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Le Monde selon Bush - ein Film für französische Heuchler

Frankreich, das Land, in dem schon seit Anfang 1939, vor der Besatzung durch Deutschland, spanische Republikflüchtlinge, Juden und Zigeuner unter schlimmsten Bedingungen interniert und gequält werden, Franzosen, die ab 1940 mit großer Mehrheit die Okkupanten aus Nazideutschland unterstützen, die Widerstandskämpfer, Kommunisten, Sozialisten, Gaullisten, Juden und Zigeuner denunzieren und dem Tode ausliefern, diese Franzosen erheben sich über die US-amerikanische Politik und deren Vertreter. 2,3 Millionen Menschen (zwei Millionen und dreihunderttausend) sehen den Film Le Monde selon Bush um 22 Uhr 35, am 18. Juni 2004, im FR2. 2,3 Millionen Menschen, von denen mindestens 2 Millionen sich satt zurücklehnen und auf die Taten anderer weisen.

Auch der Film des Michael Moore Fahrenheit 9/11 ist der Renner in den französischen Kinos. Das alles ist die Folge verfehlter Politik der französischen Regierungen der letzten Jahrzehnte. Da hilft auch kein von Jacques Chirac und seiner Regierungsmannschaft vorgetragenes Entsetzen. Es ist eine einzige Heuchelei. Antisemitismus und Israelfeindschaft werden auch weiter gepflegt, sonst könnten die Staaten der EU nicht das jetzt ergangene Gutachten des Haager Gerichtshofes über den Sicherheitszaun Israels einhellig begrüßen. Der Film Le Monde selon Bush ist nur ein Glied in der Kette der Feindseligkeiten, mit denen die Juden seitens der Franzosen und der arabischstämmigen Immigranten leben müssen.

Die antisemitischen Ausschreitungen in Frankreich, im ersten Halbjahr 2004, übersteigen an Zahl bereits jetzt diejenigen des gesamten Jahres 2003. Das ist eine Feststellung des fünften interministeriellen Komitees der französischen Regierung und nicht etwa nur der Vertreter des Conseil Réprésentatif des Institutions juives de France (C.R.I.F). (1)

Filme wie der von William Karel und Michael Moore finden Millionen begeisterter Zuschauer, die sich an den Fehlern und vermeintlichen Fehlern der US-Regierung ergötzen.

FR2 und die französischen Medien entdecken die US-amerikanische Politik

Die französischen Medien, allen voran der Fernsehsender FR2 entdecken die Zusammenhänge der Entscheidungen der Regierung des George W. Bush mit den Interessen der US-amerikanischen Erdöl- und Rüstungsindustrie. Ausführlich wird in Radio France Inter, am 18. Juni, Eric Laurent interviewt zum für 22h35 vorgesehenen Film des Regisseurs (u.a. CIA guerres scrètes, CIA, geheime Kriege und des Hommes de la Maison-Blanche, die Menschen des Weißen Hauses) und ehemaligen Fotoreporters von Gamma und Sygma William Karel. Der Film Le monde selon Bush, Die Welt gemäß Bush, der ab 23. Juni auch in den Kinos in Frankreich gezeigt werden soll, basiert auf den Büchern des Journalisten Eric Laurent: La guerre des Bush: Les secrets inavouables d´un conflit (Januar 2003) und Le monde secret de Bush. La religion - les affaires - les reseaux occultes. (Juni 2004)

Der Nouvel Obs und Le Figaro mögen hier für alle stehen; denn kein französisches Medium geht an diesem Schnäppchen vorbei: Heute auf FR 2 die Welt gemäß Bush. (2)

Norman Mailer gibt dem Film die Richtung vor: der Präsident sei arrogant und ignorant, ein Kretin. Er sei der dümmste Präsident, den die USA je gehabt hätten. William Karel erklärt offen seine Antipathie gegen George W. Bush und dessen Umgebung, für das, was sie sind, und für das, was sie tun. Angeblich völlig leidenschaftslos dokumentiert William Karel, er beziehe in seinen Kommentaren keine Position, zitiert ihn Le Figaro. Dennoch sei der Film aber, wie der Regisseur selbst einräumt, nicht objektiv, da er aus den Zeugnissen auswähle. 26 Zeugen der Politik des George W. Bush treten in dem Film auf. Sie schildern ihn als völlig überfordert, oftmals mit nichts vertraut, Präsident geworden, ohne zu wissen, wie, in dem er die umstrittendsten Wahlen der Geschichte der USA verursacht habe.

Der Film drehe sich um "zwei Lügen": wie konnte man glauben machen, daß Saddam Hussein eine Verbindung zum 11. September hatte, und wie konnte man glauben machen, daß er Massenvernichtungswaffen besäße. Das die Bevölkerung glauben zu machen, habe es eines großen Einsatzes bedurft. William Karel arbeitet einige Punkte des Werkes von Eric Laurent heraus, so beispielsweise die Politik des George W. Bush gegenüber Israel, seine unverrückbare Unterstützung des Ariel Sharon.

William Karel läßt nichts aus. Er ist eine Art Michael Moore in ernst und dokumentarisch. Dies ist sein fünfter Film hinter den Kulissen der Macht in den USA: wie der Präsident von ultra-fundamentalistischen Christen und einem Netzwerk von sich im Erdöl- und Waffenhandel bereichernden Geschäftsleuten an der Spitze der mächtigsten Gesellschaften der USA manipuliert wird. Auch die Verbindungen der Familie Bush mit der Familie Bin Laden werden nicht ausgelassen. Der Film greife oft zurück auf die beiden Bücher des Eric Laurent. (3)

Ausführlich wird eingegangen auf die Generalversammlung der Carlyle Group im Ritz-Carlton, Washington, am Tage des Attentats. An dieser Versammlung nimmt Shafiq bin Laden, ein Bruder des Osama bin Laden teil. Während der nächsten Tage hätten Flugzeuge der saudischen Luftlinie mit insgesamt 140 in den USA weilenden Saudis, darunter Mitgliedern der königlichen Familie und der Familie Bin Laden, aus den USA abfliegen dürfen. Unterstellt wird, daß sie den Untersuchungen über die Attentate nicht ausgesetzt werden sollten. Alle ausreisenden Saudis wurden vorher vom FBI gecheckt. 30 von ihnen wurden befragt bzw. verhört.

Weiterhin werden Uraltnachrichten über die geschäftlichen Verbindungen des Großvaters Prescott Bush mit Nazideutschland und das Einverständnis von Georges Herbert Bush zur Lieferung von biologischen Waffen an den Irak ausgekramt.

Da ist man doch froh, daß Frankreich damals, heute und zukünftig nirgendwo derartige schmutzige Verbindungen pflegt wie die üblen Geschäftsleute in den USA. EADS mit seinem Hauptaktionär Arnaud Lagardère ist der zweitgrößte Rüstungskonzern der Welt. Seine Waffen werden selbstverständlich nur in sauberen Kämpfen eingesetzt.

Frankreich verhält sich auch Nazideutschland gegenüber im Gegensatz zu Prescott Bush sehr anständig. Fast alle großen Konzernherren und Geschäftsleute und die Mehrheit der Bevölkerung kollaborieren mit Nazideutschland. Internierungslager werden auf Grund des unter dem Präsidenten Albert Lebrun vom Premierminister Edouard Daladier erlassenen Gesetzes vom 12. November 1938 (!) schon ab Frühjahr 1939 eingerichtet, zur Zeit der III. Republik. Spanische Republikaner und andere étrangers indésirables, unliebsame Ausländer, werden darin zu Tausenden interniert. Während der deutschen Besatzung werden auch in der freien Zone des Südens die Spanier, die Widerstandskämpfer, Kommunisten, Sozialisten und Gaullisten denunziert, isoliert, drangsaliert und unter unmenschlichen Bedingungen interniert, von den Juden und den Zigeunern gar nicht zu reden. Erst kurze Zeit vor dem débarquement, der Landung der Alliierten in der Normandie, am 6. Juni 1944, soeben mit großem Pomp gefeiert, kennt das Land fast nur noch Widerstandskämpfer. Auch die Künstler Charles Trenet, Jean Tranchant, Léo Marjane, Mistinguett, Maurice Chevalier, um nur einige zu nennen, wie können sie sich ab August 1944 an der Befreiung ihres Landes freuen. Noch kurze Zeit vorher sind sie vor den deutschen Okkupanten aufgetreten und haben von ihnen profitiert.

Der seit kurzem stolze Besitzer von 82 Prozent der Socpresse und unumschränkte Herr über die Medien Le Figaro, L´Express und L´Expansion, um nur die wichtigsten zu nennen, Serge Dassault, UMP Bürgermeister von Corbeil-Essonnes, der Liebling der Partei des Jacques Chirac und dessen enger Freund, er wird Mitte der 20er Jahre geboren als Serge Bloch. Sein Vater Marcel Bloch und dessen Dienste am französischen Vaterland werden auf der Site von Dassault Aviation so beschrieben:

Sein Beitrag zur französischen Luftfahrt beginnt während des Ersten Weltkrieges. Dem Luftfahrtlaboratorium von Chalais-Meudon zugeteilt, stellt er sein Talent als Ingenieur in den Dienst Frankreichs, in dem er 1916 einen Propeller entwirft, den man Éclair nennt und 1918 gemeinsam mit Henry Potez und Louis Coroller ein zweisitziges Jagdflugzeug, das SEA 4.
...

Nachdem seine Gesellschaft 1936 von der Volksfront nationalisiert wird, gründet er am 12. Dezember desselben Jahres die Société anonyme des avions Marcel Bloch (SAAMB), die Aktiengesellschaft der Flugzeuge Marcel Bloch, was juristisch gesehen den Akt der Gründung der heutigen Dassault Aviation bedeutet. ...

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, tragen seine Flugzeuge 1939-1940 zur Verteidigung des Himmels von Frankreich bei. Nach dem Waffenstillstand wird Marcel Bloch durch die Vichy Regierung interniert. Er weigert sich, mit dem Angreifer zusammenzuarbeiten, und nachdem er mit seiner Frau und seinen Kindern das Fort von Montluc in Lyon und dann das Lager von Drancy gekannt hat, ist er für acht Monate nach Buchenwald deportiert worden.
....

... Um die schwarze Periode des Krieges zu vergessen, entscheiden Marcel Bloch und seine Familie (1949), den Namen zu wechseln. (4)

Man kann auch davon ausgehen, daß dies aus Angst vor weiterer Verfolgung geschieht. Bloch ist ein eindeutig jüdischer Name. So verhält sich Frankreich während der Zeit, in der Prescott Bush mit Nazideutschland Geschäfte macht.

Die Dokumentaristen und ihre willigen Helfer in den französischen Medien merken gar nicht, daß sie sich mehrfach widersprechen. George W. Bush ist einerseits angeblich der dümmste Präsident, den die USA je hatten, andererseits ist aber die Familie Bush in einschlägigen lukrativen Geschäften involviert, die sogar dahin führen, daß für ihre Geschäftspartner eine Ausnahme gemacht wird, um sie außer Landes zu bringen. Man stelle sich vor, was mit der Familie des Osama bin Laden geschehen wäre, wenn sie in den USA verblieben wäre. Die Familie, die mehrfach erklärt, sie habe nichts mehr mit ihrem terroristischen Familienmitglied zu tun, diese Familie wäre wahrscheinlich trotzdem von aufgebrachten Amerikanern gelyncht worden.

Nun zur Originalität der Aussagen: seit vielen Jahren kann man im Internet über all das Informationen finden, was jetzt als Neuigkeit vermarktet wird und die französischen Medien aufregt. Die bescheidenen Mittel des Google, Variante deutsch, englisch, französisch machen´s möglich. Da steht auch schon Ende 2001 das, was jetzt als Sensation herausgestellt wird, daß etwaige Verbindungen Saddam Husseins zur al-Qaida keine Rolle für die Entscheidung für den Krieg gegen den Irak spielen. Mehrfach erklärt der Stellvertretende Verteidigungsminister Paul Dundes Wolfowitz, daß das Auffinden oder Nichtauffinden von Massenvernichtungswaffen irrelevant dafür sei. (5) Die Absicht, gegen den Irak Krieg zu führen, besteht seit dem Ende des Ersten Golfkrieges. Wer allein nur die Site des seit 1997 existierenden Project for the New American Century aufmerksam studiert, weiß das alles seit Jahren. Wo sind die französischen Medien all die Jahre, daß sie heute diese ollen Kamellen als neueste Senasation berichten? Welches ist die Absicht dahinter? (6)

Anmerkungen

(1) Dossier antisémitisme. Conseil Représentatif des Institutions juives de France (CRIF)
http://www.crif.org/index.php?menu=5&dossier=1

(2) Diffusion ce soir sur F2 du "Monde selon Bush". NOUVELOBS.COM | 18.06.04 | 09:19
http://permanent.nouvelobs.com/culture/20040618.OBS1297.html

France 2/ Bush la "marionnette", par Isabelle Nataf. Le Figaro Online, 18. Juni 2004
http://www.lefigaro.fr/television/20040618.FIG0011.html

Man Google auf http://www.google.fr monde selon bush - actualités,
und man erhält 1520 Angebote.

(3) Amazon.fr. Eingabe: Eric Laurent
http://www.amazon.fr/exec/obidos/search-handle-form/402-0668 188-3363350

(4) Marcel Dassault. Dassault de A à Z. Histoire. Marcel Dassault. Dassault Passion
http://www.dassault-aviation.com/passion/fr/dassault_a_a_z/h istoire_aviation/hommes_aviation/dassault.cfm

(5) Siehe dazu auch:
Practice to Deceive. Chaos in the Middle East is not the Bush hawk´s nightmare scenario - it´s their plan. By Joshua Micah Marshall. The Washington Monthly Online, April 2003
http://www.washingtonmonthly.com/features/2003/0304.marshall .html

(6) Project for the New American Century (PNAC)
http://www.newamericancentury.org

11. Juli 2004

Nachtrag:

Da sich die Geschichte der angeblich von arabischstämmigen Jugendlichen im Vorortzug RER D angegriffenen jungen Frau als deren Lüge herausstellt, habe ich die Stelle über die junge Frau in der RER D entfernt.

Affaire du RER: Il ne s´est rien passé dans le RER D. Par Jacky Durand et Patricia Tourancheau. Libération, 14 juillet, 6:00h
http://www.liberation.fr/page.php?Article=223645

Dienstag, 13. Juli 2004. Angeblicher rassistischer Angriff. 23-Jährige gibt Lüge zu. n-tv.de
http://www.n-tv.de/5278879.html

14. Juli 2004 - 16. Januar 2005



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