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Frankreich im Holocust-Wettbewerb - Bekommt Dab´s einen Preis?

Die Ausstellung "Holocust" - sie verschandeln selbst den fĂŒr die Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die deutschen Nazis und ihre Helfer international anerkannten Begriff, findet in Teheran vom 14. August bis 13. September 2006 statt. Auf der Homepage des iranischen Außenministeriums sind die Links zu einigen Karikaturen angegeben. Die Startseite des Ministeriums ist ansonsten gehackt von "Panzerturk and d_boy". Das scheint Imam Musa Sadr zu freuen, dessen Konterfei verschmitzt zwischen den Karikaturen hervorgrinst. (*)

Der Wettbewerb um die beste Holocaust-Karikatur kommt langsam in Fahrt. Hier kann man die ersten Ergebnisse betrachten, berichtet Henryk M. Broder am 12. MĂ€rz 2006. Nun ist es soweit: Holocust ist angesagt, wohin man im Museum of Palestine Contemporary Art blickt, 204 mal Holocust. (1)

Wie es anfÀngt ...

Nach dem letzten Karikaturenwettbewerb PalĂ€stinenser sind heimatlos kĂŒndigt Farid Mortazavi, der Grafiker der Zeitung der Teheraner Stadtverwaltung Hamshahri, Anfang Februar 2006, einen Karikaturenwettbewerb zum Thema Judenvernichtung an: International Cartoon contest - Holocaust. Farid Mortazavi hat keine Probleme damit, Karikaturen eines Religionsstifters zu beantworten mit solchen ĂŒber die Vernichtung von sechs Millionen europĂ€ischer Juden durch die Deutschen und ihre Helfer, unter denen sich auch einige Muslime der vom Großmufti von Jerusalem Hadj Amin al-Husseini aufgestellten Divisionen Handschar und Kama befinden. (2)

Es gibt einen Unterschied zwischen einer faktischen und einer Glaubenswahrheit, sagt der französische Philosoph AndrĂ© Glucksmann treffend zum Ansinnen, die Judenvernichtung negierende Karikaturen auf eine Stufe zu stellen mit denen an dem Religionsstifter Mohammed; denn die RealitĂ€t der Todeslager lĂ€sst sich durch eine Untersuchung belegen, nicht so die Heiligkeit des Propheten, die von der Überzeugung des GlĂ€ubigen abhĂ€ngt. (3)

Ausgetragen wird der Wettstreit vom Ersten Informationszentrum der iranischen Karikaturisten.

If there was no Holocaust .... then where are my Grandparents? fragt ein demonstrierender junger Jude, am 13. MÀrz 2006, vor der StÀndigen Vertretung des Iran bei den Vereinten Nationen. (4)

Einige der mit Spannung erwarteten Karikaturen werden der staunenden Öffentlichkeit auf einer eigens dazu eingerichteten Web Site vorgestellt. Dort wird von Anfang an gewarnt, die Site IranCartoon werde wahrscheinlich von den USA geschlossen; dann möge man drei andere Seiten anklicken. Eine davon ist die des iranischen Außenministeriums: Siasat-e charedji-e djumhuri-e islami, eine weitere die des iranischen Gerichtshofes: Adalat chaneh, und die dritte veröffentlicht spezielle Nachrichten und Analysen der iranischen Studentenschaft: Pajegah-e chabari - tahlili. Daneshdjujan-e Iran.

Wo ist die Grenze fĂŒr die westliche "Freiheit der MeinungsĂ€ußerung"? fragen die iranischen Karikaturisten. Sie geben die Themen fĂŒr die Karikaturen vor:

  • 1. Warum soll das "palĂ€stinensische Volk" fĂŒr die "Holocaust"-Geschichte bezahlen?
  • 2. Über die dĂ€nischen Karikaturen

Das in AnfĂŒhrungszeichen gesetzte Wort "Holocaust" zeigt die Richtung an: es werden die Judenvernichtung leugnende oder verniedlichende Zeichnungen erwartet. Die AnfĂŒhrungszeichen fĂŒr das "palĂ€stinensische Volk" dokumentieren die mangelnde Überzeugung der Karikaturisten von dessen Existenz.

Jeder Karikaturist darf bis zum 15. Mai 2006 namentlich oder anonym bis zu fĂŒnf Zeichnungen, in welcher Technik auch immer, in der GrĂ¶ĂŸe zwischen A4 und A3 einreichen. Das Markenzeichen DIN wird fortgelassen. Es stĂŒnde fĂŒr Deutscher Normenausschuß. Als Preise werden fĂŒr die ersten drei Gewinner 12 000, 8 000 und 5 000 US-Dollar ausgelobt. Irgendwo stand einmal etwas von GoldmĂŒnzen. Davon ist auf der Site nichts zu lesen. Es gibt fĂŒr alle beteiligten KĂŒnstler je ein Buch mit den besten ausgewĂ€hlten Karikaturen. (5)

Bis zum 15. MĂ€rz beteiligen sich Zeichner aus 37 LĂ€ndern, darunter aus Europa je ein Karikaturist aus Bulgarien, Frankreich, Kroatien, Polen, Portugal, RumĂ€nien, Schweden, der Schweiz sowie aus Rußland und Spanien zwei und aus Großbritannien vier Karikaturisten. (6)

Der Karikaturist aus Schweden ist der Chefredakteur von Radio Islam, der aus Marokko stammende Holocaustleugner und FreiheitskĂ€mpfer Ahmed Rami. Die in die EU strebende TĂŒrkei ist mit vier und die USA sind mit sechs Karikaturisten vertreten. (7)

Dab´s im Wettbewerb der besten Karikaturen zur Judenvernichtung

AktivitĂ€ten aus Anlaß einer Ausstellung des 33-jĂ€hrigen Szenaristen und Zeichners Nicolas Dab´s in Colomiers werden von der Abteilung Midi-PyrĂ©nĂ©es des Centre de recherche et d´information sur la littĂ©rature pour la jeunesse (CRILJ), des Pariser Forschungs- und Informationszentrums ĂŒber Literatur fĂŒr Kinder, auf der Web Site des Rathauses der 29 000 Einwohner zĂ€hlenden Stadt vorgestellt. Originalskizzen fĂŒr den Comic Nino&Rebecca, von ersten Zeichnungen bis zur Vollendung des Buches, sollen dem jungen Publikum den Schaffensprozeß nahebringen. Mitarbeiter des CRILJ veranstalten u.a. einen Wettbewerb fĂŒr sieben bis zehnjĂ€hrige Kinder, die dabei Comics des Nicolas Dab´s gewinnen können. Colomiers liegt 12 Kilometer westlich von Toulouse. Verantwortlich fĂŒr die Web Site ist der BĂŒrgermeister des Parti Socialiste Bernard Sicard, Wahlkreis Toulouse XIII. Partner des CRILJ sind u.a. die Ministerien fĂŒr Erziehung und fĂŒr Jugend und Sport der französischen Republik. (8)

Dab´s ist der Zeichner der KinderbĂŒcher Tony et Alberto und Nino & Rebecca, der Bandes dessinĂ©es, fĂŒr Kinder von acht bis zwölf Jahren. Er zeichnet die Dummheiten seiner Kindheit. Seine Zeichnungen seien eher der realistischen und liebevollen Art, ohne dabei den Humor zu kurz kommen zu lassen. Man breche nicht sofort in offene Heiterkeit aus, aber man könne sehr wohl darĂŒber lĂ€cheln. Das Leben in seiner frischesten Art, zutreffend und dynamisch, werde gezeigt, und der Held Nino schaue mit seinem kindlichen Blick auf die Jugend. Seine Reflexionen sind voll von einem spitzbĂŒbischen kindlichen guten Menschenverstand. (9)

Weiß die jĂŒdische Gemeinde von Toulouse, daß sich ein französischer Karikaturist aus Toulouse an dem propagandistischen Wettbewerb beteiligt? (10) Sie könnte ihm mit Material aus Le Vernet, einem der an die 200 Konzentrationslager Frankreichs, und zahlreichen Fotos der an die insgesamt 600 000 in diesen Lagern Internierten dienen. Einige dieser Lager existieren bereits seit 1938, also Jahre vor der deutschen Besatzung. Besucht Dab´s die 62 Kilometer von Toulouse entfernte GedenkstĂ€tte des Konzentrationslagers von Le Vernet d´AriĂšge im dortigen Rathaus zu Studien fĂŒr seine Judenvernichtungszeichnungen? Le Vernet gibt es seit Februar 1939. Hat Dab´s die 450 Akten und Aktenkoffer des Lagers Le Vernet fĂŒr einen realistischen milden Strich konsultiert?

Insgesamt 76 000 Juden werden von den kollaborierenden französischen Behörden im Zweiten Weltkrieg, zwischen 1942 und 1944, den deutschen Besatzern zum Abtransport in die Arbeits- und Vernichtungslager ĂŒberstellt. In dem Lager von Le Vernet d´AriĂšge sind ab Februar 1939 bis Juni 1944 unter der Aufsicht des Innenministeriums der Vichy-Regierung ungefĂ€hr 40 000 unerwĂŒnschte gefĂ€hrliche AuslĂ€nder aus 58 Nationen interniert, zunĂ€chst 15 000 Spanier der Retirada, dann mit Kriegsbeginn andere unerwĂŒnschte AuslĂ€nder, darunter zahlreiche Juden. Von dort werden jĂŒdische MĂ€nner, Frauen und Kinder in die Vernichtungslager deportiert. Karikiert Dab´s diese Szenen? (11)

Welche herrlichen Vorlagen fĂŒr Zeichnungen, bei denen man nicht sofort in offene Heiterkeit ausbricht, aber ĂŒber die man lĂ€cheln muß: das Leben in seiner frischesten Art! Das ist genau die Parole des Farid Mortazavi, der die Judenvernichtung vorurteilslos in den Mittelpunkt der Debatten stellen will, mit einem objektiven Blick, mittels Humor, ohne sich lustig zu machen. Der Karikaturist Dab´s ist sein Bruder im Geiste.

