
Keramikplatten und Stolpersteine. Verschiedene Arten des Gedenkens
Keramikplatitüden
Eine kleine katholische Gemeinde in Essen ist offensichtlich nicht klein genug, als dass sie nicht zur großen Kirchenpolitik beitragen könnte. Sie reiht Keramikplatte an Keramikplatte, beschriftet mit 1100 Namen von Opfern von Gewalt und 80 Ortsnamen, die Schauplätze von Gewalt wurden, schreibt Henryk M. Broder. Eine bunte Palette der Namen von Gewaltopfern sowie "Gewalt- und Übeltätern" pflastern den Boden der Kirche. (1)
"Übeltäter" ist ein niedliches Wort. Meine Oma pflegte auszurufen, wenn sie mich erwischte: "Hab´ ich endlich den Übeltäter?!" Und der "Gewalttäter" erscheint bei der Kombination nicht in voller Größe, sondern er heißt "Gewalt-" und wird durch "Übeltäter" überlagert. Gewalt ohne Tat und Täter. Die Sprache ist verräterisch.
Vielleicht spielen ja Kinder mal Hinkeln, beispielsweise nur auf den Keramikplatten von Massenmördern. Gibt es schon genug, dass sich das Hinkel-Hüpf realisieren ließe? Reinhard Heydrich, hat er schon seine Platte? Ahmed Yassin und Abdel Aziz Rantisi kommen soeben hinzu. Rechnet der Pfarrer mit weiteren Übeltätern?
Pädophile könnten vom Pfarrer angeregt werden, statt in den Klingelbeutel zu spenden, Münzen zu werfen auf die Platten von kindlichen Sexualopfern. Diese kleine Ersatzhandlung brächte ihnen Erleichterung und der Kirche Geld für neue Keramikplatten. Außer Julie Moser, 14 Jahre, sollten noch mehr malträtierte ermordete Kinder in den Ton eingeschrieben werden. Die Opfer des Belgiers Marc Dutroux, sind sie schon verewigt?
Pfarrer Franz-Josef Steprath könnte in Predigten erklären, was der Unterschied zwischen "ehren" ist und zeigen, "dass kein Mensch das Recht hat, einem anderen das Leben und die Würde abzusprechen oder gar zu nehmen." Wenn es ihm und seiner Gemeinde wirklich nicht auf eine Ehrung ankommt, warum nennt er dann beliebige Namen? Warum steht nicht einfach in der Kirchenecke eine Tafel: "Die hier im Boden eingelassenen Keramikplatten sollen diejenigen, die darauf treten, daran erinnern, dass man nur auf Kacheln, nicht aber auf Menschenleben herumtrampeln soll"?
Der Pfarrer sagt, dass allein demjenigen ein Recht zu richten zusteht, "der am Ende gerecht richten wird." Die Gemeinde aber richtet bereits im Irdischen; denn die Auslese ist ein Richten. Das wird verdeckt durch die scheinbar willkürlichen Namen. Die sind nämlich nicht willkürlich, sondern sie unterliegen nicht ohne weiteres nachvollziehbaren Kriterien. Von "weltanschaulicher und parteipolitischer Neutralität" kann dabei keine Rede sein. Macht man sich die Mühe, das kleinste gemeinsame Vielfache der Kriterien aufzudecken, so ergibt sich ein verheerendes Bild der Gleichmacherei schon hier, im Diesseits. Die Kirche maßt sich an zu richten und alle gleich gültig freizusprechen. So spricht sie sich selbst frei von ihrem Versagen im Dritten Reich, wie es in einem Leserbrief in der "WAZ" treffend heißt. Das Schicksal der Verfolgten und Ermordeten im Dritten Reich ist der Kirche gleichgültig. Nicht gleichgültiog sind ihr nach dem Krieg die Kriegsverbrecher aus SS und Gestapo, denen der Vatikan in Zusammenarbeit mit der SS-Geheimorganisation ODESSA zur Flucht nach Lateinamerika verhilft. Diese Übeltäter sind allerdings nicht tot, sondern quicklebendig .
Stolpersteine oder: "Hier wohnte 1933 - 1945"
Nun zu einer anderen Art der Ehrung, zu den Stolpersteinen.
1993 stellt der Kölner Künstler Gunter Demnig im Rahmen eines "Kunstprojektes für Europa" seine ersten Stolpersteine vor. Zu der Zeit sind sie ein "konzeptuelles Projekt ... ohne Realisierungsgedanken". Dann gibt es in der Kölner Antoniterkirche in Zusammenarbeit mit dem Citykirchenpfarrer Kurt-Werner Pick die erste Ausstellung "STOLPERSTEINE - HIER WOHNTE (Photos und 250 STOLPERSTEINE)". (2)
Der Pfarrer wird im Jahre 2002 unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten mit der Evangelischen Gemeinde Köln wegen von seinem Posten abberufen. Eine der Übeltaten, die dem offensichtlich PDS-nahen Pfarrer Kurt-Werner Pick anzulasten ist: er lädt Gregor Gysi zum 18. Juni 2000 ein, in der Kirche zum Thema "Politik und Moral" zu sprechen. Über diese und andere Unbotmäßigkeiten, er sitzt im Beirat des "Komitees gegen amtlichen Rassismus - Aktion im Kölner Hauptbahnhof", er gewährt 43 Kurden, die im Hungerstreik gegen ihre Abschiebung sind, Aufenthalt in seiner Kirche, stolpert der revoluzzende Pfarrer. Ihm jedenfalls ist die Unterstützung des Projektes der "Stolpersteine" genannten, mit Namen von Opfern der Nazi-Barbarei versehenen Messingplatten zu danken. Wäre er auf dem Niveau der Essener Keramikplatitüden geblieben, könnte er heute noch den Citypfarrer abgeben. Sein Nachfolger ist ein vom Oberkirchenrat zum Pfarrer mutierter Dozent für Gregorianik und Liturgiewissenschaft. (3)
Die Idee der Verlegung von messingnen Stolpersteinen kann Gunter Demnig nur mühsam verwirklichen. 1995 verlegt er in Köln "probeweise" einige Steine. Im Rahmen einer Ausstellung der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst (NGBK) "Künstler forschen nach Auschwitz" verlegt er 1996, zunächst ohne Genehmigung, 55 Stolpersteine in der Berlin-Kreuzberger Oranienstraße. Die Verlegung wird im nachhinein genehmigt. Auf seiner Web Site ist nachzulesen, mit welchen Argumenten die Verlegung weiterer Messingplatten abgelehnt wird, bzw. Steine wieder entfernt werden:
- Entfernung zweier von vier Steinen: "... war ja alles gar nicht so schlimm." Oberndorf, Salzburger Land, 1997
- "Die Auswahl der Personen, die einen Stein bekommen sollen, erinnert an die Selektion an der Rampe in Auschwitz", Evangelisches Forum Kassel 1999
- "Die STOLPERSTEINE erinnern formal und inhaltlich an den Hollywood-Boulevard in L. A.", Stadtverwaltung Leipzig 2001
Solche Vorwürfe werden beim Projekt der Keramikplatten in Essen nicht erhoben. Dem Projekt des Künstlers Gunter Demnig fehlt die offensichtlich bevorzugte Beliebigkeit der Namen. Er verlegt die Steine an Orten, die mit den Opfern direkt verbunden sind. Es sind ihre Wohnorte, aus denen man sie während des Dritten Reiches in die KZs vertreibt, um sie dort zu ermorden. Pfarrer Kurt-Werner Pick meint 1993: "Na ja - 6 Millionen Steine kannst Du nicht schaffen; aber um ein Zeichen zu setzen, könntest Du ja klein anfangen."
Ab 13. April 2000 wird ein Durchbruch verzeichnet. Der Rat der Stadt Köln beschließt, das Projekt Stolpersteine "als Schenkung" anzunehmen. Also, nicht die Stadt unterstützt das Projekt, sondern sie nimmt die Leistungen des Künstlers großzügig entgegen. Geschenkt!
