
Beunruhigender Anstieg des Antisemitismus in Venezuela
Unter der Führung des aufwieglerischen Präsidenten Hugo Chávez, erlebt Venezuela einen beunruhigenden Anstieg des Antisemitismus, der größtenteils durch die Rhetorik des Präsidenten und der Regierungsinstitutionen hervorgerufen wird. Statements des Präsidenten, Artikel in den regierungseigenen Medien sowie Äußerungen von Akademikern und Regierungsvertretern zur regionalen und internationalen Profilierung des Landes fördern antisemitische und anti-israelische Haltungen. Häufige anti-israelische Statements, offene Unterstützung für Terrorgruppen wie die Hamas und die Hezbollah und Einverständnis mit radikalen islamischen Führern wie dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad greifen auf die Gesellschaft über, was sich in anti-israelischen Demonstrationen, antijüdischen Graffiti und anderen antisemitischen Ausschreitungen äußert.
- Am 29. Juli 2006 sagt Hugo Chávez in Katar während der Reise nach Teheran vor Journalisten: "Das, was Israel im Libanon macht, gleicht den Taten Hitlers, der Tod und Zerstörung in der Welt gesät hat".
- Dem Fernsehsender Al-Jazeera sagt er: "Israel verübt an den Libanesen die selben Handlungen, wie sie Hitler an den Juden verübt hat – die Ermordung von Kindern und Hunderten unschuldigen Zivilisten."
- Die USA macht er direkt für die Militäroffensive Israels verantwortlich; er beschuldigt sie, den israelischen Militäreinsatz geplant zu haben.
- In Teheran äußert er sich positiv über das iranische Atomprogramm.
- Er versichert dem iranischen Präsidenten seine Solidarität im gemeinsamen Kampf gegen den US-"Imperialismus". (1)
Ein neuer Bericht der Anti-Defamation League (ADL) belegt diese beunruhigende Mischung aus Antisemitismus und Unterstützung des radikalen Islams, die mit Anti-Imperialismus und Anti-Amerikanismus die Visitenkarte des Chávez-Regimes geworden sind.
In Venezuela leben etwa 25 000 Juden. (2)
Venezuelas Juden verteidigen den Präsidenten Hugo Chávez (Stand: 14. Januar 2006)
Die Leitung der Konföderation der jüdischen Vereinigungen Venezuelas, der Confederación de Asociaciones Israelitas de Venezuela (CAIV), und mehrere amerikanische jüdische Gruppen beschuldigen das Simon Wiesenthal Center des vorschnellen Urteils, in dem es den linken Präsidenten Hugo Chávez bezichtigt, am 24. Dezember 2005 antisemitische Äußerungen getan zu haben. (3)
Venezuelas Juden verteidigen den Präsidenten: "Wir glauben, daß der Präsident nicht von Juden gesprochen hat, und daß die jüdische Welt zusammenarbeiten muß", sagt Freddy Pressner, der Präsident der Konföderation der jüdischen Vereinigungen Venezuelas. (4)
"Sie haben sich in den politischen Status, in die Sicherheit und in das Wohlergehen unserer Gemeinde eingemischt", sagen sie dem Simon Wiesenthal Center in einem Brief, den sie in Kopie auch an die Leitung des World Jewish Congress, das American Jewish Committee und andere jüdische Gruppierungen schicken. Das Simon Wiesenthal Center hatte an Hugo Chávez geschrieben, er möge sich für seine Äußerungen in der Weihnachtsansprache entschuldigen. Das American Jewish Committee und der American Jewish Congress unterstützen die Ansicht der jüdischen Gemeinde Venezuelas, daß Chávez´ Äußerungen nicht gegen Juden zielten, sondern gegen die weiße Oligarchie, die seit der Kolonialzeit die Region dominiere. Den Hinweis auf Simón BolÃvar sehen sie dabei als das sicherste Zeichen an. Ein Gemeindevertreter meint, daß die sogenannte Befreiungstheologie Lateinamerikas Jesus lange Zeit als Sozialist dargestellt habe und konsequenterweise von nichtjüdischen Geschäftseliten als "Christusmördern" spreche.
