
Guantánamo: Zutritt nur für Befugte - wenn du dies lesen kannst, bist du schon ein toter Mann! (Stand: 12. Januar 2002)
Restricted Acces - If you can read this, you´re already a dead man!
So wurde der Leser der Web Site des US-Marinestützpunktes Guantánamo seinerzeit freundlich und mit Musik empfangen. Diesen Spruch wie auch den folgenden Willkommensgruß können die Leser heute leider nicht mehr genießen, da die Site verändert worden ist. Legalen Zugang zum Stützpunkt, von den dort stationierten Soldaten liebevoll Gitmo getauft, gibt es nur nach Genehmigung der US-Marine.
Willkommen auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay! Ein Jahrhundert lang hat die US-Marine diese isolierte Außenstelle militärischer Demokratie auf dem östlichsten Zipfel des Inselstaates Kuba aufrecht erhalten. Vieles hat sich in den letzten hundert Jahren geändert, aber das Engagement für eine freie westliche Hemisphäre ist fest geblieben.
Nun versetzen wir uns also mit dem US-Militär in die Gegend, wo jetzt Hunderte von al-Qaeda-Kämpfern, die zunächst aus allen Teilen Afghanistans und von US-Kriegsschiffen aus der Arabischen See nach Kandahar gebracht worden waren, interniert werden sollen. Vorher hat man ihnen die Bärte abrasiert, sie in orangefarbene Overalls gesteckt, dann kettete man sie an und verband ihnen die Augen.
US-Truppen im Camp X-Ray haben zunächst die Vorhut, 20 al-Qaeda-Kämpfer, zu verwalten. Die übrigen Hunderte von Gefangenen werden in Gruppen zu 20 bis 30 Mann nachfolgen. Das Lager ähnelt den Gefangenenlagern des Zweiten Weltkriegs, Schäferhunde patrouillieren und Stacheldraht zieht sich darum herum.
Jetzt bauen die US-Truppen fieberhaft die Sicherheitsvorkehrungen im Lager aus. Dessen Unzugänglichkeit und hohe Sicherheitsstufe machen es zu einem möglichen Ort für Militärtribunale. Der Status der Gefangenen ist unklar. Die USA bezeichnen sie als battlefield detainees, etwa, auf dem Schlachtfeld gefangene Leute, was ihnen nach der Genfer Konvention nur eingeschränkte Rechte im Vergleich zu Kriegsgefangenen gibt, es aber möglich macht, sie der Kriegsverbrechen anzuklagen. Präsident George W. Bush hat bereits im November einen Befehl unterzeichnet, der es dem Verteidigungsministerium erlauben würde, die Gefangenen vor ein Militärgericht zu stellen.
Das würde bedeuten, daß die Prozesse unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden und der Willkür Tür und Tor geöffnet ist. Die Gefangenen sind in einer Transportmaschine C-17 der USA von Afghanistan zum türkischen US-Luftstützpunkt Incirlik gebracht und von dort, an ihren Sitz gefesselt und pro Gefangener bewacht von zwei US-Soldaten, abtransportiert worden. Während des 20-stündigen Fluges hatten sie ihre Notdurft in tragbaren Urinoirs zu verrichten. Ernährt wurden sie von ihren Bewachern. Die internationale Staatengemeinschaft scheint sich nicht groß um die Wahrung von Menschenrechten dieser Qaeda-Kämpfer zu sorgen. Auf dem Stützpunkt meint ein Sprecher, daß diese Leute ja ihren Weg ins Paradies durch die Ermordung eines jeden Amerikaners in Uniform oder auch von Zivilisten hätten bahnen wollen, und nun sei man in Guantánamo unter einer einzigartigen Bedrohung, die mit nichts früherem zu vergleichen sei, was das Ausmaß dieser Bedrohung angehe, die Anzahl der Gefangenen und die Entfernung, über die sie 20 Stunden transportiert wurden.
