht, die Regierung ĂŒbernehmen muß. Daraus leitet seinerzeit der Ayatollah Khomeini seine MachtĂŒbernahme im Iran her. Er wird eingesetzt von den geistlichen WĂŒrdentrĂ€gern, die er selbst vorher bestimmt hat. Die Herrschaft ist lebenslĂ€nglich. Jede weltliche Regierung des Landes ist dem untergeordnet.

Der PIJ wird 1979 in Ägypten gegrĂŒndet, als Fatih Shiqaqi und einige fundamentalistische Mitstreiter sehen, daß die palĂ€stinensische MoslembrĂŒderschaft im Gaza Streifen, zu der die Gruppe zunĂ€chst gehört, nicht die PrioritĂ€t des palĂ€stinensischen Problems anerkennt. Er will nicht warten, bis die islamische Welt vereint und militĂ€risch stark genug ist, Israel zu zerstören, sondern er sieht umgekehrt die Zerstörung Israels als Voraussetzung zur Einigung der islamischen Welt. Israel ist gemĂ€ĂŸ dem PIJ allein schon durch seine Existenz eine Quelle moralischer und geistlicher, die Genesung der islamischen Gesellschaft verhindernder Korruption.

Die Befreiung PalĂ€stinas vom jĂŒdischen Staat werde die gesamte arabische und moslemische Welt zu einem großen islamischen Staat Ă€hnlich dem osmanischen Reich vereinen, glaubt Fatih Shiqaqi. FĂŒr den PIJ kommt entsprechend nicht in Frage, daß Israel weiter existiert. Jerusalem sei eine arabische islamische Hauptstadt. Die Juden seien bei ihrer Verfolgung und Vertreibung aus Europa "mit offenen Armen und Toleranz aufgenommen" worden, "sie könnten unter uns frei leben, aber nicht als eine politische Einheit".

Das ist eine flagrante LĂŒge, denn von April 1936 an finden in PalĂ€stina vom Großmufti Hadj Amin al-Husseini organisierte AufstĂ€nde gegen die Juden statt, in Jaffa beginnen sie, und sie dauern drei Jahre. Die deutsche Naziregierung unterstĂŒtzt sie finanziell und mit Waffen, die ĂŒber Syrien und Transjordanien nach PalĂ€stina geschmuggelt werden. Es sind AufstĂ€nde im Zeichen des Hakenkreuzes. Die AufstĂ€nde werden von der islamistischen Ă€gyptischen MuslimbrĂŒderschaft des Predigers Hassan al-Banna mit fanatischen SolidaritĂ€tskampagnen begrĂŒĂŸt. (3) Zum Dank dafĂŒr legen die Briten im Whitepaper von 1939 die weitere EinschrĂ€nkung der Einwanderung und des Landerwerbs durch Juden fest. Dieses Paper bleibt Grundlage der britischen Politik bis zur Verabschiedung der UN-Resolution Nr. 181, am 29. November 1947. (4)

Die palĂ€stinensischen Christen seien "Partner in Geschichte und Schicksal. Sie lebten dieselbe Zivilisation mit uns ... In unserer Bewegung akzeptieren wir bei unserem Kampf die Teilnahme unserer christlichen BrĂŒder, ohne daß wir sie ihren religiösen Glauben Ă€ndern lassen." (5) So sehen es seinerzeit auch die Briten, als sie 1922, unmittelbar nach der Übertragung PalĂ€stinas an sie als Mandatsgebiet, eine Muslimisch-Christliche Gesellschaft grĂŒnden und sie als Waffe gegen die Zionisten nutzen. (6)

Wie fĂŒr die Hamas ist auch fĂŒr den PIJ PalĂ€stina der Nabel der Welt, der "Brennpunkt der religiös-historischen Konfrontation zwischen Moslems und ihren ewigen Feinden, den Juden."

Ägypten verweist Mitglieder des PIJ 1981 des Landes, da sie mit den Mördern des PrĂ€sidenten Anwar as-Sadat enge Verbindung halten. Der PIJ lĂ€ĂŸt sich im Libanon nieder und arbeitet mit den iranischen revolutionĂ€ren Garden und der vom Iran finanzierten Hesbollah zusammen. Nach den FriedensvertrĂ€gen von Oslo 1993 wird der PIJ Mitglied der von Syrien beeinflußten Ablehnungsfront.

Der PIJ beginnt die Erste Intifada

Seinen Terror gegen Israel beginnt der PIJ in den 80er Jahren, lange vor der ersten Intifada. Fatih Shiqaqi und sein Freund und spĂ€terer Nachfolger Ramadan Shalah brĂŒsten sich, 1987 durch eine Serie von TerroranschlĂ€gen AufstĂ€nde als Auftakt der Ersten Intifada (1987-1993) initiiert zu haben - ein Arzt und ein Wirtschaftswissenschaftler im Dienste des Terrors.

Nachdem Yasser Arafat 1988 dem Terror eine Absage erteilt und die Osloer Friedensverhandlungen beginnen, können sich die PLO und ihre Fatah nicht mehr offiziell dem Terror verschreiben. Die Hamas (Charta der Hamas, vom 18. August 1988), die Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) und der PIJ ĂŒbernehmen diesen Teil der Arbeit in konzertierter Aktion. Yasser Arafat unterstĂŒtzt diese Gruppen unter anderem, in dem er dem PIJ am 31. Oktober 1997 erlaubt, eine Massengedenkfeier fĂŒr den "MĂ€rtyrer" des PIJ Fatih Shiqaqi abzuhalten. Auf dieser Versammlung spricht Fareeh al-Gharabli, ein Vertreter von Arafats Fatah, und fordert zur Einigung aller islamischen KrĂ€fte und Gruppen auf. Der ReprĂ€sentant der PFLP Jamil al-Majdalawi erklĂ€rt dort, daß Fatih Shiqaqi ein "heiliger MĂ€rtyrer" sei, der Nachfolger Fatih Shiqaqis Ramadan Shalah betont, daß der Widerstand legitim sei, und Scheich Ahmed Yassin ruft dazu auf, dem Weg des "heiligen MĂ€rtyrers" zu folgen. Die Statements dieser FĂŒhrer der Terrorbanden werden in der offiziellen Zeitung der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde "Al-Hayat Al-Jadeedah" veröffentlicht.

Am 8. Juni 2001 wird in Tulkarm fĂŒr den Aktivisten des PIJ Ashraf Al-Bardawil, der bei der Zubereitung von Sprengstoff fĂŒr einen terroristischen Anschlag umkommt, eine Totenfeier gehalten. Dort ĂŒberbringt der Vertreter der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde, der Gouverneur von Tulkarm Izz Ed-Din As-Sharif die offiziellen Beileidsbekundungen des Yasser Arafat. (7)

Die AktivitÀten des PIJ seit Beginn der Zweiten Intifada

Inzwischen hat der PIJ seinen Hauptsitz in Damaskus. Er wird von Syrien und vom Iran finanziert. Der PIJ unterhĂ€lt BĂŒros in Beirut, Teheran und Khartoum. Seine AktivitĂ€ten sind hauptsĂ€chlich zentriert im Libanon, wo es einige zig palĂ€stinensische Mitglieder gibt. Einfluß hat der PIJ auch auf die islamische UniversitĂ€t im Gaza-Streifen, ohne eine wirkliche Konkurrenz zur dominierenden Hamas zu sein. In der palĂ€stinensischen Bevölkerung sympathisieren mit dem PIJ etwa 4 bis 5 Prozent, da der PIJ nicht wie die Hamas ein institutionelles Netzwerk unterhĂ€lt und weder eine soziale noch eine politische Rolle in der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde spielt. (8)

Der Nachfolger von Fatih Shiqaqi, der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Ramadan Abdallah Shalah, ist einer seiner engen Vertrauten. Er lebt einige Jahre in London und, ab 1990, in Tampa/Florida. In London leitet er das PIJ BĂŒro und organisiert von dort aus die militĂ€rischen, propagandistischen und KommunikationsaktivitĂ€ten des PIJ in Gaza und West Bank. Den als sehr kompetent bekannten britischen Geheimdiensten dĂŒrften die AktivitĂ€ten des PIJ auf ihrem Territorium nicht verborgen geblieben sein, und so darf man vermuten, daß sie in alter Tradition und in Freundschaft zum und Gedenken an den Mufti Hadj Amin al-Husseini geduldet, wenn nicht gar gefördert werden. Auch in den USA scheint er keine Schwierigkeiten bekommen zu haben. Dort ist er Direktor des World and Islam Studies Enterprise (WISE), in Tampa/Florida, eines mit dem PIJ verbundenen Think Tanks fĂŒr religiöse und moslemische Fragen. (9)

1996 siedelt er als Shiqaqis Nachfolger nach Damaskus ĂŒber. Shalah hat weder das Charisma, noch die intellektuellen und organisatorischen FĂ€higkeiten Shiqaqis. Dennoch verĂŒbt der PIJ, vor allem seit dem Beginn der Zweiten Intifada, September 2000, blutige TerroranschlĂ€ge auf Israelis, weit mehr als im Vorjahr. 15 Homizid- und Autobomben hinterlassen mehr als 25 tote und an die 400 verwundete Israelis. Am 22. Dezember 2001 betont der PIJ im Widerspruch zur AnkĂŒndigung der Hamas, keine Homizidbomber mehr nach Israel zu schicken, daß er die Terrorakte fortsetze. Der PIJ Vertreter im Libanon Abu Imad Al-Rifai erklĂ€rt gegenĂŒber Reuters: "Unser Standpunkt ist, weiterzumachen. Wir haben keine andere Wahl. Wir sind zu einem Kompromiß nicht bereit." (8)

"Das Ziel hat sich seit GrĂŒndung der Gruppe, in Kairo, 1979, nicht geĂ€ndert", sagt Ramadan Shalah wĂ€hrend eines Interviews der Zeitung Al-Hayat, in London, im Oktober 2002: "Die Befreiung ganz PalĂ€stinas", also nicht nur die im Sechstage-Krieg eroberten und besetzten Gebiete Gaza und West Bank. Shalah Ă€ußert sich in London völlig unbehelligt, zwei Tage nachdem der PIJ sein 16. Attentat im Jahre 2002 verĂŒbt hat, bei dem 14 Israelis und zwei Homzidbomber umkommen und 45 Menschen verletzt werden.

Der PIJ Terrorist Bassam as-Sa´di, beliebter Interviewpartner in den USA

Der "Palestine Chronicle" ist eine sehr professionell gemachte Online-Zeitung. Sie wird herausgegeben von Ramzy Baroud, der in Seattle, Washington lebt. Ehrenmitherausgeber sind PalĂ€stinenser, Prof. Dr. Noam Chomsky, der ja wohl nirgends fehlen darf, wo es gegen Israel und die Juden geht, ReprĂ€sentanten aus LĂ€ndern der Geldgeber (Saudi-Arabien und USA), US-amerikanische Lobbyisten fĂŒr die palĂ€stinensisch-arabische Sache, palĂ€stinensische Menschenrechtsaktivisten und Journalisten, so der von Antiwar.com bekannte paleo-konservative, anti-israelische Charley Reese.

Der "Palestine Chronicle" fĂŒllt laut dem PrĂ€sidenten der Islamischen Gesellschaft fĂŒr PalĂ€stina in Nordamerika Rafiq Jaber ein Vakuum, in dem er eine "wichtige Nachricht an die Sucher der Wahrheit sendet". Die ist, wie könnte es anders sein, in den HĂ€nden der Macher des "Palestine Chronicle". (10)

Einer der fĂŒr zahlreiche Morde und den vom PIJ verĂŒbten Terror verantwortlichen von Jenin aus operierenden FĂŒhrer des PIJ in der West Bank ist der 1960 geborene Bassam as-Sa´di. Er fĂŒhrt ein aufregendes Leben, denn er wird von Israelis gehetzt, die sich nicht abfinden können mit seiner Weltsicht. Mehrfach versuchen israelische SicherheitskrĂ€fte, ihn zu töten, aber es mißlingt. So bekommt der Mitarbeiter des "Palestine Chronicle" in der West Bank Ali Samudi die Gelegenheit, ihn per Telefon zu interviewen, und das Interview am selben Tag, am Montag, den 21. Oktober 2002, zu veröffentlichen, da der PIJ wieder ein mörderisches Attentat verĂŒbt. Das gibt dem Interview den richtigen Pfiff: "man weiß nie, ob nicht gerade eine Bombe losgeht, wĂ€hrend der Mann spricht".

Bassam as-Sa´di spricht von seinem Handy aus immer nur maximal zehn Minuten, da er sonst von den Israelis ausfindig gemacht werden könne. So braucht Ali Samudi fĂŒnf Tage, um das Interview zu beenden: "Er rief uns an, wenn er bereit war zu reden".

Bassam as-Sa´di ist im FlĂŒchtlingslager von Jenin als siebenter Sohn in eine große sehr arme Familie geboren. Er liebe Jenin, aber sein Herz hĂ€nge an al-Mazar, an dem Dorf, aus dem seine Familie 1948 vertrieben wurde. Von der Naqba kenne er durch seinen Vater und die Älteren in Jenin fast jede Einzelheit. 1981 hĂ€tten ihn die Israelis nach seinem Heimatbesuch nicht wieder zu seinem Medizinstudium nach Italien zurĂŒck gelassen, so daß er dort exmatrikuliert worden sei. In Jordanien habe er dann seinen B.A. in arabischer und islamischer Geschichte abgelegt. Dort habe sich seine "islamische IdentitĂ€t" geformt. Ab 1983 "erzieht" er PalĂ€stinenser in der West Bank betreffend der "Gefahr der Besatzung", und er organisiert Widerstand.

Nach einem Treffen mit Fatih Shiqaqi wird er 1984 Mitglied des PIJ. Da ist er 24 Jahre alt. Sein "Leben ist fast gleichmĂ€ĂŸig verteilt zwischen Freiheit und Gefangenschaft". Er fĂŒhrt maskierte Terrorgruppen an und wird dafĂŒr von den Israelis mehr als vier Stunden geschlagen, wird ohnmĂ€chtig, blutet. Da bringen ihn die Israelis ins Krankenhaus, "hoffend, mich anschließend zu verhaften. Dennoch bin ich zu ihrer Überraschung geflĂŒchtet." So sagt er indirekt aus, daß die Israelis eben nicht immer alle Terroristen sofort umbringen, sondern sie bringen sie noch ins Krankenhaus, von wo sie flĂŒchten können.

Nach einer weiteren Verhaftung deportieren sie ihn in den Libanon, wo er ein Jahr in den Bergen lebt. Anschließend "leitet er mehrere Schlachten gegen israelische Soldaten in der West Bank." Die PLO habe ihn auch des öfteren verhaftet, habe sich aber geweigert, ihn an Israel auszuliefern. Sie braucht eben ihre Terroristen noch.

Bassam as-Sa´dis Frau Um Ibrahim unterstĂŒtzt ihren "fĂŒr die gerechte Sache" kĂ€mpfenden Mann. Ihr Sohn wird im Alter von 16 Jahren wĂ€hrend einer Schlacht mit der israelischen Armee getötet. Tausende von Menschen begleiten die Beerdigung des "MĂ€rtyrers". "Mein Sohn war ein Held", sagt Bassam as-Sa´di, "er starb fĂŒr die Sache PalĂ€stinas und die WĂŒrde seines Volkes". Er wĂŒnscht, daß PalĂ€stina solche Söhne wie den seinen im Überfluß habe.

Zu Beginn des dritten Jahres der Intifada sei es am wichtigsten, gegen jeden Friedensvertrag zu sein. Alle bereits geschlossenen derartigen VertrĂ€ge mĂŒĂŸten widerrufen werden. Eine klare Strategie des Widerstandes sei nötig. Die arabischen und islamischen LĂ€nder der Welt fordert er auf, den PIJ im Kampf zu unterstĂŒtzen. "Sie mĂŒssen sich erinnern, daß unsere Niederlage die Niederlage der gesamten arabischen Welt bedeutet."

Israel wolle kein "starkes palĂ€stinensisches Gebilde (entity), das sich auf seine Rechte und die heiligen StĂ€tten beruft". Israel wolle die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde (PA) nicht zerstören, sondern reformieren, um sie in verrĂ€terische Kollaborateure zu verwandeln, in eine neue "Lahed militia". (11) Je mehr die PA Widerstand gegen die Israelis leiste, desto besser sei die Zuammenarbeit. MachtkĂ€mpfe untereinander mĂŒĂŸten vermieden werden, man habe die Besatzung anzugreifen und nicht sich gegenseitig, wie in Gaza geschehen.

Diejenigen palĂ€stinensischen Intellektuellen und Gruppen, die zu einer Beendigung der Homizidbombardements aufriefen, seien Feinde des palĂ€stinensischen Volkes, sie vertrĂ€ten zionistische und westliche Interessen. "Sie mĂŒssen (!) aufhören, diese Kritik zu Ă€ußern, und sie mĂŒssen sich mit den PalĂ€stinensern zusammentun." Die PA habe einen Fehler gemacht, die "Widerstandsgruppen" aus ihren Reihen zu verbannen.

