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Le Louvre oder: Frankreichs Elite versinkt in Neid, Haß und Realitätsverlust

Ob morgens in den Tageszeitungen des Caf√©s, ob mittags im Autoradio des Mini, auf dem Weg zu einem Essen mit Freunden im Restaurant La R√©galade, in Coustouges, direkt an der spanischen Grenze, man ist nirgends gefeit vor den Erg√ľssen der franz√∂sischen Journalisten und anderen Intellektuellen, es sei denn, man liest und man h√∂rt nicht. (1)

Die französischen Museen sind nicht verkäuflich

Wer sich bei der am 13. Dezember 2006 mit einem Artikel in Le Monde losgetretenen Kampagne Les mus√©es ne sont pas √† vendre an den Schlachtruf Le monde n´est pas une marchandise, die Welt ist keine Handelsware, der ATTAC und ihres mutigen Westentaschen-Ast√©rix und antiliberalen Kandidaten der Kandidatur zu den Pr√§sidentschaftswahlen 2007 Jos√© Bov√© erinnert, der liegt richtig. Die Argumentation der franz√∂sischen Elite erreicht das Niveau der Maisausrei√üer, sie offenbart wie diese ein Gemenge aus Neid, Ha√ü und Realit√§tsverlust, Antisemitismus, Anti-Amerikanismus und Rassismus sind ihr immanent. Der Kampf gegen das Geld bestimmt schon den sp√§teren Nazi-Verbrecher Robert Brasillach, der anschreibt gegen diese furchtbare Ordnung dieser furchtbaren kapitalistischen Gesellschaft. Man m√ľsse die Herrschaft des Geldes brechen. (2)

Die 70-j√§hrige Pension√§rin Fran√ßoise Cachin, Ehrendirektorin der Museen Frankreichs, Enkelin des Mitbegr√ľnders der kommunistischen Partei Frankreichs Marcel Cachin, der 65-j√§hrige Pension√§r Jean Clair alias G√©rard R√©gnier, Sohn eines sozialistischen Landwirts aus dem Morvan und einer Hausfrau, wie er gern betont, bis 2005 Direktor des Mus√©e Picasso, Ehrenkonservator und Schriftsteller, Herausgeber des Buches "M√©lancolie. G√©nie et folie en Occident", Melancholie. Genie und Wahnsinn im Okzident, sowie der 66-j√§hrige Roland Recht, laut Wikip√©dia Kunstkritiker oder besser schw√ľlstiger Kommentator, Professor des College de France, schlagen Alarm: Kunstwerke der franz√∂sischen Museen sollen keine Ware sein. (3)

Die ATTAC und nun diese um den Nationalbesitz besorgten Trois Glorieux treiben im selben braunen Fahrwasser. Man erinnere sich an das Poster der Großveranstaltung auf dem Larzac, vom 8. bis 10. August 2003: Der Kapitalismus in Gestalt der WTO ist eine Krake, die die Welt auffrißt; dagegen wird mobilisiert und gekämpft. In der Museumskampagne kommt die nationalistische Komponente hinzu. Die Kunstwerke gehören Frankreich und niemand anderem. (4)

Es l√§sst sich nicht leugnen: Die Feinde der Freiheit kommen zuerst aus den freien Gesellschaften, aus einem Teil jener aufgekl√§rten Eliten, die der √ľbrigen Menschheit - ja sogar den eigenen Mitb√ľrgern - den Genuss demokratischer Rechte verwehren, falls diese das Pech haben, einer anderen Religion oder Ethnie anzugeh√∂ren als sie selbst, beginnt der franz√∂sische Essayist und Schriftsteller Pascal Bruckner eine Kritik an Ian Buruma und Timothy Garton Ash und deren Auslassungen √ľber Ayaan Hirsi Ali und Theo van Gogh. (5)

Die franz√∂sische Gesellschaft und ihre Eliten sind durchsetzt mit solchen Feinden der Freiheit, was immer wieder deutlich wird, ob innenpolitisch in den Kampagnen gegen Alain Finkielkraut und Robert Redeker oder au√üenpolitisch in der Verurteilung der USA und Israels: Frankreichs Eliten sind darin f√ľhrend. Arrogant und hochn√§sig richten sie im vermeintlichen Vollbesitz moralischer √úberlegenheit √ľber alles und jedes, was Politik und Einrichtungen der USA betrifft, die Sicht auf Tatsachen und die F√§higkeit, diese zu bewerten, ist ihnen schon seit Jahrzehnten verstellt. Ihre √Ąu√üerungen nehmen bisweilen groteske Formen an.

