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Alain Finkielkraut, das Interviewerpärchen und die Geier (Teil 2)

Der Ort des nunmehr auf drei Kontinenten ber√ľchtigten Interviews (1), das Touristen-Caf√© "Rostand", und die Einsch√§tzung des Haaretz-Artikels "Solidarit√§t mit Murad und Munir" des Dror Mishani, vom 7. November 2005, durch Alain Finkielkraut, der den Namen des Autors allerdings nicht kannte, bilden den Auftakt und die Einstimmung ins Interview. Gleich im zweiten Absatz ihrer Einf√ľhrung informieren Dror Mishani und Aurelia Smotriez ihre die Leser dar√ľber, da√ü der Philosoph mehrfach ge√§u√üert h√§tte, da√ü er seine Ansichten in Frankreich nicht mehr √§u√üern k√∂nne: "Es ist unm√∂glich, vielleicht sogar gef√§hrlich, solche Dinge heute in Frankreich zu sagen." (2)

W√§hrend dar√ľber in den franz√∂sischen Medien nun gro√üe Emp√∂rung herrscht, w√ľ√üte ich gern, warum das so ist. Da die beiden Interviewer es nicht mitteilen, helfe ich mir und google. Eine F√ľlle von Blogs zum Thema Alain Finkielkraut - Haaretz findet die Google-Maschine, hier stelle ich einen mit seiner Schlagzeile "Finkielkraut krank? Schlimmer als Dieudonn√©? Le Monde und Haaretz" exemplarisch vor: Blog "O+OplusO.com". Er ist einer von zahlreichen Blogs, in denen sich Menschen √§u√üern, die offensichtlich nichts gelesen oder gar verstanden haben vom Interview, weder vom englischen, aus "Haaretz", noch vom franz√∂sischen, in der √úbersetzung von Michel Warschawski und Mich√®le Sibony, und die auch sonst mit den Tatsachen der Welt √ľber Kreuz liegen. "Armer Finkielkraut!", aber zum Gl√ľck habe die "Le Monde" mit dem Artikel "Die ´sehr abweichende´ Stimme des Alain Finkielkraut in der Tageszeitung ´Haaretz´ " eine gute Arbeit geleistet. Diesen hinterfotzigen Verschnitt des Sylvain Cypel, in der "Le Monde", vom 24. November 2005, also kennt "OOdr". Darauf gr√ľndet er seine Meinung. (3)

"OOdr" schreibt einen langen Kommentar, darin er sich unter anderem zum Fu√üballthema "black-black-black" √§u√üert, der Hautfarbe der Nationalspieler, und da√ü sich ganz Europa laut Alain Finkielkraut dar√ľber am√ľsiere. "OOdr" findet diese √Ąu√üerung rassistisch, und er behauptet, Alain Finkielkraut habe diese Einsch√§tzung "black" auf die ganze franz√∂sische Gesellschaft ausgedehnt. Das hat er zwar nicht, es steht nirgends im Interview, aber das ficht "OOdr" nicht an. Was hat Alain Finkielkraut behauptet? Da√ü die Hautfarbe der Spieler nicht mehr "black-blanc-beur" sei, wie zu Zeiten der WM 1998, die Mannschaft also nicht mehr aus schwarzen, wei√üen und arabischst√§mmigen Fu√üballern bestehe, sondern "black-black-black". Nun werde ich neugierig und rufe die offizielle Site der F√©d√©ration fran√ßaise de Football auf: "Letzte Auswahl". Dort finde ich die Liste in alphabetischer Ordnung der von Trainer Raymond Domenech f√ľr die Freundschaftsspiele Frankreich - Kostarika und Frankreich - Deutschland ausgew√§hlten Spieler: (4)

3 Torwarte: alle weiß
8 Verteidiger: 4 schwarze, 4 weiße
6 Libero/Läufer: 5 schwarze, 1 weißer
6 St√ľrmer: alle schwarz
insgesamt: 15 schwarze, 8 weiße

Es kann also geschehen, da√ü es au√üer dem Torwart keinen weiteren wei√üen Spieler auf dem Platz gibt. Wenn´s in die Defensive geht, wird´s jedenfalls wei√üer. Die Schwarzen holen die Kastanien aus dem Feuer. Der wei√üe Torwart ist der Star der Mannschaft. Wer erinnert sich nicht an den kahlk√∂pfigen Fabien Barthez, in der WM 1998? Solches aber darf Alain Finkielkraut nicht sagen, sonst kriegt er´s mit dem Ha√ü der Mainstream-Journalisten und der Blogger zu tun.

Alain Finkielkraut hat sich auch nicht, entgegen der Behauptung des "OOdr" und vieler anderer Kommentatoren f√ľr seine √Ąu√üerungen im Interview entschuldigt, sondern f√ľr die Person, die Sylvain Cypel mit seinem Verschnitt in "Le Monde" von ihm gezeichnet hat. (5)

Unter anderem zum Thema "black-black-black" mobilisiert auch die linke medienkritische Site "acrimed" allen Geifer, dessen sie f√§hig ist. Sie markiert die √Ąu√üerungen √ľber die Fu√üballmannschaft sogar fett. In der √úberschrift wird ein angebliches Zitat des Alain Finkielkraut gebracht, das er niemals so gesagt hat. Aber in diesen Kreisen kommt es auf Redlichkeit und wortgetreues Zitieren nicht an, sondern auf die Kampagne gegen jemanden, der es wagt, unliebsame Tatsachen zu auszusprechen. Ein Blick in die offizielle Liste des franz√∂sischen Fu√üballverbandes h√§tte gereicht. (6)

Nun aber zu den Mitwirkenden der Schmierenkomödie zur Destabilisierung, Diskreditierung und Ausschaltung des Philosophen Alain Finkielkraut sowie zu einigen Geiern, die schon auf das Aas warten.

Das Interviewerpärchen

Dror Mishani

Interviewpartner des Philosophen Alain Finkielkraut ist der Forschungsstudent der Literatur und Dozent an der Abteilung f√ľr hebr√§ische Literatur der Ben-Gurion Universit√§t des Negev Dror Mishani, der zum Thema "(Post)koloniale Vorstellung in der israelischen Literatur in den 1980ern" bzw. "Mizrahi body image and sexuality in the Hebrew literature of the 1980s", Vorstellung vom K√∂rper und Sexualit√§t der Mizrahi (Juden, die in der muslimischen Welt leben) in der hebr√§ischen Literatur der 1980er Jahre promoviert. (7)

Der Autor verhehlt kaum seine Begeisterung √ľber die Aufst√§nde in den franz√∂sischen Vorst√§dten: " ... die franz√∂sische Linke mit ihrer reichen revolution√§ren Tradition panikte nicht beim Brennen der Autos und der Tatsache, da√ü die Demonstranten (sic!) auf die Stra√üe gingen (sic!): viele ihrer Anf√ľhrer taten das gleiche w√§hrend der Studentenrebellion 1968 ..." (2)

Aurelia Smotriez

Aurelia Smotriez ist im Jahre 2001 im Pariser Centre d´√Čtudes et de Recherches Internationales (CERI) als Forschungsdoktorandin zum "Israelisch-pal√§stinensischen Konflikt" bei Prof. Alain Dieckhoff aufgef√ľhrt. Weitere Informationen √ľber Aurelia Smotriez, beispielsweise, was aus ihr seit 2001 geworden ist, habe ich dem Internet nicht entnehmen k√∂nnen. (8)

Es wird nirgends der Anteil der Aurelia Smotriez am Interview klar, auch Alain Finkielkraut berichtet von ihr nur als von einer netten jungen Frau, die wohl Doktorandin sei, und ich nehme an, da√ü sie sich sehr damenhaft und traditionell auf die Rolle der Begleiterin des Dror Mishani beschr√§nkt hat. Wer da anders informiert ist, sollte es mitteilen, dann w√ľrde ich es hier umgehend einsetzen. (9)

Die √úbersetzer

Michel Warschawski

Der radikale Linke und Antizionist ist Sohn eines Rabbiners aus Stra√üburg. Der 56-j√§hrige lebt seit 1965 in Israel, ist zun√§chst Sch√ľler einer Talmud-Schule und studiert dann Philosophie. 1984 gr√ľndet er in West-Jerusalem das Alternative Information Center (AIC), mit Zweigstelle in Bethlehem, eine einseitig aggressiv-propal√§stinensische Organisation. Als ehemaliger Direktor des AIC ist er jetzt in dessen Vorstand. 1989 wird er "wegen Unterst√ľtzung illegaler pal√§stinensischer Organisationen" zu einigen Monaten Gef√§ngnis verurteilt. Heutzutage √ľbersetzt er beispielsweise das Interview des Dror Mishani mit Alain Finkielkraut, oder er zieht mit Leila Shahid, der "Generaldelegierten Pal√§stinas in Frankreich", und Dominique Vidal, dem Stellvertretenden Chefredakteur des "Monde diplomatique" durch franz√∂sische St√§dte zu den Themen (10)

  • die Solidarit√§t mit dem pal√§stinensischen Volk,
  • ein gerechter Frieden im Nahen Osten,
  • die Entkriminalisierung der Unterst√ľtzung der Pal√§stinenser.

"Bellaciao" k√ľndigt eine viertelst√ľndige Radiosendung des Michel Warschawski auf RADIO CAMPUS Lille 106,6, am 7. Dezember 2005, um 18:30 Uhr, an. Von dort kann sich, wer m√∂chte, noch mehr unfl√§tige Anw√ľrfe gegen Alain Finkielkraut antun:

"Am Mittwoch, den 7. Dezember 2005, werden wir direkt aus Jerusalem Michel Warschawski vom Zentrum f√ľr eine alternative Information haben. Er hat gemeinsam mit Mich√®le Sibony f√ľr uns die in hebr√§isch im Haaretz Magazin am 18. November erschienene Unterhaltung √ľbersetzt, die Journalisten des Magazins mit einem unserer hervorragendsten telegenen Ph√§nomene: Alain Finkielkraut f√ľhrten. Dort l√§√üt der ´neue Lepenist´ noch heftiger als auf Podien des franz√∂sischen Fernsehens oder Rundfunks seinem Ha√ü freien Lauf. Wir werden von Jerusalem aus versuchen, die Bedeutung und die Folgen dieser abf√§lligen Reden zu verstehen. Werden wir einen √úbergang machen k√∂nnen zur Weiterverfolgung der Kolonisierung in Pal√§stina, besonders in Jerusalem, wo die Apartheidmauer ihre Wacht√ľrme der ´Zivilisation´ gegen die ´Barbaren´ richtet?" (11)

√Ąu√üert Alain Finkielkraut in dem Haaretz-Interview nicht mehrfach, seine Ansichten k√∂nne er in Frankreich nicht mehr √§u√üern, es sei sogar gef√§hrlich?

Michèle Sibony

Mich√®le Sibony ist Mitglied der Union Juive Fran√ßaise pour la Paix (UJFP), der j√ľdisch-franz√∂sischen Vereinigung f√ľr den Frieden, mit Sitz in Marseille, einer linksradikalen einseitig pal√§stinenserfreundlichen Vereinigung, die auf allen francophon-pal√§stinensischen Web Sites verlinkt ist. Sie gibt Mona Chollet von der mit dem "islamischen Intellektuellen" Tariq Ramadan bestens befreundeten Genfer Zeitung "Le Courrier" am 4. M√§rz 2003 zu ihrem gemeinsam mit Michel Warschawski verfa√üten Buch "√Ä contre choeur" ein Interview. (12)

√úber das Interview des Dror Mishani und der Aurelia Smotriez berichten sie und Michel Warschawski, da√ü die Journalisten, die Alain Finkielkraut befragt h√§tten, sehr erstaunt √ľber dessen Antworten gewesen seien. Die Journalisten h√§tten eigens darauf hingewiesen, da√ü die √Ąu√üerungen nicht vom Front National stammten, sondern aus dem Mund eines Philosophen. Im englischen Text, den Haaretz zu verantworten hat, steht nicht Mund, sondern "throat", Kehle, Rachen. (6)

Mit Michel Warschwawski ist sie auch gerngesehener Gast in der Sendung des Daniel Mermet "L√†-bas si j´y suis". Am 17. Februar 2003 interviewt er sie zu ihrem gemeinsamen Buch "√Ä contre choeur". Bei der Gelegenheit wird den H√∂rern auch ein Buch der Haaretz-Journalistin Amira Hass empfohlen, "Boire la mer √† Gaza", wobei schon die beiden Titel ahnen lassen, da√ü es sich um Israel-Bashing handelt. Wer´s nicht glaubt, der kann sich die Sendung anh√∂ren. (13)

So schließen sich immer wieder die Kreise. Man trifft auf dieselben Netzwerke, dieselben Leute.

Fortsetzung folgt. Im dritten Teil kommen wirklich kleinere Aasvögel und größere "Geier" dran, versprochen!

6. Dezember 2005

Quellen

(1) Verbreitung des Interviews im Internet (es gibt keine weiteren gemeinsamen Auftritte der beiden):

  • Google.fr Web: Dror Mishani Aurelia Smotriez 767 Angebote
  • Google.fr pages francophones : Dror Mishani Aur√©lia Samothraiz 91 Angebote

(2) Solidarity with Murad and Munir, by Dror Mishani, Haaretz, November 7, 2005
http://www.haaretz.com/hasen/objects/pages/PrintArticleEn.jh tml?itemNo=642206

What sort of Frenchmen are they? By Dror Mishani and Aurelia Smotriez, Haaretz, November 17, 2005
http://www.haaretz.com/hasen/spages/646938.html

(3) FINKIELKRAUT MALADE ? PIRE QUE DIEUDONNE ? Le Monde et Haaretz. Blog O+OplusO.com, 26 novembre 2005
http://www.0plus0.com/article705.html

(4) Liste des joueurs sélectionnés. Fédération française de Football. Dernière sélection. Liste des joueurs sélectionnés
http://www.fff.fr/servfff/historique/selection/der_selec.sht ml

(5) La voix "tr√®s d√©viante" d´Alain Finkielkraut au quotidien "Haaretz". Par Sylvain Cypel. Taille de l´article : 560 mots. Le Monde, 24 Novembre 2005
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3226,36-713295,0.h tml

(6) Les pr√©dications d´Alain Finkielkraut: "Mon savoir absolu sur les quartiers populaires", par Henri Maler, acrimed, 23 novembre 2005
http://www.acrimed.org/article.php3?id_article=2202

(7) BGU.REVIEW Editorial board. BGU Review. A Journal of israeli Culture
http://w3.bgu.ac.il/heksherim/review/pages/authors.aspx

Reaction / Reorienting the `enlightened left´. Why is the Israeli left able to acknowledge the suffering of the Palestinians while finding it necessary to repress and deny Mizrahi suffering? By Dror Mishani. Haaretz, August 11, 2005
http://www.haaretzdaily.com

(8) Le conflit isra√©lo-palestinien. Bibliographie. Aur√©lia Smotriez, Doctorante allocataire de recherche √† l´IEP, rattach√©e au CERI. Isra√ęl: une soci√©t√© troubl√©e, une paix insaisissable. Sous la direction de Alain Dieckhoff, CERI Archives 1998 - 2005. January-February 2001

http://www.ceri-sciences-po.org/archive/2001.htm

(9) Interview mit Alain Finkielkraut. TV-Radio.com, 4 décembre 2005
http://www.tv-radio.com/ondemand/rcj_od/quivive4dec.asx

(10) Alternative Information Center (AIC) Jerusalem
http://www.alternativenews.org/

Le√Įla Shahid, D√©l√©gu√©e G√©n√©rale de Palestine en France, Michel Warschawski, Isra√©lien, fondateur du Centre d´Information Alternative, Dominique Vidal, R√©dacteur en chef adjoint du Monde Diplomatique seront √† : Lille, Roubaix, Tourcoing, Seclin, Mons-en-BarŇďul les 17, 18 et 19 juin 2005
http://listes.rezo.net/archives/5962-inter-luttes/2005-06/ms g00026.html

(11) Warscawski traduit finkielkraut sur radio campus lille, Bellaciao, 5 décembre 2005
http://bellaciao.org/fr/article.php3?id_article=21219
http://www.campuslille.com/

(12) Union Juive Française pour la Paix (UJFP)
http://www.millebabords.org/mot.php3?id_mot=55

Désamorcer la guerre communitaire, par Mona Chollet, 4 mars 2003
http://www.lecourrier.ch

(13) Entretien avec Michel Warshawski et Mich√®le Sibony, auteurs de "A contre choeur", editions Textuel. Se r√©ferer aussi au livre d´Amira Haas "Boire la mer √† Gaza" aux √©ditions La Fabrique. L√†-bas si j´y suis, 17 f√©vrier 2003
http://www.la-bas.org/article.php3?id_article=320



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