
Die salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC)
Ein Artikel, vom 26. September 2005
Am 29. August 2005 tobt auf dem Portal Indymedia die blanke Empörung. (1)
Im Juli 2005 eröffnet der zuständige Untersuchungsrichter Jean-Louis Bruguière mit dem Dossier "Association de malfaiteurs en relation avec une entreprise terroriste", Vereinigung der Übeltäter bezüglich eines terroristischen Unternehmens, Ermittlungen gegen den "Groupe salafiste pour la prédication et le combat (GSPC)", die salafistische Gruppe für Predigt und Kampf. Innenminister Nicolas Sarkozy erklärt nach den Londoner Attentaten, vom 7. Juli 2005, auf Grund der Erkenntnisse französischer, britischer und US-amerikanischer Geheimdienste, die GSPC habe sich mit der al-Qaida verbündet. (2)
"De la sale guerre à la sale paix", Vom schmutzigen Krieg zum schmutzigen Frieden, ist der Indy-Artikel des ehemaligen Offiziers der algerischen Armee Habib Souaidia überschrieben. Er erscheint einen Tag zuvor auf Algeria-Watch.org. Der Autor versucht darin seitenlang, die Attentate islamistischer Terroristen als "Staatsterrorismus", als Taten im Auftrag der algerischen Regierung Bouteflika darzustellen: "Der Terrorismus bedroht allein die korrumpierte Macht. Diese kleinen Gruppen, die man fälschlich beschreibt als gut bewaffnete Superlegionen, haben niemals existiert." Die Erkenntnisse, daß die GSPC sich mit der al-Qaida verbündet haben könnte - letztere wird in französischen Medien durchweg als "nébuleuse", diffus, unklar und damit fast als nichtexistent bezeichnet, diese Erkenntnisse tut Habib Souaidia souverän ab: "Eine vage mit den Islamisten verbundene in einem Teil Algeriens aktive, außerdem noch isolierte Gruppe wäre fähig, sich mit Osama bin Laden zusammenzuschließen, der sich am anderen Ende des Planeten befindet?" (3)
Die Einschätzung des Habib Souaidia ist, gelinde gesagt, an Naivität nicht zu überbieten. Sie entspringt dem üblichen Anti-Amerikanismus, der sich hier in Verdächtigungen der britischen und US-Geheimdienste äußert, sie hätten die GSPC als gefährlich eingestuft "für die Interessen der westlichen Erdölkonzerne". Die Erkenntnisse der französischen Geheimdienste benennt er gar nicht. Solches verbreitet Indymedia gern.
Inzwischen werden am letzten Wochenende an drei verschiedenen, zwischen 50 und 450 Kilometer von Algier entfernten Orten fünf Ordnungskräfte von bewaffneten Gruppen ermordet und zahlreiche weitere verletzt. Unter den ermordeten befinden sich zwei Polizisten der Brigade von Rebahia, die am Samstagnachmittag mitten im Zentrum des kleinen Ortes, 450km westlich von Algier, von bewaffneten Islamisten erschossen werden. Der Innenminister schätzt, daß sich gegenwärtig zwischen 800 und 1000 Terroristen in Algerien im Untergrund aufhalten. Ihre Attentate führten sie in einigen Distrikten Algeriens durch. Einige im GSPC organisierte Tunesier und fünf Marrokaner sind erst kürzlich von algerischen Sicherheitskräften verhaftet worden. Die hohe Anzahl der Terroristen schreibt der Minister der konzilianten Haltung des Präsidenten Abdelaziz Bouteflika zu, der bewaffneten Terroristen, die der Gewalt abschwören, Amnestie zusichert. AP beruft sich in dem Bericht auf die algerischen Zeitungen "Liberté" und "Le Quotidien d´Oran". (4)
Heute, am Morgen des 26. September 2005, verhaftet der französische Geheimdienst Direction de la Surveillance du territoire (DST), Direktion zur Überwachung des (französischen) Staatsgebietes, gemeinsam mit der Polizei-Elitegruppe "Recherche Assistance Intervention Dissuasion (RAID)" im Auftrag von Jean-Louis Bruguière in Trappes, Yvelines, und in Evreux, Eure, neun diesen algerischen Islamisten zugerechnete Personen, denen vorgeworfen wird, in Frankreich Attentate zu planen.
Unter den Verhafteten befindet sich der 35-jährige Safé Bourada. Er ist französischer Nationalität. Dieser ehemalige Student der Geschichte und Philosophie, ex-Mitglied des Parti Socialiste (PS), konvertiert Anfang der 90er Jahre zum Islam. Er ist einer der drei Rekrutierer des Netzwerkes des Groupe islamique armé (GIA); zur Gruppe stößt er im Sommer 1994. Das Netzwerk Chasse-sur-Rhône des GIA liefert den Bombenlegern die logistische Unterstützung. In dieser Eigenschaft rekrutiert Safé Bourada seinerzeit Khaled Kelkal und Karim Koussa, die Bombenleger von Paris. Acht Ermordete und 200 Verletzte bleiben am 25. Juli 1995 auf der Strecke. Die ganze Stadt ist in Angst und Schrecken. Ich erinnere mich daran sehr genau, da ich zu der Zeit in Paris wohne. Die Stadt ist eine Art Festung.
Karim Koussa ist weiterhin inhaftiert. Khaled Kelkal wird im September 1995 bei einem Schußwechsel mit der französischen Polizei erschossen. Seine Gruppe verteidigt der unermüdliche Kämpfer für die Entrechteten Polit-Anwalt Jacques Vergès, vergeblich, wie auch den Terroristen Carlos, den Schakal, und den Negationisten Roger Garaudy. Im Februar 1998 wird Safé Bourada für seine aktive Rolle im Netzwerk Chasse-sur Rhône zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Februar 2003 kommt er nach nur siebeneinhalb Jahren Haftverbüßung frei.
Seit seiner Haftentlassung werden Safé Bourada und seine Terrorzelle von französischen Geheimdiensten überwacht. Eine Festnahme im Juni 2005 führt dann klarer auf die Spur der Gruppe, berichtet dpa. (5)
Zeitgleich führt die für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in der Lombardei zuständige Guardia di finanza in etwa zwanzig Wohnungen von der Mitgliedschaft im GSPC, der Geldbeschaffung für den algerischen "Glaubenskrieg" und der Unterstützung des internationalen Terrorismus verdächtigten Islamisten Razzien durch.
Elf im Raum Mailand und in der Stadt selbst des Terrors Verdächtige, von denen einige bereits inhaftiert sind, sollen zu dieser bewaffneten islamistischen Zelle des GSPC in Italien gehören. Ihr Anführer sei ein führendes Mitglied des algerischen islamistischen Front Islamique du Salut (FIS). Einige Algerier des GSPC sind sowohl in der EU, als auch bei der UNO und in den USA des Waffenhandels und der Geldbeschaffung in Belgien, Großbritannien und Spanien wegen auf der Fahndungsliste. Sie bedienen sich eines Ladengeschäftes in Mailand. Die Waffen kämen aus Staaten Europas; sie seien für die "Brüder Glaubenskrieger" in den algerischen Bergen bestimmt.
Der GSPC sei als Handlanger der al-Qaida für weitere Attentate verantwortlich, so beispielsweise in Mauretanien. Die italienische Regierung klagt die Gruppe an, eine Kampagne zur Rekrutierung von Terroristen in Italien zu führen. Innenminister Giuseppe Pisanu spricht von in den letzten vier Jahren inhaftierten 203 Terrorverdächtigen, darunter befindet sich auch der am 22. September an London ausgelieferte Hamdi Issac Adus, einer der Urheber des fehlgeschlagenen Attentates, vom 21. Juli 2005. (6)
26. September 2005
Update, vom 11. April 2007
Zum oben behandelten Thema: Die Erkenntnisse, daß die GSPC sich mit der al-Qaida verbündet haben könnte - letztere wird in französischen Medien durchweg als "nébuleuse", diffus, unklar und damit fast als nichtexistent bezeichnet, diese Erkenntnisse tut Habib Souaidia souverän ab:
"Eine vage mit den Islamisten verbundene in einem Teil Algeriens aktive, außerdem noch isolierte Gruppe wäre fähig, sich mit Osama bin Laden zusammenzuschließen, der sich am anderen Ende des Planeten befindet?"
Noch gibt es kein Bekennerschreiben. Aber Reuters berichtet, dass es einen Bekenneranruf bei dem arabischen Satellitensender al-Dschasira gegeben habe, angeblich von einem Qaida-Sprecher. Doch selbst, falls dieser Anruf nicht authentisch sein sollte: Es gibt kaum Zweifel, dass die nordafrikanische Filiale des Terrornetzwerks al-Qaida für die Sprengsätze verantwortlich ist.
Bin Ladens Terroristen morden in Nordafrika. Von Yassin Musharbash. SpiegelOnline, 11. April 2007
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,476620,00.html
Religion of Peace Strikes Again in Algeria. little green footballs, April 11, 2007
http://littlegreenfootballs.com/weblog/?entry=25090_Religion _of_Peace_Strikes_Again_in_Algeria#comments
Al-Qaida claims Algeria terror attack. AP, Jerusalem Post, April 11, 2007
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1176152770771&pag ename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull
Bombe ad Algeri, 30 morti. Rivendicazione di al Qaeda. Reuters, 11 aprile 2007
http://today.reuters.it/news/default.aspx
Alger : Al Qaïda revendique les attentats. Reuters/AFP. NouvelObs.com,
11 avril 2007
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/international/afri que/20070411.OBS1542/alger__al_qaida_revendique_les_attentat s.html
Quellen
(1) Algérie , de la sale guerre à la sale paix. Par Habib Souaidia. Indymedia Paris, le 29/08/2005 à 01h44
http://paris.indymedia.org/article.php3?id_article=41187
(2) Société. Terrorisme: neuf membres présumés du GSPC interpellées. AP, 26 septembre 2005, 13:08
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20050926.FAP4748.html ?1116
(3) L´éternel recommencement: de la sale guerre à la sale paix. Par Habib Souaidia. Algeria-Watch, 28 août 2005
http://algeria-watch.org/fr/article/tribune/souaidia_sale_pa ix.htm
Algeria-Watch ist ein eingetragener Verein, der sich für die Menschenrechte in Algerien einsetzt. Der Verein wurde 1997 in Deutschland gegründet.
Algeria-Watch. Informationen zur Menschenrechtslage in Algerien
http://www.algeria-watch.org/index.html
Algeria-Watch. Informations sur la situation des droits humains en Algérie, fondée en janvier 2002
http://www.algeria-watch.org/francais.htm
(4) Algérie: cinq membres des forces de l´ordre tués dans des attentats. AP. NouvelObs.com, 26 septembre 2005, 12:18 (nicht mehr online)
http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20050926.FAP4739.htm l?1033
(5) Islamistische Terrorzelle bei Paris zerschlagen. dpa. Allgäuer Zeitung. all-in.de, 26. September 2005, 13:30 (nicht mehr online)
http://www.all-in.de/redsys/c.php/allin/nachrichten/dpa.php? l=de&dom=dom1&id=529315
(6) Estremismo islamico, blitz a Milano e in Francia. REUTERS Italia, lunedì settembre 26, 2005 (nicht mehr online)
http://today.reuters.it/news/default.aspx
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