Nun laufen die Verlegungen der messignen Stolpersteine allmählich an. Anfragen von Angehörigen von Opfern kommen aus Südafrika, der Berliner Bezirk Kreuzberg beschließt im Jahre 2000 die Verlegung von 2000 Stolpersteinen. Das Projekt wird in Schulen mit Dia-Vorträgen vorgestellt. Schüler und Studenten werden in das Projekt einbezogen. Sie forschen in Archiven über das Schicksal von in KZs ermordeten Menschen und helfen bei der Verlegung der Messingplatten. Schüler in Leverkusen recherchieren und leiten selbständig Genehmigungsverfahren zur Verlegung der Stolpersteine ein. Ab dem Jahre 2001 berichten bekannte regionale und überregionale Zeitungen über das Projekt. Das Fernsehen des "WDR" begleitet ein Projekt von Schülern in Euskirchen. In Hamburg werden, vom 4. bis 7. Juli 2002, die ersten 24 Stolpersteine verlegt; weitere folgen. Das "NDR"-Fernsehen berichtet über die Verlegung der Stolpersteine im Hamburger Grindelviertel.
Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (ZJD) Dr. Salomon Korn unterstützt in einem Brief vom Herbst 2003 das Projekt "Stolpersteine" und empfiehlt "als Beauftragter des Zentralrates der Juden in Deutschland für Gedenkstätten, Denkmäler und Mahnmale, dessen Realisierung."
In Köln, Berlin, Hamburg und zahlreichen anderen Städten Deutschlands und in Oesterreich werden vom Künstler bis heute ungefähr 3300 solcher Steine verlegt. In Frankreich wird man auf das Projekt aufmerksam, und es ist geplant, dort zwei Stolpersteine für französische Widerstandskämpfer zu verlegen. (2)
Ein Vergleich des Stolpersteinprojektes nicht nur mit dem der Essener Keramikplatten, sondern auch mit dem gigantischen Berliner Holocaust Mahnmal unter dem Aspekt der Abwägung der Kosten mit dem Nutzen bzw. der Effizienz legt sich nahe. Das Herumtreten auf den "Übeltätern" Yasser Arafat und Abdel Aziz Rantisi oder der Blick auf 2571 Betonklötze - was soll das? Nichts als Beliebigkeit, Auflösung geschichtlicher Zusammenhänge und Vergessen, Platitüden und wogendes Wallala, Wallaleialala, schlecht und im Falle des Mahnmals auch verbunden mit gigantischen, aus Steuermitteln zu finanzierenden Kosten, für jetzt und alle Zukunft. Nichts davon beim Projekt der "Stolpersteine", wie die Chronik des Projektes belegt. Finanziert werden die Stolpersteine, Kosten pro Stein 95 Euro, durch Patenschaften. Namen werden aus der Anonymität geholt, in der sie in einem Stelenmeer versinken.
"Tot sind nur die, die man vergißt"
Gunter Demnig verlegt zur Erinnerung an Hamburger Opfer des Nationalsozialismus ab 2002 allein in Hamburg auf den Bürgersteigen 900 Stolpersteine. Das Projekt findet in Hamburg eine sehr positive Resonanz. Im April 2004 werden die Paten der in Hamburg verlegten Stolpersteine von der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S. mit dem Max-Brauer-Preis ausgezeichnet. Ina Lorenz, Professorin für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Hamburg und stellvertretende Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, nimmt den Preis in Höhe von 15 000 Euro treuhänderisch entgegen. Gunter Demnig verlegt aus diesem Anlaß in Hamburg, am 19. April, zwölf weitere Steine. Er, der Künstler und Initiator der Stolpersteine, und der Hamburger Kunstsammler Peter Hess werden ebenfalls geehrt. Letzterer greift die Idee der Stolpersteine im Jahre 2002 für Hamburg auf und kümmert sich um die Verlegung der Stolpersteine in Hamburg.
"Der Max-Brauer-Preis wird seit 1993 zum Gedenken an Max Brauer (1887-1973), den ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg, verliehen. Der Preis wird einmal jährlich an Persönlichkeiten und Einrichtungen in der Freien und Hansestadt Hamburg überreicht, die sich durch besonderes Engagement für das kulturelle, wissenschaftliche oder geistige Leben hervorgetan haben." Die Laudatio zur Preisverleihung hält Theo Sommer, DIE ZEIT, vor rund 600 Gästen in der Hamburger St. Michaeliskirche, dem "Hamburger Michel". (4)
"Diese Steine erinnern daran, daß in diesem Haus einmal Menschen sehr glücklich gelebt haben", sagt Professor Miriam Gillis-Carlebach. Die Tochter des letzten Oberrabbiners von Hamburg und Altona Josef Carlebach ist Direktorin des Carlebach-Instituts der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan. (5) Sie kommt mit ihrer Tochter Michal Shalev, die zum ersten Mal in Deutschland ist, um an der Verleihung des Hamburger Max-Brauer-Preises 2004 teilzunehmen. (6)
Sieben Stolpersteine gedenken der ermordeten Mitglieder der jüdischen Familie Isaac/Wolf, vor ihren früheren Wohnungen in Eppendorf und Eimsbüttel. Über diese Familie ist schon viel publiziert worden, vor allem über die Gesangshumoristen und Bühnenstars Ludwig, Leopold und James Isaac, die drei Söhne des Schlachtergesellen Isaac Joseph Isaac. Sie wollen nicht in die Fußtapfen ihres Vaters treten und beginnen 1895 eine Karriere als "Wolf-Trio - das beste deutsche humoristische Herren-Gesangs-Terzett". Des schon damals latenten Antisemitismus wegen geben sie sich den Künstlernamen "Wolf".
James Wolf verläßt 1906 das Trio und eröffnet in Eimsbüttel einen Zeitungsladen, die beiden anderen Brüder singen und tingeln als "Gebrüder Wolf" sehr erfolgreich weiter. Sie spezialisieren sich auf Couplets und plattdeutsche Lieder. Wie´s bis zu ihrem Auftrittsverbot 1933 mit ihrer Kleinkunst weitergeht, welche Rolle der Direktor des Hamburger "Neuen Operettentheaters" Wilhelm Bendiner ab 1911/12 spielt, wie sich das Duo nach dem frühen Tod, 1926, von Leopold Wolf entwickelt, ist nachzulesen in den begleitenden Booklets zu den vom Hamburger Norbert Noritz, dem Besitzer von "Musik Antik am Weidenstieg", herausgegebenen CDs mit den Liedern der Gebrüder Wolf sowie in zahlreichen Artikeln. Der Hamburger Filmemacher Jens Huckeriede präsentiert im November 2001 eine Fotoausstellung und im September 2003 hat sein dokumentarischer Film über die Gebrüder Wolf auf dem Hamburger Filmfest Premiere. Der Film zeigt den Schauspieler und Musiker der Rapp-Gruppe "Felonius" Dan Wolf, den Urenkel von Leopold Wolf, auf der Spurensuche nach seinen berühmten Vorfahren. Der Film wird Anfang 2004 auch beim Festival Berlin&Beyond in San Francisco gezeigt. (7)
Die sieben Stolpersteine, die Gunter Demnig verlegt, erinnern an die von den Nazis ermordeten James und Paula Wolf, Olga Wolf, Dan Wolf und Fanny Berlin sowie Flora und Hans Seligmann. Johann-Hinrich Möller, ein Familienmitglied und Mitglied des "ErinnerungsProjektes Gebrüder Wolf", stellt sie in einer Pressemitteilung, vom 4. Februar 2003, vor.
James Wolf, der 1906 einen Zeitungsladen eröffnet, und seine Frau Paula, werden (vermutlich) 1938 aus ihrem Zeitungsladen vertrieben. Der Laden wird "arisiert". Sie müssen ihre Wohnung verlassen und ziehen zweimal um, in schlechtere Wohnungen. Am 19. Juli 1942 werden sie nach Theresienstadt deportiert, wo James Wolf am 3. Januar 1943 und Paula Wolf am 3. März 1944 ermordet werden.
Ulrich Waller bringt Anfang 2002 in den Hamburger Kammerspielen die Geschichte der Gebrüder Wolf auf die Bühne. Die Schauspieler Peter Franke und Gerhard Garbers singen zwölf der besten Wolf-Lieder und stellen Sketche und Szenen aus ihren Filmdrehbüchern vor. Ulrich Waller übernimmt die Patenschaft für die zwei Stolpersteine, die an James und Paula Wolf erinnern.