Von Guantánamo haben wir lange nichts gehört, deshalb kurz rekapituliert: 1895 unterstützten US-amerikanische Freiwillige einen kubanischen Aufstand gegen die spanischen Kolonialherren. Die Pulitzer- und Hearst-Presse schürte die öffentliche Meinung in den USA derartig, daß die mysteriöse Explosion des US-Kriegsschiffs Maine, 1898, im Hafen von Havanna, Auslöser des Krieges der USA gegen Spanien wurde. Neben Kuba gewannen die USA auch noch Puerto Rico und Guam durch diesen Einsatz.
Die USA besetzten Kuba. Guantánamo, der einstige karibische Urlaubsort des Zeitungsbarons William Randolph Hearst wurde kurz danach von diesem für 99 Jahre an die USA verpachtet. Der Vertrag wurde 1976 im Rahmen des Prozesses der USA gegen die Bankräuberin Patricia Hearst im Amnestie-Übereinkommen zwischen der Familie Hearst und den USA neu verhandelt. Eine US-freundliche Regierung in Havana hatte den Hearst-Vertrag 1934 erneuert, und er darf nur aufgehoben werden, wenn beide Seiten zustimmen. Die kubanische Regierung erkennt diese Verträge nicht an, fordert die Rückgabe ihres Besitzes und verweigert seit 1960 die ihr zustehende Pacht in Höhe von 5000 (!) Dollar pro Jahr.
In Guantánamo, das man auch das Pearl Harbour des Atlantik nennt, leben etwa 200 000 Menschen. Zucker und Kaffee werden dort veredelt. Es gibt Straßen- und Schienenverbindungen nach Santiago de Cuba. Guantánamo wurde im frühen 19. Jahrhundert von Franzosen gegründet, die vor Aufständen in Haiti flohen. Mitte der 90er Jahre wurden Tausende von kubanischen und haitianischen Flüchtlingen vorübergehend dort beherbergt, und im Kosovo-Krieg wurde 20 000 Kosovo-Flüchtlingen angeboten, sie dort unterzubringen, was diese auf Grund der unwirtlichen Verhältnisse ablehnten. Heute können in dem Lager 2000 Terroristen aus der ganzen Welt untergebracht werden.
Gitmo habe vom amerikanisch-spanischen Krieg bis zu den kürzlichen Friedensmissionen in der Karibik in Kriegs- und Friedenszeiten stolz gedient, meint man auf der Web Site des US-Marinestützpunktes.
Die Gefangenen Qaeda-Kämpfer werden unter rauhen Bedingungen, in schnell zusammengenagelten 1,90x2,50 qm großen Käfigen unter freiem Himmel untergebracht. Außer einem Betonfußboden und einem Dach werden die mit Maschendraht voneinander getrennten Zellen nach allen Seiten offen sein. Wenn´s regnet, werden sie naß, meint ein US-Militär ungerührt. Unsere Aufgabe ist es, diese Terroristen aus dem Gefecht zu ziehen, in dem wir sie einsperren. Wir haben nicht die Absicht, es ihnen bequem zu machen. Wir werden es unmenschlich machen (We´ll make it inhumane), zitiert ihn der Daily Telegraph, am 11. Januar 2002.
Berlin, 12. Januar 2002 - Links angepaßt und ergänzt, 4. Juli 2006 und 26. Juni 2007
Guantánamo
http://www.nsgtmo.navy.mil/
Zur weiteren Entwicklung von Guantánamo:
Halliburton to Build New Cells at Guantanamo Base, by Charles Aldinger. Common Dreams News Center, July 27, 2002
http://www.commondreams.org/headlines02/0727-02.htm
Camp X-Ray. Definition. word IQ Encyclopedia
http://www.wordiq.com/definition/Camp_X-Ray
The Battle for Guantánamo. By Tim Golden, NYTimes, September 17, 2006
http://www.nytimes.com/2006/09/17/magazine/17guantanamo.html ?pagewanted=1&ei=5088&en=d68a4504aad8cb67&ex=1316145600&part ner=rssnyt&emc=rss
The Guantánamo I Know. By Morris D. Davis, NYTimes, June 26, 2007
"The image of Guantánamo Bay and the reality of Guantánamo Bay are completely different."
http://www.nytimes.com/2007/06/26/opinion/26davis.html?_r=1& th&emc=th&oref=slogin
Cuba
http://www.lib.utexas.edu/maps/americas/cuba_rel94.jpg
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