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Justiz und Medien Frankreichs im Dienst der Politik des Jacques Chirac

Artikel 64 der Verfassung Frankreichs schreibt fest, da√ü der Staatspr√§sident Garant der Unabh√§ngigkeit der franz√∂sischen Justiz ist, unterst√ľtzt wird er dabei vom Conseil Sup√©rieur de la Magistrature, dem Hohen Rat der Richter und Staatsanw√§lte. Selten so gelacht! (1)

In Frankreich macht man den Bock zum G√§rtner. L√§√üt man die manigfaltigen Zusammenst√∂√üe des Jacques Chirac mit der Justiz Revue passieren, denkt man an den Untersuchungsrichter Eric Halphen, der sich bei seinen Recherchen √ľber die Machenschaften der Chiraquie einem undurchdringlichen Dickicht an pr√§sidentiellen Intrigen gegen√ľber sieht, die seine Arbeit behindern und ihn veranlassen, f√ľr einige Zeit vom Justizgesch√§ft zur√ľckzutreten, wei√ü man, da√ü der Generalstaatsanwalt des Pariser Berufungsgerichtes vom Staatspr√§sidenten eingesetzt wird, dann wundert man sich nicht mehr √ľber F√§lle wie die des Didier Julia und seiner Mitarbeiter, und erst recht versteht man nun, wieso die Klage des israelisch-franz√∂sischen Auslandskorrespondenten Charles Enderlin und seines Arbeitgebers, des staatlichen Fernsehkanals France 2, gegen die kritische Site Media Ratings vor Gericht mit einer Verurteilung des Philippe Karsenty endet. (2)

Ich habe die Aff√§re, um die es dabei geht, die angebliche Ermordung des 12-j√§hrigen pal√§stinensischen Jungen Mohammed al-Dura durch israelisches Milit√§r, im Februar 2005 ausf√ľhrlich dargestellt im Artikel "Der Fernsehkanal France 2 als aktiver K√§mpfer der Al-Aqsa Intifada". (3)

France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada

Videos zur Unterst√ľtzung der Behauptungen derjenigen, die von Anfang an Zweifel an der Echtheit der von Charles Enderlin und dem Fernsehsender France 2 so bereitwillig, schnell und kostenlos (!) weltweit verteilten Propaganda haben, liegen mir zu dem Zeitpunkt nicht vor. Es gibt reichlich Rushes, Filmmaterial √ľber den Verlauf der Kriegsspiele der Pal√§stinenser an der Netzarim-Kreuzung, am Ort des angeblichen Mordes. France 2 weigert sich lange, dieses Material sichten zu lassen. Esther Schapira, deren Dokumentation "Wer erscho√ü Mohammed al-Dura?" am 18. M√§rz 2002 als ARD-Dokumentation gesendet wird, darf das Filmmaterial nicht einsehen. Sie kann den Tod des Jungen wie alle anderen vor und nach ihr nicht dokumentieren.

Am 22. Oktober 2004, nach vier Jahren, erkl√§rt sich France 2 endlich bereit, das Filmmaterial einem ausgew√§hlten Personenkreis zur Einsichtnahme freizugeben. Es sichten die beiden angesehenen Journalisten Denis Jeambar, Herausgeber der Zeitschrift L¬īExpress, und Daniel Leconte, ein ehemaliger Mitarbeiter von France 2, das gesamte Filmmaterial. Sie ziehen Luc Rosenzweig, einen ehemaligen Redakteur der Le Monde und heutigen Mitarbeiter der israelischen Metula News Agency (Mena) hinzu, und die drei Journalisten stellen fest, da√ü es die von Charles Enderlin angeblich herausgeschnittene Szene von der Agonie des Mohammed al-Dura nicht gibt, und da√ü es sich bei dem Filmmaterial bei mindestens 24 von 27 Minuten um Aufnahmen von gestellten und gespielten Szenen handelt. Es sei nicht anzunehmen, da√ü ausgerechnet die drei ber√ľhmten Minuten mit Mohammed al-Dura und seinem Vater davon auszunehmen sind.

