Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Mollah Ali Daamouch Gast des CAPE

Am 6. Juni 2005, um 15 Uhr, gibt Mollah Ali Daamouch, der Verantwortliche für Außenbeziehungen der Terrororganisation Hezbollah, auf Einladung des Centre d´Accueil de la Presse Etrangère (CAPE) in Paris eine Pressekonferenz. (1)

Ihm zur Seite sitzt unbehelligt Nidal Hamadi, ein Journalist des inzwischen sogar in Frankreich verbotenen Senders Al-Manar TV. Ali Daamouch referiert über den Widerstand der Hezbollah gegen den israelischen Feind, er ehrt die "Märtyrer" und Frankreich, das "mit dem Libanon durch seine politischen Interessen und die Übereinstimmung der Ansichten" verbunden sei. Aufgrund der Politik Israels sei die Hezbollah als "strategische Kraft des Libanon" und Verteidigerin der Libanesen gezwungen, ihre Waffen gegen die "israelische Bedrohung" zu behalten. Israel versuche, die Hezbollah mit Hilfe der zionistischen Lobby und den weltweit bekannten medialen und finanziellen Mitteln auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen.

Das Zentrum CAPE ist nicht irgendeines, sondern es untersteht als Groupement d´interêts publics (GIP), als Regierungsinstitution, dem französischen Außenministerium. Sieben Ministerien sind im Verwaltungsrat und zehn in der Generalversammlung vertreten. Anwesend bei der Pressekonferenz sind ungefähr 40 französische, arabische, amerikanische, israelische u.a. Journalisten.

Eine zweimal gestellte höfliche Frage des israelischen Korrespondenten Sefy Hendler, Yedioth Ahronoth, nach dem Stand des Gefangenenaustausches zwischen Israel und der Hezbollah beantwortet Ali Daamouch nicht, nachdem er sich nach der Nationalität des Fragenden erkundigt hat, und obgleich ihn der Generalsekretär des CAPE Christian Habonneau zur Antwort auffordert: "Das ist ein israelischer Journalist", erklärt er sein Schweigen auf arabisch.

Sefy Hendler fordert daraufhin seine Kollegen auf, die Pressekonferenz zu verlassen. Einige kommen dem nach, unter ihnen außer Juden nur eine anscheinend nichtjüdische französische und eine britische Journalistin, die mit einem Juden verheiratet war, und "weil die Engländer Widerstand zu leisten wissen". (2)

Alle anderen bleiben, was ein ungenannter journalistischer Fragesteller am 7. Juni zum Anlaß nimmt, den Fall in einer Pressekonferenz der Stellvertretenden Pressesprecherin des Außenministeriums in einer völlig anderen Version zu verbreiten. Er sei dabei gewesen, und es habe sich um eine Provokation durch Sefy Hendler gehandelt, wird er auf der offiziellen Site des französischen Außenministeriums ausführlich zitiert. Von einer Beeinträchtigung der Pressefreiheit könne nicht im geringsten die Rede sein. (3)

Unter den Journalisten, die es nicht für angebracht halten, mit Sefy Hendler den Saal zu verlassen, befindet sich auch Christian Chesnot, mit Georges Malbrunot ehemalige Geisel im Irak, zurückgekehrt am 22. Dezember 2004, als Florence Aubenas gerade sechs Tage dort tätig ist. Ihm antwortet Ali Daamouch auf seine Frage, ob er sich mit offiziellen Regierungsvertretern treffe, daß er privat in Paris sei, daß die Hezbollah aber durch diplomatische Vertreter in bestem Kontakt mit Frankreich stehe, vor allem durch den Botschafter Frankreichs in Beirut.

Islamisten und Islamistenfreunde bleiben unter sich. Das findet nur eine einzige französische Journalistin einen Skandal. (2) Die übrigen machen sich gemein mit dem mittelalterlichen Mollah, dessen Foto man auf der Site des CAPE besichtigen kann. (1)

15. Juni 2005

Quellen

(1) Le rôle du Hezbollah après le retrait syrien du Liban. Intervenant M. Ali Daamouch, Responsable des Relations extérieures au Hezbollah. Centre d´Accueil de la Presse Etrangère (CAPE) à Paris, lundi 6 juin 2005, 15:00 h
http://www.capefrance.com/fr/conferences/2005/6/713.html

(2) A Paris, le représentant du Hezbollah bafoue la liberté de la presse, par Ray Archeld pour Guysen. Primo-Europe.org, 6 juin 2005
http://www.primo-europe.org/docs.php?numdoc=Ed-254863928

(3) Incident au Centre d´Accueil de la Presse étrangère. Déclaration de la porte-parole adjointe du Quai d´Orsay (Paris, 07 juin 2005). Ministère des Affaires étrangères
http://www.france.diplomatie.fr/actu/article.asp?ART=49678


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite