Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Die Pilgerfahrt der evangelischen Bischöfe zum aufgebrachten Volk der Juden. Mit Update, vom 12. April 2007

Eben will ich den Dell abschalten und ein Gläschen trinken, da kommt die letzte Ladung Nachrichten von Honestly Concerned ins Haus, am 10. April 2007. Zum Auftakt des Tages, um 48 Minuten nach Mitternacht, erfahren die Leser von Ulrich Sahm, dem Nahost-Korrespondenten von n-tv.de, CNN.de, der Hannoverschen Allgemeinen und anderen Zeitungen sowie der Nachrichtenagenturen KNA und APA, über eine Pilgerfahrt mit schwerem Gepäck merkwürdiger Leute ins Heilige Land. (1)

Deutsche evangelische Bischöfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) reisen vom 10. bis 15. April unter der Leitung des Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber zu religiösen und politischen Gesprächen nach Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete. Dort wollen sie mit hochrangigen Vertretern des Staates Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde und mit Repräsentanten jüdischer und christlicher Glaubensgemeinschaften zusammentreffen. Besuche bei evangelischen Einrichtungen im Heiligen Land sind ebenfalls vorgesehen. (2)

Ulrich Sahm zitiert in seinem Kommentar den auf die Reise einstimmenden Artikel eines Anonymus auf der offiziellen Seite der EKD: Keiner kann die Hände in Unschuld waschen. Leicht modifiziert findet man den Kommentar auf n-tv.de. (3)

Ich lese mitten in der finsteren Nacht den Artikel, und zum Glück drucke ich ihn aus; denn heute ist er nicht mehr zu finden; die Leser werden auf die Startseite der EKD umgeleitet. Die Kirche (ist) beim TÜV auf der Werft. Bei Muslimen würde man das Taqiyya nennen. Die Kirchenführer verschleiern ihre wahre Meinung; denn keiner von ihnen kann sich herausreden. Gegen den seit dem 4. April auf der Site stehenden Artikel und seine offen geschichtsfälschenden antisemitischen Aussagen wird reichlich protestiert. (4)

Nachdem gerade die antisemitischen und anti-israelischen Aussprüche der 27 deutschen katholischen Bischöfe verklungen sind, Nachwirkungen liest man noch heute auf der Aktualitätenseite (!) von Google.de, setzen nun also die Protestanten mit ihrem antijüdischen und anti-israelischen Pamphlet nach. Man meint, sie wollten den Katholiken den Rang ablaufen. Krank in Ihrem Haß auf die Juden, reden sie die Position des Pilatus herunter, sein "Job (war) kein Zuckerschlecken" und denunzieren wie zu mittelalterlichen und zu Martin Luthers Zeiten das jüdische "aufgebrachte Volk" als Christusmörder: Pilatus hat sich dem Urteil des aufgewiegelten Volkes gebeugt und, so erzählt Matthäus, sich danach die Hände gewaschen und gesagt: "Ich bin unschuldig an seinem Blut."

Was wollen sie an Rachels Grab, es schänden durch Ihre Anwesenheit? Nicht nur das wollen sie, sondern sie wollen dort am Kontrollpunkt, am Checkpoint Kirjat Rahel, aufmerksam machen darauf, daß die Palästinenser ihn täglich passieren müssen, wenn sie nach Jerusalem wollen. Unerwähnt bleibt, dass jüdische Israelis wegen der Gefahr, im palästinensischen Gebiet ermordet zu werden, diesen Checkpoint in die andere Richtung gar nicht passieren dürfen, kommentiert Ulrich Sahm. Diese einseitige Stellungnahme für die Palästinenser beweist, daß der Artikel über die "in Unschuld gewaschenen Hände" kein Ausrutscher ist, sondern die Mehrheitsmeinung des protestantischen Klerus wiedergibt. (5)

In der Schule lernt man zu meiner Zeit, ich weiß allerdings nicht, wie es jetzt im Zeichen Pisas ist, über die römische Geschichte und das Imperium Romanum, daß Judäa eine römische Provinz ist, die Hauptstadt ist Hierosolyma oder Jerusalem. Der "Job" des Pontius Pilatus ist Praefectus oder, gemäß den Annalen des Tacitus, Procurator Judaeae, Statthalter, nicht nur Jerusalems, wie die EKD schreibt, sondern er herrscht in Vertretung des Kaisers Tiberius (14 - 37 d.Z.) über die römische Provinz. Sein Amtssitz ist das am Mittelmeer gelegene Caesarea Maritima, das heutige Kesarya, in Israel. Pontius Pilatus ist kein einfacher Soldat und Legionär, sondern ein nobler Ritter; er stammt aus einer bekannten römischen Familie. Einzelheiten kann man bei den jüdischen Geschichtsschreibern Flavius Josephus und Philo von Alexandrien nachlesen. (6)

Pontius Pilatus ist ein anti-jüdisch eingestellter grausamer Herrscher, der die Juden bedroht, sie niederzumetzeln: Über die Person des Pontius Pilatus sind wir vor allem durch Flavius Josephus und Philo von Alexandrien unterrichtet. Letzterer bezeichnet Pilatus als einen von Natur aus unbeugsamen, eigenwilligen und unnachgiebigen Menschen und wirft ihm Bestechlichkeit, Gewalttätigkeit, Räubereien, Misshandlungen, Beleidigungen, fortgesetzte Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren sowie unaufhörliche und unerträgliche Grausamkeit vor. Auch wenn dieses Urteil überzeichnet sein mag, so bleibt doch der Eindruck von einem unberechenbaren, grausamen Menschen bestehen, schreibt Jörg Sieger. (7)

Hieraus erhält man eine Vorstellung, welchen Einfluß bei diesem Statthalter ein aufgebrachtes Volk der Juden haben kann: gar keinen, jedenfalls keinen, den der Statthalter nicht haben will. Die Geschichtsschreiber berichten nichts Besonderes über die Hinrichtung Jesu. Vieles, wenn nicht alles, was der Autor der EKD über Pontius Pilatus, über Jesus, die Juden, die Kreuzigung als Tatsachen vorstellt, ist lange nach dem Tode Jesu entstandene Legende. Die vier Evangelien stammen aus den Jahren 70 bis 100 d.Z. Keiner der Evangelisten ist Zeitgenosse Jesu. Es ist nicht einmal belegt, ob überhaupt Juden für die Kreuzigung Jesu eintreten.

Besuch bei den Christusmördern und den unterdrückten Palästinensern

Pilatus war ein Soldat, ein Legionär, ein Offizier, der mit den Besatzungstruppen ins Land gekommen ist. Der Kaiser im unendlich fernen Rom hatte ihn zum Statthalter eingesetzt. Statthalter gab es in vielen von den Römern besetzten Gebieten ...

Für einen derartigen Unsinn hätte ich in der Schule als Zensur eine Fünf bezogen. Aber der Autor des Artikels muß zur angemessenen Reisevorbereitung der Bischöfe die Reizworte "Besatzungstruppen" und "besetzte Gebiete" einführen; dazu bedient er sich der Geschichtsfälschung: die armen Palästinenser, sie sind seit mehr als 2000 Jahren der Besatzung unterworfen. Wer sind die Besatzer heute? Die christusmordenden Juden!

Die Erwähnung des Namens Pontius Pilatus im Glaubensbekenntnis: "Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben" bedeute noch gar nichts, mit Schuldsprüchen sollte es sich niemand zu einfach machen: Aber signalisiert die Erwähnung auch eine Verantwortung des Statthalters von Jerusalem? Aber nein! Die Verantwortung liegt bei den Juden, bei diesem aufgebrachten Volk.

Pontius Pilatus ist nicht der grausame Herrscher, sondern er ist Opfer der Juden, er ist der Palästinenser vor der Zeit: Pilatus hatte wohl geahnt, in welches Schlamassel er so wenige Stunden vor dem Passahfest gerät. Der arme Römer wußte sich nicht zu helfen - so hat er die Meute entfesselt. Die "Meute", das sind die Juden. Er gerät in ein Schlamassel. Dieses Wort ist jiddisch und stammt aus der Zeit des Mittelalters.

schlimásl, schlemásl ist entweder eine Verbindung des deutschen schlimm mit dem hebräischen masal, Glück, oder es ist abgeleitet aus dem hebräischen schelomasal, "was nicht Glück ist": "Nur schlimasl glauben an masl." Volksweisheit. Diese und andere Weisheiten und Anekdoten zu dem urjüdischen Wort liest man bei dem Juden Leo Rosten. Der Goj William Norman Ewer (1885-1976) meint und Leo Rosten (1908-1997) antwortet: (8)

How odd Not odd
of God of God.
to choose Goyim
the Jews annoy him.

Das kann man auch von den reisenden Gájeß der EKD sagen. Auf einer bescheiden "Jesus" genannten Web Site, Jesus von A-Z, der Stiftung Christliche Medien, darf man einen Blick auf Teile des Reiseprogramms tun. Eine wehende Israelflagge begleitet den Text:

In Israel:

  • Gespräche mit religiösen und politischen Vertretern
  • Besuche bei evangelischen Einrichtungen
  • Treffen mit der Knesset-Präsidentin und amtierenden Staatspräsidentin Dalia Itzik
  • Treffen mit Vertretern des israelischen Außenministeriums
  • Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem
  • Klagemauer in Jerusalem

In den palästinensischen Autonomiegebieten:

  • Begegnungen mit hochrangigen Repräsentanten der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah
  • Geburtskirche in Bethlehem
  • Besuch einer christlichen Schule in Beit Jala
  • Besuch des Begegnungszentrums "Abrahams Herberge"

Auf dem Reiseprogramm des Rates der EKD stehen außerdem mehrere ökumenische und interreligiöse Treffen sowie christlich-jüdische Begegnungen. Gespräche sind unter anderem geplant mit dem Oberrabbiner Jona Metzger, mit Vertretern der katholischen und orthodoxen sowie der anglikanischen und lutherischen Kirche. (9)

Der Kommentator Hans-Dieter Matthies meint am 31. März zum Reiseprogramm:

Na, liebe evangelische Glaubensbrüder, dann gebt nur Acht, daß Ihr wegen "unbedachter Äußerungen" nicht auch als "Antisemiten" heimkehrt, so, wie kürzlich Eure "katholischen Glaubensbrüder im Herrn".

"Man" wird sicherlich jeden Schritt, jede verbale Äußerung von Euch mit suchendem Blick und Hör-Rohr verfolgen und beobachten.

Eine schöne Reise wünsche ich - aber eine entspannte Reise wird´s wohl sicher nicht. Schade !

Hans-Dieter, Sie besorgter Kirchenfreund! Die Bischöfe kommen nicht als "Antisemiten" wieder, sondern sie fahren als Antisemiten hin. Wie anders versteht man sonst, daß der Artikel mit den durchaus nicht unbedachten, sondern gezielten Worten über Judas, die Juden und über das "aufgebrachte Volk", über die "Meute", vom 4. bis 10. April auf der EKD-Startseite zu lesen ist? "Man" (Hans-Dieter, der Mossad?) braucht nicht jeden Schritt zu beobachten, ein Hörrohr ist ebenfalls nicht nötig; denn diese Christen schreien ihre Judenfeindschaft geradezu heraus. Die israelische Regierung und die Israelis werden sich nicht taub stellen. Wie Sie je annehmen können, die Bischöfe hätten ohne ihre katholischen Vorreiter eine entspannte Reise machen können, ist mir unerfindlich.

Der Kommentator Michael Dirks antwortet am 6. April 2007:

Eine Bemerkung zu Hans- Dieter, meinem Vor-schreiber: für Deutsche, und dann noch aus Lutherischer Kirchenleitung, kann diese offizielle Reise keine entspannte Reise sein. Da hängt immer unsere Geschichte dran, und die war lange eher judenfeindlich, heute oft israelfeindlich. Ich verstehe nicht Ihren süffisanten Unterton!

Ich hoffe und bete, dass meine Kirche tröstend Gottes auserwähltem Volk in dieser schweren Stunde begegnet. Denn es gab in unserer jüngeren Geschichte nun mal ein großes Versagen, als Deutsche wie als Luther. Kirche, und Israel braucht heute besonders verlässliche Freunde an seiner Seite, wo der Regierungschef des Irans mit atomarer Vernichtung droht (Israel sei ein-Bomben-Land) und dabei ist, Hisbollah-Milizen umfassend im Norden (Libanon) u n t e r der Aufsicht von UNO- Soldaten aufzurüsten.

Das die kath. Bischöfe mit nicht nachvollziehbaren Vergleichen Israel verunglimpften, macht deutlich, dass der anti-semitische (-zionistische) Geist sich noch als mächtig wirkkräftig erweist, und Früchte von Buße in unserem Land bislang noch auf sich warten lassen. Das Geschehen vom Karfreitag ruft zum Gebet, auch für unsere Kirchen und deren Leitungen.

