
Was Alain Finkielkraut sagt, und wie "Le Monde" es verfälscht ...
Französische Intellektuelle und Journalisten sind der Sprache nicht mächtig, oder sie verdrehen bewußt die Worte derjenigen, die sie als ihre Gegner ansehen. Das ist einmal mehr an dem Beispiel des Interviews zu sehen, das Alain Finkielkraut der israelischen Zeitung Haaretz am 18. November 2005 gibt. Nicht genug damit, daß sich der Interviewer Dror Mishani bemüht, den Sinn der Worte des Alain Finkielkraut durch lange einstimmende Kommentare zu entstellen und zu verfälschen, sondern die Fälschungen gehen ständig weiter. Einige Beispiele finden sich in meinen vorangegangenen Artikeln zum Thema.
Die Zeitung "le Monde" hält zum Verstümmeln, Verfälschen und Verdrehen der Worte des Alain Finkielkraut nicht nur den Chefredakteur Sylvain Cypel bereit, sondern es beteiligen sich weitere Mitarbeiter des Blattes, Sylvie Kaufmann und letztens Jean-Baptiste de Montvalon. Er schreibt:
"... der von Alain Finkielkraut hervorgerufene Streit - er versicherte am 18. November 2005 gegenüber der Zeitung Haaretz, daß die Krise der Vorstädte eine "ethno-religiöse Revolte" war, waren zusätzliche Symptome der Störungen, die eine an Integration mangelnde und den Diskriminierungen verfallene Gesellschaft kennt. ..."
Das aber hat der Philosoph in dem Interview nicht gesagt, er sagt nicht, daß die Unruhen eine "ethno-religiöse Revolte" sind, sondern er sagt:
"In Frankreich verbucht man diese Unruhen nur unter ihrem sozialen Aspekt und begreift sie als ein Aufbegehren der Jugendlichen aus den Vorstädten gegen ihre Lage, gegen die Diskriminierung, gegen die Arbeitslosigkeit. Das Problem aber ist, daß die meisten dieser Jugendlichen moslemische Schwarze und Araber sind. Sehen Sie, in Frankreich gibt es auch noch andere Einwanderer, deren Lage schwierig ist - Chinesen, Vietnamesen, Portugiesen -, aber die nehmen an den Ausschreitungen nicht teil. Deshalb besitzt diese Revolte einen klaren ethnisch-religiösen Charakter."
Er ist der Ansicht, daß die Unruhen nicht nur einen sozialen Aspekt (dimension sociale) haben, sondern auch einen ethno-religiösen Charakter (une révolte à caractère ethnico-religieux). Er begründet dies, und man kann es in den unten genannten französischen, englischen und deutschen Zitaten nachlesen. Entweder Jean-Baptiste de Montvalon verfälscht das Zitat bösartig, oder er ist der französischen Sprache nicht mächtig. Das kann man sich nun aussuchen.
Wenn jemand beziehungsweise etwas einen so oder so gearteten Charakter aufweist, ist es nicht dasselbe, wie wenn etwas so oder so ist. Da könnte der nächste Psychologe aus dem Freundeskreis nachhelfen, den Unterschied zu erklären. Seit wann ist etwas gleich seinem Charakter?
Der Redakteur der Zeitung "Le Monde" reduziert die Aussage des Alain Finkielkraut, er nimmt sie aus dem Zusammenhang: "In Frankreich verbucht man diese Unruhen nur unter ihrem sozialen Aspekt ..." Das tun nämlich fast sämtliche französischen Journalisten. Sie unterschlagen den ethnisch-religiösen Charakter der Unruhen, oder sie sehen ihn nicht. In beiden Fällen tun sie ihre Arbeit nicht, sie berichten nicht umfassend. Was sie aber umfassend können, das ist, eine Schmutz- und Lügenkampagne über Alain Finkielkraut ausbreiten, von "Le Monde" über den "Nouvel Observateur" bis zu so dubiosen Gruppen wie "Bellaciao" oder die UJFP. Wer´s nicht glaubt, der lese in den Links nach, die unter meinen Alain Finkielkraut-Artikeln aufzurufen sind. Vielleicht funktioniert auch noch das eine oder andere Video, beispielsweise das, in dem der Salafist Tariq Ramadan, am 13. November 2005, auf France 5, die Anwendung von Gewalt für legitim und die Krawalle zur legitimen Revolte erklärt. Alain Finkielkraut geht nicht einmal so weit, Predigern wie Tariq Ramadan solches zu unterstellen - der Enkel des Muslimbruders Hassan al-Banna erklärt es in aller Öffentlichkeit, in Anwesenheit des Moderators Serge Moati - und den anderen Diskussionsteilnehmern entringt das nichts als ein müdes Murmeln ...
26. Dezember 2005
Quellen
... la controverse suscitée par le philosophe Alain Finkielkraut, qui a assuré, le 18 novembre, au journal israélien Haaretz, que la crise des banlieues était une "révolte ethnico-religieuse", ont été des symptômes supplémentaires du trouble que connaît une société en panne d´intégration et en proie aux discriminations. ...
Nicolas Sarkozy s´engage dans la querelle des mémoires, par Jean-Baptiste de Montvalon, Le Monde, dimanche, 25 - lundi 26 décembre 2005, page 1
Finkielkraut: "In France, they would like very much to reduce these riots to their social dimension, to see them as a revolt of youths from the suburbs against their situation, against the discrimination they suffer from, against the unemployment. The problem is that most of these youths are blacks or Arabs, with a Muslim identity. Look, in France there are also other immigrants whose situation is difficult - Chinese, Vietnamese, Portuguese - and they´re not taking part in the riots. Therefore, it is clear that this is a revolt with an ethno-religious character.
What sort of Frenchmen are they? By Dror Mishani and Aurelia Smotriez. www.haaretz.com, 17/11/2005 - Bellaciao, November 25, 2005
http://bellaciao.org/en/article.php3?id_article=9314
Alain Finkielkraut. En France, on voudrait bien réduire ces émeutes à leur dimension sociale, les considérer comme une révolte de jeunes des banlieues contre leur situation, la discrimination dont ils sont l´objet, le chômage. Le problème est que la plupart de ces jeunes sont noirs ou Arabes et ont une identité musulmane. Vous savez, il y a aussi, en France, d´autres immigrants en situation difficile - Chinois, Vietnamiens, Portugais -, et ils ne participent pas aux émeutes. Il est donc clair qu´il s´agit d´une révolte à caractère ethnico-religieux.
Quel genre de Français est-ce là ? Interview d´A. Finkielkraut par Haaretz. Traduction de Menahem Macina, 23 novembre 2005 (Vollständige Übersetzung aus dem Englischen)
http://www.upjf.org/actualitees-upjf/article-10553-145-7-gen re-francais-est-interviec-finkielkraut-haaretz.html
Ein Pogrom gegen die Republik. Der Philosoph Alain Finkielkraut über die gewalttätigen Krawalle in Frankreichs Vorstädten. Von Dror Mishani und Aurelia Smotriez. Übersetzung aus dem Englischen von Jacob Gerson. Die Welt, 10. Dezember 2005
http://www.welt.de/data/2005/12/10/814875.html?s=1
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