Der PIJ sei wĂ€hrend der Al-Aqsa Intifada ihrer klaren Strategie wegen an KrĂ€ften gewachsen. WĂ€hrend dieser Intifada habe der PIJ mehr als 50 "MĂ€rtyrer" aus ihrer Leitung und dem militĂ€rischen FlĂŒgel verloren. Er bezeichnet sich selbst als "tugendhaften Menschen", und er richtet eine Nachricht an das israelische Volk:

"Sharon fĂŒhrt Euch in die Katastrophe, in eine Konfrontation mit der gesamten arabischen und moslemischen Welt. Die Kreuzritter scheiterten vor Euch, und Euere Kriegsmaschinerie wird ebenso scheitern!" (12)

Der "Palestine Chronicle" betrauert einen TerroristenfĂŒhrer des PIJ

Am 9. November 2002, beklagt der "Palestine Chronicle" die Liquidierung des "beim Morgenmahl vor einem langen Tag des Fastens" friedlich beim FrĂŒhstĂŒck sitzenden Leiters der "Jerusalem Brigaden" des militĂ€rischen FlĂŒgels des PIJ, des 32-jĂ€hrigen Iyad Sawalha. Die Operation sei im Zusammenhang zu den in Kairo erwarteten Verhandlungen der Fatah und der Hamas zur Beendigung der Homizidbombardements der Hamas zu sehen. Yasser Arafat sei "Ă€rgerlich (angry)" gewesen ĂŒber die Operation: "Es ist ein sehr großes Verbrechen, das durch die militĂ€rische Aggression gegen unser Volk und gegen unsere (religiösen) Festtage verĂŒbt wurde." (13) So dokumentiert dieser von den EuropĂ€ern geschĂ€tzte Verhandlungspartner immer wieder sein EinverstĂ€ndnis mit den Terrororganisationen. Vom "Yom Kippur"-Krieg hat er wohl auch keine Kenntnis, da am Beginn des höchsten jĂŒdischen Feiertages, am 6. Okotber 1973, Ägypten und Syrien Israel ĂŒberfallen.

Wie sich die Hamas und der PIJ um die Urheberschaft des Terrors streiten und dabei dennoch Israel die Schuld zugeschrieben wird

Am Freitag, den 15. August 2003, erschießen israelische Soldaten bei einem Feuergefecht Mohamed as-Sedr, einen AnfĂŒhrer des PIJ. "Offenbar war das Haus, in dem al-Sedr sich aufhielt, eine ProduktionsstĂ€tte fĂŒr Bomben," schreibt www.Freace.de. Motto: "Nachrichten, die man nicht ĂŒberall findet".

Am Dienstag, den 19. August 2003, werden bei einem Bombenanschlag auf einen israelischen Bus mindestens 18 Menschen ermordet und ĂŒber 100 verletzt. FĂŒr Freace ist es klar, der Anschlag ist die Vergeltung fĂŒr die vom PIJ als solche bezeichnete "Ermordung" des Mohamed as-Sedr. Sowohl die Hamas als auch der PIJ bekennen sich zu dem Busattentat, streiten sich geradezu darum, die Hamas wartet sogar mit einem Abschiedsvideo des AttentĂ€ters auf, des Hamas-Mitglieds Raed Abd el-Hamed Mesk, eines 29-jĂ€hrigen Predigers aus Hebron. "Bemerkenswert sind diverse Bekennerschreiben und SchuldzurĂŒckweisungen, die seit dem Anschlag aufgetaucht sind", meint www.Freace, aber weder Mohammad al-Hindi, ein AnfĂŒhrer des PIJ, noch Hamas-FĂŒhrer Abd el-Aziz Rantisi wissen angeblich von diesem Anschlag. Das dĂŒrfen sie auch nicht, haben sie doch mit Israel einen Waffenstillstand ("Hudna") abgeschlossen. Was aber alle bei IslamOnline und bei www.Freace.de wissen, daß ist, daß Israel die Schuld hat, wenn dieser Waffenstillstand jetzt aufgekĂŒndigt wird:

"Der Sprecher des Islamischen Jihad in Gaza, Nafez Azzam, betonte zwar gegenĂŒber IslamOnline, daß sich die Organisation weiterhin an den vereinbarten Waffenstillstand halten werde, die Gewaltspirale dĂŒrfte aber kaum noch aufzuhalten sein, da Israel mit Sicherheit zurĂŒckschlagen wird, was wiederum neue AnschlĂ€ge hervorrufen wird.

Es war schon seit lĂ€ngerem zu erwarten, daß die israelische Politik, die den Eindruck erweckte, als wĂ€re sie an einer friedlichen Lösung nicht interessiert, zu einem Bruch des Waffenstillstands fĂŒhren wĂŒrde." (14)

Das israelische MilitĂ€r hebt also eine BombenproduktionsstĂ€tte aus und tötet dabei einen AnfĂŒhrer des PIJ. Dieser "Mord" wird mit einem Homizidattentat "vergolten". Schuld hat Israel, was zu beweisen war.

Die interne Charta des PIJ

Vom PIJ ist, auch wenn er noch geheimer arbeitet als die Hamas, ein Programm, eine interne Charta bekannt. Sie wird 1995 im World and Islam Studies Enterprise des Ramadan Shalah gefunden. Dort ist niedergelegt, daß es nur um Terror und die Beseitigung Israels geht. Verhandlungen werden ebenso wie durch die Hamas (15) auch vom PIJ abgelehnt. (16)

Einige AuszĂŒge aus dieser internen Charta, nach AusfĂŒhrungen von Meir Hatina:

