
Antisemitismus und Israelfeindschaft in Frankreich
Beispiele der letzten Zeit aus der Welt der Printmedien
Was die französischen Medien angeht, so passen folgende Veröffentlichungen gut in die antisemitische israel-feindliche Landschaft Frankreichs:
Thierry Meyssan: "L´effroyable imposture" - "Der inszenierte Terrorismus"
Das in 28 Sprachen übersetzte, in mehr als 50 Ländern erhältliche Verschwörungsbuch über den 11. September 2001 des Thierry Meyssan "L´effroyable imposture", erschienen bei den Editions Carnot.
Thierry Meyssan ist Nationalsekretär des Parti radical de gauche (PRG), der radikalen Partei der Linken ("100 Jahre im Dienst der Republik"), dort seit 1995 zuständig für die Beziehungen zur internationalen Zivilgesellschaft. Er ist von 1995 bis 1999 Stellvertretender Koordinator des Nationalkommittees zur Wachsamkeit gegenüber der extremen Rechten, was ihm dazu verholfen hat, für die deutsche Ausgabe seines Buches, veröffentlicht unter dem Titel "Der inszenierte Terrorismus", den Verlag De Facto des Rechtsextremen Pierre Krebs, vom Thule-Seminar ausfindig zu machen, (1) und er ist Journalist und Schriftsteller, dessen "Buch der Untersuchung über die größte Manipulation der Geschichte" sich mit dem Attentat vom 11. September auf das Pentagon befaßt. Er behauptet, die Amerikaner hätten alles selbst inszeniert. (2)
Thierry Meyssan weiß Bescheid, und er macht damit viel Geld. In den arabischen Scheichtümern und in Saudi-Arabien wird "der Sohn Frankreichs" herumgereicht. So ist er getreu dem Motto seiner Partei "im Dienst der Republik" und deren Interessen in den arabischen Staaten unterwegs. Am 8. April 2002 präsentiert er, "der Investigationsjournalist, der Denker" unter der Schirmherrschaft der Arabischen Liga, bei Anwesenheit des diplomatischen Korps und der internationalen Presse seine "Forschungsergebnisse" im Zayed Zentrum, Abu Dhabi/UAE: Eventuell elf Flugzeuge, statt nur vier, oder ein Jagdbomber oder überhaupt eine "Missile der letzten Generation", weitere zerstörte Gebäude, "keine ausländischen arabisch-moslemischen, wenn auch einige Ausführende moslemisch sein können, sondern US-amerikanische Terroristen": das ganze Attentat auf das Pentagon sei eine einzige Lüge. Mathias Bröckers und seine deutschen Anhänger mögen ob der Kühnheit des Gedankenfluges des Thierry Meyssan bitte erblassen. (3)
Thierry Meyssan: Réseau Voltaire
Thierry Meyssan ist Gründer und Präsident des Réseau Voltaire "für die Freiheit des Ausdrucks". Dort berichtet er, am 18. November 2002, von seiner Unterredung mit führenden Vertretern der Terrororganisation Hezbollah (Partei Allahs), "einer sozialen Bewegung islamischer Inspiration, häufig verglichen der Befreiungstheologie in Lateinamerika", die nach der Invasion des Libanon durch Israel zu einer bewaffneten Organisation geworden sei, "engagiert in Aktionen des bewaffneten Widerstandes im Angesicht des US-Imperiums und der Kolonisierung der besetzten palästinensischen Territorien". Sinnigerweise hält auch der französische Präsident Jacques Chirac die Hezbollah für eine primär soziale Einrichtung und legitime Gesprächspartnerin. Er lädt deren Generalsekretär Sheikh Hassan Nasrallah Ende Oktober 2002 zum Gipfel der Frankophonie ein. (4)
Es ist eben derjenige, der beim Austausch israelischer Gefangener neue Drohungen gegen Israel ausspricht, da sich der dreifache Mörder einer israelischen Familie, Samir Kuntar nicht unter den ausgetauschten Gefangenen befindet, und der zynisch erklärt, man werde ja bald sehen, wer noch lebt von den gefangenen Israelis. Das zu einem Zeitpunkt, als er längst weiß, daß alle drei Soldaten tot sind und nur noch die Särge mit den Überresten der Toten an die Israelis übergeben werden.
Dieser Scheich ist der Gesprächspartner des französischen Präsidenten.
Sheikh Hassan Nasrallah lobt auf mehreren Veranstaltungen der letzten Zeit den bewaffneten Kampf der Palästinenser und die Technik der Homizidattentate, die seiner Ansicht nach weltweit verbreitet werden sollten. Am 15. November 2002, also zwei Wochen nach seinem Treffen mit dem französischen Präsidenten und einige Tage, nachdem Thierry Meyssan das Vergnügen der Unterredung mit den Terroristen hat, werden seine Reden in der offiziellen Wochenzeitung dieser "primär sozialen Einrichtung" Hezbollah El-Intiqad veröffentlicht.
Ein Auszug aus seinen Erklärungen:
"Wir nehmen die USA wahr als einen Feind der islamischen Nation, aber im Augenblick sind wir nicht in einer militärischen Kampagne gegen sie engagiert."
"Die islamische Nation hat die Anwendung der Suizidattentate wieder aufgenommen, ohne diese Angriffe hat der Kampf keinerlei Sinn. Die amerikanische Regierung und die Experten in den USA und in Israel wie auch die Generäle der Armee hatten keinen Erfolg darin, die Konzeption der Suizidattentate zu eliminieren. ... Wir müssen die Idee des Todes verbreiten, um zum Kampf der islamischen Nation zum Schutz unseres Landes dem Pfad Allahs und und den Selbstmordaktionen zu folgen."
Die EU hat inzwischen den militärischen Arm der Hezbollah als "terroristische Vereinigung" anerkannt. Hassan Nasrallah, der politische und militärische Führer der Bewegung ermutigt aktiv den palästinensischen Terror gegen Israel und die Verübung von Terrorattentaten gegen westliche Ziele weltweit. (5) Am 11. Dezember 2002 erklärt die kanadische Regierung die Hezbollah zur terroristischen Vereinigung.
Auf dem Réseau Voltaire des Thierry Meyssan hat man es noch mit weiteren Terroristen zu tun. Ausführlich veröffentlicht wird dort ein Interview mit der Verteidigerin des zum Islam konvertierten Terroristen, in der Pariser Santé einsitzenden Ilitch Ramirez Sanchez, alias Carlos, der Anwältin Isabelle Coutant-Peyre, Mitarbeiterin des glamourösen Anwaltes und Verteidigers des Tariq Aziz und vielleicht auch des Saddam Hussein, Jacques Vergès. Sie hat den 1997 zu lebenslanger Haft verurteilten Carlos im Gefängnis geheiratet und will sich mit ihm nach seiner Haftentlassung in Venezuela niederlassen. Sie hält Carlos für einen freundlichen Menschen und für unschuldig, alle Anschuldigungen seien manipuliert, Carlos sei ein Politiker, der sein Leben einem politischen Prinzip gewidmet hätte, einer revolutionären Vision. Terror hält sie in bestimmten Fällen für gerechtfertigt, die materialistische Ausbeutung sei ebenfalls Terror. In dem Interview stellt sie die Staatsgewalt in Frage, in Frankreich herrsche Staatsterror und Verrat.
Derartige Konfessionen einer Anwältin liest man auf dem Réseau Voltaire des linksrepublikanischen Thierry Meyssan. (6)
Ilitch Ramirez Sanchez, alias Carlos: "L´islam révolutionnaire"
Der zum Islam konvertierte Carlos, "der Schakal", schreibt im Gefängnis ein Buch mit dem Titel "L´Islam révolutionnaire", der revolutionäre Islam. Text und Gespräche werden aufgezeichnet und vorgestellt von Jean-Michel Vernochet, der im Jahre 2002 auch einen Film über Afghanistan dreht. Das Buch kommt im Juni 2003 bei den Éditions du Rocher heraus. Es gibt Kapitel über die Scharia, den Islam, Unterwerfung unter den göttlichen Willen, den politischen, islamistischen, revolutionären Islam, vom Glaubenskrieg zum heiligen Krieg, Terror und Lüge und über den Dritten Weltkrieg.
Carlos fordert in dem Buch alle Revolutionäre, einschließlich der linken, auf, Osama bin-Laden als Führer anzuerkennen, um so Afghanistan und den Irak in einen Friedhof für den amerikanischen Imperialismus zu verwandeln. Die USA müßten durch konzertierten ständigen Terror zerstört werden. Carlos lernt dieses, auf Israel bezogen, in den 70er Jahren bei der People´s Front for the Liberation of Palestine (PFLP) des George Habash. Er beginnt seine Terrorkarriere, ermordet 1975 zwei französische Polizisten und leitet im selben Jahr die Entführung der OPEC Minister in Wien.
Das Buch gibt einen Einblick, wie arabische Staaten, Ägypten, Algerien, der Irak, Libyen und Syrien routinemäßig Terror als Staatspolitik benutzen. Es zeigt auch die Verbindung zwischen radikalem Atheismus und fundamentalistischer Religion auf. Die Übergänge zwischen beiden sind fließend. Unter beiden Flaggen kann die Zerstörung des Imperialismus und der USA als seinem Hauptvertreter betrieben werden. Carlos sieht, daß nur der revolutionäre Islam die zur Zerstörung des Imperialismus notwendige Quantität an Terroristen und Märtyrern hervorbringen kann. Er fordert alle islamistischen Gruppen auf, Allianzen mit radikalen, auch linksradikalen Gruppen einzugehen. Dazu müsse der Islam reformiert werden, die Pflichten der Moslems wie Beten, Fasten und Pilgerschaft nach Mekka seien nicht so vordringlich wichtig wie der Krieg gegen die USA. Es sei für alle Moslems nötig, sich einen Bart wachsen zu lassen, und für alle Frauen, den Schleier oder das Kopftuch zu tragen. Beides könne als Terrormittel benutzt werden, den Amerikanern zu zeigen, daß der Feind mitten unter ihnen weile.