Wie man sieht, gibt es unter den lutherischen Christen auch andere Stimmen. Die haben Raum im Kommentarbereich von Jesus.de. Leider ist zu befürchten, daß die lutherische Kirchenleitung jetzt wieder versagt. Freunde schreiben keine Artikel wie den vom 4. April 2007 und lassen ihn eine Woche auf der Startseite. Auch die Passage am Checkpoint Kirjat Rahel ist keine Geste der Freundschaft, sondern vorgesehen zur Demonstration gegen Israel, für die Palästinenser. Dalia Itzik und das Außenministerium bekommen die Leviten gelesen über die Mauer, Oberrabiner Jona Metzger wird aufgefordert, die Israelis zur Vernunft zu bringen, in Ramallah sprechen die Bischöfe den hochrangigen Repräsentanten der palästinensischen Autonomiebehörde ihr Mitgefühl aus und versichern, sich nach Rückkehr dafür einzusetzen, daß umgehend die Hilfsgelder in voller Höhe an die Palästinenser gezahlt werden, und dann geht´s auf, zum großen kirchlichen Friedensprojekt im Nahen Osten, mit sprichwörtlicher arabischer Gastlichkeit und Freundlichkeit der Menschen. Herzlich willkommen! Da können sie endlich mit unserem Nationaldichter Johann Wolfgang von Goethe ausrufen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein! (10)

Jedenfalls, wenn nicht gerade eine palästinensiche Terrorgruppe das anders sieht.

10. April 2007

Update

Für die EKD existiert Israel nicht
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 12. April 2007

Auf einer Nahost-Landkarte, von EKD-Bischof Wolfgang Huber bei einer Pressekonferenz in Jerusalem an Journalisten ausgeteilt, sind Libanon, Syrien, Jordanien und ein Staat namens "Sinai" eingetragen. Ebenso gibt es da einen Gazastreifen, eine Westbank und "von Israel besetzte" Golanhöhen. Nur ein Staat mit Städten wie Tel Aviv, Rischon Lezion und Haifa, hat keinen eigenen Namen! Das entspricht offiziellen palästinensischen oder arabischen Landkarten, auf denen auch nur die Umrisse eines namenlosen Staates erkennbar sind. Erstaunlicherweise bereisen die deutschen evangelischen Bischöfe zur Zeit einen Staat, der nicht einmal auf der von ihnen selber verteilten Landkarte existiert: Israel.

Auf Anfrage sagte der überraschte Pressesprecher der EKD, Christof Vetter, "dass doch die Grenzen Israels in der Landkarte eingezeichnet" seien. Jedoch erneut danach befragt, wieso denn der Name des Staates Israel fehle, während die Namen der Nachbarländer mit fetten Buchstaben abgebildet seien, erklärte Vetter: "Möglicherweise ist der Name Israels beim Fotokopieren der Karte herausgefallen." In jedem Fall so der Sprecher sei dieser Fehler nicht beabsichtigt gewesen.

Quellen

(1) Ulrich W. Sahm. Nahost-Korrespondent
http://www.usahm.info/Sahminfo/Infosahm.htm

(2) Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland reist ins Heilige Land. epd, EKD,
10. April 2007
http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2007_04_10_israelreise .html

(3) Ulrich Sahm kommentiert. Die EKD und die Juden. n-tv, 10. April 2007
http://www.n-tv.de/788601.html

(4) Keiner kann die Hände in Unschuld waschen. Pilatus überlässt die Entscheidung dem aufgebrachten Volk. Autor: NN, EKD, 4. April 2007
http://www.ekd.de/aktuell/53344.html

Aktuell. Kirche beim TÜV auf der Werft. EKD, 10. April 2007
http://www.ekd.de/aktuell_presse/213.html

(5) Redet Wahrheit. Rechtzeitig vor der »Woche der Brüderlichkeit« taten sich deutsche Bischöfe auf einer Nahost-Reise mit zweifelhaften NS-Vergleichen hervor. von stefan wirner. Jungle World Nr. 11, 14. März 2007
http://www.jungle-world.com/seiten/2007/11/9535.php

(6) Hierosolyma. Vicipaedia
http://la.wikipedia.org/wiki/Hierosolyma

(7) Die römischen Statthalter in Judäa. (2) Die Amtsführung des Pontius Pilatus. Von Dr. Jörg Sieger
http://www.joerg-sieger.de/einleit/nt/01gesch/nt06.htm#o

(8) Leo Rosten. Jiddisch. dtv Band 24327, München 2002, S. 528f.
http://www.dtv.de/dtv.cfm?wohin=dtvnr24327

Der jüdische Kalender 5766, Tewet 1, 5766/ 1. Januar 2006. Hrsg. Henryk M. Broder und Hilde Recher, Ölbaum Verlag, Augsburg 2005
http://www.oelbaum-verlag.de/prg-main.php3

(9) Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland besucht Heiliges Land. Jesus.de, 31. März 2007
http://elf.scm-digital.net/show.sxp/2936_rat_der_evangelisch en_kirche_in_deutschland_besucht_.html

(10) Abrahams Herberge. Zu Gast im Heiligen Land
http://www.abrahams-herberge.com/


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite