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Dieser Sieg geschah im Jahre der Hedschra 1422 - Durch ihre exzessive Kriegspolitik entmachten die USA sich selbst. Ein Artikel vom 6. Januar 2002

Das osmanische Reich und seine Sultane waren einst, etwa vom 14. bis17. Jahrhundert, sehr mächtig. Viele Schlachten zur Ausweitung der Reichsgrenzen wurden geschlagen, davon die meisten gewonnen. Es gab aber auch, wie im Leben so üblich, einige Niederlagen. Die waren durch die Sultane verboten. Für die Sultane gab es nur Siege.

Was machte nun ein armer vom Tode bedrohter osmanischer Geschichtsschreiber, der Wahrheit und der Ehre verpflichtet, wenn er über eine Niederlage zu berichten hatte?

Der Geschichtsschreiber schilderte die Kämpfe und die Verluste auf beiden Seiten detailliert. Da stand dann beispielsweise, daß der Feind 100 Pferde verlor, die Osmanen aber 500, der Feind 2000 tote Soldaten zu beklagen hatte, die Osmanen aber 5000. So ging das mit allen anderen Positionen, mit Schätzen, Kriegsgerät, Landstrichen. Wenn alles aufgelistet war, erklärte der Geschichtsschreiber abschließend: dieser Sieg geschah im Jahre der Hedschra (Datum).

Daran kann man erinnert werden, wenn STRATFOR.com, am 3.1.2002, über die Lage der USA an der Terrorfront berichtet.

Viele erwartete und unerwartete Verbündete unterstützten die USA in deren Anti-Terrorkrieg, Großbritannien leite die Friedenstruppen in Afghanistan, Deutschland und Japan befänden sich in den größten Übersee-Einsätzen ihrer Nachkriegsgeschichte, und frühere "Schurkenstaaten", wie der Sudan, böten den USA ebenfalls nachrichtendienstliche und sonstige Unterstützung an.

Mit Washingtons Segen ("with Washingtons blessing") und unter der Bedingung, daß sie ihre Aktivitäten im Rahmen des Anti-Terrorkonzeptes der USA verfolgten, sei es vielen zweit- und drittrangigen Mächten von den USA gestattet, die Gunst der Stunde zu nutzen, da der Kampf gegen den Terrorismus das geopolitische System verändere und ihnen Möglichkeiten schaffe, im Schatten der Washingtoner Operationen ihre eigenen lokalen und regionalen Interessen zu vertreten. Für Japan und Deutschland bedeute dies, daß sie Gelegenheit bekämen, ihren eigenen Wiederaufstieg ins internationale Sicherheitssystem und die Durchsetzung weiterer Eigeninteressen zu betreiben, während sie ihren Wert für die USA bewiesen. Was Deutschland angeht, so ist es soeben mit Billigung Frankreichs im Begriff, in Djibouti seinen ersten Militärstützpunkt nach dem Zweiten Weltkrieg einzurichten. Dies geschehe im Einvernehmen mit den USA, bei geringem Risiko, und es sei der erste Schritt zu weiteren Stationierungen deutschen Militärs in der Welt. Japan etabliere sich im Indischen Ozean, Großbritannien bekomme durch die Leitung der Friedenstruppen in Afghanistan größere Kontrolle über die zukünftige Art der Operationen dort, anstatt den USA die Schaffung von Tatsachen zu überlassen, über die Großbritannien dann keine Kontrolle mehr hätte.

Die Ereignisse in Afrika, um sein Horn herum, und in Äthiopien und Somalia, seien für die USA zukünftig von größerer Bedeutung, angeblich der Verfolgung der Qaeda wegen. Äthiopien hat bereits Truppen im Süden Somalias stationiert, um so einen Zugang zum Meer zu erhalten. Das macht den USA aber nichts aus, weil Äthiopien so die Landung von al-Qaeda Kämpfern verhindern könne, die aus Afghanistan fliehen.

Wichtig sei auch die stillschweigende Duldung, oder wenigstens die Nicht-Ablehnung von Handlungen, die Washington früher unter den Richtlinien der Menschenrechte verworfen hätte. Hier wird offensichtlich auf Rußland und seinen Tschetschenienkrieg angespielt.

