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Das Mahnmal wird eröffnet - Blütenlese Update: 7. Mai 2005

Hannes Stein ist schon beim "Kitsch" angelangt. Das nächste Woche den staunenden Berlinern und ihren Besuchern übereignete Stelenfeld, genannt Mahnmal, sei monströser Kitsch, auf eine Lüge gegründet. "Das einzige, was man bauen dürfte, wäre ein Mahnmal zur Erinnerung an die Täter", 2000 Galgen, "wie sie nach den Nürnberger Prozessen Verwendung fanden, meinetwegen hübsch in Messing gegossen", schlägt er vor. Unter jedem müsse ein Lebenslauf der am Massenmord beteiligten Deutschen angebracht werden. Aber lesen Sie selbst ... (1)

"Der Musterjude" Rafael Seligmann bleibt weit hinter diesen deutlichen Worten zurück. Er kriegt im Dezember 2004 den Spagat hin und schreibt eine DIN A4 Seite deutlicher Kritik über das Stelenfeld und seine schamlose Initiatorin, über den Bundestag, der über die Köpfe der Berliner Bevölkerung hinweg den Bau des teueren Mahnmals beschließt, er schildert die Anmaßung dieser Menschen, die sich mittels Aufbau von Betroffenheit und großen Gefühlen um ihre Verantwortung am Völkermord an den Juden drücken, die noch jetzt Opferselektion betreiben: hier haben Zigeuner, Schwule, Behinderte keinen Zutritt! und dann (ver)endet er so: "Gedenken, Betroffenheit, Gefühle kann man nicht verordnen. Jetzt gilt es, mit dem Denkmal zu leben. Die Menschen dafür zu gewinnen." (2)

Henryk M. Broder sieht´s am 20. März 2004 satirisch, da ist das Mahnmal noch mehr als ein Jahr vor seiner Vollendung:

"Jetzt wissen die Juden, wie die Dinge liegen. Bei der Durchführung des Holocaust waren sie unentbehrlich, ohne sie hätte die Endlösung nicht funktioniert. Nun aber sind sie die Störer, die den Deutschen den Spaß an der Trauerarbeit verderben. Und wenn sie schon nicht dankbar sein können, weil sie so ein schönes Mahnmal bekommen, dann sollten sie wenigstens die Klappe halten und in Ruhe den nächsten Holocaust abwarten." (3)

"Deutschland im Holo-Wahn", schreibt er schon 2001 im Spiegel Nr. 7/2001, S. 222 ...

Die "Berliner Zeitung" dokumentiert seit dem Jahre 2000 die Mahnmal-Diskussion auf ihren Online-Seiten. Es lohnt sich, hinein zu schauen. Da sieht man, wer alles sich über das Mahnmal kritisch bis vernichtend äußert. Viele Juden sind darunter: (4)

"Die Gedenkstätte sei für Juden nicht von Vorteil - weder für die Lebenden noch für die Toten, sagte Gemeindevorsitzender Albert Meyer am Sonntag der Berliner Zeitung. Meyer fürchtet, dass das Mahnmal zu einem innerstädtischen Dauerkonflikt zwischen nichtjüdischen und jüdischen Bürgern führt." (5)

Im Februar 2004 berichtet Katrin Schoelkopf in der "Berliner Morgenpost" technisch wichtige Daten zu den 2751 Stelen: "Bei 90 Stelen stimmt die Höhe nicht". (6)

Das muß man sich vorstellen: die Höhe stimmt nicht. In Bezug auf was? Bei den 2751 Betonmonstern stimmt gar nichts, von den Absichten des Präsidenten des Bundestages und Bauherrn des Mahnmals Wolfgang Thierse über die der eitlen Philosemitin Lea Rosh bis zu denen des Architekten Peter Eisenman und seinem Degussa-Zahngoldwitz. Warum die Höhe besonders erwähnen?

Wer wie ich nur hin und wieder in Berlin weilt, ist selbstverständlich immer sehr gespannt auf die Fortschritte, die das Holocaust-Mahnmal macht. Wie lange tut sich dort gar nichts, außer, daß ein Poster auf- und im August 2001 zugunsten eines Plakates "Zukunft braucht Erinnerung - Beteiligen Sie sich an der Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas" abgehängt wird. Auf dem abgehängten Plakat stehen, vor einer malerischen Alpenlandschaft mit See, in großen Lettern geschrieben: "Den holocaust hat es nie gegeben", und dann in kleinster Schrift darunter irgendwelche Informationen für die Touristen, die den Alpensee besuchen wollen. (7)

Als mir das alles reicht, mache ich im Juni 2001 selbst einen Vorschlag, wie das Filet-Grundstück neben dem Brandenburger Tor fürs Gedenken zu nützen sei. (8)

Da ich aber nicht die nötigen Beziehungen habe und auch nicht die richtigen Leute kenne, was angeblich auch helfen soll, versinken meine Worte in den Wellen des World Wide Web. Meine Leidenszeit beginnt. Wann immer ich in den nächsten Jahren am Grundstück vorbeikomme - nichts als Ärger. Erst dieses Alpenposter, dann der Beginn der Bautätigkeit. Im letzten Jahr sehe ich drei oder vier kleinere Stelen in der Ecke des Areals, und ich denke: jetzt könnte man das Projekt noch abblasen, so wie es Bankiers machen, die kein gutes Geld schlechtem hinterher werfen. Aber nein, nach bekannter deutscher Art wird es zu Ende geführt, koste es, was es wolle - wie der Zweite Weltkrieg, und diesmal befreit uns niemand.

Im März 2004 mache ich Lea Rosh ein Angebot, sie möge mir einige der Juden überlassen, derer in den wogenden Wellen des Stelenfeldes gedacht werden soll, Paul O´Montis, Ralph Erwin, Willy Rosen, Fritz Grünbaum und Karl Farkas, ich will sie gar auslösen, 4,60 Euro pro ermordetem Juden, damit sich die Freundin der Juden neue Ohrgehänge für den auf dem Küchenboden zerschellten kaufen kann oder einen Bilderrahmen für den Judenstern, den ihr eine holländische Jüdin vermacht hat, weil sie dessen würdig sei, wie ich durch eine Fernsehsendung der ARD von ihr informiert werde.

Ich will Stelensegmente frei machen, damit für die anderen namenlosen Juden mehr Platz geschaffen wird. 0,0004585 Stele für jeden ermordeten Juden stehen bereit zum Gedenken. Diesem Gedrängel sollte ein Ende gemacht werden. (9)

Ich habe keinen Erfolg mit meinem Vorschlag, und ich bin gespannt, als ich jetzt nach Berlin komme, wie das fast fertige Mahnmal aussieht. Ich umkurve mit einem Fotoapparat bewaffnet das Hotel Adlon, werde des Elends ansichtig und kann nur noch ausrufen: mein Tag ist das heute nicht! Dann bin ich mit diesem Greuel fertig. Das soll am 10. Mai eröffnen, wer will. (10)

Ich bin nicht in der Stadt!

Update

Weil am Tag der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Diktatur Sonntag ist, und noch dazu ein verlängertes Wochenende durch den arbeitsfreien Himmelfahrtstag, rechnet man nicht damit, daß die 1200 erwarteten Ehrengäste bereit sind, das Mahnmal zum Gedenken an die ermordeten Juden Europas am 8. Mai zu eröffnen. Damit auch die letzten gut erholt in Berlin ankommen können und die Berlintouristen, die sich um das Mahnmal und seine Eröffnung weniger scheren, die Betten freigemacht haben: "Betten macht frei!" wird der Termin zur Mahnmaleröffnung und zur Feier des 60. Jahrestages der Befreiung um zwei Tage verschoben. (11)

Der Sender PHOENIX, der das Ereignis mit umfangreicher Live-Berichterstattung, mit Dokumentationen und Diskussionsrunden begleitet, informiert denn auch über die Eröffnung "fast auf den Tag genau 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges". Ab 10 Uhr berichtet der Sender Live aus der unmittelbaren Nähe des Brandenburger Tores. Simone Fibiger und Gerd-Joachim von Fallois führen zahlreiche Gespräche, u.a. mit der Initiatorin des Mahnmals Lea Rosh, dem Botschafter Israels Shimon Stein und dem Historiker Götz Aly. Um 14 Uhr sprechen dann der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Architekt des Mahnmals Peter Eisenman die offiziellen Eröffnungsworte an die 1200 Gäste, sollten sie noch vollzählig dabei sein.

