
Türkische Bräute und die Migrationsdebatte in Deutschland - Offener Brief an Frau Professor Dr. Elisabeth Beck-Gernsheim
Orient pur, der Leser, die Leserin dürfen sich dabeiwähnen.
In diesem Sinne ist Necla Keleks Buch vor allem als "Anklage" zu lesen. Doch wenn man genauer hinschaut, bleibt die "Beweisführung" ziemlich verschwommen. ... Das Buch basiert auf persönlichen Beobachtungen ... Das ist wissenschaftlich fragwürdig und damit fahrlässig - kommt aber bei Medien und Öffentlichkeit gut an... (1)
Sehr geehrte Frau Professor,
es ist bedauerlich, daß Ihre Rezension des Buches der Necla Kelek über Die fremde Braut nicht die Medienaufmerksamkeit erhält wie das Buch selbst. Diese Aufmerksamkeit wäre ihr schon deshalb zu gönnen, weil sonst immer nur auf Artikel wie die Ihres Kollegen Dr. Ludwig Watzal, Autor beim Campo Antiimperialista und beim Freitag, und die Lobbezeigungen über den Film Paradise Now Bezug genommen wird, was der Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) in ihren Ausmaßen nicht gerecht wird, noch dazu da mit Ihnen als Professorin eine ungleich kompetentere Rezensentin gewonnen werden konnte als mit Herrn Magister Manfred Rüsel und der Praktikantin Claudia Hennen. Die BpB betätigt sich doch auf viel mehr Gebieten als nur auf dem der gediegenen Einschätzung des palästinensisch-iraelischen Konfliktes!
Dankenswerterweise tragen Sie dazu bei, das Image der BpB zu präzisieren. Ich verteile Ihre kritische Rezension überall mit großem Erfolg. Nichts anderes haben wir erwartet, antworten beeindruckte Leser weltweit, von der BpB nicht und nicht von Deutschland!
Wie wäre es, sehr geehrte Frau Professor, wenn Sie den Generalverdacht der Necla Kelek über die Rolle der Frauen im Islam ein wenig mit erhärteten? Dann wäre es vielleicht möglich, die Situation mit feineren Pinselstrichen zu zeichnen. Hierzu bietet sich ein weiterer Fall an, der der Pakistanerin Mukhtar Mai. Der kursiert im anglophonen Internet nun schon eine Weile. Auch in Deutschland bekommt der Fall Aufmerksamkeit. Die Junge Welt vergißt sogar für ein paar Zeilen ihre Islam- und Palästinenserverehrung und stellt sich auf die Seite der Mukhtar Mai. (2)
Wie wäre es, wenn Sie, sehr geehrte Frau Professor, für die BpB diesen Fall aufgriffen, vielleicht mit weiteren Fällen der Beleidigung, Unterdrückung, Vergewaltigung (in Ehe, Familie und durch mehrere Männer), Zwangsverheiratung, Ermordung von Frauen durch Muslime. Zur Beschränkung des Forschungsgebietes, damit das Thema nicht unwissenschaftlich ausufert, könnten Sie sich vielleicht auf die Fälle beschränken, die im letzten Jahr zu beklagen waren, mit besonderer Betonung auf Europa. Einzelfälle aus allen fünf Kontinenten könnten Ihre Forschungsergebnisse belegen. Zur Massenvergewaltigung in Norwegen, Schweden, Australien und anderen westlichen Ländern gibt es zahlreiche Links im Internet. (3)
Heute lese ich erneut über den Fall der Mukhtar Mai, in meinem Provinzblatt Indépendant; denn Mukhtar Mai stellt bei uns ihr Buch vor: Déshonorée, Entehrt. (4)
Die 33jährige Lehrerin war 2003 in ihrem Heimatort das Opfer einer von lokalen Entscheidungsträgern sanktionierten Massenvergewaltigung geworden. Nachdem sich angeblich ihr seinerzeit zwölfjähriger Bruder an einer Frau aus einem sozial höherstehenden Clan sexuell vergangen hatte, verurteilte ein Gericht aus Dorfältesten die junge Frau dazu, zur Ehrenrettung von den Männern der anderen Familie vergewaltigt zu werden, berichtet Thomas Berger. (2)
Für sich allein genommen, müßten Sie vielleicht auch das Buch der Mukhtar Mai sowie die Berichte über die vielen anderen Fälle jeweils zu persönlichen Anklagen erklären, deren "´Beweisführung´ ziemlich verschwommen" bleibt. Da ich jedoch nicht davon ausgehe, daß Sie wider besseres Wissen schreiben, sondern von dem Wissensstand aus, auf dem Sie sich befinden, könnte die Einbeziehung des Buches der Mukhtar Mai und der vielen mit einfachen Suchbegriffen zu entdeckenden weiteren Fälle für Sie und Ihre Leser fruchtbar werden. Ich mache gleich einen Vorschlag mit einem Fall, den ich gestern im österreichischen Standard las. Hier, bitte: Iranerin wegen Gegenwehr zum Tode verurteilt. Gehen Sie dabei vielleicht auch auf die im Artikel erwähnten zwei weiteren Iranerinnen ein, und berücksichtigen Sie möglichst, daß es auch einen Fall zweier Frauen gibt, die mit zwei Männern unterwegs gewesen sein sollen, die sich bei Erscheinen einer Vergewaltigergang umgehend verdrückten und die Frauen ihrem Schicksal überließen. Das habe ich vor einigen Tagen im Internet gelesen. (5)
Bitte, lassen Sie die Leser der BpB nicht im Stich! Besonders die Schülerinnen bedürfen der Information von berufener Seite, damit es nicht öfter geschieht, daß Mädels noch als späte Studentinnen, im Alter von 26 Jahren, auf den friedlichen Islam hereinfallen, wie dieses dumme Ding Steffi im Wunderland. (6)
Frau Professor, bitte überlassen sie das Feld nicht Autorinnen wie Necla Kelek und Mukhtar Mai und ihren persönlichen Beobachtungen und verschwommenen "Beweisführungen", sondern schreiben Sie mindestens einen Artikel Orient pur, in dem der Leser, die Leserin ... sich dabeiwähnen dürfen wie im richtigen Leben der Menschen zweiter Klasse, der Frauen im Islam.
Mit Dank im voraus und den besten Wünschen für ein an Erkenntnissen reiches Jahr 2006!
Dr. Gudrun Eussner, Perpignan
16. Januar 2006 - ergänzt durch weitere Links in der Quelle Nr. 1, am 2. Februar 2006 und den Link zum Text von Alice Schwarzer:
Eigentlich wäre zu vermuten gewesen, daß diese Islamisten-Freunde nach dem 11. September endlich nachdenklich werden. Oder aber spätestens erschrecken angesichts der Terror-Welle gelenkter Gottesstaatler, die für ein paar Karikaturen Botschaften und Menschen abfackeln. Mitnichten. Sie gehen in die Offensive, im Jahr 2006. Was Gründe hat. Das politische Klima wird kühler für die Multi-Kultis. Und der warme Strom der Pfründe fließt jetzt weniger in die oft separatistische Migrationsforschung und eher in integrative Initiativen.
Alice Schwarzer verteidigt Necla Kelek, Seyran Ates und Ayaan Hirsi Ali. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Februar 2006, Seite 40. Fakten&Fiktionen, 11. Februar 2006
http://www.myblog.de/kewil/art/2873814
Und hier ist das von Alice Schwarzer im FAZ-Artikel erwähnte Symposium, das mit Hilfe der Evangelischen Kirche (sic!), deutscher Medien (sic! - oder besser: sick!) und der Sparkasse Bonn (sick!) stattfindet und auf der Site der mit deutschen Steuergeldern finanzierten "Qantara" angepriesen wird. Dr. Tariq Ramadan wird dort selbstverständlich zum Professor aufgewertet:
Annemarie-Schimmel-Forum für Interreligiöse und interkulturelle Verständigung e.V. Einladung. Internationales Symposium. Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung, mit freundlicher Unterstützung des Westdeutschen Rundfunks und der Deutschen Welle. 21./22. Januar 2006. Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, Bonn. Gefördert durch Robert Bosch Stiftung, Stiftung internationale Begegnung der Sparkasse Bonn, Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, Islamische Gemeinschaft in Deutschland/Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland
http://www.qantara.de/uploads/463/Schimmel_Symp.pdf
Quellen
(1) Türkische Bräute und die Migrationsdebatte in Deutschland. Von Elisabeth Beck-Gernsheim. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 1-2/2006)
http://www.bpb.de/publikationen/1X22BD,3,0,T%FCrkische_Br%E4 ute_und_die_Migrationsdebatte_in_Deutschland.html#art3
Und hier sind noch weitere 60 Wissenschaftler, die sich auf Necla Kelek einschießen. Tenor des Artikels in der ZEIT: Ja, es gibt Zwangsheirat, ja, es gibt Ehrenmorde, aber das ist nicht alles. Der Islam ist mehr! Necla Kelek antwortet ihnen, von denen sich einige wunderbar mit Islamisten wie Tariq Ramadan und Murad Wilfried Hofmann verstehen. Kewil reichert die Informationen an um die abgeschmacktesten Forschungsarbeiten von Migrationswissenschaftlern. Eine der Unterzeichnerinnen, Encarnación Gutiérrez Rodriguez, von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M, erhielt den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 1999. Ihr Thema: Jongleurinnen und Seiltänzerinnen - Dekonstruktive Analyse von Biographien im Spannungsverhältnis von Ethnisierung und Vergeschlechtlichung: Selbstverständnisse, Handlungsstrategien und Verortungsperspektiven weiblicher Intellektueller im Kontext der Arbeitsmigration. "Für mich sind solche Titel zunehmend nur noch reinste Satire", meint Kewil.
Gerechtigkeit für die Muslime! Von Dr. Mark Terkessidis/ Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu. ZEIT 06/2006
http://www.zeit.de/2006/06/islam_integration?page=all
Die wissenschaftlichen Hervorbringungen von "Migrationsforschern" und anderen Gutmenschen. Kewil, Fakten&Fiktionen, 3. Februar 2006
http://www.myblog.de/kewil/art/2819198
"Sie haben Angst um ihre Forschungsmittel". Gastkommentar - Im Streit mit Migrationsforschern, von Necla Kelek, Die Welt, 2. Februar 2006http://www.welt.de/data/2006/02/03/840344.html
60 Wissenschaftler fordern "Gerechtigkeit für die Muslime!" Kewil, Fakten&Fiktionen, 2. Februar 2006
http://www.myblog.de/kewil/art/2816138#comm
(2) Glamour Girl, posted by Dymphna, Gates of Vienna, November 4, 2005
http://gatesofvienna.blogspot.com/2005/11/glamour-girl.html
Wie im Mittelalter. Von Thomas Berger, Junge Welt, 11. März 2005
http://www.jungewelt.de/2005/03-11/012.php
(3) Western Muslims´ Racist Rape Spree. By Sharon Lapkin, Frontpage Magazine, December 27, 2005
http://www.frontpagemag.com/Articles/ReadArticle.asp?ID=2064 6
(4) Déshonorée. Par Mukhtar Mai, Oh! éditions 2005. FNAC
http://www.fnac.com/Shelf/article.asp?PRID=1764973
(5) Iranerin wegen Gegenwehr zum Tode verurteilt. Der Standard, 15. Jänner 2006
http://diestandard.at/?url=/?id=2302150
Auszüge aus der ziemlich verschwonmmenen "Beweisführung" der Necla Kelek: Zwangsehen. Die Braut als Schnäppchen. Einige deutsch-türkische Familien importieren junge Türkinnen – zwei Geschichten mitten aus Deutschland. DIE ZEIT 05/2005
http://www.zeit.de/2005/05/t_9frk__Frauen?page=1
"Den meisten Deutschen ist es doch egal, wer den deutschen Pass bekommt". Kewil, Fakten&Fiktionen, 19. Januar 2006
http://www.myblog.de/kewil/art/2713156#comm
(6) "30 Tage Moslem". Steffi im Wunderland. Von Henryk M. Broder, Der Spiegel, 11. Januar 2006
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,394624,00.h tml
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