"Ideologische Leitlinien

  • \fi2841. AnhĂ€ngerschaft an den islamischen Glauben, wie ihn die erste Generation der gerechten Moslems verkörpert, die KampfgefĂ€hrten des Propheten.
  • 2. Verbindung von Tradition und ModernitĂ€t, und solche Elemente davon nehmen, die dem Islam nicht widersprechen.
  • 3. Festhalten am Glaubenskrieg und vermeiden des Weges allmĂ€hlicher Reformen.
  • 4. Die islamische Vereinigung mit den kĂ€mpfenden islamischen KrĂ€ften fördern, bei gleichzeitiger Bewahrung organisatorischer UnabhĂ€ngigkeit.
  • 5. Vermeiden von ideologischer Tyrannei oder juristischer Ausschließlichkeit.
  • 6. Mißtrauen gegenĂŒber den ´Ulama´, den Religionslehrern, die Diener der Tyrannei sind.
  • 7. Verbot der Konfrontation und des Tötens von Moslems untereinander.
  • 8. Die Massen als Hebel zur Revolution und ihrer strategischen Tiefe im Angesicht des UnterdrĂŒckers setzen.
  • 9. Verbieten jedes ideologischen Zusammengehens zwischen Irrglaube und Glaube, oder zwischen Exponenten des SĂ€kularismus und der Bewegung.
  • 10. FĂŒhren der Politik der Bewegung und ihrer AktivitĂ€ten im Einklang mit der Ansicht des Islam.
  • 11. PalĂ€stina ist Teil des Glaubens. Irgendeinen Teil davon abzugeben, heißt, vom Islam abzufallen.

Allgemeine und besondere Ziele

Das Endziel ist, Allah genĂŒge zu tun; das irdische Ziel ist die Wiederbelebung des Islam. Die allgemeinen Ziele:

  • \fi2841. Den palĂ€stinensischen Charakter mit einem verbindlichen islamischen Zeichen durchdringen;
  • 2. Die Volksrevolution vorantreiben;
  • 3. Die islamische Einheit mittels Glaubenskrieg verwirklichen;
  • 4. Befreiung des heiligen Landes von der zionistischen Besatzung;
  • 5. Islamisches Gesetz einrichten ĂŒber das Land, von dem aus der Prophet in den Himmel aufgestiegen ist.

Die spezifischen Ziele:

  • \fi2841. Die feindlichen KrĂ€fte unterminieren und sein Material und seine wirtschaftlichen Ressourcen untergraben;
  • 2. Angst und Schrecken unter den Zionisten verbreiten, besonders unter den Siedlern, um sie zu zwingen, ihre HĂ€user zu verlassen;
  • 3. Eine emotionale Barriere zwischen den Juden und dem moslemischen palĂ€stinensischen Volk errichten und die BefĂŒrworter einer arabisch-israelischen Koexistenz bekĂ€mpfen;
  • 4. Beenden der wirtschaftlichen und finanziellen AbhĂ€ngigkeit vom Feind;
  • 5. Obstruktion betreiben gegen die Friedensvereinbarungen zwischen den verrĂ€terischen arabischen Regimen und dem zionistischen Gebilde."

Die neue Weltordnung nach dem Sturz des Realsozialismus sei schlimmer als dieser; in Parlamente möge man sich nicht delegieren lassen; an kommunalen Aktionen dĂŒrfe man nur teilnehmen, wenn sie dem Islam dienen, man dĂŒrfe ihnen jedoch nicht vertrauen.

"Die PrioritĂ€ten der Bewegung sind auf das besetzte Land gerichtet. Die erste PrioritĂ€t ist militĂ€rische AktivitĂ€t, um den Feind zu unterminieren und seine RĂ€nge zu demoralisieren. Dann kommen zivile AktivitĂ€ten in verschiedenen Bereichen, gemĂ€ĂŸ den Resourcen und Möglichkeiten, die der Bewegung zur VerfĂŒgung stehen."

"Die Bewegung nimmt arabische Gesellschaften einschließlich der palĂ€stinensischen wahr als paralysierte islamische Gesellschaften, die aus ihrer PassivitĂ€t in einen revolutionĂ€ren Zustand gegen die Tyrannei der israelischen Besatzung und der korrupten (arabischen) Regime verwandelt werden mĂŒssen. Eine Anschuldigung der HĂ€resie ist niemals kollektiv, sondern sie bezieht sich auf ein spezifisches Individuum oder eine spezifische Partei, die bewußt und mutwillig vom Islam abgewichen ist in Ansichten und Verhalten." (17)

Mit dem ersten Punkt der ideologischen Leitlinien ist hingewiesen auf die propagierte Einigung zwischen Sunniten und Schiiten, denn die "KampfgefĂ€hrten des Propheten", die vier "rechtgeleiteten Khalifen" werden von Sunniten und Schiiten gleichermaßen verehrt. Punkt 11 erklĂ€rt, wie auch die Charta der Hamas im Vorspann und im Artikel 7, die religiöse Pflicht der RĂŒckeroberung PalĂ€stinas im Einklang mit der islamischen Lehre, die besagt, daß der Glaubenskrieg erst dann aufhören kann, wenn die gesamte Welt islamisch ist.

Im Punkt 4 der "allgemeinen Ziele" sind nicht nur Gaza und die West Bank gemeint, sondern ganz PalĂ€stina, in den Grenzen von 1947. Die "spezifischen Ziele" sind klar: Verbreiten von Haß und Terror! Keine Verhandlungen, denn das hieße Anerkennung der Existenz des Verhandlungspartners Israel sowie jedes Zusammenleben von Juden und Arabern unmöglich zu machen. An diese Vorgabe hĂ€lt sich auch Hanadi Jaradat.

Hanadi Jaradat erkÀmpft die Gleichberechtigung der Frau

Kommen wir nun zum letzten großen Homizidattentat des PIJ, verĂŒbt durch die 29-jĂ€hrige Jeniner RechtsanwĂ€ltin in der Ausbildung Hanadi Tayssir Jaradat, am Vorabend des Yom Kippur, am 4. Okotber 2003, im arabisch-jĂŒdischen Restaurant "Maxim", in Haifa. 21 tote Araber und Juden, darunter drei Kinder und ein SĂ€ugling, sowie 60 Verletzte sind die Opfer. Araber und Juden besitzen gemeinsam dieses Restaurant und erklĂ€ren: "Wir haben niemals daran gedacht, daß uns das passieren könnte." Sie hĂ€tten die interne Charta des PIJ lesen sollen, da als spezifisches Ziel die BekĂ€mpfung der arabisch-israelischen Koexistenz und die Errichtung emotionaler Barrieren zwischen Juden und dem moslemischen palĂ€stinensischen Volk gefordert werden. Das Restaurant wird tatsĂ€chlich seines Symbolwertes als Ort der friedlichen Koexistenz wegen gewĂ€hlt. Deshalb auch ist Haifa, eine der wenigen israelischen StĂ€dte mit gemischter arabisch-jĂŒdischer Bevölkerung, Schauplatz von sechs Homizidattentaten in den letzten drei Jahren, seit Beginn der Al-Aqsa Intifada.

Ein Zusammenleben zwischen Arabern und Juden soll durch die Attentate unmöglich gemacht werden. Das ganze PalÀstina soll judenfrei gemacht und der israelische Staat beseitigt werden. Mit "Beseitigung der zionistischen Besatzung" sind nicht Gaza und die West Bank, sondern ganz PalÀstina gemeint. (18)

Hanadi Jaradat, eine glĂ€ubige Moslemin, liest tĂ€glich im Koran und betet. Sie ist die sechste Frau in den letzten drei Jahren, die als Homizidbomber operiert, die zweite vom PIJ rekrutierte. Am 12. Juni 2003 werden ihr 25-jĂ€hriger Bruder und ihr 34-jĂ€hriger Vetter, beide Mitglieder der Al-Qods Brigaden, des militĂ€rischen FlĂŒgels des PIJ, bei einem Feuergefecht mit israelischem MilitĂ€r getötet. Da wirbt der PIJ Hanadi Jaradat als Homizidbomber an. Ihre Mutter Umm Fadi wird spĂ€ter erklĂ€ren, daß sie stolz sei auf ihre Tochter, die ihren Bruder gerĂ€cht habe: "Sie töten uns tĂ€glich und zerstören unsere HĂ€user tĂ€glich." Auch ihr Vater ist sehr stolz auf sie, sie sei eine starke Persönlichkeit gewesen. (19) Das bestĂ€tigt ein Jugendfreund: "Jaradat war eine sehr entschlossene selbstbewußte und sogar störrische Frau in der Verfolgung von Erfolg und persönlicher Leistung."

Was bewegt diese Frau wie auch die anderen vor ihr, die alle ĂŒberdurchschnittlich begabt sind, ihr Leben fĂŒr den Glaubenskrieg zu opfern?

Yoni Fighel sieht eine "große Diskrepanz zwischen ihren beruflichen Erfolgen und ihrem persönlichen Leben." Eine junge Frau, die in dieser orthodoxen palĂ€stinensischen Gesellschaft mit 29 Jahren noch unverheiratet ist, sei der Frage ausgesetzt, warum dem so ist. Ihr Status als Außenseiterin (misfits) sei im Dorf bekannt gewesen. Wie habe das ihre psychische Disposition beeinflußt, als Homizidbomber tĂ€tig zu werden, welchen Einfluß hĂ€tten die beiden TodesfĂ€lle, vor allem der des Bruders, an dem sie laut Auskunft der Mutter sehr hing, auf ihren Entschluß gehabt. Sie sei von einer Frau, einer FunktionĂ€rin des PIJ aus dem Dorf Arabeh angeworben worden. Warum ist sie auf diese Frau eingegangen? (20)

Es ergibt sich die Frage, ob diese Hanadi Jaradat vielleicht lesbisch war. FĂŒr sexuelle Varianten ist ja kaum in unserer westlichen Gesellschaft Raum, geschweige denn in der orthodox islamischen der PalĂ€stinenser und erst recht des PIJ. Dort gibt es keine Chance fĂŒr eine Frau, ihre Persönlichkeit zu entfalten, keine Ausweichmöglichkeiten, es sei denn in Ehe und Familie oder in den Tod.

Der "Heldin" wird von einigen arabischen Kommentatoren, beispielsweise vom ehemaligen Ă€gyptischen Verteidigungsminister Amin Houweidi, ein "Verlobter" angedichtet, den sie durch die Israelis veloren habe. Nirgendwo sonst ist davon in den Berichten die Rede. (21) So stimmt das reaktionĂ€re Weltbild wieder. Ob "Mann" damit der Person der Hanadi Jaradat gerecht wird, interessiert nicht. FĂŒr diese Frau gilt, was auch fĂŒr alle ĂŒbrigen Frauen und MĂ€nner gesagt werden kann, die sich einem Kult anschließen: es sind durchweg intelligente, idealistische, gut ausgebildete, wirtschaftlich selbstĂ€ndige, intellektuell und geistig neugierige Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten GrĂŒnden in der Gesellschaft nicht optimal entfalten können, und die sich damit nicht abfinden wollen. Sie wĂ€hlen den Weg in den Kult. FĂŒr manche endet er tödlich.

FĂŒr eine selbstbewußte Frau ist in den arabischen Staaten wenig Raum, es sei denn, eine einflußreiche Familie oder mĂ€nnliche Familienmitglieder stĂ€rkten ihr den RĂŒcken. Die werden Hanadi Jaradat im Juni 2003 weggebombt, als ihr Bruder und ihr Vetter getötet werden. Ihr selbst bleibt daraufhin nur der Tod. Der Islam mit seiner doppelten Moral macht es ihr leicht. Selbstmord ist im Islam eine große SĂŒnde. Der Homizidbomber aber gilt nicht als Selbstmörder, sondern als ein Glaubenskrieger, der seinen Körper als Waffe einsetzt. Er ist ein "MĂ€rtyrer".