Der Terrorismus sei durch seine psychische Wirkung, daß er nämlich die Moral des Gegners zerstöre und ihn von größeren Aktionen abhalte, die sauberste und effizienteste Form der Kriegführung. Carlos widmet sich der Aufhetzung der Moslems gegen die USA, ein Regimewechsel in den diktatorischen arabischen Staaten interessiert ihn nicht.
Der Kampf gegen die Juden und Israel ist nur eine Etappe im Glaubenskrieg. So sehen es die Islamisten weltweit, von den Da´wa-Predigern der vornehmen Islamic Foundation, in Markfield/Leicester, über Scheich Mohamed Sa´id Ramadan al-Bouti, von der Universität Damaskus, bis zu den Terroristengruppen von Hamas und PIJ. Sie legen Koran, Suren und Hadithe so aus, daß damit ihr Anspruch auf Machterweiterung abgesichert ist. Israel und die USA werden dabei als die härtesten Hindernisse wahrgenommen. (7)
Die Infamie der EU-Kommission und der Regierungen Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens besteht darin, daß sie die Angriffe der Islamisten und ihrer Terrorgruppen zur Schwächung der strategischen und wirtschaftlichen Position der USA ohne Rücksicht auf die betroffenen Israelis und Palästinenser auf Kosten der USA zur Ausweitung ihres eigenen Machtbereichs dulden und fördern. Darum wird auch die Ächtung dieser Gruppen von der EU verweigert. Ein gefährliches Spiel, bei dem Antisemitismus und Israelfeindschaft ganz unweigerlich anfallen.
Israel Shamir: "L´Autre visage d´Israel"
Kommen wir nun zu den Ereignissen und Diskussionen um das am 2. Oktober 2003 erschienene revisionistische Buch des notorischen Antisemiten und Israelhassers Israel Shamir "L´Autre visage d´Israel", das andere Gesicht Israels, Trotz Widerspruchs des Mitverlegers Franck Spengler, Éditions Blanche, zieht der Verleger Denis Bourgeois, Éditions Balland, das Buch zurück. Der Skandal ist, daß es überhaupt erst erscheinen kann. Das ist dem Gutachten der Mitarbeiterin des Roger Garaudy Maria Poumier zu danken, der Freundin der Carlos-Anwältin Isabelle Coutant-Peyre. Die Übersetzung des Buches stammt von Marcel Charbonnier, der sich auch auf der Web Site des Christian Bouchet äußert, dem Gründer der Neo-Nazi Gruppe Unité Radicale, dessen Mitglied am 14. Juli 2002 ein Attentat auf den französischen Präsidenten ausübt.
Marcel Charbonnier und sein Mitstreiter Pierre-Alexandre Orsoni, beide bekannt als "propalästinensische Linke", veröffentlichen bereits am 20. März 2003 in einem über E-mail an mehr als 6 800 Adressaten verschickten Rundbrief der Association médicale franco-palestinienne de Marseille (AMFP) einen von Marcel Charbonnier übersetzten Artikel des Israel Shamir "Les oreilles de Midas", die Ohren des Midas. Darin behauptet Israel Shamir, das "organisierte Judentum" wäre verantwortlich für den Irakkrieg, wie es auch für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich wäre. (8)
Als "Bücherholocaust" bezeichnet der Liebhaber antisemitischer und israelfeindlicher Kleinodien, der Zürcher Rudolf Brändli die Entscheidung des Verlegers Denis Bourgeois, das Machwerk vom Markt zu nehmen: "Der französische Verlag Balland zieht Shamirs Buch ´L´autre visage d´Israël´ vom Markt zurück und verbrennt die Auflage, auf Druck der zionistischen Inquisition - die zionistisch-rassistische Bevormundung der ´freien Welt´ geht weiter." (9)
Das Buch ist nach wie vor zum Preis von 19 Euro über www.alapage.com erhältlich. Israel Shamir stellt darin mehrere seiner zwischen Februar 2001 und November 2002 veröffentlichten Artikel und Vorträge zusammen, gehalten auch in den Universitäten der USA. Die Unterstützung der Juden der USA für Israel und der "Krieg" der israelischen Regierungen gegen die Palästinenser werden denunziert. Er fordert nicht zwei, sondern einen palästinensischen Staat.
Auf dem Einbanddeckel liest man, die Zweite Intifada sei mehr als ein lokaler Konflikt, sie sei vielmehr ein zentraler Teil eines Kampfes der Ideen, eine Vision der Welt. So sieht es auch Carlos, so sehen es die wahhabitischen Islamisten, der Palästinensische Islamische Djihad (PIJ), so sehen es die Moslembrüder. Die Hamas als palästinensischer Zweig der Moslembrüder ist gemeinsam mit dem PIJ dabei, diese Vision in Israel in die Tat umzusetzen. Tariq Ramadan und seine Anhänger führen diesen Kampf der Ideen mit nichtmilitärischen Mitteln, u.a. mit dem Kopftuch.
"Die Opfer von gestern, können sie die Schlächter von heute werden? Gibt es nicht seitens des Zionismus einen Willen zur Hegemonie, gleichgültig der Preis, der zu ihrer Erreichung zu zahlen ist? ... Boshafte Rabbiner kehren dem Gesetz den Rücken zu, um ihre Träume der Weltherrschaft zu befriedigen. ...
In seinen (des Israel Shamir) Artikeln wird Palästina wahrgenommen wie ein verkleinertes Modell der Welt. Die agierenden Kräfte wollen die Eliminierung der Bevölkerung, die Zerstörung seiner Kirchen und Moscheen, die Verwüstung seiner natürlichen Ressourcen mit der nachdrücklichen und blinden Unterstützung der USA. Aber dagegen leisten materielle und spirituelle, neue und alte Kräfte Widerstand, und sie machen, daß sich die besten Männer und Frauen in der Schlacht für Palästina engagieren."
Israel Shamir kämpfe mit unerhörtem Mut und setze sich für die Befreiung seines Landes und für die öffentliche Diskussion ein. Wenn diese Schlacht verloren werde, werde auch der Fall des Heiligen Landes einen Wendepunkt für die Menschheit sein, die vollständige Knechtung des Menschen durch die Kräfte der Hegemonie. Der Autor glaube an die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Kommunitäten. Er ist übrigens zum Christentum übergetreten.
Israel Shamir in der Übersetzung von Marcel Charbonnier wird auf zahlreichen palästinensischen und arabischen Web Sites veröffentlicht. Marcel Charbonnier übersetzt zuletzt den Artikel "Il est minuit moins cinq docteur Sharon", es ist fünf Minuten vor zwölf, Doktor Sharon, veröffentlicht auf Al-Oufok, der elektronischen Publikation der "demokratischen arabischen Bewegung", und vielen anderen. (10) Der angeblich Linke Marcel Charbonnier ist eine Art Chefübersetzer des Israel Shamir. (11)
Die Humanité und ihre Kolumnistin Régine Deforges, Mutter des Mitverlegers Franck Spengler, was sie in ihrer Kolumne nicht erwähnt, sehen den Skandal im Rückzug des Buches, die Verleger wären bedrängt und genötigt worden (von Juden selbstverständlich). Die Kolumne "L´Ã©claircie", Lichtblick, Silberstreifen, erscheint am 5. November 2003. Nach Protesten nimmt die Humanité die Kolumne kommentarlos von ihrer Web Site. (12)
Nima Zamar: "Je devais aussi tuer"- und Jacques-Pierre Amette: "La maîtresse de Brecht
Ein weiterer Fall ist "Je devais aussi tuer" von Nima Zamar. In Frankreich erscheint das Buch im September 2003 beim Verlag Albin Michel. In Deutschland ist es für den 16. Januar 2004 zur Veröffentlichung vorgesehen, aber der Kindler-Verlag zieht es auf Grund massiver Fälschungsvorwürfe sämtlicher konsultierter Experten zurück. Der Journalist Christhard Läpple kommt nach Recherchen vor Ort, in Israel, zu dem Ergebnis, was dieses Buch ist: "der große Bluff." (13)
Dem staunenden Journalisten Henning Biedermann von der ARD erklärt der bei Kindler für das Buch verantwortliche Alexander Fest , daß einwandfreie Nachprüfbarkeit bei einem Sachbuch für ihn nicht das Wichtigste sei: "Dann müssen Sie auf ungeheuer viel Interessantes und auch in der Geschichte der politischen Literatur - der restlichen Literatur ebenso - Wichtiges verzichten. Und das ist einfach nicht meine Position." (14)
Was Alexander Fest unter "Wichtigem" versteht, und was er 1999 in seinem eigenen Verlag veröffentlicht? Beispielsweise Joachim Fest: Speer. Eine Biographie. Ist Albert Speer Adolf Hitlers "unglückliche Liebe"? Das ist vom Abriß des historischen Berlin bis zu "so noch nicht gelesenen Schilderungen planmäßiger Menschenvernichtung, vor allem des Holocaust" erschreckend und spannend zu lesen, oder dies: Keusch wie Eis, schon tot, die dunkle Schöne aus Weißrußland. (15)
Die Veröffentlichung der Verleumdungen über den israelischen Geheimdienst Mossad und seine angeblichen Arbeitsmethoden, die ist ebenso wichtig und unverzichtbar für Alexander Fest. Sein Gewährsmann ist Thierry Pfister, der Cheflektor des "renommierten Pariser Verlags Albin Michel". Er garantiert dem Kindler Verlag, daß Nima Zamars Buch wahr ist. Angeblich kennt er Nima Zamar seit ihrer Kindheit, und er glaube ihr, vertraut er Alexander Fest an. Man sollte vielleicht ergänzen: er vertraut ihr wie sich selbst. (14)
Der Verlag Albin Michel beweist erst kürzlich, daß er einen Hang zu abstrusen, aber sehr gezielten Fiktionen hat, in dem er ein Buch des Literaturkritikers der Zeitschrift "Le Point" und Autors Jacques-Pierre Amette veröffentlicht, "La maîtresse de Brecht", die Geliebte Brechts. Dort wird diesem nach 15-jährigem Exil heimgekehrten, mit zahlreichen Frauen überreich gesegneten Deutschen eine weitere Geliebte angedichtet, in sein Leben eingeschmuggelt, eine Agentin der Stasi, die später ihre Erlebnisse bei der CIA beichtet, und die französischen Intellektuellen und Kritiker sind´s nicht nur zufrieden, sondern sie sind begeistert. Sie verleihen dem Autor, und damit vor allem dem Verlag, den begehrten Prix Goncourt 2003, der seinen 100. Geburtstag feiert. Jacques-Pierre Amettes Lesungen und seinen Erfolg in ganz Frankreich kann man auf seiner Web Site bewundern. (16)
Was macht es, ob die Geschichte wahr ist oder erfunden? Im Buche, von dem 13 Seiten Leseprobe angeboten werden, gibt es, auf Seite 19, im Jahre 1948 bereits die "RDA", die DDR: "Dymschitz las seinen Willkommenstext und fragte sich, ob der alte Brecht, heute, eine Axt unter seinem Mantel versteckt hätte. Den Schädel der Schriftsteller der DDR spalten ....". Der 1932 von Slatan Dudow gedrehte berühmte Film heißt auf Seite 22 der Leseprobe "Kühle Wampe". (17)
Er setzt eigens den Umlaut, der im Französischen nicht vorkommt, den er bewußt einsetzen muß. Hätte er umgekehrt irgendwo einen Umlaut übersehen, es könnte einem Franzosen passieren. Zwei kleine Pünktchen zuviel aber zeigen, daß der Autor keine Ahnung hat. Man gewinnt einen Eindruck, was vom übrigen Text zu halten ist: nichts.
Aber die Geschichte ist gut und spannend geschrieben, finden die französischen Kritiker und Leser, die heutzutage weniger auf Qualität als auf antiamerikanische Sprüche abfahren: "Sie wissen, auf der anderen Seite, die Amerikaner, das ist der Krieg, den sie vorbereiten, von neuem. Wir wollen wissen, wer er ist. So lange Zeit verbracht in Kalifornien ...", so zitiert die Präsentation des Verlages aus dem Buch. Diese Zeilen findet er von den 306 Seiten des Buches die wichtigsten. Berlin-Ost 1948: kriegslüsterne Amerikaner sowie Bertholt Brecht und eine junge Schauspielerin aus der Retorte, Agentin der Stasi Maria Eich (deutsche Eiche-Ost), ... (18)
Marktrenner "Je devais aussi tuer"
Der Unterschied zum Buch Nima Zamars ist nur graduell. Hier wird einfach alles erfunden. Der Verlag stellt das angebliche Dokument so vor:
"Ein einzigartiges Dokument. Ein außergewöhnliches menschliches Abenteuer. Das einer jungen französischen Jüdin, die nichts zu dieser Art Abenteuer prädestinierte, bevor sie in eine israelische Spezialeinheit eingegliedert wurde, eingeführt in den Krieg im Dunkeln, ins ´große Spiel´. Unter dem Decknamen Nima Zamar wird sie einer rigorosen Ausbildung unterworfen, um sich in einem Trainingslager der Hezbollah in Libyen einzugliedern, wo sie, in gnadenlosen und blutigen Methoden der Terroristen ausgebildet, tötet.
Nima Zamar läßt zehn Jahre unglaublicher Gewalt eines Krieges wieder erstehen, der täglich im Nahen Osten weitergeht. Eingedrungen in die Netzwerke der palästinensischen Kämpfer, entdeckt sie die Medienmanipulationen der Intifada, erleidet syrische Torturen, nimmt an der Ausbildung amerikanischer Truppen teil, die ihrer selbst zu sicher sind, und stößt sich an den diskreten aber allgegenwärtigen Russen.
Dieser manchmal unerträgliche Bericht beleuchtet in außergewöhnlich grellem Licht die Konfrontation Israels und seiner Nachbarn, in dem er sie in einen über die Palästinenser hinausweisenden Zusammenhang eines feindlichen Zusammenstoßes der Hauptmächte gegen einander stellt." (19)
Thierry Pfister und den Verlag Albin Michel hindern die belegten Fälschungsvorwürfe nicht daran, das Buch mit den Erfindungen der Nima Zamar und den Verleumdungen über den israelischen Geheimdienst Mossad weiter zu verbreiten. In Frankreich verkauft sich das Buch über die angebliche Computerspezialistin wie warme Semmeln. "Der Verlag verspricht sich offenbar gute Geschäfte mit Israel-Stories aus schlechten Fälscherwerkstätten", resümiert "aspekte" das Gebaren der Éditions Albin Michel. (13)
Medienberichte zu "Je devais aussi tuer"
"Female Bond with a story to sell", berichtet Charles Bremner in der Londoner Times, am 14. September 2003. Welch ein gefundenes Fressen für das israelfeindliche Indymedia und für die britischen Antisemiten und Israelhasser!
"Nima Zamar, eine ausgebildete Mörderin für den Mossad, glaubte, daß sie ´wirklichen Dreck´ beseitigte, obgleich Israel sie gern zur Phantastin erklären würde."
Die Geschichte sei "ein Stoff für Alpträume oder für die schwärzesten Thriller", in Paris macht es Furore, aber es sei so grauenhaft, "daß einige Medien es zur Fiktion erklären". So herum schafft es Charles Bremner, dieses Argument von vornherein zu entkräften. Thierry Pfister, schiebt er nach, kenne Zamar, deren Familie rumänisch-jüdische Immigranten seien, seit deren Kindheit. Zwei Jahre Training, das Arabisch, Mordtechniken und Abrichtung auf ein Leben als Agentin und unter Folter einschließt, lasse ihr eine Abteilung des Mossad angedeihen. Ihr erster Mord wird ihr von der Hezbollah an Yasmina, einer mit ihr befreundeten Mitagentin befohlen, rein willkürlich, um sie zu prüfen. Bedenkenlos führt sie ihn aus, denn "jeder tote Terrorist hieß israelische Leben retten." Dann beschreibt Nima Zamar ausführlich, wie sie den Mord begeht. Der Mossad habe sie für solche Prüfungen vorbereitet, "sagt sie ruhig. Ich tat, was ich zu tun hatte." Sie beschreibt in dem Buch ausführlich und in Einzelheiten weitere an ihren Opfern begangene Morde. "Frauen sind, sagt sie, vielleicht bessere Killer als Männer, weil sie weniger ichbezogen sind und williger, bescheiden im Schatten zu dienen, ohne Ruhm und Anerkennung." (20)
So sehen es die Hamas neuerdings, und der PIJ schon seit längerem.
Ausführlich beschreibt sie die an ihr durch Syrer und Russen verübte Folter: "Für mich war es eine Art Chutzpeh. Ich überlebte. Und die Araber waren nicht sehr effizient." Charles Bremner schreibt nicht, daß keine dieser Foltern durch ärztliche Gutachten belegt sind, weil sich die Autorin, angeblich auf Grund ihrer Menschenwürde weigert, sich untersuchen zu lassen. Er schreibt nicht, daß keines ihrer Abenteuer belegt werden kann, sondern daß im Gegenteil, unabhängige Experten die Unwahrscheinlichkeit bescheinigen. Es reicht, daß die Autorin gängige hebräische Wörter einstreut. In dem Buch soll es noch mehr davon geben, schreibt der Nouvel Obs: "tov (gut), todah (danke), kadima (vorwärts), als Lokalkolorit zwischen Cis-Jordanien und Syrien, en passant den Südlibanon. "Man erfährt, daß der Flughafen in Beirut Tradition und Modernität vereint, daß man der Folter widerstehen kann, in dem man sehr intensiv an das zweite Konzert von Rachmaninow denkt, vor allem aber daran, daß die Araber viel zu dumm sind, das Attentat vom 11. September 2001 zu begehen, das klar die Handschrift trägt ... von Moskau. Thierry Meyssan ist geschlagen." (21)
Es gibt weiterhin die Anschuldigung an den Mossad, der sie beseitigen will, als sie Anfang 2001 aussteigt aus dem Killergeschäft. Mit einer Giftspritze soll sie auf dem Flughafen von Istanbul von einem Mitagenten beseitigt werden: "Er überlebt es nicht."
Das weiß der Leser schon lange. Der Mossad ist überall mordend und sengend unterwegs. Harte Bräuche. So sind sie, die Israelis. Die europäische Welt bescheinigt es ihnen in Umfragen: Nr. 1 als Gefahr für den Weltfrieden, das ist Israel. So sehen es durchschnittlich 59 Prozent der Befragten, darunter 65 Prozent der Deutschen und 55 Prozent der Franzosen.
Sie schreibt das Buch als Zeugin, als "Rechenschaft für ihre Tochter, deren Vater ein Kamerad war, der bei einem Einsatz im Iran getötet wurde, sagt sie. Dort wühlt der Mossad also auch, was für deren Agenten tödlich endet. Sie streitet weder ihre Handlungen noch ihre Liebe zu Israel ab." Der Mossad aber wolle sie hindern, die Wahrheit zu veröffentlichen, nachdem er zunächst einverstanden gewesen sei. Eine zensierte Version komme zurück, auf eine Gliederung reduziert. Solange sie nicht über Training und Einsätze berichtet habe, sei alles in Ordnung gewesen, und "daß ich ein bißchen israelfreundlicher zu sein hätte." (20)
Nichts von allem ist wahr. Wahr ist, daß mit einem solchen Buch gezielt Judenhaß und Israelfeindschaft geschürt und bekräftigt werden. Das weiter gewinnbringend zu verbreiten, dafür verkauft der Verlag Albin Michel die Rechte an der Überrsetzung in die VR China, die Niederlande, nach Deutschland und Italien.
Bei soviel Glamour kann der Fernsehstar Thierry Ardisson, der Herr in Schwarz, nicht fern bleiben. In seiner Sendung auf France 2 "Tout le monde en parle", Wovon alle Welt spricht, am 13. September 2003, interviewt er die Autorin. Schwarz maskiert wie zum Karneval in Venedig und mit Kopftuch sitzt sie da, "die israelische Spionin, die alles auspackt", neben Humoristen, Literaten und anderen Komikern, und berichtet von ihren Abenteuern als Mörderin im Auftrag des Mossad. (22)
Fünf schicke Fotos vom Auftritt der gut aussehenden Dame finden sich im Internet, auf einer Seite, die sich "Espionnage" nennt. Da gibt es außerdem zur Anleitung für Glaubenskämpfer auch das "Mujahideen Poison Handbook", das Handbuch zur Herstellung verschiedener Arten von Giften, von Breather (pbuh) und Abdul Aziz und andere Aktualitäten. (23)
Abdul Aziz, oder wer immer die Seite unterhält, macht sich Sorgen, warum der französische Geheimdienst diese Mörderin, diese Mossad-Spionin, in Frankreich frei herumlaufen läßt, sie sei eine "Gefahr Nr. 1". Über die Amateure von der Hezbollah amüsiert sich Abdul Aziz. Leider müssen die Israelis in der Realität, im wirklichen Leben, das anders einschätzen. Jedenfalls, konstatiert Abdul Aziz, "die israelischen Geheimdienste opfern ihre Agenten im Namen der Sicherheit und für das jüdische Volk, das ist die offizielle Entschuldigung. Der Mossad respektiert das menschliche Leben der arabischen Bevölkerung nicht, sie sind bereit zu allem, um einen sogenannten Terroristen zu töten, während diese Frau ja noch nicht einmal etwas Illegales getan oder verbrochen hat. ... Wenn ein Agent des Mossad einen Einsatz verweigert, versucht dieser, ihn mit allen möglichen Mitteln zu liquidieren ... Die Chefs des Mossads sind Manipulateure, Lügner und Folterer gegenüber ihren Spionen, wenn dieser sich einem Einsatz verweigert oder ihn beenden will. Voilà , das habe ich als Wichtigstes zurückbehalten. Aber das Schönste ist, daß in Frankreich Mossad-Spione, die professionelle Mörder sind, frei herumlaufen. ... Um Frieden mit den Juden zu haben." (24)
Die Äußerung des Abdul Aziz sind exemplarisch. Es ist genau das, was das Buch vermitteln soll, und was offensichtlich ankommt. Schüren des Antisemitismus und des Hasses auf Israel, auf seine Regierung und Institutionen, auf deren Bemühungen, sich des Terrorismus zu erwehren, Infragestellen der Urheberschaft der Araber am Attentat vom 11. September und Schuldzuweisung an andere, hier also nicht Abwälzen auf die USA, sondern die Variante Moskau. Tausende von Franzosen nehmen diese Botschaft dankend an.
Der Funktionär des Parti Socialiste (PS) Thierry Pfister und seine Partei
Der 1945 geborene Thierry Pfister ist ein Vollblutjournalist. Reporter bei Europe 1, zehn Jahre politischer Redakteur bei Le Monde und drei Jahre Chef der poltischen Redaktion des Nouvel Observateur, in den 70er Jahren kurzzeitig Verlagsmitarbeiter bei den Éditions Balland, dem Verlag des Israel Shamir: "L´Autre visage d´Israel", sowie ständiger Mitarbeiter für Politik von Zeitungen und Zeitschriften. Er ist Autor politischer Bücher, "Le Gauchisme" (1972), Der Linksradikalismus, "Les Nouveaux Communistes" (Koautor 1973), die "Neuen Kommunisten", erneut herausgegeben 1977 als "Les Nouveaux Communistes aux portes du pouvoir", die Neuen Kommunisten an der Pforte der Macht, und "Les Socialistes", die Sozialisten.
Mit dem Einzug François Mitterands in den Élysée-Palast wird Thierry Pfister Regierungsmitglied. Er ist 1981 bis 1982 Stellvertretender Kabinettschef des Premierministers Pierre Mauroy und 1983 bis1984 Chargé de mission auprès du Premier ministre, eine Art persönlicher Beauftragter für besondere Einsätze des Premierministers Laurent Fabius. Über die Zeit seiner Mitgliedschaft in der französischen Regierung schreibt er gemeinsam mit Pierre Mauroy und anderen das Buch "La nouvelle citoyenneté - La déclaration de politique générale du 8 juillet 1981", über die Grundlinien der Politik, vom 8. Juli 1981. Das Buch wird im Jahre 2001 von der PS Stiftung "Fondation Jean Jaurès" herausgegeben, zur Erinnerung an alte Zeiten, da François Mitterand, am 10. Mai 1981, im Pantheon drei Rosen auf den Särgen von Jean Jaurès, Jean Moulin und Victor Schoelcher deponiert. Pierre Mauroy ist heute Mitglied der Kommission für Außenpolitik, für Verteidigung und die Streitkräfte. (25)
Über den Parti socialiste (PS) würden wohl alle drei in ihren Särgen rotieren, wenn sie wüßten, daß der PS im Dezember 2003 seine Mitglieder aufruft, einen "Appel des Socialistes pour une Paix Juste et Durable au Proche-Orient", einen Aufruf der Sozialisten für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten, zu unterschreiben. Darin wird zwar das Existenzrecht Israels anerkannt und ein Rückkehrrecht der Palästinenser auf der Grundlage der Genfer Initiative, vom Anfang Dezember 2003, und nicht das absolute Rückkehrrecht von inzwischen mehreren Millionen Palästinensern gefordert, was ja heutzutage schon erwähnenswert ist, dann aber geht es sofort zu Israels "brutaler Okkupationspolitik in Verletzung des Rechts" über, diese lasse die palästinensische Bevölkerung täglich mehr in Elend, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit versinken. Die Mauer der "Sicherheit" wird verurteilt und die Verantwortlichen der französischen und der EU-Politik werden aufgefordert, Israel zur Vernunft zu bringen.
Zum Schluß werden noch mit einem Satz der Antisemitismus und die "Suizid-Attentate gegen unschuldige israelische Zivilisten" verurteilt, ohne daß auch nur einmal erwähnt wird, wer sie begeht. Von neun Absätzen dieses Appells für einen gerechten dauerhaften Frieden enthalten acht massive Anklagen gegen Israel, das die ganze Schuld zugewiesen bekommt. Die Palästinenser sind die Opfer. Der Appell ruft auf, die israelischen Autoritäten "aufzufordern zum nicht verhandelbaren Respekt des internationalen Rechts". (26)
Ehemalige Minister und weitere hochrangige Funktionäre der sozialistischen Politik unterschreiben den Appell. Das ist die Politik der Partei, deren Regierungspolitik Thierry Pfister Anfang der 80er Jahre aktiv mitbestimmt. Das Buch von Nima Zamar paßt trefflich in diesen Kontext. (27)
Seine sensationellen Erfahrungen als Insider teilt Thierry Pfister nach seinem Ausscheiden aus der Regierung mit der Leserschaft Frankreichs durch das preisgekrönte Buch "La Vie quotidienne à Matignon au temps de l´Union de la Gauche", Der Alltag im Matignon-Palast zur Zeit des Linksbündnisses (1983), "Les Coulisses du pouvoir", Hinter den Kulissen der Macht (1987) sowie "La République des fonctionnaires", Die Funktionärsrepublik (1988). (28)
Nachdem Thierry Pfister die leidige Politik der Linken und der Rechten, ihre Machenschaften vor und hinter den Kulissen der Macht ausführlich enthüllt hat, widmet er sich einem neuen Themenbereich, der Computerspionage.
Thierry Pfister und Fabrizio Calvi auf deutschen Spuren
Wir machen zuächst einen kleinen Abstecher nach Deutschland. Dort erscheint 1995 im Rowohlt Verlag über den Fall PROMIS: "Die Datenmafia", der Autoren Egmont Koch, eines in Biochemie akademisch ausgebildeten, seit 1972 investigativ tätigen Journalisten, und Jochen Sperber, Lehrer für Englisch und Geschichte, seit den 80er Jahren nebenbei journalistisch auf dem Gebiet "Neue Technologien" tätig.
Eine Dokumentation aller Romane und Gechichten über Computer-Themen, www.Computer-Thriller.de, rezensiert das inzwischen nicht mehr lieferbare Buch so:
"Die Autoren nehmen die Spur eines gigantischen Spionagefalls auf: Die amerikanische National Security Agency und der israelische Mossad stehlen mit Hilfe höchster Regierungsstellen einer kleinen Softwarefirma ein geheimnisvolles Computerprogramm namens ´PROMIS´. Mit dessen Hilfe dringen sie in vertrauliche Datenträger bei Banken, Konzernen und Behörden in aller Welt ein. Ein amerikanischer Journalist, der in dieser Sache recherchiert, stirbt unter mysteriösen Umständen; einer seiner Informanten wird ermordet. Die Autoren enthüllen die kriminellen Machenschaften einer neuen Datenmafia. Ein realer Krimi aus der digitalen Welt." (29)
Da haben wir ihn wieder, den Mossad, er ist wirklich allgegenwärtig. Eine kleine Softwarefirma, sie heißt Inslaw, wird schnöde um ihre Erfindung gebracht, mysteriösen kriminellen Machenschaften der USA und Israels ist es geschuldet. Die ganze unschuldige, hilflose Welt ist Opfer dieser Machenschaften.
Zwei Jahre später veröffentlichen Thierry Pfister und Fabrizio Calvi ("zwei alte Füchse") im Verlag Albin Michel ihre erste Koproduktion: "PROMIS. L´Oeuil de Washington", Das Auge Washingtons, einen geschwätzigen Spionage-Thriller ohne jede präzise Quellenangabe.
Fabrizio Calvi schreibt schon seit Jahren Spionagebücher, Bücher über Korruption, Geheimdienste und die Mafia. Von 1974 bis 1981 ist er Journalist bei der Libération. 1995 dreht er gemeinsam mit Jean-Michel Meurice den Dokumentarfilm "Familles macabres. D´Al Capone à l´Ã©lection de Silvio Berlusconi, l´analyse du fonctionnement de la mafia en Italie et aux Etats-Unis", Makabre Familien. Von Al Capone bis zur Wahl Silvio Berlusconis. Eine Analyse des Funktionierens der Mafia in Italien und in den USA. (30)
www.Computer-Thriller.de weiß über "PROMIS. L´Oeuil de Washington" zu berichten und zitiert dazu Le Monde, Le Point und AFP:
"Der US-Geheimdienst ließ eine manipulierte Version programmieren, die es erlaubt, alle Operationen der Computer mitzuverfolgen.
So wurde PROMIS in alle Welt verkauft: zum Beispiel durch Robert Maxwell an den russischen Militärgeheimdienst und zur Überwachung der Atomtests, nach Israel zur Kontrolle der Intifada, an den Iran, nach Jordanien, Ägypten, Chile, an Banken in Frankreich und in der Schweiz. Die brisante Untersuchung von Calvi und Pfister beruht auf umfangreichen offiziellen Dokumenten und Zeugenaussagen zahlreicher Beteiligter. Sie enthüllen ein globales Beziehungsgeflecht bis hinauf ins Weiße Haus, ein weltumspannendes Netz von Spionagediplomatie, Nachrichtendiensten, Mafia und Drogenszene, zwischen großer Politik und Big Busineß."
"Im Laufe der letzten Jahre wurden bereits zahlreiche Dokumente über den Fall PROMIS veröffentlicht. Der amerikanische Geheimdienst und einige israelische Agenten haben diverse Versionen dieses Systems über eine Hintertür in andere amerikanische und internationale Firmen eingeschleust, um danach die Informationen in ihr eigenes System übertragen zu können.
.... Die Israelis haben dieses System in Jordanien und Ägypten eingesetzt", wird Le Monde de Renseignement zitiert. Wie im Falle des Buches von Nima Zamar übersteigt auch hier die Realität bei weitem die Vorstellungskraft. Es handle sich um Piraterie und Diebstahl durch das amerikanische Justizministerium. Jean Guisnel, von der Zeitschrift Le Point, wo Jacques-Pierre Amette für Literatur zuständig ist, sieht den Fall ähnlich:
"Wäre die Geschichte die Ausgeburt der Phantasie eine Kriminalautors, man hielte sie für an den Haaren herbeigezogen und die Lawine von Fakten, die einen überrollen, für zu ausgetüftelt. Das Problem an der Sache ist jedoch, daß alles in dieser abstrusen Geschichte der Wahrheit entspricht: Die Wirklichkeit übertrifft die Phantasie …" (31)
Für die FNAC rezensiert ein Leser, auf www.fnac.com: "Ein ausgezeichnetes gut recherchiertes Dokument, schrecklich genug über die Methoden eines Amerikas, das zu allem bereit ist, um Herrscher der Welt zu bleiben, insbesondere dank eines Computerprogrammes, das sie uns vor 25 Jahren aufgezwungen haben."
Der Skandal zieht in den USA mehrere Prozesse nach sich, Untersuchungskommissionen werden vom US-Kongreß und vom Senat eingesetzt. Elliot Richardson, Richard Nixons ehemaliger Justizminister, der sich seinerzeit weigert, den Watergate Skandal zu vertuschen, vertritt Bill Hamilton, den geschädigten Besitzer der Firma Inslaw. Er veröffentlicht in der New York Times, am 21. April 1991, einen Artikel darüber: "Ein High Tech Watergate."
"Und die israelischen Geheimdienste treten auf den Plan. Wer gibt ihnen Promis, und warum?" Und an wen speziell? An Rafi Eitan, der am 11. Mai 1960 auch Adolf Eichmann in Buenos Aires aufgespürt hat, "eine Legende der Aufklärungsarbeit". Die Palästinenser der besetzten Gebiete werden erfaßt, die Daten werden an Jordanien geliefert, nachdem sie präpariert wurden. Alles, was der jordanische Geheimdienst nun speichert, landet bei den Amerikanern und den Israelis. (32)
Das mag ja alles stimmen. Allerdings ist der Fall in den USA Gegenstand von Prozessen und Untersuchungen im Kongreß und im Senat. Hochrangige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Elliot Richardson schalten sich ein, unterstützen den betrogenen Bill Hamilton und vertreten ihn vor Gericht. Der Fall ist auch spannend und für Thriller aller Art wie geschaffen. Widerlich aber ist die Art der Präsentation, diese anklägerische Nörgelei, und die Rolle, die Israel zugeschoben wird. Auf dieser Welt toben nur zwei "Schurken" herum, die USA und Israel. Alle anderen Staaten und ihre Bewohner sind Opfer, allen voran Frankreich und die Palästinenser.
Als wenn andere Staaten keine Geheimdienste unterhielten! Die gesamte Welt ist Opfer der USA und Israels. Was tun derweil die französischen Geheimdienste DST und DGSE? Sie infiltrieren die Unternehmen. Aber angeblich sind nur die USA zu allem bereit, und zwar um Herrscher der Welt zu bleiben, die friedliebenden Staaten der EU versuchen stattdessen anständig zu bleiben und recht und schlecht ihr Leben zu fristen. Wenn es nicht so peinlich wäre, könnte man darüber lachen! (33)
Was wir heute auch bei den Friedensfreunden erleben, die gegen den Irakkrieg auftreten: Anti-Amerikanismus, Antisemitismus und Israelfeindschaft. Als wenn es Friedensliebe gewesen wäre, aus der heraus Frankreich und Deutschland nicht mitgemacht haben beim Krieg gegen den Irak, und nicht etwa ihre sich von derjenigen der USA unterscheidende Interessenslage. Oder wie erklärt sich sonst die im Falle Jugoslawiens so ganz andere Haltung? Da werden die Vereinten Nationen auch nicht gefragt, da wird ein Land zerbombt, das keinen der Bomberstaaten angreift, da sind sie sich einig, die USA und die EU. Was im Angesicht der KFOR-Truppen, zu denen auch große französische Kontingente gehören, aus den Juden wird, die dort leben und von aus Albanien kommenden Mafiosi gequält und umgebracht werden, interessiert niemanden.
Wenn die EU und die arabischen Staaten nicht seit Jahren so großzügig wären, die korrupten Palästinenserführer mit Hunderten von Millionen Dollar und Euro zu unterstützen, ohne hinzuschauen, in welche Terrorkanäle das Geld abfließt, dann bräuchte Israel auch kein PROMIS. Wie weit es schützen kann, dieses PROMIS, das sehen wir ständig: Homizidattentate, Leid und Tod in Israel.
Das ehemalige Regierungsmitglied, der Spezialist der großen politischen und Geheimdienstenthüllungen Thierry Pfister, schreibt mit und ohne seinen Kollegen Fabrizio Calvi noch weitere bei Albin Michel und anderswo veröffentlichte Reißer, wie "Le repas des fauves", Die Mahlzeit der Wilden, worin die Autoren linke und rechte Politiker anklagen, auf Staatskosten eine neue Generation von Kapitalisten zu schaffen, sowie ein Buch, das der darin enthaltenen Beleidigungen wegen verboten wird, aber dennoch wie schon bei dem hetzerischen Buch des Israel Shamir über Israel zu beobachten ist, auf dem Markt zum Verkauf frei angeboten wird. "Lettre ouverte aux gardiens du mensonge", Offener Brief an die Bewahrer der Lüge, heißt das bei www.amazon.fr aufgelistete Buch, auf dessen Umschlag in großen Buchstaben "INTERDIT", verboten, prangt. Vielleicht sind ja die inkriminierten Stellen, in denen der jüdische Anwalt Georges Kiejman beleidigt wird, und für die das Berufungsgericht den Verlag zu Strafen und Gerichtskosten in Höhe von insgesamt 500 000 Franc (ca. 77 000 Euro) verurteilt, inzwischen geschwärzt. Juristische Verfolgung ist inzwischen zur gängigen Waffe geworden, um die Wahrheit zu unterdrücken, meint Thierry Pfister dazu. Er ist Opfer, die Täter sind die anderen, allen voran der Jude.
Der Nachrichtendienst Services Documentaires Multimédia schreibt lapidar: "Der Autor beklagt die Tatsache, daß einige offizielle Versionen der Ereignisse nicht revidiert werden können."
Impressionen aus der französischen Verlagslandschaft
300 000 Franc der Strafe gehen an den Anwalt Georges Kiejman dafür, daß er von Thierry Pfister beleidigt wird. Das Gericht habe sogar Adjektive als beleidigend eingestuft, die es nicht waren, sagt dazu der verurteilte Verleger Francis Esménard, Enkel des Verlagsgründers Albin Michel. In der ersten Verhandlung wird der Verlag freigesprochen, was den Verleger zur Meditation veranlaßt: "Muß man daraus schließen, daß eines der beiden Tribunale inkompetent war und das andere parteiisch?" (34) In solchen Äußerungen zeigt sich das Rechtsverständnis dieses Verlegers, das er bald darauf noch einmal beweist, als er vertragswidrig dem Konkurrenten Grasset, aus dem Hause Hachette-Lagardère die Erfolgsautorin und Preisträgerin des "Goncourt des lycéens" 2001, des Schüler-Goncourt, Shan Sa abspenstig macht, in dem er ihr mehr bietet. Auch dieser Fall geht nicht ohne einen bösen Juden ab. Anwalt Georges Kiejman nämlich, der "Erzfeind des Verlages Albin Michel", wird vom Verlag Grasset eingeschaltet, was den Verlag nicht hindert, das Buch "Impératrice", die Kaiserin, im August 2003 unter der Marke Albin Michel herauszubringen. Vor Gericht siegen Grasset und sein Anwalt Georges Kiejman auf der ganzen Linie. Der Verlag Albin Michel und die Autorin sehen sich als Opfer.
Shan Sa, Tochter eines Vaters, der angeblich der Schrecken der Ereignisse vom Tiananmen wegen nach Paris übersiedelt und an der Sorbonne unterrichtet, nach einem Jahr aber merkwürdigerweise wieder nach China zurückkehren muß und die Tochter allein in Frankreich zurückläßt, ist "überzeugt, daß die Justiz dieses unmenschliche Urteil im Berufungsverfahren zurücknimmt." Das Opfer Shan Sa ist eine Chinesin, derer sich eine elsässische Schule annimmt, die privilegierte Beziehungen zur VR China unterhält. Sie lernt die Tochter des Malers Balthus kennen, dessen Sekretärin sie wird, und von da an ist ihr Leben gemacht.
"Wie jeder Roman," meint die Autorin der "Impératrice", ist dies auch eine Art erträumter Autobiographie. Ein Buch über die Beharrlichkeit einer alleinstehenden Frau, die sich erheben will und eine gewalttätige Verteidigung benutzt, um ihr Ziel zu erreichen." Die Worte könnten von Nima Zamar stammen, die allerdings noch um einiges disziplinierter zu sein hat, um ihre angeblichen autobiographischen Erlebnisse stringent zu vermarkten. Das schafft sie so gut, daß die Rechte an dem Buch auch an die VR China verkauft werden können.
Dieser Fall ist einer mehr zu verdeutlichen, was in Frankreich auf dem Verlagssektor an Verflechtungen und Konkurrenz los ist. Grasset-Hachette-Lagardère handelt nicht anders, macht dem kleineren Verlag Éditions du Rocher diese Autorin abspenstig. Kritiker fragen sich beim Erstling der Autorin, wie sie nach nur einigen Jahren Aufenthaltes in Frankreich druckreife Literatur hervorbringen kann. Aber Nima Zamar kann ja auch nach zwei Jahren Ausbildung durch den Mossad fließend und ohne Akzent arabisch. Wir haben es mit begabten Frauen zu tun.
"Man mußte daran (am ersten Buch) viel arbeiten, vor allem an der Form", sagt Jean-Paul Bernard, vom Verlag Rocher. Das ist 1997, als Shan Sa 25 Jahre alt ist. Später lernt sie viele einflußreiche Männer kennen, u.a. den einflußreichen Anwalt Paul Lombard, bei dem sie einen ihrer Romane schreibt, und die Familie Lagardère. Jean-Paul Bernard tröstet sie: "Ihnen gebe ich die Bücher, die ich Ihnen schulde, wenn ich berühmt bin!"
Shan Sa tingelt durch die Provinz. Sie wird zur "Botschafterin dieses ewigen Chinas, das so gefällt", ihre Bücher signiert sie in Kalligraphie. Sie beteiligt sich an der Vorbereitung des "Jahres Frankreichs in China", wirkt als Kontakt zwischen französischen und chinesischen Diplomaten, sicherlich sehr zur Freude der Familie Lagardère und des europäischen Rüstungskonzerns EADS, an dem die Familie Hauptaktionär ist. Da mögen draußen einige Tibet-Anhänger gern protestieren. Schließlich ist der Dalaï Lama auch nicht demokratisch gewählt. (35)
Albin Michel soll ins große Geschäft einsteigen
Im Jahre 1996 wird Jean-Marie Messier mit Hilfe der politischen Freunde des Präsidenten Jacques Chirac an die Spitze der 150 Jahre alten "Générale des Eaux" berufen. In fünf Jahren macht er daraus den zweitgrößten Kommunikationskonzern der Welt, nach AOL-Time Warner. Bis 2001 produziert er, "J6M - Jean-Marie Messier Moi-Même Maître du Monde", wie er sich selbst bis zu seinem Rausschmiß als Präsident von Vivendi Universal (VU) bezeichnet, Jean-Marie Messier, Ich, Herrscher der Welt, durch seine Gigantomanie ein "Enron à la française". So titelt der Nouvel Observateur. J6M tritt von der Bühne ab, hinterläßt 20 Milliarden Euro Schulden sowie u.a. die Vivendi Universal Publishing (VUP), die der Rüstungs- und Medienkonzern Lagardère im Oktober 2002 von Vivendi für 1,25 Milliarden Euro aufkauft. Das gefällt dem EU-Kommissar für Wettbewerb Mario Monti gar nicht, denn diese Einheit wäre zehnmal größer als der nächste Wettbewerber. Im Oktober 2003 wird VUP in Editis umbenannt. Lagardère muß nach einer Entscheidung der EU-Kommission für Wettbewerb, vom 7. Januar 2004, die Verlage für allgemeine Literatur, Schulbücher und Taschenbücher veräußern. Das sind rund 60 Prozent von Editis. (36)
Die französische Regierung will dennoch nicht von einer Lösung auf nationaler Ebene ablassen, denn Lagardère und Editis sind die beiden Hauptpfeiler der französischen Buchproduktion. (37)
Nun kommt der Verlag Albin Michel ins Spiel. Sein Besitzer Francis Esménard übernimmt diesen Verlag im Jahre 1967 und verzweihundertfacht seinen Umsatz in 35 Jahren. Sein Geheimnis: literarische Knüller und Rentabilität. Die gibt´s in den letzten 15 Jahren reichlich. Der rege Verleger macht zweimal in allerletzter Zeit Schlagzeilen: einmal mit dem Prix Concourt 2003 für "La maîtresse de Brecht", von Jean-Pierre Amette, und ein weiteres Mal als mit großem Pomp sein Eintritt in den sehr geschlossenen Kreis der eventuellen Käufer des von Lagardère abzutretenden Teils von Editis bekannt wird. Dieser Teil nämlich soll auf jeden Fall in französischem Besitz bleiben. Das ist für die französische Politik umso dringlicher, da es sich auch um die Schulbücher handelt. Wahrscheinlich verzichtet Lagardère auf diesen Teil bewußt, damit so die Notwendigkeit für ein Eingreifen des Staates zur Rettung der Bildung der französischen Kinder begründet werden kann. Will man die etwa ausländischem, gar US-amerikanischem Einfluß anheim geben?
Albin Michel hat mit seiner Produktionspolitik hinreichend Nationalbewußtsein bewiesen. Thierry Pfister bürgt dafür: Gegen die USA, gegen die Juden und Israel, für die Palästinenser, für die Annäherung an die VR China. Querelen mit Verlagen der Hachette-Gruppe des EADS-Konzerns sind dabei das Salz in der Suppe.
Nun müssen Geldgeber gefunden werden, die den Verlag Albin Michel unterstützen. Der 1952 von Francis Bouygues als Baufirma gegründete Konzern Bouygues kommt ins Gespräch. Die einstige Baufirma, groß geworden durch Aufträge der französischen Regierung, ist heute ein in 91 Ländern tätiger diversifizierter Betrieb mit 121 000 Mitarbeitern. Bouygues gehört u.a. der Fernsehsender TF1-LCI. Das ist der Sender, der Partner der unter der Schirmherrschaft der französischen Regierung und des Präsidenten Romano Prodi der EU-Kommission wirkenden Association Euro-Méditerranée Science, Développement &Paix" ist, die zu einer UNESCO-Veranstaltung den islamischen Fundamentalisten Hani Ramadan einlädt. Dieser vertritt gemäß islamischem Recht offen die Steinigung unzüchtiger und untreuer Frauen, körperliche Züchtigung ungehorsamer Ehefrauen und Vielweiberei und verurteilt die Homosexualität.
Im Jahre 2002 erreicht TF1 32,7 Prozent der gesamten Fernsehzuschauer Frankreichs. TF1 ist seit 1987 dabei, sich zu diversifizieren. Da wird der Sender privatisiert, und Bouygues übernimmt Anteile. Es würde den Konzern somit gut ergänzen, wenn er in das Geschäft des Verlages Editis einstiege.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2003 steigt die Rentabiliät des Bouygues-Konzerns bemerkenswert an. Ein Gewinn von 341 Millionen Euro wird eingefahren. An der Börse nimmt Bouygues 750 Millionen Euro Kredite auf, die 2011 fällig werden. (38)
Sowohl bei Albin Michel als auch bei Bouygues stimmt die nationalistische Richtung: propalästinensisch, Israel- und USA-feindlich sowie, zumindest was Bouygues betrifft, UMP-nah. Stichproben beweisen dies im Übermaß.
Angesprochen auf derartige Übernahmepläne gibt sich Francis Esménard bescheiden, er wolle nicht der Frosch sein, der groß wie ein Ochse werden wollte. Dennoch ist der Verleger im Sommer 2003 in ständigem Kontakt mit Lagardère, und das gewiß nicht der Shan Sa wegen. Weitere Kontakte pflegt der Verleger zur staatlichen Caisse des dépôts, ohne die eine Übernahme durch ihn unmöglich wäre. Fragen stellen sich, schreibt "Challenges.fr", im November 2003, wenn der "kleine" Albin Michel den großen Editis aufkaufen wolle. (39)
Die Caisse des dépôts (CDC) ist eine der wichtigsten Anstalten des öffentlichen Rechts. Sie wird 1816 zum Schutz von Privateinlagen gegründet, für die ein hohes Maß an Absicherungen erforderlich ist. Inzwischen ist sie eine einflußreiche Finanzgruppe, deren Bilanzsumme bei 349 Millionen Euro liegt. Sie verwaltet im öffentlichen Interesse die Spargelder in Höhe von 209 Milliarden Euro und über ihre privatwirtschaftlich operierende Tochter CDC IXIS zusätzlich 300 Milliarden Euro für Investitionen und Finanzierungen. Es gibt zur Wahrnehmung marktwirtschaftlicher Aufgaben insgesamt drei wichtige Tochtergesellschaften. Der Aufsichtsrat der Gruppe ist zusammengesetzt aus Vertretern der Nationalversammlung, der Justiz, des Finanzministeriums und dem Direktor der Französischen Zentralbank.
