
EKD: Blinde und Taube wollen eine Dolmetscherrolle
Bislang habe ich den EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber noch für einen vernünftigen Menschen der EKD-Delegation gehalten: der Vorsitzende kann sich nicht um alles kümmern, ein in der Karwoche von einem Antisemiten geschriebener Artikel mag ihm entgangen sein; da bei den Protestanten der Karfreitag der höchste Feiertag ist, gab es wichtige Vorbereitungen zu treffen. Auch für die Karte, auf der Israel nicht eingezeichnet ist, inzwischen liegt sie für alle lesbar vor, gibt es vielleicht eine entlastende Erklärung. Zugunsten der tourenden Protestanten könnte man annehmen, daß "Israel" im Original auf der linken Seite vermerkt ist, ähnlich wie bei der Karte der University of Texas at Austin, und deshalb tatsächlich beim Kopieren herausgefallen ist, was schon peinlich genug wäre.
Wir haben zu keinem Zeitpunkt der EKD unterstellt, dass sie das Existenzrecht Israels in Frage stelle. Gleichwohl stellt diese Landkarte eine Panne dar, die bei einer bedeutenden deutschen Kirche, noch dazu während eines Besuches in Israel, nicht hätte passieren dürfen." meint Ulrich Sahm dazu. So ist es; denn die Reise der Protestanten ist überschattet von derjenigen der 27 katholischen Bischöfe, da hätte es einer sehr großen Sorgfalt bedurft, wenigstens das Vermeidbare zu vermeiden. (1)
Jetzt aber setzt Bischof Wolfgang Huber mit einer vollen Breitseite nach, und dem Kommentator Hans-Dieter Matthies von jesus.de sei noch einmal bestätigt: sie fahren als Antisemiten hin, sie werden vor Ort als Antisemiten tätig, und sie kommen als Antisemiten zurück, als Israelkritiker auftretende Feinde der Juden. Kein Wunder, daß sie sich besonders wohlfühlen bei ihren arabischen Glaubensgenossen im palästinensischen Beit Jala und dort den Höhepunkt ihrer Reise sehen. Sie erwähnen ihre Rolle in Palästina während des Zweiten Weltkrieges in einem einzigen Satz: Nicht zuletzt wegen des Nazi-Engagements führender Protestanten im Heiligen Land ist nach 1945 eine direkte Wiederaufnahme der Arbeit unmöglich. (2)
Auf die in Vorbereitung befindliche Veröffentlichung der Universität Marburg Protestanten in Palästina. Religionspolitik, Diasporamentalität und Missionsverständnis in den deutschen evangelischen und den anglikanischen Gemeinden des Heiligen Landes 1917-1939 darf man gespannt sein. (3)
Das protestantische Christentum trägt nicht weit, sondern es wandelt in den Fußtapfen des Gründers und bekannten Antisemiten Martin Luther. Von den Jüden und ihren Lügen nennt er ein von ihm 1543 verfaßtes Pamphlet. Das Titelblatt einer "Volksausgabe" von L. Parisius kann in der von Dieter Potzel herausgegebenen Zeitschrift Der Theologe bewundert werden; und dort liest man: (4)
In den Jahren 1933-1945 gibt es in der evangelischen Kirche zwei Flügel, die "Deutschen Christen" und die "Bekennende Kirche". In beiden Gruppen wurde der Treue- und Gehorsams-Eid gegenüber Adolf Hitler geschworen. Und Verantwortliche und Anhänger beider Flügel fordern oder befürworten auch die Judendiskriminierung und -verfolgung, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
17 Zeilen ist den Vertretern der EKD das Treffen mit Israels ashkenasischem Oberrabiner Jona Metzger wert, der trotz der Geschichte der protestantischen Kirche in Deutschland und in Palästina auf deren Vertreter zugeht und für dauerhafte Beziehungen eintritt. Der Empfang durch Oberrabiner Jona Metzger ist der erste offizielle Empfang durch einen der beiden höchsten Vertreter des Judentums im Staate Israel für einen EKD-Repräsentanten: (5)
Metzger bat die evangelische Kirche, bei arabischen Gesprächspartnern um Verständnis für die Interessen Israels zu werben. Eines seiner Anliegen sei die Freilassung der von Palästinensern gefangen gehaltenen israelischen Soldaten.
Huber erklärte, die EKD trete seit 60 Jahren für das Existenzrecht des Staates Israels ein und mache dies auch gegenüber allen Gesprächspartnern deutlich. Er wies aber gleichzeitig auf die Verschärfung der Lage der Palästinenser insbesondere seit dem Bau des Sicherheitszaunes zu den Autonomiegebieten hin. Huber bat den Oberrabbiner, sich in dieser humanitären Angelegenheit bei den Autoritäten des Staates Israel zu verwenden.
