
Saudi-Arabien, französische Waffen und Prinz Turki al-Feisal. Update, vom 13. April 2007 und vom 2. Mai 2007
Dieser Artikel ist die Fortsetzung von Jacques Chirac ist nicht Ségolène Royal oder: Wohin würde der Iran diese Bombe schicken? (1)
Was unternimmt Saudi-Arabien, da seiner Meinung nach das Interesse der USA weniger den arabischen Staaten als Israel gilt, und Kriegshandlungen des Iran gegen den Irak und den Libanon zur Ausweitung des schiitischen Machtbereichs sich gegen die sunnitischen Erdölstaaten richten würden? Es ist im Begriff, 72 Eurofighter Typhoon für 10 Milliarden britische Pfund = 15,17 Milliarden Euro zu ordern.
Über die 72 Eurofighter weiß Georges Malbrunot, im Figaro, daß sich die Vertragsunterzeichnung hinzieht:
Mehr als einen Monat nach der Ratifizierung eines Protokolls der Übereinkunft zwischen Prinz Sultan und seinem britischen Kollegen im Verteidigungsministerium über die Lieferung nach Riadh von 72 Kampfflugzeugen Eurofighter im Werte von 15,2 Milliarden Euro kommen die Mauscheleien nur langsam vorwärts. Die Verhandlungen sind erschwert worden durch eine britische Untersuchung über einen al-Yamamah genannten vorherigen Aufrüstungsvertrag. 1985 unterzeichnet, hat al-Yamamah der BAE 85 Milliarden Dollar Gewinn eingebracht, der hauptsächlich in Form von Erdöllieferungen und Milliarden an Provision bezahlt wurde. Dabei hätten "undichte Stellen" lokale terroristische Netzwerke versorgt. König Abdallah möchte kein neues al-Yamamah mehr. Auf Empfehlung von Tony Blair hat die britische Justiz ihrerseits ihren Untersuchungen über al-Yamamah ein Ende gesetzt. Aber die Unterzeichnung des neuen Vertrages läßt auf sich warten. (2)
Zusätzlich zum Eurofighter, der vom saudischen Verteidigungsminister Kronprinz Sultan Ibn Abd al-Aziz, Vater des Prinzen Bandar und Mitglied der al-Sudairi Seven, bestellt wird, und von dem hauptsächlich die britische BAE profitiert, wird die 75 000 Mann zählende Nationalgarde unter ihrem Chef Prinz Mutaeb, Sohn des Königs, durch diesen militärisch aufgerüstet. Sie hat 75 französische Caesarkanonen geordert und ist im Begriff, sich erstmalig mit Hubschraubern auszustatten. Die kostengünstige Caesarkanone, 155 mmm/Kaliber 52, ruht auf dem Fahrgestell eines Geländewagens 6x6 Renault Truck eines Gewichtes von 18 Tonnen. Sie ist flexibel gegen innere und äußere Feinde einzusetzen. (3)
Die Hubschrauber könnten ebenfalls aus Europa kommen, die Eurocopter der EADS. Das französische Außenministerium berichtet über die Rüstungspartnerschaft Frankreichs mit Saudi-Arabien: Annähernd sechzig Gesellschaften sind im Rüstungssektor (Aérospatiale, Thalès - Eurocopter, Matra, Giat Industrie), im Elektrizitätssektor (Schneider, Alstom), im Dienstleistungssektor (Calion, AXA) und im Kommunikationssektor (Alcatel) tätig. Unseren Unternehmen dürften sich in Hinblick auf die Privatisierungsaussichten und Infrastrukturprojekte zahlreiche Gelegenheiten bieten. (4)
Zur Vertiefung dieser Beziehungen weilt der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy am 6. Januar 2007 in Saudi-Arabien und anschließend in Ägypten. Regionalfragen, vor allem den Libanon und das Israelisch-palästinensiche Dossier betreffend, seien diskutiert worden. Die Ergebnisse der Reise mögen Jacques Chirac zu seinen kühnen Worten beim Interview mit den Journalisten der New York Times, der International Herald Tribune und des Nouvel Observateur inspiriert haben, zu den Phantasien über die Finanzierung eines Atomreaktors für Ägypten durch die Saudis. (5)