Hohe Beamte der venezolanischen Regierung treffen sich mit Mitarbeitern der israelischen Botschaft in Caracas und bekräftigen, die Äußerungen des Präsidenten hätten keine antisemitische Bedeutung.
Freddy Pressner erklärt, die venezolanische jüdische Konföderation gebe der Regierung nicht nach. Er zitiert mehrere Proteste der Konföderation gegen antisemitische Äußerungen der letzten Monate in Rundfunk und Fernsehen: "Wir haben keine Angst, aber wir müssen fair bleiben," sagt er. Einige nicht namentlich genannte Sprecher warnen, den Präsidenten ohne ersichtlichen Grund als antisemitisch hinzustellen, könne zu einer sich selbst bewahrheitenden Vorraussage werden, in dem eine Gegenreaktion provoziert würde. Man solle dort keine "Fahne des Antisemitismus hissen", wohin sie nicht gehöre, sagt David Twersky, vom American Jewish Congress. (5)
David Twersky ist der Gründer und Herausgeber, 1982 bis 1986, der Zeitung der israelischen Arbeiterpartei "Spectrum": sie wurde unter die Parteien der Sozialistischen Internationale verteilt. Weitere Etappen seines Berufslebens sind: Bürochef des "Forward", ab 1990, und von 1993 bis 2002 Herausgeber der "New Jersey Jewish News". Es ist nicht von ungefähr, daß gerade die Linken die Gefahren nicht sehen oder sie kleinreden. (6)
Vielleicht befürchtet David Twersky aber auch, daß die jahrelange Beratung des Hugo Chávez durch Norberto Ceresole, den Schüler des Holocaustleugners Robert Faurisson, Wirkung zeigen könnte. Der Argentinier Norberto Ceresole wird 1995 durch venezolanische Behörden des Landes verwiesen, kommt aber mit Amtsantritt des Hugo Chávez als dessen Berater wieder nach Venezuela zurück. Die CAIV wendet sich 1999 gegen Norberto Ceresoles antisemitische Ausfälle. Das ist im Caché von www.google.es bei AAARGH der inzwischen verbotenen Vrij Historisch Onderzoek (VHO) nachzulesen, wenn man Ceresole CAIV eingibt.
Die CAIV erklärt nicht, wieso der Präsident ausführlich den Anhänger des Duce Giovanni Papini zitiert, der die Vision einer jüdischen Weltverschwörung hat: "Der Menschensohn, der verschlungen werden mußte von den Bestien, die sich Menschen nannten, die aber nicht sehr wie Menschen handelten."
Warum spricht er von Minderheiten, den Nachkommen derselben, die Christus kreuzigten: "unos minorÃas". Das gibt im Zusammenhang mit der weißen Oligarchie, die angeblich gemeint sein soll, gar keinen Sinn, mit Juden als Minderheiten aber sehr wohl. Über die ideologische Zugehörigkeit des Hugo Chávez kann man ebenfalls informiert werden, wenn man bei www.google.de Chavez Ahmadinejad eingibt. 2004 ist er zu Gast beim Teheraner Bürgermeister, mit dem er sich bestens versteht. "Ahmadinejad quiere sumarse al eje Castro-Chavez-Morales", Ahmadinejad möchte sich der Achse Castro-Chávez-Morales anschließen, schreibt La Prensa Argentina, am 5. Januar 2006. Mahmud Ahmadinejad telefoniert am Mittwoch, den 4. Januar, diesbezüglich mit den Gegnern der USA Fidel Castro, Hugo Chávez und Evo Morales. Zu der Zeit sind die Vernichtungsabsichten des iranischen Präsidenten gegen die Juden und Israel weltweit bekannt. (7) Er wiederholt sie am selben Tag noch einmal ausdrücklich, bezeichnet die Israelis als Verbrecher und den Holocaust als Lüge. Hugo Chávez aber bleibt davon unbeeindruckt und lädt den iranischen Präsidenten für die erste Hälfte des Jahres 2006 nach Venezuela ein. (8)
Man kann davon ausgehen, daß die Juden Venezuelas den Antisemitismus des venezolanischen Präsidenten herunterspielen, weil sie nach den Ereignissen der letzten Jahre Angst haben. Die erwähnten namentlich nicht genannten Sprecher verbreiten deshalb das längst widerlegte Gerücht von der sich selbst bewahrheitenden Voraussage. Die Tatsachen werden nichts daran ändern, daß es wie immer sein wird: schuld am Antisemitismus sind so oder so die Juden selbst.
14. Januar 2006 - Updates vom Juli und November 2006
Quellen
(1) Chavez im Iran: "Israel handelt wie Hitler". APA, OÖNachrichten, 29. Juli 2006
http://www.nachrichten.at/apanews/apap/464163?PHPSESSID=e
Venezolanischer Präsident Hugo Chávez unterstützt den Iran. WIKINEWS, 30. Juli 2006
http://de.wikinews.org/wiki/Venezolanischer_Pr%C3%A4sident_H ugo_Ch%C3%A1vez_unterst%C3%BCtzt_den_Iran
(2) Report: Anti-Semitism on Rise in Venezuela; Chavez Government "Fosters Hate" Toward Jews and Israel. Anti-Defamation League, November 6, 2006
http://www.adl.org/PresRele/ASInt_13/4925_13.htm
Official antisemitism erupts in Venezuela - Karl Pfeifer. Engage - Forum, added February 22, 2007
http://www.engageonline.org.uk/blog/article.php?id=898
A number of images from Sammy Eppel´s presentation, November 2006, are available online
http://www.emailpresenter.com/Viewer/Viewer4.asp?p=/viewer/p resentations/20061123/634348139/pres.swf&MsgID=1864581&TRK=1 &pn=antisemitism%20dossier%20WO%20videos
Die gemeinsame Plattform. Von Karl Pfeifer / Schal gewordene Demarkationen. Lizas Welt, 2. April 2007
http://lizaswelt.blogspot.com/2007/04/schal-gewordene-demark ationen.html
(3) Hugo Rafael Chávez FrÃas, Presidente Constitucional de la Republica Bolivariana de Venezuela. Visita al Centro de Desarrollo Endógeno Integral Humano "Manantial de los Sueños" Municipio Acevedo - Estado Miranda, Sábado, 24 de diciembre de 2005 (Das Zitat ist auf der Seite 18)
http://www.gobiernoenlinea.gob.ve/docMgr/sharedfiles/Chavez_ visita_Centro_Manantial_de_los_suenos24122005.pdf
"Die Nachkommen der Christusmörder kontrollieren die Welt", meint Hugo Chávez. 4. Janaur 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-01-04_22-03-00.html
(4) Nueva Junta Directiva en la CAIV (2005-2007). Nuevo Mundo Israelita Digital
http://nmidigital.com/previo/articulos.asp?Opc=2&vIDArt=3249
(5) Venezuela´s Jews Defend Leftist President in Flap Over Remarks. By MARC PERELMAN, Forward New York, January 13, 2006
http://forward.com/main/article.php?ref=perelman200601111103
About the Forward. Our History. Forward New York
http://www.forward.com/main/our-history.php
(6) I chat by phone with David Twersky Monday, July 12, 2004.
http://www.lukeford.net/profiles/profiles/david_twersky.htm
(7) Historians, researchers back Iranian president´s view on Holocaust, MehrNews.com, December 24, 2005
http://www.mehrnews.ir/en/NewsDetail.aspx?NewsID=269703
(8) Ahmadinejad quiere sumarse al eje Castro-Chavez-Morales. Teherán (ANSA y Telam-SNI), La Prensa, 6 de enero de 2006
http://www.laprensa.com.ar/secciones/nota.asp?ed=1936&tp=11& no=63349
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