Inzwischen ist es, wenn man die nunmehr im Internet verf√ľgbaren Videos betrachtet, erwiesen, da√ü auch der Tod des Mohammed al-Dura gestellt ist. Schon vorher wird von Kritikern behauptet, da√ü es sich bei Mohammed al-Dura, der am Nachmittag angeblich ermordet wird, nicht um den Jungen gleichen Namens handelt, der morgens tot ins Krankenhaus Shifa eingeliefert wird. Da√ü es sich nicht um die "Ikone der Intifada II" handeln kann, wird nun durch das Video vollends bewiesen: weder ist irgendwo auch nur ein Tropfen Blut zu sehen, obgleich nicht nur der Junge, sondern auch sein Vater von den israelischen Kugeln getroffen sein sollen, sondern der "tote" Junge blinzelt, nachdem mehrfach gerufen wird "Das Kind ist tot!" munter unter seinem rechten Arm in Richtung Kamera. Wer´s nicht glaubt, schaue bitte selbst das Video auf The 2nd Draft an: The Birth of an Icon. Diese Dokumentation, eine Fortsetzung fr√ľheren Pallywoods, untersucht die zur Entstehung des explosiven Filmmaterials √ľber Mohammed al-Dura und seinen Vater Jamal, an der Netzarim-Kreuzung, am 30. September 2000, f√ľhrenden Umst√§nde, wird das Video auf der Site eingef√ľhrt. √Ąhnliche Erkenntnisse gewinnen Denis Jeambar, Daniel Leconte und Luc Rosenzweig, die aber dennoch nicht behaupten wollen, da√ü Charles Enderlin und sein Kameramann eine mutwillige Inszenierung oder Manipulation betrieben haben. (4)

Das ist allerdings bei der politischen Einstellung des Charles Enderlin, die er √ľbrigens mit seinem Kollegen und Freund, dem Chefredakteur der Zeitung Le Monde Sylvain Cypel teilt, naheliegend. Beide haben die gleichen Ansichten √ľber die israelisch-pal√§stinensischen Beziehungen, und so unterst√ľtzt Sylvain Cypel seinen Freund denn auch vorbehaltlos gegen alle Kritiker. Als Denis Jeambar und Daniel Leconte nach geraumer Zeit des vergeblichen Wartens auf eine Stellungnahme von France 2 zu ihrem Bericht √ľber das am 22. Oktober 2004 gesichtete Filmmaterial ihre Ergebnissse in der franz√∂sischen Presse ver√∂ffentlichen wollen, weigert sich Sylvain Cypel, das in Le Monde zu tun. Er findet das alles "bizarre", und so schreiben sie, am 25. Januar 2005, einen sehr vorsichtigen Artikel im Figaro.

Exkurs: Sylvain Cypel

Bei Sylvain Cypel handelt es sich um den Journalisten, der die ob der Attentate von 9/11 begeistert tanzenden israelischen kunststudierenden Spione f√ľr seine franz√∂sischen Leser aus dem Online Intelligence Letter des franz√∂sischen Agenten Guillaume Dasqui√© fischt und sie bald wieder versenkt, comme si de rien n´√©tait. Diese Geschichte wird seinerzeit ausf√ľhrlich auf der israelfeindlichen Site Antiwar.com des Justin Raimondo ausgewalzt. Es soll damit nicht nur die Beteiligung an, mindestens aber das Wissen israelischer Geheimdienste von den Pl√§nen f√ľr den 11. September 2001 nachgewiesen, sondern vor allem unterstellt werden, da√ü die Israelis relevantes Wissen dar√ľber f√ľr sich behalten und sich √ľber den Angriff auf ihre "angeblichen Freunde" die USA gefreut h√§tten: Jumping for Joy on 9/11. (5)

Auf Antiwar.com werden seinerzeit auch ZEIT- und Spiegel-Artikel v√∂llig entstellt wiedergegeben. In denen w√§re das ebenfalls belegt. Stattdessen steht das Gegenteil darin, n√§mlich, da√ü israelische Geheimdienste ihr Wissen √ľber Attentatspl√§ne an ihre US-Kollegen weitergegeben, diese aber den Warnungen keine Bedeutung beigemessen h√§tten, was Klicks auf die deutschen Links schnell zeigt. Justin Raimondo mag damit gerechnet haben, da√ü niemand diese Links auf Kongruenz mit der Wahrheit kontrolliert. Oliver Schr√∂m schreibt in der ZEIT: (6)

Mehrmals soll der Mossad die amerikanischen Partner vor den Terroristen gewarnt haben, insbesondere vor Chalid al-Midhar. Die US-Regierung r√§umt sp√§ter ein, vor dem 11. September solche Warnungen erhalten zu haben. Allerdings seien diese meist davon ausgegangen, dass Attentate gegen US-Einrichtungen au√üerhalb der Vereinigten Staaten geplant w√ľrden.

Nach Informationen der ZEIT hingegen √ľbergab der israelische Geheimdienst den US-Beh√∂rden wenige Wochen vor den Terrorangriffen eine Liste mit den Namen von Verd√§chtigen, die sich zwecks Vorbereitung von Anschl√§gen in den Vereinigten Staaten aufhielten. Erst kurz vor dem 11. September erkannte man offensichtlich bei der CIA die Gef√§hrlichkeit von al-Midhar und bat die Ermittlungsbeh√∂rden, nach ihm zu fahnden.

Ich wei√ü das deshalb noch genau, weil ich der verzerrten Darstellung des Spiegel-Artikels wegen einen Leserbrief an Backtalk von Antiwar.com geschrieben habe, der lange dort erhalten war - heute ist mein Backtalk nicht mehr im Archiv. Die L√ľgen des Sylvain Cypel in Le Monde datieren vom 5. M√§rz 2002. Antiwar.com l√§√üt nicht locker und unterh√§lt bis heute eine Rubrik Israeli Art Student Files. So widersteht jeder den Tatsachen, so gut er kann. (7)

Sylvain Cypel behauptet gegen√ľber jedem, der es h√∂ren, und vor allem jedem, der es nicht h√∂ren will, da√ü Talal Abu Rahma den Tod des Mohammed al-Dura am vierten Tag der Intifada II gefilmt habe, also am 2. Oktober 2000, das Material stammt jedoch vom 30. September 2000. Entsprechend sind seine anderen √Ąu√üerungen dazu einzusch√§tzen - sie sind den F√§lschungen √§hnlich, die er mit dem Haaretz-Interview des Alain Finkielkraut anstellt. (8)

Die französische Regierung bedient sich solcher Linken wie Sylvain Cypel und Charles Enderlin, um ihre Arabienpolitik durchzusetzen. Das hat sie mit der italienischen und der spanischen gemein.

Französische Rechtsprechung im Sinne der Arabienpolitik Frankreichs

ResilienceTV informiert, am 5. Oktober 2006, √ľber die politische Einstellung des Charles Enderlin und fragt, wer das sei, der in einem Interview mit der Fernsehzeitschrift T√©l√©rama Amira Hass "Mut" bescheinige, wissend, da√ü sie sich als Kommunistin bezeichnet und einseitig Partei ergreift f√ľr die Pal√§stinenser und unter ihnen lebt, der Gid√©on L√©vy "Mut" bescheinige, der in einem Interview mit arte die Absetzung des Propagandafilmes gegen Israel "Jenin, Jenin", von Mohamed Bakri bedauert, dessen Infamie Pierre Rehov in seinem Film "La route de Djenine" dokumentiert, dem arte die Ausstrahlung verweigert. Man verstehe bei Sympathien f√ľr solche "Helden" besser, warum Charles Enderlin mit Mitteln der L√ľge, der Verdrehungen und einseitiger Interpretationen das "B√∂se" nachweisen wolle, das Israel beherrsche. (9)

W√§hrend vielleicht jemand annimmt, da√ü France 2 endlich die Tatsachen offenlegt und die Behauptungen des Charles Enderlin und seines pal√§stinensischen Kameramannes Talal Abu Rahma richtigstellt, sich bei den Betreibern der Metula News Agency (Mena) und der Media Ratings, also bei denjenigen entschuldigt, die bezichtigt werden, eine pers√∂nlich motivierte Ha√ükampagne gegen Charles Enderlin zu f√ľhren, schaltet der Staatssender die franz√∂sische Justiz ein und klagt gegen Philippe Karsenty, der die Mena-Artikel auf der Site Media Ratings dokumentiert, merkw√ľrdigerweise aber nicht gegen die Mitarbeiter der Mena, obgleich sie es sind, die den Fall vor dem Vergessen bewahren und immer wieder an ihn erinnern.

Am 19. Oktober 2006 wird Media Ratings von der auf das Presserecht spezialisierten 17. Kammer des Tribunal de Grande Instance de Paris in erster Instanz wegen Verleumdung des Charles Enderlin und des Senders France 2 zu 1000 Euro Strafe, zur Zahlung von 3000 Euro Gerichtskosten sowie zur Zahlung je eines symbolischen Euro an die beiden Kl√§ger verurteilt. French Injustice, franz√∂sische Ungerechtigkeit, √ľberschreibt Honest Reporting seine Berichterstattung √ľber den Fall und erw√§hnt nebenbei noch eine weitere Ungerechtigkeit, n√§mlich die Aufhebung des Urteils gegen Edgar Morin und seine Ko-Autoren wegen des Artikels Isra√ęl-Palestine: le cancer, Israel-Pal√§stina: das Krebsgeschw√ľr, durch den Obersten Gerichtshof Frankreichs. (10)

