
Jacques Derrida - Schurken jetzt handlich im Taschenbuchformat
Heute vermutet Amazon, weil ich Ruth Klügers Buch "Weiter leben" dort gekauft hätte, daß mich der Erwerb für 10 Euro des Buches von Jacques Derrida "Schurken" als Hardcover interessieren könnte. Amazon geht zutreffend davon aus, daß ich meine 10 Euro noch nicht für die Unterstützung des irakischen Widerstandes ausgegeben habe. Aber für den Schmarrn des Jacques Derrida? (1)
Den habe ich mir bereits im Januar 2003 abgewöhnt. Seinerzeit war das auf HaGalil nachzulesen mit der Folge, daß ein eifriger gegen Antisemitismus und Faschismus anschreibender Duisburger Wissenschaftler seine sämtlichen Artikel bei HaGalil löschen lassen wollte, wenn meine Beschimpfung des Jacques Derrida stehen bliebe. Der mir seinerzeit nicht persönlich bekannte Betreiber von HaGalil rief mich eigens in Perpignan an, um mich zu fragen, ob ich mit einer solchen Zensur einverstanden wäre. Der Sozialwissenschaftler, offensichtlich ein Anhänger der Lehren des Jacques Derrida, fand es ungeheuerlich, daß ich behauptete, der Begriff "Dekonstruktion" sei von einem Nazi erfunden worden. So schreibt es Loren Goldner, im Jahre 1993. Ich habe es mit Quellenangabe zitiert.
Der Duisburger habe ihn informiert, daß Jacques Derrida der einzige sei, der neben dem Abbé Pierre noch für die "Sans papiers" eintrete, für die Ausländer, die sich illegal im Lande aufhalten, womit der nächste mit hohem Reizwert belastete Name durch den Telefonhörer an mein Ohr drang. Der in Frankreich allseits beliebte Abbé Pierre ist ein persönlicher Freund des Antisemiten und Holocaustleugners Roger Garaudy.: "Mein teurer Roger ..." beginnt der lange Unterstützerbrief, vom 15. April 1996. (2)
Solche unverschämte Nötigung ist mir noch nicht wieder untergekommen: ich soll selbst zustimmen, daß Zensur ausgeübt wird. Das unterbietet noch die Aufforderung des Staatsschutzes in Münster, die Anklageschrift in Sachen Koran-bedruckter Klopapiere von meiner Site zu nehmen. Da bleibt mir keine andere Wahl; denn ich verstoße mit der Veröffentlichung gegen einen Paragraphen des Strafgesetzbuches.
Wer jetzt den besagten Artikel "Das Querfrontprojekt ATTAC" auf den Seiten von HaGalil sucht, wird wahrscheinlich nicht fündig. Er wurde bereits, bevor die Site gehackt wurde, klammheimlich entfernt und ist nicht mehr aufzufinden. Wer ihn dennoch bei HaGalil auf einer derer vielen gegen rechten Antisemitismus eintretenden Seiten zwischen allen Artikel von und über Uri Avnery aufstöbert, bekommt von mir die beim Nichtkauf des Taschenbuches und dem Nichtbeitrag zum irakischen Widerstand gesparten 10 Euro. Der Artikel steht auf meiner Site. Google - und los geht´s! (3)
Das am 9. Januar 2003 in den französischen Buchhandlungen erhältliche Werk über den Mißbrauch der Macht in der Demokratie kommt im Oktober desselben Jahres bei Suhrkamp heraus und findet in deutschsprachigen Medien begeisterte Rezensenten: mit Plato in die "kommende Demokratie" (ausgerechnet mit Plato!), zitiert Sonja Asal den Ruf des Jacques Derrida und Joseph Hanimann, FAZ, hält "Schurken" für das beste Buch des Philosophen. (4)
Mein Verriß der Auszüge des Buches beginnt so, und ich reichere ihn heute mit zusätzlichen Informationen über William Blum und seinen Verehrer Osama bin Laden an:
Man kann nicht behaupten, daß Professor Jacques Derrida lange Umstände macht. Im ersten Absatz der Auszüge aus seinem neuesten Werk "Voyous" (Schurken), vorab veröffentlicht im "Diplo", der Monatszeitschrift "Monde diplomatique", vom Januar 2003, sagt er es deutlich: die USA sind der erste Schurkenstaat. Der "Diplo" bebildert den ganzseitigen Auszug mit einem Gemälde von Asger Jorn, 1969, "Auf der Suche nach einem guten Tyrannen". (5)
Jacques Derrida beruft sich u.a. auf Noam Chomsky, den von Henrik Lindell auf Mediasol als echter Star des Weltsozialforums von Porto Allegre, als Ankläger der illegitimen multinationalen Konzerne, bezeichneten "großen Linguisten von Boston", der eine neue Internationale fordere. Noam Chomsky veröffentlicht auch in rechtsextremen Verlagen. Im Katalog des italienischen rechtsextremen Verlages Barbarossa wird er angeboten neben dem Holocaustleugner und inzwischen von der Universität Lyon III suspendierten CNRS-Wissenschaftler Bernard Notin und dem Holocaustleugner Roger Garaudy sowie dem Wegbereiter des italienischen Faschismus Julius Evola. Diesen Unterstützer der Holocaust-Leugner Robert Faurisson und Serge Thion hofieren der "Diplo" und die ATTAC. Mediasol ist eine 2001 eröffnete, vom Mitglied des "Diplo"-Direktoriums Bruno Lombard initiierte Web Site. (6)
Jacques Derrida bezieht sich weiterhin auf den "Reisenden in der Dritten Welt" William Blum, der die weltweiten machtpolitischen Aggressionen der USA seit den 40er Jahren dem Holocaust an sechs Millionen europäischer Juden gleichsetzt und damit beweist, daß er nichts begriffen hat. (7)
William Blum veröffentlicht bereits im Jahr 2000 ein Buch "Rogue State: A Guide to the World´s Only Superpower", das jetzt Furore macht und sich zum Verkaufsschlager Nr. 10 bei Amazon aufschwingt; denn kein geringerer als Osama bin Laden empfiehlt die Lektüre dieses Werkes. Das beirrt aber, wie man sieht, weder William Blum noch Noam Chomsky noch deren Verehrer, sondern sie fühlen sich in ihrem Kampfe bestärkt. William Blum wird aber nicht "unverschuldet aussätzig", wie Uwe Schmitt in der "Welt" meint, sondern die Verantwortung dafür trägt er selbst. Auch ist es nicht so, daß ihn der "Vietnamkrieg in den Untergrundjournalismus drängte", sondern das ist seine Entscheidung. Er erklärt heute, weder beschämt noch unangenehm berührt zu sein vom Lobe des Chefterroristen. Es wächst zusammen, was zusammengehört.
Der verständnisvolle Journalist Uwe Schmitt spricht den William Blum von der Verantwortung frei für das, was er tut. Damit wird er William Blum nicht gerecht. Der würde sich mit Sicherheit verbitten, daß man im unterstellt, er sei "gedrängt" worden. Vom Kommunistenjäger in den Untergrundjournalismus, das ist eine Karriere, die man bewußt einschlägt. Ich war seinerzeit ebenfalls bewußt gegen den Vietnamkrieg; niemand drängte mich. (8)
Leider, meint Jacques Derrida, fehle diesen mutigen Werken ein konsequentes politisches Denken. Staaten, die gegen "Schurkenstaaten" Krieg führen könnten, seien auf Grund des Machtmißbrauchs den sie trieben, selbst "Schurkenstaaten". Von Jacques Derrida bekommen wir indirekt einen Grund angeboten, warum die europäischen Staaten keine "Schurkenstaaten" sein können: sie sind gegenwärtig unfähig, gegen "Schurkenstaaten" selbständig Krieg zu führen.
Osama bin Laden kennt das Buch des Jacques Derrida anscheinend nicht, oder es ist ihm intellektuell zu anspruchsvoll, weil konsequentes politisches Denken angemahnt wird: "Essays über die Vernunft", auch der Titel leitet ihn vielleicht auf die falsche Fährte, oder das Buch liegt nicht in arabisch vor.
Es wundert nicht, daß der "Diplo" sich der Zeugenschaft von Philosophen wie des Professors an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) Jacques Derrida bedient, Kollegen des Antisemiten Edgar Morin. Zwar ist der Heideggerianer Jacques Derrida samt seinem von einer deutschen Nazi-Psychiatriezeitschrift erfundenen Begriff "Dekonstruktion" und der daraus entwickelten "pensée française", dem französischen Denken, schon 1990 von Jean-Pierre Faye abgetakelt und "abgerissen" worden, (9) er ist aber offensichtlich bis heute nicht bei allen diskreditiert. Herausgeber der Psychiatriezeitschrift war der Vetter von Hermann Göring, schreibt Loren Goldner. Das interessiert die Anhänger des Jacques Derrida nicht. Der ist wie die gesamte Redaktion des "Diplo" um dessen Direktoriumspräsidenten Ignacio Ramonet und den Generaldirektor Bernard Cassen gegen "la pensée unique", gegen das Einheitsdenken. Bei ihm heißt dies: gegen eine "Komplizenschaft von Geist und Herrschaft, die den Raum des Denkens im Gegebenen einsperrt." (10)
Diese Ansammlung von unsinnigen Leerformeln ergibt einen philosophischen Satz.
Und für solche Weisheiten soll ich 10 (zehn!) Euro ausgeben? Nej tak! sage ich auf dänisch, aus Solidarität mit den Karikaturisten der Jyllands Posten, nej tak!
16. Februar 2006 - Link ergänzt unter Nr. 8, 18. Februar 2006
Quellen
(1) Jacques Derrida: Schurken. Zwei Essays über die Vernunft
http://images-eu.amazon.com/images/P/3518293788.03.LZZZZZZZ. jpg
Rogues: Two Essays On Reason. Meridian, Stanford University Press (January 15, 2005)
(2) Bilan de l´affaire Garaudy/abbé Pierre (janvier-octobre 1996). Radio Islam
http://www.radioislam.org/islam/french/textes/abbe.htm
(3) Das Querfrontprojekt ATTAC, Stand: 12. Januar 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-17_21-12-35.html
(4) Von Schurken und Staaten. Sonja Asal, Süddeutsche Zeitung, 28. Oktober 2003. buecher.de
http://www.buecher.de/verteiler.asp?site=artikel_sz.asp&wea= 1100485&artikelnummer=000001348275
Jacques Derrida: Schurken. perlentaucher.de
http://www.perlentaucher.de/buch/15243.html
(5) Y a-t-il des États voyous ? La raison du plus fort. Par Jacques Derrida, Le Monde diplomatique No 586, Janvier 2003, page 10
États voyous. La raison du plus fort, par Jacques Derrida. Le Monde diplomatique, Januar 2003
http://www.monde-diplomatique.fr/2003/01/DERRIDA/9835
(6) Noam Chomsky: "Il faut une nouvelle Internationale", par Henrik Lindell, Témoignage chrétien. Mediasol. Le portail de l´économie sociale et solidaire, 1 février 2002
http://mediasol.penelopes.org/xarticle.php3?id_rubrique=11&i d_article=1354
Noam Chomsky: un linguiste édité par les néo-fascistes... Par Didier Daeninckx, Amnistia.net
http://www.amnistia.net/librairi/amnistia/n21/chomsky.htm
Il Controllo dei Mass Media. Le spettacolari conquiste della propaganda - Noam Chomsky - € 7,00. Società Editrice BARBAROSSA
http://www.libroelibri.com/barbarossa.htm
Le négationniste Serge Thion condamné pour diffamation
http://www.amnistia.net/news/articles/negdoss/thiocond/thioc ond.htm
(7) Killing Hope: U.S. Military and CIA Interventions Since World War II, by William Blum
http://www.thirdworldtraveler.com/Blum/Iraq_KH.html
Killing Hope - "Far and away the best book on the topic." Noam Chomsky
http://members.aol.com/bblum6/American_holocaust.htm
(8) Sachbuch: Bin Laden empfiehlt, von Uwe Schmitt. Die Welt, 24. Januar 2006
http://www.welt.de/data/2006/01/24/835510.html
How I spent my 15 minutes of fame. The Anti-Empire Report. Some things you need to know before the world ends, by William Blum, February 14, 2006
http://members.aol.com/bblum6/aer30.htm
(9) Jean-Pierre Faye: La raison narrative, Balland 1990. Zitiert in: Die Nazis und die Dekonstruktion - Jean-Pierre Fayes Abriß von Derrida. Von Loren Goldner, 1993
http://home.earthlink.net/~lrgoldner/fayedeutsch.html
(10) Ulrich Brieler: Blick zurück nach vorn. Jacques Derridas gespenstischer Marxismus. Kommune 8-1996
http://www.oeko-net.de/kommune/kommune8-96/DDERRIDA.htm
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