
Deutsche Krimis - eine Gesellschaft kreist um sich selbst
Auf vielen Blogs liest man über die verfehlte Berichterstattung in den Medien; an den überregionalen Zeitungen und Zeitschriften sowie am deutschen Fernsehen wird kein gutes Haar gelassen. Was die als Nachrichten und Dokumentationen ausgegebenen Meinungen in ARD und ZDF angeht, so sehe ich sie schon lange hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt, was nun wieder verdreht, weggelassen oder zugefügt wird. Wer sich in der Welt zurechtfinden müßte auf Grund der von unserem Fernsehen präsentierten Nachrichten, der könnte meinen, die deutsche Gesundheitsreform wäre von George W. Bush und Hartz IV von Ehud Olmert.
Was macht also der Mensch, der gesegnet ist mit allen deutschen Fernsehkanälen? Er schaut die Comedies. Stratmanns, Night Wash, Dieter Nuhr, Olli Dittsche, Blond am Freitag und die wunderfeinen Mitternachtsspitzen, oder er wartet bis noch tiefer in die Nacht hinein auf die alten schwarzweißen Filme. Aber die ARD entblödet sich nicht, wieder und wieder den Blauen Todesengel zur Vernichtung des Emil Jannings loszuschicken, oder den mickrigen Heinz Rühmann, die Inkarnation des deutschen Spießers, ´ne Tante spielen zu lassen.
Aber zum Verzagen besteht dennoch kein Anlaß. Es gibt den Sturm der Liebe. Dieser, am Jahresende 2005 bei Folge 60 oder so als Wiederholung entdeckt, des Nachts um 3:15 Uhr, ist nun schon seit vielen Monaten der Retter meines Nachmittags. Selbst Reste der vorhergehenden 15 Uhr-Nachrichten können die Freude nicht schmälern. Täglich gibt es beinahe klassisches Theater, die annähernde Einheit von Ort, Zeit und Handlung im Hotel Fürstenhof und seiner unmittelbaren Umgebung samt Kapelle und Wasserfall, Liebe, Haß, Güte, Neid, Mord und Totschlag. Es ist auch da wie bei Aischylos, Sophokles und Euripides: es stört nicht, daß man die Handlung des Stückes schon im voraus kennt und weiß, daß Cora ´ne mörderische Schlange, daß die gelähmte Miriam bald wieder gehen kann und sich an alles erinnern wird, daß Charlotte Saalfeld in einer der nächsten Folgen aus dem afrikanischen Busch bzw. aus ihrer Tätigkeit als Ernie Kremser bei der Wiener Soko auftaucht, und Barbara von Heidenberg ihre gerechte Strafe kriegt.
Sturm der Liebe entführt einen in eine andere Welt, und niemand behauptet, das wären die Nachrichten der Tagesschau oder die Dokumentation über die letzten Tage des Führers im Bunker. (1)
Krimis in ARD und ZDF
Zu den kleinen Freuden des Tages zählen bis vor kurzem auch die Krimis in ARD und ZDF, die nachmittäglichen Sokos, donnerstags ergänzt durch die immer spannenden Wiederholungen der Serie Ein Fall für Zwei, die abendlichen Tatorte nebst Wiederholungen und die Freitags- und Samstagskrimis. Die deutschen bzw. deutschsprachigen Krimis unterscheidet von ihren amerikanischen entfernten Verwandten, daß sie fast langweilig dahinplätschern und die Brutalität sich wirklich auf die nötigsten Tropfen Blut beschränkt. Schlägereien und anderer heftiger Körperkontakt kommen selten vor. In den Krimis werden die Orte München, Köln, Wismar, Frankfurt, Kitzbühel, und Dörfer wie Berlin, Ludwigshafen, Wien und Münster auf die Scheibe gezaubert. Zwar stört mich schon lange einiges, aber insgesamt geht´s durch, und in Kitzbühel und Umgebung erkenne ich Orte wieder, in denen ich schöne Zeiten verbrachte.
Was schon immer stört, das sind die Sozialarbeiterversuche der Kommissarin Lena Odenthal, Kommissar Max Poilu, der nicht ein für allemal und à jamais in Frankreich im Bistro verschwindet, und die Vorgesetzten, die in einigen der Krimis gegen die Kommissare löcken und sie an der Arbeit hindern wollen, weil ein einflußreicher Kölner oder Wiener Dorfpolitiker involviert ist, daß Kommissare sich wider alle Vernunft allein in äußerst gefährliche Situationen begeben, und daß sie so gut wie nie schießen, um den Verbrecher an der Flucht zu hindern, nicht einmal in dessen Autoreifen, als ob Polizisten nicht ausgebildet würden, gezielte Schüsse abzugeben, um den Verbrecher dingfest zu machen; stattdessen enteilt dieser und begeht neue Missetaten.
Es fehlt schon immer Humor und savoir vivre, außer bei der Soko Kitzbühel, bei Wilsberg und selbstverständlich bei allen Tatorten mit meinem Lieblingsschauspieler Jan Josef Liefers und seiner Figur des Professors Boerne. Daß eine zwergenwüchsige Schauspielerin dort "Alberich" genannt werden kann, dümpelt schon hart an der Grenze des Verbotenen, aber da es nicht den Islam betrifft, habe ich die Chance, daß es dabei bleibt.
Störend hinzu kommt neuerdings die grottenschlechte Werbung auf PISA-Niveau für die Krimis. Man darf allen Ernstes raten, wann der jeweilige Kommissar "ermittelt", einer macht Sprüche, daß er sich mit dem Sieger des Preisrätsels einen Abend um die Ohren schlagen wird und ihn zum Dîner ausführt, ein anderer scheint bei sich zu Hause auszumisten und will sogar eine mit seinem Namen beschriftete Kommissarstasche samt Regenmantel verschenken. Im Anschluß an die Werbung wird der zu erratende Termin in der Vorschau mitgeteilt. Das Niveau von Tagesschau, Tagesthemen, heute und heute-journal wird damit doch klaftertief unterboten, wenn auch wenigstens die Daten stimmen.
Nun aber treffen mich zusätzlich die Folgen der Großen Koalition; die kreist nur um sich selbst und packt die Probleme aus Feigheit und aus parteitaktischem Kalkül nicht an. Die Folge der Großen Koalition ist überall mit den Händen zu greifen ... Ein Mehltau aus Blei hat sich über das Land gelegt. Es herrscht dumpfe Depression, die nur in kurzzeitigen hysterischen Ausbrüchen wie dem Fußball-Populismus des Frühsommers ekstatisch kompensiert wird. Wir sind Weltmeister der Herzen, sagen wir von uns selbst und sehen das als einzige so. Ganz Deutschland lügt sich den Sieg in die Tasche, ist begeistert über den dritten Platz, als wär´s der erste. Derweil werden Phantasie und kreative Experimente in Deutschland systematisch verhindert. Ein Grund zum Auswandern ist das. (2)
Dieser Mehltau aus Blei legt sich in letzter Zeit über fast alle Krimis. Die ersten Spuren sind schon zum Ende der rotgrünen Koalition auszumachen, zu der Zeit ist der "Professor aus Heidelberg" samt seinen vernünftigen Vorschlägen zur Steuervereinfachung und zum Bürokratieabbau gerade von allen Parteien restlos erledigt. Die Mehrheit der Deutschen traut sich zuzugeben, daß sie nichts ändern, sich von jeder Neuerung fernhalten und im eigenen verköchelnden Safte weiterschmoren will. (3)
Ausgerechnet im Tatort mit Prof. Boerne geht´s richtig los: die ermittelnden Kommissare und ihre Kollegen Staatsanwälte und Pathologen beschäftigen sich mit sich selbst, werden Verdächtige, werden Opfer, kennen die Opfer oder deren Angehörige, geraten aus persönlicher Unzulänglichkeit ins Fadenkreuz von Verbrechern oder anderen Ermittlern. Jede Distanz zu Verdächtigen, Tätern und Opfern wird aufgehoben, das Genre löst sich auf.
Es fängt, am 20. November 2005, harmlos an und wird, am 25. Dezember 2006, wiederholt. Die Drehbuchautoren Jan Hinter und Stefan Crantz genehmigen Prof. Boerne einen zu tiefen Blick ins Glas: (4)
Zu seinem großen Bedauern kann der Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne nicht direkt in die Ermittlungsarbeiten eingreifen: Er muss sich in eigener Sache gegen den Vorwurf verteidigen, unter Einfluss von Kräuterschnaps einen Autounfall verursacht zu haben.
Zum Delirium steigert sich die Selbstbeschäftigung, am 29. Dezember 2006, mit dem Horrortrip der Soko Leipzig und der unerträglichen Flucht aus Santo Domingo des Kommissars Jan Maybach, der nicht mehr Teil des Rahmens sein möchte, der das Bild zusammenhält. Statt den Kollegen Miguel in seinem Fernsehgrabe ruhen zu lassen, muß unter der karibischen Sonne sein Vermächtnis erfüllt und eine Patenschaft für den Jungen Elian übernommen werden. Man gönnt sich ja sonst keinen Urlaub mit dominikanischen Schönen. In Leipzig ist der Held mit der Tochter seines Chefs ernsthaft liiert, wodurch in die Serie Soko Leipzig sowieso schon ständig inzüchtige Handlung eingebaut ist, nun aber gerät Kommissar Jan Maybach vollends zum Helden, der in eigener Sache ermittelt: nie mehr Rahmen! (5)
Soll vielleicht der Schauspieler Marco Girnth davon abgehalten werden, wie sein Kollege, die Leipziger Berühmtheit Miguel Alvarez alias Gabriel Merz, abzuhauen? Der verläßt die Soko Leipzig nach fünf Jahren, schafft einen Ausflug in die berühmte Filmindustrie von Bollywood, ich aber komme darob ins Schwelgen in Erinnerungen an Shammi Kapoors Junglee. Die Lieder meines Lieblingsfilmes, von 1961, kann ich heute noch auswendig: chahe koi mujhe junglee kahe - yaahooo! A spirit of freedom which the youth could identify with. Leider kommt die Neuauflage von Hamid nicht an das Original heran, das Video ist dennoch hörens- und sehenswert, yahoo. (6)
Was die Beschäftigung der Kommissare mit sich selbst angeht, freut sich Gabriel Merz, findet es sogar geil, wenn ich etwas zu spielen hatte, bei dem meine Figur emotional involviert war. Also Fälle, in denen jemand ins Schussfeld gelangte, den Miguel kannte oder in die er verliebt war. Das war selten, hat dann aber richtig Spaß gemacht. Liebeleien der Ermittler mit den Opfern, mindestens aber mit den Journalistinnen des jeweiligen Lokalblattes oder den Beschäftigten in einem Puff finden Anklang bei den Darstellern, die anscheinend meinen, erst dann ihre schaupielerischen Fähigkeiten so richtig entfalten zu können. Bei Claus Theo Gärtner, dem Privatdedektiv Josef Matula, und seinem Arbeitgeber sieht man, daß derartige Techtelmechtel höchstens schmückende bis überflüssige Dreingaben sind, daß die Gestaltungsmöglichkeit in der Rolle angelegt sein und von den Darstellern vermittelt werden muß, etwa wie in guten Western. (7)
Mit den Tätern ist den Ermittlern die Gemeinsamkeit nicht spaßig und geil, ich erinnere mich überhaupt an nur einen Tatort, aus Ludwigshafen, wo ein Polizist in kriminelle Handlungen verwickelt ist, ich meine, in Rauschgiftschmuggel, bin mir aber nicht sicher.
Man hätte Gabriel Merz Gefühlsduselei mit schönen weiblichen Opfern oder Verdächtigten anbieten sollen, wo sich für seine Rolle mehr entwickelt, dann könnte ich ihn weiterhin freitags sehen. Nun ist er schon einige Folgen lang fort aus dem Leipziger Allerlei:
Ja, das Aufhören hier hatte ja auch damit zu tun, dass ich das Gefühl hatte, etwas Neues anfangen zu müssen. Ich schnitt ganz viele alte Fäden ab. Für mich war 2005 ein kribbeliges Jahr. Das war auch in meinem Umfeld so. Es gab eine Menge Umbrüche. Dem habe ich mich dann irgendwie hingegeben. Jetzt schaue ich, was daraus wird. Ich denke, es muss und wird sich auch schauspielerisch weiter entwickeln.
Der Schauspieler Gabriel Merz beherzigt den Vorschlag von Rüdiger Suchsland, wechselt die Agentur, die ihn immer aus einem bestimmten Blickwinkel sieht, und wandert versuchsweise und vorübergehend aus nach Bombay, der Kollege Jan Maybach bleibt zu Hause und befaßt sich weiter mit sich selbst, läuft dabei zur vollen Form auf, riskiert ´ne Filmflucht und landet im wirklich wahren Leben direkt an der Zimmerdecke. Der das Drehbuch verbrochen und mir den Abend vermiest hat, heißt Frank Koopmann. (8)
Kaum habe ich mich von dem Flop erholt und freue mich auf den Samstagskrimi, am 30. Dezember 2006, um 20:15 Uhr, unterbietet der noch die Flucht aus Santo Domingo. Senta Berger, die Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek, gerät Unter Verdacht. Ich schalte sofort auf den Sender al-Jazeera um, da weiß ich wenigstens, daß ich neben dem Ärger noch ein paar Informationen bekomme.
Die Ermittlerin wird seit 2003 in allen Folgen von ihrem Vorgesetzten, dem bläßlichen Chef Dr. Claus Reiter herabgewürdigt, nicht für voll genommen, sogar für psychisch krank erklärt, was übrigens auch anderen Ermittlerinnen schnell geschehen kann, Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal und Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm beispielsweise. Immer stehen dann Männer bereit, die armen Frauen zu retten und ihren guten Ruf als Kriminalistinnen wiederherzustellen. Bei Kommissaren ist das so gut wie nie der Fall, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, daß eine Polizistin einen Kollegen für psychisch krank erklärt und eine andere ihn anschließend aufgerichtet hätte. Um entnervte Ermittler kümmern sich immer nur andere Kollegen.
Jetzt verdächtigt man nach dem Willen des Drehbuchautors Edward Berger die Kommissarin Dr. Eva Maria Prohacek gar des Mordes. Sie wird festgenommen, gerät ans Ende ihrer Kräfte, und nur ihr getreuer Assistent Hauptkommissar André Langer kann ihr jetzt helfen und sie aus dem Albtraum befreien. Wie das so ist, Frauen können allein keinen vollen Einsatz bringen, oder sie widmen sich armen Straßenkindern und ähnlicher Unterschicht des Kurt Beck. (9)
Am Sonntag ist Silvester, da feiere ich ohne Krimi. Ich weiß gar nicht, ob es irgendwo einen gibt. Aber am Neujahrsabend, da ermitteln im Tatort des Thomas Stiller Die Blume des Bösen Freddy Schenk und Max Ballauf, der korpulente Familienvater und der ruppige Loner mit den Bindungsängsten. Auch dieser Krimi dreht sich wie die beiden anderen ausschließlich um die Kommissare, einer von ihnen, Max Ballauf ist die Zielscheibe eines Verrückten, der die Schuld am Tod seiner Tochter ihm zuschreibt. Mit Telefonterror fängt´s an, dann pflastern Leichen den Weg auf seinem Rachefeldzug, damit der Kommissar einmal leide wie er. Während 90 Minuten nehme ich Teil am Versuch des armen Max, mit seinen psychischen Verstrickungen klarzukommen: Bräute sitzengelassen, One-Night-Stands mit Damen, deren Namen vergessen wurden, ´ne halbseidene Cousine, alles wenig originell: Deutschland erkenne dich in deinen Kommissaren und ihrem weiblichen Beiwerk! (10)
Die Beschäftigung mit sich selbst, das Kreisen ums ausgehöhlte Nichts, geht am 2. Januar 2006 bei der Soko Wien weiter. Die junge gerade ermordete Larissa hat ein grünes und ein braunes Auge, wie eine Jugendliebe des Ermittlers Oberstleutnant Helmuth Nowak, und schon bin ich in einer deutsch-österreichisch ausgedachten Beziehungskiste. Das Drehbuch schreibt eine Frau, Susanne Beck. Die Mutter der Toten ist tatsächlich die Jugendliebe: Diese Überraschung erschwert die Ermittlungen für die SOKO-Beamten erheblich. (11)
Vielleicht enden die Krimis eines Tages darin, daß die kleine Kunstwelt der Ermittler und ihrer Zuarbeiter und Groupies sich nur noch miteinander befaßt, man könnte, um sich nicht im kleinen Kreise zu drehen, einen großen anlegen, die Ermittlungen auf das Personal aller Serien ausdehen, jeder Opfer, jeder Täter, jeder Verdächtigter, jeder und jede geliebt, gehaßt, jede Kommissarin heruntergeputzt, von einem rüstigen Kollegen gerettet und wieder aufgebaut. Alle kreisen um sich und sind damit das Spiegelbild der erstarrten deutschen Gesellschaft.
2. Januar 2007
Nachtrag, 13. Januar 2007
Schon wieder ein Krimi, und zur besten Sendezeit, in dem die Kommissarin in den Fall verwickelt ist; ihr Chef ist kurz davor, sie vom Dienst zu suspendieren, aber man kann selbstverständlich damit rechnen, daß es nicht so kommt; denn wie sollten sonst die 90 Minuten bestritten werden?
Bella Block weiß nicht, ob sie ein Unfallauto gefahren hat, in dem eine Frau umgekommen ist; sie hat einen Blackout - so wie unsere Gesellschaft halt, die hat auch den Blackout, und zwar permanent. Aber wie schon die Weltmeister der Herzen ihr deutsches Eigenlob versprühen, so auch das ZDF: Der renommierte Regisseur Rainer Kaufmann hat mit einem hochkarätigen Schauspieler-Ensemble die erfolgreiche Krimireihe "Bella Block" auf hohem Niveau spannend und publikumsattraktiv mit dieser psychologisch vielschichtigen Geschichte fortgesetzt, in der das Thema Abhängigkeit und Anpassung differenziert und emotional geschildert wird. Dann muß das ja ein guter Krimi sein, keine Widerrede!
Nun warte ich auf den nächsten Krimi, in dem Kommissare und das übrige pathologische Personal ins Fadenkreuz von Ermittlern geraten, Ermittler gegen Ermittler, bis zum bitteren Ende. Ich werde die Liste sicherlich bald fortsetzen können. (12)
Nachtrag, 4. Februar 2007
Es wird immer bunter. Heute verhört der Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber einen des Mordes an einer ukrainischen Edelprostituierten verdächtigen Geschäftsmann. Im Alleingang, seine Kollegin Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier hat das Verhandlungszimmer wütend verlassen, weil Jürgen Tauber den Verdächtigen einfach freilassen will, stellt er diesem eine Falle, in dem er ihm eine Krawattennadel zurückgibt, die angeblich in dessen Hotelzimmer gefunden wurde, stattdessen aber am Fundort der Leiche lagerte. So überführt er den Mörder, der in Panik gerät und ihn fast zu Tode würgt. Nun handelt der Rest des Films von der Polizei, von Angst und Panik des Ermittlers Jürgen Tauber, psychisch ist er nicht mehr der alte: Angst und Panik befallen ihn und machen ihn fast handlungsunfähig. Alle sind hinter Jürgen Tauber nun her, eine Frau, die ihre Aussage zurückzieht und sie als Mißverständnis bezeichnet, ein naßforscher Anwalt und der Staatsanwalt, den wir schon aus Adelheid und ihre Mörder als Trottel kennen. Jo Obermaier, die zu Hause genug Ärger mit ´nem Hochbett hat, läßt ihren Kollegen in der prekären Situation nicht im Stich. Diesmal ist´s also ´ne Frau, die zu Hilfe eilt. Ich schalte den Ferni aus. (13)
Nachtrag, 5. Februar 2007
Jetzt hat es sogar eine meiner Lieblingsserien erfaßt, die SOKO 5113. Auch sie befaßt sich nur mit sich selbst: Hauptkommissar Schickl (Wilfried Klaus) und sein Team werden auf einmal von "Zeugen" zu "Angeklagten" - und ermitteln quasi in eigener Sache...
Eine Polizeiaktion des LKA unter Beteiligung der SOKO 5113 zum Zugriff bei einer Drogenübergabe gerät total aus den Fugen, was der Stellvertretende Polizeipräsident Dr. Brinkmann, Vorname unbekannt, zum Anlaß nimmt, seine Absicht, die SOKO 5113 aufzulösen, endlich wirklich werden zu lassen. Man stelle es sich vor, da doch gerade neun neue Folgen ausgestrahlt werden sollen, immer montags, 18 Uhr!
Nicht einmal die Spannung bleibt, ob es den Inquisitoren Dr. Brinkmann, Dr. Kreiner, Frau, ebenfalls ohne Vorname, und Staatsanwalt Rohleder gelingt, der SOKO 5113 die Daseinsberechtigung abzusprechen, "Deutschlands am längsten amtierender Sonderkommission". Sie gibt es schon 28 Jahre, manchmal kann man frühe Folgen im Nachtprogramm sehen. (14)
In einer unübersichtlichen Restrospektive, die einmal die eine, einmal die entgegengesetzte Version am Tatort zeigt, wo an einem Modell des Tatorts von Hauptkommissar Schickl, Chef der SOKO 5113, nachgewiesen wird, daß sich der Todesschütze auf einen Polizeibeamten nicht in den Duschräumen aufgehalten haben kann, in einer Wende, in der er die bösen Absichten des hinterfotzigen Dreitagebartträgers Dr. Brinkmann, die Willfährigkeit des gelackten Staatsanwaltes und den Opportunismus der faltigen Frau Kriminalrätin entlarvt, wird unsere geliebte SOKO gerettet.
Die Selbstbespiegelung nimmt kein Ende, es ist eine gnadenlose Epedemie. Wie unsere Gesellschaft beschäftigen sich diejenigen, die nach guter Krimi- und Western-Tradition dazu da sein sollten auszuziehen, in größter Spannung Gesetz und Recht gegen äußere Feinde durchzusetzen, mit Angst, Neid, Haß und Intrigen der Ermittler und des Justizpersonals untereinander. Man meint, direkt in die deutsche Politik geraten zu sein.
Vielleicht strahlt das ZDF demnächst eine Sitzung des Gesundheitsausschusses des Bundestages oder gar ein Treffen von Edmund Stoiber, Erwin Huber und Seehofer, Vorname unbekannt, aus. Das ist sicherlich spannender, wenn auch nicht übersichtlicher.
Nachtrag, 6. Februar 2007
Was ist mit der SOKO Köln? Inzwischen sind alle deutschen Krimis at their all time low. Thema sind nur noch die Ermittler selbst, sie sind Opfer, unschuldig oder in Schuld verstrickt, Opfer und Täter. Diesmal ist es ein Teammitglied eines Sondereinsatzkommandos (SEK). Und jetzt geht´s ab mit der Selbstbespiegelung, mit der Berechtigung des im Rollstuhl sitzenden Killers, Polizisten plattzumachen, mit dem Verständnis für Mörder. Welche Fehler hat die SEK gemacht, die solche tödlichen Folgen haben? SEK-Mann Kosowski, Rabauke, wie im Buche, noch einer des Teams, wird umgelegt, beim dritten eilt die SOKO Köln zu Hilfe, aber Robin Weilerbach, Chef des SEK, lädt weitere Schuld auf sich, er macht den Schützen, der zwei seiner Mannen niedergestreckt hat, eigenhändig alle, obgleich der schon entwaffnet ist. Fehler kommen heraus, ein Einsatz, der nie in den Akten erscheint, Fehler häufen sich auf Fehler, Arroganz der Macht. (15)
Das ist ein Schlag ins Gesicht unserer staatlichen Institutionen, das ist das Spiegelbild unserer kaputten Gesellschaft, die sich in Wolkenkuckucksheimen der phantasierten Probleme aufhält, derweil bestens organisierte Banden, muslimisch oder einfach nur verbrecherisch, sich daran machen, unsere Gesellschaft zu zerstören..
Man google einmal italien fußballspiele fans. Es gibt 54 Aktualitäten allein auf der deutschen Seite. Der Tod eines Polizisten nach dem sizilianischen Serie-A-Derby zwischen Catania und Palermo hatte am Wochenende zur Absage aller Fussballspiele in Italien ... Bei Krawallen von Fans am Rande eines Spiels in der A-Liga im sizilianischen Catania am Freitagabend ist ein Polizist ums Leben gekommen ...
Haben Sie schon davon gehört, Damen und Herren Autoren der Krimis? Wenn Sie doch bei den bewährten Stories der betrogenen Ehefrau aus der luxuriösen Villa blieben, oder bei der des Unternehmers, der zwielichtige Geschäfte mit Osteuropa macht!
Nun warte ich darauf, daß bei den Sokos Wismar und Kitzbühel die Ermittler Täter und/oder Opfer werden, und ich bete zum Himmlischen, daß nicht Ein Fall für Zwei auch noch degeneriert. Was bliebe mir wenigstens donnerstags und freitagsabends als Pausenfüller beim Schreiben meiner Artikel?
Nachtrag, 20. Mai 2007
Inzwischen geb´ ich´s auf, darum gibt es hier ab sofort keine Ergänzungen und keinen Nachtrag mehr. Nie wieder werde ich die um sich selbst kreisenden Drehbuchautoren der deutschen Krimis erwähnen. Die Langweiler sind´s nicht wert. Aus meinem Wohnzimmer sind sie nicht nur wegzudenken, nein, sie sind einfach weg; denn sie schaffen es nicht, einen spannenden Krimi zu zaubern, sondern die Ermittler und ihre Vorgesetzten, fast alle Weicheier, werden in irgendeiner Form auf die Gegenseite, auf die Seite der Täter, gezogen, wenn man Pech hat, wird das noch ergänzt durch spannungstötenden, belehrenden Sozialklimbim oder gar mit Problemen wie Menschenschmuggel im Kühlcontainer aus Osteuropa oder dem Nahen und Fernen Osten.
So auch heute wieder: Außerdem schwebt auch sein (des Hauptkommissars Moritz Eisner) eigenes Kind wegen Drogenmissbrauchs in Lebensgefahr. Wie sehr die Familienangelegenheit - neben dem verstrickten Kriminalfall - dem gestandenen Polizisten zu schaffen macht, ist hier zu sehen. (16)
In einer Gesellschaft, die sich nicht klar absetzt von ihren Tätern, die sich ständig darin gefällt, den Tätern Opferstatus zuzubilligen, wie man an Fällen wie denen des Murat Kurnaz oder des Khaled al-Masri täglich sehen kann, in einer solchen Gesellschaft kann es keine spannenden Krimis geben. Ausnahmen wie Ein Fall für Zwei bestätigen nur die Regel. Es ist kein Wunder, daß beim Fall für Zwei Schauspieler wie Jürgen Prochnow und Volker Lechtenbrink mitmachen. (17)
Was sind das für Zeiten, mit Krimiserien wie Stahlnetz, 22 Folgen, von 1958 bis 1968, und Der Alte. Wenn man nur sieht, wer alles bei Stahlnetz mitmacht, welche Autoren, Komponisten und Regisseure, kommt man ins Schwärmen. Vor kurzem läßt sich ein ARD-Mitglied herab, mitten in der Nacht die Stahlnetz Folge 17 Das Haus an der Stör, auszustrahlen. Die Erstausstrahlung ist vom 26. Mai 1963, da bin ich in Berlin Studentin der Publizistik - und kein Ferni weit&breit. Die besten Filme der ARD kommen überhaupt immer erst ab Mitternacht, wenn man Glück hat, und ab 2 Uhr morgens, wenn das Glück einem nicht winkt, Hommagen an große Schauspieler, Kathrine Hepburn, Bette Davies, James Cagney, deutsche Meisterwerke wie Metropolis oder Die 1000 Augen des Dr. Mabuse, um wahllos einige zu nennen, die in den Filmarchiven verstauben. (18)
Um die Serie Der Alte am Leben zu erhalten, bedarf es des mehr als 80-jährigen Hauptdarstellers Rolf Schimpf alias Kommissar Kress. Neues auf diesem Niveau ist nicht in Sicht, aber manchmal gönnt einem 3sat den "Ur-Alten" Siegfried Lowitz, den ersten unvergessenen "Alten" als Hauptkommissar Erwin Köster. (19)
Drehbuchautoren, Regisseure, geht doch ein an Euerem eigenen öden Mief! Ohne mich! Verschont mich mit dem Billigaufguß von Adelheid und ihre Mörder! Meinen Lieblingsschauspieler Jan Josef Liefers setzt Ihr auch nur noch unter Niveau ein! Ich frage an, was ARD und ZDF mit den GEZ-Gebühren machen? Gehen die Millionen Euro drauf für den ältlichen Rauschgoldengel Thomas Gottschalk oder für das zum n-ten Mal servierte Kochen des Johannes B. Kerner? Gräßlich!
Quellen
(1) Sturm der Liebe, Folge 293, DasErste.de, 2. Januar 2007
http://www.daserste.de/sturmderliebe/vorschau.asp
(2) Nichts wie weg! Reform Impossible: 75 Gründe aus Deutschland auszuwandern. Und zwar jetzt gleich. Von Rüdiger Suchsland, Telepolis, 9. November 2006
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23918/1.html
(3) ende mit schrecken ohne ende. 9. September 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-09-09_19-15-23.html
(4) Tatort: Der doppelte Lott. Regie: Manfred Stelzer. Buch: Jan Hinter und Stefan Cantz, DasErste.de, 25. Dezember 2006/20. November 2005
http://www.daserste.de/tatort/sendung_dyn~actid,2739~cm.asp
(5) SOKO Leipzig. Flucht aus Santo Domingo. Regie: Sebastian Vigg, Buch/Autor: Frank Koopmann. ZDF, 29. Dezember 2006
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung/28/0,1970,2826492,00.h tml
(6) Shammi Kapoor. SantaBanta.com
http://www.santabanta.com/cinema.asp?pid=1512
Rafistar: Hamid sings ´Chahe Mujhe Koi Junglee Kaheye´
http://www.youtube.com/watch?v=xXU5ZE3XsNQ
(7) Hermann Josef Matula. ein fall für zwei. Sammy´s EFfz-Site, 26. Februar 2000
http://www.umbra.de/sissy/effz/darsteller/matula.htm
Ein Fall für zwei. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Fall_f%C3%BCr_zwei
(8) Gabriel Merz gibt der "SOKO Leipzig" (freitags, 21.05 Uhr, ZDF) seine Dienstmarke zurück. Von Andreas Fischer. Lübecker Nachrichten, 11. November 2005
http://www.ln-online.de/artikel/1744598
(9) Der Samstagskrimi. Unter Verdacht. Ein neues Leben. Regie: Isabel Kleefeld. Buch/Autor: Edward Berger, ZDF, 30. Dezember 2006
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung/18/0,1970,2830258,00.h tml
(10) Tatort: Die Blume des Bösen. Regie/Drehbuch: Thomas Stiller, DasErste.de, 1. Januar 2007
http://www.daserste.de/tatort/sendung_dyn~actid,2778~cm.asp
(11) SOKO Wien. Stille Wasser. Regie: Alexander Wiedl, Buch/Autor: Susanne Beck, ZDF und ORF, 2. Januar 2007
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung/3/0,1970,2830339,00.ht ml
(12) Der Samstagskrimi. Bella Block. Blackout. Buch/Autor: Kathrin Richter. Regie: Rainer Kaufmann. ZDF, 13. Januar 2007
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung/23/0,1970,2836631,00.h tml
(13) Polizeiruf 110: Taubers Angst. Deutschland 2006. Drehbuch und Regie: Klaus Krämer, ARD, 4. Februar 2007
http://www.daserste.de/programm/tvtipp.asp?datum=04.02.2007
(14) SOKO 5113. Der Ausschuß. Buch/Autor: Conny Lens. Regie: Bodo Schwarz, ZDF, 5. Februar 2007
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung/30/0,1970,2850334,00.h tml
SOKO 5113. ZDF. Ab 5. Februar 2007 zeigt das ZDF neue Folgen der SOKO 5113!
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,1020921,00.html
SOKO 5113. Bilderserie. Der Ausschuß. ZDF Mediathek
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/29/0,4070,4341789-6,00 .html
(15) SOKO Köln. Sondereinsatz. Buch/Autor: Mathias Aicher. Regie: Axel Barth. ZDF, 6. Februar 2007
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung/2/0,1970,2850370,00.ht ml
(16) Familiensache (RBB). Buch und Regie: Thomas Roth. Das Erste, 20. Mai 2007
http://www.daserste.de/tatort/sendung_dyn~actid,2795~cm.asp
(17) Staraufgebot bei "Ein Fall für Zwei". Von Marc Heidenreich. ZDF, 2. Mai 2007
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,5271041,00.html
(18) Stahlnetz. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Stahlnetz
(19) Der Alte. Das Geheimnis seines Erfolges. Von Sonja Dreher. ZDF
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,2038143,00.html
|
 |