Beim Aufschrei dreier Fachleute des Museumsbetriebes geht es um die Praktiken des Louvre. (6)

Niemand will eine Ware aus den Kunstsch√§tzen Frankreichs machen und sie verkaufen, sondern Henri Loyrette, der Pr√§sident und Generaldirektor des Louvre, versucht mittels ihres entgeltlichen Verleihs und wie die Solomon R. Guggenheim Foundation durch den Verkauf der Rechte am Namen des Museums Louvre die leeren Kassen zu f√ľllen. (7)

Dieser Deal hilft allen, dem Namensgeber und dem K√§ufer und Empf√§nger der Leihgaben, der Deutschen Bank, den St√§dten Berlin, Bilbao, Venedig und Las Vegas: das Guggenheim Museum bringt einem weltweiten Publikum au√üergew√∂hnliche Sammlungen, hei√üt es auf der Site von Guggenheim Las Vegas. Solches Sakrileg treibt der franz√∂sischen Elite w√ľtendes Zittern in die Stimmen: Kunstwerke in Las Vegas, direkt in der Nachbarschaft des Caesars Palace! (8)

Der französische Staat ist pleite

Der Staat, das hei√üt, die franz√∂sischen Steuerzahler, sind allerdings nicht in der luxuri√∂sen Lage, die Museenwelt Frankreichs weiterhin mit den ben√∂tigten Euros auszustaffieren, Frankreich hat kein Geld. Will man sich √ľber die Ausma√üe der Staatsverschuldung informieren, mu√ü man lange suchen. Boursorama, angeblich Partner f√ľr Investitionen, informiert seine Leser in Prozentzahlen des Bruttoinlandproduktes und Punkten: 2,7-2,8%, 2 Punkte. Wirtschaftsminister Thierry Breton spricht vor der Nationalversammlung von "vielleicht" 2,7%, schreibt La Tribune. Kosmetik und optische T√§uschung sind die Mittel, und Zahlen bekommt man nicht genannt. (9)

Der EuroInvestor verk√ľndet, Frankreich sei inzwischen geheilt von seinem exzessiven Defizit und nennt ebenfalls keine Zahlen. Frankreichs Ziel seien √∂ffentliche Finanzen ohne Defizit und eine Verschuldung von unter 60% des Bruttoinlandsproduktes bis zum Jahre 2010. (10)

Wie immer mu√ü man sich auf Blogs informieren. Auf der Page Lib√©rale schreibt Georges Lane am 25. Juni 2005, da√ü die Staatsverschuldung mehr und mehr ansteige. Im Kommentar Nr. 20 erg√§nzt Pascal ihre tats√§chliche H√∂he, sie betr√§gt nicht 1 100 Milliarden Euro, sondern mehr als 2 Billionen. In meinem Artikel Sommer in Frankreich habe ich, am 12. Juli 2005, dar√ľber berichtet. Die Kommentare zum Artikel reichen inzwischen bis zum 24. Januar 2007, eine unendliche Geschichte: (11)

La France est toujours habile √† tricher et √† masquer la r√©alit√©. La dette n¬īest pas de 1100 milliards, mais de 2040 milliards ( plus de 130 % du PIB )!!! La France est un des seuls pays √† ne pas provisionner les retraites des fonctionnaires (estim√©es √† 940 milliards, avec une revalorisation inf√®rieure √† l¬īinflation r√©elle ), contrairement, par exemple, √† l¬īItalie, qui bien que lourdement endett√©e et moqu√©e, a le m√©rite d¬īannoncer des chiffres r√©els.

