Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Saudi-Arabien. Freunde werden zu Feinden. Ein königlicher Schmerz (Artikel vom 12. Juli 2002)

Wenn man das Opinion Journal des Wall Street Journal, seine Meinungsseite, vordergründig betrachtet, könnte man sie für eine Art Hyde Park Corner halten. Hier schreibt jede und jeder kunterbunt durcheinander, und die Sprache schwankt zwischen empört und schrill. Schaut man aber genauer hin, so handelt es sich immer um sehr gezielte Beiträge. Jeder, der den Dow Jones Index und die seriöseren Seiten des Wall Street Journal studiert, sollte sich die Zeit gönnen, eben kurz die Themen des Opinion Journal zu überfliegen. Es lohnt sich.

Am 9. Juli 2002 lesen wir dort den Beitrag von Victor Davis Hanson, eines Hochschullehrers der California State University, Fresno: A Royal Pain - With friends like the Saudis, who needs enemies?, Ein königlicher Schmerz. Mit Freunden wie den Saudis, wer braucht da noch Feinde? (1)

Dies ist nicht der erste sorgenvolle bis hämisch-abfällige Beitrag des Opinion Journal über die bis vor kurzem innigen Freunde der USA. Die Freundschaft wird nun seitens der USA zügig ausgeläutet.

Was hat die Regierung des Landes getan, das lange vor der Invasion Kuwaits durch den Irak High Tech Waffen in den USA erwirbt, um ein Gegengewicht gegen den Iraq und den Iran zu bilden, das als top customer, als Spitzenkunde, von den USA allein nach dem Golfkrieg im Rahmen des Waffenexportprogramms des Pentagon High Tech Waffen im Werte von 39,6 Milliarden Dollar kauft und zusätzlich im Rahmen des direkten kommerziellen Verkaufs durch das US-Außenministerium Waffen im Werte von 394 Millionen Dollar und sie jeweils bar bezahlt mit der einzigen vertraglichen Auflage für die USA, daß 35 Prozent des Erlöses nach Saudi-Arabien zurückfließen müssen, (2) das den USA seine Bodenschätze zu Schleuderpreisen verkauft und trotz unabsehbarer sozialer Folgen und Folgen für das Königshaus US-Truppen auf seinem Boden duldet?

Victor Davis Hanson weiß es: Das Land ist nicht mehr interessant, es hat 200 Milliarden Dollar Schulden, hat nichts zu seiner Entwicklung im Nicht-Erdölsektor getan, es hat seine Bevölkerung nicht ausreichend erzogen und gebildet, so daß es keine Unternehmer hervorbrachte und keinen Handel treiben kann, was eine Feindseligkeit der Bevölkerung den USA gegenüber zur Folge hat, so daß 15 der 19 Flugzeugentführer des 11. September saudischer Nationalität gewesen sind. Saudi-Arabiens Haß gegen Israel ist virulent. Bekanntermaßen bekommen Juden keine Einreise- und Aufenthaltsgenehmigung für Saudi-Arabien.

Victor Davis Hanson, als Hochschullehrer offensichtlich gewohnt, einfache Tatbestände einfach auszusprechen, teilt uns mit, daß die jahrzehntelange intime Freundschaft zwischen den USA und Saudi-Arabien, von Franklin D. Roosevelt bis George W. Bush, das Erdöl zur Grundlage hat; sonst wäre Saudi-Arabien den USA unwichtiger als Ägypten. Strategisch sei das Land nicht bedeutender als sein Nachbar Jemen, und seine Unterstützung für den Terrorismus brächte im einen Platz auf der Liste der Schurkenstaaten, neben Syrien und dem Iran.