König Abdallah "sündigt" nicht durch Amerikafreundlichkeit
Georges Malbrunot charakterisiert den König: Im Gegensatz zu Fahd, dem er 2005 nachgefolgt ist, genießt Abdallah eine gewisse Popularität. Fromm, als integer geschildert, "sündigt" er ebenfalls nicht durch américanophilie, Amerikafreundlichkeit. (6)
Das sind die Protagonisten: die Familien der mehr den USA zuneigenden al-Sudairi Seven und die Familien der den USA gegenüber distanzierteren frommeren Halbbrüder, angeführt von König Abdallah Ibn Abd al-Aziz. Zu diesen gehört Prinz Turki al-Feisal; er wird nach 24-jähriger Amstzeit als Chef des saudischen Geheimdienstes, am 31. August 2001, also unmittelbar vor dem 11. September 2001, zugunsten seines Neffen Prinz Nawaf Ibn Abd al-Aziz dieses Postens seiner engen Beziehungen zu den Taliban und zu Osama bin Laden wegen durch König Fahd enthoben. Prinz Turkis Unterstützung Osama bin Ladens und der Taliban in Afghanistan sind allseits bekannt. Er ist seinerzeit in der saudischen Regierung zuständig für das "Afghanistan file". (7)
Seine privaten Geschäftsinteressen werden vom ehemaligen CIA-Mitarbeiter mit Tätigkeitsgebiet als Kontaktmann zu Auslandsspionen, unter anderem im Nahen Osten, 1976 bis 1997, Robert Baer so geschildert: Als ich die CIA verließ, erfuhr ich, daß der saudische Geheimdienst unter Turki al-Feisal eine Partnerschaft mit der argentinischen Bridas unterhielt, um eine Erdgasleitung von Turkmenistan nach Pakistan zu bauen, die durch Afghanistan führen sollte. Es war das perfekte Spiel für Bridas, weil Turki bessere Beziehungen zu den Taliban hatte als jeder andere Saudi. Er versorgte die Taliban mit Hunderten Millionen Riyals. (8)
100 Saudi Riyal sind sind heute ungefähr 20,6 Euro oder 26,7 Dollar. (9)
Prinz Turki al-Feisal wird im Anschluß an die seiner terroristischen Vorlieben wegen erfolgte Amtsenthebung saudischer Botschafter in London und dann Nachfolger des Prinzen Bandar Ibn Sultan Ibn Abd al-Aziz, als dieser nach der Verkündung des Todes des Königs Fahd, am 1. August 2005, zur Teilnahme am Nachfolgekampf, der beim Tode des heute 82-jährigen Königs erwartet wird, in die saudische Hauptstadt zurückkehrt. Über Prinz Turki und sein Wirken für die Palästinenser und deren Terrorgruppen kann man im Artikel Saudi-Arabien, die "palästinensische Sache" und die Arab Bank einiges nachlesen. Am 3. November 2004, Yasser Arafat ist gerade eine Woche tot, benennt der saudische Botschafter in London auf einem Seminar die israelischen Verbrechen in Al-Quds und anderen palästinensischen Gebieten, und er meint, der Sperrzaun, die israelische Sicherheitsmauer, sei vor allem dazu da, eine wirkliche Grenze zwischen Israel und dem zukünftigen Staat zu ziehen. Diese Bemerkung ist insofern interessant, als er damit die Absichten der arabischen Staaten und vor allem Saudi-Arabiens widerspiegelt, den zukünftigen Staat nur als Zwischenstufe im Sinne des Phased Plan des Palästinensischen Nationalrates, vom 9. Juni 1974, anzusehen. A border in reality between Israel and a future Palestinian state stört da nur. (10)
In einem Interview von 2002 mit PBS NewsHour beschreibt der Prinz seine Treffen mit Osama bin Laden vor dem 11. September 2001; er behauptet darin, die saudische Regierung habe alles getan, ihn dingfest zu machen. Das glaubt PBS NewsHour offensichtlich, sonst gäbe es einen Kommentar dazu. (11)