Nun bin ich auf die prĂ€mierten KĂŒnstler gespannt. Ich muß mich gedulden, bevor ich weiß, ob der unter Frankreich gelistete Dab´s einen der drei Geldpreise bekommt. Ein Buch der dankbaren Regierung der Islamischen Republik Iran und PublizitĂ€t als Kollaborateur des Internationalen Karikaturenwettbewerb zum Thema Judenvernichtung sind ihm heute schon sicher.

13. MĂ€rz 2006 - 15. und 23. August 2006

Quellen

(*) World Holocaust Press. Islamic Republic. Foreign Policy
http://www.irfp.ir/modules.php?name=News&file=article&sid=14 74

Forget it Boy! Holocaust is a Big Lie! 19 Holocaust Cartoons ...
http://www.irfp.ir/images/articlelarge/Holocaust_khabir_1b.j pg

Siasat-e charedji-e djumhuri-e islami. Islamic Republic. Foreign Policy (HACKED BY PANZERTURK and D_boy)
http://www.irfp.ir/

WIESENTHAL CENTER CONDEMNS IRANIAN EXHIBITION OF HOLOCAUST CARTOONS, SWC, August 14, 2006
http://www.wiesenthal.com/site/pp.asp?c=fwLYKnN8LzH&b=242023

(1) Lachen bis zur Vergasung. Henryk M. Broder, Tagebuch der Achse des Guten, 12. MĂ€rz 2006
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=2049&ref=8

Iran stellt Karikaturen zum Holocaust aus. als/AP, SpiegelOnline, 14. Agust 2006
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,431706,00.html

Holocust International. irancartoon
http://www.irancartoon.com/

(2) Karikaturen ĂŒber die Judenvernichtung - eine Einladung an die Welt. 28. Februar 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-02-28_22-46-35.html

Qui Ă©tait le grand Mufti de JĂ©rusalem Hadj Amin Al Husseini? La bibliothĂšque proche-orientale
http://aval31.free.fr/

(3) Choc des civilisations ? Non : des philosophies, par André Glucksmann, Le Monde, 3 mars 2006
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3232,36-747283,0.h tml

Wahrheit und Glauben - Andre Glucksmann ĂŒber den Karikaturenstreit. Aus dem Französischen von Thierry Chervel. Perlentaucher, 3. MĂ€rz 2006
http://www.perlentaucher.de/artikel/2970.html

(4) New York Jews Gather to Protest Iran. International Sephardic Leadership Council
http://www.sephardiccouncil.org/protest.html

(5) International cartoon contest - Holocaust. The First Information Center of Iranian Cartoonists on the Web. Iranian House of Cartoon
http://www.irancartoon.com/

(6) The list of Participants in International Cartoonet Festival About Danish Cartoons and Holocaust
http://www.irancartoon.com/110/index3.htm

(7) Cartoons. Caricatures politiques. Radio Islam
http://www.abbc2.com/islam/roligt/roligt.htm

Allahu Akhbar. Radio Islam. Ahmed Rami, founder of the Radio Station
http://www.abbc2.com/newspap/deutsch.htm

Rami, Ahmed. Lexikon des Informationsdienstes gegen Rechtsextremismus
http://lexikon.idgr.de/r/r_a/rami-ahmed/rami-ahmed.php

(8) L´Ă©quipe municipale. Bernard Sicard, Parti Socialiste, Maire de Colomiers
http://www.ville-colomiers.fr/articles.asp?Idrubrique=2&Idpa ge=59

CRILJ. quelques partenaires
http://crilj.club.fr/Partenai.htm

(9) La BĂ©dĂ©thĂšque. Le CRILJ Midi-PyrĂ©nĂ©es. ActivitĂ©s autour de l´exposition du jeune dessinateur toulousain Dab´s
http://www.ville-colomiers.fr/articles.asp?Idrubrique=18&Idp age=187

(10) Cyber Espace Du Judaïsme. La communauté juive de Toulouse
http://www.cedj.org/

(11) MĂ©morial du camp d´internement du Vernet d´AriĂšge 1939-1944 (Vernet d´AriĂ©ge). MusĂ©es et expositions
http://www.ariegepyrenees.com/histoire/Tradition_populaire/m uses.htm

Nous avons lu. La France des camps. L´internement 1938 - 1946. Denis Peschanski. Gallimard 2002. Par CĂ©cile Vast. Fondation de la RĂ©sistance
http://www.fondationresistance.com/actualites/nousavonslu23. htm



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