
Walter Benjamin und die Passage ins Nichts ...
"Walter Benjamin (1892 - 1940) ist einer jener großen Denker, die erkannt haben, daß das Vertrauen auf das kulturelle Erbe allein nicht genügt, um es vor der Barbarei zu bewahren, und daß, so widersprüchlich es auch klingen mag, allein jener naive, einst aus der Aufklärung hervorgegangene Optimismus in der Lage ist, seinen Fortbestand zu sichern."
Unter diesem Motto wird Walter Benjamin 1999 in Düsseldorf vorgestellt als ein deutscher Jude, der sich schon früh mit seinem kulturellen Erbe, dem Judentum, auseinandersetzt, und der es schon seiner jüdischen Herkunft wegen als seine Aufgabe betrachtet, die Entwicklung der jüdischen Kultur voranzutreiben.
1933 wird er ins Exil gezwungen. Er geht nach Frankreich und versucht, als die Nazis Frankreich besetzen, mit Hilfe der deutschen bewährten Fluchthelferin Lisa Fittko vom Réseau Varian Fry (1), am 25. September 1940, bei Banyuls über die Pyrenäen nach Spanien zu fliehen. Spanische Grenzbeamte greifen ihn auf und drohen, ihn nach Frankreich zurückzuschicken. Aus Furcht vor der Deportation nimmt er sich am folgenden Tag in Port Bou das Leben. (2)
Dort liegt er auf dem Friedhof, hoch über dem Meer, begraben, wo genau, ist nicht bekannt.
1994 errichtet der israelische Architekt Dani Karavan ihm zu Ehren ein Denkmal, die "Passage ins Nichts" und in Port Bou gibt es ein Walter Benjamin Haus, im alten Rathaus. (3)
Das Denkmal steht unter dem Motto, einem Satz aus Walter Benjamins Geschichtsphilosophischen Thesen: "Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten. Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht." (4)
Von der deutschen Regierung gibt es kaum Unterstützung für die Instandhaltung des Denkmals in Port Bou. Die endlich aus dem Verkehr gezogene Grünenpolitikerin und Befürworterin des islamistischen Kopftuches Marieluise Beck (5) aber wacht darüber, daß politisch Unkorrektes aus der Feder des jüdischen Schriftstellers nicht die deutschen Kinder verderbe. So gedenkt jeder des großen deutschen, von den Nazis vertriebenen und in den Selbstmord getriebenen jüdischen Schriftstellers so gut er kann. (6)
29. April 2004 - ergänzt am 2. Januar 2006
Anmerkungen
(1) Varian Fry. The forgotten hero who displayed extraordinary courage. . .
http://www.almondseed.com/vfry/
Fittko, Lisa. Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41. Hanser Verlag 1985. Lisa Fittko, portrait d´une résistante
http://www.lussasdoc.com/etatsgeneraux/2000/fiche_film.php4? id=44
(2) Bibliothèque départementale du Val d´Oise - Revue Légendes. Stadtbücherei Düsseldorf: Literarische Wegbereiter Europas. Digitale Version der Ausstellung. Walter Benjamin: Das Passagenwerk, S. 17f.
http://www.duesseldorf.de/kultur/buecherei/virtbib/europa.pd f
(3) Walter Benjamin, marxiste mystique, par Edouard Waintrop. Libération, 29.9. 2000 . Zitiert in: France-Mail-Forum 20 (Oktober 2000)
http://www.france-mail-forum.de/cul020.htm
Walter Benjamin Bibliography, Compiled by Scott J. Thompson
http://www.wbenjamin.org/wbrs-biblio.html
Internationale Walter Benjamin Gesellschaft
http://www.walter-benjamin.org/
(4) Dani Karavan. "Passagen" Hommage an Walter Benjamin. Frank Mihm: Aufnahmen vom Gedenkort für Walter Benjamin in Port Bou, Spanien. Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute
http://www.mihm-fotografie.de/karavan/
(5) "Becklash" - Offener Brief mit Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner an die Integrationsbeauftragte Frau Marieluise Beck, die Frauenministerin Frau Renate Schmidt und die Justizministerin Frau Brigitte Zypries, 17. Dezember 2003
http://www.isioma.net/sds06203.html
(6) Gutachten. Praktikantin contra Benjamin, von Henryk M. Broder. Der Spiegel 18/2004, vom 26. April 2004 (für 0,50 Euro abrufbar)
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,297017,00.html
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