Frankreich ist immer geschickt genug, falsch zu spielen und die Realität zu verheimlichen. Die Schulden betragen nicht 1 100 Milliarden, sondern 2 040 Milliarden (mehr als 130 Prozent des BIP)!!! Frankreich ist eines der einzigartigen Länder, die Pensionen der Beamten nicht gedeckt haben (auf 940 Milliarden geschätzt, mit einer Aufwertung unterhalb der reellen Inflation), im Gegensatz zum Beispiel zu Italien, das, obgleich schwer verschuldet und gehänselt, das Verdienst hat, reale Zahlen anzugeben.

Ignoranz pr√§gt die Diskussion √ľber die Kultur der USA

Fr√©d√©ric Martel, Lehrer am Pariser Institut f√ľr Politikwissenschaft ver√∂ffentlicht am 16. November 2006 bei Gallimard sein Buch De la culture en Am√©rique. In der Zusammenfassung des Verlages liest man: (12)

Die Europ√§er werfen den USA gleichzeitig ihren Kulturimperialismus und das Fehlen von Kultur vor. Um dieses Paradox zu verstehen, hat Fr√©d√©ric Martel eine noch nie dagewesene Untersuchung durchgef√ľhrt. Ausgehend von unver√∂ffentlichten Archiven und 700 Interviews in 35 Staaten, rekonstruiert er die amerikanische Kulturpolitik, von John F. Kennedy bis George W. Bush, entschl√ľsselt das Funktionieren der Philantropie der Stiftungen und des M√§zenatentums, und er erhellt die k√ľnstlerische Mission der Universit√§ten und Gemeinschaften. So erscheint ein besonders erfolgreiches und g√§nzlich verkanntes umfassendes und komplexes System: wenn auch das Kultusministerium nirgendwo ist, das kulturelle Leben ist √ľberall.

Dieses System dominiert heute die Welt, weil es öffentlicher ist, als man denken mag, weniger vom Geld regiert, als man sagt; in ständiger Veränderung und Modernisierung nährt es ein zutiefst demokratisches kulturelles Leben.

Strukturiert durch einen gro√üen nicht gewinnbringenden Sektor, beg√ľnstigt durch unz√§hlige indirekte √∂ffentliche Subventionen, getragen von Tausenden von Stiftungen, die durch Schwarze und hispano-amerikanische Gemeinschaften in Gang gehalten werden, ist es von einer unbestreitbaren Vielfalt, aber durchzogen von heftiger Spannung zwischen der Kunst und der Unterhaltung.

Es ist im Fall der Kunst so wie mit dem Wein. Die franz√∂sische Gesellschaft und ihre Eliten haben keine Ahnung, was diesbez√ľglich in den USA los ist, ihre bornierten Vertreter predigen Legenden und L√ľgen, wie in dem Artikel √ľber Olivier Pithon geschildert. (13)

Drei politisch linke Museumsfachleute im Rentenalter bestimmen die Diskussion in den Medien √ľber die Zukunft der franz√∂sischen Museumswelt, und alles, was die USA immer schon beneidet, ha√üt und verachtet, macht mit. Wen interessiert es, da√ü der Pr√§sident des Louvre ein nationales Zentrum f√ľr Restauration von Kunstwerken errichten will, ihm dazu aber die Mittel fehlen? Wen interessiert es, da√ü die Leitung der zuk√ľnftigen Museen durch die Agence internationale des mus√©es de France gesichert wird und damit Arbeitspl√§tze geschaffen werden? Diese Agentur sorgt f√ľr die Rekrutierung und Ausbildung von Museumspersonal und begleitet das wissenschaftliche und kulturelle Projekt des Museums.

Der Louvre besitzt 380 000 Kunstwerke, von denen 35 000 ausgestellt und 1 500 jedes Jahr ausgeliehen werden. Das aber ficht die Kritiker nicht an, auch nicht, daß zwei von drei Franzosen nicht ins Museum gegangen sind im letzten Jahr. Sie verweisen auf 76 Millionen Touristen, die jährlich Frankreich besuchen und ein Anrecht auf die komplette Sammlung hätten, als ob die alle in die Museen eilten! Hier bei uns muß das herrliche Museum in Céret schließen, wenn zum Gaudi in- und ausländischer Touristen wildgewordene Kleinstiere durch die Straßen getrieben werden. (14)

Zur Untermauerung der Kritik wird der Direktor des Metropolitan Museum of Modern Art (MoMA) Philippe de Montebello angef√ľhrt, der im September 2003 eine harsche Kritik, die z√ľgellose Kommerzialisierung des √∂ffentlichen Eigentums betreffend, ge√ľbt habe, die Kunst verliere ihre Seele. Wen wundert es, da√ü trotz intensiver Suche im Internet eine derartige Stellungnahme des Philippe de Montebello weder in englisch noch in franz√∂sisch zu finden ist? Stattdessen erfreut uns Antonia Thiemann auf ihrem Blog mit der Nachricht, da√ü ab 1. Juni 2007 in Berlin Werke der franz√∂sischen Kunst des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des MoMA gezeigt werden: W√§hrend die Galerie in New York umgebaut wird, k√∂nnen wir uns also im n√§chsten Jahr auf einen weiteren kulturellen H√∂hepunkt in unserer Hauptstadt freuen. Das MoMA beherbergt neben dem Mus√©e d´Orsay die gr√∂√üte und bedeutendste Sammlung franz√∂sischer Kunst des 19. Jahrhunderts. Noch nie in seiner √ľber 100j√§hrigen Geschichte hat das Metropolitan Museum so viele seiner Sch√§tze verliehen. "Einige dieser Meisterwerke verlassen das Haus zum ersten Mal, andere werden es zum letzten Mal verlassen" so Philippe de Montebello, Direktor des Metropolitan Museums of Art, informiert die Pressestelle der Berliner Nationalgalerie. Berliner, freut Euch darauf! (15)

Kein Kunstwerk aus franz√∂sischem Besitz f√ľr Coca Cola!

Der Pr√§sident des Louvre ist bei den drei franz√∂sischen Pension√§ren und ihrem Anhang vollends erledigt, als er mit dem High Museum of Art, in Atlanta, einen Vertrag schlie√üt, f√ľr die Zeit vom 14. Oktober 2006 bis 7. September 2007, √ľber 185 Leihgaben f√ľr drei Monate bis zu einem Jahr, je nach Werk, und daf√ľr 13 Millionen Euro einf√§hrt. Eine Petition auf der Site des Landwirtschaftsingenieurs und Absolventen der √Čcole du Louvre Didier Rykner zur Verhinderung des Ausverkaufs der franz√∂sischen Kunst und zum Erhalt der Geschlossenheit der Sammlungen der franz√∂sischen Museen findet auf seiner Site La Tribune de l´art mehr als 3900 Unterzeichner, bis zum 28. Januar 2007. Wie √ľblich, hat dieses V√∂lkchen der Neinsager keinerlei Alternativen anzubieten. Im Land des NON gegen alles und jedes reicht solches aus, Pr√§sidentschaftskandidat zu werden und die etablierten Parteien das F√ľrchten zu lehren, die Parteien PCF, LCR, LO und Einzelkandidaten wie der Maisausrei√üer Jos√© Bov√© machen es zu den kommenden Pr√§sidentschaftswahlen wieder vor. (16)

Die Petition√§re und die sie anstiftenden drei Pension√§re emp√∂ren sich dar√ľber, da√ü drei der gr√∂√üten Meisterwerke nach Atlanta, in die reiche Stadt von Coca Cola (sic!), gehen, Et in Arcadia Ego, des Franzosen Nicolas Poussin, Baldassare Castiglione des Italieners Raphael, und Le Jeune Mendiant, des Spaniers Bartolom√© Est√©ban Murillo. (17)

Die ganze Stadt wird in Sippenhaft genommen daf√ľr, da√ü Atlanta der Hauptsitz des Konzernes ist, woher dieses vermaledeite unfranz√∂sische Getr√§nk stammt. Die Neinsager wenden sich gegen ihre eigenen Landsleute, die Coca Cola sehr gern konsumieren, sie zeigen ihnen ihre Verachtung. Es ist kaum verst√§ndlich, wieso sich intelligente Menschen solches bieten lassen und in Scharen die Petition unterzeichnen; warum Le Monde sich hergibt f√ľr solche Kampagnen d´Outre tombe. Es macht die Unterzeichner der Petition gegen den Louvre nicht stutzig, da√ü zwei der drei genannten Werke nicht von franz√∂sischen Malern stammen. Man kann nicht gegen sie punkten; denn auch darauf f√§llt ihnen etwas ein, worauf man erst einmal kommen mu√ü. Dazu h√∂re ich, auf dem Weg in mein Restaurant an der spanischen Grenze, in der Sendung Les oeuvres d´art sont-elles des biens de consommation ? Sind die Kunstwerke Konsumware? die phantastischen Ausf√ľhrungen des Schriftstellers und Essayisten Max Gallo, der meint, alle Kunstwerke in den franz√∂sischen Museen, aus den verschiedenen Kontinenten, w√§ren entsprechend unserer Ausdrucksweise eingeordnet, class√©s selon notre langage, also gewisserma√üen franz√∂sisiert. Diese Ungeheuerlichkeit der Aberkennung der jeweils nationalen und gesellschaftlichen Eigenart der Kunstwerke und ihrer Sch√∂pfer ist in Frankreich herrschende Lehrmeinung; keiner der Diskutanten erhebt dagegen Einspruch. Wer´s nicht glaubt, der h√∂re in die Sendung hinein. Sie ist noch mindestens bis zum 4. Februar aufzurufen. (18)

Man h√∂rt dort die Begriffe Globalisierung, Spekulation: L´art est devenue une mati√®re premi√®re sur laquelle on specule, Die Kunst ist zum Grundstoff geworden, auf den man spekuliert, Verwurzelung: L´enracinement est un √©l√©ment essentiel de la r√©sistance √† l´uniformisation par la mondialisation, die Verwurzelung ist ein essentielles Element des Widerstandes gegen die Uniformierung durch die Globalisierung, usw. Blut und Boden. Selbstverst√§ndlich f√§llt in der fast 40-min√ľtigen Diskussion (der erste Teil ist dem verstorbenen Abb√© Pierre, dem Antisemiten und Freund des Holocaustleugners Roger Garaudy gewidmet) kein Wort dar√ľber, da√ü seit dem Jahr 2002 die American Friends of the Louvre, in den USA dieses Museum bekannt machen, zu seinem Ruhme beitragen und Spenden aufbringen, kein Wort, da√ü ein Drittel der ausl√§ndischen Besucher des Pariser Louvre Amerikaner sind, diese angeblich kulturlosen Banausen. (19)

Keiner der Diskutanten geht auf die Geschichte ein, darauf beispielsweise, da√ü der damalige Kulturminister Andr√© Malraux im Einverst√§ndnis mit General Charles de Gaulle, auf den sich alle Nationalisten sonst immer gern berufen, im Jahre 1962 bereits im Widerspruch zu den Konservatoren des Louvre zum Ruhme Frankreichs und zur Verbesserung seiner Beziehungen zu Washington das ber√ľhmte Gem√§lde La Joconde in die USA ausleiht. Lunettes rouges pr√§sentiert ein Foto des US-Pr√§sidenten John F. Kennedy und seiner Frau vor dem Kunstwerk. Im Louvre wird La Joconde √ľbrigens schon lange in Kopie ausgestellt, was keinen der Besucher st√∂rt. (20)

La Joconde treibt dem bereits erw√§hnten Retter der franz√∂sischen Kunst Didier Rykner die Wut in die Feder, und er antwortet mit dem Hinweis auf einen weiteren Skandal: vom 12. bis 14. Oktober 2004 wird in einer Shopping Mall (!) von Hong Kong das 10,50x16,50m gro√üe, 45 Kilogramm schwere Monumentalwerk Rideau de "Parade", von Pablo Picasso ausgestellt, aus dessen Periode Rose. Das Werk stammt aus dem Centre Pompidou. In Paris w√§re das Werk nur selten ausgestellt, der arme Didier Rykner hat es noch nie gesehen - und Einkaufszentren in Hong Kong wohl auch nicht. Sie haben in Asien eine andere Funktion als in Frankreich Auchan oder Carrefour; sie sind viel weitl√§ufiger, und sie bilden f√ľr viele eine Art Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, man verbringt dort oftmals den ganzen Tag, bis in den sp√§ten Abend. (21)

Kenntnisse aber sind v√∂llig √ľberfl√ľssig, wenn es um die Verbreitung von Ideologie geht. Museumsdirektoren zittern vor Didier Rykner und seinem Anhang, die franz√∂sischen Medien lassen sich nur zu gern darauf ein. Wen wundert es, da√ü Frankreich mit seinem kulturellen Budenzauber in der Welt nicht mehr ernstgenommen wird? (22)

Max Gallo heizt die Stimmung in der Sendung des Philippe Meyer weiter an. Die Kunstwerke verlieren ihre Seele, wie ja auch Wein, wenn man ihn anst√§ndig vermarktet. Die Museen mit ihren Caf√©s, L√§den und Veranstaltungen seien schon heute Vergn√ľgungsparks, Parcs de loisirs: soll der Louvre ein Museum bleiben, oder soll der zu McDonald´s oder Disneyland verkommen? Damit beleidigt er die franz√∂sische Bev√∂lkerung. Frankreich ist weltweit nach den USA der zweite Konsument bei McDonald´s, 98 Prozent der Waren sind franz√∂sisch sowie alle Besch√§ftigten. Was Disneyland angeht, so gibt der Park ebenfalls zahlreichen Franzosen Arbeit. Max Gallo benennt aus primitivem Anti-Amerikanismus stereotyp und mehrfach die beiden US-Unternehmen; auf den Parc d´Ast√©rix kommt er gar nicht erst. Coca Cola ist dort neben Haribo und Nestl√© offizieller Partner. (23)

Der Parc d´Ast√©rix geh√∂rt der Compagnie des Alpes. Deren Marketing- und Kommunikationsdirektor Eric Guilpart ist sehr zufrieden mit den Gesch√§ften, der Umsatz ist um 21 Prozent gestiegen und der Reingewinn um 33 Prozent. Der Parc d´Ast√©rix befindet sich 30 Kilometer n√∂rdlich von Paris. Die Compagnie des Alpes besitzt 21 Parks mit erstklassigem Portefeuille an Adressen, darunter das Mus√©e Gr√©vin, das Pariser Wachsfigurenkabinett. Da sollte man schon einmal die Figuren der drei Autoren des Artikels Les Mus√©es ne sont pas √† vendre nebst Didier Rykner und Max Gallo aufstellen, diese typischen Vertreter Frankreichs: national und sozialistisch. (24)

Kein Louvre f√ľr W√ľstenv√∂lker!

Im Dezember 2006 arbeiten der Louvre und der Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres einen Vertrag √ľber die Errichtung eines Museums mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aus. Er sieht vor, da√ü das Museum den Namen Louvre erh√§lt. Die Unterzeichnung des Vertrages soll noch vor den Pr√§sidentschaftswahlen stattfinden. Mit dem Bau des Museums k√∂nnte der franz√∂sische Architekt Jean Nouvel beauftragt werden. Die erw√§hnte Agence internationale des mus√©es de France wird f√ľr die Rekrutierung und Ausbildung von Museumspersonal sorgen und das wissenschaftliche und kulturelle Projekt des Museums begleiten. Das Museum will Kunstwerke kaufen, und Kunstwerke aus den Museen Frankreichs sollen dort ab 2012 f√ľr zwei Monate bis zwei Jahre ausgestellt werden. Vier Sonderausstellungen j√§hrlich wird Frankreich liefern, und der Vertragspartner kann Werke zur√ľckweisen, wenn sie einen "unvern√ľnftigen" Charakter haben, un caract√®re "d√©raisonnable". Dieselben Linken, die sich daf√ľr einsetzen, da√ü Musliminnen in Frankreich das Kopftuch tragen d√ľrfen, die alles und jedes als von den Franzosen zu akzeptierende kulturelle Verschiedenheit bezeichnen, ereifern sich nun dar√ľber, da√ü ihren Kunstwerken durch die Muslime in deren Land Beschr√§nkungen auferlegt werden k√∂nnten. Sie weisen au√üerdem darauf hin, da√ü die VAE nur 700 000 Einwohner haben. Von den Hundertausenden von Touristen haben sie entweder nichts geh√∂rt, oder sie verschweigen ihr Wissen. Die Argumente der Bef√ľrworter des Louvre in Abu Dhabi lassen sie nicht gelten, da√ü n√§mlich die Scheichs der VAE die Muslime mit westlicher Kultur vertraut machen wollen, um so ein Gegengewicht zum islamischen Extremismus zu bilden, und da√ü Frankreich das unterst√ľtzt. Sie sind gegen jede Internationalisierung und Kommerzialisierung des Museumsbetriebes. Sie wollen Kunstwerke kostenlos ausleihen. Wer das bezahlen soll?

