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Frankreich und der irakische Widerstand - ein Theater ohne Ende? - (Ergänzung, vom 22. Juni 2005)

Allmählich hat man genug von dem französischen Provinztheater zur Rettung von im Irak entführten Geiseln, von den Wallungen einer ganzen Nation, von den Aufzügen vorm Pariser Rathaus, den lyrischen Ergüssen und anderen narzißtischen Darbietungen der Kollegen Journalisten, kurz, von der Verlogenheit der Zusammenarbeit Frankreichs mit dem irakischen Widerstand.

Genug hat man auch von den zahlreichen Widersprüchen, in die sich die befreite angebliche Geisel Florence Aubenas verwickelt. Sagt sie in ihrer Pressekonferenz, am 14. Juni 2005, daß sie bis auf einige Worte täglich schweigen muß und auf ihre Frage: "Wo ist Hussein?" von ihren Bewachern geschlagen wird, so plaudert sie, wie der "Nouvel Observateur", am 19. Juni 2005, berichtet, auf der Flugzeugschau von Le Bourget aus, daß sie sich während ihrer "Haft" ausführlich und anregend mit dem ehemaligen Mirage-Piloten Hussein Hanoun unterhalten habe über dessen Flugleidenschaft. Ein Foto der beiden strahlenden Gäste der Flugschau kann man auf dem "Transatlantic Intelligencer" von John Rosenthal besichtigen. (*)

ATTAC im Dienste Frankreichs und des Widerstandes

Die Französin Marie-Dominique Vernhes, Mitglied der AG Palästina von ATTAC Hamburg, ist seit Dezember 2002 gemeinsam mit Peter Strotmann Redakteurin der deutschen Ausgabe der ATTAC-Zeitung "Grain de sable", Sand im Getriebe. Wie es sich für eine ordentliche Palästinenserfreundin gehört, richten sich ihre Proteste nicht etwa gegen die Mißstände in den Palästinensergebieten und den arabischen Staaten, gegen nicht vorhandene Demokratie, Unterdrückung der Frauen und Korruption oder gar gegen Selbstmordattentate, sondern sie kommentiert die Operationen der USA im Nahen Osten. So fordert sie auf der Irakkonferenz in Berlin, am 17. März 2005, den sofortigen Abzug der US-amerikanischen Besatzer und ihrer Koalition aus dem Irak sowie die Unterstützung des irakischen Widerstandes: (1)

"Für die weltweite globalisierungskritische Bewegung ist der Widerstand gegen die Besatzung des Iraks Bestandteil der Ablehnung einer neuen WeltUnordnung und Bestandteil seines Einsetzens für eine gerechte, soziale und friedliche andere Welt."

ATTAC France bescheinigt im Dezember 2002 dem irakischen Widerstand die Legitimität im Rahmen des Kriegsrechtes und der Menschenrechte, die "für alle Konfliktparteien bindend (sind), selbst wenn sie für eine gerechte Sache kämpfen."

Diese schöne Formulierung stammt von der Organisation, die geleitet wird vom hohen Funktionär der französischen Regierung Bernard Cassen und dem nationalen Sozialisten Ignacio Ramonet, dem Kämpfer gegen das "Einheitsdenken" und die internationale Finanzwelt, dem Freund des Jean-Pierre Chevènement und des Fidel Castro: "Eine Nation, deren Massenmedien beherrscht sind durch das Ausland, ist keine Nation", meint er. Ignacio Ramonet ist Präsident des Direktoriums und Redaktionsdirektor der extrem USA- und israelfeindlichen linken Monatszeitung "Le Monde diplomatique". Seine Bücher werden auf der offiziellen Seite des französischen Außenministeriums empfohlen.

Über die Herkunft der leitenden ATTAC-Kader und ihre enge Zusammenarbeit mit der französischen Regierung kann man sich in den Abschnitten "Bernard Cassen und Ignacio Ramonet" und "Die Gründungsmitglieder der ATTAC" meines leider sehr langen Artikels "Das Querfrontprojekt ATTAC" informieren. (2)

Marie-Dominique Vernhes sorgt dafür, daß die Zusammenarbeit Frankreichs mit dem irakischen Widerstand auch in Deutschland Freunde und Unterstützer findet. Der Antiimperialist Joachim Guilliard, vom Antikriegsforum Heidelberg, und seine Kreise um den Campo Antiimperialista und die "Jungen Welt" helfen dabei. "Nach über einem Jahr Besatzung müßte jedem dämmern, daß die andauernden Probleme nicht auf Anfangsschwierigkeiten oder mangelnde Planung der Besatzungsmacht zurückzuführen sind", äußert Joachim Guilliard, dieser sachverständige Kenner der Lage im Irak, vollmundig. (3)

Diese und weitere Beiträge im Sinne des irakischen Widerstandes finden sich auf der Site des (Irak-)Kriegs-Tribunals der Universität Kassel. Die dort verlinkte Internetseite "Iraktribunal" verkündet gelb auf schwarz: "Seite wird zur Zeit überarbeitet! Bald wieder Online!" Man darf gespannt sein, was da folgt. (4)

Henryk M. Broder vermutet in einem seiner letzten Beiträge im Online-Tagebuch der "Achse des Guten", daß man bei der AG Friedensforschung der Universität Kassel den Dr. pax erwerben könne. (5)

Aber Spaß beiseite! Was ist der Stand der Dinge im Irak, das weiterhin andauernde Probleme hat, die sich, wie Joachim Guilliard meint, nicht auf Anfangsschwierigkeiten oder mangelnde Planung der Besatzungsmacht zurückführen lassen?

Gilles Munier, Generalsekretär der "Amitiés franco-irakiennes"

Ian Hamel gibt am 7. April 2005 in der durch ihren Chefredakteur Manuel Grandjean mit dem Islamisten Tariq Ramadan eng befreundeten Genfer Zeitung "Le Courrier" unter der Überschrift "Der irakische Widerstand bricht auseinander" dazu Auskünfte, die weiterhelfen können. (6)

Er berichtet über die Schwierigkeiten des irakischen Widerstandes, sich zu formieren. Gleichzeitig teilt er mit, wer daran arbeitet, diesen in Form eines "Conseil national de la résistance", eines Nationalrates des Widerstandes, zu organisieren. Es ist Gilles Munier, seit 1986 Generalsekretär der "Amitiés franco-irakiennes", der französisch-irakischen Freundschaftsgesellschaft, mit Sitz in Rennes, der Heimat des Gilles Munier.

"Der politische, militärische, zivile irakische Widerstand repräsentiert die Fortdauer des irakischen Staates und seiner Unabhängigkeit", werden auf der Startseite von "France actualitée" der in Frankreich lebende irakische Analyst Abdul Ilah Al Bayati und Hana Al Bayaty, Mitglied des Organisationskomitees des "Brüsseler Tribunals für den Irak" aus der ägyptischen Staatszeitung Al Ahram Weekly, vom 2. bis 8. Juni 2005, zitiert.

Auf der Startseite werden Rechtfertigungsreden des der Korruption im UN-Programm "Oil for Food" angeklagten George Galloway in aller Länge sowie viele andere durchweg anti-amerikanische Beiträge ausgebreitet. (7)

Ebenso interessant ist die alte nicht mehr erneuerte Seite der "Amitiés franco-irakiennes", auf der als Gründungsmitglieder der ehemalige Verteidigungsminister Jean-Pierre Chevènement sowie der Père blanc Michel Lelong, Freund des Holocaustleugners Roger Garaudy, erwähnt werden. Präsident der Vereinigung ist der Botschafter Frankreichs im Irak. (8)

Die Schilderung der französisch-irakischen Beziehungen "Ein wenig Geschichte" gibt u.a. einen Einblick in die Zusammenarbeit Frankreichs unter dem Vichy-Regime mit dem Pro-Nazi-Putschisten Rashid Ali al-Kaylani und seinem Mentor Hadj Amin al-Husseini, im April 1941. Eines der Ziele dieser Verbrecher ist die Vernichtung der Juden in Palästina und den arabischen Staaten. Kaylani will den Achsenmächten die Ressourcen des Landes zur Ausbeutung überlassen, im Gegenzug soll Deutschland die arabischen Staaten anerkennen und ihnen das Recht zubilligen, mit den Juden nach Gutdünken zu verfahren. Das wird zusammengefaßt unter "Hilfe, die die Vichy-Regierung bei der Revolte von Rashid Ali leistet."

Ausführlich werden die Aktionen Frankreichs dargestellt, Großbritannien im Irak zu schaden. Man erinnert sich dabei an den Vertrag von Mosul, 1926, in dem die Anteile der Iraq Petrol Company zu 52,5 Prozent an England gehen, Frankreich und die USA erhalten je 21,25 Prozent, und S.C. Gulbenkian streicht 5 Prozent Vermittlergebühren ein. Frankreich kommt seinerzeit gegenüber England zu kurz - und heute gegenüber den USA.

Die Unterstützung Israels durch Frankreich im Sechstagekrieg, 1967, fügt den franco-irakischen Beziehungen schweren Schaden zu. Staatspräsident Charles de Gaulle tut anschließend alles, um sich von Israel ab und den arabischen Staaten wieder zuzuwenden. Die Compagnie française des pétroles hält in den schlimmen Zeiten der schlechten Beziehungen die Kontakte aufrecht. Mit der Machtübernahme der Baath-Partei, im Juli 1968, verbessern sich die Beziehungen. Sie werden mit dem Besuch des irakischen Vizepräsidenten Saddam Hussein in Paris, im Juni 1972, zu privilegierten. Zu der Zeit ist Didier Julia schon 15 Jahre mit Tarek Aziz befreundet, nämlich seit 1957.

Saddam Hussein erklärt auf einem ihm zu Ehren gegebenen Dîner: "Wir öffnen Frankreich aus denselben Erwägungen unsere Tore, wie denjenigen die uns dazu geführt haben, sie der Sowjetunion zu öffnen. Das ist die Hand, die wir allen ausstrecken, die nicht die Völker ausbeuten wollen, die mit uns gleichberechtigt zusammenarbeiten wollen." 1981 sagt er als Präsident des Irak Journalisten, daß der Irak seine engen Beziehungen zu Frankreich deshalb entwickelt habe, weil beide Länder dieselbe Sorge hätten, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Dieser kurze Abriß der Geschichte der franco-irakischen Beziehungen stammt aus dem "Irak-Führer" des Gilles Munier. (9)

Linksradikale, Nationalisten und Rechtsextreme können sich in solchen Beziehungen einvernehmlich treffen.

Er sei "treu in der Freundschaft", meint Ian Hamel über Gilles Munier, was sich für ihn durch 150 Irakreisen des Generalsekretärs, davon fünf gekrönt durch einen Empfang bei Saddam Hussein beweist. Außerdem habe er die Übersetzung ins Französische des Werkes "Zabida et le roi", Zabida und der König, eines philosophischen Märchens geleitet. Autor: Saddam Hussein, anonym.

Der Nationalrat, die "repräsentative Organisation", werde eigene Aktionen durchführen, sie lehne Banditenaktionen ab, die nur diskreditierend sein könnten, sagt Gilles Munier heute. Dazu zählten die Enthauptung von Zivilisten oder die Geiselnahme von Journalisten. Beides sei für die Bildung einer positiven öffentlichen Meinung kontraproduktiv.

