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Jacques Chirac ist nicht Ségolène Royal oder: Wohin würde der Iran diese Bombe schicken?

Einmal mehr fallen ausländische Medien und fällt die Weltöffentlichkeit auf den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac herein. Verwöhnt von den nahezu täglich einkommenden erstklassig zu verwertenden Betisen der sozialistischen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, interpretieren sie dessen Äußerungen, vom 29. und 30. Januar sowie vom 1. Februar 2007, analog, nach dem flockigen Motto: in Frankreich spinnen inzwischen alle, glauben und trauen kann man niemandem mehr. Der Fehler liegt darin anzunehmen, man hätte das in den letzten 63 Jahren jemals gekonnt. Ab der Landung in der Normandie, am 6. Juni 1944, oder vielleicht erst einen Monat danach, betreibt Frankreich eine immer gleiche Politik, wer auch Präsident sein mag.

Die Betreiber der Web Site über die Schlacht in der Normandie benennen sie bewußt oder unbewußt richtig: Ein Wind von Freiheit. Alle Regierungen Frankreichs sind seit der Zeit über jede Windstille äußerst dankbar; nur dann können sie, die inzwischen schon lange keine Grande Nation mehr repräsentieren, im größtmöglichen Mief an ihren Intrigen basteln, um trotz entschwundener und immer mehr verschwindender Macht ihren persönlichen und den Interessen ihres Landes zu dienen, in dieser Reihenfolge. Man kann das auch, wenn man´s nicht genau nimmt, Diplomatie nennen. (1)

Es liegt nicht an der französischen Regierung, wenn die Welt ihre Politik anders interpretiert, als sie gemeint ist. Wie schafft es das mit mehr als 2 Billionen Euro verschuldete Frankreich beispielsweise, den Mitgliedsstaaten der EU weiszumachen, es sei nur die Hälfte? Das ist hohe Kunst der Politik! (2)

Jacques Chirac hat in dem Interview mancherlei geantwortet, laut Nouvel Observateur, New York Times und SpiegelOnline unter anderem dieses: (3)

Il va l´envoyer où, cette bombe ? Sur Israël ? Elle n´aura pas fait 200 mètres dans l´atmosphère que Téhéran sera rasé.

Ce qui est dangereux, c´est la prolifération, et c´est tout de même très tentant, pour d´autres pays qui ont de gros moyens financiers dans cette région, de dire « eh bien, nous aussi, on va le faire, ou on va aider d´autres à le faire ». Pourquoi l´Arabie Saoudite ne le ferait pas ? Et pourquoi n´aiderait-elle pas l´Egypte à le faire également ? C´est ça le danger. Donc il faut trouver un moyen de régler ce problème. Alors ça, c´est le nucléaire militaire.

"Where will it drop it, this bomb? On Israel?" Mr. Chirac asked. "It would not have gone 200 meters into the atmosphere before Tehran would be razed."

What is dangerous is proliferation. It is really very tempting for other countries in the region that have large financial resources, to say: "Well, we too, we´re going to do it. We´re going to help out others to do it." Why wouldn´t Saudi Arabia do it? Why wouldn´t it help Egypt to do so as well? That is the danger. So one has to find a way to settle this problem. That, then, is the military nuclear issue.

"Wohin würde Iran diese Bombe schicken? Nach Israel? Sie würde keine 200 Meter in der Atmosphäre zurücklegen, und Teheran würde dem Erdboden gleich gemacht."

Den zweiten bedeutenden Teil der Antwort enthält SpiegelOnline den Lesern vor. Beide Teile müssen zusammen gesehen werden; denn dann kann man überhaupt erst ermessen, was dieser Staatsmann sagt:

Was gefährlich ist, das ist die Weitergabe, und es ist dennoch eine große Versuchung für andere Länder, die große finanzielle Mittel haben in der Region, zu sagen: "Also gut, auch wir, wir machen es ebenso, oder man wird andere unterstützen, es zu machen." Warum machte Saudi-Arabien es nicht? Und warum unterstützte es nicht Ägypten dabei, es auch zu machen? Dort liegt die Gefahr. Also muß ein Mittel her, das Problem zu lösen. Das ist es, das ist das Problem der militärischen Atomkraft.

Am nächsten Tag präzisiert er mitten in der weltweiten Aufregung:

D´autant qu´aucun de ces pays n´a manifesté la moindre volonté dans ce sens."Il prenait cependant toujours très au sérieux" une course aux armements dans la région au sens large. Jacques Chirac se montre toujours soucieux de ne pas rompre le dialogue, pour éviter des représailles sur Israël.

Insoweit keines dieser Länder auch nur den geringsten Willen gezeigt hat in der Richtung, habe er jedoch einen Wettlauf zur Bewaffnung in der Region im weitesten Sinne sehr ernst genommen; Jacques Chirac zeige sich immer besorgt, nicht den Dialog zu unterbrechen, um Vergeltungsmaßnahmen gegen Israel (sic!) zu verhindern, schreibt der Nouvel Observateur. Der Euro-arabische Dialog wird also zum Wohle Israels geführt. Wer hätte es gedacht? (4)

In der New York Times folgen weitere Artikel zum Thema: Mr. Chirac hat privat im letzten Jahr gelegentlich die Ansicht geäußert, daß der nuklearbewaffnete Iran unvermeidlich sein könnte, und daß er versuchen könnte, die Technologie an andere Länder zu verkaufen.

Elaine Sciolino and Katrin Bennhold bemühen sich, das Gras wachsen zu hören, sie packen sogar aus, was Jacques Chirac privat äußert, daß er diplomatische Reaktionen begrenzen wolle, und daß er am 1. Februar noch einmal betont habe, daß Frankreich sich weiterhin verpflichtet fühle, den Iran daran zu hindern, eine Atommacht zu werden. (5)

Auch der Nouvel Observateur betreibt Schadensbegrenzung, und so wird eine Fülle von Informationen nachgereicht darüber, was Jacques Chirac wirklich sagen wollte: Jacques Chirac- Je voulais donc dire ... (6)

Der Staatspräsident Frankreichs gibt mit seinen Äußerungen vom 29. und 30. Januar sowie vom 1. Februar das Signal an den Iran und die reichen arabischen Ölstaaten, daß Frankreich

  • sich nicht gegen die atomare militärische Aufrüstung des Iran wendet;
  • bei einem militärischen Vorgehen der USA und/oder Israels gegen den Iran nicht beteiligt sein wird;
  • bereit ist, die arabischen Staaten durch die Lieferung entsprechender Technologie atomar aufzurüsten.

Er sieht bei den arabischen Ölstaaten noch keinen Willen dazu, ist aber soeben im Begriff den zu schaffen. Er vermittelt ihnen, daß Israel wieder einmal oder noch immer im Zentrum der Aufmerksamkeit der USA steht. Die USA und nicht Frankreich, das sich nicht einmischen wird, würden Teheran dem Erdboden gleichmachen. Das Interesse der USA gelte weniger den arabischen Staaten als Israel. Kriegshandlungen des Iran gegen den Irak und den Libanon zur Ausweitung des schiitischen Machtbereichs würden sich gegen die sunnitischen Erdölstaaten richten. 72 Eurofighter Typhoon für 10 Milliarden britische Pfund = 15,17 Milliarden Euro sind von Saudi-Arabien deshalb bereits geordert. (7)

Nun sollen die Atomkraftwerke nachfolgen: von O-Chirac zu Osirabia in Quantensprüngen!

Über das Ende von O-Chirac gibt es ein Video bei OutcutTV. (8)

2. Februar 2007

Quellen

(1) Juin 1944. Un vent de liberté. Le site de la bataille de Normandie
http://perso.orange.fr/stephane.delogu/programme.html

(2) Les causes de l´endettement public croissant. Attention aux imposteurs et aux impostures. Par Georges Lane. La Page libérale, 25 juin 2005. Commentaire # 20, par Pascal, 1 juillet 2005, 10:42 am
http://www.pageliberale.org/?p=1372

(3) Iran. Verbatim 1 : extraits de l´interview du lundi 29 janvier. NouvelObs.com,
2 février 2007
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/20070131.OBS9910/

Text. Chirac´s First Interview on Iran. The New York Times. Published
February 1, 2007
http://www.nytimes.com/2007/02/01/world/europe/01france-text 1.html?_r=1&n=Top%2fReference%2fTimes%20Topics%2fPeople%2fC% 2fChirac%2c%20Jacques&oref=slogin

Irankrise. Chirac sinniert über Vernichtung Teherans durch Atombombe. als/AFP/AP. SpiegelOnline, 1. Februar 2007
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,463720,00.html

(4) Iran : quand Chirac rectifie Chirac. NouvelObs.com, 1 février 2007
http://hebdo.nouvelobs.com/p2204/articles/a331866.html

(5) Chirac Strays From Assailing a Nuclear Iran. By Elaine Sciolino and Katrin Bennhold. The New York Times, Feruary 1, 2007
http://www.nytimes.com/2007/02/01/world/europe/01france.html ?ex=1170997200&en=34a074a0a2c8b222&ei=5070&emc=eta1

In Uproar, Chirac Again Retracts Remarks on Nuclear Iran. By Katrin Bennhold,
The New York Times, February 2, 2007
http://www.nytimes.com/2007/02/02/world/europe/02france.html ?n=Top%2fReference%2fTimes%20Topics%2fPeople%2fC%2fChirac%2c %20Jacques

(6) Iran. Verbatim 2 : l´interview du mardi 30 janvier. NouvelObs.com,
2 février 2007
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/20070131.OBS9911/

(7) Großbritannien stimmt Eurofighter-Verkauf an Saudi-Arabien zu - EADS beteiligt. FinanzNachrichten.de, 18. August 2006
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-08/artikel- 6870656.asp

(8) Baghdad 1981: Französische Ingenieurskunst in Trümmern, gw, OutcutTV,
3. Februar 2007
http://www.outcut.tv/2007/02/baghdad_1981_franzosische_inge. php

RE: Iraq and nuclear weapons development -Osirak reactor story. March 4, 2003
http://www.vanderbilt.edu/radsafe/0303/msg00040.html


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