So kann man es vorab wissen, so war es vorauszusehen, der Oberrabiner wird aufgefordert, sich für die Palästinenser einzusetzen. (6)
Keine Bekräftigung des Existenzrechts des Staates Israel ohne Hinweis auf die Verschärfung der Lage der Palästinenser. Die kommt insbesondere durch den Bau des Sicherheitszaunes, immerhin heißt er nicht Mauer, aber woher sie sonst kommt, das wird verschwiegen. Schuld hat einmal mehr Israel, die Palästinenser sind wie immer Opfer. Auch die Delegation der Protestanten schließt sich der weltweiten Meinung über die Unmündigkeit der palästinensischen Araber an, spricht ihnen Verantwortung für ihre eigene Lage ab, erwähnt die Verbrechen der palästinensischen Terrorgruppen seit der Gründung der Fatah des Yassir Arafat nicht, nicht einmal andeutungsweise. Sie existiert, mordet und bombt seit dem 10. Oktober 1959, als es noch keine von Israel besetzte Westbank und Gaza gibt, sondern diese okkupiert werden von Jordanien und Ägypten. Dem Bischof ist es nicht einmal möglich, eine ausgewogene Sprache zu finden, etwa zu reden von Fehlern, die auf beiden Seiten gemacht wurden, von Verbrechen, die sowohl die Araber als auch die Israelis zu verantworten haben, nein, die Fehler und Verbrechen gehen allein zu Lasten Israels.
Nun erklärt sich Bischof Wolfgang Huber besorgt, ja er klagt über begrenzte Bewegungsfreiheit für Palästinenser. Die Arbeit der kirchlichen Einrichtungen werde dadurch ebenfalls behindert.
Die Lage der Palästinenser ist für ihn die Folge der israelischen Sicherheitspolitik. Welches die Gründe für diese Sicherheitspolitik sind, das erfahren die Leser der EKD-Site nicht ansatzweise. Das verschweigt der Bischof. Er verschweigt, warum es keine wechselseitige Anerkennung zweier Staaten gibt, Israel und Palästina, er tut so, als habe er noch nie etwas gehört und gelesen vom Hamas Covenant, vom Phased Plan, von aus dem Koran hergeleiteten Ansprüchen auf einmal und für immer islamisches Land. Er kennt angeblich nicht die Gründe, warum die Hamas Israel vernichten will, nicht die am 30. März 2007 erfolgten Äußerungen derer Vertreter: Israel wird nicht anerkannt, sondern es soll vernichtet, und die Juden sollen ermordet werden. Itamar Marcus und Barbara Crook dokumentieren, am 12. April 2007, eine entsprechende Predigt: (7)
Während die Hamas internationale Anerkennung sucht, indem sie ihren Tonus in Englisch weicher gestaltet, fährt sie auf Arabisch mit der Forderung nach dem Völkermord an den Juden fort. In einer jüngst auf PA-TV ausgestrahlten Predigt machte Hamas-Sprecher Dr. Ismail Radwan klar, dass die klassische Hamas-Ideologie sich nicht verändert hat, einschließlich des fortgesetzten Einschlusses extremistischer islamischer Glaubenslehren in die Hamas-Ideologie und –Politik.
Am selben Tag ist der Bischof bedrückt durch den politischen Konflikt zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde.
Dann geht der Bericht direkt über zu der Erschwernis der politischen und sozialen Situation der Christen im Westjordanland, ihre Entfaltungsmöglichkeiten seien beschränkt. So wie es dort steht, hat Israel daran die Schuld, Israel gegen die muslimischen und christlichen Araber: In den Autonomiegebieten lebten sie in einer überwiegend muslimischen Bevölkerung.
Bei solchen Ansichten der EKD sieht Bischof Wolfgang Huber deren Rolle darin, als Dolmetscher zwischen Israel und den Palästinensern zu wirken. Blinde und Taube wollen im Heiligen Land zwischen Israel und den Palästinensern vermitteln. Sie interpretieren nicht jeweils auch für die andere Seite, sondern sie blenden die Tatsachen aus, die zu der jetzigen Lage geführt haben. Sie sind dem Bischof einen Satz wert: Zugleich müsse den Palästinensern "ganz unzweideutig klar gemacht werden, dass das Ja zum Existenzrecht Israels eine Bedingung ist, ohne die es einen Fortschritt nicht geben kann." (8)
Es ist keine Haarspalterei zu erwähnen, daß nicht nur angesagt ist, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, sondern die Tatsache der Existenz dieses durch die UN-Resolution Nr. 181, vom 29. November 1947 gegründeten Staates; denn Recht hat, wer Recht behält, weiß jeder, der sein vermeintlich unumstößliches Recht bei Gericht dahinschwinden sieht. Nicht die Anerkennung des Rechts, sondern die Tatsache der Existenz Israels ist anzuerkennen. Dem Staat ist seitens der Araber mit Frieden zu begegnen. Die Antwort der Delegation der arabischen Staaten auf die Resolution habe ich dokumentiert. Die Eliteuniversität Princeton hat es für angebracht gehalten, den Text von ihrer Site zu nehmen; dort habe ich ihn vor einigen Jahren gefunden und zum Glück ausgedruckt. (9)
Nach alldem kann man nur wünschen, ein Wunder möge die Blinden und Tauben sehend und hörend machen: (10)
In früheren Jahrhunderten wurden die biblischen Wunder als historisches Faktum betrachtet, erst die historisch-kritische Methode interpretiert Wunder auch im übertragenen Sinne (z.B. jemandem die Augen und Ohren öffnen, weil er blind und taub war gegenüber der Rede Jesu vom Reich Gottes).
Es würde zunächst das Wunder reichen, den Protestanten der EKD die Augen und Ohren für die Geschichte des Nahen Ostens zu öffnen, das mit dem Reich Gottes kann dann gern nachfolgen.
14. April 2007
Update zur Landkarte ohne Israel
Es kommt dazu, dass jetzt Einzelheiten zum Erstehen der Karte rauskommen, und dadurch wird es für die fromme Mannschaft nochmal oberpeinlich.
"Gegenüber Israelnetz fügte der n-tv-Korrespondent hinzu: "Wie aus Kirchenkreisen in Jerusalem bekannt wurde, die unter keinen Umständen beim Namen genannt werden wollten, stellt sich heraus, dass die Mappe mit der Landkarte nach langen Beratungen in Jerusalem zusammengestellt worden war. Dabei bestanden die palästinensischen Repräsentanten, darunter Bischof Mounib Jounan, darauf, eine Landkarte ohne die Erwähnung ´Israel´ zu verwenden. Die deutschen Partner, darunter Propst Gräbe, stimmten dem zu. So erweist sich, dass die EKD durchaus bewusst und auf Druck der palästinensischen Partner bereit war, ´Israel von der Landkarte zu löschen´. Das erklärt jetzt auch, wieso für diese deutschsprachige Broschüre keine deutschsprachige Landkarte als Vorlage benutzt wurde, sondern eine englischsprachige. Dieses beweist auch, dass die Broschüre nur in Jerusalem und nicht etwa im Hauptsitz der EKD in Hannover entstanden ist.´" (11)
Update, 17. April 2007
Kartenvergleich: Die Karte links gibt der Pressesprecher der EKD als Quelle für die rechts stehende, bei der in der Pressekonferenz im Rahmen der Nahostreise des EKD-Rates verteilten Karte an. Wo sind die Unterschiede? (12)
Die von der EKD präsentierte Karte kann keine Karte aus einer "israelischen Internetseite" sein, wie der Pressesprecher der EKD behauptet. Man hätte das sofort sehen können; denn Israel würde niemals bei den Golan Höhen anbringen "(occup. by Israel)". Ich habe deshalb auf eine Karte der unkritisch auf Seiten der Araber stehenden Vereinten Nationen getippt. Nun stellt es sich heraus, daß die Karte direkt von den Palästinensern stammt, die Teile ihrer Politik in die israelische Karte hineinkopiert haben. Damit das nicht auffällt, haben sie die Ortsbezeichnungen nicht wie sonst in arabische umgewandelt, so daß dem flüchtigen Betrachter die Infamie nicht auffällt. Bei "(occup. by Israel)" hört die Taqiyya allerdings auf. (13)
Update, 19. April 2007
Rechtzeitig, wenige Stunden vor Beginn der offiziellen staatlichen Zeremonie in Yad Vaschem zum Gedenken an die sechs Millionen Opfer der Schoah am Sonntag Abend, verließen die deutschen Bischöfe Israel in Richtung Deutschland. Ein deutscher Bundeskanzler wäre wohl nicht abgeflogen, während Israel schon halbmast flaggt. Eine Abreise knapp vier Stunden vor Beginn des Staatsakts zum Gedenken an die Vergangenheit wäre von Überlebenden des Holocaust als diplomatischer Affront aufgefasst worden, schreibt Ulrich Sahm aus Jerusalem. (14)
Die offizielle Delegation der EKD hat sich rasch und rechtzeitig aus Israel entfernt und damit den palästinensischen Arabern gezeigt, daß sie sich mit den Holocaust-Gedenkveranstaltungen nicht gemein macht. Vielleicht zweifelt ja auch der eine oder andere Bischof, daß der Holocaust, wie behauptet, stattgefunden hat. Ob die Opferzahl wirklich so hoch ist, wie angegeben?
Sie teilen vor ihrer Reise mit, daß deren Höhepunkt der Besuch in der Schule von Beit Jala und im Begegnungszentrum Abrahams Herberge sei. Ihr Besuch gilt nicht Israel, sondern dem Heiligen Land, das aufgebrachte Volk der Juden und seine religiösen und weltlichen Vertreter werden vorher abgehakt, weil diese im Heiligen Land noch die Macht haben. Ihren jährlichen Riten des Gedenkens muß man sich trotzdem nicht unterwerfen, außerdem reicht einmal Yad Vashem pro Besuch ...
Quellen
(1) Israel aus der Karte gefallen. Die EKD bedauert. n-tv, 13. April 2007
http://www.n-tv.de/790512.html
Evangelische Bischöfe tilgen Israel von der Landkarte. Von Beate Klein, Politically Incorrect, 13. April 2007
http://www.politicallyincorrect.de/2007/04/ekd_tilgt_israel_ aus_der_landk_1.html#more
Israel. The University of Texas at Austin
http://www.lib.utexas.edu/maps/middle_east_and_asia/israel_p ol88.jpg
(2) Traditionsreiche Arbeit im Heiligen Land. epd, EKD, 13. April 2007
http://www.ekd.de/aktuell/53466.html
Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland besucht Heiliges Land. Jesus.de,
31. März 2007
http://elf.scm-digital.net/show.sxp/2936_rat_der_evangelisch en_kirche_in_deutschland_besucht_.html
(3) Protestanten in Palästina. Religionspolitik, Diasporamentalität und Missionsverständnis in den deutschen evangelischen und den anglikanischen Gemeinden des Heiligen Landes 1917-1939 (in Vorbereitung)
http://www.uni-marburg.de/fb05/fachgebiete/kirchengeschichte /personal/loeffler/publikation
(4) Die evangelische Kirche und der Holocaust. Dokumentation. Theologe Nr. 4, Fassung vom 4. März 2007
http://www.theologe.de/theologe4.htm
(5) Israels Oberrabbiner für dauerhafte Kontakte zur EKD. epd, EKD, 11. April 2007
http://www.ekd.de/aktuell_presse/53456.html
(6) Die Pilgerfahrt der evangelischen Bischöfe zum aufgebrachten Volk der Juden. 10./12. April 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-04-10_19-33-09.html
(7) Die Sicht von Hamas. Von Itamar Marcus und Barbara Crook. Palestinian Media Watch Bulletin – 12. April 2007
http://homepages.compuserve.de/HeppyE/texte/4hamas.html
Hamas Spokesman: Genocide of Jews remains Hamas goal. By Itamar Marcus und Barbara Crook, Palestinian Media Watch, April 12, 2007
http://pmw.org.il/bulletins_apr2007.htm#b120407
(8) EKD-Ratsvorsitzender Huber klagt über begrenzte Bewegungsfreiheit für Palästinenser. epd, 12. April 2007
http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2007_04_12_huber_palae stinenser.html
(9) Die Antwort der Delegation der arabischen Staaten auf die UN-Resolution 181 zur Teilung Restpalästinas, vom 29. November 1947
http://www.eussner.net/artikel_2006-12-02_19-01-46.html
(10) Wunder. Deutsche Zentrale für biologische Information
http://www.biologie.de/biowiki/Wunder
(11) Verwirrung um Landkarte der EKD. Von Israelnetz, 14. April 2007
http://www.israelnetz.de/show.sxp/13358.html?wow=new&sxpiden t=50121-W56459056916592-r-4279163J--B----v--g9442125
(12) Kartenvergleich. neveragain2006, flickr, April 16, 2007
http://flickr.com/photos/neveragain2006/461581348/
(13) Map of Israel and Middle East Neighbors. Israel Science and Technology
Home Page
http://www.science.co.il/Israel-Neighbors-map.asp
(14) Zur Reise der EKD-Bischöfe ins Heilige Land. Von Ulrich Sahm. HaGalil.com, 17. April 2007
http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=744
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