Mitglied der "Amitiés franco-irakiennes" ist auch der in die Befreiung der Geiseln Christian Chesnot, Georges Malbrunot und Florence Aubenas eingeschaltete UMP-Abgeordnete Didier Julia. (10)

Gilles Meunier sei der erste Mann aus dem Westen, der mit der nach Syrien geflüchteten irakischen Guerilla Kontakt aufgenommen habe. Dies sicherlich nicht aus reiner Freundschaft, sondern um seine und die Interessen Frankreichs zu vertreten.

Frankreich und die EU unterstützen Terrorgruppen im Nahen Osten

Es sollen in Syrien 400 000 bis an die Zähne bewaffnete irakische Militärs, darunter eine große Anzahl von Offizieren des Saddam Hussein, untergeschlüpft sein. Sie und nicht von Abu Moussab al-Zarqawi ausgebildete Islamisten führten den irakischen Widerstand. Das scheint selbst Frankreich angst zu machen, so daß dies ein Grund sein dürfte, daß es am 2. September 2004 der Resolution Nr. 1559 des UN-Sicherheitsrates zum Abzug Syriens aus dem Libanon zustimmt.

Ian Hamel informiert über eine kurze Reise des iranischen Staatspräsidenten Mohamad Khatami nach Damaskus, am 7. Oktober 2004. Dort hätten Syrer und Iraner einen geheimen Vertrag über die Koordinierung der Operationen fundamentalistischer schiitischer iranischer Pasdaran und sunnitischer bewaffneter Gruppen des Ansar al-Islami gegen die Amerikaner, aber auch gegen die Israelis geschlossen. Der Chef des syrischen militärischen Sicherheitsdienstes, General Assef Shawkat, ein Schwager des syrischen Präsidenten Bashir al-Assad, sei beauftragt, Operationen der Hezbollah, der Hamas und des Palästinensischen islamischen Djihad (PIJ) in Israel zu koordinieren. (11)

Dieser Vertrag zeigt einmal mehr, wie unwichtig auf der Führungsebene der muslimischen Länder die Religion ist, unter deren Banner sie ihre Menschen in den Tod schickt. Es sei auch daran erinnert, daß die Mitgliedsstaaten der EU sich nicht scheuen, ihren niederrangigen Diplomaten zu gestatten, mit der Hezbollah und der Hamas zusammenzuarbeiten. Gerade jetzt geben die Außenminister eine entsprechende Weisung an die Auslandsvertretungen. Die EU interessiert sich ebenfalls nicht für die Erhaltung der Menschenleben. (12)

Hamas-Sprecher Muschir al-Masri sagt dazu: "Die Hamas ist zum Dialog mit allen Ländern bereit, außer mit dem zionistischen Feind, der das Land besetzt hält und unsere Leute tötet." Reuters erläutert dabei ausdrücklich das politische Ziel der Hamas, die Vernichtung Israels, was die EU jedoch nicht darin beirrt, ihre Entscheidung rückgängig zu machen, die Hamas als terroristische Organisation zu betrachten. Sie verbrämt ihren Willen, Einflußbereiche der USA in der Region zu erobern, mit dem altbekannten Vorwand, einen "Dialog" führen zu wollen. (13)

Frankreich ist auf eigene Rechnung schon lange dabei und unterstützt die Operationen der Terrororganisationen Hezbollah, Hamas und PIJ über Syrien und den Irak. Ian Hamel bestätigt dies noch einmal in seinem Artikel. Zur Koordinierung der Aktionen weilt Gilles Munier mehrfach in der syrischen Hauptstadt, wo er seine alten Bekannten und Freunde, die Führer der ehemaligen irakischen Baath-Partei sowie schiitische und sunnitische Widerstandskämpfer trifft, unter ihnen auch Anhänger des Moqtada as-Sadr. Dieser und seine Terrorgruppe machen des öfteren in Syrien Station.

