
Mahmud Ahmadinejad schreibt einen Brief an den "Führer der Weltarroganz"
18 Seiten lang ist der Brief des Präsidenten der Islamischen Republik Iran Mahmud Ahmadinejad, der dem Präsidenten der USA George W. Bush seine Sorgen und Nöte über die Ungerechtigkeit der Welt mitteilt. Bei Robert Spencer findet man, am 9. Mai 2006, eine maschinengetippte inoffizielle Übersetzung aus dem Persischen. Viele Stellen sind unterstrichen. Auf Seite 3 bereits kommt der Präsident (Sie wissen vielleicht, daß ich ein Lehrer bin) zu seinem Lieblingsthema Israel, gleich nach seinen Ausführungen über den Irak: selbstverständlich war Saddam ein mörderischer Diktator, aber ...
Wenn Mahmud Ahmadinejad den Brief in englisch geschickt hat, und das eine "inoffizielle Übersetzung" ist, dann muß sie aus Teheran stammen, vom ursprünglichen persischen Text, und zwar vor der Authorisierung durch den Präsidenten. Das heißt, in Teheran sitzen in seinem Büro Leute, die nicht den offiziellen Weg abwarten, sondern sofort eine Rohfassung in die USA faxen.
Das Papier, so wie es bei Robert Spencer veröffentlicht ist, sieht typisch persisch aus. Da scheint sich seit 40 Jahren nix geändert zu haben. Solche Briefe kenne ich zuhauf. Dieser ist mit Schreibmaschine geschrieben, auf ziemlich rückständige Art. Wahrscheinlich gewährt man dem Übersetzer keinen Zugang zum Internet. Er könnte erfahren, was in der Welt los ist.
Diplomatische Gepflogenheiten legen es nahe, daß der im Original persische Brief mindestens mit englischer Übersetzung überreicht wurde, zweisprachig. Auf der Spencer-Übersetzung steht aber "Unofficial Translation", und das Papier stammt aus der Regierung des Iran. Das sieht man schon am Briefkopf. Wenn die Übersetzung woanders angefertigt worden wäre, beispielsweise in der Schweizer Botschaft, der Repräsentanz der USA in Teheran, dann gäbe es nicht den Briefkopf, und mit Schreibmaschine wäre er ebenfalls nicht getippt worden.
Die inoffizielle Übersetzung muß also aus den Büros des Mahmud Ahmadinejad stammen; sie ist vor der offiziellen Absegnung direkt an die USA übersandt worden - oder hat jemand eine andere Erklärung dafür, daß eine inoffizielle Übersetzung auf Regierungsbriefkopf des Iran bei Robert Spencer im Jihad Watch auftauchen kann?
Ich finde das vor allem deshalb interessant, weil sich vielleicht eine ganz andere Lösung des Iran-Problems abzeichnet: Schluß mit den schändlichen Ayatollahs, von innen, direkt aus dem Präsidentenbüro.
Daran scheint auch Malte Lehming zu denken, der meint, man solle den schrägen Vogel nur immer einfliegen lassen. Er nennt zwei Staatsgäste der Bundesrepublik, deren Regierungen es anschließend auch nicht mehr lange machten, sondern sich selbst erledigten: Leonid Breshnew und Erich Honnecker. Dabei zählt er nicht all die afrikanischen Diktatoren auf, deren Fotos ihrer Besuche in deutschen Entwicklungshilfe-Institutionen an den Wänden hingen und wieder entfernt werden mußten, um diplomatische Verwicklungen mit dem Nachfolger Putschgeneral XX bei dessen Besuch zu vermeiden.
Soll der Präsident des Iran also ruhig weitere Briefe schreiben, soll er auf der Ersatzbank der iranischen Spieler oder in der Ehrenloge sitzen. Beides, Besuch und zukünftige Briefe werden ab sofort nur noch vom Geblöke meines Schafes kommentiert. Das hat schon einmal ihn und einen anderen briefschreibenden Möchtegernherrscher trefflich karikiert, und der neue Morgen der islamischen Revolution ist noch nicht angebrochen, die Israelis sind weiterhin recht guter Dinge, und seine Hoheit Tariq Ramadan kriegt immer noch kein Visum.
12. Mai 2006
Quellen
Ahmadinejad´s letter to Bush. Robert Spencer, Jihad Watch, May 9, 2006
http://www.jihadwatch.org/archives/011362.php
HE Mr. George Bush, President of the United States of America, from Mahmood Ahmadi-Nejad, President of the Islamic Republic of Iran. Unofficial Translation, May 8, 2006
http://hosted.ap.org/specials/interactives/_documents/ahmadi nejad0509.pdf
Ahmadinejad sends letter to Bush. BBC News, May 8, 2006
http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/4983868.stm
Briefgeheimnis. Lizas Welt, 10. Mai 2006
http://lizaswelt.blogspot.com/2006/05/briefgeheimnis.html
Iran´s Thug-In-Chief: my letter to Bush was invitation to Islam. Robert Spencer, Jihad Watch, May 11, 2006
http://www.jihadwatch.org/archives/011383.php
President says his letter to President Bush was invitation to Islam, Islamic Republic News Agency IRNA, May 11, 2006
http://www.irna.ir/en/news/view/line-24/0605110155191821.htm
Warum Ahmadinedschad zur Fußball-WM ruhig nach Deutschland kommen kann. Von Malte Lehming, Der Tagesspiegel, 12. May 2006
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/12.04.2006/2467748.asp
Mahmud Ahmadinejad - Anbruch eines neuen Morgens der islamischen Revolution. Schaf, 29. Oktober 2005
http://www.eussner.net/schaf_2005-10-29_02-30-04.html
Seine Hoheit Tariq Ramadan, Kalif aller sunnitischen Muslime, schreibt an den Präsidenten der USA. Schaf, 26. Januar 2005
http://www.eussner.net/schaf_2005-01-26_23-52-18.html
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