Warum sind Charles Enderlin und die Informationsdirektorin von France 2 Arlette Chabot nicht bei der Verhandlung, sondern allein ihre Anw√§ltin B√©n√©dicte Amblard? Warum fordern sie nur einen symbolischen Euro? Was soll diese scheinheilige Gro√üz√ľgigkeit? Hinzu kommt, da√ü beide Kl√§ger weder ihre Zeugen, noch die vier Zeugen der Gegenseite vorf√ľhren und befragen, was vermuten l√§√üt, da√ü die Kl√§ger schon vorher wissen, da√ü sie gewinnen werden. Das Urteil habe schon vor der Verhandlung festgestanden, meinen Kenner der franz√∂sischen Justiz. Richard Landes, von The 2nd Draft, macht auf die Tatsache aufmerksam, da√ü sein Video nicht Gegenstand der Verhandlung ist. (11)

"Es ist ein dunkler Tag f√ľr Frankreich. Die franz√∂sische Justiz hat einen erlogenen Bericht f√ľr wahr erkl√§rt", sagt Philippe Karsenty nach der Entscheidung. "Kann man noch Vertrauen in die franz√∂sische Justiz haben?" fragt er. Er geht in Berufung. (12)

Anders ist, wie man sich denken kann, die Reaktion von Le Monde. Diese Zeitung findet es zun√§chst einmal nicht bemerkenswert, da√ü in Gestalt von Philippe Karsenty jemand vor Gericht steht, der auf seiner Site die Reportagen der Metula News Agency (Mena) dokumentiert, diese Agentur aber nicht behelligt wird. Le Monde hinterfragt nicht, warum das so ist. Der Sitz der Mena ist zwar in Metula/Israel, aber ihre Mitarbeiter sind jederzeit in Frankreich zu erreichen. Die Zeitung berichtet von der Anh√∂rung, am 7. September 2006, auf der die Staatsanwaltschaft (sic!) Freispruch f√ľr Philippe Karsenty fordert, da er die Artikel in gutem Glauben ver√∂ffentlicht habe. Das Gericht aber erkl√§rt, wenn es auch unzweifelhaft legitim f√ľr Philippe Karsenty sei, sich (sic!) zu fragen (s´interroger) bei einem Ereignis, das ein derartiges Medienecho hatte, und Kritiken zu dem auf die Schnelle ("√† chaud") erstellten Kommentar zu verfassen, den Charles Enderlin zu den Bildern gegeben habe, so gen√ľge die Wiedergabe unter seiner Verantwortung, ohne Distanz und kritische Analyse seiner eigenen Quellen, der These zu Propagandazwecken gestellter Szenen √ľber den Tod des Mohammed al-Dura in den Armen seines Vaters nicht der Anforderung der Seriosit√§t, die man von einem Fachmann der Information erwarten k√∂nne. (13)

Ohne die Mena oder ihre Mitarbeiter als juristische Personen in das Verfahren einzubringen, so da√ü diese sich gegen die Anschuldigungen des Gerichts wehren k√∂nnten, werden die Ergebnisse derer Untersuchungen behandelt, beurteilt und verworfen. Bereits in meinem Artikel, vom Februar 2005, sind eine solche Menge von Quellen genannt, in denen Experten sich der Untersuchung des angeblichen Mordes an Mohammed al-Dura durch israelisches Milit√§r widmen, da√ü man die Gr√ľnde f√ľr die √Ąu√üerungen des Gerichtes anderswo suchen mu√ü. Die Behauptung, da√ü weder offizielle israelische Stellen, weder Armee noch Justiz diesen Untersuchungen irgendeine Relevanz einger√§umt h√§tten, ist unwahr. Das wird in den von der Mena dokumentierten Artikeln deutlich. Richard Landes fa√üt das in seinem Artikel, vom 19. Oktober 2006, noch einmal zusammen. (14)

Philippe Karsenty wird zu einer Strafe von 1000 Euro und zur Zahlung an Charles Enderlin und France 2 der zwei Euro verurteilt. Von den 3000 Euro Gerichtskosten, zu deren Zahlung Philippe Karsenty verurteilt wird, berichtet Le Monde nichts. Das scheint der Zeitung, die von Arnaud Lagardère Finanzspritzen in Millionenhöhe erhält, doch gar zu popelig.