Insgesamt gebe es in Damaskus mehr als 200 irakische politische Widerstandsgruppierungen, berichtet Ian Hamel, darunter seit langem dort tätige ernst zu nehmende ideologische Baath-Opponenten zu Saddam Hussein. Man erinnert sich, daß der Syrer Mohamed al-Joundi, "fixeur" und später gemeinsam mit Christian Chesnot und Georges Malbrunot Geisel im Irak, seinerseits ein jahrelang im Irak ansässiger angeblicher Baath-Opponent der Al-Assad-Dynastie ist. Er lebt übrigens in Frankreich nach diesem Land und dessen Interessen geleisteten Diensten mit Frau und drei Kindern von Spenden in Höhe von "200 Euro alle 14 Tage" und wünscht, würdig leben zu können und nicht vergessen zu werden von seinen Wohltätern in der französischen Regierung. Die zahlt bislang keinen Cent. (14)

Alle Gruppen hätten ein gemeinsames Ziel: die Amerikaner zu schlagen. Das führe dazu, daß die Kämpfer zusammenarbeiteten und trainierten, sich aber politisch nicht zusammenschließen könnten, meint der Journalist Christian Chesnot, "fin connaisseur de cette région", der im Gegensatz zu Florence Aubenas arabisch spricht und die Gegend kennt. Ein gemeinsames politisches Programm und einen "nationalen Widerstand" gebe es nicht. Den will Gilles Munier nun in Europa aufbauen. Alle mit den USA nicht kollaborierenden politischen Strömungen seien dazu willkommen. Man darf gespannt sein, mit wieviel Euro die EU-Kommission diesen Nationalrat finanzieren wird.

Inzwischen terrorisieren die von Frankreich hofierten Gruppen unterschiedslos irakische Polizisten, Militärs und Zivilisten. Das US-Militär bekämpfe den Terror mittels elektronischer Installationen von Bagdad und Mosul aus sowie durch ein effizientes irakisches Informantennetz.

Subhi Toma, der "Demokrat im französischen Exil"

Ian Hamel berichtet von einem seit 1971 in Frankreich lebenden Widerständler der ersten Stunde gegen Saddam Hussein, von Subhi Toma, dem "Demokraten im Exil", dem Soziologen und Gründer der "Conférence de soutien à la résistance irakienne", der Unterstützerkonferenz des irakischen Widerstandes. Er wisse nicht, wer Abu Moussab al-Zarqawi sei. Der sei mit den Amerikanern ins Land gekommen. Der Widerstand werde maßgeblich nicht von ihm und seinen Anhängern, sondern zu allererst von den Offizieren des ehemaligen Regimes geleistet. Diese, gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern der irakischen Sicherheitsdienste und Führungskräften der Baath-Partei, fügten den Koalitionskräften die größten Verluste zu. Fünf der höchsten Kommandeure dieser Truppen operierten von Aleppo, Syrien, aus. Dazu gehören Ezzedin al-Madjid al-Tikriti, ein Vetter Saddam Husseins, und Ezzat Ibrahim al-Douri, die ehemalige Nummer Zwei des Regimes. Sie bilden in Syrien, im Mai 2003, eine islamische Armee im Exil, deren Führer aber größtenteils laïzistisch seien. Islamisten führten Hilfsdienste aus, worunter man sich getrost die Selbstmordattentate vorstellen darf.

Der geheime seinerzeit von Saddam Hussein eingerichtete Nachschub an Waffen versorgt den irakischen Widerstand bis heute. Die in den Untersuchungen der Vereinten Nationen über Korruption im "Oil for Food"-Programm mehrfach zitierte Firma Al Wasel & Babel General Trading operiert dazu weiterhin aus Dubaï. Die Firma liefert während des Programmes angeblich ausschließlich Nahrungsmittel im Werte von $384 Millionen. (15)

Schon einmal interviewt ein Autor des Genfer "Courrier" Subhi Toma. "Die Besatzungskräfte im Irak haben nicht die versprochene Demokratie gebracht", und "Die Amerikaner vervielfachen ihre Fehler", sagt er zu Jean-Michel Vernochet. So wird einmal mehr klar, welches Demokratieverständnis Widerständler haben. Die Demokratie muß ihnen gebracht werden. Das sagt ein in Frankreich lebender und lehrender irakischer Soziologe. (16)

Subhi Toma betreibt eine eigene Web Site "Iraqresistance.net", die in ihren Forderungen nicht viel anders aussieht als die der "Amitiés franco-irakiennes". Wie dort heißt es bei Subhi Toma: "Freedom for Al Kubaysi And all the political and opinion prisonners in Iraq" und "Liberté pour AL KUBAYSI et tous les prisonniers politiques et les prisonniers d´opinion ( Pétition)". Der Präsident der Patriotischen irakischen Allianz Abdul Jabbar Al-Kubaysi, ein ehemaliger politischer Flüchtling in Frankreich, wo seine Familie heute noch lebt, sei am 4. September 2004, vom US-Militär verhaftet worden, angeblich weil er der französischen Nachrichtenagentur AFP seine Opposition zur Entführung französischer Journalisten erklärt habe und über die Maßnahmen zu deren Befreiung berichtet hätte. (17)

Das kann man allerdings beim "Comité contre la guerre en Irak" genauer lesen. Er hinterläßt seine mit ihm seit 1995 in Frankreich lebende Familie, kehrt zurück in den Irak und gründet dort die Zeitschrift "Nida al-Watan", der Ruf des Vaterlandes. Zweimal kehrt er nach Frankreich zurück und propagiert von dort aus Bemühungen im Irak zur Einigung des Widerstandes und die Ausarbeitung eines politischen Programmes und einer Verfassung zur Errichtung einer von allen politischen Strömungen getragenen Regierung.

Was die beiden französischen Journalisten angeht, so berichtet er AFP ausführlich über die Operationen des bewaffneten irakischen Widerstandes zu deren Freilassung aus den Händen einer Gruppe, die nichts mit diesem bewaffneten Widerstand zu tun hätte. (18)

Die Geiselaffären

Auf dem Hintergrund der engen Zusammenarbeit der französischen Regierung und ihrer Behörden, Institutionen und Medien mit Terrororganisationen des Nahen Ostens und hier besonders mit dem irakischen Widerstand kann man die Geiselnahmen und die Rolle des Didier Julia bei der Befreiung der Geiseln beurteilen. Man fragt sich letztlich, was überhaupt echt ist an den beiden Geiselaffären Christian Chesnot/Georges Malbrunot und Florence Aubenas sowie deren Begleitern Mohamed al-Joundi und Hussein Hanoun al-Saadi und kommt zum Schluß: nicht viel.

Zweifel bekommt man schon, wenn man die auf Pressekonferenzen frisch und munter plaudernde Florence Aubenas betrachtet. Sie sitzt angeblich fünf Monate in einem 1,50 Meter hohen, 4x2 Meter messenden Verlies ohne Fenster, nur belüftet durch ein Luftloch. Sie ist erst auf dem Rücken, dann vorn an den Händen gefesselt, darf pro Tag einige abgezählte Schritte machen und zweimal täglich zur Toilette. Sie wird schlecht ernährt, geschlagen und trägt ständig eine Augenbinde, die es ihr versagt, ihren Begleiter wahrzunehmen, der monatelang 90 Zentimeter von ihr entfernt sitzt und ihre Anwesenheit spürt, wie er auf seiner Pressekonferenz mitteilt.

Dennoch hat sie nach Aussage der am 22. Mai befreiten rumänischen Geiseln diesen Mut gemacht. Sie sei wie eine große Schwester zu ihnen gewesen. Eine Person von übermenschlicher Kraft?

Bei der Pressekonferenz sagt sie, daß das von ihr aufgezeichnete Video ein von ihr mehrfach gespieltes Szenario ist: "Help me, Mr. Julia!" fleht sie darin dreimal. Man habe ihre Haare wirr drapiert, daß sie mitleiderregend ausgesehen habe. All das ist keine Woche vorbei, als sie vor die gespannt lauschenden Kollegen tritt und ihre Geschichten erzählt.

