Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Die Taliban haben die gigantischen Buddha-Statuen in Afghanistan zerstört. Ein Aufschrei des Entsetzens geht durch die kultivierte Welt - Ein Artikel vom 13. Januar 2001

Vor zwei Wochen wußte kaum einer, der sich jetzt so aufregt, daß es in Afghanistan überhaupt solche Statuen gibt. Nun kennen wir nur noch Anhänger des "Weltkulturerbes", ohne daß einer der sich äußernden Politiker seine Abneigung gegen den Islam äußert, wohlverstanden.

Vom Treffen der Umweltminister der G8-Staaten in Triest, über den Sprecher des US-Außenministeriums, die schwedische Präsidentschaft der EU, die UNESCO, die einen Sonderbotschafter zu den Taliban entsandte, und wie könnte es anders sein, bis hin zum deutschen Kulturminister Julian Nida-Ruemelin, der die Zerstörung mit der Bücherverbrennung durch die Nazis verglich, alle, alle mußten ihren Senf dazu geben. New Yorks Metropolitan Museum of Art wollte gar auf eigene Kosten die Riesenbuddhas aus dem Lande transportieren lassen. Weitere Vorschläge, wie hohe Mauern als Sichtblenden zum Schutz der Gläubigen vor dem Anblick der Statuen wurden ebenfalls ernsthaft erwogen. Aber die Mollahs blieben eisern: "Wir wollen die Zerstörung der Statuen!"

Da kommt frau doch ins Grübeln. Seit nunmehr zwei Jahren führen albanische Moslems systematisch eine Kampagne zur Vernichtung des europäischen Kulturerbes, und zwar der orthodoxen Kirchen und Klöster im Kosovo. Dieses findet unter den Augen der NATO-Truppen und mit Billigung der UNO statt. Von Protesten der jetzt so über die Zerstörung der Buddha-Statuen erregten Politiker war nie etwas zu hören und zu lesen. Das New Yorker Museum hat es nicht für nötig gehalten, auch nur einige Dollars zu spenden, um Kulturschätze zu retten. Die UNESCO hat keinen Sonderbotschafter nach Pristina geschickt, um dringende Verhandlungen mit der KLA zu führen. Der Verlust europäischen Kulturgutes ist von sehr geringer Bedeutung.

Mittelalterliche orthodoxe Klöster und Kirchen und ihre Schätze an Manuskripten und Kultgegenständen wurden von den muslimischen KLA-Vandalen in Schutt und Asche gelegt, von genau denjenigen, die bereits Jahre vorher von den USA zur Festigung ihrer globalen Hegemonie gefördert worden waren. Schon in den 60er Jahren erkannten die USA die Nützlichkeit der islamistischen Fundamentalisten, seinerzeit als Waffe gegen die Sowjetunion. Den islamistischen Fundamentalismus in den südlichen Sowjetrepubliken zu verbreiten, um die Sowjetunion zu schwächen, war die Devise. Sender wie Radio Liberty und Free Europe beteiligten sich mit entsprechenden propagandistischen Nachrichtensendungen. Insgesamt ca. 40 Milliarden Dollar gaben die USA gemeinsam mit Pakistan und Saudi-Arabien zur Unterstützung afghanischer Glaubenskrieger (genannt Freiheitskämpfer) aus. Ab 1984 strömten Tausende militanter Radikaler aus dem Mittleren Osten nach Afghanistan. Sie wurden von dem jetzt allseits verdammten saudischen Geschäftsmann Osama bin Laden rekrutiert. In Lagern, auf afghanischem Stammesgelände, wurden diese Radikalen durch das pakistanische Inter-Services Intelligence Directorate (ISI) und die CIA im antisowjetischen Glaubenskrieg ausgebildet.

Die Taliban waren eine Gründung der CIA und des ISI. Sie sollten einen sunnitischen Radikalismus verbreiten, der die Scharia-Gesetzgebung einführte, ohne sich um dringende soziale und wirtschaftliche Probleme der Menschen zu kümmern. Das paßte den saudi-arabischen Herrschern sehr gut, konnten somit doch die schiitischen Konkurrenten im Iran zurückgedrängt werden. Die saudischen diktatorischen Herrscher, eine kleine Minderheit, die im Verbund mit US-amerikanischen Ölkonzernen ihr Land zu persönlichen Zwecken ausbeutet, sind gute Kunden der US-amerikanischen Rüstungsindustrie.

Als die Sowjetunion sich 1989 aus Afghanistan zurückzog, wurden die Ausbildungslager der Glaubenskämpfer nicht aufgelöst. Die Glaubenskämpfer wurden von den USA nun gegen alle gerichtet, die als Rivalen der USA eingeschätzt wurden. In Tschetschenien und Daghestan wurden antirussische Ressentiments geschürt, in Bosnien die erste islamische Republik auf europäischem Boden etabliert, und in China sollten die Glaubenskämpfer eine islamische Republik Xinjiang von der Volksrepublik China abtrennen.

In allen diesen Fällen stimmten die Ziele der USA mit denen der islamischen Fundamentalisten überein. Eine informelle islamische Staatengruppierung, vom Persischen Golf bis zum Balkan, Türkei, Azerbaidschan, Saudi-Arabien und Kuwait eingeschlossen, sollte gebildet werden. Statt dem unzuverlässigen NATO-Staat Griechenland sollte Albanien die NATO-Basis im östlichen Mittelmeerraum werden. Diese informelle Staatengruppierung sollte als Ausgangsbasis für die US-Expansion ins islamische Zenttralasien dienen, um dort die erdöl- und erdgasreichen Gebiete zur Ausbeute durch die USA vorzubereiten. Zu diesem Zwecke wurde auch das schiitische Iran einbezogen, das ab 1991 den Bosniern militärisches Training und Equipment zukommen ließ. Hinzu kamen sudanesische Hisbollah Fundamentalisten, angeführt vom sudanesischen Sicherheitsdienst. Es sollten möglichst "unpolitische" islamische Führer herangezogen werden, die von den US-amerikanischen Konzernen beim Abschluß lukrativer Verträge zur Ausbeutung der Bodenschätze einfacher zu leiten wären.

Gemeinsam mit dem pakistanischen ISI wirkt die CIA weiter zur Destabilisierung der Region. Die islamischen Fundamentalisten machen von Afghanistan aus den Chinesen, den Indern und den Russen gleichermaßen Schwierigkeiten. Was die Riesenbuddhas angeht, sie sind absolut uninteressant, aber Buddhismus ist ja heutzutage schick, vor allem unter den Hollywood Stars. So gab es einige Proteste. Die zerstörten serbischen Klöster und Kirchen haben nichts dergleichen hervorgerufen.

Berlin, 13. Januar 2001


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite