
"Sind Sie jetzt auch schon total vernebelt?" Ein Briefwechsel
Die Regensburger Rede von Papst Benedikt hat n-tv-Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm auf HaGalil.com kritisiert. Ich konnte diesen Artikel nicht unkommentiert lassen, woraufhin auch Ulrich W. Sahm noch einmal seinen Standpunkt erläuterte.
Lieber Herr Sahm,
was soll das denn? Sind Sie jetzt auch schon total vernebelt? Die Rede jedenfalls können Sie nicht gelesen haben; ich will nicht annehmen, Sie hätten Sie gelesen und nicht verstanden. Schlimm finde ich, daß Sie dem Papst unterstellen, er habe die Wirkung seiner Rede nicht bedacht. Halten Sie Joseph Ratzinger für blöde? Der hat wissentlich keine "private Meinung" geäußert, ein Papst hat nämlich keine private Meinung mehr, aber das wissen anscheinend viele nicht. Ein Papst redet immer (!) ex cathedra.
Diese Rede ist der Beginn einer neuen Strategie der Eindämmung der Polit-Ideologie Islam. Eine Milliarde Katholiken haben sie vernommen. Wenn nur ein Prozent daraus etwas macht, Hoffnung schöpft und verbreitet, dann gibt´s noch ´ne Chance, der weltweiten Islamisierung zu entgehen. Der Papst setzt in diesem Zusammenhang sein leibliches Wohl hintan, oder meinen Sie, die Gefahr, daß man ihn ermordet, ist gebannt?
Es ging zu Zeiten des Manuel Palaeologus nicht um gepachtete Wahrheiten der drei Religionen, sondern es ging damals wie heute darum, daß eine ignorante Umwelt, die selbst bedroht ist, sich der Gefahr nicht stellt, sondern nach dem Motto "Heiliger Sankt Florian, verschon´ mein Haus, zünd´ andre an" für einige kurzfristige politische und wirtschaftliche Vorteile den Kopf in den Sand steckt. Seinerzeit war das primär bedrohte Opfer das byzantinische Restreich, was beim Fallen den muslimischen Türken Tür und Tor nach Europa öffnete. Heute ist es Israel, das beim Fallen den Welteroberungsplänen der Muslime Tür und Tor öffnet.
Und Sie kommen in einer solchen Lage mit "frommen Disputanten"!
Etwa, dass "Gott (im Islam) auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und daß nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Götzendienst treiben."
Das ist exakt die Folge des Gottesbegriffes der Muslime. Sie lösen ihn nämlich von jeder Ethik und Moral ab. Der Muslim könnte jederzeit Götzendienst betreiben, man nennt es Taqiyya. Aber ich fürchte, ich stoße hier auf Unverständnis. Der Papst jedenfalls hat mehr gemein mit Moshe ben Maimon als mit den von Ihnen zitierten geschichtlichen Daten der Verbrechen der Christen. Bitte vergessen Sie auch nicht, daß die Judenvernichtung im WWII, genannt "Holocaust", Papst Pius XII. hin & her, nicht durch christliche Inquisition, sondern durch deutsche Nationalsozialisten und ihre willigen antisemitischen Helfer in Mittel- und Osteuropas verübt wurde.
Ich lege Ihnen den sehr lesenswerten Artikel des Egon Flaig aus der FAZ bei. Vielleicht kennen Sie ihn noch nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Gudrun Eussner, Perpignan
Und hier die Antwort von Uli Sahm:
Liebe Frau Eussner,
vielen Dank für Ihre kritische Mail.
Ich würde mal vorsichtig formulieren: Sie haben recht und auch ich! Und wir widersprechen uns nicht einmal.
Ich halte es weiterhin für falsch und gefährlich, aus diesen alten Disputen zu zitieren, um damit eine "Wahrheit" über die andere Religion zu sagen (auch wenn wir beide uns wohl einig sind, dass man den Islam und seinen Ausbreitungsdrang durchaus so sehen kann und vielleicht sogar muss). Die Taktik des Papstes, sich gerade auf solche Texte zu berufen, halte ich für grundfalsch. Schließlich würde die EKD doch nicht Luthers Spätschriften hervorkramen, wenn Sie mit den Juden einen Dialog beginnen wollte.
Ich verstehe die Absicht des Papstes, doch hätte er gut getan, dies nicht mit einer derartigen "Beleidigung" zu tun, wie diese Aussage über Allah. Er hätte geschickter gehandelt, wenn er direkt aus Koran oder islamischen Schriften zitiert hätte oder gar moderne Gelehrte, die sich ja alle einig sind, dass der Islam die Welt erobern müsse.
Was den Holocaust angeht, so haben Sie auch recht. Dennoch, ohne den christlichen Judenhass bis zur Aufklärung, der dann mangels Gott in die verrückte Rassenlehre und so in den Antisemitismus verwandelt wurde, was eine gerade Linie brachte, wäre diese eliminatorische Ideologie, eben die Juden abschaffen zu müssen, undenkbar. Der moderne Antisemitismus fiel nicht vom Himmel sondern führt mit anderer Methode den alten Streit zwischen Ekklesia und Synagoge fort. Nur mit dem feinen Unterschied, dass es im Christentum noch die Konversion gab, während es bei der Rassenideologie keinerlei Entkommen mehr gab.
Danke für den Artikel von Flaig.
Ulrich W. Sahm, Jerusalem-Geulim
Quellen
"Sind Sie jetzt auch schon total vernebelt?" Mit informativen Kommentaren, Politically Incorrect, 19. September 2006
http://myblog.de/politicallyincorrect/art/4410241
Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen. ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI. Aula Magna der Universität Regensburg, Dienstag, 12. September 2006
http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006 /september/documents/hf_ben-xvi_spe_20060912_university-rege nsburg_ge.html
Dispute zwischen den Religionen: Der Papst, der Islam und das Mittelalter. Von Ulrich W. Sahm. HaGalil.com, 18. September 2006
http://www.hagalil.com/archiv/2006/09/islam.htm
Der Islam will die Welteroberung. Von Egon Flaig. FAZ, 16. September 2006, 5 nach 12. Erhaltungstrieb Blogg
http://erhaltungstrieb.blogg.de/eintrag.php?id=306
Ulrich W. Sahm
http://www.usahm.info/
Und eine Richtigstellung: Der Papst spricht nicht immer "ex cathedra": Wenn der Römische Papst in höchster Lehrgewalt (= ex cathedra) spricht, das heißt: wenn er seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte.
Unfehlbarkeit. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie
http://de.wikipedia.org/wiki/Unfehlbarkeit
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