Der "fixeur" Hussein Hanoun al-Saadi, sein Interview mit der "Le Monde", vom 14. Juni 2005, und seine Pressekonferenz weisen diesen Mann aus als einen klar kalkulierenden Mitarbeiter des irakischen Widerstandes. Ihn wird man nicht ins Abseits stellen wie Mohamed al-Joundi.

Ins Abseits stellt sich die französische Regierung selbst. Erst ruft sie Didier Julia zu Hilfe, dann weist ihn der Premierminister Jean-Pierre Raffarin in die Schranken und kanzelt ihn ab, seine Mitarbeiter werden vom angeblich unbestechlichen Antiterrorismusrichter Jean-Louis Bruguière durch ein juristisches Verfahren kaltgestellt, seine Partei, die UMP des Jacques Chirac, distanziert sich von ihm, dem Mitglied der offiziellen Freundschaftsgesellschaften Frankreichs mit Saudi-Arabien, Iran, Syrien und Irak, von ihm, der sich besser auskennt in den Niederungen der Baathisten, Wahhabiten, und Ayatollahs als die meisten französischen Diplomaten und Geheimdienstagenten.

Allmählich hat man genug von dem französischen Provinztheater zur Rettung von im Irak entführten Geiseln, von den Wallungen einer ganzen Nation, von den Aufzügen vorm Pariser Rathaus, den lyrischen Ergüssen und anderen narzißtischen Darbietungen der Kollegen Journalisten, kurz, von der Verlogenheit der Zusammenarbeit Frankreichs mit dem irakischen Widerstand.

Es bleibt zu hoffen, daß die einzige noch permanent im Irak tätige Journalistin, die Auslandskorrespondentin Anne-Sophie Le Mauff, von der kommunistischen "Humanité", höflich aber bestimmt vom französischen Botschafter ins nächste Flugzeug gesetzt wird. Die "Huma" jedenfalls meint, durch diese Frau, die sich aus Sicherheitsgründen nirgends mehr frei bewegen kann, zu gewährleisten, daß der Irak nicht zum blinden Fleck auf der Landkarte wird, eine internationale Zone des Nicht-Rechtes auf Information. Das sei eine Frage der Freiheit. (19)

Eine Chance hat sie allerdings, unbehelligt zu bleiben, da nicht davon auszugehen ist, daß sie als Kommunistin in die Politik Frankreichs zur Sicherung seiner strategischen, politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen im Irak einbezogen und umfunktioniert wird. Mutig bleibt sie also dort, und vielleicht berichtet sie einmal als erste und live von der endgültigen Zerschlagung des jahrelang durch Frankreich unterstützten irakischen Widerstandes.

Das wäre tatsächlich eine Ironie des Schicksals.

17. Juni 2005 - (*) ergänzt am 22. Juni 2005

Quellen

(*) Oops! She (Florence Aubenas Did it Again ..., by John Rosenthal, Transatlantic Intelligencer, June 21, 2005
http://trans-int.blogspot.com/2005/06/oops-she-florence-aube nas-did-it-again.html

(1) Eine andere Welt unter Besatzung ist unmöglich. Von Marie-Dominique Vernhes. AG Friedensforschung an der Uni Kassel
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/Irak-Kong ress/vernhes.html

(2) Das Querfrontprojekt ATTAC, von Gudrun Eussner, 12. Januar 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-17_21-12-35.html

(3) Joachim Guilliard, Antikriegsforum Heidelberg: "Der Widerstand gegen das Regime ist legitim". Irak-Krieg angeklagt, AG Friedensforschung an der Uni Kassel, 21. Juni 2004
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/tribunal/ stimmen.html