Andere Berichterstatter sehen es so: Prinz Turki war Osama bin Ladens Freund und Verbindungsmann über mehr als 20 Jahre. Der Aufstieg der Taliban wurde von den Saudis gelenkt, von Pakistans Geheimdienst ISI, der CIA und Erdölinteressen (Unocal), und ihr Fall (und der 11. September 2001) wurde von denselben dirigiert, und erst nachdem das Taliban-Regime die Zusammenarbeit mit größeren Interessen verweigerte. (12)
Steven Clemons, auf seinem Blog The Washington Note hält Prinz Turki al-Feisal, den Neffen von König Abdullah, für einen modernen, mehr urbanen, reformerischen zum weniger korrupten Teil der saudischen Herrscherfamilie gehörenden Profi, und er meint, König Abdullah könnte ihn und nicht Prinz Bandar Ibn Sultan demnächst zum Außenminister ernennen. Das allerdings ist nicht ausgeschlossen; er ist der Bruder des jetzigen Außenministers. (13)
Steven Clemons gibt eine merkwürdige Einschätzung; denn Prinz Turki al-Feisal, Freund der Terroristen und der reaktionärsten muslimischen Prediger, ist inzwischen von seinem Posten als Botschafter in Washington zurückgetreten, um so seinem Rückruf zuvorzukommen. König Abdullah hat ihn durch seinen außenpolitischen Berater Adel Bin Ahmed al-Jubeir ersetzt. Erstmalig ist somit kein Mitglied der Königsfamlie, sondern ein von Abdallah leichter zu kontrollierender Bürgerlicher Botschafter bei diesem für Saudi-Arabien strategisch bedeutenden Verbündeten. Die al-Sudeiri Seven haben den Posten nicht zurückbekommen, aber auch niemand aus der Familie derer Halbbrüder. Der 44-jährige Adel Bin Ahmed al-Jubeir hat nach dem 11. September 2001 die Aufgabe erfolgreich erledigt, der Weltöffentlichkeit zu vermitteln, daß die saudische Königsfamilie nichts mit den saudischen Attentätern gemein hätte. Die Saudis haben vor der Ernennung ihres Botschafters die USA um ihr Einverständnis gebeten. Der König verabschiedet seinen Botschafter, am 6. Februar 2007, mit Grüßen an George W. Bush und dem Rat, treu im Glauben an Allah den Allmächtigen zu bleiben. (14)
Georges Malbrunot ist immer im Dienste Frankreichs
Den Journalisten des Figaro kennen meine Leser bereits. (15)
Er ist einer der beiden im Jahre 2004 vier Monate von irakischen Terroristen gefangengehaltenen Geiseln; der andere ist Christian Chesnot, von Radio France International. Georges Malbrunot entsteigt auf dem Militärflugplatz Villacoublay dem Regierungsflugzeug Falcon 900 und spult die von der französischen Regierung mit ihm vereinbarte Version seines Aufenthaltes in Gefangenschaft und seiner Befreiung ab. (16)
Auf ihn kann man sich verlassen. Jetzt schildert er den frommen, integren Monarchen als nicht amerikanophil, als Herrscher, der durch die Provinzen seines Landes reise, um den Sozialpakt zu erneuern, und so erfährt man indirekt, daß es einen solchen gibt. Der Pakt sei beschädigt durch die Welle der Attentate, in den Jahren 2003 und 2004, des lokalen Zweiges der al-Qaida. Ein westlicher Diplomat wird zitiert, wahrscheinlich ein Franzose, daß durch das Ansehen des Monarchen, verbunden mit seinen Reinvestitionen, der Wiederanlage von Wertzuwächsen im Lande, der Fall des Hauses Saud heutzutage kein Punkt der Tagesordnung sei. Dennoch schritten die Reformen nur langsam fort, Frauen dürften immer noch nicht Auto fahren, und die Religionspolizei wachte wie im Mittelalter über die moralische Ordnung. Der politischen Öffnung gegenüber seien die Herrscher mißtrauisch. 15 Monate nach den Wahlen habe der Gemeinderat von Riadh erstmalig getagt.
Ein anderer Diplomat redet die Aktivitäten des Königshauses schön: der König wolle zur weiteren Modernisierung Arabiens eine nationale Allianz um die königliche Familie scharen, dazu habe Abdallah eine Mini-Operation "saubere Hände" aufgelegt. Er wolle die Privilegien gewisser Prinzen stutzen, in dem er alle Ausgaben über den Staatshaushalt abwickeln lasse. Der Yamamah-Fall des Vertrages mit den Engländern diene ihm als Lehre. Er habe die Form der Waffenlieferungsverträge reformiert. Kronprinz Sultan Ibn Abd al-Aziz verhandele weiterhin, aber ab einem bestimmten Betrag unterzeichne der König. Die Ausgaben müßten vom Finanzminister Ibrahim al-Assaf genehmigt werden, einem Vertrauten des Königs.
Diese märchenhaften Neuerungen könnten einem ´ne Träne der Rührung ins Auge treiben, wenn man nicht sähe, daß alles dies nicht im geringsten mit einer etwaigen Demokratisierung und Beseitigung von Korruption zu tun hat, sondern daß es zur Ausschaltung der Macht der Familie der al-Sudeiri Seven geschieht. Kronprinz Sultan, der Stellvertretende Premier- und Verteidigungsminister, ist der Vater von Prinz Bandar Ibn Sultan Ibn Abd al-Aziz, des Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates. Abdallah konzentriert jetzt die Macht in seinen Händen, um sie im Todesfalle an seinen Sohn Mutaeb zu übergeben; den rüstet Frankreich soeben aus. Währenddessen kommt der 15,17 Milliarden Euro schwere Vertrag zur Lieferung von 72 Eurofightern an das saudische Verteidigungsministerium nicht voran, obgleich es seitens des britischen Justizministeriums keine Hindernisse gibt und Abdallah den Vertrag sofort unterzeichnen könnte.
Gewinne aus der Aramco können gern unter den sonstigen Familienmitgliedern verteilt werden, wenn nur die zentrale Macht bei Abdallah bleibt, ist die Devise. Auch Kronprinz Sultan ist nicht mehr der jüngste, so daß sich eine Thronfolge in der al-Sudeiri Seven-Linie bald ergeben könnte. Nachfolger wäre dann eventuell Prinz Bandar. Ali Khalil, vom Libanon Wire, informiert anläßlich des Todes von König Fahd bestens über die Probleme der Thronfolge. Es steht die zwischen den Brüdern verabredete Ancienität, die Rangfolge der Söhne des Königs Abd al-Aziz Ibn Saud nach dem Alter, gegenüber einer direkten Nachfolge des Herrschers. Abdallah muß befürchten, daß nach seinem Tode die Herrschaft auf Sultan übergeht, aber dann andere Nachfolgeregelungen zuungunsten seines Sohnes getroffen werden. (17)
Für Georges Malbrunot sind diese Aspekte nicht Gegenstand seines Artikels, sondern Abdallah wolle Transparenz in den Verträgen mit dem Westen über Waffenlieferungen zur Vermeidung der Weiterreichung von Geldern an terroristische oder kriminelle Organisationen. Abdallah führt die Geschäfte des Landes seit 1995. Es wäre genug Zeit gewesen, solche Transfers zu verhindern. Stattdessen ist die Familie des saudischen Königshauses seit Jahrzehnten Hauptfinanzier der Israel bekämpfenden palästinensischen Terrorgruppen. Neben kleineren werden zwei große Komitees dazu gegründet, das Popular Committee for Assisting Palestinian Mujahideen, dessen Leiter der Gouverneur von Riadh Prinz Salman Ibn Abd Al-Aziz ist, und das Saudi Support Committee for the Al-Quds Intifada. Sie geben bis Juli 2003 mehr als 15 Milliarden Saudi Riyals (4 Milliarden US-Dollar) aus und sichern, wie berichtet wird, den Palästinensern im Jahr 2004 eine weitere Milliarde Dollar zu zur Fortführung der Intifada, die von den Saudis auch als Jihad, als Glaubenskrieg und Widerstand bezeichnet wird. (10)
Die Saudis sind beunruhigt, aber uneins gegenüber dem Iran
Worum es für Frankreich geht, schreibt Georges Malbrunot deutlich: es geht bei der Verbesserung der Position Saudi-Arabiens gegenüber dem Iran sowie der Sunniten gegen die Schiiten darum, die Kreise um König Abdallah zu stärken. Alles deute darauf hin, daß die Iraner nicht friedlich mit ihren Nachbarn leben wollen, zitiert er einen Minister al-Hakas, der im Internet leider nicht aufzufinden ist, dennoch treffe Prinz Bandar regelmäßig seinen iranischen Counterpart Ali Larijani. Ein saudischer Emissär, der sechsmal im letzten Jahr in Teheran war, wird gegenüber Georges Malbrunot deutlich: "So kann man das Problem nicht sehen, das ist eine zionistische und imperialistische Vision." Es ist also eine zionistische Vision, daß Mahmoud Ahmadinejad aufruft, Israel von der Landkarte auszulöschen?
