
Die Außenpolitik der USA in der Falle
Die amerikanische Außenpolitik gefangen in Darfur, titelt Le Figaro, und verkündet, daß die USA nun dastünden mit ihrer Ansicht, die Verbrechen der Muslime in Darfur seien Genozid. Zwar sehen das die Betoffenen genauso, aber die hätten gar keine Stimme, wenn Patrick de Saint-Exupéry, ein französischer Korrespondent, nicht den Ibrahim Mahmat zu Worte kommen ließe: Warum interveniert Ihr nicht, Ihr, die Reichen? Ihr seid sehr wohl in den Irak und nach Afghanistan gegangen, also, warum nicht nach Darfur? Die Schuldzuweisung ist eindeutig: die USA versagen. Da kann die französische Außenpolitik geschlossen die Irakintervention verdammen, nun wird sie als Argument gegen die USA gekehrt. Der Korrespondent bedient sich dabei des bewährten Tricks des Noam Chomsky, der seine Meinung ebenfalls vermittels fiktiver oder realer Personen kundtut. Im Zweifelsfalle hat´s dann der gesagt, hinter den man sich zurückzieht. Man nennt das "durch die Blume", oder auch Feigheit.
Frankreich hält das Problem für ein amerikanisches: wer Genozid sagt, muß mit ihm aufräumen. Ibrahim Mahmat befindet sich in einem Flüchtlingslager im Tschad, wo er geschützt wird durch dessen Polizisten, unterstützt von 200 französischen Soldaten und zwei mexikanischen Söldnern, die den Flughafen von Abéché sichern, etwa 140 Kilometer vom Orte des Genozids entfernt, wo die internationalen Hilfsgüter landen. Jeden Morgen ertönt dort aus Lautsprechern weithin hörbar die Marseillaise; Frankreich zeigt Präsenz.
Der amerikanische Gesandte des Präsidenten George W. Bush für Darfur Andrew Natsios kommt am 19. Januar in Abéché an und hat Probleme mit der Lehre seines Präsidenten, der als einziger Regierungschef der Welt verkündet, es handle sich in Darfur um einen Genozid. Im Kongreß berichtet Andrew Natsios über die Lage und die Mißerfolge der bisherigen Aktivitäten zur Beendigung der Katastrophe, die Mißerfolge der Amerikaner, die zur Überraschung aller einen Plan B für Darfur hervorzaubern. Die Rebellen sollen nicht weiter daran arbeiten, die Regierung des Sudan zu stürzen. Aber, fragt ihn der französische Korrespondent, die USA sagen, daß Khartum einen Genozid begeht? Drängen sie die Rebellen nicht dazu, einen kompromißlosen Diskurs zu führen? Andrew Natsios antwortet: Ich sage das nicht und ergänzt: Ich habe den sudanesischen Rebellen gesagt, wenn sie im Sudan eine französische Helferin vergewaltigen, greifen sie die USA an. In nichts weiter scheint der Plan B für Patrick Saint-Exupéry zu bestehen, und der Mißerfolg für Andrew Natsios ist heftig. Die Rebellen wollen als Entgelt für Frieden für die 3,8 Millionen aus dem Sudan vertriebenen Personen je 500 Dollar = 1,9 Milliarden Dollar Entschädigung - von den USA, versteht sich, Frankreich und die EU haben damit nichts zu tun. Soviel sind wir nicht bereit zu zahlen, meint Andrew Natsios, und die Rebellen hauen ihm dafür das Wort Genozid um die Ohren.
Der mysteriöse Plan B bestehe aus gesticulation, aus geschäftigem Getue. Die Schadenfreude des Korrespondenten kennt keine Grenzen, George W. Bush hat auch hier alles verdorben: Wir sind gescheitert, sage ein amerikanischer Offizieller, es komme daher, daß der Begriff Genozid eingeführt worden sei, dadurch sei alle Welt radikalisiert worden, jetzt bleibe nichts, als eine Truppe von UN-Blauhelmen im Osten des Tschad zu stationieren; die Leser ahnen schon, wer sie führen wird: Frankreich.
Quelle
La diplomatie américaine prise au piège du Darfour. Par Patrick de Saint-Exupéry, Le Figaro, 29 janvier 2007, page 2
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