(4) (Irak-)Kriegs-Tribunal. Informationen, Initiativen, Hearings. AG Friedensforschung an der Uni Kassel. Auf dieser Seite informieren wir über Initiativen, die den Irakkrieg 2003 völkerrechtlich, politisch und humanitär (sic!) aufarbeiten wollen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite http://www.iraktribunal.de/.
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/tribunal/ Welcome.html

(5) Dr. pax Kassel, von Henryk M. Broder, Online-Tagebuch der Achse des Guten, 16. Juni 2005
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=748&ref=0

(6) Le Conseil national de la résistance peine à se construire. La résistance irakienne se disloque. Par Ian Hamel, Le Courrier, 7 avril 2005
http://www.lecourrier.ch/modules.php?op=modload&name=NewsPap er&file=article&sid=39404

(7) France Irak actualitée. Le site de liaison et d´information des AMITIES FRANCO-IRAKIENNES
http://www.iraqtual.com/

(8) Les Amitiés franco-irakiennes. Membres fondateurs: Paul Balta (journaliste et écrivain), Jacques Berque (écrivain, professeur au Collège de France), Jean-Pierre Chevènement (ancien ministre), Jean Dresh (professeur), Georges Gorse (député, ancien ministre), Michel Lelong (religieux), Alain Mayoud (député UDF), Robert Morel- Francoz (Ambassadeur de France), Pierre Rossi (écrivain), Claudine Rulleau (écrivain et journaliste), Philippe de Saint Robert (écrivain).
http://amiraq.free.fr

(9) Un peu d´histoire. La relation franco-irakienne
http://amiraq.free.fr/historique/histoire.html

(10) Rouges-Bruns. La libération de Tarek Aziz. Par Didier Daeninckx. Amnistia.net, 9 juillet 2003
http://www.amnistia.net/news/articles/fascdoss/azizpeti/aziz pet2.htm

(11) Intelligence Online has learned that a short visit by Iranian president Mohamed Khatami to Syria on Oct. 7 was essentially aimed at endorsing a secret pact between the two countries to help fundamentalist Sunni and Shi´ite groups to conduct armed operations against American and Israeli interests... INTELLIGENCE ONLINE - 22/10/2004
http://www.intelligenceonline.com

(12) EU-Diplomaten dürfen Kontakt zur radikalen Hamas aufnehmen. N.J., Die Welt, 17. Juni 2005
http://www.welt.de/data/2005/06/17/733003.html

(13) Hamas: EU sucht Kontakte zu Hamas-Politikern. Reuters Deutschland, Donnerstag, 16. Juni. 2005
http://www.reuters.de/newsPackageArticle.jhtml?type=politics News&storyID=757577§ion=news

(14) Al-Joundi demande "à vivre décemment" . Nouvel Observateur, 17 juin 2005
http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20050617.OBS0432.htm l

(15) Congress Probes Routing of Funds to Suspect Firms. By Claudia Rosett. The New York Sun, May 4, 2005
http://www.nysun.com/article/13260

(16) "Les forces d´occupation en Irak n´ont pas apporté la démocratie promise. Les Américains ont multiplié les erreurs". Par Jean-Michel Vernochet, Le Courrier, 20 avril 2004
http://www.lecourrier.ch/modules.php?op=modload&name=NewsPap er&file=article&sid=37593&mode=thread&order=0&thold=0

(17) "Freedom for Al Kubaysi And all the political and opinion prisonners in Iraq", Iraqresistance.net, April 26, 2005
"Liberté pour AL KUBAYSI et tous les prisonniers politiques et les prisonniers d´opinion( Pétition)", Iraqresistance.net, 6 mai 2005
http://www.iraqresistance.net

(18) Libérez Abdul Jabbar al-Kubaysi. Comité contre la guerre en Irak
http://perso.wanadoo.fr/echanges/Libere.htm

(19) Journalistes en Irak. À propos d´une "révélation". Par Pierre Laurent, directeur de la rédaction, Humanité, 16 juin 2005
http://www.humanite.presse.fr/journal/2005-06-16/2005-06-16- 808695


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