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Von Wolfensohn zu Wolfowitz - die Weltbank als verlÀngerte Werkbank des Pentagon

"... In einer Erweiterung Amerikas auf den Westen schlechthin heißt es bei (Max) Horkheimer: ´Die so genannte freie Welt an ihrem eigenen Begriff zu messen, kritisch zu ihr sich zu verhalten und dennoch zu ihren Ideen zu stehen, sie gegen Faschismus hitlerscher, stalinscher oder anderer Varianz zu verteidigen, ist Recht und Pflicht jedes Denkenden. Trotz dem verhĂ€ngnisvollen Potenzial, trotz allem Unrecht im Innern wie im Äußeren, bildet sie im Augenblick noch eine Insel, rĂ€umlich und zeitlich, deren Ende im Ozean der Gewaltherrschaften auch das Ende der Kultur bezeichnen wĂŒrde, der die kritische Theorie noch angehört.´ " Max Horkheimer, Kritische Theorie, Bd. 1, S. XIII. Gefunden in: Dan Diner: Feindbild Amerika, MĂŒnchen 2002, S. 161

Als Nachfolger des zum Juni 2005 scheidenden WeltbankprĂ€sidenten James D. Wolfensohn empfiehlt George W. Bush den stellvertretenden Verteidigungsminister der USA Paul Dundes Wolfowitz auf dessen Wunsch hin als neuen PrĂ€sidenten. Paul Dundes Wolfowitz ist seit Anfang der 90er Jahre maßgeblich an der Ausarbeitung der Voraussetzungen zur Invasion des Irak und allgemein von Strategien zu militĂ€rischen Interventionen der USA weltweit beteiligt. Einzelheiten dazu können im Dokument des PNAC "Rebuilding America´s Defenses", vom September 2000, nachgelesen werden.

Er, der "geschickte Diplomat", der ehemalige Botschafter in Indonesien, und erfahrene Manager einer großen Organisation, womit das Pentagon gemeint ist, "wird ein starker PrĂ€sident der Weltbank", sagt George W. Bush in einer Pressekonferenz.

Prof. Dr. Jacob Wolfowitz

Um ihn besser kennenzulernen, beginnen wir mit seinem Vater Prof. Dr. Jacob Wolfowitz.

Prof. Dr. Jacob Wolfowitz ist ein begnadeter Mathematiker auf dem Gebiet der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Statistik. Nach ihm sind Preise benannt, die jÀhrlich an verdiente Mathematikwissenschaftler vergeben werden.

Er wird 1910 in Warschau geboren und kommt 1920 nach New York. Dort geht er zur High School und anschließend zum New York City College. Nach seinen AbschlußprĂŒfungen, 1931, ist er auf Grund der Großen Depression, die ein Viertel der US-WerktĂ€tigen arbeitslos macht, gezwungen, seinen Lebensunterhalt als Mathematiklehrer hier und dort zu verdienen. Er heiratet 1934 Lilian Dundes, mit der er eine Tochter und einen Sohn hat, Paul Dundes Wolfowitz.

1938 trifft er den Wiener Mathematikwissenschaftler Abraham Wald, der auf Grund der faschistischen ZustĂ€nde Oesterreich verlassen muß und auf Einladung einer amerikanischen UniversitĂ€t in die USA kommt. Mit ihm beginnt er eine fruchtbare Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich der theoretischen Statistik, der Analyse von Reihen und der Entscheidungstheorie, bis zu Walds frĂŒhem Tod, 1950, in einem FlugzeugunglĂŒck, in Indien.

1942 promoviert Jacob Wolfowitz an der New York University und geht anschließend zur Statistical Research Group der Columbia University. Diese Gruppe arbeitet im Zweiten Weltkrieg fĂŒr die US-Regierung im Bereich spezieller statistischer Methoden unter unsicheren Bedingungen. Nach dem Krieg geht er zur UniversitĂ€t von Nord-Carolina und dann, nach einem Jahr, wieder zur Columbia University. Dort bleibt er bis zum Tode von Abraham Wald.1951 wird er Professor an der Cornell UniversitĂ€t, Ithaca, im Staat New York.

In den 50er und 60er Jahren ist er visiting professor, Gastprofessor an verschiedenen UniversitĂ€ten in den USA, in Israel und in Frankreich. 1969 hat er eine Gastprofessur in Heidelberg inne. 1970 verlĂ€ĂŸt er die Cornell University, um in anderen US-amerikanischen UniversitĂ€ten zu lehren, zuletzt an der University of South Florida at Tampa, u.a. Informationstheorie.

Er gilt als ausgezeichneter Wissenschaftler, Forscher und Lehrer und ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher und kultureller Gesellschaften. Seine Bildung und seine umfassenden Kenntnisse, weit ĂŒber den engen Rahmen der Wissenschaft hinaus, machen, daß man mit ihm ĂŒber alles reden kann. Einer seiner LiebingssprĂŒche ist: Laßt uns sehen, was im n-Raum des Euklid vorgeht; das war fĂŒr meinen Großvater gut genug und ist es deshalb auch fĂŒr mich. Mathematik ist fĂŒr ihn wichtig fĂŒr ihren Gebrauch in der realen Welt. Von philosophischen Spekulationen hĂ€lt er nichts. Er stirbt 1981 in Tampa.

Nun zu seinem Sohn Paul Dundes Wolfowitz

Er scheint zunĂ€chst in die Fußtapfen seines Vaters zu treten, denn er erlangt sein erstes Diplom in Mathematik und Physik, den B.A., 1965 an eben der Cornell University, an der sein Vater Professor ist. Dann aber trennen sich die Wege, sowohl, was die frequentierten UniversitĂ€ten als auch das Studienfach angeht. Sohn Paul D. Wolfowitz sattelt auf die Politischen Wissenschaften um und promoviert an der UniversitĂ€t von Chicago. Dort wird er wie auch Richard Perle vom Experten der Nuklearstrategie Professor Albert Wohlstetter, vom MilitĂ€r-Think Tank Rand Corporation, betreut. Albert Wohlstetter wird spĂ€ter, zur Zeit des Zweiten Golfkrieges, noch eine große Rolle spielen. Senator Henry (Scoop) Jackson, Senator Robert Dole und Margaret Thatcher sind ebenfalls von Albert Wohlstetter beeinflußt.

Paul D. Wolfowitz lehrt von 1970 bis 1973 an der Yale UniversitĂ€t. Die Regierungskarriere schlĂ€gt Paul D. Wolfowitz bereits nach dem Verlassen der Cornell University ein, er arbeitet 1966 bis 1967 im Finanzministerium, 1973 bis 1977 in der Waffenkontroll- und AbrĂŒstungsagentur, und ab 1977 sieht man ihn an Entscheidungsstellen im Verteidigungs- und im Außenministerium, als UnterstaatssekretĂ€r fĂŒr ostasiatische und pazifische Angelegenheiten, wo er zwanzig Staaten zu bearbeiten hat. Er trĂ€gt zur Verbesserung der Beziehungen der USA zu China und Japan bei und spielt eine zentrale Rolle bei der Koordinierung der US-Politik eines friedlichen Übergangs der Philippinen von der Marcos-Diktatur zur Demokratie.

Ab 1977 wagt er sich auf die Wissenschaftsgebiete seines Vaters, in dem er als UnterstaatssekretĂ€r im Verteidigungsministerium den Einfluß wichtiger Budgetentscheidungen auf die langfristige Strategie der USA zur Verteidigung der US-Interessen in Asien und im Pazifik bestimmt. Er stellt Untersuchungen ĂŒber die Wahrscheinlichkeit einer sowjetischen Invasion des Iran oder eines irakischen Angriffs auf Saudi-Arabien und/oder Kuwait an. Die Analysten der Zeit halten beides fĂŒr unwahrscheinlich, nicht so Paul D. Wolfowitz. Er beauftragt einen Mitarbeiter, fĂŒr die Planungsoptionen einen geschichtlichen Anhang zu erarbeiten, in dem die UmstĂ€nde aufgelistet werden sollen, unter denen die Sowjetunion und der Irak ĂŒber Jahrzehnte Staaten der Golfregion bedroht und militĂ€risch angegriffen hĂ€tten.

WĂ€hrend der Regierung von US-PrĂ€sident Ronald Reagan ist er drei Jahre, von 1986 bis 1989, Botschafter in Jakarta: Reagans Mann in Indonesien, im viertgrĂ¶ĂŸten Land und im grĂ¶ĂŸten islamischen Land der Welt. Es ist die hohe Zeit des Suharto, des Goldrausches in Kalimantan, der Korruption der gesamten Suharto-Familie, der Vertreibung der Bevölkerung, der AufstĂ€nde und Rebellionen sowie der Pleite des Staates. US-Außenminister ist der ehemalige PrĂ€sident und Direktor der Bechtel Group George P. Shultz.

FĂŒr Paul D. Wolfowitz ist die wichtigste Herausforderung fĂŒr Regierungsmitarbeiter, tragfĂ€hige Entscheidungen in herrschender Unsicherheit ĂŒber anstehende Bedrohungen sowie ĂŒber Chancen fĂŒr die US-Interessen zu treffen. Deshalb mĂŒĂŸten Politiker selbst Analysten sein und analytische Techniken beherrschen, um unvollstĂ€ndige Informationen und widersprĂŒchliche Annahmen richtig einzuordnen. Indonesien gibt ihm in dieser Hinsicht konkretes Anschauungsmaterial.

1989 beginnt die wirklich große Zeit des Paul Dundes Wolfowitz. Von 1989 bis 1993 ist er StaatssekretĂ€r fĂŒr Politik, Strategie und Planung im Verteidigungsministerium des PrĂ€sidenten George Herbert Bush. Sein Chef ist Richard Cheney. Paul D. Wolfowitz, der nie gedient hat, ist zustĂ€ndig fĂŒr die Ausarbeitung der Strategie fĂŒr die Golfregion.

Zu der Zeit meinen die meisten Analysten, daß mit der Auflösung der Sowjetunion die Bedrohung der US-Interessen in der Golfregion beendet sei. Nicht so Prof. Albert Wohlstetter, nicht so Margret Thatcher und Paul D. Wolfowitz. Dieser argumentiert, daß die USA ihre Verteidigung fĂŒr einen möglichen Angriff des Irak gegen seine erdölreichen Nachbarn planen solle. So werden umgehend Truppen in die Region verlegt. Paul D. Wolfowitz erklĂ€rt spĂ€ter, diese Maßnahmen seien unabhĂ€ngig von den EinschĂ€tzungen der Bedrohungslage geschehen, es sei lĂ€ngst so geplant gewesen. Selbst der irakische Diktator Saddam Hussein habe zu der Zeit vielleicht nicht einmal geplant, Kuwait zu ĂŒberfallen. Es ist wie 2001 im Falle des Afghanistankrieges, in dem die Talibanregierung beseitigt wird, und des Irakkrieges von 2003 zur Beseitigung des Saddam Hussein. Alles ist vorher geplant, unabhĂ€ngig davon, was der Gegner im Schilde fĂŒhrt, unabhĂ€ngig von Osama bin Laden in den Höhlen Afghanistans, von irakischen Massenvernichtungswaffen und Al-Qaida-Verbindungen Saddam Husseins. Verwirklicht werden die vorab erarbeiteten militĂ€rischen Strategien.

Der Zweite Golfkrieg dauert vom 17. Januar bis 28. Februar 1991.

Zu der Zeit gehört Paul D. Wolfowitz zu einem von Prof. Albert Wohlstetter geschaffenen und geleiteten Netzwerk in der Bush-Regierung. Nachdem das nĂ€chsthöhere Mitglied Richard Perle das Netzwerk verlĂ€ĂŸt, um fĂŒr auslĂ€ndische Regierungen Lobby- und Consultingarbeit zu leisten (u.a. fĂŒr die TĂŒrkei, zu einem Jahreshonorar von 800 000 Dollar) ĂŒbertrĂ€gt Albert Wohlstetter die Aufgabe an Paul D. Wolfowitz, Verteidigungsminister Richard Cheney zu ĂŒberzeugen, Saddam Hussein endgĂŒltig zu besiegen und auf dem Wege die irakische Nationalgarde von 100 000 Mann gleich mit. Richard Cheney stellt sich an die Seite des damaligen Joint Chief of Staff Colin Powell und hĂ€lt so sein der arabischen Welt gegebenes Wort. Den Krieg weiterzufĂŒhren, hĂ€tte die Koalition gesprengt, den Irak geteilt und somit den Einfluß des Iran erhöht. Vor solchen Möglichkeiten stehen wir ĂŒbrigens jetzt ebenfalls. Paul D. Wolfowitz ist seinerzeit der Meinung, es gebe nicht eine Koalition, sondern viele, fĂŒr verschiedene Gelegenheiten, je nach den jeweiligen Interessen der USA.

Anfang 1992 ist er Hauptautor des Entwurfs eines von den strategischen Vorstellungen des Albert Wohlstetter inspirierten Strategiepapiers The Defense Policy Guidance (DPG), das Richtlinien zur Wahrung der Vorherrschaft der USA, die Verhinderung des Aufstiegs einer großen rivalisierenden Macht und die Formung der internationalen Sicherheitsordnung entlang der amerikanischen Prinzipien und Interessen beinhaltet. Das Papier dringt bereits vor seiner Fertigstellung und BestĂ€tigung durch die Regierung an die Öffentlichkeit. Es wird als Anstrengung Kalter Krieger bezeichnet, die trotz des Zusammenbruchs der Sowjetunion zur Erhöhung der MilitĂ€rausgaben und der Verhinderung des Abbaus von Truppen auffordern. Die Clinton-Regierung hat das Papier beerdigt, schreiben im Auftrag des Project for the New American Century die Autoren des Strategiepapiers, vom September 2000, Rebuilding America´s Defenses.

Zu bestimmen, welche noch so unwahrscheinlichen Bedrohungen es wert sind, daß man sie erwĂ€gt, ist etwas, das die erfolgreiche Zusammenarbeit von Politikern und Informationsanalysten voraussetzt, sagt er dem Mitarbeiter im Intelligence Direktorat der CIA Jack Davis in Interviews, 1994 und 1995. Zu der Zeit ist er George F. Kennan Professor fĂŒr Nationale Sicherheitsstrategie am Nationalen Kriegs-College, Berater des RĂŒstungskonzerns Northrop Grumman, Dekan und Professor fĂŒr internationale Beziehungen an der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) der John Hopkins UniversitĂ€t, an der er schon 1981 lehrt. SAIS ist eines der wichtigsten Institute fĂŒr internationale Beziehungen, mit 750 Studenten in Washington, Nanjing/China und Bologna/Italien. Als Dekan wirbt er mehr als 75 Millionen Dollar fĂŒr die SAIS ein und verdoppelt somit die Stiftungsgelder. Curriculum und StudienfaszilitĂ€ten werden modernisiert, neue Lehrer eingestellt und neue Programme entwickelt, um die SAIS vom Kalten Krieg auf die Ära der Globalisierung umzustellen.

Seinen Interviewpartner Jack Davis beeindruckt er mit einem umfassenden verlĂ€ĂŸlichen Buch ĂŒber Husseins aggressive Tendenzen. Hussein werde sich nicht Ă€ndern, habe der Stellvertretende CIA-Direktor Dick Kerr zum PrĂ€sidenten George Herbert Bush gesagt und somit Entwarnung gegeben. Paul D. Wolfowitz macht denn auch der Geheimdienst-Gemeinde schwere Vorhaltungen, daß sie den PrĂ€sidenten nicht ĂŒber den verĂ€nderten Charakter Saddam Husseins aufgeklĂ€rt hĂ€tte, so daß dieser nicht beseitigt worden sei. Eine solche AufklĂ€rung wird spĂ€ter das Office of Special Plans unter seinem Leiter Abram Shulsky dem US-PrĂ€sidenten George W. Bush liefern, inklusive erfundene Niger Connection.

Die VerbĂŒndeten, unter ihnen Deutschland und Japan, zahlen an die 40 Milliarden Dollar zur UnterstĂŒtzung der Koalition des Zweiten Golfkrieges zur Durchsetzung der US-Interessen in der Golfregion. Strategisch, politisch und wirtschaftlich kommt fĂŒr Deutschland nicht viel dabei heraus, und auch fĂŒr Frankreich und Rußland ist die Kosten-Nutzen-Bilanz eher negativ. Es mag der Grund sein, warum die Regierungen dieser Staaten beim nĂ€chsten Irakkrieg nicht mitmachen. Er entspricht nicht ihren Interessen. Diese Staaten sehen in dem Krieg keine Win-Win-Situation. Im Interesse vor allem Deutschlands und Frankreichs ist es, daß die USA durch diesen Krieg strategisch, politisch und wirtschaftlich geschwĂ€cht werden. Das gerade wollen Paul Dundes Wolfowitz und seine Mitstreiter vom PNAC jedoch verhindern. Ihnen ist nicht an einer Win-Win-Situation, sondern an der Festigung und dem Ausbau der Vormachtstellung der USA gelegen.

1997 ist Paul D. Wolfowitz MitbegrĂŒnder des Project for the New American Century (PNAC), dessen Mitglieder sich im Auftrag der hinter ihnen stehenden RĂŒstungs- und Erdölkonzerne, versorgt mit den nötigen finanziellen Mitteln, umgehend daran machen, die USA fĂŒr den Waffengang im Irak vorzubereiten. Die Zeitung Weekly Standard wird von Rupert Murdoch eigens dazu gegrĂŒndet. WĂ€hrend der gesamten Amtszeit der Clinton-Regierung arbeiten die Mitglieder des PNAC daran, endlich den Krieg gegen den Irak zu fĂŒhren. Seit Anfang Februar 2001 ist Paul Dundes Wolfowitz Stellvertretender Verteidigungsminister, sein Chef ist Donald Rumsfeld. Zu der Zeit ist Richard Perle Vorsitzender des Defense Policy Board beim Pentagon. Die Mitglieder des PNAC, sein Chairman William Kristol und die Journalisten des Weekly Standard sowie Hunderte von Multiplikatoren in Politik und Medien arbeiten nach KrĂ€ften an der Realisierung der seit dem Ende des zweiten Golfkriegs ausgearbeiteten strategischen PlĂ€ne.

GegenwĂ€rtig haben die USA keinen globalen Rivalen. Amerikas Gesamtstrategie sollte darauf zielen, diese vorteilhafte Position zu bewahren und so weit wie möglich in die Zukunft auszudehnen, heißt es im Strategiepapier Rebuilding America´s Defenses des PNAC, vom September 2000. In der Formulierung as far into the future as possible klingt an, daß es unter den MilitĂ€rstrategen solche gibt, die es fĂŒr realistisch halten, daß dieser Zustand nicht ewig anhĂ€lt.

Der Terroranschlag auf die WTC-TĂŒrme, vom 11. September 2001, beschleunigt den lange vorbereiteten Feldzug zur Bewahrung und Ausdehnung der Vormachtstellung, seine Ursache ist er nicht. Das wissen auch die fĂŒr eine Koalition zu gewinnenden Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Rußlands und Chinas. Deshalb spielt es außer zur Überzeugung der Bevölkerung der USA keine Rolle, ob Saddam Hussein Verbindungen zur al-Qaida nachgewiesen werden können, oder ob sich im Irak Massenvernichtungswaffen finden. Es erleichtert allerdings die DurchfĂŒhrung des Planes, wenn die Bevölkerung ĂŒberzeugt ist von seiner Richtigkeit. Das ist schon immer so beim Eintritt in Kriege, da sollen sich vor allem Deutsche nicht moralisch aufspielen. Wer noch gleich erklĂ€rt am 1. September 1939: Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurĂŒckgeschossen?

Am 20. September 2001 schreiben PNAC-Mitglieder einen weiteren Brief an den Honorablen PrĂ€sidenten, diesmal an George W. Bush, den Krieg gegen den Irak sofort zu beginnen. Die RĂŒstungskonzerne verausgaben sich allerdings zunĂ€chst im Krieg gegen Afghanistan, sie kommen mit der RĂŒstungsproduktion nicht nach, so daß erst am 20. MĂ€rz 2003 mit dem Luftangriff auf Bagdad der Krieg gegen den Irak beginnen kann. Die Hauptkampfhandlungen sind einen Monat spĂ€ter zu Ende. Der Krieg kostet Hunderte von Milliarden Dollar. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Bis zum 15. MÀrz 2005 sind einer Aufstellung des Iraq Coalition Casuality Count zufolge seit Kriegsbeginn 1694 alliierte Soldaten (1518 USA, 86 Briten, 90 andere) und Tausende von Zivilisten getötet worden, sowohl durch die Koalition als auch durch TerroranschlÀge. 5867 US-amerikanische Soldaten sind bis zum 8. MÀrz 2005 verwundet worden. Eine detaillierte Auflistung dieser und auch ermordeter bzw. getöteter Mitarbeiter von im Irak tÀtigen Aufbaufirmen ist auf der Web Site einzusehen.

Der Irak ist bis heute nicht befriedet. Nun will Paul Dundes Wolfowitz nicht mehr Regierungsmitglied bleiben. Oder weist ihm der US-PrĂ€sident die TĂŒr? Die Folgen seiner genialen Strategien dĂŒrfen jedenfalls andere zum Guten wenden.

Vielleicht gelangt er ja eines Tages zur Weisheit seines Vaters und sagt: Laßt uns sehen, was im n-Raum des Euklid vorgeht; das war fĂŒr meinen Urgroßvater und fĂŒr meinen Vater gut genug und ist es deshalb auch fĂŒr mich. Diese Weisheit wĂ€re teuer erkauft - bezahlt hĂ€tten allerdings andere.

Artikel vom 23. Juni 2002 - Überarbeitet am 30. Juli 2004 und am 16./17./19. MĂ€rz 2005

Quellen:

Bush Recommends Wolfowitz to head World Bank. By William Branigin, Washington Post, Wednesday, March 16, 2005
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A39858-2005Mar 16.html

Banking on Wolfowitz. And you thought Iraq was difficult. Opinion Journal from the Wall Street Journal, March 17, 2005
http://www.opinionjournal.com/editorial/feature.html?id=1100 06432

Europeans resist Wolfowitz for World Bank. Lack of Consultation, War Role Criticized. By Paul Blustein and Richard Leiby, Washington Post, March 18, 2005
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A45449-2005Mar 17.html

Jacob Wolfowitz
http://www-gap.dcs.st-and.ac.uk/~history/Mathematicians/Wolfowitz.html

Albert Wohlstetter, R.I.P. by Jude Wanniski, January 16, 1997
http://www.polyconomics.com/searchbase/fyi01-16-97.html

The Suharto Years 1965 to 1998
http://www.gimonca.com/sejarah/sejarah10.shtml

George P. Shultz, Secretary of State 1982 to 1989
http://www.wordiq.com/definition/George_P._Shultz

Rebuilding America´s Defenses. Strategy, Forces and Resources For a New Century. A Report of The Project for the New American Century, September 2000. Donald Kagan and Gary Smith, Project Co-Chairmen, Thomas Donnelly, Principal Author
http://www.newamericancentury.org/RebuildingAmericasDefenses .pdf

Paul D. Wolfowitz. Profile. Right Web
http://rightweb.irc-online.org/ind/wolfowitz/wolfowitz.php

Northrop Grumman. War Profiteers. CorpWatch
http://www.corpwatch.org/article.php?list=type&type=11

The Military-Industrial-Think Tank Complex. Corporate Think Tanks and the Doctrine of Aggressive Militarism. By William Hartung and Michelle Ciarrocca. Multinational Monitor, Jan/Feb 2003 - VOLUME 24 - NUMBERS 1 & 2

http://multinationalmonitor.org/mm2003/03jan-feb/jan-feb03co rp2.html

Paul Wolfowitz, Deputy Secretary of Defense, 6 March 2001
http://www.defenselink.mil/bios/depsecdef_bio.html

Jack Davis: The Challenge of Managing Uncertainty - Paul Wolfowitz on Intelligence Policy-Relations. In: Studies in Intelligence, Volume 39, Number 5, 1996
http://www.cia.gov/csi/studies/96unclass/davis.htm

PNAC Statement of Principles, June 3, 1997
http://www.newamericancentury.org/statementofprinciples.htm

Selective Intelligence by Seymour M. Hersh. The New Yorker, May 5, 2003
http://www.newyorker.com/fact/content/?030512fa_fact

Letter to President Bush on the War on Terrorism, September 20, 2001
http://www.newamericancentury.org/Bushletter.htm

Dritter Golfkrieg
http://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Golfkrieg#Tote

Iraq Coalition Casuality Count
http://icasualties.org/oif/

Die Carlyle Group und die Kriege gegen Afghanistan und den Irak. 4. Dezember 2001, 5. Mai 2003 - 16. MĂ€rz 2005
http://www.eussner.net/artikel_2004-07-14_20-42-22.html

Stiftungen, Think Tanks und Neokonservative in den USA. Stand: 25. Mai 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-01_18-46-30.html



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