Richard Landes zitiert aus den vom Gericht genannten Gr√ľnden f√ľr die Verurteilung des Philippe Karsenty. Man soll es nicht f√ľr m√∂glich halten, was da angef√ľhrt wird. Das Filmmaterial sei von Charles Enderlins Kameramann gedreht, der f√ľr France 2 bereits seit 20 Jahren arbeite, und dessen Professionalit√§t niemals in Zweifel gezogen worden sei. Diese Aussage trifft das Gericht in Abwesenheit von Charles Enderlin. Es √ľbernimmt die Einsch√§tzung eines Proze√übeteiligten ungepr√ľft und zeigt damit seine Parteinahme f√ľr die Kl√§ger. Auf die Idee, da√ü Auslandskorrespondent und Kameramann seit 20 Jahren die √Ėffentlichkeit fehlinformiert haben k√∂nnten, kommt das Gericht erst gar nicht. Es legt sich aber bei Charles Enderlins politischer Einstellung nahe, zumindest die Frage zu stellen. Richard Landes meint, die Richter arbeiteten wie Journalisten, und zwar wie schlechte Journalisten. Er weist auf die Ungleichheit vor dem Gesetz hin: Philippe Karsenty hat sehr hohen Anspr√ľchen bei der Kritik an Charles Enderlin, und der hat gar keinen Anspr√ľchen bei seiner Kritik an Philippe Karsenty zu gen√ľgen, als gesch√§tztes Mitglied eines staatlichen Senders sei er gesch√ľtzt. Seine Verfehlungen w√ľrden st√§ndig √ľbergangen, und zum Schlu√ü hei√üe es in den Medien: Das schockierende Foto der Intifada ist nicht gestellt, was das Gericht gar nicht ge√§u√üert habe.

Es handele sich um aristokratische Gerichtsbarkeit. (11)

Die Metula News Ageny und der Fall Mohammed al-Dura

St√©phane Juffa, der Chefredakteur der Mena, zitiert dazu einen weltweit ber√ľhmten US-amerikanischen Strafrechtler, der diesen Fall des Philippe Karsenty auf Anfrage so kommentiert habe: "Wenn ein Fall in einem Gericht gewonnen werden kann, ohne da√ü der mindeste Beweis und der mindeste Zeuge pr√§sentiert werden mu√ü, ist es ein Zeichen daf√ľr, da√ü dieses Gericht sich in einer Gerichtsbarkeit befindet, in der die Gerechtigkeit nicht existiert!" Dieser Strafrechtler werde einen speziellen Bericht √ľber das Urteil verfassen. Der eigentliche Proze√ü √ľber die zu Propagandazwecken gestellte Szene der angeblichen Erschie√üung des Mohammed al-Dura stehe noch aus. Medien und Justiz t√§uschten sich, wenn sie meinten, mit dem Proze√ü gegen Philippe Karsenty sei der Fall erledigt. Jedoch st√ľnden letztlich weder Charles Enderlin noch Philippe Karsenty, nicht France 2 noch die Mena in Frage, sondern das Funktionieren der demokratischen Institutionen Frankreichs. Keines der franz√∂sischen Medien berichtet von der Ungeheuerlichkeit, da√ü Staatspr√§sident Jacques Chirac und der B√ľrgermeister von Paris Bertrand Delano√ę jeder einen eigens f√ľr den Proze√ü geschriebenen Brief an das Gericht geschickt und darin Elogen √ľber die Qualit√§ten des Charles Enderlin von sich gegeben h√§tten. Damit h√§tten sie die geheiligte Schranke zwischen den Gewalten aufgehoben. Die Exekutive, vertreten durch ihren h√∂chsten Repr√§sentanten, mischt sich in die Angelegenheiten der Justiz ein. Die Wahrung dieser Schranke mache eine demokratische Herrschaft aus.

Mit welcher Leichtigkeit der Staatspr√§sident diese barri√®re sacr√©e √ľberschreitet, ist aus dem Fall des Didier Julia, aus der Aff√§re Clearstream und aus vielen anderen F√§llen bekannt. In Frankreich ist diese Schranke, beg√ľnstigt durch den Artikel 64 der Verfassung, nicht sehr widerstandsf√§hig. Der Pr√§sident macht, was er f√ľr richtig h√§lt. Den Untersuchungsausschu√ü im Fall Didier Julia l√§√üt er verhindern, in dem ein juristisches Verfahren gegen dessen Mitarbeiter eingeleitet wird. Der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses mu√ü in einem solchen Fall zur Vermeidung von St√∂rungen des juristischen Verfahrens der Justizminister zustimmen. Darauf wartet man vergeblich. W√§hrend Didier Julia l√§ngst zu Empf√§ngen im kleineren Kreise beim Staatspr√§sidenten geladen wird, harren seine Mitarbeiter noch heute auf den Proze√ü. Le dossier est vide, es ist nichts dran am Fall, sagen die von der Exekutive mit der Untersuchung beauftragten Richter. Diese Willk√ľr treibt ihnen aber nicht die Sorgenfalten auf die Stirn oder gar die Schamesr√∂te ins Gesicht, sondern sie reicht zu einem Grinsen um die Mundwinkel. Das Verfahren wird ad calendas graecas geschoben, auf den Sankt Nimmerleinstag. (15)