Teheran verspricht effektiv, die Hezbollah zu mäßigen oder die schiitischen Milizen im Zaum zu halten, behauptet Georges Malbrunot. Ein Zeuge erzähle, daß Ali Larijani im Januar die Hälfte seiner Zeit damit verbracht habe, die negativen Auswirkungen der wachsenden Gegnerschaft von Sunniten und Schiiten zu beklagen, "und er erschien aufrichtig". Aber Riadh sehe trotz solcher Worte keine Änderung. Die Geduld der Saudis sei bei solcher Doppelzüngigkeit Teherans im Schwinden. In Taqiyya sind die Schiiten seit mehr als tausend Jahren unübertroffen. Die französische Auffassung von Diplomatie kommt dem manchmal sehr nahe, wie man an den Ausführungen des Staatspräsidenten, am 29. und 30. Januar 2007, sehen kann.
Der König zieht den diplomatischen Ansatz vor, er will die Idee nicht zulassen, daß eine Koalition arabischer Staaten ab sofort bereit ist, eine amerikanische Militärintervention zu unterstützen, die nichts brächte als eine weitere Destabilisierung des Nahen Ostens, schreibt Georges Malbrunot. Prinz Bandar und einige Prinzen seien da "offensiver": Wir sind nicht konfrontiert mit einem sunnitisch-schiitischen Problem, sondern einmal mehr mit der alten Opposition von Arabern und Persern. Bei dieser unterschiedlichen Einschätzung gebe es eine Erklärung für den Rücktritt Prinz Turkis, eines Vertrauten des Königs, von seinem Posten als Botschafter in Washington, im Dezember 2006: "Einige Tage vorher ist Bandar in das Büro von Dick Cheney eingetreten ..., um für einen Militärschlag gegen Teheran zu plädieren," sagt eine informierte Quelle in Riadh dem Georges Malbrunot. Es ist angeblich Prinz Bandar geschuldet, daß Prinz Turki zurücktritt. Darauf läßt Georges Malbrunot einen engen Berater des Prinzen Bandar schwören (sic!): "Es gibt nur eine Politik gegenüber dem Iran, das ist die durch den König definierte." Und als Krönung: "Der Iran kann niemals Führer der islamischen Welt sein. Das ist ein wenig so, als wenn Chile vorgäbe, besseren Wein zu produzieren als Frankreich." (18)
In diesem Satz liegen zwei Mißverständnisse: die alte Gegnerschaft zwischen Arabern und Persern beruht auf einer tausendjährigen intellektuellen Überlegenheit der Perser über die Araber. Ein Großteil der von den arabischen Eroberern für sich und den Islam vereinnahmten Staatsmänner, Wissenschaftler und Künstler sind Bewohner des persischen Reiches, darunter auch Türken. Sie alle haben ihre Leistungen trotz des Islam vollbracht. Das zweite Mißverständnis besteht darin anzunehmen, daß es immer so bleibt, daß Frankreich besseren Wein produziert als Chile oder die anderen Konkurrenten der Neuen Welt. Tempora mutantur - vinitores et mutantur in illis!
7. Februar 2007
Prinz Turki al-Feisal: Die "jüdische Lobby" ist Grund für die Feindschaft des US-Kongresses gegen Saudi-Arabien
Prinz Turki al-Feisal, der Freund und Unterstützer der Taliban und Osama bin Ladens, wird durch König Fahd Ibn Abd al-Aziz am 31. August 2001, also keine zwei Wochen vor dem 11. September 2001, auf Wunsch der Regierung der USA seines Amtes als Geheimdienstchef Saudi-Arabiens enthoben. Bis dahin ist er zuständig für das "Afghanistan file".
