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Plume du Paon - Die "in Dänemark zu hassenden Leute", von Mohamed Sifaoui

Eine zum Buch von Henryk M. Broder trefflich passende Ergänzung

Übersetzung von Erfahrungen aus erster Hand, vom algerischen Journalisten Mohamed Sifaoui, über die Affäre der dänischen Karikaturen, veröffentlicht von der Satirezeitung Charlie Hebdo in ihrer Ausgabe Nr. 743, vom 13. September 2006. Die Bücher des Autors werden bei Amazon-Frankreich geführt. Sein neuestes Buch erscheint im 2004 durch Guy Birenbaum gegründeten Verlag Éditions Privé. (1)

Vorspann von Charlie Hebdo: Mohamed Sifaoui ist Journalist. Er ist Autor mehrerer Werke über den islamistischen Terror, darunter Sur les traces de Ben Laden, Auf den Spuren von bin Laden, und Mes frères assasins, Meine Brüder, die Mörder, das seine im Jahr 2002 erfolgte Einschleusung in eine der al-Qaida nahestehende Pariser Organisation erzählt. Ständig durch die Islamisten mit dem Tode bedroht, veröffentlicht er im Verlag Privé das Buch L´Affaire des caricatures. Dessins et manipulations, das diese Woche in die Buchhandlungen kommt. Hier sind Auszüge aus seinem letzten, der Widersprüchlichkeit der dänischen Gesellschaft und der Geheimdienste gegenüber dieser Affäre gewidmeten Kapitel. (2)

Auszüge aus dem Kapitel: Nach Aussage mehrerer Quellen haben einige der Karikaturisten finanzielle Sorgen, andere sind in Depressionen verfallen. Zusätzlich zum Leben im Untergrund und unter ständigem Polizeischutz, müssen sich einige von ihnen auch mit Einkommenseinbußen abfinden. Was sie aber ernsthaft angegriffen zu haben scheint, ist die Haltung eines Teils der dänischen Elite, die es heute vorzieht, sie zu kritisieren und dabei die Integristen auszusparen. Im Land der Wikinger sind in den meisten Fällen die Journalisten-, Schriftsteller- und Künstlerorganisationen schweigsam geblieben. Das erklärt sich zum Teil dadurch, daß die Mehrzahl dieser Organisationen "links" oder "extrem links" ist und ideologisch in Opposition steht zu Jyllands Posten und der von ihren Herausgebern vertretenen Linie, die als "politisch inkorrekt" beurteilt wird. Aber der ideologische Aspekt ist nicht der einzige Grund der Schweigsamkeit. Il y a également la peur. Da ist auch die Angst. Eine durch wiederholte Drohungen genährte Furcht, verbunden mit der Tatenlosigkeit der Behörden, und vor allem der Polizei, die doch machtlos gegenüber der ideologischen Gefahr zu sein scheint, die der Islamismus verkörpert (...).

Ahmed Abu Laban (der Palästinenser ist wie seine Mitstreiter Salafist) und seine Freunde stellen sich dar als eine Art Bollwerk gegen den Terrorismus, und die dänische Polizei fühlt sich verpflichtet, sich mit ihnen zu einigen. Diese Situation macht die Islamisten natürlich glücklich, die fortfahren, ein gänzlich krankhaftes Klima aufrecht zu erhalten, in dem sie von jetzt an eine Art Damoklesschwert über der dänischen Gesellschaft schwingen. Zwei Tage nach der Verbreitung meiner Untersuchung gab der Chefinspektor der dänischen Geheimdienste der Jyllands Posten ein Interview, in dem er sich für die Haltung der Imame beglückwünschte. "Meiner Meinung nach", sagte er, "haben sie dazu beigetragen, unsere innere Sicherheit zu festigen, die Ruhe zu bewahren, und sie hatten einen nur positiven Einfluß auf die Lage. Sie haben viele Kontakte, und die Muslime hören auf sie." (3)

Für diesen hohen Beamten haben die Imame Ruhe und Ordnung gepredigt und eine Nachricht, in der sie baten, "nicht zu Gewalt zu greifen, sondern allein zu demokratischen Mitteln", an die muslimische Gemeinschaft gerichtet. Der Verantwortliche der dänischen Geheimdienste hat die Art kritisiert, wie die Imame behandelt wurden, und eingeschätzt daß sie "verteufelt" worden wären. Derselbe Artikel betont klar und deutlich, daß die dänischen Geheimdienste und die Imame eineinhalb Jahre vor der Auslösung der Karikaturenaffäre zusammenzuarbeiten begonnen haben, und daß es regelmäßige Kontakte zwischen einer Gruppe von 15 Imamen und den hohen Verantwortlichen der Polizei gegeben habe. (...) Welches ist der Deal, weil es einen gibt, zwischen den Islamisten und den dänischen Geheimdiensten? Diese Frage wird sicherlich sehr lange ohne Antwort bleiben (...).

Befragt über die Information, die berichtete von der Tatsache der Existenz einer Art "Haßliste", aufgestellt von Abu Laban und seinen Männern, antwortete der Mitarbeiter des Imams, ohne mit der Wimper zu zucken, daß eine Liste der "in Dänemark zu hassenden Leute" sehr wohl existiere. "Die Nummer Eins auf dieser Liste ist der Minister für religiöse Angelegenheiten Bertel Haarder", ergänzte er, "weil er der erste war, der die Veröffentlichung der Karikaturen unterstützte, und weil er Krieg gegen den Islam führt", sagte er als Argument und präzisierte, daß die Liste ebenfalls den Abgeordneten Naser Khader (4), den Premierminister Anders Fogh Rasmussen und Pia Kjaersgaard, die Präsidentin einer extrem rechten Partei, enthielte. Trotz dieser Äußerungen, deren Natur ein jedermann wird einschätzen können, weigerte sich die dänische Polizei zu reagieren. (...) Während des Freitagsgebetes, am 31. März 2006, präsentierte der salafistische Imam Raed Hlayhel (er ist Libanese) in der Grimhojvej-Moschee eine noch längere Liste von Feinden, und erklärte seinen Gläubigen, daß die Affäre der Karikaturen klar die Trennung "des Guten vom Bösen" gezeigt habe. Auf der Seite des Bösen zitiert er den Chefredakteur der Jyllands Posten Carsten Juste, die Karikaturisten, die Drucker und sogar den Zeitungsvertrieb. Aber auch den dänischen Staatsanwalt Henning Fode, der sich geweigert hatte, die Zeitung wegen Blasphemie anzuklagen, sowie Naser Khader und mich selbst. Seit dieser Predigt verschärften sich die Drohungen gegen Naser Khader und seine Familie, und sie haben ein Niveau erreicht, daß es für diesen Abgeordneten sehr schwierig geworden ist, normal weiterzuarbeiten.

13. September 2006

Quellen

(1) "Affaire des Caricatures". Les "gens à haïr au Danemark". Charlie Hebdo No 743, 13 septembre 2006, page 6
http://unecharlie.canalblog.com/

(2) Les Grandes Gueules. Radio RMC, Le jeudi 07 septembre 2006, 11:00 - 14:00. 13h/ : Alain Marschall et Olivier Truchot reçoivent Mohamed Sifaoui, Journaliste, Spécialiste de l´islamisme, Auteur de "L´affaire des caricatures. Dessins et manipulations." (Editions Privé). Interview Grandes Gueules, Posté le jeudi 7 septembre 2006, 17:57 (dort bitte die Seite mit dem Beitrag unter diesem Datum suchen!)
http://lesgrandesgueules.rmcinfo.fr/index2.php

L´affaire des caricatures de Mahomet. Par Mohamed Sifaoui, Éditions Privé
http://www.fnac.com/Shelf/article.asp?PRID=1845862

(3) Imam Ahmed Abu Laban: "Ich hätte einen Aufruhr in Dänemark auslösen können, ich hätte Dänemark in eine Hölle verwandeln können, ich hätte die Moslems auf die Straße schicken können." Zitiert bei Henryk M. Broder: Hurra, wir kapitulieren, S. 149. Siehe auch: Warum wir lustlos kapitulieren. 13. September 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-09-13_01-24-08.html

(4) Die tiefe Verbeugung des Geheimdienst-Inspektors vor den Imamen kam zu einem etwas unglücklichen Zeitpunkt. Einer von ihnen, Ahmed Akkari, wurde von einem TV-Team dabei erwischt, als er eine Drohung gegen einen liberalen Moslem und Abgeordneten aussprach, falls dieser das Amt des Integrationsministers bekommen sollte: "Zwei Männer werden kommen und ihn und sein Ministerium in die Luft jagen." Ein anderer Imam, Kasem Ahmad, bestätigte die friedlichen Absichten: "Die Atmosphäre gegenüber Moslems in Dänemark ist vergiftet. Es dürfte nicht schwierig sein, Moslems zu finden, die sich freiwillig bei Terrorakten opfern werden. Ich bin sicher, viele werden sich für solche Aufgaben melden." Zitiert bei Henryk M. Broder: Hurra, wir kapitulieren, S. 149 f.

Zu den Karikaturen und dem mäßigenden Wirken der Imame in aller Welt auf die Anhänger der Religion des Friedens siehe auch:

The Jyllands Posten Cartoons - A Matter of Solidarity. Fundsachen, 10. Februar 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_2006-01-31_11-12-55.html

Solidarität mit Dänen-Zeitung Jyllands Posten! Fundsachen, 27. Februar 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_sectionindex.html

Die Jyllands-Posten Karikaturen als Vorwand für einen muslimfreundlichen Sprachkodex der EU. Fundsachen, 1. Mai 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_2006-03-15_12-32-00.html


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