Olga Wolf, geborene Berlin, ist die erste Ehefrau von Donat, dem jüngsten Sohn von Leopold Wolf. Während Donat und sein Bruder James Iwan Wolf mit ihrem Schwager Ernst Berlin 1939 nach Shanghai fliehen können, gelingt Olga Wolf mit ihrem gemeinsamen Sohn Dan, geboren 1939, sowie Olgas Mutter Fanny Berlin die Flucht aus Deutschland nicht mehr. Sie werden am 6. Dezember 1941 nach Riga deportiert, wo sie (vermutlich) Anfang 1942 ermordet werden. An sie erinnern drei Steine, die von Donat Wolfs Sohn aus zweiter Ehe, Frank Wolf, gestiftet werden. Frank Wolf lebt in San Francisco. Er ist der Vater des Schaupielers und Rapp-Musikers Dan Wolf, den Frank in Erinnerung an seinen im Alter von drei Jahren ermordeten Bruder ebenfalls Dan nennt.
Flora Seligmann ist die Schwester von Leopold, Ludwig und James Wolf. Sie heiratet 1914 Hans Seligmann. Sie betreiben seit 1915 am Grindelhof eine Geflügelhandlung. Das Geschäft wird 1939/40 "arisiert". Am 8. November 1941 werden beide nach Minsk deportiert und dort ermordet. Die beiden Steine für Flora und Hans Seligmann werden gestiftet von Johann-Hinrich Möller, einem Neffen von James Iwan Wolf.
Alan Mairson vom National Geographic Magazine (NGM) berichtet, im Heft vom Juni 2004, über die sieben Stolpersteine für die ermordeten Mitglieder der Familie Wolf. Der Autor zitiert den Künstler Gunter Demnig: "Sie können ein Buch aufschlagen und lesen, dass die Nazis sechs Millionen Juden und fünf Millionen andere ermordet haben, aber Sie können nicht voll ermessen, was geschah. Wenn Sie aber über das Schicksal eines Mannes oder einer Frau erfahren, die in einem bestimmten Haus wohnten, ist das etwas anderes."
Der Autor schildert die pädagogische Wirkung, die das Projekt bei Schülern, Studenten und in den Medien hat. Gunter Demnig sagt ihm, dass einige Deutsche nichts mit den Stolpersteinen und dem Erinnern zu tun haben wollen. Ein Kölner strengt einen Prozeß an, weil durch das Anbringen der Plakette sein Haus 100 000 Euro weniger wert würde. Von einer anderen Seite argumentiert die Vizepräsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland (ZJD), die Leo-Back-Preis-Laudatorin 2003 des ZJD Charlotte Knobloch. Sie wünscht nicht, dass Juden, die früher mit Stiefeln getreten wurden, erneut ihre Namen mit Stiefeln getreten und beschmutzt sehen. Auf solche Spitzfindigkeiten muß man erst kommen. Frau Charlotte Knobloch verteilt lieber Preise an Joseph "Joschka" Fischer, Ralph Giordano und Iris Berben ("Oscar für Toleranz"). Für welche herausragenden Taten, ist dabei nicht so wichtig.
Gunter Demnig jedenfalls erklärt, dass einige Israelis und Juden in anderen Staaten überhaupt erstmalig wieder nach Deutschland kommen, um ihre und die Wohnungen ihrer vertriebenen und ermordeten Angehörigen in Deutschland zu besuchen. Anders als das riesige Berliner Holocaust Mahnmal in Berlin stellen die Stolpersteine Trauernden einen Ort bereit, an dem sie sich eines Einzelschicksals erinnern können.
Für den 28-jährigen Dan Wolf sind die Stolpersteine ein Anstoß, seine Hamburger Herkunft zu entdecken. "Geschichte scheint sicherer, wenn man sie in ein Museum steckt; in Deutschland aber fand der Holocaust in den Straßen statt, vor aller Welt. Er war nicht zentralisiert. Jeder x-beliebige Flecken mag ein unbezeichnetes Grab sein," sagt er. (8)
Am 17. September 2004 berichtet Johann-Hinrich Möller in einer Email an Gunter Demnig: "Ich habe soeben einen Brief aus Tel Aviv erhalten mit der hebräischen Ausgabe der National Geographic, vom Juni 2004..." Er legt noch einmal ein Foto der drei Stolpersteine für Fanny Berlin, Olga und Dan Wolf sowie ihre ins Hebräische übersetzte Geschichte samt Foto von Olga und Dan Wolf bei. Inzwischen ist der Artikel über die Steine für Dan und Olga Wolf sowie Fanny Berlin auch in der "National Geographic Kroatien" veröffentlicht.
Johann-Hinrich Möller bereitet zur Zeit die Verlegung von 35 Stolpersteinen für die ermordeten Kinder und BetreuerInnen aus den Jüdischen Waisenhäusern vor. Heute berichtet er, der gemeinsam mit Peter Hess das Projekt in Hamburg unterstützt, dass der Film von Jens Huckeriede "return of the tüdelband" und die Fotoausstellung ab 11. November 2004 zunächst in Jerusalem und danach in Tel Aviv, Haifa und Beersheva gezeigt werden (jeweils ca.1 Monat). Veranstalter sind die Goethe-Institute in Israel. Diese Info soll nächste Woche auch auf der Web Site "Gebrüder Wolf" verfügbar sein. (9)
Das Hamburger St. Pauli Theater unter seinem Intendanten Ulrich Waller spielt die Gebrüder-Wolf-Story, vom 29. September bis zum 10. Oktober 2004. Die Premiere ist mit großem Beifall aufgenommen worden. (10) Wenn Frau Charlotte Knobloch sich beeilt, kriegt sie noch ´ne Karte - vielleicht sogar eine Ehrenkarte, so verdient, wie sie sich um die Juden in Deutschland macht...
27. September 2004 - letzter Stand: 1. Oktober 2004
Quellen
(1) "Auch Übeltäter sind Menschen", von Henryk M. Broder.
Spiegel Online, 20. September 2004
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,318818,00.h tml
(2) Stolpersteine. Die Chronik
http://www.stolpersteine.com/chronik.htm
(3) Für Informationen bitte googeln: Kurt-Werner Pick Antoniterkirche
(4) Stolpersteine. Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S. ehrt das Bürgerengagement für die "Stolpersteine". blankenese.de - Die Welt mit Elbclick
http://www.blankenese.de/magazin/aufgrund/judeninblankenese/ stolpersteine
Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S.
http://www.toepfer-fvs.de
(5) Willkommen im Joseph Carlebach-Institut
http://www.biu.ac.il/JS/Carlebach/
(6) Das Gedächtnis der Stadt. Toepfer-Stiftung zeichnete "Stolperstein"-Paten mit "Max-Brauer-Preis" aus. Gabriela Fenyes, Jüdische Allgemeine Nr. 18/2004, S. 20
(7) Hier einige Links zur Information über die Gebrüder Wolf und das Schicksal der Familie im Dritten Reich. Umfrangreiche Infos finden sich auf der Web Site http://www.gebruederwolf.de
Musik Antik - Startseite. Dort bitte klicken auf "CDs" und unten, rechts, "Im Himmel ist´s herrlich" der Gebrüder Wolf finden, anklicken und "Booklet" anklicken. Schon gefunden! "Snuten und Poten" und die Folgen: "Im Himmel ist´s herrlich!"
http://www.musik-antik-records.de/
Die Gebrüder Wolf
http://www.kunstwerk-hamburg.de/seiten/wolf.html
(8) Embedded Memories, by Alan Mairson. National Geographic Magazine, June 2004
http://magma.nationalgeographic.com/ngm/0406/resources_geo.h tml
Siehe auch:
Mahnmale im Gehsteigpflaster, von Susanne Gilges. National Geographic Deutschland. September 2003
http://www.nationalgeographic.de/php/magazin/redaktion/2003/ 09/redaktion_geographica.htm
(9) Gebrüder Wolf
http://www.gebruederwolf.de
(10) Die Jungs mit dem Tüdelband. Die Gebrüder-Wolf-Story.
St. Pauli Theater, 29. September bis 10. Oktober 2004
http://www.st-pauli-theater.de/news.php
Frischer Wind vom Hafen, von Mirko Bott. Hamburger Morgenpost, 1. Oktober 2004
http://archiv.mopo.de/archiv/2004/20041001/nachrichten/hambu rg/kultur_mopop/hmp2004093017242095.html
|