Die tatsächliche Menge der Erdöl- und Erdgasreserven Saudi-Arabiens sei umstritten. Es solle zwar noch unentdeckte Lager im Königreich geben, aber es liege eine unermeßliche Menge von Erdöl in Rußland, Westafrika und unter dem Nordpol. Da aber immer noch 25 Prozent der Welterdölmenge in Saudi-Arabien lagerten, sei dies Land noch für ca. zwei Dekaden wichtig für das Wohlergehen Japans, Europas und der USA: We need their oil, and they need our protection, wobei mit they das saudische Königshaus gemeint ist. Aus der Reihenfolge der von Hanson genannten Abnehmer, Japan und Europa werden zuerst genannt, kann man entnehmen, daß die USA das saudische Erdöl dank besserer Beziehungen zu anderen Produzenten wohl nicht so dringend brauchen wie Japan und Europa.

Nun also, da die USA anderswo ihren Erdöl- und Erdgasbedarf zu decken beabsichtigen, und Saudi-Arabien zukünftig weder den Erdölpreis noch die Fördermenge mehr festsetzen kann, schlägt es ins Gewicht, daß Saudi-Arabien wirtschaftlich darnieder liegt, hochverschuldet ist und keine sonstigen bedeutenden Vorzüge aufweist. Das Land bedürfe der USA mehr als diese der Saudis. Saudi-Arabien werde ein Land wie jedes andere auch, meint Victor Davis Hanson. Es sei zwar richtig, daß Saudi-Arabien nicht so gefährlich sei wie der Irak oder der Iran, aber seine strategische Feindschaft sei schlimm genug.

Man müsse daran gehen, saudische Dissidenten zu finden, oder zu helfen, sie zu schaffen, die der Demokratie verpflichtet seien und gegen den wahhabitischen Wahnsinn aufstünden. Er schlägt also eine ähnliche Politik vor wie die der USA gegenüber dem Irak. Plötzlich sind alle jahrzehntelang weltweit bekannten Fehler der saudischen Regierung, fehlende bürgerliche Demokratie, mangelnde wirtschaftliche Entwicklung, Korruption, Verschwendung, Unterdrückung der ausländischen Arbeitskräfte sowie die Aktivitäten der zahlreichen islamistischen Gruppen Todsünden, gegen die vorgegangen werden muß. Victor Davis Hansons Beitrag kann man entnehmen, daß Saudi-Arabien in einem Aufwasch im Irakkrieg mit erledigt werden soll. A friendly oilproducer ist das Ziel. Wenn das mit der Eroberung des Irak geschafft ist, bedarf es auch keiner US-Truppen zum Schutze der Königsfamlie mehr in Saudi-Arabien, sondern die US-Truppen dienen dann der Festigung der vom Königshaus befreiten saudischen Demokratie. Die ganze Gegend wird zu einem einzigen friendly oilproducer!

Die saudische Königsfamlie kennt die Kriterien der US-Freundschaft, sie braucht sich nur umzusehen, wie die USA mit ehemaligen engen Freunden umgehen, wenn die ihnen nicht mehr nützlich sind. Sie kennt auch die gegen sie im eigenen Land tätigen revolutionären und islamistischen Kräfte. Ebenfalls bekannt sind Überlegungen der USA, den Militärschlag gegen den Irak von Jordanien aus zu führen. Die Meinung der jordanischen Regierung dazu sowie die der 70 Prozent palästinensischen Bewohner Jordaniens scheinen die USA nicht zu schrecken, auch nicht die strategisch ungünstige Lage. Ein Einfall in den Irak von Jordanien aus geschähe entlang der Südgrenze Syriens und der Nordgrenze Saudi-Arabiens. Schon das zeigt, daß die USA bei dem Szenario mit Sicherheit einen Einfall in den Norden Saudi-Arabiens einplanen würden.

Nun versucht Saudi-Arabien, sich Verbündete zu schaffen. STRATFOR berichtet am 5. Juli, daß Saudi-Arabien den Bau bzw. die Wiedereröffnung zweier Pipelines unterstütze, die mehr mit Politik als mit Energie zu tun haben. Die stillgelegte Pipeline nach Jordanien soll reaktiviert werden. Saudi-Arabien verspreche sich durch diese Jordanien nützliche Aktion eine Verzögerung des Angriffskrieges auf den Irak. Ein solcher Angriff könnte zu einem Aufstand in Saudi-Arabien gegen die Königsfamilie führen. Ammans Antwort auf das Angebot der Saudis sei unsicher, da die USA mit dem Land gerade großzügige Freihandelsabkommen geschlossen haben, und es sein Erdöl über den Hafen von Akaba importieren könne. Weitere Hilfen in Millionen Dollar sind Jordanien zugesagt, um es zur Duldung des Angriffskrieges gegen den Irak von seinem Boden aus gefügig zu machen.

Das andere, noch subtilere Projekt sei der Bau einer 300 bis 400 Kilometer langen Pipeline von den saudischen Erdölfeldern durch den Hadramaut, im Jemen, zum Arabischen Meer, um so die Unterstützung des mächtigsten saudi-jemenitischen, in Jeddah residierenden Clans, nämlich der Familie Bin Mahfouz, zu gewinnen. Sie werden auf 2,5 Milliarden Dollar Vermögen geschätzt, und sie galten einst als die Bankiers der königlichen Familie.

Als das Bankgeschäft nicht mehr so recht floriert, geht die Familie daran, eine der größten Erdölfirmen Saudi-Arabiens zu bilden, die Nimir Petroleum. Diese Firma ist weltweit tätig, und sie arbeitet u.a. mit der Texaco zusammen, um die riesigen Erdölvorkommen Kasachstans zu erschließen und auszubeuten. Die Bin Mahfouz Familie ist dabei, den Hafen von Aden zu modernisieren, und sie ist an einer der beiden jemenitischen Ölraffinerien beteiligt.

Die Bin Mahfouz Familie werde wahrscheinlich einen lukrativen Anteil an jenem Pipeline-Projekt bekommen, nicht, weil Riyadh großzügig sei, sondern weil es Angst habe, schreibt STRATFOR. Die saudische Königsfamilie bedürfe dringend der Unterstützung, da der von den USA geplante Angriff auf den Irak und fortdauernde Maßnahmen gegen al-Qaeda die Antwort mächtiger anderer saudischer Clans wahrscheinlich machten. Bei Einbindung des bedeutendsten Clans würden die fundamentalistischen Ränge gespalten.

Die Bin Mahfouz Familie ist seit Jahren Anführerin der fundamentalistischen Bewegung in Saudi-Arabien. Sie hat zahlreiche Verbindungen zu militanten islamischen Gruppen und zu Osama bin Laden, der mit einer Tochter des Salem bin Mahfouz verheiratet ist. Diese Familie besitzt eine Insel vor Jemen, direkt neben einer anderen Insel, auf der die USA ihr militärisches Informationssystem SIGINT installieren. Die Familie Bin Mahfouz unterstütze mit Millionen Dollar ihrer National Commercial Bank islamische Wohlfahrtseinrichtungen, die von den USA als al-Qaeda-Institutionen eingeschätzt würden.

Denjenigen, die sich mit den Geschäften der Familie des George W. Bush befassen, ist der Name Bin Mahfouz sehr geläufig. Der Geschäftspartner des George W. Bush und einer seiner ersten finanziellen Unterstützer, ein gewisser James Bath aus Houston/Texas, Militärkamerad aus Zeiten des Militärdienstes von George W. Bush bei der Texas Air National Guard und Mann mit besten Kontakten zur CIA, wird 1976 von Salem bin Laden, Osamas älterem Bruder, als dessen Repräsentant in Houston angestellt. Zur selben Zeit ist der frühere Präsident George Herbert Bush Chef der CIA. Salem bin Laden investiert in George W. Bushs neue Erdölfirma Arbusto (spanisch Arbusto = englisch Bush), die später in die Harken Company übergeht. Mit dieser Firma tätigt George W. Bush seinerzeit die Insider-Geschäfte, die ihm heute in den Medien vorgehalten werden. Bekannt sind diese Geschäfte allerdings seit vielen Jahren.

Khalid bin Mahfouz ist ein großer Investor in die Carlyle Group, mit der die Familie Bush und die Republikanische Partei ebenfalls geschäftlich verbunden sind. Bekannt bei der US-Regierung sind die Verbindungen seit 1992. Demnach managt James Bath, teilweise als Strohmann, Vermögen in Millionenhöhe für Scheich Khalid bin Mahfouz und vier andere wohlhabende Saudis. Scheich Khalid bin Mahfouz ist zu der Zeit der größte Anteilsbesitzer der von ihm im Jahre 1972 gegründeten Bank of Credit and Commerce International (BCCI), eines korrupten weltweit in 73 Staaten operierenden Bankunternehmens mit großem wirtschaftlichen und politischen Einfluß in Washington, Paris, Genf, London und Hong Kong. Das scheinbar seriöse Unternehmen ist ein Verbrechersyndikat, das Finanzdienste für das Drogenkartell von Medellin, für die Diktatoren von Panama Noriega und den Irak Saddam Hussein, für die Terroristengruppe Abu Nidal (ANO) und Khun Sha, den Drogenkönig des asiatischen Goldenen Dreiecks, leistet. (3)

Die BCCI ist eine Geldwaschanlage für die Drogenkartelle, und sie schmuggelt Waffen für Terroristen. Sie benutzt Erdölgeld des Mittleren Ostens, um US-Politiker und Regierungsmitglieder zu beeinflussen. Große Anteile des Gewinns dieser Bank kommen islamistischen Organisationen zugute.1990 gerät die BCCI dieser Geschäfte wegen in die Schlagzeilen; sie wird 1991 geschlossen. (4)

Wenn die saudische Königsfamilie nun ausgerechnet der Bin Mahfouz-Familie einen großen Anteil am Pipeline-Projekt durch den Hadramaut zum Arabischen Meer überlassen will, so erhofft sie darüber wahrscheinlich auch, einen Einfluß zu gewinnen auf die Entscheidung des US-Präsidenten George W. Bush, die saudische Königsfamilie nicht fallen zu lassen. Ob das noch nützt, ist ungewiß. Der Beitrag im Opinion Journal des Wall Street Journal deutet eher darauf hin, daß der inkompetente und geschäftlich zu stark mit saudischen Interessen verflochtene Präsident George W. Bush es nicht mehr lange macht. Die Midterm Elections, im November 2002, sollen dazu der erste Schritt sein. (5)

Anmerkungen

(1) A Royal Pain - With friends like the Saudis, who needs enemies?, by Victor Davis Hanson.
Opinion Journal. WSJ.com, Tuesday, July 9, 2002 12:01 a.m. EDT
http://www.opinionjournal.com/extra/?id=110001964

(2) Arms Sales Tables. Saudi Arabia. Country Profile
http://www.fas.org/asmp/profiles/saudi_arabia.htm

(3) 09/16/2001 Archived Entry: "Bank of Credit and Commerce International"
Mit Artikel aus The Wall Street Journal - Page A1 Thomas Petzinger Jr., Peter Truell and Jill Abramson December 6, 1991
http://www.random-abstract.com/archives/00000292.html

(4) Über die Verbindungen der Bush-Familie zu zweifelhaften Kreisen lesen Sie bitte weitere Einzelheiten unter
Bush family´s dirty little secret: President´s oil companies funded by Bin Laden family and wealthy Saudis who financed Osama bin Laden, by Rick Wiles. American Freedom News. Special Report
http://www.minersadvice.co.uk/yourview9_bushs_secret.htm

(5) Diese Voraussage realisiert sich vor allem auf Grund der unter den Europäern und Amerikanern umstrittenen Kriegsmaßnahmen gegen den Irak nicht. Die US-Bürger sammeln sich hinter ihrem Kriegsherrn George W. Bush und seiner Grand Old Party. Ob sie sich im November 2004 weiterhin dort versammeln, ist zumindest fraglich.

Überarbeitete Fassung eines Artikels, vom 12. Juli 2002


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite