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Alain Finkielkraut, das Interviewerpärchen und die Geier (Teil 3)

Das Elend der elenden französischen Medien

In einigen Artikeln habe ich in letzter Zeit die Medienlandschaft Frankreichs kritisiert, ihren Hang zu salafistischen und schiitischen Islamisten, ihre einseitige Parteinahme gegen Israel für die Palästinenser und die damit zusammenhängenden Lügen sowie ihre Rolle als Sprachrohr der strategischen und wirtschaftlichen Interessen Frankreichs und seiner Konzerne in den arabischen Staaten. Unmittelbar sichtbar wird die Voreingenommenheit am Verhalten des staatlichen Fernsehsenders France 2, dessen Mitarbeiter trotz aller gegenteiliger Untersuchungsergebnisse nach wie vor hinter ihrem Auslandskorrespondenten Charles Enderlin und seiner Berichterstattung über den angeblichen Mord israelischer Soldaten an dem 12-jährigen Mohamed al-Dura, an der Netzarim-Kreuzung in Gaza, stehen. Dieses Produkt, vom 30. September 2000, aus "Pallywood" ist eher Auslöser der Intifada II als der ständig dafür verantwortlich gemachte Gang des Ariel Scharon auf den Tempelberg, zwei Tage vorher. Die Agentur Media-Ratings dokumentiert das ausführlich. (1)

In den französischen Medien gibt es kaum einen journalistischen Beitrag, der den Anspruch erheben könnte, auch nur einigermaßen informativ und sachlich zu sein. Das Gesellenstückchen ist die Berichterstattung über die Chancen der französischen Hauptstadt, im Jahr 2012 Austragungsort der Olympischen Spiele zu werden. Außer den französischen Medien und den im Wunschdenken verhafteten französischen Politikern sehen alle voraus, daß London das Rennen machen würde, man bräuchte nur die Londoner Buchmacher zu fragen. Aber was stört es die französischen Journalisten, wenn nach der in Frankreich unerwarteten Entscheidung für London kleine französische Kinder, die Farben der Trikolore, der echten, "bleu-blanc-rouge", noch auf den Wangen, in verzweifeltes Weinen fallen? Solches kann man seinerzeit im "Spiegel" sehen. Französische Journalisten haben Mitgefühl mit "steinewerfenden" Palästinensern, deren kriminelle Taten sie als "Revolte" und als "Widerstandskampf" bezeichnen, mit Selbstmordattentätern und ihren Familien, deren Seelenlage sie zu verstehen versuchen, und denen sie ihr Mitgefühl bezeugen, in dem sie die weinenden Familienangehörigen des Attentäters ins Bild bringen. Von den weinenden israelischen Familienangehörigen der Attentatsopfer ist nichts zu sehen. Sie haben Mitleid mit den armen nichtintegrierten "Jugendlichen" der Vorstädte, die alles um sie herum zerschlagen und verbrennen müssen, wobei es auch auf den Tod von Menschen nicht ankommt. Sie berichten nicht, sondern sie sagen und schreiben ihre Meinung. Wenn die Tatsachen sich dem nicht fügen wollen, so liegt es an diesen. Gegen Menschen, die sie in ihrem Delirium stören, organisieren sie Kampagnen, sie mundtot zu machen.

Wo es darauf ankommt, präzise Informationen und Einschätzungen zu geben, werden die Leser und Hörer bestenfalls Zeugen hohler Zeilenschinderei oder eines Feuerwerks von Worthülsen. Meister im letzteren ist der Star-Journalist Bernard Guetta. Er hat es neulich im "Radio France Inter" anläßlich seiner Kommentare über die Affäre der Geisel Florence Aubenas hinreichend bewiesen.

Inzwischen ist es soweit, daß man sich zur Information über die Lage und Ereignisse in Frankreich am besten in internationalen Medien und Blogs umschaut, nicht nur in europäischen, israelischen oder denen der USA, sondern durchaus auch in französischen, durchaus in linken und in rechten. Das mag Alain Finkielkraut bewogen haben, der linken israelischen Zeitung "Haaretz" ein Interview zu geben - mit allen negativen weitreichenden Folgen, die aus diesem Abenteuer für ihn entstanden sind. Seine Inkonsequenz liegt darin, daß er sich nicht entsprechend seiner Kenntnisse der gesellschaftlichen und medialen Lage verhalten hat. Wie kann er einer "Haaretz" ein Interview geben, ohne dieses abschließend zu autorisieren? Wie kann er sich einem ihm unbekannten Interviewpartner stellen, der ihm vorenthält, daß er selbst der Autor des rührenden und verständnisvollen Artikels "Solidarität mit Murad und Munir" ist? So gibt er jemandem ein Interview, der schon im Titel seines Artikels deutlich macht, daß seine Solidarität nur dem männlichen Teil der Bevölkerung gilt, der den Aufruhr in den französischen Vorstädten zu "Demonstrationen" und das Zerstören von Schulen und Kindergärten, das Abfackeln von Tausenden von Autos durch "Murad und Munir" und nicht zuletzt die tätlichen Angriffe auf Menschen als "auf die Straße Gehen" verniedlicht, einem Autor, der durch das Verschweigen seiner Autorenschaft sein Gegenüber in Unkenntnis darüber läßt, mit wem er es zu tun hat, und sein Vertrauen mißbraucht. (2)

Hätte er Dror Mishani im Café Rostand Rede und Antwort gestanden, wenn er gewußt hätte, was dessen linksradikaler anti-israelischer Freund Sylvain Cypel aus der Übersetzung des Michel Warschawski macht?

Das Elend der französischen Medien: Verdrehungen, Erfindungen, Auslassungen, Lügen

Es ist hinreichend bekannt, daß die Journalisten französischer Medien oftmals nicht sachlich über Ereignisse berichten, sondern sie in aller Willkür und in ideologischer Verbohrtheit verdrehen oder wie im Falle des Charles Enderlin gar erschaffen. Manchmal tragen sie durch ihr Wirken auch bei zur Destabilisierung, Diskriminierung und Ausschaltung unliebsamer Personen. Alain Finkielkraut ist nur ein Beispiel. Auf die systematischere Diskriminierung von ganzen Scharen von Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens durch Pierre Péan und Philippe Cohen werde ich gleich kommen. Als nächstes Beispiel wird die demnächst voll aufgedrehte Kampagne der französischen Medien gegen Nicolas Sarkozy zu beobachten sein. Im Grunde ist sie mit der Affäre Alain Finkielkraut bereits in die heiße Phase getreten. Ausläufer finden sich hier und da in meinen Provinzblättchen "Midi Libre" und "L´Indépendant", beispielsweise über die abgesagte Reise des Innenministers auf die Antillen. Google ich daraufhin Sarkozy - Antilles, so erhalte ich 171 Aktualitäten, darunter viele überschäumend von Häme.

Zwei davon sind von Journalisten von "Le Monde" und "Nouvel Observateur", die hier in ihrem Wirken gegen Alain Finkielkraut vorgestellt werden. Dominique Dhombres verfährt nach der schon bei Sylvain Cypel zu bewundernden Manier; er faßt ein Interview ("on résume") mit dem Minister zum Thema zusammen: "Wird die jetzige Mehrheit das im Februar beschlossene umstrittene Gesetz außer Kraft setzen, das ´die positive Rolle´ der französischen Kolonisation´ erwähnt?" Das läßt nichts Gutes erwarten, und so kommt´s, wenn der Autor auch nicht so niederträchtig verfährt wie Sylvain Cypel. Immerhin geht´s hier um einen mächtigen Mann und nicht um einen vogelfreien Intellektuellen. (3)

Der Chefredakteur des "Nouvel Observateur" Jean-Marcel Bouguereau verbreitet sich darüber und spielt auf die Worte des Innenministers an, daß dieser sich aus den Antillen nicht hinauskärchern lassen wolle: den Maulhelden könne man gut machen, wenn man in der Vorstadt "Cité des 4000" unterwegs sei. (4)

Wie so ganz anders klingen seine Worte, wenn Frankreich für 9,75 Milliarden Dollar: "Cocorico !" 150 Airbus aus dem französisch-britisch- deutschen Hause EADS an die Volksrepublik China verkauft. Da werde man ohne Zweifel den Schönheitsfehler verschmerzen, daß 65 Prozent der Summe an die Partner gehen; denn das wichtigste ist der Sieg über den US-amerikanischen Konkurrenten Boeing. Und all die weiteren Hunderte, wenn nicht Tausende Airbus! Eine Produktionskette in China wird´s möglich machen, sie wird in zwanzig Jahren die zweitgrößte sein nach den USA. George W. Bush - das hat er nun davon - erinnert auf seiner letzten Chinareise an die Menschenrechte, und aus ist´s mit dem Vertrag für Boeing; er wird zur einfachen Option erklärt.

"Während dieses Besuchs werden also Themen, die ärgern, nicht angesprochen, und Frankreich treibt den Eifer bis zur Befürwortung der Aufhebung des nach der Niederschlagung vom Platz Tiananmen 1989 (´la répression de la place Tiananmen en 1989´) verhängten europäischen Embargos für Waffenverkäufe nach China." Haben die chinesischen Machthaber die Protestierenden vielleicht vom Tiananmen gekärchert, oder was war da? (5)

Wie kommt es, daß Journalisten wie Sylvain Cypel, Xavier Ternisien und Stéphanie Le Bars, um nur einige zu nennen, für "Le Monde" arbeiten können? Wer bedarf dieser linksradikalen, palästinenser- und islamistenfreundlichen Mitarbeiter? Wer bedarf solcher Journalisten wie Jean-Marcel Bouguereau und Laurent Joffrin im "Nouvel Observateur"? Warum bekommt Jean-Pierre Elkabach vom Fernsehsender Europe 1 gerade dort ein Forum, das Interview zwischen ihm und Alain Finkielkraut zu dokumentieren? Wozu dienen Überschriften wie "Finkielkraut ist kein Rassist, aber ..." und es folgen Verdrehungen und Lügen des Laurent Joffrin? (6)

Warum bekommt der salafistische Islamist, der "muslimische Intellektuelle" Tariq Ramadan, am 28. November 2005, auf dem "Nouvel Observateur", ein eigenes Diskussionsforum, wo er mit Lesern über die "Entgleisungen" (Anführungszeichen im Artikel) des Philosophen in der israelischen Zeitung "Haaretz" zu Gericht sitzen kann. Tariq Ramadan schreibt am 3. Oktober 2003 auf Oumma.com den berüchtigten Artikel "Kritik der (neuen) kommunitären Intellektuellen"; dort bezichtigt er jüdische Intellektuelle, wozu er auch Pierre-André Taguieff zählt, der keiner ist aber gemäß Tariq Ramadan einer sein könnte, daß sie "die Wahrheit der Welt sagen, gute und bösartige, von ´unseren Alliierten" ... und Israel entgeht ihren selektiven Kritiken immer." Einer der genannten Juden ist Alain Finkielkraut. (7)

Tariq Ramadan hat "darauf geachtet, Alain Finkielkraut nicht zu belasten", urteilt das Blatt unter dem Titel "Ramadan findet Finkielkraut ´sincère´, aufrichtig " in einer unsignierten, mit einem allerschönsten Foto des Tariq Ramadan angereicherten Zusammenfassung des Verdiktes über einen der bekanntesten Philosophen Frankreichs. Alain Finkielkraut habe sich für seine Äußerungen im Interview entschuldigt, behauptet er wie viele andere wahrheitswidrig, und wie es noch am 6. Dezember in einem weiteren Artikel der "Haaretz" wiederholt wird: "Alain Finkielkraut apologized in Le Monde for his remarks about the rioters." Deshalb habe der Generalsekretär des MRAP, übrigens ein enger Freund des Tariq Ramadan, seine Klage gegen den Philosophen zurückgezogen. Vermutet werden darf, daß er den Rückzieher macht, weil die Klage keinerlei Aussicht auf Erfolg haben würde, sondern, im Gegenteil, der Text im Gerichtsverfahren von einigen Gegenern des Philosophen erstmalig gelesen und vielleicht verstanden würde. (8)

Alain Finkielkraut sei wenigstens aufrecht, und "in Frankreich wird man entdecken, welches diejenigen sind, die wirklich doppelzüngig reden. Jedenfalls schätzt er ein, daß das Interview von Finkielkraut ein ´Werk eines Intellektuellen ist, der sich merkwürdig entwickelt hat. Gefährlich." Was bedeutet: in eine gefährliche Richtung.

Die Revolte habe keinen ethno-religiösen Hintergrund, sondern das Problem sei sozial und politisch, "eine legitime Revolte", lehrt quasi ex cathedra ein Akademiker, der unter zweifelhaften Umständen seinen Doktortitel in Genf erwirbt und sich nun bemüht, woher auch immer, den Titel Professor zu erhalten, und er verurteilt die Zusammenhänge, die zwischen der Polygamie und dem Aufruhr hergestellt werden. Selbstverständlich gibt er keine Begründungen dafür. Es ist eben so: die Konfessionalisierung der Frage der Vorstädte sei gefährlich für Frankreich. Kein Wort davon, welches Frauenbild der Polygamie zu Grunde liegt, was dies für männliche (!) Jugendliche in prekärer Lage bedeutet. "Der Islam hat nichts damit zu tun", erklärt der vom "Nouvel Observateur" zum "Professor aus Oxford" promovierte Prediger. Zur Erinnerung: am St. Anthony´s College, in Oxford, ist er für einige Zeit "Visiting Fellow", Forschungsstipendiat. (9)

Alain Finkielkraut weist in dem Haaretz-Interview auf die muslimische Identität als Ausgangspunkt für das Verhalten der arabisch- und schwarzafrikanisch-stämmigen Jungen und jungen Männern hin. Er hat dafür im Gegensatz zu seinem Richter triftige Argumente. (10)

Es empfiehlt sich, die Äußerungen des Tariq Ramadan mit denen auf der salafistischen Oumma.com, zwei Tage später, zu vergleichen. Da läßt er seinem Haß und seiner Hetze freien Lauf. Da zieht er sämtliche Register, verdreht und verfälscht das Interview bis zur Unkenntnlichkeit: die Furcht vor dem Islam und den Muslimen werde gepredigt, man fürchte sich vor der Stimme der neuen westlichen Muslime, den Konvertiten also. Es sei ein Diskurs der Ablehnung des anderen. Nichts von allem findet sich im Interview des Alain Finkielkraut mit Dror Mishani. (11)

Sylvain Cypel, der Star der zielgerichteten Verstümmelung des Interviews, drückt das, zitiert von Isabelle Avran, der Vizepräsidentin der Association France Palestine Solidarité, in Seelenverwandtschaft ebenfalls so aus. Ob er und Tariq Ramadan erkennen, daß sie damit ihr Verhältnis zu Alain Finkielkraut beschreiben, bleibt offen :

"Der andere, ´phobische Figur, durchsichtig aber einen nicht loslassend und überflutend, das ist immer der, der Euere eigenen Handlungen bestimmt´, unterstreicht Sylvain Cypel. Der andere, nach und nach selbst in seiner Existenz verleugnet, oder übertragen auf eine verteufelte Person, in jedem Fall niemals als der betrachtet, der er ist." (12)

Die Besitzverhältnisse der Medien, in denen die Ideologen ihr Unwesen treiben, können über das Elend der französischen Medien vielleicht Auskunft geben.

Die französischen Medien im Elend: His Masters Voice

Le Monde

Die Journalisten Pierre Péan und Philippe Cohen veröffentlichen im Verlag "Mille et Une Nuits", am 26. Febuar 2003, das Enthüllungsbuch "La face cachée du Monde", das verborgene Gesicht der "Monde". Die Motivationen liegen bei beiden in politischer bei einem auch in persönlicher Gegnerschaft zur Zeitung. Beide arbeiten im Sinne, wenn nicht gar im Auftrag des Jean-Luc Lagardère und seines Sohnes Arnaud, zu deren Rüstungs-, Hochtechnologie- und Medienkonzern die 2,12 Milliarden Euro schwere Gruppe Hachette Filipacchi Medias mit dem Verlag "Mille et Une Nuits" gehören. Zur Lagardère Gruppe (13,45 Milliarden Euro) gehört neben Matra-Automobile und Lagardère Media auch die am 10. Juli 2000 gegründete Société Européenne de l´Aeronautique, de la Défense et de l´Espace (EADS), Fusion aus Aerospatiale MATRA SA, Aeronauticas SA und DaimlerChrysler Aerospace AG, mit 100 000 Beschäftigten in England, Spanien und Deutschland und einem Wert von 4,8 Milliarden Euro. Hauptprodukte sind Eurocopter, Ariane, Airbus und MBDA für Raketensysteme. (13)

Seit dem Erscheinen des Dokumentation genannten Enthüllungsbuches der beiden Buchautoren ist viel in Bewegung gekommen, sowohl was die Besitzverhältnisse als auch, was den Stil der Zeitung "Le Monde" angeht. Es war abzusehen. Die Zeitung wird für den modernen Konkurrenzkampf der Lagardère-Gruppe um strategische, politische und wirtschaftliche Herrschaft fit gemacht - ein mühseliges Unterfangen. Als erstes gehen 90 Redakteure. Die verbleibenden 250 werden sicherlich alles tun, nicht zum nächsten Schub der zu verabschiedenden Kollegen zu gehören. Die verkaufte Auflage der Zeitung sinkt im letzten Jahr um knapp vier Prozent. Diejenigen, die das durch spektakuläre journalistische Beiträge, die auf der politischen und wirtschaftlichen Linie des Konzerns liegen, aufhalten oder gar rückgängig machen, also am besten für die Interessen der Besitzer arbeiten, haben die größten Chancen. Dabei können getrost 55 Prozent der Aktien des Blattes Kleinaktionären von "Le Monde" gehören, was zählt, das sind die Großaktionäre mit ihren Kapitaleinlagen. (14)

Wer sich einen Überblick über den Zustand der Zeitung machen möchte, lese die aufschlußreiche Zusammenstellung auf der Site von France 2. Dort erhält die "Dokumentation" der nützlichen Heloten Pierre Péan und Philippe Cohen die Bezeichnung, die sie verdient: "Pamphlet". Die spektakulärsten Gemeinheiten werden Gegenstand von Gerichsverfahren, aber das alles macht gar nichts. Der Zweck der Lagardère- Gruppe ist erreicht, die Journalisten als Mehrheitsbesitzer stehen nunmehr Kapitalerhöhungen positiv gegenüber. (15)

Die Tageszeitung "Le Monde" gehört inzwischen zu ca. 15 Prozent dem Medienkonzern Hachette Filipacchi Medias der Lagardère-Gruppe. Ende diesen Jahres werden es nach einer Kapitalaufstockung 17 Prozent sein. 55 Prozent gehören Le Monde et Partenaires Associés, worin auch die Redakteure vereinigt sind, 6 Prozent sind im Besitz des "Nouvel Observateur", an dem "Le Monde" seinerseits zu 5,5 Prozent beteiligt ist; Lagardère ist der zweitgrößte Aktionär der finanziell wenig erfolgreichen Tageszeitung, für die der Konzern jetzt zusätzliche Aktien im Nennwert von 25 Millionen Euro zeichnen wird. Der spanische Medienkonzern PRISA (25 Millionen Euro = 15 Prozent) und die italienische Zeitung "La Stampa" (5 Millionen Euro = 3 Prozent) sind mit von der Partie. (16)

Die Aktivitäten der Lagardère-Gruppe sind um die zwei Pole Medien (64,2%) und Raumfahrt (35,8%, über Anteile an EADS), organisiert. Die Aktien sind, wie folgt gestreut: Frankreich (31,2%), Europa (37,2%), Nordamerika (19,8%), Asien-Ozeanien (7,3%), Naher Osten (2,6%), Afrika-Lateinamerika (1,9%). US-Banken sind mit ca. 1,8 Milliarden Euro und Besitzer aus dem Nahen Osten mit 340 Millionen Euro an der Lagardère-Gruppe beteiligt. (17)

Der Aktionär der "Le Monde" PRISA ist meinen Lesern kein Unbekannter. "Die Geschichte der Gruppe beginnt im Januar 1972, als José Ortega Spottorno (gestorben am 18. Februar 2002) mit einigen Freunden der intellektuellen, politischen und Unternehmerwelt die Gesellschaft mit dem Ziel gründet, das herauszubringen, was heute die erste Tageszeitung Spaniens ist, El País." (18)

Teresa Aranda, die Ehefrau des Geschäftsführenden Vorsitzenden Juan Luis Cebrián der Kommunikationsgesellschaft PRISA, ist Stellvertretende Präsidentin der Fundación Atman para el Diálogo entre Civilizaciones, der Atman Stiftung für den Dialog zwischen Zivilisationen, einer der Sozialistischen Partei des Jose Luis Rodriguez Zapatero verbundenen Stiftung. Präsident der Stiftung, die "gegen den Anstieg von Dogmatismus und Intoleranz kämpft", ist Farshad Zandi, Geschäftsführender Vorsitzender der Gesellschaft Trade Petroleum. Am ersten hochrangigen Treffen dieser Stiftung unter dem Motto "Allianz der Zivilisationen" nehmen Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero, Außenminister Miguel Ángel Moratinos, der türkische Staatsminister für religiöse Angelegenheiten Mehmet Aydin, der ehemalige Ministerpräsident Felipe González sowie neben zahlreichen hochrangigen Mitgliedern der spanischen Regierung auch der salafistische Prediger Tariq Ramadan teil. Ein Blick in die Liste des Honorary Board of Advisors lohnt sich. Leonardo Boff, der Freund des Holocaustleugners Roger Garaudy, Sami Naïr, verurteilter Mitverfasser des antisemitischen Pamphlets des Edgar Morin "Israël-Palestine : Le cancer", Israel-Palästina: das Krebsgeschwür, und Mohamed El Fatal Naciri, der Repräsentant der Arabischen Liga befinden sich darunter. (19)

Das sind die Aktionäre, denen zu Willen die Journalisten schreiben. Man braucht sich nicht zu wundern, daß der Redakteur Xavier Ternisien nicht nur auf der salafistischen Oumma.com, sondern auch im "Monde" Elogen auf Tariq Ramadan und die Muslimbruderschaft singt, Stéphanie Le Bars die Ereignisse in Israel und den besetzten Gebieten nicht nur auf radikalen Sites der Palästinenserfreunde "gewidmet der Intifada", sondern auch im "Monde" verzerrt darstellt, beispielsweise die Taten der israelischen Gangsterbraut Tali Fahima, die gemeinsam mit dem Chef der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden in Jenin Zakharia Zubeidi Attentate vorbereitet und als menschliches Schutzschild in den Genuß von 72 Jungmännern im Paradies kommen will, und daß Sylvain Cypel das Interview des Alain Finkielkraut bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, um den Philisophen und seine Erkenntnisse somit ein für allemal politisch und gesellschaftlich zu erledigen. Bei den Linksradikalen unter den Redakteuren der "Le Monde" bedarf es keiner großen Verrenkungen des Gewissens, sie sind schon auf Linie, bis zur Wortwahl, daß sie Terroristen "Rebellen" oder "Widerstandskämpfer" nennen, die Terrororganisation Palästinensischer islamischer Djihad (PIJ) zur "radikalen Gruppe" umschreiben und weltweit bekannte, auch in Frankreich nicht zu verheimlichende Verbrechen der palästinensischen Terroristen ins Passiv setzen: "Dasselbe Einkaufszentrum war Ziel eines ähnlichen Attentates, am 12. Juli, das fünf Tote forderte ..." (20)

Le Nouvel Observateur

Wie bereits erwähnt, ist die seit 40 Jahren bestehende Wochenzeitschrift "Nouvel Observateur" mit 6% an der Tageszeitung "Le Monde" beteiligt und diese mit 5,5% am "Nouvel Observateur". Es ist also eine finanzielle und geistige Verwandtschaft festzustellen. Vertreter der beiden Medien sitzen jeweils im Aufsichtsrat des anderen. Der Mitbegründer der Zeitschrift Claude Perdriel ist Besitzer der Zeitschrift. Der Mitbegründer Jean Daniel ist Direktor. (21)

Auch er äußert sich, am 29. November 2005, zur Affäre Finkielkraut, aber in einer Weise, die von der seiner Kollegen absticht. Man kann dem in etwa entnehmen, welcher Verfall der journalistischen Ethik im "Nouvel Observateur" seit seiner Gründung stattgefunden hat. Der Beitrag des Jean Daniel zeichnet sich durch Ausgewogenheit und Verständnis aus: "Das wichtigste für ihn (Alain Finkielkraut) ist es nicht, in der Arbeitslosigkeit, der Isolierung, der Ghettoisierung oder dem Auseinanderbrechen der Familien zu forschen. Er will, daß man eine Katze eine Katze nennt und die jugendlichen französischen Aufrührer Schwarze und Muslime. Es gibt eine ethnisch-religiöse Dimension in ihrem Verhalten. Ihre Werte sind, insgesamt gesehen, nicht die unseren." Er wendet sich gegen die sinnentstellende, verleumderische Montage des Interviews durch "Le Monde" und gegen die Angriffe auf die Person und die Begriffe des Alain Finkielkraut. (22)

Er erwähnt auch das Interview, das Sylvain Cypel und Sylvie Kauffmann am 26. November 2005 mit Alain Finkielkraut führen, geht aber im einzelnen nicht auf den bösartigen Teil davon ein, sondern interpretiert es mehr vermittelnd: "Er hielt das Bild, das sie von ihm gezeichnet haben, für unerträglich. Diese Präzisierung von Bedeutung konnte als Entschuldigung angesehen werden," meint er entgegen der Äußerung des Alain Finkielkraut, der wiederholt erklärt, er habe sich nicht entschuldigt, nirgends. (23)

Exkurs: "J´assume"

Mit diesem Interview wird aber nicht etwa die Infamie beendet, sondern sie wird auf eine neue Stufe erhoben. Scheinheilig fragen die Journalisten, warum sich Alain Finkielkraut in der Zusammenfassung nicht wiedererkenne. "Haaretz" habe dessen Äußerungen mit denen eines Mitglieds des Front National verglichen.

So beginnt "Le Monde" das Interview, von dem sich Alain Finkielkraut eine Richtigstellung versprochen haben mag. In einigen Punkten gelingt das auch, und er erklärt, daß er der politischen Korrektheit keinerlei Konzessionen machen werde. Das täten schon hinreichend die "Guignols de l´info", die Infokasperle des Fernsehsenders "Canal+", die Nicolas Sarkozy die Rolle des absoluten Feindes spielen ließen, für den alle Araber Diebe und die Schwarzen Abschaum seien. Das sei es, was die Jugendlichen in den Vorstädten sähen. Wie könnte es anders sein, ist die Lagardère-Gruppe auch an "Canal+" finanziell beteiligt.

Alle die im Interview wiederholten und neuen kleineren und größeren Gemeinheiten von "Le Monde" sind aber nichts gegen eine weitere große. Alain Finkielkraut sagt zum Schluß des Interviews: "Ich bin ein Unterstützer der französischen Nationalmannschaft. Ich verehre Zidane, den Spieler. Aber ich bin nicht verstanden worden. Ich denke nicht einen Augenblick, daß die Menschheit jemals geteilt war in Zivilisierte und Wilde. Den Punkt des Artikels bestreite ich vollständig. Den Rest, mit den Präzisierungen, die ich zu geben versucht habe, den nehme ich auf mich: "je l´assume". Deutsch würde man vielleicht sagen: den nehme ich auf meine Kappe.

Aus diesem letzten Wort "je l´assume" eines dreiseitigen Interviews zieht "Le Monde" die Überschrift, die keinesfalls den Inhalt des Interviews zusammenfaßt, und verfälscht selbst dieses winzige Zitat: "Alain Finkielkraut : ´J´assume´ ", wobei das apostrophierte "l" weggelassen wird: "je l´assume", und "Ich nehme auf mich" als Schuldeingeständnis übrig bleibt. (24)

Jeder, auch diejenigen, die nicht französisch können, haben schon gehört oder gelesen von dem berühmten Wort, aus dem Jahre 1898, des französischen Schriftstellers Emile Zola in der Dreyfus-Affäre: "J´accuse!" Ich klage an! Es handelt sich um den Fall des jüdischen aus dem Elsaß stammenden Offiziers Alfred Dreyfus, der 1894 des Landesverrats geziehen wird. Obgleich es ziemlich bald klar ist, daß ein anderer die Tat begangen hat, dessen Name obendrein bekannt ist, dauert es bis zum Jahre 1906, bevor Alfred Dreyfus nach zwölfjähriger Gefangenschaft und Verbannung rehabilitiert wird.

Das Projekt Gutenberg-De des "Spiegel" schreibt kurz und knapp, wobei es den Ausspruch in französisch zitiert: "1898 setzte er sich mit einem Brief für die Unschuld von Dreyfus ein (J´accuse) und wurde zu Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt, konnte jedoch nach England entfliehen. 1899 kehrte er nach einer Amnestie zurück. Zola starb am 29.9.1902 in Paris." (25)

Daraus machen Sylvain Cypel und Sylvie Kauffmann in ihrer grenzenlosen Hinterfotzigkeit: Ich nehme auf mich - also, was die Persönlichkeit, den Stolz und die Stellung des Alain Finkielkraut angeht, das Gegenteil dessen, für das Emile Zola mit seinem "J´accuse!" steht. "J´assume". Endlich nimmt der Jude etwas auf sich, bezichtigt sich selbst!

Le Nouvel Observateur, Fortsetzung

Davon schreibt der ansonsten wirklich positiv zu erwähnende Jean Daniel nichts. Seine Kollegen beteiligen sich mit Breitseiten und vielen Fouls an der Schlammschlacht gegen Alain Finkielkraut. Man sollte meinen, sie stünden auch an für eine Kapitalspritze aus dem Hause Lagardère - wenn sie sie nicht bereits erhalten haben.

Redaktionsdirektor Laurent Joffrin setzt, am 29. November 2005, nochmal nach, und ein Blogger veröffentlicht ihn mit den Worten: "Welche Erleichterung, diesen Beitrag des Laurent Joffrin nach den Entgleisungen des Alain Finkielkraut zu lesen! Kurz, ein Text, den man nicht auslassen sollte!"

"Les néoréacs - jenseits der Affäre Finkielkraut", Néoréacs wortähnlich den "Neo-cons" der USA, die man aber in französisch so nicht bezeichnen kann, weil "con" Vollidiot, Blödmann, dumme Nuß heißt. Er spricht von Haß, erklärt Teile der Äußerungen des Philosophen zur Häresie, es sei kein intellektueller Mut, den Aufruhr ethnisch zu erklären, das täte die Mehrheit der Franzosen, ein Tabu werde damit nicht gebrochen. Dann diskreditiert er die Persönlichkeit des Philosophen und macht ihn lächerlich als "miesepetrig, quengelig und unwiderlegbar". Anschließend berichtet er seinen Lesern von den vier Charakteristika der "Néoréacs":

  • Für sie sind wir im Krieg, ein Krieg, der am 11. September 2001 erklärt wurde,
  • in diesem Krieg gibt es eine fünfte Kolonne. Eine gewisse extreme Linke verbindet sich mit dem Islamismus und wird Träger einer neuen Judäophobie,
  • es gibt schließlich in diesem Kampf "nützliche Idioten", selbstverständlich Menschen der Linken, die sich weigern, das Übel zu sehen, den Haß wahrzunehmen, zuzugeben, daß ein "dritter Totalitarismus" zurückkehre,
  • diese "nützlichen Idioten" sind nur der Ausdruck eines größeren Syndroms: des Endes des Fortschritts und der Auflösung der Werte - republikanischer, westlicher, jüdisch-christlicher.

"Die Néoréacs sind weniger Intellektuelle als Kämpfer, weniger Analysten als Propagandisten", womit Laurent Joffrin, auch er ex cathedra, seinen Stab über Alain Finkielkraut und seinesgleichen bricht. Ich stelle zu meinem Erstaunen fest, daß dann auch ich ein "Néoréac" bin. Was wird aus meinen Ansichten, die ich in den drei Think Tank-Artikeln und in manchem anderen über die Politik der USA, über die Carlyle Group, über den Irakkrieg veröffentlicht habe? Kann ich sie aufrecht erhalten? Zu den genannten vier Charakteristika jedenfalls stehe ich Punkt für Punkt. Die Tatsachen sprechen leider für ihre Richtigkeit. (26)

Es gäbe noch viel zu erwähnen: das Interview, das Alain Finkielkraut dem Chef des Fernsehsenders Europe 1 Jean-Pierre Elkabach gibt, und das der "Nouvel Observateur" wörtlich abdruckt. Man kann es auf der Site der israelischen Metula News Agency auch anklicken, um es anzuhören. Der Artikel heißt: "Es ist Finkielkraut, den man mordet". (27)

Es reicht aber im Grunde, den Text zu lesen. Wo? Im "Nouvel Observateur". Der Interviewer beleidigt ihn in den ersten zwei Sätzen, noch bevor er ihn überhaupt begrüßt hat. Gleichzeitig drückt er ungewollt in diesen zwei Sätzen das ganze Elend der gleichförmig schreitenden, schreibenden und schreienden französischen Medien aus:

"Wenn eine Gesellschaft in der Krise ist, dann erwartet man von einem Intellektuellen, besonders von einem, der so bekannt und einflußreich ist wie Sie, Alain Finkielkraut, daß er Größe zeigt und die Gemüter beruhigt. Stattdessen werden ihre letzten Erklärungen in ausländischen Zeitungen mindestens als unannehmbar verurteilt, und das alles macht heute Skandal und wird weiter Skandal machen. Alain Finkielkraut, guten Tag."

Jean-Pierre Elkabach fällt dem Philosophen im folgenden sehr arrogant ständig ins Wort, und vor allem will er ihn festnageln darauf, sich für das Interview in "Haaretz" zu entschuldigen. Das tut Alain Finkielkraut aber nicht, und wenn die Journalisten Frankreichs das hundertmal hineinlesen sollten. (28)

Die Entschuldigung wird aber von den fran zösischen Medien dringend benötigt. Das hat zwei Gründe, einmal, den Philosophen zu kompromittieren, zu dikreditieren und ihn in der Öffentlichkeit damit unglaubwürdig zu machen und zu erledigen. Ein zweiter Grund aber ist der, daß diese Entschuldigung das jahrelange Fehlverhalten der französischen Medien und ihrer Journalisten rechtfertigen würde: wer bekannt und einflußreich ist, der hat Größe zu zeigen und die Gemüter zu beruhigen. Das ist es, was die französischen Journalisten mehrheitlich betreiben, wenn sie ihr Publikum auch nicht beruhigen, sondern es einschläfern, und das auch nicht aus Größe, sondern aus Nachlässigkeit, Faulheit, Kleingeisterei und vor allem aus Abhängigkeit von ihrem Arbeitgeber und dessen Kapitaleigner. Der 67-jährige und entsprechend abgeklärte Jean-Pierre Elkabach ist Präsident und Generaldirektor (PDG) des Senders der französischen Nationalversammlung und des Senats Public Sénat (LCP), "des Fernsehens, das die Politik lieben macht". Ich kann das bestätigen. Auf dem Höhepunkt des Aufruhrs in den Vorstädten Frankreichs wird von LCP mehrfach der Film über das tragische Ende im Selbstmord des britischen Irakkriegsgegners und Waffenexperten David Kelly ausgestrahlt, dem Opfer des Tony Blair, alternierend mit einer Sendung, in der ausführlich gezeigt wird, wie mit viel Liebe Stilmöbel für eine Sitzung der französischen Minister in einem Saal dekoriert werden. Dabei lernt man Politik lieben! (29)

Dieser Jean-Pierre Elkabach wird am 8. April 2005 zusätzlich zum Präsidenten von "Europe 1" eingesetzt. (30)

Von wem? Von Arnaud Lagardère, Chairman and Chief Executive Officer, Lagardère Media, Chairman of the Board of Directors, EADS. Der hat große Pläne für die nächsten Jahre, zunächst will er EADS verkaufen, an dem auch der französische Staat einen Anteil von 15 Prozent hält, dann aber ist nicht mehr die Rede davon, sondern Rüstung, Hochtechnologie und Medien gemeinsam sollen dazu führen, daß Hachette Filipacchi Médias in dreißig Jahren der weltweit größte Medienkonzern ist. Dies sagt der Erbe des Jean-Luc Lagardère gegenüber der Zeitschrift "L´Expansion" seines Konkurrenten Serge Dassault, im März 2004. (31)

Es wäre noch vieles über die Zeitschrift zu sagen, daß sie den Wissenschaftler Michel Wieviorka mit einem kritischen Bericht über Alain Finkielkraut veröffentlicht. Bei ihm handelt es sich um einen Unterstützer des Edgar Morin und seines antisemitischen Artikels "Israël-Palestine : Le cancer", Israel-Palästina: das Krebsgeschwür. Er unterschreibt die Unterstützerliste und läßt sich erst wieder streichen, als er mitbekommt, daß der Rechtsextreme Alain de Benoist ebenfalls unterzeichnet. Von der Unterzeichnerin und Freundin des Holocaustleugners Roger Garaudy Maria Poumier erwähnt er bei seinem Rückzug nichts. (32)

Auch der "Nouvel Observateur" bedient sich der Sprache des Passivs, auch dort ist der PIJ eine "radikale Gruppe", oder die Selbstmordattentäter haben sich gar in japanische "Kamikaze" verwandelt. Man stellt fest, wenn man durch die verschiedenen Medien surft, daß sie allesamt bei der sehr palästinenserfreundlichen Agence France Presse (AFP) abschreiben.

Eine Auswahl weiterer Heckenschützen

Es mischen sich noch weitere Medien in die Kampagne gegen Alain Finkielkraut ein, so der Chef der Zeitschrift "Marianne" Jean-François Kahn. Seine Zeitschrift erhält vor einigen Jahren eine kräftige Kapitalaufstockung von Jean-Luc Lagardère. Der bestimmt als neue Generaldirektorin Françoise Sampermans, ehemalige nationale Sekretärin und Direktoriumsmitglied des Centre National des Indépendants (CNI), einer zwischen RPR und FN angesiedelten rechtsextremen Partei. Die Journalisten der Zeitschrift "Les enquêtes interdites", Die verbotenen Untersuchungen, sorgen sich denn auch der neuen Art des "Kundenfanges" wegen, den die "Marianne" betreibe. Mit Scheinenthüllungen, präsentiert in einem der extremen Rechten würdigen Jargon, denunziere sie Personen, ohne sich über die Richtigkeit ihrer Äußerungen vorher informiert zu haben. (33)

Diese Tradition scheint Jean-François Kahn jetzt fortzuführen.

Der Freund des Salafisten Tariq Ramadan Mouloud Aounit, Generalsekretär des Mouvement contre le racisme et pour l´amitié entre les peuples (MRAP), ein von Jacques Chirac mit dem Orden der Ehrenlegion dekorierter Aktivist gegen den Rassismus, mischt sich ebenfalls ein. Er klagt umgehend gegen die angeblich rassistischen Äußerungen des Philosophen, zieht seine Klage dann aber ebenso schnell wieder zurück, weil sich der entschuldigt habe. Das stimmt erstens nicht, und zweitens wird er die Klage zurückgezogen haben, weil sie keinerlei Aussicht auf Erfolg haben dürfte. (8)

Vom Eintreten Mouloud Aounits gegen den Antisemitismus hört man nur dann, wenn er damit den Rechten schaden kann, der Präsidentengattin Bernadette Chirac beispielsweise, im Falle der Beleidigung der Sängerin Shirel, Anfang Februar 2004. (34)

Ansonsten tritt er gemeinsam auf mit dem Prediger der den Muslimbrüdern nahestehenden Union des Organisations Islamiques de France (UOIF) Hassan Iquioussen, der sich wiederholt antisemitisch äußert und in Konferenzen behauptet, daß Juden und Nazis in den 40er Jahren Komplizen gewesen seien, um die Gründung des Staates Israel zu rechtfertigen. Er tritt auf mit Islamisten und ihren Freunden, mit Tariq Ramadan, Hani Ramadan und Vincent Geisser. (35)

Auch der Komiker Dieudonné klagt inzwischen gegen Alain Finkielkraut, weil der ihn zum "Patron der Antisemiten" in Frankreich gekürt hat. Im angegebenen Link ist ein langer Brief des Klägers an den Beklagten. Bei Les Ogres, auf der Web Site des Dieudonné, sind viele Artikel zitiert und Stellen gefettet, die der Komiker für wichtig hält. (36)

Das alles ist keine "Affäre Finkielkraut", das ist eine Affäre Frankreich.

9. Dezember 2005

Quellen

(1) Dossier Enderlin - France 2
http://www.m-r.fr/autresenderlin.php?PHPSESSID=e548383df676a c29d857d70e027411b1

(2) Solidarity with Murad and Munir, by Dror Mishani, Haaretz, November 7, 2005
http://www.haaretz.com/hasen/objects/pages/PrintArticleEn.jh tml?itemNo=642206

(3) Audrey, Nicolas et la Martinique, par Dominique Dhombres, Le Monde, 8 décembre 2005
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3232,36-718944,0.h tml

(4) Karcher, par Jean-Marcel Bouguereau, NouvelObs.com, 8 décembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20051208.OBS8077.html

Willkommen bei Kärcher
http://www.karcher.de/de/Willkommen.htm

(5) La France vend 150 Airbus à la Chine. Nouvelle frontière, par Jean-Marcel Bouguereau, NouvelObs.com, 8 décembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20051206.OBS7769.htm l

(6) L´Affaire Finkielkraut. "Finkielkraut n´est pas raciste, mais...", par Laurent Joffrin, Nouvel Observateur, 25 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/politique/20051125.OBS6624.ht ml

(7) Critique des (nouveaux) intellectuels communautaires, par Tariq Ramadan, 3 octobre 2003
http://oumma.com/article.php3?id_article=719

(8) Sarkozy backs Finkielkraut over Muslim riot comments. By Daniel Ben Simon, Haaretz, December 6, 2005
http://www.haaretz.com/hasen/spages/654370.html

(9) Prof. Dr. Tariq Ramadan - 12 Jahre im Dienste des europäischen Islamismus, 19. November 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-11-19_05-29-16.html

Dr Tariq Ramadan. Visiting Fellow at St Antony´s College. St Anthony´s College, Oxford
http://www.sant.ox.ac.uk/mec/middleeastlectures.shtml#tariq

(10) Ramadan trouve Finkielkraut "sincère", Nouvel Observateur, 28 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20051128.OBS6822.html

(11) Des vérités qui peu à peu se révèlent, par Tariq Ramadan, Oumma.com, 30 novembre 2005
http://www.oumma.com/article.php3?id_article=1805

(12) Décryptage d´un déni multiforme Isabelle Avran, Pour la Palestine n°46, 26 août 2005
http://www.france-palestine.org/article2118.html

(13) Lagardère. Le Groupe
http://www.lagardere.fr/groupe/index.shtml

Hachette Filipacchi Médias (HFM) - Lagardère
http://www.esj-lille.fr/article.php3?id_article=167

(14) Statt einer Rezension: "Le Monde" - das entblößte Gesicht der Pariser Abendzeitung. Ein Artikel vom 4. März 2003
http://www.eussner.net/artikel_2005-12-06_17-25-09.html

(15) "Le Monde", nouvelle formule, France2.fr, 3 novembre 2005
http://info.france2.fr/medias/15381525-fr.php

(16) "Le Monde" donne le coup d´envoi à son plan de recapitalisation. Les Echos, 1 décembre 2005
http://www.lesechos.fr/info/rew_france/200067118.htm

Les rédacteurs du Monde disent "oui" à Lagardère, NouvelObs.com, 9 mars 2005
http://archquo.nouvelobs.com/cgi/articles?ad=culture/2005030 9.OBS0758.html&datebase=20050309

(17) Lagardère. Boursorama.com
http://www.boursorama.com/profil/profil.phtml?symbole=1rPMMB

Groupe Lagardere. Base de données de l´OFM (chiffres à août 2005). Observatoire français des médias . Mise à jour : 2 décembre 2005
http://www.observatoire-medias.info/article.php3?id_article= 521

(18) Grupo PRISA. El País Internacional
http://www.elpaisinternacional.com/?idmenu=132

(19) PSOE-linked foundation hosts radical Islamist banned from US, France. Spain Herald, October 24, 2005
http://www.spainherald.com/1808.html

Fundación Atman
http://www.fundacionatman.org/index.php?i=es
http://www.fundacionatman.org/index.php?s=&i=en

Prof. Dr. Tariq Ramadan - 12 Jahre im Dienste des europäischen Islamismus. Letzter Abschnitt "Tariq Ramadan vermittelt den Islam überall in Europa". 19. und 29. November 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-11-19_05-29-16.html

(20) J´ai 2 problèmes, les terroristes et la presse de France (info # 010612/5), Par Sami El Soudi et Ilan Tsadik, Metula News Agency, 6 décembre 2005
http://www.menapress.com/article.php?sid=1248

Tali Fahima, une Israélienne trop curieuse, par Stéphanie Le Bars, Horizons. Le Monde, 23 septembre 2005
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3230,36-692170,0.h tml

Über Zakharia Zubeidi: Arafats Vollstrecker, von Bruno Schirra, Cicero, September 2004
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=1&item=204

(21) Le Nouvel Observateur. Observatoire français des Médias
http://www.observatoire-medias.info/article.php3?id_article= 347

(22) La voix "très déviante" d´Alain Finkielkraut au quotidien "Haaretz". Par Sylvain Cypel. Taille de l´article : 560 mots. Le Monde, 24 Novembre 2005
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3226,36-713295,0.h tml

(23) Appeler un chat un chat, par Jean Daniel, cofondateur et directeur du Nouvel Observateur . Nouvel Observateur, 29 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20051129.OBS6961.html

(24) Alain Finkielkraut : "J´assume", Propos recueillis par Sylvain Cypel et Sylvie Kauffmann, Le Monde, 26 novembre 2005
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0,36-714528,0.html

(25) Emile Zola. Projekt Gutenberg-De. Spiegel Online
http://gutenberg.spiegel.de/autoren/zola.htm

(26) Les néoréacs -par laurent joffrin. Au-delà de « l´affaire Finkielkraut ». Quel soulagement de lire cette tribune de Laurent Joffrin après les dérapages d´Alain Finkielkraut ! Bref, un texte à ne pas manquer ! dans le NouvelObs du 29/11/05
http://www.re-so.net/article.php3?id_article=1868

(27) C´est Finkielkraut qu´on assassine (info # 012611/5). Par Viviane Miles, Metula News Agency, Saturday 26 November 2005
http://www.menapress.com/article.php?sid=1241

(28) Verbatim de l´émission. Voici le texte intégral de l´entretien avec Alain Finkielkraut réalisé vendredi 25 novembre par Jean-Pierre Elkabach sur Europe-1. NOUVELOBS.COM 25 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20051125.OBS6590.html

(29) Public Sénat. La Télévision qui fait aimer la politique
http://www.publicsenat.fr/accueil/

(30) Elkabach prend la tête d´Europe 1. L´Expansion, 8 avril 2005
http://www.lexpansion.com/html/A130244.html

(31) Arnaud Lagardère, les dilemmes d´un héritier. Par Géraldine Meignan, L´Expansion, 26 mai 2004
http://www.lexpansion.com/html/A75983.html

Lagardère. Corporate Managers
http://www.lagardere.com/us/groupe/corporate_dirigeants.shtm l

(32) "Un ´républicano-communautariste´ qui pète les plombs", par Michel Wieviorka, Nouvel Observateur, 25 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/societe/20051125.OBS6562.html

(33) Le racolage de Marianne, Par Didier Daeninckx. Amnistia.net, 6 mars 2001 (nur für Abonnenten)
http://www.amnistia.net

Zitiert im Bereich der Anmerkung 22 in: Sttatt einer Rezension: "Le Monde" - das entblößte Gesicht der Pariser Abendzeitung. Ein Artikel vom 4. März 2003
http://www.eussner.net/artikel_2005-12-06_17-25-09.html

(34) Beleidigungen gegen die Sängerin Shirel - Fünf Minderjährige verhaftet, 25. April 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-04-25_00-57-47.html

(35) Les snipers de l´antiracisme communautariste
http://www.primo-europe.org/selection.php?numdoc=Tr-53792488 2

Union des Jeunes Musulmans
http://ujm.fr/audio.php

(36) Dieudonné porte plainte contre Finkielkraut
http://www.primo-europe.org/selection.php?numdoc=Ed-22203012 9

Le Monde censure la folie de Finkielkraut, haine et négationnisme pas pour les moutons, Les Ogres, 23 novembre 2005
http://lesogres.org/article.php3?id_article=1062


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