Diese Kritiker w√ľrden die Werke ebenfalls gegen Entgelt ausleihen, wenn auch nicht gegen finanzielles, sondern zur Gewinnung von Macht und Einflu√ü, f√ľr Dank und zur Schaffung von Abh√§ngigkeit der so bedachten: hoch die internationale Solidarit√§t! Ein Guggenheim-Museum wird √ľbrigens ebenfalls errichtet in den VAE, in f√ľnf Jahren soll der Betrieb losgehen. (25)

Ein anderes Museum ist in der Planung f√ľr Ost-Jerusalem. Dort soll, im Zentrum des arabischen Jerusalem, ausgehend von der Galerie Al-Hoash ein richtiges Museum der zeitgen√∂ssischen pal√§stinensischen Kunst entstehen. Der reiche Sammler Mazen Qupty will daf√ľr seine Werke abtreten; er sagt: "Es ist entscheidend, unser Kulturgut zu sammeln und das zu zeigen, was wir leisten k√∂nnen. Die USA und Israel haben die Welt erfolgreich √ľberzeugt, da√ü wir Terroristen sind; wir aber wollen nur Menschen sein, und die Kunst spielt, von dem Gesichtspunkt aus betrachtet, eine hervorragende Rolle". (26)

Man darf gespannt sein, wie die sich heute so vehement gegen den Verleih von Kunstwerken ins Zeug legenden Linksradikalen und nationalen Sozialisten auf eine zuk√ľnftige Anfrage von Mazen Qupty reagieren. Darf ich raten? Dann gelten alle bislang vorgetragenen Bedenken nicht mehr; denn dann gilt es, die USA und Israel zu widerlegen.

30. Januar 2007

Quellen

(1) Coustouges. Histoire du Roussillon. Restaurant "La Régalade". Banquet, Réception, Mariage, Baptême. Terrasse Ombragée. 66260 Coustouges, Tél. 04.68.39.58.22
http://histoireduroussillon.free.fr/Villages/Histoire/Cousto uges.php

(2) Zeev Sternhell: Ni gauche ni droite. L¬īid√©ologie fasciste en France. Troisi√®me √©dition, Bruxelles 2000, page 347 (Weder links noch rechts. Die faschistische Ideologie in Frankreich. Dritte Auflage, Br√ľssel 2000, Seite 347)

(3) Les Musées ne sont pas à vendre. Par Françoise Cachin, Jean Clair , Roland Recht, Le Monde 13 décembre 2006
http://clioweb.free.fr/art/musees.htm

(4) Grand rassemblement sur le plateau du Larzac, 8-10 ao√Ľt 2003
http://gerard.delatour.free.fr/larzac2003B.jpg

(5) Fundamentalismus der Aufklärung oder Rassismus der Antirassisten? Von Pascal Bruckner, Perlentaucher, 24. Januar 2007
http://www.perlentaucher.de/artikel/3594.html

(6) Site officiel du musée du Louvre
http://www.louvre.fr/llv/commun/home_flash.jsp

(7) ENTRETIEN AVEC HENRI LOYRETTE, PR√ČSIDENT DU LOUVRE. "L´argent est important, mais il n´est pas le moteur de notre action √† l´√©tranger". Propos recueillis par Emmanuel de Roux, Le Monde, 8 janvier 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3246,36-853064@51- 853150,0.html

(8) Guggenheim Museum. New York - Bilbao - Venice - Las Vegas
http://www.guggenheim.org/

(9) Breton optimiste sur la r√©duction de l´endettement et le d√©ficit public. gon/mw, Boursorama. Votre partenaire pour investir, 17 janvier 2007
http://www.boursorama.com/infos/actualites/detail_actu_march es.phtml?&news=3899942

Finances publiques. Thierry Breton voit le déficit public 2006 "peut-être"sous les 2,7%. Par Xavier Harel, La Tribune.fr, 17 janvier 2007
http://www.latribune.fr

(10) La France officiellement "guérie" de son déficit excessif. Par Yves Clarisse. EuroInvestor, 29 janvier 2007
http://www.euroinvestor.fr/News/ShowNewsStory.aspx?StoryId=9 512088

(11) Les causes de l´endettement public croissant. Attention aux imposteurs et aux impostures. Par Georges Lane. La Page lib√©rale, 25 juin 2005. Commentaire # 20, par Pascal, 1 juillet 2005, 10:42 am
http://www.pageliberale.org/?p=1372

Sommer in Frankreich. 12. Juli 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-07-12_03-52-17.html

(12) De la culture américaine. Par Frédéric Martel. 640 pages. Hors série. ISBN 2070779319
http://www.gallimard.fr/gallimard-cgi/Appli_catal/fs_detail. pl?fctx=1170097196&loa=1&nutitre=10058608

(13) Olivier Pithon oder: Transatlantiker machen das Geschäft. 13. Januar 2007
http://www.eussner.net/roussillon_2007-01-13_17-59-33.html

(14) mus√©e d´art moderne. C√©ret. English, fran√ßais, catal√†
http://www.musee-ceret.com/

(15) Das Metropolitan Museum of Art kommt nach Berlin. Weblog Antonia Thiemann, 11. August 2006
http://www.antonia-thiemann.de/index.php/2006/11/08/moma-wie der-in-berlin/

(16) Petition pour l´int√©grit√© des collections des mus√©es fran√ßais. Didier Rykner, La tribune de l´art
http://www.latribunedelart.com/Liste_petition.htm

√Čcole du Louvre. fran√ßais - english - espa√Īol
http://www.ecoledulouvre.fr/index2.html

(17) Et in Arcadia Ego. Nicolas Poussin, 1638-40
http://physics.weber.edu/carroll/honors_images/poussin8new.j pg

Portrait of Baldassare Castiglione. Raphael (Raffaello Sanzio), 1514-1515
http://arthistory.about.com/od/blog_images/ig/April-2006/01_ KingsAsCollectors-Raphael-P.htm

Le Jeune Mendiant. Bartolomé Esteban Murillo, ca. 1645-1650. Peinture espagnole. insecula. Guide intégral du voyageur
http://insecula.com/oeuvre/O0008358.html

(18) L´abb√© Pierre - Les oeuvres d´art sont-elles des biens de consommation ? L´esprit public, par Philippe Meyer, France Culture, 28 janvier 2007
http://www.radiofrance.fr/chaines/france-culture2/emissions/ esprit_public/

(19) American Friends of the Louvre
http://www.louvre.fr/llv/membres/american_friends.jsp?bmLoca le=fr_FR

Welcome to the American Friends of the Louvre
http://www.aflouvre.org/

(20) Hier la Joconde, aujourd´hui Abu Dhabi. Amateur d´art, par Lunettes rouges, 7 janvier 2007
http://lunettesrouges.blog.lemonde.fr/2007/01/07/hier-la-joc onde-aujourdhui-abu-dhabi/

(21) Rideau de "Parade" de Picasso. Hong Kong, Centre commerciale, 12 à 24 octobre 2004. Centre Pompidou
http://www.centrepompidou.fr/Pompidou/Manifs.nsf/0/0025DB415 A11C69FC1256F1F004432B2?OpenDocument

(22) Didier Rykner : le gardien du temple. Par Harry Bellet. Le Monde, 18 janvier 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3246,36-856896,0.h tml?xtor=RSS-3246

(23) Parc Astérix
http://www.parcasterix.fr/v2/default.asp

(24) Compagnie des Alpes : la direction se confie à Boursier.com. 3 janvier 2007
http://www.boursier.com/vals/FR/compagnie-des-alpes-la-direc tion-se-confie-a-boursier-com-news-215845.htm

(25) Louvre Ltd. Netlex Blogs, 16 janvier 2007
http://www.netlexfrance.com/weblogs/?p=23037

(26) La Palestine s´offre des Beaux-Arts. Par Benjamin Barthe. Le Monde, 8 janvier 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3218,36-852967,0.h tml?xtor=RSS-3208



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