Was Referenzschreiben √ľber den Charakter einer Person angeht, so werden sie wie bei uns vom Arbeitgeber oder von einem Gleichgestellten geschrieben, von jemandem, der die Person n√§her kennt und mit ihr √∂fter zusammen ist: Was wissen Chirac und Delano√ę √ľber Charles Enderlin? Wo treffen sie ihn regelm√§√üig? Wir waren dummerweise √ľberzeugt, da√ü unser Kollege st√§ndiger Korrespondent in Jerusalem war, und nicht im √Člys√©e-Palast noch im Rathaus von Paris. Ausgenommen, diese gro√üen Zeugen verwechseln einen Referenzbrief mit einem Unterst√ľtzerbrief f√ľr einen unterw√ľrfigen Journalisten, der bis an die Ohren in der Patsche sitzt.

Die Ausma√üe dieser Einmischung werden deutlich, wenn man wei√ü, da√ü es der Staatspr√§sident ist, der die obersten Juristen des Landes bestimmt. Welcher Staatsanwalt, welcher Richter wird sich eines Philippe Karsenty wegen die Karriere verbauen? Es bed√ľrfte der Richter mit eiserner Moral, die das Recht √ľber alle anderen Erw√§gungen stellten. Die Richter in diesem Proze√ü seien nicht von der Art. Das Urteil habe bereits vorab festgestanden. Deshalb vergeudeten weder Charles Enderlin noch Vertreter von France 2 ihre Zeit, vor Gericht zu erscheinen. In einem fairen, unabh√§ngigen Proze√ü w√§re es f√ľr die Kl√§ger ein Risiko gewesen, keine Zeugen zu benennen, keine Beweise vorzulegen und keinen der vier vom Beklagten benannten Zeugen zu befragen. Der Brief des Jacques Chirac erkl√§re die Entscheidung gegen den sehr plausiblen Antrag der Staatsanwaltschaft auf Freispruch.

So erkläre sich auch die Diffamierung der Mena durch die Richter. Sie kennten nichts von deren Untersuchungen im Fall Mohammed al-Dura, dennoch belegten sie die jahrelange Arbeit der Mena und von mehreren Experten mit einem Negativurteil. (16)

St√©phane Juffa schreibt am 30. Oktober einen zweiten, allgemeineren Artikel zur Sache. Unter Ausschlu√ü einer √∂ffentlichen Debatte solle der gr√∂√üte Betrug in der Geschichte des Fernsehens ohne W√ľrdigung eines einzigen Beweises, ohne Vernehmung eines einzigen Zeugen besiegelt werden. France 2 solle ohne Ber√ľcksichtigung der Fakten von jedem Verdacht des Betruges freigesprochen werden. Er weist auch hin auf die Folgen dieser Rechtsprechung f√ľr kleine Agenturen und Blogs. Die Strafe und die Gerichtskosten in H√∂he von mehr als 4000 Euro f√ľr Philippe Karsenty reichten bereits jetzt, um freie Denker ins Glied zur√ľcktreten zu lassen. J√ľdische Medien in Frankreich, RCJ, Radio J, die sich einst darum gerissen h√§tten, Mena-Artikel zu ver√∂ffenlichen, scheuten die Mena nun wie die Kr√§tze, genau wie auch die Mainstream Medien. Er nennt noch zwei weitere Prozesse, die in √§hnlich rechtsfernem Raum verlaufen sind. (17)

Der Fall Mohammed al-Dura in deutschen Printmedien und auf deutschen Blogs

St√©phane Juffa macht aber auch aufmerksam darauf, da√ü es im Zuge der Globalisierung f√ľr Jacques Chirac und seine willigen Medien nicht so einfach getan ist, sondern da√ü internationale Medien und Blogger die Themen aufnehmen. Er verweist dabei ausdr√ľcklich auf little green footballs, Les petits ballons de football verts, die am 19. Oktober, am Tag des m√ľndlichen Urteils, posten: France Surrenders to Palestinian Fraud. (18)

Es gibt auch deutsche Beiträge in Printmedien und auf Blogs zum erstinstanzlichen Urteil im Prozeß gegen Philippe Karsenty, wobei unter den Printmedien nur die Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Kölner Stadtanzeiger das Urteil kommentieren. In chronologischer Reihenfolge: (19)

  • Die franz√∂sische Justiz versagt
  • Bruchst√ľcke des franz√∂sischen Versagens
  • Pallywood in Frankreich
  • Schutz f√ľr den Vierten Stand
  • Drei Kugeln und ein totes Kind
  • Drei Kugeln ohne Ende
  • Kritischer Journalist im Fall "Mohammed al-Dura" verurteilt

Richard Landes meint resignierend: Dies ist ein tragischer Tag f√ľr die republikanischen Werte Frankreichs und die Unverw√ľstlichkeit der europ√§ischen Kultur. Von Philippes Arbeit einmal abgesehen, kann niemand als diejenigen, die schon vor langer Zeit Frankreich abgeschrieben haben als ein Drittweltland mit Erstweltambitionen, die Glaubenskrieger mit Anspr√ľchen auf Europa und ihre drittweltlerischen Verb√ľndeten, erfreut sein √ľber solches Versagen juristischer Argumentation. (14)

Um dieser Einschätzung noch eins draufzusetzen, sage ich voraus, daß es der Berufungsverhandlung ähnlich ergehen wird wie dem Verfahren gegen die Mitarbeiter des Didier Julia. Soeben hat Laurent Le Mesle, der ehemalige Berater des Staatspräsidenten Jacques Chirac in juristischen Angelegenheiten und Kabinettschef des Justizministers Pascal Clément, sein Amt als Generalstaatsanwalt von Paris aufgenommen. Das wird von einflußreichen Kreisen der Opposition als Manipulation der Justiz eingeschätzt, da Jacques Chirac nach Ende seiner Amtszeit einigen juristischen Verfahren entgegensieht, die seiner jetzigen Immunität wegen ruhen. Den Gebrauch der Justiz zum politischen und privaten Nutzen wirft der Parti Socialiste ihm vor. Wo der Berufungsfall der Media Ratings dabei bleibt, die Wahrheitsfindung im Fall der Ikone der Intifada II Mohammed al-Dura? Direkt neben der Akte des Irakabenteuers des Teams von Didier Julia, im Grand gouffre de la République française ! (20)

Ich habe deshalb schon eine passende Hymne f√ľr Philippe Karsenty, St√©phane Juffa, Luc Rosenzweig und Richard Landes bereit: Bertolt Brechts und Paul Dessaus Lied vom Sankt Nimmerleinstag.

2. November 2006

Quellen

(1) Conseil Supérieure de la Magistrature (CSM)
http://www.conseil-superieur-magistrature.fr/

(2) Florence Aubenas befreit - Hussein Hanoun al-Saadi in Paris! 15. Juni 2005
(Darin einige Links aus meinen Archiven zur Rolle der Justiz im Fall der drei französischen als Geiseln gehaltenen Journalisten)
http://www.eussner.net/artikel_2005-06-15_20-59-25.html

(3) Der Fernsehkanal France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada.
10. Februar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-02-10_01-52-36.html

(4) The Birth of an Icon. Al-Durah. What Happened? The 2nd Draft
http://www.seconddraft.org/aldurah.php

Al-Durah Movie. The Birth of an Icon. The 2nd Draft Movies
http://www.seconddraft.org/movies.php

(5) Israel versus America. The secret war is now out in the open.
By Justin Raimondo, Antiwar.com, March 15, 2002
http://www.antiwar.com/justin/j031502.html

An Enigma: Vast Israeli Spy Network Dismantled in the US. By Sylvain Cypel,
Le Monde, March 5, 2002. Translated by Malcolm Garris, Antiwar.com
http://www.antiwar.com/rep/lemonde1.html

(6) T√ľr an T√ľr mit Mohammed Atta. Von Oliver Schr√∂m, DIE ZEIT Nr. 41/2002,
14. Oktober 2002
http://www.zeit.de/archiv/2002/41/200241_mossad.xml?page=all

Next Door to Mohammed Atta. By Oliver Schröm, DIE ZEIT, October 14, 2002
http://iraq-info.1accesshost.com/schrom.html

(7) CIA-Pannen : Mossad-Agenten waren Atta auf der Spur, SpiegelOnline,
1. Oktober 2002
http://service.spiegel.de/digas/servlet/find/ON=spiegel-2164 21

Israeli Art Student Files. Antiwar.com
http://www.antiwar.com/israeli-files.php

(8) Mais d´o√Ļ vient donc le scandale ? 20 minutes
http://perso.orange.fr/mivy/linfo/al-dura/DouvientLeScandale .htm

Alain Finkielkraut, das Interviewerpärchen und die Geier (Teil 3). Das Elend der französischen Medien. 9. Dezember 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-12-09_05-12-28.html

(9) L´id√©ologie de Charles Enderlin. ResilienceTV, 5 octobre 2006
http://www.resiliencetv.fr/modules/smartsection/item.php?ite mid=153

(10) French Injustice. The French Al-Dura court case ends in defeat for Philippe Karsenty. Media Critics, Honest Reporting, October 25,2006
http://www.honestreporting.com/articles/45884734/critiques/F rench_Injustice.asp

Der Antisemitismus in Frankreich: ein Krebsgeschw√ľr. 1. Juli 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-07-01_13-45-34.html

(11) La France ... Vit-elle ? Reflections on the Latest Judgment. By Richard Landes, Augean Stables, October 24, 2006
http://www.theaugeanstables.com/2006/10/24/la-france-vit-ell e-reflections-on-the-latest-judgment/

(12) French TV station wins al-Dura case. By Stéphane Elkaim, Jerusalem Post, October 20, 2006
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?c=JPArticle&cid=11591 93481133&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

26-10-06 Condamnation de Media-Ratings : peut-on encore faire confiance à la justice française ?
http://www.m-r.fr/actualite.php?id=1381

(13) Charles Enderlin et France 2 gagnent leur procès. Par Pascale Robert-Diard, Le Monde, 21 octobre 2006
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3236,36-825787@51- 823288,0.html

(14) Kafka in Wonderland. L´Express weighs in. By Richard Landes, Augean Stable, October 19, 2006
http://www.theaugeanstables.com/2006/10/19/kafka-in-wonderla nd-lexpress-weighs-in/

(15) La Constitution du 4 octobre 1958. Tite VIII de l´Autorit√© judiciaire. Art. 64
http://www.affaires-publiques.org/textof/C04-10-58/64.htm

Die französische Regierung kooperiert mit dem irakischen Widerstand. Darin: "Wer will das Fell von Didier Julia?" 5. Januar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-01-05_17-50-30.html

(16) Il faut sauver le soldat Enderlin ! (1ère partie) (info # 012710/6).
Par Stéphane Juffa, Metula News Agency, 27 octobre 2006 (Accès libre)
http://www.menapress.com/article.php?sid=1568

(17) Il faut sauver le soldat Enderlin ! (2ème partie et fin) (info # 013010/6).
Par Stéphane Juffa, Metula News Agency, 30 octobre 2006 (Accès abonnés)
http://www.menapress.com/article.php?sid=1571

Metula News Agency
http://www.menapress.com/

(18) France Surrenders to Palestinian Fraud. little green footballs, October 19, 2006
http://littlegreenfootballs.com/weblog/?entry=23016_France_S urrenders_to_Palestinian_Fraud&only

French TV station wins Palestinian boy libel case. By James Mackenzie, YahooNews,
October 19, 2006
http://news.yahoo.com/s/nm/20061019/wl_nm/france_mideast_lib el_dc

(19) Die franz√∂sische Justiz versagt und Bruchst√ľcke des franz√∂sischen Versagens, honestreporting.com Media Backspin, Falsches zu Nahost richtiggestellt,
19. Oktober 2006
http://myblog.de/hrbs/cat/194604/0

Pallywood in Frankreich. Lizas Welt, 24. Oktober 2006
http://lizaswelt.blogspot.com/2006/10/pallywood-in-frankreic h.html

Schutz f√ľr den Vierten Stand, honestreporting.com Media Backspin, Falsches zu Nahost richtiggestellt, 24. Oktober 2006
http://myblog.de/hrbs/cat/194604/0

Drei Kugeln und ein totes Kind. Von Tobias Kaufmann. Kölner Stadtanzeiger und Tagebuch der Achse des Guten, 25. Oktober 2006
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=3613

Drei Kugeln ohne Ende. Waren die franz√∂sischen Fernsehbilder vom Tod eines Pal√§stinenserjungen inszeniert? Von J√ľrg Altwegg, F.A.Z., 25.10.2006, Nr. 248 / Seite 46
http://www.m-r.fr/dossier.php?id=56

Kritischer Journalist im Fall "Mohammed al-Dura" verurteilt. Von JNS. Jewish News Service und Israelnetz, 27. Oktober 2006
http://www.bloglines.com/blog/JNS?id=542
http://www.israelnetz.de/show.sxp/12570.html?sxpident=894-11 8978JeK-zz8755027-a

(20) Laurent Le Mesle prend ses fonctions de procureur général de Paris,
Le Monde, 9 octobre 2006
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3224,36-821613,0.h tml



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