
Das Stelenfeld - kein Denkmal für Paul O´Montis. Ein junger Leser schreibt mir ...
Sehr geehrte Frau Eussner,
gerade las ich mit großem Interesse Ihren Artikel zum 110. Geburtstag des Künstlers Paul O´Montis. Ich kann Ihnen nur mein größtes Lob aussprechen. Mit Ihren Worten sprechen Sie vielen Schellackplattensammlern, aber vor allem denen, welche wirklich von dem grausamen Schicksal der jüdischen Künstler in der Nazizeit betroffen sind, aus der Seele! Ein Zustand den leider viele öffentliche Institutionen totschweigen!
Ich bezeichne es gern als "Spätsieg der Nazis", dass zum Beispiel Filme mit Darstellern wie Paul Morgan überhaupt nicht mehr öffentlich präsentiert werden. Im Fernsehen dürfen wir immer nur mit denselben drei Rühmann, Fritsch und Dietrich Filmen rechnen: "Die drei von der Tankstelle", "Ein blonder Traum" und "Der blaue Engel". Zwar spielen in diesen Filmen mit Sicherheit jüdische Künstler mit, aber ich kenne so viele andere Filme, in denen Personen wie Kurt Gerron etc. ihr Talent viel stärker zur Geltung bringen. Doch diese werden nicht gezeigt ... aus Quotenmangel? Ein Argument über welches ich mich nur kaputtlachen kann!
Die 30. Sendung der "Drei von der Tankstelle" bringt auch nicht mehr Quoten als z. B. der Film "Das Kabinett des Dr. Larifari", in dem man neben Paul Morgan und Max Hansen sogar die Weintraub-Syncopators bewundern kann! Da aber kein Rühmann mitspielt, kann man diese Filme keinem modernen, anspruchsvollen Publikum anbieten.
Ich bin 18 Jahre alt und sammle nun schon seit neun Jahren Schellackplatten und Filme der 20er und 30er Jahre, fast ausschließlich unter Mitwirkung späterer Naziopfer. Leider gehöre ich in dem Alter zu einer Minderheit derer, die sich für diese faszinierenden Personen interessieren.
Ich wünsche mir, dass es noch mehr solcher Meinungen wie die von Ihnen geben würde, dass das Interesse an den Künstlern der damaligen Zeit überhaupt in der Öffentlichkeit steigen würde. Denn eines ist klar, mit einem Künstler, den man verehrt, kann man sich eher identifizieren als mit (entschuldigen Sie den vielleicht etwas abwertend klingenden Wortlaut) irgendeinem Salomon Nussbaum, der 1941 in Auschwitz ermordet wurde, und von dem man sonst nichts weiß!
Als ich in Buchenwald war, stand ich an dem Tisch, auf dem an Leuten wie Paul Morgan medizinische Experimente durchgeführt wurden. Ich muss Ihnen sagen, ich war den Tränen nahe. Denn sofort habe ich mir das Leid und den Schmerz vorgestellt, denen diese Menschen ausgesetzt waren. Sie haben es wahrscheinlich schon oft gehört, aber auch ich möchte sagen: Wir dürfen nicht in einer Welt leben, in der nicht ausreichend und vor allem ehrlich an die Opfer dieses Massakers gedacht wird, und man darf niemals zulassen, dass sich einige Menschen über diese Verbrechen gar amüsieren.
Hochachtungsvoll
Thomas S.
14. April 2006
Das Stelenfeld - kein Denkmal für Paul O´Montis, 23. März 2004 (Stand: 19. Dezember 2004)
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-28_19-47-50.html
Paul O´Montis: Ich bin verrückt nach Hilde
Max Hansen: Jetzt geht´s der Dolly gut!
Reproduktion, Schnitt, digitale Bearbeitung beider CDs: Frank Misiak und Thorsten Lenk. Musik Antik am Weidenstieg. CDs
http://www.musik-antik-records.de/
Kurt Gerron (Kurt Gerson), geb. 11. Mai 1897, ermordet 28. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Filmportal.de
http://www.filmportal.de/df/index.html
Paul Morgan (Paul Morgenstern), geb.1. Januar 1886 Wien ; gestorben 10. Oktober 1938 im KZ Buchenwald. OKA Österreichisches Kabarettarchiv
http://www.kabarettarchiv.at/Bio/Morgan.htm
Das Kabinett des Dr. Larifari. Regie: Robert Wohlmuth. Spielfilm, Deutschland 1930
http://www.filmportal.de/df/index.html
Ich kauf´ mir ´ne Rakete. Weintraubs Syncopators. Digitale Restaurierung: Christian Zwarg. Edition Berliner Musenkinder. Best.-Nr. 01 49 3
http://www.duo-phon-records.de/index.php
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