Zu Beginn des Thementages überträgt PHOENIX als einziger Sender live die unter dem Motto "Kairos" und dessen tiefem Bezug zur Persönlichkeit des Preisstifters stehende Verleihung des Leo-Baeck-Preises 2004 an den guten Bekannten des verstorbenen Jasser Arafat Bundesaußenminister Joschka Fischer sowie die Laudatio von Amos Oz. Kairos, das ist der günstige Augenblick, jener fruchtbare, entscheidende Moment, wo sich Gegensätze berühren und Widersprüche auflösen: "Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt alles gleich". Dies besorgt der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (ZDJ) Paul Spiegel:

"Der Außenminister hat niemals Zweifel an seiner Verantwortung für die Sicherheit Israels erkennen lassen, hat aber zugleich den Palästinensern als ehrlicher Makler gedient und damit bewiesen, dass er die Lehre eines grenzübergreifenden Humanismus verinnerlicht habe", meint der Vorstand des ZDJ über den (noch) Lieblingspolitiker der Deutschen. (12)

"1969 nimmt Fischer in Algier an einer Konferenz der damals terroristischen PLO teil (auf dieser Konferenz propagierte Palästinenserführer Jassir Arafat den Kampf gegen Israel bis zum ´Endsieg´)", schreibt Wikipedia. Wer ihm die Reise finanziert, steht nicht dort. Seinerzeit gibt es keine Billigflüge, sondern nur die teueren Linienflüge über Paris. Die Kosten wird Joschka Fischer kaum selbst getragen haben, sondern Gönner. (13)

Der heutige Leo-Baeck-Preisträger wird mit Sicherheit über den Inhalt der im Juli des Vorjahres seines Besuches beschlossenen Palestinian National Charter, vom Juli 1968, Bescheid wissen, als er dem Terroristen Jasser Arafat zujubelt. Die PLO gilt zu der Zeit sogar in Europa offiziell als Terrororganisation. Mir ist nicht bekannt, daß Joschka Fischer jemals erklärt hätte, daß er und die Bundesregierung diese Charta nicht anerkennen. Die Palästinenser haben sie bis heute nicht schriftlich revidiert, sondern trotz eines anderslautenden Beschlusses des Palästinensischen Nationalrates mehrfach ihre Gültigkeit betont.

In der Charta wird in den ersten Artikeln der Anspruch auf ganz Palästina erhoben, Israel eingeschlossen. Dar Recht auf Befreiung vom israelischen Staat wird bekräftigt. In Artikel 9 wird erklärt, daß allein der bewaffnete Kampf zur Befreiung ganz Palästinas führe. In Artikel 19 wird die UN-Resolution Nr. 181, vom 29. November 1947, zur Teilung des restlichen Palästinas, westlich des Jordan, für gesetzwidrig erklärt. Artikel 20 erklärt die Balfour Declaration, vom 2. November 1917, für null und nichtig. (14)

Kewil, der Blogger von "Fakten-Fiktionen" titelt denn auch betreffs der Preisverleihung angemessen wenn auch etwas flockig: "Zentralrat der Juden hat Rad ab!" Leider ist dem nicht zu widersprechen. "Alles nur hohles Wortgeklingel! Die Jury, welche Fischers windelweiche Nahostpolitik dermaßen würdigt, hat sie nicht alle. Die Leute in Israel wissen jedenfalls sehr genau, daß mit Fischer nicht gerechnet werden kann, wenn es hart auf hart kommt!" (15)

Der Blogger hat seine Information von Henryk M. Broder, der ins Online-Tagebuch der Achse des Guten unter der Überschrift "Lobst du mich, lob ich dich" einschreibt:

"... am 10. Mai, verleiht der Zentralrat der Juden in Deutschland den Leo-Baeck-Preis für das Jahr 2004 an - Joschka Fischer für seinen unermüdlichen Einsatz als Vielflieger zwischen den Kontinenten. Die Laudatio auf Fischer hält der israelische Schriftsteller Amos Oz. Fischer und Oz kennen sich schon eine Weile. Letzten November hat Oz den WELT-Literaturpreis bekommen und Fischer die Laudatio auf ihn gehalten. Jetzt läuft es umgekehrt ..." (16)

Dieser bewährte Preisverleihzirkus wird nun anläßlich der Eröffnung des Mahnmals seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen. Im Beiprogramm zur Preisverleihung singt die israelische Sängerin LIEL, deren Agent Paul Spiegel ist. Bei der Familienfeier machen alle mit. Einige der erlauchten Gäste listet PHOENIX schon auf, zum Schnuppern. (17)

Dem PHOENIX-Zuschauer bleibt nichts erspart, aber man muß es ja nicht ansehen. Berliner müssen auch nicht hingehen ...

Perpignan, 4. Mai 2005 - Update: 7. Mai 2005

Hier die Blüten:

(1) Galgen statt Stelen. Von Hannes Stein. Die Welt, 3. Mai 2005, S.8
http://www.welt.de/data/2005/05/03/713849.html

(2) Versiegelter Stein. Gefühle lassen sich nicht verordnen. Rafael Seligmann über Peter Eisenmans Stelenfeld, Die Welt, 19. Dezember 2004
http://www.wams.de/data/2004/12/19/376849.html

(3) Undankbare Juden, von Henryk M. Broder. Tagebuch. Henryk M. Broders Homepage, 20. März 2004
http://www.henryk-broder.de/html/tb_undankbar.html

(4) Dossiers/Mahnmal/2005. BerlinOnline
http://www.berlinonline.de/dossier/holocaust-mahnmal/2005/in dex.html

(5) Jüdische Gemeinde: Mahnmal ist ein "Horror". Vorsitzender kritisiert Holocaust-Gedenkstätte/Empörung über den Architekten Peter Eisenman. Von Marlies Emmerich, BerlinOnline, 8. März 2004
http://www.berlinonline.de/dossier/holocaust-mahnmal/2004/bl z_24114.html

(6) Bei 90 Stelen stimmt die Höhe nicht, von Katrin Schoelkopf. Berliner Morgenpost, 1.2.2004
http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040201/berlin/story6 56884.html

(7) Presse-Infos - >Lea Rosh Holocaust Plakat< (2). Dokumentations-Archiv für jüdische Kultur und Geschichte. Chaim Frank (mit Foto vom Plakat)
http://www.juedisches-archiv-chfrank.de/ns-crime/plakat-02.h tm

(8) Mahnmal oder: "Hier ist der Ort!" Ein ultimativer Vorschlag, vom Juni 2001
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-15_23-49-42.html

(9) Das Stelenfeld - kein Denkmal für Paul O´Montis (Stand: 19. Dezember 2004)
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-28_19-47-50.html

(10) Holocaust-Mahnmal: Baustelle der Erinnerung. Axel Klauwer, rbbonline, 29. April 2005
http://rbb-online.de/_/themen/index_jsp/activeid=570/key=tea ser_2536558.html

(11) Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
http://www.holocaust-mahnmal.de/

(12) Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigt Bundesaußenminister Joschka Fischer mit dem Leo-Baeck-Preis 2004
http://www.zentralratdjuden.de/lbp.htm

(13) Joschka Fischer
http://de.wikipedia.org/wiki/Joschka_Fischer

(14) The Palestinian National Charter: Resolutions of the Palestine National Council July 1-17, 1968
http://www.yale.edu/lawweb/avalon/mideast/plocov.htm

(15) Zentralrat der Juden hat Rad ab! Kewil. Blog Fakten-Fiktionen
http://www.myblog.de/comment.php?blog=kewil&id=1254673

(16) Lobst du mich, lob ich dich - Feiern bis zum Reihern. Von Henryk M. Broder, Online-Tagebuch der Achse des Guten, 28. April 2005
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=593&ref=0

(17) Bonn (ots) - Aktualisierter PROGRAMMHINWEIS. Dienstag, 10. Mai, 10 Uhr. Thema: Eröffnung des Holocaust-Denkmals
http://www.mysan.de/article98465.html


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