Hanadi Jaradat erkĂ€mpft sich mit ihrer Aktion einen ehrenwerten Platz, die Gleichberechtigung, die ihr in der palĂ€stinensischen Gesellschaft vorenthalten wird. Verantwortlich sind diejenigen Diktatoren, Usurpatoren und Könige in den arabischen Staaten, die solche ZusammenhĂ€nge genau kennen und sie bewußt zu ihren Zwecken ausnutzen, diejenigen die zur Erhaltung ihrer Macht die arabische Region immer weiter in mittelalterlichen Vorstellungen versinken lassen. Mitverantwortlich sind diejenigen Regierungen in den westlichen Staaten, die auf Grund eigener strategischer und wirtschaftlicher Interessen diese Situation aufrecht erhalten, ja, sie durch ihre ambivalente Behandlung des Nahostkonfliktes sogar noch verschlimmern.

Ihre Kinder werden damit leben mĂŒssen, daß diese perfide Politik auf die westliche Welt zurĂŒckschlĂ€gt. Der Islam erklĂ€rt den Glaubenskrieg zur Verpflichtung, bis die ganze Welt islamisch ist. Jedes Mittel ist da recht: "Ein Volk kommt ĂŒber Euch, das den Tod so liebt wie Ihr das Leben!" heißt der Schlachtruf der GlaubenskĂ€mpfer bei der Eroberung Baghdads schon in der ersten Schlacht "Dhat Al-Salasil" im Euphratdelta, 634 d.Z. (22) Daran hat sich bis heute nichts geĂ€ndert. Der Koran verpflichtet alle Moslems zum Glaubenskrieg, einen jeden auf seinem Platz. Ob es Hanadi Jaradat ist, die durch ihre Tat dazu beitrĂ€gt, Israel, das "Land unter dem Schwert", zurĂŒckzuerobern, ob es die fundamentalistische Lehrerin Fereshta Ludin ist, die mit ihrem Erfolg vor dem deutschen Verfassungsgericht einen Pflock fĂŒr die weitere Verbreitung des Islam einschlĂ€gt, oder die beiden reizenden jungen MĂ€dchen Lila, 18 Jahre, und Alma, 16 Jahre, die das Kopftuch in der französischen Schule durchzusetzen versuchen und damit einstweilen scheitern, sie alle wirken in diesem Sinne. Sie sind kĂ€mpfende Frauen, kĂ€mpfend fĂŒr ein System, das ihnen offen sagt, sie seien minderwertig, das ĂŒberall, wo es herrscht, Frauen die Rechte vorenthĂ€lt. Es ist ja schon schlimm genug, sich nicht fĂŒr seine Rechte einzusetzen, aber was gibt es Perverseres, als fĂŒr seine eigene UnterdrĂŒckung zu kĂ€mpfen?

Im Koran wird der Vorzug des heiligen Kampfes und der KĂ€mpfer 54 mal in den Suren erwĂ€hnt, das Urteil bezĂŒglich des heiligen Krieges 39 mal, die Eigenschaften der Krieger 31 mal, die Elemente des Kampfes 34 mal und die Stufen der Schlacht 39 mal. (23) Zur Ausdehnung seiner Macht ist Mohammed gezwungen, seine AnhĂ€nger zum Glaubenskrieg zu motivieren, und so wird die ursprĂŒngliche Lehre der Geduld und ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber den "UnglĂ€ubigen" in die Verpflichtung zum Glaubenskrieg umgewandelt. (24)

Wo sind Ă€hnliche Stellen im Alten und im neuen Testament zu finden? In der Torah sind die Eroberungen mit dem Einzug in das gelobte Land beendet. Nirgends steht, daß Juden die Welt zu erobern hĂ€tten. Das wird ihnen von denjenigen, die es selbst vorhaben, angedichtet. Auch die christlichen Bekehrungskriege sind mit dem Neuen Testament nicht zu rechtfertigen, sondern sie entspringen allein dem Willen zur Ausdehnung des Machtbereiches.

Wenn George W. Bush heute antritt in einem Krieg Gut gegen Böse, gegen die "Achse des Bösen", dann bezichtigt man ihn zurecht mittelalterlicher Vorstellungen. Der Kampf der Araber im Nahen Osten ist nichts anderes als ein solcher Kampf, dem der Staat Israel mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern ausgesetzt ist: "Nimm den Glauben an, und du bist sicher; widrigenfalls zahle Tribut. Wenn du dich weigerst, beides zu tun, hast du es dir selbst zuzuschreiben. Ein Volk ist bereits ĂŒber euch gekommen, das den Tod so liebt wie ihr das Leben!" (22)

Ein solches "Volk" sind wohl auch die PalĂ€stinenser, die bei einer Umfrage zu 75 Prozent das Attentat der Hanadi Jaradat unterstĂŒtzen. Dieselben befragten Menschen stimmen andererseits zu 85 Prozent fĂŒr einen beidseitigen Waffenstillstand mit Israel und 60 Prozent dafĂŒr, daß die PA den bewaffneten Terrorgruppen das Handwerk lege, sollten sie einen eventuell mit Israel abgeschlossenen Waffenstillstand brechen. 82 Prozent meinen, daß in der PA weitverbreitet Korruption herrscht, und 78 Prozent, die Road Map sei tot. Trotzdem ist die Beliebtheit Yasser Arafats seit fĂŒnf Jahren nicht so hoch wie jetzt, sie betrĂ€gt 50 Prozent, ein Anstieg von 15 Prozent, von Juni bis Oktober 2003. (25)

Nun kann man es sich aussuchen, was davon zu halten ist.

Anmerkungen:

(1) Ein tödlicher Kult. Die terroristische Organisation Hamas, von Gudrun Eussner, 12. November 2003. Darin zur Definition "Kult" der Abschnitt "Hamas ist ein Kult"
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-18_20-07-55.html

(2) The Palestine Islamic Jihad: Background Information, by Meir Litvak, Moshe Dayan Center for Middle Eastern and African Studies. Tel Aviv Notes No. 56, November 2002
http://www.tau.ac.il/jcss/tanotes/TAUnotes56.doc

(3) Matthias KĂŒntzel: Djihad und Judenhass. Über den neuen antisemitischen Krieg. Epilog: Der Mufti und die Deutschen
http://www.matthiaskuentzel.de/artikel.php?artikelID=26

(4) The White Paper of 1939. Homeward Bound
http://www.wzo.org.il/home/politic/white39.htm

(5) No peace until Palestine is free. Interview with the General Secretary of the Islamic Jihad Movement in Palestine: Dr. Fathi Shikaki. Palestine Remembered.com The Home Of All Ethically Cleansed Palestinians, Interview: January 1993. Posted on August 14, 2001
http://www.palestineremembered.com/al-Ramla/Zarnuqa/Story455 .html

(6) Were Jews and Arabs Destined To Hate Each Other? by Joel Bainerman. The Wisdom Fund News&Views, May 14, 1998. Rezension des Buches von William Ziff "The Rape of Palestine", erstmalig veröffentlicht im Jahre 1938 (!) nach einigen Jahren intensivster Recherchen des Autors
http://www.twf.org/News/Y1998/JewsArabs.html

(7) Israel 1991 to Present Islamic Jihad. What is Islamic Jihad? Palestine Facts
http://www.palestinefacts.org/pf_1991to_now_plo_islamicjihad .php

(8) Islamic Jihad, by Alden Oreck. Jewish Virtual Library
http://www.us-israel.org/jsource/Terrorism/PIJ.html

(9) Palestinian Islamic Jihad. International Policy Institute for Counter-Terrorism at the Interdisciplinary Center Herzliya
http://www.ict.org.il/inter_ter/orgdet.cfm?orgid=28

(10) About Us. Palestine Chronicle Honorary Editorial Board Members. The Palestine Chronicle
http://www.palestinechronicle.com/index.php?x=aboutus

Der Herausgeber des "Palestine Chronicle" Ramzy Baroud ist auch Herausgeber einer Anthologie "Searching Jenin: Eyewitness Accounts of the Israeli Invasion". Er setzt sich auch vehement fĂŒr die Anerkennung des "Massakers von Tantura" ein.

(11) "The Islamic Resistance at 3:35 p.m. rained down the Rihan Lahed militia outpost using direct propelled rockets and scored direct hits." The Islamic Resistance military operations on Wednesday, April 12, 2000
http://www.hizbollah.org/english/bayanat/b2000/apr2000/b2000 0412.htm

(12) Interview with Islamic Jihad Leader, 10 Minutes at a Time , by Ali Samudi
Palestine Chronicle, Monday, October 21 2002
http://www.palestinechronicle.com/article.php?story=20021021 193722885

(13) Head of Islamic Jihad Military Wing in Jenin Killed at Ramadan Meal. Palestine Chronicle, Saturday, November 09, 2002
http://www.palestinechronicle.com/article.php?story=20021109 162138839

(14) Das Ende des Waffenstillstands? 20.8.2003. www.Freace.de - Nachrichten, die man nicht ĂŒberall findet
http://www.freace.de/artikel/aug2003/israel200803.html

(15) "Es gibt keine Lösung fĂŒr die palĂ€stinensische Frage als den Djihad, Initiativen, VorschlĂ€ge und internationale Konferenzen sind Zeitverschwendung und vergebliche MĂŒhen". (Artikel 13). THE CHARTER OF ALLAH: THE PLATFORM OF THE ISLAMIC RESISTANCE MOVEMENT (HAMAS) Translated and annotated by Raphael Israeli, Harry Truman Research Institute, The Hebrew University, Jerusalem. Federation of American Scientists
http://www.fas.org/irp/world/para/docs/880818.htm

(16) Group Uses Violence "To Liberate Palestine", by Michael Fechter, Tampa Bay Online, February 21, 2003
http://news.tbo.com/news/MGAWTHONFCD.html

(17) Islam and Salvation in Palestine: The Islamic Jihad Movement. Meir Hatina. Syracuse: Syracuse University Press, 2001. Middle East, by Carl Brown. From Foreign Affairs, March/April 2002
http://www.foreignaffairs.org/20020301fabook8029/meir-hatina /islam-and-salvation-in-palestine-the-islamic-jihad-movement .html

Zitiert in: The Roots of Muslim Terrorism. Jewish Post of New York Online.
http://www.jewishpost.com/jp0801/jpn0801a.htm

(18) The Genocide Continues. Peace with Realism
http://www.peacewithrealism.org/genocide.htm

(19) Family "proud" of suicide bomber. The Age, October 6, 2003
http://www.theage.com.au/articles/2003/10/05/1065292478048.h tml?from=storyrhs

(20) Palestinian Islamic Jihad and Female Suicide Bombers, by Yoni Fighel, ICT Researcher. October 6, 2003
International Policy Institute for Counter-Terrorism at the Interdisciplinary Center Herzliya
http://www.ict.org.il/articles/articledet.cfm?articleid=499

(21) Hanadi The Bomb, by Amin Houweidi. Al-Hayat, 11.10.2003
http://www.daralhayat.net/actions/print2.php

(22) Iraq History. The Cradle of Civilization
http://home.achilles.net/~sal/iraq_history.html

(23) Der heilige Kampf. Al-Islam
http://www.al-islam.com/maknazlatin/Tree.asp?l=ger&p=0-13-&

(24) Islamischer Dschihad. Liegt die Wurzel des Terrors im Islam? von Ulrich Neuenhausen
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/islamische r_dschihad.htm

(25) Palestinian Poll Reveals 3 In 4 Support Haifa Bombing.
International Christian Embassy Jerusalem, October 22, 2003
http://www.truthnews.net/world/2003100067.htm

17. November 2003



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