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Der Obin - Bericht - eine Studie über die Marginalisierung an französischen Schulen

Dieser Bericht "Die Anzeichen und Äußerungen der religiösen Zugehörigkeit in den Schulen" ist dem Ministerium nach ausgiebigen Befragungen vor Ort durch Mitglieder der Schulaufsicht in 21 Departments Frankreichs und den DOM/TOM Ende 2004 überreicht worden. Es sträuben sich einem die Haare: getrennte Toiletten und Tische in der Schulkantine gefordert und erhalten für die muslimischen Kinder und Erwachsenen, die sich weigern, sich mit "Unreinen" zu mischen, Weigerung, das Buch "Le temps des cathédrales", die Zeit der Kathedralen (1), im Geschichtsunterricht zu studieren, Kirchen zu besichtigen, Weigerung zu singen, zu musizieren, Weigerung, Wissenschaft zu studieren sowie die ungläubigen Autoren Voltaire, Flaubert ... Und alles, was man schon zu wissen glaubt über die Stellung der Mädchen ... Vor was haben die politisch Verantwortlichen Angst, und wie lange noch werden sie schweigen?

... Auch wenn sein Autor jede Absicht der Verallgemeinerung zurückweist, entwirft er ein genaues Bild: das einer weitgehenden Anfechtung der republikanischen und laïzistischen Werte im Schulmilieu.

... Diese Islamisierung (der Schule) ist entstanden nach den aufeinander folgenden "Verhandlungen", Rückziehern oder "Kompromissen" und auch der Abwesenheit von Scharfblick und Mut der politisch Verantwortlichen wegen.

Diesbezüglich muß man sich nur wundern über das geringe Echo dieses Berichtes in der Öffentlichkeit. Noch heute findet er sich nicht einmal auf der Internetseite des Nationalen Erziehungsministeriums, Beweis dafür, daß die Vogel-Strauß-Politik noch immer bevorzugt wird... (2)

... Die Autoren zeigen, daß diese Bewegung zuerst eine Abneigung gegen den Unterricht in gemischten Klassen beinhaltet, die sich sichtlich auf Kosten der Frauen bemerkbar macht. .. Er beklagt einen auf Druck der "Bärtigen", die euphemistisch die "großen Brüder" genannt werden, entstandenen beunruhigenden Rückschritt in der Stellung der Frau, der "unter Aufsicht gestellten" Mädchen. ... Das Ziel der Radikalen, die bestimmte früher gemäßigte Wohnbezirke und Vereinigungen kontrollieren, ist eine doppelte Absonderung. Zunächst die muslimischer Mädchen von den Jugen, aber dann zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, die als unrein empfunden werden. ... Wenn der Druck der Fundamentalisten so stark ist in den Schulen, so ist das, bemerkt der Bericht, weil sie den letzten Ort der Geschlechtermischung darstellt in den Bezirken, die schon größtenteils für die Republik verloren sind. Die Schule ist also das letzte Refugium, wo die Islamisten das Kräfteverhältnis testen, um es zu ihren Gunsten zu verändern. Es verwundert also nicht, daß entgegen dem, was man meinen könnte, "die schwersten Ausschreitungen sich dort finden, wo man nachgegeben hat, Kompromisse eingegangen ist", und nicht umgekehrt.

Unter diesen Ausschreitungen sind einige leider schon als gewöhnlich zu betrachten ...: Weigerung zu singen, Flöte zu spielen, zu tanzen, Gesichter zu zeichnen, in den Kindergarten zu gehen. Die weggeschlossenen Frauen, die nur noch ausnahmsweise das Haus verlassen, und die, selbst wenn sie ihre Kinder aus der Schule abholen, immer von einem "großen Bruder" begleitet werden. Die de facto getrennten Toiletten, die einen für Muslime reserviert, die anderen für als unrein angesehene "Franzosen". Anfragen von Fundamentalisten nach getrennter Sportkleidung für "Beschnittene", die sich nicht vor den anderen, immer Unreinen, entkleiden könnten.

Auch der Inhalt des Unterrichts wird in Frage gestellt. Die Evolutionstheorie wird zugunsten einer mit dem Koran übereinstimmenden Lehre vom Schöpfertum angeprangert. Bis hin zur Mathematik, die ebenfalls dieser nach allen Richtungen obskurantistischen Offensive nicht entkommt. Der Bericht stellt so in sehr weit hergeholten Bereichen die Weigerung fest, geometrische Figuren zu zeichnen, die ein bißchen einem Kreuz ähneln. (3)

Zuletzt spricht der Obin-Bericht auch die Frage des Antisemitismus an, um die Schwere seiner Erscheinung im Bereich der Schule mit dieser Feststellung zu betonen: "In Frankreich sind die jüdischen Kinder die einzigen, die nicht in beliebiger Umgebung eingeschult werden können." Wenn sie nicht die Zielscheibe unerträglicher Schikanen sind, hält ihre Sicherheit nur vor, wenn sie es schaffen zu verbergen, daß sie Juden sind.

Heutzutage sind diese ethnischen Ghettos zu religiösen geworden, und es sind die Bärtigen, die sie aufrecht erhalten und dort herrschen. Ghetto ist allerdings ein schwaches Wort. Zitieren wir einmal mehr Jean-Pierre Obin: "Es sind geschlossene Gegengesellschaften errichtet worden, deren Normen sich oftmals in starker Diskrepanz, ja im Bruch mit denen der modernen und demokratischen Gesellschaft befinden." Die republikanische Schule ist dort wie eine Feindin. In seinem Schwung und gewiß mit einem lobenswerten Willen, konstruktiv zu sein, fordert er die gesellschaftliche Mischung fördernde nationale Maßnahmen. Wenn man ihn liest, fragt man sich, ob es nicht schon zu spät ist. (4)

22. Mai/4. November 2005

Quellen

(1) Das Werk ist ein Klassiker der Geschichte:
Georges Duby: Le temps des cathédrales. L´art et la société, 980-1420. Par Joëlle, Critiques ordinaires, 17 février 2003
http://critiques-ordinaires.ouvaton.org/article.php3?id_arti cle=231

(2) Dies gilt bis heute. Der Bericht wird nicht erwähnt:
Rapports. Les rapports depuis 1998. Ministère de l´éducation nationale, de l´enseignement supérieur et de la recherche
http://www.education.gouv.fr/rapport/default.htm

(3) Man erinnere sich daran, daß der angeblich moderate Muslim Tariq Ramadan niemals eine Krawatte trägt; denn sie wird mit einem Kreuzknoten gebunden.

(4) Les signes et manifestations d´appartenance religieuse dans les établissements scolaires. Rapport présenté par Jean-Pierre Obin. Ministère de l´éducation nationale, de l´enseignement supérieur et de la recherche, Inspection générale de l´éducation nationale Groupe Etablissements et de vie scolaire, juin 2004
http://www.proche-orient.info/images/mbd/rapport_obin.pdf

Auszug aus dem Artikel: Frankreich ist schon heute Teil von Eurabia, 22. Mai 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-05-22_19-29-26.html


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