Die Gruppe unterstützt die französische Sparkasse und die Gruppe "La Poste" bei deren Reorganisation und Entwicklung marktwirtschaftlicher Aktivitäten. Sie ist jedoch gleichzeitig offen für europäische Partnerschaften. Im Jahr 2002 verbucht die Gruppe einen Nettogewinn von 710 Millionen Euro. (40)
Bei solchen Summen wird das Vorhaben zur Übernahme von 60 Prozent der Verlagsgruppe Editis durch Albin Michel kein Problem sein, und darum behandelt, am 19. November 2003, die Nationalversammlung gleich nach den Tabakpreisen auch den Fall der Finanzierung des Kaufes von Editis. Das Wort hat der UMP-Abgeordnete des burgundischen Department l´Yonne Philippe Auberger, der eine Frage an den Minister für Kultur und Kommunikation Jean-Jacques Aillagon stellt. Philippe Auberger kennt sich bestens aus. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der CDC. Zunächst zählt er die Verlage der Gruppe Editis kurz auf. Auf Grund der zwölf gravierenden Einwände des EU-Kommissars für Wettbewerb Mario Monti könne die Lösung des Kaufes von Editis durch Lagardère nun nicht aufrecht erhalten werden:
"Unter diesen Bedingungen ist das Risiko sehr groß, daß eine für den Pluralismus in Frankreich so wichtige Gruppe sich auflöst und in ausländische Hände gerät. Meine Frage wird einfach sein: ist die Regierung in der Lage, das Auftreten eines von Finanzgruppen unterstützten Professionellen zu erleichtern, was verhindern würde, daß amerikanische Rentenfonds oder gegenwärtig in den letzten Zügen liegende ausländische Verlage die Hand auf Editis legen? (Beifall auf den Rängen der Union pour un mouvement populaire, der Einheit für eine Volksbewegung)."
Der Minister für Kultur und Kommunikation antwortet:
Herr Abgeordneter des Department Yonne, Sie haben recht, daran zu erinnern, daß das Buch keine gewöhnliche Handelsware ist ("le livre n´est pas une marchandise ordinaire", ist auch Slogan der ATTAC, nur ohne "ordinaire"). (´Bravo!´ auf vielen Bänken der sozialistischen Gruppe). ...
Auf diesem Hintergrund ist auf unglückliche Art vor einem Jahr der Verkauf des Verlagszweiges von Vivendi geschehen. Diese Initiative wurde abgeschlossen mit dem Kauf durch die Gruppe Lagardère. Ich habe in diesem Augenblick wissen lassen, daß die Regierung, ohne in den Lauf privater Geschäfte einzugreifen, einer Lösung den Vorzug gibt, die finanzielle Möglichkeit, Fachwissen in der Branche und eine wirkliche Nähe zu den kulturellen Interessen unseres Landes vereint. ...
Auf jeden Fall werden wir dafür sorgen, daß nicht noch einmal geschieht, was sich unglücklicherweise im Jahr 2001 ereignete, als Vivendi bei Gleichgültigkeit der damaligen Regierung seine Fachpresse auf den Markt brachte. Das franco-amerikanische Konsortium, das sie gekauft hat, brachte sie nach Realisierung eines Gewinnes schon wieder auf den Markt und brachte damit große Häuser der Fachpresse wie die Gruppe "Le Moniteur" in eine sehr grausame Lage. (Beifall auf mehreren Bänken der Union pour un mouvement populaire)". (41)
So wird die Bahn frei für den Verlag Albin Michel, Editis zu kaufen. Er genügt den Anforderungen "Fachwissen in der Branche und eine wirkliche Nähe zu den kulturellen Interessen unseres Landes". Nun muß noch dafür gesorgt werden, daß er auch die finanziellen Möglichkeiten bekommt. Dafür sorgt die CDC. Sie beruft im Januar 2004 ein Beratungskollektiv, das ihr helfen soll Fragen des Managements betreffend die Beteiligung an börsennotierten Gesellschaften zu regeln. Dieses Kommittee soll nicht in Investitionsstrategien derjenigen Gesellschaften eingreifen, an denen sie beteiligt ist.
Dieses Kollektiv wird geleitet von René Barbier de la Serre, dem ehemaligen Präsidenten des Ethik-Kommittees (!) des Unternehmerverbandes MEDEF. Er ist auch im Aufsichtsrat des Credit Lyonnais, wo er im Kommittee zur Festsetzung von Gehältern wirkt.
Er und der Aufsichtsratspräsident der Versicherungsgruppe Axa Claude Bébéar, der ehemalige Präsident von Vivendi Universal Jean- Marie Messier ("J6M"), der ehemalige Präsident von Alstom Pierre Bilger und der Präsident des MEDEF Ernest-Antoine Seillière werden gerade im Oktober 2003 von der Nationalversammlung zu ihren überhöhten Vergütungen vernommen. Die ersten zwanzig höchstbezahlten französischen Unternehmenschefs genießen im Jahre 2002 eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von 20,75 Prozent, während zur selben Zeit die Börse zusammenschmilzt. (42)
Claude Bébéar ist derjenige, der am 16. Oktober 2002 Marine Le Pen, vom Front National, in das von ihm gegründete Institut Montaigne einlädt, dort einen Vortrag zu halten. Zu der Zeit ist er neben Jean-René Fourtou de facto Kopräsident des in Auflösung begriffenen Konzerns Vivendi Universal, von dem Teile jetzt unter dem Namen Editis verkauft werden sollen. Er wertet also sein Gehalt und den Front National auf. René Barbier de la Serre wertet sein Gehalt und die CDC auf. Es paßt alles gut zusammen. (43)
Neben den Aufsichtsratsmitgliedern der CDC Gruppe Philippe Auberger, u.a. zwei weiteren Mitgliedern der CDC, dem Leiter Finanzen und Strategie und dem des Hauptkontrollorgans der Gruppe, ist besonders interessant, daß in diesem neuen Kommittee auch der Exekutivpräsident der EADS-Gruppe Philippe Camus vertreten ist. Er wird dafür sorgen, daß die Investitionen angemessen angelegt werden und sich Editis und die Mediengruppe von Lagardère nicht ins Gehege kommen.
Zur Sicherung solcher Verflechtungen beansprucht die französische Regierung eine Sonderregelung für Kultur: "Bücher sind keine gewöhnliche Handelsware", vor allem die Schul- und Studienbücher nicht. Derer wird sich mit großem Fachwissen Albin Michel besonders widmen. Schulen und Universitäten entwickeln sich gegenwärtig zu Brutstätten des Antisemitismus, wie Emmanuel Brenner, Michele Tribalat and Jeanne-Helene Kaltenbach berichten. In manchen Schulen bestünden Schüler und Eltern darauf, die Geschichte in mehr antijüdischer und anti-isralischer Weise umzuschreiben, Lektionen über Judentum und Holocaust zu streichen, die Teil des von der Regierung vorgegebenen Lehrprogramms sind. Jüdische Schüler, Studenten und Lehrer werden von Gruppen verbal und tätlich angegriffen, ohne daß ihnen ihre Kollegen zu Hilfe kommen. Die Täter kommen in fast allen Fällen aus arabisch-islamistischen Kreisen, die das Attentat vom 11. September 2001 und den Nahostkonflikt ausnutzen, um die moslemischen Jugendlichen gegen Frankreich, Israel und die USA auszurichten. Es wird versäumt diese Jugendlichen in die Gesellschaft zu integrieren. Stattdessen wird, besonders auch von Linksradikalen, der "Ethno-Differenzialismus" gepflegt. Statt Assimilation, die nach und nach die Unterschiede einebnet, wird ein neuer Kampf für die "kulturelle Verschiedenheit" geführt. (44)
Mit Büchern aus dem von Albin Michel erworbenen Konzern Editis kann dieser Trend dann wissenschaftlich unterlegt werden. Neu ist er nicht, sondern der Rechtsextreme Alain de Benoist predigt das schon seit Jahrzehnten. Endlich ist seine Lehre in der Mitte der Gesellschaft angekommen
Es braucht fast nicht mehr erwähnt zu werden, daß "Le monde diplomatique" sich über die Untersuchung von Emmanuel Brenner und seines Autorenkollektivs empört. Alllerdings erst acht Monate nach Erscheinen des Buches präsentiert der Stellvertretende Chefredakteur Dominique Vidal diese späte Rezension. Emmanuel Brenner konzentriere sich auf den Antisemitismus, " und er geht so weit, dafür verantwortlich zu machen ... die Lehrer von der Linken! Der Kampf gegen die Judeophobie hat offenbar nichts zu gewinnen von einer Abkoppelung von der Schlacht gegen die anderen Äußerungen des Rassismus." (45)
Die Juden ihrerseits haben nichts zu gewinnen von Thierry Meyssan, Carlos und Israel Shamir, nichts von Verlagen wie Albin Michel, nichts von Zeitungen wie dem "Diplo" und nichts von der französischen Regierung.
Anmerkungen
(1) Krebs, Pierre. Lexikon Rechtsextremismus. Informationsdienst gegen Rechtsextremismus
http://lexikon.idgr.de/k/k_r/krebs-pierre/krebs-pierre.php
(2) L´effroyable imposture. Biographie de Thierry Meyssan
http://www.effroyable-imposture.net/biographie-fr.php
Der PRG ist eine linksrepublikanische Splitterpartei in Frankreich. Sie stellt zu den Präsidentschaftswahlen 2002 eine Kandidatin auf, Christiane Taubira, Vizepräsidentin des PRG und Deputierte von Guayana. Sie schreibt am 19. Juni 2003 einen Brief an den französischen Innenminister Nicolas Sarkozy und setzt sich ein für die inhaftierten Anhänger der Maryam Radjavi, der Anführerin der Terrororganisation MKO und selbsternannten Präsidentin des Iran .
(3) Conférence sous les auspices de la Ligue arabe: Qui a commandité les attentats du 11 septembre ? Par Thierry Meyssan, le 8 avril 2002, à Centre Zayed, à Abu Dhabi. KAFEMETZ
http://sites.estvideo.net/sadoki/menucomprendre.htm
(4) Entretien avec le Hezbollah. Réseau Voltaire, 18.11.2002
http://www.reseauvoltaire.net/article8732.html
(5) Dossier d´Information. Nasrallah: la culture des attentats-suicide doit être exportée dans le monde. Unité du Porte-parole de l´Armée de Défense d´Israël, 29 janvier 2004
Quelle arabisch: http://www.intiqad.com/moqawama/doc2.htm
(6) Isabelle Coutant-Peyre abogada del venezolano Ilich Sánchez RamÃrez más conocido como "Carlos" o "El Chacal" por Sandro Cruz . Réseau Voltaire, abril des 2002
http://www.redvoltaire.net/imprimer130.html
Isabelle Coutant-Peyre übernimmt 1998 von Jacques Vergès auch die Verteidigung im Berufungsverfahren des Negationisten Roger Garaudy, der den Holocaust und die Existenz der Gaskammern bestreitet und die Zeugen im Prozeß der Falschaussage bezichtigt.
(7) L´islam révolutionnaire. Auteurs: Ilich Ramirez Sanchez "Carlos". Texte et propos recueillis, rassemblés et présentés par Jean-Michel Vernochet. Editions du Rocher 26 juin 2003
(8) " Notre ami Israël Shamir", par Henri Pasternak. L´Arche, n° 543, mai 2003. http://www.phdn.org/antisem/antision/notreami.html
(9) Inquisizionisten bewirken Buchverbrennung in Frankreich: Holocaust der freien Meinung
http://www.etrend.ch/fundgrube/win_fundgrube/is_031031_buech erholocaust.htm
(10) Il est minuit moins cinq docteur Sharon, par Israel Shamir. Al-Oufok, Publication électronique du Mouvement démocratique arabe, dediée à l´intifada
http://www.aloufok.net/article.php3?id_article=670
(11) Les écrits d´Israël Shamir. Articles en français
http://www.israelshamir.net/french_articles.html
(12) Antisémitisme: la Bicyclette bleue déraille. Par Didier Daeninckx. Amnistia.net no 28, novembre 2003
http://www.amnistia.net/siteabon/news/articles/negdoss/shami r/shamir.htm
(13) Ich mußte auch töten. Eine gefälschte Biographie. aspekte. ZDF-Kultur, 19.12.2003
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,2090725,00.html
(14) "Ich mußte auch töten". Buch zurückgezogen. n-tv.deCNN.de
http://www.n-tv.de/5202771.html
Super-Spionin oder Lügen-Baroness? Der Kindler-Verlag riskiert seinen Ruf mit einem fragwürdigen Mossad-Enthüllungsbuch (Autor: Henning Biedermann), 4.1.2004
http://www.br-online.de/kultur-szene/capricci/report/thema04 0104_4.html
(15) Horst Wagner. Hitlers "unglückliche Liebe"? Joachim Fest: Speer. Eine Biographie. Berliner Lesezeichen
http://www.berliner-lesezeichen.de/lesezei/Blz00_01/text17.h tm
Drei Buchtitel des Alexander Fest Verlages, bei Carpe Librum
http://autorenverzeichnis.de/content/buch/kategorie/verlage/ alexander_fest_verlag.html
(16) Jacques-Pierre Amette
http://amette.free.fr/
(17) Berlin-Est 1948. Auszug
http://www.albin-michel.fr/article/extrait/2003/978222614163 7-t01.pdf
(18) La maîtresse de Brecht. Albin Michel
http://www.albin-michel.fr
(19) Je devais aussi tuer. Éditions Albin Michel
http://www.albin-michel.fr/
(20) Female Bond with a story to sell. UK Indymedia "They have decided Upon Cold-Blooded Murder", 14. September 2003 (Im Thread über die Absichten Israels, sich des Yasser Arafat zu entledigen)
http://www.indymedia.org.uk/en/regions/world/2003/09/277410. html
(21) Sifflets. Après Meyssan, Zamar ! Par René Backmann. Le Nouvel Obs en ligne, semaine du jeudi 2 octobre 2003
http://www.nouvelobs.com/articles/p2030/a217640.html
(22) Les invités de Thierry Ardisson à TLMP, classement chronologique
http://www.melinistes.net/tlmp_ardissons/invites-TLMP-chrono .htm#13/09/2003
(23) Espionnage
http://www.chez.com/couincouin/index.html
http://www.chez.com/couincouin/actualite/espionnemossad.html
(24) 13 septembre 2003, "Tout le monde en parle" sur France 2. Un peu d´actualité
http://www.chez.com/couincouin/actualite/actu.html
(25) La nouvelle citoyenneté - La déclaration de politique générale du 8 juillet 1981. Mauroy, Pierre/ Pfister, Thierry/ Perraudeau, Eric/ D´Almeida, Fabrice, Fondation Jean Jaurès, 2001(leider vergriffen, aber noch zu lesen)
http://193.45.254.92/bdd/doc/notes22_0.pdf
(26) Appel des Socialistes pour une Paix Juste et Durable au Proche-Orient
http://pagesperso.laposte.net/paixjuste/article.php3?id_arti cle=1
(27) Premiers signataires à soutenir l´Appel des militants socialistes
http://pagesperso.laposte.net/paixjuste/
(28) Thierry Pfister (1945-…). Source: Le Livre de Poche, LGF
http://www.livrenpoche.com/auteur/Thierry_Pfister/181.html
(29) Romane aus der Datenwelt. Egmont R. Koch + Jochen Sperber: Die Datenmafia. Computerspionage und neue Informationskartelle
http://www.computer-thriller.de/die_datenmafia.html
(30) D´Al Capone à l´Ã©lection de Silvio Berlusconi, l´analyse du fonctionnement de la mafia en Italie et aux Etats-Unis. 1995 / 100 min. Séances
http://www.seances.org/fiche.asp?film=8259
(31) Fabrizio Calvi - Thierry Pfister: PROMIS. Das Auge Washingtons
http://www.computer-thriller.de/promis.html
(32) Espionnage. Comment Washington a piégé les ordinateurs du monde entier. C.A.R.L.
http://membres.lycos.fr/ecarl/espionnage.html
(33) Secrètes affaires : les services secrets infiltrent les entreprises, de Guillaume Dasquié, Flammarion, 2 avril 1999
(34) L´Ã©dition au banc des accusés. Éditer à quels risques? par Daniel Bermond. Lire, juin 2002
http://www.dicosdor.com/enquete.asp?idC=40365#
(35) Rentrée littéraire. L´affaire Shan Sa, par Olivier Le Naire. L´Express Livre, 11 septembre 2003
http://livres.lexpress.fr/dossiers.asp?idC=7304&idR=4
(36) EU billigt Verlagsübernahme von Lagardere unter Auflagen. VWD, Dirk Müller-Thederan, 7. Januar 2004
http://de.biz.yahoo.com/040107/11/3ttx6.html
(37) Bruxelles autorise la reprise partielle d´Editis, ex-VUP, par Lagardère
http://www.neteconomie.com/perl/navig.pl/neteconomie/infos/a rticle/20040107183241
(38) Bouygues. L´Esprit Challenger
http://www.bouygues.fr/
(39) La révélation. Avec Editis, il signerait encore un coup fumant, par Paul Loubière, novembre 2003 - Challenges.fr No 211 - Tête d´Affiche
http://www.challenges-eco.com/articles/p211/a223973.html
(40) Caisse des Dépôts et Consignations. Profil der Gruppe
http://www.caissedesdepots.fr/fr/upload/rapport2002_allemand /presentation.pdf
(41) Editis. JOURNAL OFFICIEL DE LA RÉPUBLIQUE FRANÇAISE DU JEUDI 20 NOVEMBRE 2003
COMPTE RENDU INTÉGRAL, 1re séance du mercredi 19 novembre 2003
http://www.assemblee-nat.fr/12/cri/2003-2004/20040068.asp#PG 10
(42) Messier, Bébéar et Seillière auditionnés sur leurs salaires
http://news.tf1.fr/news/economie/0,,1409082,00.html
(43) Bienvenue sur le site de l´Institut Montaigne! par Claude Bébéar
http://www.institutmontaigne.org
(44) Les Territoires Perdus de la Republique. Antisémitisme, racisme et sexisme en milieu scolaire. Sous la direction de Emmanuel Brenner. Collectif de professeurs de collège et de lycée, Éditions Mille et une nuits, septembre 2002
La Republique et L´Islam, par Michele Tribalat et Jeanne-Helene Kaltenbach, Gallimard 2002
(45) Les Territoires Perdus de la Republique. Antisémitisme, racisme et sexisme en milieu scolaire, par Dominique Vidal. Le Monde diplomatique, mai 2003, page 31
http://www.monde-diplomatique.fr/2003/05/VIDAL/10157
Dieser Beitrag erschien zuerst auf der "Jüdischen", http://www.juedische.at, Artikelrubriken - Antisemitismus, am 3. Februar 2004
25. April 2004
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