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Selbstmordattentate mit alter Tradition. Hassan-i-Sabbahs Schatten über Israel (Stand: 13. August 2001)

Wer war Izzedin al-Masri? Ein in der Öffentlichkeit gänzlich unauffälliger Unbekannter. Bis zu seinem Selbstmordattentat, in der Innenstadt von Jerusalem, kannten ihn außer seiner Familie, außer Freunden, Kollegen und Bekannten nur noch seine Auftraggeber, die Terroristenchefs der Hamas. Nun versucht die entsetzte Welt einmal mehr zu begreifen, was solche Attentäter bewegt, und welche Persönlichkeitsstruktur sie haben. Sicherlich sind sie nicht das, was viele Israelis, außer sich vor Schmerz und Wut, von ihnen annehmen, nämlich mörderische, rachsüchtige Fanatiker. Die Eltern Izzedin al-Masris, offensichtlich keine gewalttätigen Fundamentalisten, beschreiben ihren Sohn, eines ihrer sieben Kinder, eher als leicht beeinflußbaren unreifen Jungen, der sich nach Anerkennung sehnte. Er arbeitete in Jenin, einem Zentrum des palästinensischen Radikalismus. Dort ist er von der Hamas wahrscheinlich einem speziellen religiösen Säuberungsritus unterzogen worden, der ihn in den Wahn versetzte, rein und unschuldig seine grausame Tat auszuführen. Die zukünftigen Selbstmordattentäter würden glauben gemacht, daß sie Märtyrer seien, die direkt in den Siebenten Himmel des Paradieses eingehen, wo Milch und Honig fließt und zweiundsiebzig Jungfrauen ihrer harren, um ihnen zu Willen zu sein.

Schon das Frauenbild, das diese verbrecherischen Hamaschefs den zukünftigen Märtyrern vermitteln, müßte ausreichen, ihre Lehre für immer zu diskreditieren. Darüber aber schreibt kaum jemand der zahlreichen westlichen und palästinensischen Journalisten, seien sie nun gegen solche Attentate, oder versuchten sie, sie zu erklären und zu entschuldigen. Es ist dieses mittelalterliche Weltbild, was die Region erwartet, wenn die Palästinenser mit Hilfe der Hamas siegen. Die Regierung wird der in Afghanistan ähnlich sein. Die von solchen Fanatikern regierte Bevölkerung dient den Geschäftsinteressen ihrer Herrscher und deren Auftraggeber der internationalen Staatengemeinschaft ohne zu murren, im Falle Afghanistans dem Drogenanbau und -handel. Im Falle des zu gründenden Staates Palästina werden wir noch etwas abwarten müssen, welcher lukrativen Aufgabe sich das befreite Volk zuzuwenden hat.

Die Selbstmordattentate jedenfalls haben in der Region eine fast tausendjährige Tradition. Im Jahre 1090 setzte sich Hassan-i-Sabbah, Führer einer ismaelitischen Geheimsekte, auf dem Berg Alamut, zwischen Rasht und Teheran, fest. Man nannte ihn Pir-e koohi oder auch Baba-koohi, den Alten vom Berge. Er und seine Nachfolger kontrollierten die Gegend mehr als 150 Jahre lang. Zur Festigung ihrer Herrschaft schickten sie hin und wieder ihre Mitglieder zu Selbstmordattentaten aus. In Europa nannte man sie die Assassinen, verballhornt von Hashishiyya, wie sie in Syrien wegen ihres vor der Tat gepflegten Haschischkonsums bezeichnet wurden.

Die Assassinen waren eine häretische islamische Sekte, um die sich Mythen und Legenden spannen. Auch Marco Polo schrieb über sie. Er hatte ihren Sitz, auf dem Berg Alamut, kurz nach der Zerstörung ihres Schlosses durch die Mongolen besucht. Er wiederholte die Legende darüber, wie die zukünftigen unter Haschischeinfluß stehenden Selbstmordattentäter in einen geheimen Lustgarten geführt wurden, wo ihnen paradiesische Zustände vorgegaukelt wurden, und wo man ihnen mitteilte, daß sie bei Ausführung des Auftrages direkt in den Siebenten Himmel aufsteigen würden.

Aber heutzutage gibt es Bewunderer, die derartige Unterstellungen zurückweisen. Sie erklären, daß solche umständlichen und kostspieligen Gaukeleien nicht nötig gewesen seien, sondern, daß die Assassinen wie andere muslimische Soldaten auch ohne Widerspruch ihre Aufträge ausgeführt hätten und selbstverständlich annahmen, daß sie im Falle des Todes direkt ins Paradies eingingen. Während einer Mission umzukommen, war für die ismaelitischen Kämpfer eine große Ehre. Sie vergifteten ihre Opfer nicht, sondern sie traten in aller Öffentlichkeit auf sie zu und brachten sie um, wofür sie in den meisten Fällen mit ihrem Leben bezahlten. So wurde auch Nizam ul-Mulk, der berühmte Minister Malik Shahs, im Jahre 1092, auf Veranlassung von Hassan-i-Sabbah von einem Assassinen umgebracht. Unter Nizam ul-Mulks Regierung waren im Iran die Künste und Wissenschaften wieder aufgeblüht (Omar Khayyam, Abu Hamid Ghazali, um nur zwei Berühmtheiten zu nennen). Aus Machtgier beauftragte Hassan-i-Sabbah den Attentäter, Nizam ul-Mulk umzubringen.

Nach der Zerstörung des Schlosses, auf dem Berge Alamut, lebte die Idee der Assassinen weiter, beipielsweise als die Khojas, in Indien.

Später wurden Selbstmordattentäter in der islamischen Welt fidais genannt. Jede Mutter ist angeblich stolz, wenn ihr Sohn als Fidai umkommt. Kommt er lebend von der Mission zurück, weint sie. Was könnte es Perverseres geben als solche Haltung? Die Bewunderer rühmen bei den Fedais die Intensität ihrer Hingabe an die Sache, das Gefühl ihrer Kameradschaft, die ihre Heldenhaftigkeit inspiriert habe. Mord als politische Waffe sei auch keine ismaelitische Erfindung gewesen. Im Iran habe es seinerzeit eine Anzahl von Gruppen gegeben, die davon Gebrauch gemacht hätten. Die Ismaeliten hätten diese Waffe nur am weitesten entwickelt. Da sie im Verhältnis zu ihren Gegnern so wenige gewesen seien, wäre der Terrorismus die passende Antwort gewesen. So einfach ist es, Herrschaftsansprüche durchzusetzen. Hassan-i-Sabbah, der Alte vom Berge, als Traditionsstifter der heute in den Tod gehetzten willenlosen palästinensischen Selbstmordattentäter.

Mittelalterliche Zustände, brutalste Unterdrückung der natürlichen menschlichen Gefühle, wie Mutterliebe, Schmerz, Lebenswillen, solche Zustände dienen der internationalen Staatengemeinschaft und den arabischen Diktatoren dazu, die Region weiterhin problemlos ausbeuten zu können.

Der Beitrag wertet folgende Artikel aus:

Anonymous zealout made the perfect walking bomb, by Jon Swain, Aqaba on the West Bank
http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/2001/08/12/stif gnmid02002.html?
Iran - A brief History
http://www.tamasha.com/information/Iran_General_Information/ History.htm
The Assassins of Alamut, by Anthony Campbell
http://homepage.ntlworld.com/anthony.campbell1/assassins/

Berlin, Montag, den 13. August 2001


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