Auf einem Symposium zum Thema The Role of Diplomacy in Political Crises, Die Rolle der Diplomatie in politischen Krisen, bezeichnet er jetzt den US-amerikanischen Kongreß als das Zentrum der Feindschaft gegen Saudi-Arabien: Die Gründe dafür seien vielfältig, der erste davon sei die zionistische Lobby in den Vereinigten Staaten. Sie sei mächtig, sie hätte einen direkten Einfluß auf die von Kongreßmitgliedern getroffenen Entscheidungen. (19)
Es ist wie bei allen fundamentalistischen Muslimen: Schuld haben immer andere, sie sind immer Opfer von einzelnen, von "Lobbies" oder von Verschwörungen, mit Vorliebe solcher der Juden: "Wir fürchten nichts, wir sind nicht verschlossen," behauptet dennoch der Terroristenfreund auf dem Symposium der Saudi Association for Media and Communication, "wir hüllen uns nicht selbst ein." Nun will er Geist und Herzen der Amerikaner auf Regierungsebene gewinnen. Da werden die Petrodollars wieder reichlich und mit orientalischer Großzügigkeit verteilt: Freut euch des Lebens, weil noch das Öllämpchen glüht! Wenn diese Funzel aus ist, dann ist endlich Schluß mit dem muslimischen Terror in der Welt.
Judeoscope.ca zählt einigen davon auf und fragt: Brauchen die Amerikaner die Jüdische Lobby, um Saudi-Arabien zu mißtrauen, wenn die Ölmonarchie doch bekannt ist, folgendes hervorgebracht zu haben: (20)
- 15 der 19 Terroristen des 11. September 2001,
- Osama bin Laden, den Anführer der Organisation, die den tödlichsten Angriff in der amerikanischen Geschichte orchestrierte,
- die haßerfüllte mörderische Ideologie des wahhabitischen Islam, der den Angriff vom 11. September antrieb, und der weltweit verbreitet wurde, einschließlich in Moscheen und islamischen Organisationen der USA,
- finanzielle Unterstützung für sogenannte Glaubenskrieger-Gruppen in aller Welt und besonders im Irak, wo sie die US-Kampagne zur Modernisierung und Demokratisierung unterminieren,
- das frauenfeindlichste Milieu der Welt.
Allen Betroffenen kann man nur gute Nerven wünschen: Haltet durch, Ihr mit den vom saudischen (und iranischen) Geld finanzierten Waffen der muslimischen Terroristen bedrohten Menschen in Israel, Europa und den USA, in Tschetschenien und im Sudan, in Australien und in den Philippinen, kurz: auf allen fünf Kontinenten der Welt. GEZ, der Kommentator des Blogs Politically Incorrect drückt es treffend aus: (21)
Wenn dereinst der letzte Tropfen Öl aus dem Boden gepresst ist, und die Wüste ihnen das Fleisch von den Knochen reibt - dann können sie sicher sein, in einem arabischen Land zu sein - oder im Iran, wäre zu ergänzen; aber dort zehrt man dann noch eine Weile vom angereicherten Uran, bis auch das gegessen ist.
13. April 2007
Die USA sind enttäuscht
Es ist immer wieder verblüffend, wie die Haltung des saudischen Königshauses durch die westlichen Staaten, die USA und die EU, Israel gegenüber ohne die Berücksichtigung des Wahhabismus, des fundamentalistischsten aller fundamentalistischen Richtungen des Islam eingeschätzt wird. Jedenfalls geht aus dem Bericht von Helen Cooper und Jim Rutenberg, in der NYTimes, nichts anderes hervor. Die USA hoffen nach Gesprächen mit Prinz Bandar bin Sultan, dem langjährigen Botschafter Saudi-Arabiens in Washington, daß die Saudis den US-Plan zu Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern positiv aufnehmen und ihn unterstützen. König Abdullah aber macht einen Strich durch die Rechnung der USA, und er setzt noch eins drauf, in dem er die Invasion im Irak als "illegale fremde Besatzung" bezeichnet. Das trifft die USA unvorbereitet, was schon verwundert; denn bereits das Revirement bei den Botschaftern ist ein direkter Ausruck der Hostilität des saudischen Königs gegen die USA und ihren angeblichen Freund, den Prinzen Bandar. König Abdullah "sündigt" nicht durch américanophilie, schreibt Georges Malbrunot treffend. (6)
Was schon für die politischen Manöver des Prinzen Bandar gilt, mit der Konstellation König Abdullah - Botschafter Adel Bin Ahmed al-Jubeir gilt es erst recht: sie alle spielen das Spiel für ihre Nationalmannschaft Saudi-Arabien. Das bedeutet, daß keine politische Entscheidung die mittel- und langfristigen Interessen des Wahhabismus und seiner Weltherrschaftspläne unberücksichtigt läßt. Die Juden und Israel haben darin aus religiös-machtpolitischen Gründen keinen Platz. Der Wahhabismus ist die rigideste Verkörperung des Islam, dem dienen alle Mitglieder des saudischen Königshauses und seiner Regierung, jeder auf seine Weise. Unbeschadet davon gibt es innerhalb des Königshauses die Konkurrenz der al-Sudairi Seven mit ihren Halbbrüdern, wobei die ersteren ihre Machtstellung mit und die anderen ohne die Unterstützung der USA sichern wollen. Darauf setzen die Franzosen mit ihrer Politik.
Selbst in dem erstklassigen Buch von John Loftus und Mark Aarons, The Secret War against the Jews, wird auf die religiöse Grundlage der saudischen Politik kaum Bezug genommen bzw. wenn, so wird die Religiosität eher als politischer Zweck gesehen, ähnlich wie in den Religionskriegen Europas. Dennoch schreiben die Autoren einmal (!): Ibn Sauds Einstellung den Juden gegenüber war extrem, selbst gemessen an arabischen Maßstäben. Sie waren "gemäß Seinem Heiligen Buch eine von Gott verfluchte Rasse, die zur endgültigen Vernichtung und ewigen Verdammnis bestimmt war." (22)
Das meint nicht nur König Ibn Saud (pbuh) so, sondern das ist die Ansicht aller Wahhabiten. Hinzu kommt jetzt, daß sich König Abdullah zugunsten seines Sohnes des Einflusses der Al-Sudairi Seven entledigt. Eine Schwächung der Position der USA geht damit einher. Frankreich, Großbritannien und die EU sind bereits dabei, die Lücke angemessen auszufüllen. Die Briten werden sich der Schadenfreude nicht enthalten können, sind sie doch zwischen den Weltkriegen durch kluge Schachzüge ihres Landsmannes Jack Philby zugunsten der USA von Platz 1 in Saudi-Arabien verdrängt worden und haben sich damit arrangieren müssen. (23)
2. Mai 2007
Quellen
(1) Jacques Chirac ist nicht Ségolène Royal oder: Wohin würde der Iran diese Bombe schicken? 2. Februar 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-02-02_22-41-42.html
(2) Des milliards de commission pèsent sur les relations entre Londres et Riyad. G.M., Le Figaro, 6 février 2007, page 2
Al Yamamah. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Al_Yamamah
(3) CAESAR : l´artillerie du XXIè siècle. Artillerie. Dossier d´Information. GIAT Industries
http://www.nexter-group.fr/presse/dossier/Artillerie_030406. pdf
Renault Trucks. Renault Ventes Directes Export
http://www.renault-trucks.com/vde/html/Pages/vde_galerie_fr. html
(4) Frankreich und Saudi-Arabien. Wirtschaftliche Beziehungen. France diplomatie. Ministère des affaires étrangères
http://www.diplomatie.gouv.fr/de/landerinformationen_1/saudi -arabien_32/frankreich-und-saudi-arabien_1026/wirtschaftlich e-beziehungen_1685.html
(5) Visite de M. Philippe Douste-Blazy en Arabie Saoudite et en Egypte (6 janvier 2007). France diplomatie. Ministère des affaires étrangères
http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/pays-zones-geo_833/arabie-s aoudite_438/france-arabie-saoudite_1018/visites_8326/visite- m.-douste-blazy-arabie-saoudite-egypte-06.01.07_44716.html
(6) À 82 ans, le roi d´Arabie renforce son pouvoir. Par Georges Malbrunot. Le Figaro, 6 février 2007, page 2
http://www.lefigaro.fr/international/20070206.FIG000000132__ ans_le_roi_d_arabie_renforce_son_pouvoir.html
(7) Die Quelle des Terrorismus liegt in Saudi-Arabien, vom 13. Oktober 2001 - ergänzt am 3. August 2005
http://www.eussner.net/artikel_2004-06-24_20-42-32.html
(8) The New York Times Bestseller. Sleeping With The Devil: How Washington Sold Our Soul for Saudi Crude. By Robert Baer, p. 136
http://www.amazon.com/Sleeping-Devil-Washington-Saudi-Crude/ dp/1400052688/sr=8-1/qid=1170789242/ref=sr_1_1/103-3692730-6 839062?ie=UTF8&s=books
(9) FXConverter
http://www.oanda.com/convert/classic
(10) Saudi-Arabien, die "palästinensische Sache" und die Arab Bank. 9. November 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-11-09_21-16-10.html
Prince Turki Al-Faisal Affirms Kingdom´s constructive role in defending Palestinian Cause. Saudi Press Agency, Friday, November 5, 2004 (Der Artikel ist inzwischen vom Netz)
http://www.spa.gov.sa/English/index.php
(11) The House of Saud. Frontline, August 1, 2005
http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/saud/tree/
(12) Prince Turki, former head of Saudi intelligence, becomes Saudi ambassador to US. By Larry Chin. Online Journal, July 23, 2005
http://onlinejournal.org/Special_Reports/072305Chin/072305ch in.html
(13) Prince Bandar´s Ambitions: Turki-Bandar Feud Over US Politics Cause of Resignation. The Washington Notes, by Steven Clemons, December 13, 2006
http://www.thewashingtonnote.com/archives/001825.php
(14) ALJUBEIR GREETS THE KING, PRIOR TO DEPARTURE TO ASSUME OFFICE IN WASHINGTON AS SAUDI AMBASSADOR-DESIGNATE TO THE U.S.A. Saudi Presse Agency (SPA), February 6, 2007
http://www.spa.gov.sa/English/details.php?id=423535
(15) Georges Malbrunot. Le Figaro, 15 juillet 2006
http://medias.lefigaro.fr/photos/20060715.FIG000000380_13094 _3.jpg
(16) Christian Chesnot, Georges Malbrunot und die abenteuerlichen Unternehmungen des Didier Julia. 25./28. Dezember 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-12-25_01-36-49.html
(17) Ageing Saudi leadership keeps succession question alive. By Ali Khalil, Libanon Wire, August 1, 2005
http://www.lebanonwire.com/0805/05080137AFP.asp
(18) Les Saoudiens inquiets mais désunis face à l´Iran. Par G. M. (Georges Malbrunot), Le Figaro, 6 février, page 2
(19) Congress Center of Anti-Saudi Hostility, Says Turki. By Raid Qusti, Arab News, April 11, 2007
http://www.arabnews.com/?page=1§ion=0&article=94855&d=11 &m=4&y=2007
(20) Former Saudi Ambassador to US faults Jews for hostility towards Saudi regime. Judeoscope.ca, April 10,2007
http://www.judeoscope.ca/breve.php3?id_breve=3461
(21) Woran man merkt, in einem arabischen Land zu sein. Jens und Stefan, Politically Incorrect, 11. April 2007
http://www.politicallyincorrect.de/2007/04/in_einem_satirisc hen_gedicht_d.html
(22) John Loftus and Mark Aarons. The Secret War Against the Jews. How Western Espionage Betrayed the Jewish People. New York 1994/2000, Chapter 3. The Pirates at Wall Street, page 68
http://www.amazon.de/Secret-War-Against-Jews-Espionage/dp/03 12156480/ref=sr_1_1/303-0437626-1570627?ie=UTF8&s=books-intl -de&qid=1176643400&sr=1-1
(23) A Saudi Prince Tied to Bush Is Sounding Off-Key. By Helen Cooper and Jim Rutenberg. The New York Times, April 29, 2007
http://www.nytimes.com/2007/04/29/washington/29saudi.html?_r =1&oref=slogin
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