
Drei Gastbeiträge von Dov B. Ben-Meir, Vizepräsident a.D. der Knesset, vom Juni 2004, vom Juli 2006 und vom 16. Januar 2007
Dov Ben-Meir schreibt sich die Finger wund. Ein Brief, vom Juni 2004, wird aus meinem Archiv geholt, einer vom Anti-Defamation Forum und der Jüdischen, vom Juli 2006, und der vorläufig letzte, veröffentlicht in der Frankfurter Rundschau, vom 16. Januar 2007, werden verlinkt.
Tel-Aviv, Juni 2004. An meine Freunde und Bekannten in der Bundesrepublik Deutschland,
zum Jahresende 2003 schrieb ich Ihnen über die Gefahr des neu auflebenden Antisemitismus in Europa. Seitdem wurden einige unabhängige Untersuchungen sowie die Stellungnahme des Sonderausschusses des europäischen Parlamentes veröffentlicht, die ausführlich auf den Einfluß dieser negativen Erscheinungen eingingen.
Auch der internationale Kongreß der OSCE, der im Monat April diesen Jahres in Berlin unter Mitwirkung von Vertretern aus 55 Ländern stattfand, räumte dem Thema des Antisemitismus und der Notwendigkeit seiner Bekämpfung eine besondere Stellung und Dringlichkeit ein. Aber aus politischen Gründen, die von den Veranstaltern verschwiegen werden (anscheinend der Wunsch, die arabischen Länder und die moslemische Welt nicht zu verärgern), wurde bei den Resümees nichts über die anti-jüdisch-israelische Kampagne ausgesagt, deren Quelle in der moslemischen Welt und hauptsächlich in arabischen Ländern (auch in jenen, die mit Israel scheinbar geregelte Beziehungen unterhalten, wie etwa Ägypten) zu finden ist.
Der antisemitische Brandherd der moslemischen Welt
Heutzutage besteht keinerlei Zweifel, daß ein bedeutender Teil der antisemitischen Erscheinungen in Europa von Moslems unterstützt und ausgeführt wird. Diese schließen sich an die europäische radikale Rechte und radikale Linke an. Sie führen eine politische Kampagne gegen den Staat Israel und gleichermaßen gegen die jüdischen Gemeinden, die als erklärte Unterstützer des jüdischen Staates angegesehen werden.
Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Ursache und Intensität des moslemischen Aufbegehrens gegen die jüdischen Gemeinden - in vielen Fällen von in Europa ansässigen Palästinensern geschürt - alleinig in dem israelisch-palästinensischen Konflikt liegen. Jedoch bei genauerer Betrachtung des Verlaufes der Ereignisse (jenen in Europa und jenen in den arabischen sowie in den moslemischen Ländern) ergibt sich ein erschreckendes Bild des moslemischen Antisemitismus gegen das Judentum im weitesten Sinne. Diese Situation hat ihren Ursprung in den ideologisch vergifteten Quellen der größten Antisemiten Europas in den letzten Generationen und übersteigt diese in ihrer Intensität um ein Vielfaches.
Den "Stürmer" imitieren
Und so sind wir zur Erkenntnis gelangt, daß sich offensichtlich seit der Bekämpfung des Naziungeheuers im Jahre 1945 nichts verändert hat, sondern das ihm erneut Nachahmer und Schüler gewachsen sind: die entsetzlichen Karikaturen aus dem "Stürmer" haben eine neue Plattform in den Zeitungen in Ägypten, Syrien, Iran, im Libanon und in Saudi-Arabien gefunden. In diesen Zeitungen erscheinen die israelischen Politiker in Naziuniformen, die Israelis werden als jüdische Gestalten mit langer Nase gezeigt und erscheinen als Ausbeuter des unterdrückten arabischen Sektors; als Frauen- und Kindermörder und als die fetten Bosse, die die Tagesordnung des amerikanischen Präsidenten bestimmen.
Die Nachahmung der Judenverleumdung durch das Christentum
Die entsetzlichen Ritualmordanklagen im Europa des Mittelalters, die behaupteten, daß die Juden das Blut christlicher Kinder zum Backen ihrer ungesäuerten Brote für Pessach verwenden würden, haben in der arabischen Welt Frohlocken ausgelöst. Die arabischen Religionsführer bestätigen "auf verläßliche Weise", daß dies wirklich ein jüdischer religiöser Brauch sei und warnen vor der Entführung moslemischer Kinder in den Wochen vor dem Fest.
"Die Protokolle der Ältesten von Zion"
Das Hetzbuch gegen die Juden, das im 19. Jahrhundert von einem Offizier der russischen Geheimpolizei des Zaren geschrieben wurde, ist "ein Bestseller" in arabischen Ländern und wurde dort millionenfach in Arabisch aufgelegt. Wie bekannt ist, enthält dieses Buch fingierte Protokolle von angeblichen Geheimtreffen, die von reichen Juden aus aller Welt veranstaltet wurden. Gemäß des Buches war das Ziel dieser Treffen, die Welt durch das jüdische Geld zu beherrschen und durch einen jüdischen König zu regieren.
Dieses Hetzbuch, das mit dem Slogan "Schlagt die Juden und rettet Rußand" von der Geheimpolizei des Zaren verbreitet wurde - war ursprünglich verfaßt worden, um das repressive russische Feudalsystem vor den Wellen der Bitterkeit und des Grolles des unterdrückten und ausgebeuteten Volkes zu schützen. Dennoch konnte es den Zaren letztendlich nicht vor dem Umsturz retten, löste aber gleichzeitig Wellen des Judenhasses und eine lange Reihe von Judenprogromen aus, denen unzählige Juden zum Opfer fielen.
Die zentrale Botschaft des Buches, nämlich das Bestehen einer jüdischen Verschwörerbande, die die Welt erobern will, glimmt wie Kohle in den Herzen der christlichen Antisemiten auf der ganzen Welt. In der arabisch-moslemischen Welt aber hat sie sich wie ein Strohfeuer ausgebreitet:
- Die "Balfour-Deklaration", die vom britischen Außenminister Lord Balfour (im Jahre 1917) gegenüber Baron Rothschild abgegeben wurde und die die Verpflichtung Großbritanniens beinhaltet, eine jüdische Heimstätte im Land Israel zu gründen, stellt bis zum heutigen Tage einen "schlagenden Beweis" in der arabischen Propaganda dar, daß das jüdische Kapital in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika Einfluß zugunsten der jüdischen Interessen ausgeübt hat.
- Die Ernennung eines Juden (Lord Herbert Samuel) zum ersten obersten Gouverneur Großbritanniens im Lande Israel (1922) schien ein weiterer Beweis dafür zu sein, daß sich die Entscheidungen der britischen Regierung nach dem "jüdischen Kapital" ausgerichtet hätten.
- Die UN-Resolution über die Aufteilung des Landes Israel (1947) und die Gründung eines jüdischen Staates (an der Seite eines palästinensischen Staates) werden als Sieg des internationalen jüdischen Kapitals, dessen Arme die ganze Welt umspannen, angesehen.
- Bis zum heutigen Tage zeigen die arabischen Medien und mit ihnen führende arabische Repräsentaten auf jeden Juden, der sich im näheren Umfeld der Präsidenten der USA aufhält und auf die Juden, die an der Spitze der amerikanischen Medien-, Film-und Kapitalwelt stehen, um ihren Glauben an die vermeintliche Existenz einer "internationalen jüdischen Bande" zu stärken, die die westliche Welt an ihrer Kehle hielte.
Auch Länder wie Ägypten, die dem Anschein nach Frieden mit Israel geschlossen haben, unterbinden die Entstehung anti-jüdischer (und nicht unbedingt anti-israelischer) Propaganda in Medien, Moscheen, Koranschulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten nicht.
Im Jahre 2003 wurde im ägyptischen Fernsehen mit der Ausstrahlung einer Fernsehserie begonnen (diese wurde danach von den meisten arabischen und moslemischen Fernsehsendern kopiert), die auf den "Protokollen der Ältesten von Zion" basiert. Die Handlung bezieht sich direkt auf die Juden (im Stil ähnlich dem "Kaufmann von Venedig" von Shakespeare) und beschreibt sie als erbarmungslose Ausbeuter, bestrebt, die Welt zu beherrschen. Alle Versuche der israelischen Regierung und jüdischer Organisationen weltweit, die ägyptische Regierung zu überzeugen, die Ausstrahlung einzustellen, scheiterten. Deren Erklärung lautete: "Die Regierung schränkt die Redefreiheit in Ägypten nicht ein…."
Der frühere Regierungschef von Malaysia, Dr. Mahatir Mohammed, trieb das Ganze auf die Spitze, als er öffentlich (auf dem großen moslemischen Kongreß in seinem Land) auf den Erfolg der Juden hinwies, sich vom Holocaust, der 6 Millionen ihres Volkes vernichtet hat, erholt zu haben, und innerhalb von fünfzig Jahren dazu zurückgekehrt zu sein, die Welt von Neuem zu beherrschen.
Ein besonderer Abschnitt soll den Lehrinhalten von Bildungseinrichtungen gewidmet werden. Den Anfang bilden Lehrinhalte der Schulen in den palästinensischen Flüchtlingslagern, die unter der Schirmherrschaft der UNRWA-Organisation der UN stehen. Dort wird zum Beispiel in der zweiten Volksschulklasse gelehrt: "Unsere Helden lauerten einer Einheit von zehn zionistischen Soldaten auf und ermordeten sechs von ihnen. Wieviel zionistische Soldaten muß man noch umbringen?"
In den Geographiebüchern finden sich keine Hinweise auf die Gründung des Staates Israel, ebensowenig in den Landkarten des Gebietes. Und sogar die Lesebücher sind voll negativer Geschichten über Juden im Allgemeinen und über Israelis im Besonderen.
Allmählich dringt diese Ideologie auch in die Lehrpläne der arabischen Staaten ein und vergiftet bereits jetzt die künftigen Generationen.
Ursprünge des moslemischen Antisemitismus
Der Islam maßt sich an, das Leben jedes Moslems als Individuum sowie das gemeinschaftliche und politische System im Ganzen zu steuern. Der Glauben ist daher die dominierende Kraft im Leben des Einzelnen sowie im Gemeinschaftsleben, und mehr als jede andere Religion beansprucht er für sich Exklusivität (durch die Fundierung des Staates auf dem moslemischen Gesetz - dem Sharia).
"Das islamische Gesetz ist das Schwert", das heißt für den Islam, die Macht über die Welt gewaltsam zu ergreifen. Diesen Befehl haben die Moslems zu Beginn des 7. Jahrhunderts ausgeführt, als ihre Armeen von der arabischen Halbinsel einbrachen und den östlichen Mittelmeerraum, Teile Mittelasiens, Indiens und Süd-Ost-Asiens, Ost- und Westafrikas, Nordafrika sowie Teile Südeuropas eroberten. Erst im 15. Jahrhundert gelang es den Europäern, diese Wellen im Osten vor den Toren Wiens und im Westen im spanischen Andalusien aufzuhalten.
Die meisten Bevölkerungen, die erobert wurden, wurden islamisiert, unter ihnen auch große Teile jüdischer Gemeinden. Jene unter den Juden, die sich nicht islamisieren wollten, verwandelten sich in rechtlose, "Kopfsteuer" zahlende Untertanen. Auf diese Weise führte der Islam nach Meinung seiner Vertreter seinen Sieg über den jüdischen Glauben herbei, dessen Führer im siebten Jahrhundert die Überzeugungsversuche Mohammeds, seinen Glauben anzunehmen, zurückgewiesen hatten. Wie bekannt ist, hat er sich an ihnen auf grausame Art und Weise gerächt und tötete ganze Judenstämme auf der arabischen Halbinsel.
Seit dann lebten die Juden als Untertanen unter der Herrschaft vieler moslemischer Kalifen. Und wenn auch heutzutage versucht wird, diesen Zeitabschnitt als Periode der Toleranz gegenüber den Juden darzustellen (insbesondere im Hinblick auf die Eingliederung der Juden, die unter der ottomanischen Herrschaft aus Spanien vertrieben wurden), so fehlte es doch nicht an Fällen von Unterdrückung, Mädchenentführungen, Pogromen, zwangsverordnetem Religionswechsel u.s.w. Auf jeden Fall wurde der Stand der Juden im Vergleich zu dem der Moslem auf allen Gebieten als minderwertig erklärt.
Einfluß der nationalen jüdischen Bewegung
Dieser Zustand begann sich mit dem Erscheinen der nationalen jüdischen Bewegung - des Zionismus - am Ende des 19. Jahrhunderts zu verändern.
Diese Bewegung rief eine Gegenbewegung der in Palästina ansässigen Araber ins Leben. Sie sahen in dem Erscheinen der Juden, die ihren eigenen Staat in Palästina gründen wollten, einen Dolchstoß in den Rücken des arabischen Volkes.
Sehr schnell breitete sich die Ablehnung einer jüdischen Präsenz im Lande Israel auf ihre arabischen Nachbarländer und von diesen auf die gesamte moslemische Welt aus. Dies gipfelte darin, daß der geistige Führer der arabischen Bevölkerung in Palästina Hadsch Amin El Husseini (in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts) einen internationalen moslemischen Kongreß in Jerusalem (1931) einberief. Ziel des Kongresses war es, die heiligen Moscheen in Jerusalem - die El-Aqsa Moschee und den Felsendom - vor dem "jüdischen Komplott, die Moscheen vernichten und an ihrer Stelle den jüdischen Tempel errichten zu wollen", zu schützen.
Die wiederholten und andauernden Versuche der palästinensischen Araber und später ihrer Brüder in den arabischen Nachbarländern - die jüdische Präsenz im Lande Israel mit Brachialgewalt auszulöschen, blieben erfolglos.
Die kleine jüdische Gemeinschaft und später der Staat Israel haben alle diese Angriffe zurückgeschlagen. Letztendlich blieb Israel als stärkstes Land im Mittelmeerraum zurück. Diese Tatsache führte zu einer irreparabelen Verletzung des arabischen Ehrgefühles, besonders im Hinblick auf die Tatsache, daß die Sieger bisher in den moslemischen Augen als Unterlegene angesehen worden waren und man ihnen den Spitznamen die "Sterblichen" gegeben hatte.
"Das jüdisch-christliche Verhältnis gegenüber dem Islam"
Die verletzte arabisch-moslemische Ehre suchte danach, diese Anomalie des Sieges der wenigen Juden über die große arabische Welt zu erklären. Die Antwort hierfür ist nach Auffassung der Araber in der vorbehaltlosen Unterstützung der Juden durch die christliche Welt zu finden:
- Balfour-Deklaration im Jahre 1917.
- Unterstützung bei der Gründung eines jüdischen Staates im Jahre 1947.
- Permanente Unterstützung vom Westen, und hauptsächlich von Seiten der USA, mit finanziellen Mitteln und Verteidigungsausrüstungen.
- Nachsichtige Haltung der Welt Israel gegenüber, obwohl es so oft die UN-Beschlüsse gebrochen hat und obwohl Israel der einzige Staat ist, der keinen internationalen Zugang zu seinen unkonventionellen Waffenlagern gewährt.
Der arabische Widerstand gegen die christliche Einmischung begann bereits im Ersten Weltkrieg. Damals, zum ersten Mal nachdem tausend Jahre keine christliche Armee ihren Fuß auf das Gebiet des arabischen Volkes gesetzt hatte, wurde Jerusalem gemeinsam mit dem riesigen Gebiet zwischen Mittelmeer und Mesopotamien durch die christliche Armee erobert. Der Stachel dieses Phänomens hat sich etwas entschärft, nachdem arabisch-moslemische Truppen (die Hijaz) von Saudi-Arabien unter Führung der haschemitischen Familie, die bis heute in Jordanien herrscht und auch im Irak herrschte, sich den Briten anschlossen und gemeinsam gegen das moslemisch-ottomanische Imperium kämpften.
Aber diese neue Realität hinterließ dennoch den bitteren Nachgeschmack einer erneuten jüdisch-christlichen Eroberung des den Arabern heiligen Jerusalems und der Böden des arabischen Volkes. Wie bereits erwähnt, hat auch die Tatsache, daß der erste britische Gouverneur im Land Israel zu Beginn der 20er Jahre ein Jude (Sir Herbert Samuel) war, noch Öl in das Feuer des moslemischen Widerstandes gegossen.
Wie tief und bitter dieses Gefühl war, konnten wir aus der deutlichen Neigung der Araber ersehen, sich aus der westlichen Umklammerung (besonders der britischen) des Mittleren Ostens zu befreien, indem sie sich im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges zum einen mit Hitler und Mussolini identifizierten und diese unterstützten und sich zum anderen zu Zeiten des Kalten Krieges dem kommunistischen Block anschlossen.
Darüber hinaus sollte man die Tatsache nicht ignorieren,daß der angelsächsische Einfluß in diesem Gebiet damit einherging, daß ausschließlich westliche Konzerne über das arabische Erdöl herrschten. Die Erdölerlöse haben die Führungselite der arabischen Länder reich und korrupt gemacht und ließen das einfache Volk arm und ungebildet zurück. So wurde ein ausgezeichneter Nährboden für jede anti-westliche Propaganda geschaffen.
Tiefe gesellschaftliche und kulturelle Kluft in der arabisch-moslemischen Welt
Der Riß in den Beziehungen zwischen der arabischen und der westlichen Welt ist jedoch weit tiefer und schwerwiegender. Denn der arabische Gebildete kann leichten Auges erkennen, wie sich die Kluft zwischen der arabischen und der westlichen Welt vergrößerte und beharrlich weiter wächst: während sich die arabische Gesellschaft nur arithmetisch weiterentwickelt, verläuft die Entwicklung der westlichen Welt zur gleichen Zeit geometrisch. Infolge dessen verzweifelt er an der Wahrscheinlichkeit, jemals die Errungenschaften des Westens einholen zu können.
Den Widerhall der Verzweiflung können wir in dem von der UN in Auftrag gegebenen Forschungsbericht "Arab Human Development Report 2003" finden, der von einem Team arabischer Wissenschaftler verfaßt wurde. Dieser Forschungsbericht untersucht die maßgeblichen Gründe für das Zurückbleiben der arabischen Welt gegenüber der westlichen (Im Jahre 2003 produzierte das kleine Griechenland mehr Buchtitel als alle arabischen Staaten zusammen!!!):
- Das Fehlen von Wissen und dessen freizügige Verbreitung in allen öffentlichen Bereichen und besonders im Bildungswesen (aufgrund der Schwierigkeiten der totalitären arabischen Regierungen und der strangulierenden religiösen Verbote, die einer solchen Verbreitung im Wege stehen). Dies verhindert die Umkehrung der arabischen Welt in eine Wissensgesellschaft, wie es von jeder menschlichen Gesellschaft im dritten Jahrtausend, dem Zeitalter des Wissens, gefordert wird.
- Das Fehlen von demokratischen Regierungen in den arabischen Ländern, die das Wachstum einer Gesellschaft ermöglichen, die die Bildung und die kulturelle, wissenschaftliche und berufliche Entwicklung des breiten Volkes fördert.
- Das Fehlen einer Mittelschicht in den meist totalitären arabischen Ländern. Die Entstehung einer solchen Schicht setzt voraus, daß dem Individuum viele Freiheiten eingeräumt werden - was in der Mehrzahl der arabischen Länder (mit Ausnahme des Libanons) jedoch nicht der Fall ist.
- Die Unterdrückung der arabischen Frau und ihr Ausschluß von der gleichberechtigten Teilnahme am gesellschaftlichen arabischen Leben.
Angesichts dieser Realität gerät der arabische Intellektuelle in völlige Verzweiflung und reagiert auf verschiedene Weisen darauf:
- Ein bedeutender Teil der akademischen Schicht der arabischen Gesellschaft verzweifelt und wandert in westliche Länder ab. In den Jahren 1995/1996 verließen ca. 25% aller Akademiker, die das erste Staasexamen besaßen ihre Heimat; zwischen den Jahren 1998 und 2000 wanderten mehr als 15.000 Ärzte in den Westen aus! Damit verkleinerten sie die ohnehin schon dünne Schicht der arabischen akademischen Elite noch mehr.
- Ein anderer Teil verzweifelt an der Möglichkeit einer Veränderung, zieht sich in sein Schneckenhaus zurück und versucht, sich dort einzurichten.
- Ein weiterer Teil sucht den Ausweg, mit seiner Unterlegenheit fertig zu werden, in der Rückkehr zu den seiner Meinung nach wahren Ursprüngen der islamischen Religion; das bedeutet: Mißbilligung des westlichen Materialismus, Aufhebung der freiheitlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern sowie der Gleichberechtigung der Frau, die völlige Unterwerfung unter die Gesetze des islamischen Glaubens und deren strikte Einhaltung, bis hin zum Bestreben, jeden arabischen Staat in einen religiösen Staat umwandeln zu wollen.
Da sich die moslemische Religion, wie bereits erwähnt, anmaßt, das gesamte Verhalten des Gläubigen zu regeln, sowohl im privaten wie im öffentlichen Leben, hat sich der Leitspruch "Rückkehr zu den Ursprüngen" zum Kampfmotto des Islams entwickelt . Er predigt nach innen die Errichtung eines religiösen Staates und nach außen ruft er zur Rückkehr zur moslemischen Blütezeit auf.
Die Bewegung "Rückkehr zu den Ursprüngen"
Die bedeutendste Bewegung auf dem Gebiet der inneren Rückkehr zu den Ursprüngen war die wahhabische Bewegung, die von Ibn Abd Al-Wahhab (1691-1787) gegründet wurde und die die Rückkehr zum einfachen Leben und die Beherrschung des Landes durch die islamische Religion zu ihrem Ideal erhoben hatte. Der Vorreiter dieser Bewegung in der modernen Zeit war König Ibn Saud. Er brach im Jahre 1924 aus den Tiefen der südlichen arabischen Halbinsel ein, vertrieb die haschemitische Familie aus der Hijaj-Region und gründete Saudi-Arabien als religiösen, gottesfürchtigen Staat. Die riesigen Erdölreserven, die später in Saudi-Arabien gefunden wurden, korrumpierten die herrschende Schicht, die jedoch den religiösen Gesetzen treu blieb und gleichzeitig die Terroraktivität finanzierte und bis zum heutigen Tage finanziert, die darauf abzielt, möglichst viele Länder dem Islam zu unterwerfen.
Die zweite Bewegung, die sich zu ihrem Ziel gesetzt hatte, dem Islam zu seiner alten Blüte zu verhelfen (von neuem das arabische Kalifat zu errichten, das im Laufe des Ersten Weltkrieges auseinandergebrochen war), ist die Bewegung der "moslemischen Brüder". Diese wurde im Jahre 1929 in Ägypten gegründet und nahm ihre Terroraktivitäten in Ägypten und anderen arabischen Ländern wie Jordanien und Syrien auf und agierte, hauptsächlich während des Krieges im Jahre 1948, gegen die jüdische Besiedlung im Lande Israel.
Das Blutbad, das der ägyptische Abdul Nasser und der syrische Hafez Assad (die "Moslemischen Brüder" kämpften gegen diese Regimes, weil sie weltlich waren) unter ihnen anrichteten, beendete ihre Aktivität. Nachfolgende Generationen handelten jedoch in ihrem Sinne weiter:
- Eine den "Moslemischen Brüdern" angegliederte Gruppe ermordete im Jahre 1981 Anwar Saddat.
- Die palästinensische Hamas-Bewegung ist direkt aus den "Moslemischen Brüdern" hervorgegangen.
- Ebenso die marokkanische Salafia Jihadia, die Terroranschläge in Marokko und in Tanger ausführt.
Die teuflische Verbindung zwischen diesen beiden fanatischen Bewegungen erscheint in Form der Al-Quaida unter der Führung des saudischen Bin Ladens (und der ihm in Südostasien und Nordafrika angegliederten Gruppen). Anfänglich konsolidierte sich die Bewegung (mit der verhängnisvollen Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika) im Kampf gegen eine weitere christliche Invasion in arabisch-moslemische Territorien, wie die Invasion der UdSSR in Afghanistan. Hier wurden auf der einen Seite in weitem Umfange die strengen religiösen Grundsätze entworfen, nach denen sich ein moslemischer Staat verhalten muß (die Taliban haben diese Grundsätze tatsächlich während ihrer Regierungszeit in Afghanistan zu ihrer Geisteshaltung und zu ihrem Sprachvokabular gemacht), und auf der anderen Seite wurden die Grundsätze zum internationalen gewaltsamen Kampf des fundamentalistischen Islam gegen den Westen und gegen das jüdisch-christliche Bündnis aufgestellt.
Der moslemische Kampf gegen das Christentum umspannt die ganze Welt
Obwohl sich vor den Augen der ganzen Welt diese dramatische Entwicklung des Terrorismus abspielt, deren Höhepunkt der 11. September bildete, äußert sich niemand zu der anti-christlichen und anti-jüdischen moslemischen Aktion, die seit Jahren weltweit in vollem Gange ist.
- Im Verlauf des 20-jährigen moslemischen Vernichtungskrieges gegen christliche Einwohner Süd-Sudans wurden bis zum heutigen Tage mehr als 1,5 Millionen Menschen ermordet, Frauen und Kinder, ohne daß jemand gegen diesen schrecklichen Genozid aufbegehrt hätte.
- Zehntausende von Christen wurden bis jetzt in Indonesien ermordet, und diese Mordtaten setzen sich bis zum heutigen Tag fort.
- Die Mosleme, die von ihren serbischen, kroatischen, bosnischen und aus der Kosovoregion stammenden Nachbarn unterdrückt und ermordet wurden, bereiten im Moment mittels ähnlicher Methoden von Totschlag und Quälereien, die sich nunmehr gegen ihre christlichen Nachbarn wenden, die Errichtung eines großen moslemischen Reiches vor, das aus Albanien, Bosnien, der Kosovoregion und Teilen von Mazedonien bestehen wird.
- Die christlichen Araber aus den Regionen, die von der palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet werden (hauptsächlich in der Stadt Bethlehem und in der Wohnsiedlung Beit Djalla), konnten der moslemischen Bedrängung nicht standhalten und verließen in der Mehrzahl das Land. Sie haben sich heute schwerpunktmäßig in Kanada und Südamerika angesiedelt.
- Sogar die israelischen moslemischen Araber versuchten, ausgerechnet gegenüber der Verkündigungskirche in Nazaret eine Moschee zu errichten, mit dem klaren Ziel, die Überlegenheit des Islams über das Christentum zu demonstrieren
Diese gesamte Aktivität hat einen religiösen, fanatischen Charakter und wird in nicht unbedeutendem Maße von der Unterstützung genährt, die ihr relativ gemäßigte Länder wie Ägypten und weltweit (die meisten europäischen Länder eingeschlossen) geistige Führer in jeder Moschee und Koranschule - insbesondere bei einer anti-jüdischen Aktion - zukommen lassen. Diese gestalten heute eine Politik, die man "moslemischen Antisemitismus" nennen kann.
Der moslemische Kampf um die Vorherrschaft in der Welt
So drückt sich die internationale Verbindung der moslemischen Welt gegen die christlich-jüdische Welt aus:
- in dem militärischen Kampf der "Moslemischen Brüder", den arabischen Kalifaten wieder zu ihrem früheren Ruhm zu verhelfen,
- durch die wahhabische Bewegung zum reinen und strengen Islam zurückzukehren ;
- in dem teuflischen Aufruf aus dem Munde des iranischen Führers Khomeini, gegen den großen Teufel (die Vereinigten Staaten von Amerika) und den kleinen Teufel (Israel) zu kämpfen;
- bis hin zum militärischen Kampf der "Al-Quaida", die Vorherrschaft des Islams durchzusetzen und die christlich-jüdische Herrschaft auf der Welt auszumerzen.
Da Israel und auch die jüdischen Gemeinden auf der Welt nach Ansicht der extremen moslemischen Führung das schwache Glied in diesem "christlich-jüdischen Bündnis" darstellen, richtet sie ihre Pfeile auf sie. Zu diesem Zwecke nutzen sie den israelisch-palästinensischen Konflikt, in dem Israel als rücksichtslose Besatzungsmacht dargestellt wird. Eine Darstellung, die zu unserem Bedauern auch Unterstützung in der westlichen Welt findet.
Aber dies ist nicht das endgültige Ziel des moslemischen Antisemitismus. Es ist vielmehr der Beginn des Kampfes um die moslemische Hegemonie. Dieser Kampf findet gleichzeitig an vielen Plätzen auf der Welt statt: auf den Philippinen und in Süd-Thailand; in Indonesien und im Süd-Sudan; in Ostafrika und Jemen; im Balkan und in Tschetschenien; in Moscheen in Großbritannien und in den Vorstädten von Paris und Marseille; in Madrid und in der Türkei; in Marokko und Tanger; Kaschmir und Afghanistan.
Dieser Kampf erreichte bedrohliche Rekorde, die sich in der Vereinigung aller internationalen islamischen Terrorarme zu einer vereinten Front des bewaffneten Widerstandes gegen die Amerikaner im Irak zeigt. Dieser Widerstand wird zum großen Teil von einem internationalen Terrornetz unter der Führung von Bin Laden unterstützt und organisiert. Es lastet wie eine dunkle Wolke über den westlichen Ländern - die ständig existierende Gefahr von terroristischen Überraschungsangriffen. Ein moslemischer Student in London brachte diese Tendenz zum Ausdruck als er nach dem 11. September ein Plakat mit der Aufschrift, "Islam will rule the world!", schwang.
Sich ergebende Schlußfolgerungen
Die in den vorangegangenen Seiten beschriebene Realitäten lassen folgende Schlußfolgerungen zu:
- die Kapitulation einiger Länder, sich durch "gutes Benehmen" dem Terror zu entziehen, wird sie nicht vor den langen und grausamen Armen des moslemischen Terrors retten. (Erinnern Sie sich an München im Jahre 1938 ?)
- die Handlungsfreiheit und Freiheit zur Aufwiegelung, die der religiösen und nationalistischen Führung der moslemischen Gemeinden in den europäischen Ländern - im Namen der Meinungsfreiheit - eingeräumt werden, sind ein anti-demokratischer Akt
- die ständige Verurteilung Israels für seine Bekämpfung des moslemischen Fundamentalismus und Terrors, der sich gegen Israel und die jüdischen Gemeinden weltweit richtet, bestärkt den Terror nur noch mehr
- die Gleichgültigkeit der Notlage gegenüber, in der sich Israel befindet, weil es gezwungen ist, dem von der örtlichen arabischen Bevölkerung genährten Terror, zu begegnen, zwingt es dazu, den Terror mit gebundenen Händen zu bekämpfen (vergleichen Sie bitte die chirurgische Feinarbeit der israelischen Armee bei der Bekämpfung von Terroristen, die mit einem minimalen Schaden an der Zivilbevölkerung ausgeführt wird, mit dem Verhalten der amerikanischen Armee im Irak).
- Israel ist in vielerlei Hinsicht die vordere Frontlinie Europas gegenüber der fundamentalistisch-moslemischen Welle, die sie zu überfluten droht - daher braucht Israel die moralische Unterstützung und Hilfe Europas in diesem Kampf.
Schlußwort
Die oben erläuterten Fakten müssen jedem vor Augen geführt werden, damit er den Ursprung der Gefahren, die heute den Weltfrieden bedrohen, richtig einschätzen kann.
Dov Ben-Meir schreibt sich die Finger wund ...
Zu meinem Bedauern gelang es der arabischen Propaganda auf der ganzen Welt ein öffentliches Bewusstsein zu entwickeln, das einen Terrorvergleich anstellt. Dieser Vergleich behauptet, dass der zionistische Staat als Reaktion auf die arabischen Terrorakte, die sie als "gerechten Kampf gegen den zionistischen Besatzer" deklarieren, parallel auch Terror auf das palästinensische und libanesische Volk ausübt.
Es gibt keine größere Lüge als diese!
Brief des ehemaligen Vizepräsidenten der Knesset: "an meine deutschen Freunde", Juli 2006. Anti-Defamation Forum
https://www.adf-berlin.de/wbb2/thread.php?postid=9998
Brief des ehemaligen Vizepräsidenten der Knesset: "an meine deutschen Freunde", Juli 2006. Die Jüdische, 25. Juli 2006
http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_ Kat=33&Param_RB=45&Param_Red=7219
Dov B. Ben-Meir. Deutschlands Beziehungen zu Israel bleiben besonders.
FR-online.de, 16. Januar 2007
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/dokumentation/?em_cnt =1051082
|