
Robert Redeker: Man muß versuchen zu leben!
"Was tut die freie Welt gegen die Einschüchterungen der Islamisten?" überschreibt Robert Redeker seinen Beitrag, den er mitten im Streit um die Regensburger Rede des Papstes über den Islam veröffentlicht. Haß und Gewalt seien der Inhalt des Koran, nach dem die gläubigen Muslime unterrichtet würden. Darüber hinaus ist er besorgt über die Islamisierung Frankreichs. Robert Redeker erhält daraufhin Morddrohungen, und auf Web Sites islamischer Fundamentalisten werden seine Koordinaten veröffentlicht, der Weg zu seinem Haus, die Adresse seiner Schule, dienstliche und private Telefonnummern. Das Ergebnis ist, daß Robert Redeker unter dem Schutz der Direction de la surveillance du territoire (DST), der (Geheimdienstorganisation) Direktion zur Überwachung des Landes, versteckt leben muß. Derweil fahndet die Polizei nach den Urhebern der Drohungen.
Am 16. Oktober wird ein 25-jähriger sich als praktizierender Muslim bezeichnender Mann verhaftet und in Paris verhört. Er gesteht, per Email Todesdrohungen an Robert Redeker geschickt zu haben. Ein Verfahren wird deswegen gegen ihn eingeleitet. Fünf Jahre Gefängnis kann ihm das im Falle einer Verurteilung einbringen. Das Gericht entläßt ihn trotzdem an seinen Wohnort Orléans unter der Auflage, daß er sich regelmäßig bei der Polizei zu melden habe. Der Muslim schickt am 29. und 30. September drei weitere Droh-Emails ab, diesmal an einen US-amerikanischen Historiker, dessen Name nicht veröffenlicht wird. Nach Meinung des Pariser Gerichts hat die Aktion des Muslims keinerlei terroristischen Charakter. Zu islamischen radikalen Gruppen hätte er ebenfalls keinen Kontakt, er hätte allein gehandelt, aus einfachem "Haß" gegen den Philosophieprofessor. Die Untersuchungsrichter sehen das Unternehmen "eines Einzeltäters und nicht eines Terroristen". Die Polizei in Orléans kenne ihn schon wegen anderer Delikte, die nichts mit dem radikalen Islam zu tun hätten. (1)
Während die französische Justiz den Fall herunterspielt, haben die Linksradikalen und andere Palästinenserfreunde Frankreichs mit Robert Redeker kein Mitleid, im Gegenteil, sie geraten geradezu ins Delirium, wenn sie ihn und seine Unterstützer diffamieren. Das geht von gehässigen Sprüchen, Neo-Konservative wollten ihm einen Blankoscheck zur Beleidigung der Muslime ausstellen, bis zur Behauptung, die ganze Affäre sei erfunden. Wer französisch liest, befrage dazu die Web Site Bellaciao; die Lektüre kann einem die Sprache verschlagen. (2)
Am 15. November 2006 findet in Toulouse auf Initiative von Arie Bensemhoun, des Präsidenten des Conseil représentatif des institutions juives de France (CRIF) Midi-Pyrénées, des Philosophen Bernard-Henri Lévy und einer Gruppe Intellektueller in der Salle Jean Mermoz ein großer Solidaritätsabend für Robert Redeker statt. Claude Lanzmann, Dominique Sopo, Philippe Val, Bernard-Henri Levy, Pascal Bruckner und andere ergreifen dort das Wort zur Unterstüzung des Philosophen und zur Hommage an Meinungs- und Pressefreiheit. Etwa 1000 Personen sind gekommen. Robert Redeker kann zu der Zeit hin und wieder aus seinen Verstecken kommen und mit einem Freund spontan in einem kleinen Restaurant Essen gehen. Zu aller Überraschung und Freude tritt er an dem Abend erstmalig wieder in der Öffentlichkeit auf und dankt für alle Sympathie, die ihm entgegengebracht wird. Die französischen Medien sehen in dem Fall keine Aktualität, sie veröffentlichen Berichte über das Ereignis erst Wochen später. (3)
Über die Verhaftung Adil al-Hyanne, eines 20-jährigen Marokkaners, durch libysche Behörden, am 19. Dezember 2006, berichtet Le Monde am 10. Januar 2007. Der Verhaftete gesteht nicht nur, Robert Redeker bedroht zu haben, sondern er sei es auch gewesen, der unter Pseudonym die Koordinaten des Philosophen auf Web Sites islamischer Fundamentalisten veröffentlicht habe. Er und ein Kumpan sind bei ihrer Verhaftung gerade auf dem Weg zum Glaubenskrieg, in den Irak. (4)
Noch fünf Tage vorher, am 14. Dezember 2006, veröffentlicht Bellaciao den großen Wettbewerb: Helft uns, den kleinen Robert Redeker zu befreien! Dort wird der ganze Haß dieser armseligen Linken über einen Mann ausgeschüttet, der sich seit dem 19. September nur noch von einem Versteck zum nächsten hangeln kann - und dafür auch noch selbst finanziell aufkommen muß. Er sei aus dem Verkehr gezogen, die Unterstützer des Philosophen seien Zyniker, und dann folgen acht mögliche witzige Verstecke, in denen man ihn suchen könnte, in einem Kloster, das einem mit Philippe de Villiers befreundeten Mönch gehöre, in einem Panzer der israelischen Armee, wo er Kartoffeln schälen müsse, unter dem Bett des immer noch im Koma liegenden Ariel Sharon (sic!), im Keller der Oriana Fallaci, in Italien. Antworten soll man an eine antisemitische, anti-israelische Site Sindibad schicken. Die moralische Verkommenheit dieser sich über den sterbenden Ariel Sharon und die seit September tote Oriana Fallaci amüsierenden Freunde islamischer Fundamentalisten und palästinensischer Terroristen ist weit gediehen. (5)
Am 20. Januar 2007 bringen die französischen Medien Agenturmeldungen darüber, daß Robert Redeker aus dem Dienst seiner Schule ausscheide und auf Vorschlag des Erziehungsministers Gilles Robien eine Stelle im Centre national de la recherche scientifique (CNRS) antrete: Ich werde weiter Essayist sein und meine Forschungen fortführen können, ohne mich in einer Art unechtem Rentnerdasein zu befinden. Der Minister verstehe bestens, daß er nicht mehr zurückkehren könne an eine Schule, weder an seine frühere noch an eine andere. Sein Fall habe neben Intellektuellen auch politische Parteien mobilisiert, schreibt L´Express. Auf der Solidaritätsveranstaltung, im November, ist davon nichts zu merken; ich habe an ihr teilgenommen und persönliche Grußworte von Nicolas Sarkozy, UMP, und Dominique Strauss-Kahn, PS, vernommen, mehr nicht. Jean-Luc Moudenc, UMP, der Bürgermeister der Stadt Toulouse, nimmt in seiner Funktion an der Veranstaltung teil, was man ihm beim hier herrschenden politischen Klima hoch anrechnen muß. (6)
Gérard Courtois, der Redaktionsdirektor der Zeitung Le Monde, rezensiert unter der Überschrift: Die Freiheit im Angesicht der Blasphemie die Aufzeichnungen, die Robert Redeker über seine und seiner Familie Lage in den letzten Monaten jetzt im Verlag Seuil veröffentlicht: Il faut tenter de vivre, Man muß versuchen zu leben. (7)
In seinem 136 Seiten umfassenden Tagebuch über die Zeit vom 17. September bis zum 6. Dezember geht er ein auf die Folgen seines Beitrages im Figaro, vom 19. September 2006, was in Frankreich geschieht, wenn man an der Diskussion der Regensburger Rede des Papstes teilnimmt über den Islam als Religion, die zu Gewalt und Haß aufruft, über Mohammed als einen gnadenlosen Kriegsherrn, Räuber, Judenmörder und Polygamisten. Diese Attribute kann jeder aus dem Koran, den Hadithen und der Geschichte der islamischen Eroberungen ab dem 7. Jahrhundert entnehmen. Die Muslime sind stolz auf solche Attribute ihres Glaubensstifters, sie dürfen nur nicht von einem kuffar, einem Ungläubigen mit negativer Betonung vorgebracht werden. Robert Redeker notiert über die Zeit bis zum 6. Dezember, wer ihm in seinen schweren Zeiten beisteht, Freunde, Intellektuelle, Politiker, allen voran Nicolas Sarkozy, dessen Unterstützung er besonders betont. Er berichtet allerdings auch von Tatenlosigkeit oder Ablehnung und übler Nachrede durch die Nachbarn, seine Kollegen, den Erziehungsminister Gilles Robien und die Ligue des droits de l´homme (L.D.H.), die Liga für Menschenrechte. Diesen Verein kennen meine Leser bereits aus anderen Zusammenhängen, in der Unterstützung des Fundamentalisten Tariq Ramadan und des antisemitischen Artikels des Edgar Morin.
Dem Gérard Courtois scheint es nicht ganz geheuer mit Robert Redeker, der nach einem Vierteljahr des Lebens unter Drohungen, des Herumziehens von Versteck zu Versteck, dasteht und sich auf Socrates, Voltaire, auf Jesus oder den Kapitän Alfred Dreyfus beruft. Er mauere sich ein in einer oft wiederholten Sicherheit, an "nichts schuld zu sein", "kein Delikt begangen zu haben": Mehr noch, er bringt seinen christlichen Glauben vor, um besser seine Fähigkeit zu zeigen, die Blasphemie zu ertragen. Kurz, er schließt jede andere Debatte aus als die - essentiell, das ist wahr - der Freiheit der Meinungsäußerung. Indem er das tut, vermeidet er jede Prüfung oder kritisches nochmaliges Lesen dessen, was er geschrieben hat.
Dann moniert Gérard Courtois, daß in dem Tagebuch der Artikel aus dem Figaro nicht noch einmal veröffentlicht ist, um jedem zu gestatten, sich ein Urteil darüber zu bilden. Muß man annehmen, daß der Redaktionsdirektor von Le Monde nicht in der Lage ist, den Artikel im Internet zu finden? Hier ist er, bitte, auf dem kanadischen Judeoscope. (8)
Zur Strafe, daß er diesen Artikel nicht mundgerecht vorgesetzt bekommt in einem Buch, das den Artikel und seinen Inhalt nicht zum Thema hat, sondern die Erfahrungen eines französischen Intellektuellen, der im 21. Jahrhundert in Frankreich seiner Ideen und deren Äußerung wegen zum Tode verurteilt wird und als lebende Leiche vegetieren muß, schiebt er belehrend dem Robert Redeker noch einen Philosophenspruch des Baruch Spinoza nach: "Nicht lachen, nicht weinen, nicht verachten, verstehen". Das sitzt!
In dieser Rezension entlarvt sich das ganze Elend der französischen Medien. Ein Gérard Courtois kann es sich nicht vorstellen, daß jemand nach einem Vierteljahr des Horrors und der Drohungen aufrecht steht, daß er gar Jesus zitiert. Meint Robert Redeker etwa, er wäre Jesus gleich? Gérard Courtois bringt den Leser auf eine solche Spur. Dieselben Medien finden allerdings nichts Merkwürdiges dabei, wenn eine Florence Aubenas nach fünf Monaten angeblicher Entführung, gefesselt und mit verbundenen Augen sitzend in einem 4x2 Meter messenden, 1,50 Meter hohen fensterlosen Verlies, eine Woche später putzmunter auf dem Salon international de l´Aeronautique et de l´Espace, in Le Bourget, auftritt und dort mit dem Iraker Hussein Hanoun as-Saadi, dem in Frankreich ausgebildeten Bomberpiloten, ihrem "fixeur", Dolmetscher und Führer, schäkert.
In dieser Welt der Korruption, wo Politik und Medien ineinander verwoben sind, verzahnt und verzwickt, ist für einen Robert Redeker und seine Ideen und Ansichten kein Platz; denn sie können nicht unmittelbar verwertet werden. Dafür arbeitet aber ein Gérard Courtois, er ist überhaupt nur existent, wenn er sich dem Klüngel der Chiraquie und demnächst vielleicht gar der Ségolène Royal nützlich machen kann. Deshalb würde er so gern den Artikel des Robert Redeker auseinandernehmen und die Ergebnisse seiner Schelte zur Verfeinerung der Arabienpolitik dem Quai d´Orsay andienen. Der Alptraum, im Frankreich von heute seiner Ideen wegen mit dem Tode bedroht zu werden, der interessiert den Redaktionsdirektor in seinem leichten Schlafe nicht, erst recht nicht, wenn sich zeigt, daß dieser Alptraum durch eben die verfehlte Arabienpolitik Frankreichs entstanden ist. Mit solchen Erkenntnissen macht man keine Karriere; man sieht´s an Robert Redeker, der demnächst irgendwo sitzt und vom Gehalt des CNRS bis zur Pensionierung ein Leben als Gelehrter führt.
Aber, Gérard Courtois&Co., freuen Sie sich nicht zu früh, Ostwestfalen sind sture Leute. Robert Redeker hat das letzte Wort noch nicht gesprochen!
23. Januar 2007 - English Translation of Robert Redeker´s incriminated article at Robert Spencer´s Jihad Watch: This is the article that pissed off the Muslims ...
Robert Redeker: English translation: What should the free world do while facing Islamist intimidation? September 28, 2006. Posted by John Sobieski, January 24, 2007, 10:35. Threatened French teacher quits teaching, Jihad Watch, January 24, 2007
http://www.jihadwatch.org/archives/014961.php
Quellen
(1) Affaire Redeker : le suspect remis en liberté sous contrôle judiciaire. Par Éditorial, 18 octobre 2006
http://www.edicom.ch/fr/
Affaire Redeker: un suspect mis en examen pour menaces de mort. AP, Nouvelobs.com, 18 octobre 2006
http://archquo.nouvelobs.com/cgi/articles?ad=societe/2006101 8.FAP8799.html&host=http://permanent.nouvelobs.com/
(2) Bellaciao. Recherche. Robert Redeker. 225 résultats
http://bellaciao.org/fr/recherche.php
(3) Großveranstaltung zur Unterstützung von Robert Redeker: für Gesetz, republikanisches Recht und Meinungsfreiheit. 10. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-10_14-40-01.html
Une soirée de mobilisation pour Robert Redeker. AP. Le Nouvel Observateur, 10 décembre 2006
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/20061116.OBS9467/
(4) Menaces contre Robert Redeker : un suspect arrêté au Maroc. Par Piotr Smolar, Le Monde, 10 janvier 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3226,36-853771,0.h tml?xtor=RSS-3226
(5) Grand jeu concours : Aidez-nous à libérer Le petit Robert Redeker ! Par Sindibad, Bellaciao, 15 décembre 2006
http://bellaciao.org/fr/article.php3?id_article=39108
Le Site de Sindibad
http://www.sindibad.fr/
(6) Robert Redeker quitte l´enseignement pour le CNRS. Reuters. L´Express, 20 janvier 2007
http://www.lexpress.fr/info/infojour/reuters.asp?id=35691&15 36
(7) La liberté face au blasphème. Par Gérard Courtois, Le Monde, 22 janvier 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3260,36-858162@51- 794072,0.html
(8) Face aux intimidations islamistes, que doit faire le monde libre ? Par Robert Redeker. Texte publié le 19 septembre 2006 dans Le Figaro. Judeoscope, 20 septembre 2006
http://www.judeoscope.ca/breve.php3?id_breve=2640
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