Es gebe aber auch nichtgenehme Staaten, die die neue Agenda der USA zu eigenen Zwecken ausnutzten: afrikanische, mittelöstliche und asiatische, mit Indien und Israel als extremen Beispielen. Washingtons langjährige Beziehungen zu Pakistan fielen, nachdem die USA ihre Ziele in Afghanistan so gut wie erreicht haben, nahezu ins Dunkel, und Indien habe mehr Raum als je zuvor erhalten, Pakistan zu bedrohen.

Man möchte ergänzen, daß die USA ihre Ziele in Afghanistan mitnichten erreicht haben, nicht einmal annähernd. Der Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad wird dies demnächst merken.

Das geopolitische Denken der USA habe sich völlig verkehrt. Während des Kalten Krieges habe der Feind leicht ausgemacht werden können: es waren die Sowjetunion und Schurkenstaaten, die Raketen an andere verkauften. Jetzt aber gebe es einen schlecht definierten und sehr diffusen Feind: den Terrorismus.

Diese Einschätzung von STRATFOR.com kann nur bestätigt werden. Seit Wochen präsentieren die rührigen US-amerikanischen Medien und ihre jeweiligen Hintermänner immer neue Feinde und Vorschläge, sie zu eliminieren. Da gibt es die Anti-Irak-Fraktion, die Anti-Somalia-Sudan-Jemen-Gruppe, die Pakistan-Ankläger und die Saudi-Arabien-Bezichtiger. Diese äußert sich gerade gestern durch den pensionierten Militär Ralph Peters, Autor des Buches "Fighting for the Future: Will America Triumph?", am 4.1.2002, im Wall Street Journal mit dem Vorschlag, die USA sollten sich einer kreativen Instabilität in einer Welt stellen, die zuviele Diktatoren und korrupte Unterdrückerregime aufweise. Er listet die Schandtaten der saudischen Herrscher und deren Finanzierung des Terrors in der muslimischen Welt, in Indonesien, Pakistan, Afghanistan auf (als wenn die US-Regierungen der letzten 50 Jahre, seit König Saud Ibn-Abdul Aziz, sie nicht sämtlichst kennten!) und kommt zu dem Schluß, die USA müßten bereit sein, die saudischen Erdölfelder zu beschlagnahmen (sic!) und über sie für das größere Wohl zu herrschen ("we must be prepared to seize the Saudi oil fields and administer them for the greater good").

Man darf gespannt sein, was der US-Präsident, sein Vater, diverse andere hochrangige Republikaner und die Carlyle Group, die mit den Saudis in engstem geschäftlichen Kontakt sind, zu diesem Vorschlag sagen werden, von den politischen und militärischen Möglichkeiten zur Realisierung dieser völkerrechtswidrigen Annektion gar nicht zu reden.

Eine alte Kriegsweisheit besagt jedenfalls, daß kein Krieg gewonnen werden kann, wenn der Feind nicht exakt definiert ist. Das wußte man schon vor vielen Jahrhunderten in China. Hilflos schauten die USA nun hierhin und dahin und nähmen Hife an von wem auch immer, von alten und neuen Verbündeten, die ihrerseits die Lage der USA zu ihren Zwecken ausnutzten, meint STRATFOR.com.

Die jetzt nach Macht strebenden "zweiten und dritten Mächte" jedenfalls wissen im Gegensatz zu den USA genau, was sie von wem, und vor allem von den USA, wollen. Unter dem Motto des Kampfes gegen den Terrorismus teilen sie soeben die Welt neu auf. Für die USA ist dabei nicht abzusehen, wer von ihnen einmal in Afrika und Asien als zu berücksichtigende Macht übrig bleibt. In Amerika selbst, vor allem in Lateinamerika, mögen die USA und ihre Free Trade Association of America (FTAA) herrschen. Da kommen große Aufgaben auf sie zu. Argentinien ist erst der Anfang.

Schon im Herbst 2001 war klar, daß die Regierung der USA in Afghanistan ihrer schwindenden Vormachtstellung hinterher bombt. Ihre unersättlichen Erdöl- und Rüstungskonzerne haben´s möglich gemacht. Die Bevölkerung der USA wird darunter in den nächsten Jahren leiden. Es wird mehr Arme geben, mehr Terror und mehr Verlangen der US-Bürger, die vermeintlichen Schuldigen an der Misere, ferne Länder Asiens und Afrikas zu zerbomben. Jetzt haben die USA dafür den Grundstein gelegt.

Dieser Sieg der USA geschah im Jahre der Hedschra 1422.

Berlin 05.01.2002

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