
Sarko am 6. Mai oder: die friedliche Revolution
Nachdem die erste Runde der Präsidentschaftswahlen vorüber ist, kann man sich noch einmal die Informationen des Tobias Schmidt im SpiegelOnline und in der Netzeitung vornehmen und sie mit anderen Informationen vergleichen. Beispielsweise berichtet er über den Anstieg der Einschreibungen im Department Seine-Saint-Denis: 8,5 Prozent. Diese Zahl wird auch vom Figaro genannt. Über die Anzahl der in die Wählerlisten eingeschriebenen wahlberechtigten Bewohner von Clichy-sous-Bois berichtet er: In Clichy schnellte sie von 7000 auf 10.500 in die Höhe. Diese Zahl kann er nicht selbst im Wahlbüro erfragt haben, sondern die hat ihm wahrscheinlich sein Gesprächspartner Samir Mihi gesteckt. Im Figaro vom Tag nach der Wahl findet man einander widersprechende Angaben, die jedoch auf Informationen im Wahlbüro zu unterschiedlichen Zeiten zu beruhen scheinen. 9 533 eingeschriebene nennt Jean Chichizola in seinem Artikel Les jeunes de Clichy-sous-Bois se sont fait entendre dans les urnes, Die Jugendlichen von Clichy-sous-Bois haben sich Gehör verschafft in den Wahlurnen, und 9 367 sind es auf lefigaro.fr. Es sind also Tausend weniger, als von Tobias Schmidt berichtet. (1)
Das ist keine Zahlenfuchserei, sondern an solchen Informationen mißt man die Glaubwürdigkeit anderer, nicht oder nicht so schnell nachprüfbarer Angaben. "Wenn Sarko siegt, gibt es Krieg", sage der 22-jährige arbeitslose Ahmadi, der mit dem Abitur in der Tasche, der mit Freunden vor Aldi in Clichy-sous-Bois die Zeit totschlägt. In Bondy, einer anderen Vorstadt im "9-3", warnt man mit den gleichen Worten, on prévient: "Si c´est Sarko le 6 mai, ce sera la guerre", Wenn es am 6. Mai (in der Stichwahl) Sarko ist, dann wird das der Krieg sein. Das ist am 22. April in der Pleite-Zeitung Libération aus der Feder des 21-jährigen in Bondy geborenen maghreb-stämmigen Hakim Djeroudi zu lesen, der sich auf dem Bondy Blog beschreibt als einer, der leben und Journalist werden will. Einige seiner Artikel, alle erschienen in der Libération, kann man bei wikio.fr finden. (2)
Er ergänzt weitere einschlägige Meldungen, wie sie schon bei Tobias Schmidt zu lesen sind, diesmal sind sie also aus Bondy, einer Vorstadt, die mit 54 700 Einwohnern knapp doppelt so groß ist wie Clichy-sous-Bois. Dort verfolgen in der dritten Etage des Rathauses etwa zehn Jugendliche die Auszählung der Stimmen und kommentieren das Wahlergebnis: "Ich finde es unglaublich, daß Frankreich sich derartig massiv ihm zuwendet," ihm, das ist Nicolas Sarkozy. Der 24-jährige beunruhigte Rudy hofft, daß die Bürger bis zum zweiten Wahlgang aufwachen. Der 28-jährige Sporterzieher Hakim überbietet das: "Es ist schlimm, daß ein Schuft, crapule, wie Sarkozy es geschafft hat, 30 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen, wo er doch die perfekte Kopie von Jean-Marie Le Pen ist. Ich hoffe, daß Frankreich sich im zweiten Wahlgang Ségolène zuwendet." Radouane, 24 Jahre alt, meint, die Wahlen begännen erst, jetzt werde sich zeigen, ob Frankreich nach links oder nach rechts neige. Wen diese Äußerungen der "jeunes" wundern, die in der dritten Etage des Rathauses den politischen Gegner als Schuft und Kopie von Jean-Marie Le Pen bezeichnen und inständig hoffen, daß im zweiten Wahlgang Ségolène Royal gewählt werde, der sei beruhigt. Die Jugendlichen befinden sich an der Wirkungsstätte von Gilbert Roger, des sozialistischen Bürgermeisters von Bondy, und es ist wahrscheinlich, daß es sich um jungsozialistische Wahlhelfer handelt.
Die fürs Abfackeln von Autos zuständigen "jeunes" befragt Hakim Djeroudi draußen, in den Straßen des prekären Stadtteils Blanqui. Dort geht man davon aus, daß Nicolas Sarkozy gewinnen wird, und der Grund sei, daß er die Wahlmaschinen manipuliert habe. In den Straßen von Blanqui wird dem Nicolas Sarkozy der Krieg erklärt. Den Lesern der Libération wird ohne jeden Kommentar diese Nötigung der "jeunes" präsentiert, die nicht wie die anderen, im Rathaus, mit Vornamen genannt werden. Darf man raten? Sie heißen Mohammed, Ahmed, Hamid. (3)
Die von der Libération gewollte Gemeinsamkeit der jungen Anhänger des PS mit den Krawallmachern auf den Straßen der Vorstädte, wie könnte sie besser demonstriert werden als durch diesen Artikel, der eine direkte Verbindung herstellt von den Äußerungen Hakims über den "Schuft Sarkozy" zu den Kriegsdrohungen?
Das monieren einige Leser in Kommentaren. "foos" schreibt noch am Wahlabend: Wer den Haß sät, erntet ...
Diese zitierten Aufrufe zum "Krieg" ... das ist eine Schande und eine Ablehnung der Demokratie. Der Haß, es ist die Libé, die ihn verbreitet, in dem sie leichtsinnige Jugendliche sagen läßt, was sie sich nicht zu schreiben traut. Das ist skandalös von dieser Zeitung, die ich nicht mehr lesen werde (und die am Rande der Pleite steht). Ich bin apolitisch.
Der Bürgermeister von Clichy-sous-Bois Claude Dilain gehört wie Gilbert Roger, von Bondy, dem PS an. Die Bürger der beiden Gemeinden beteiligen sich wie viele andere Gemeinden in Frankreich zu mehr als 80 Prozent, zu 83,61 bzw. 81,99 Prozent, an den Wahlen. Die Wahlergebnisse von Bondy und Clichy-sous-Bois zeigen eine große Mehrheit für die Kandidatin der Sozialisten, 37,80 bzw. 41,63 Prozent, Nicolas Sarkozy landet abgeschlagen mit 24,85/24,51 Prozent auf dem zweiten Platz, dann folgen François Bayrou 15,77/14,33, Jean-Marie Le Pen 9,11/9,24, und der Trotzkist Olivier Besancenot 4,46/4,16. Die übrigen Linksradikalen liegen wie in ganz Frankreich um und unter zwei Prozent. (4)
Zeitungen wie die Libération, der Spiegel und die Netzeitung aber stellen durch ihre Berichterstattung eine direkte Verbindung demokratischer Linker zu den muslimischen Krawallmachern her. In den Siegestaumel und in die direkte Verbindung zu den "jeunes" der Krawalle vom Herbst 2005 stimmt auch der Berichterstatter des Figaro ein. Manchmal weiß man nicht, ob die Journalisten Frankreichs insgesamt, also nicht nur die der linken und linksradikalen, sondern auch die der bürgerlichen Medien noch der Wirklichkeit verhaftet sind, von den rechtsextremen Postillen nicht zu reden. Das mag ein Beispiel aus dem bürgerlichen Figaro verdeutlichen.
Jean Chichizola berichtet über Clichy-sous-Bois
In der Morgenausgabe des Figaro, vom 23. April 2007, liest man seinen begeisterten Artikel über eine Gruppe Jugendlicher, die auf einer Party am Sitz des Kollektivs AC ! le feu feiern, im Zentrum der Vorstadtkrawalle vom Herbst 2005. Dieses vom Multifunktionär und "Grand frère" Samir Mihi mitgegründete Kollektiv habe ich im Artikel Wenn Sarko siegt, gibt es Krieg? vorgestellt. (5)
"Wir haben gut mobilisiert, um diejenigen, die noch zögerten, zu motivieren", zur Wahl zu gehen, lacht Samir Mihi. Der gesamte Artikel über die Wahl in Clichy handelt ausschließlich von der kleinen Gruppe der "jeunes". Die anderen Bürger, die ihr tägliches Leben mehr oder weniger erfolgreich fristen, oder gar Bürger, denen es gut und sehr gut geht, spielen bei der Berichterstattung keine Rolle. Im Mittelpunkt steht die Familie des einen der im Trafohäuschen durch Stromschlag umgekommenen Jungen, der Bruder, der Vater, die Schwestern und zwanzig ihrer Kumpel. Jean Chichizola fragt den Vater, wen er wählt, und der antwortet:
"Das wichtige ist es zu zeigen, daß man vollwertiger Bürger ist, und den am wenigsten schlechten der Kandidaten zu wählen, denjenigen, der uns am besten vertritt." Über Nicolas Sarkozy befragt, entfährt ihm: "Ich muß gestehen, daß ich zur Wahl gegen bestimmte Personen gekommen bin ..." Um ihn herum sind die Meinungen viel bestimmter und deutlich "anti-Sarko".
Der Berichterstatter widmet den beiden bei dem tragischen Unfall, am 27. Oktober 2005, ums Leben gekommenen Jungen und ihrem Umfeld einen Vierspalter. So bekommen diese Menschen eine Bedeutung, die ihnen nicht zukommt, die den anderen "jeunes" zu Kopf steigt und ablenkt von der Wirklichkeit der Vorstadt. Der Autor fährt fort zu berichten über die segensreiche Arbeit des Kollektivs AC ! le feu, und die Aktion des sozialistischen Bürgermeisters, der in einer Zeremonie 335 Wahlscheine an Jugendliche über 18 Jahre austeilt. Samir Mihi erklärt vielen älteren Bürgern von Clichy, wie man sich in die Wählerlisten einträgt, wobei es sich um Bürger mit Mitgrationshintergrund handeln muß; denn den französischen Natives muß man das nicht erklären. (1)
Den Artikel, den man noch am Nachmittag des 23. April bei lefigaro.fr auf der Startseite findet, schreibt Jean Chichizola in der Nacht vollständig um. Er heißt nun nicht mehr: Die Jugendlichen von Clichy-sous-Bois haben sich in den Urnen Gehör verschafft, sondern Die sozialistische Kandidatin hat einen Bombenerfolg in Clichy-sous-Bois. Die tiefe Trauer über die beiden Opfer, die zwei Kinder, die die Erde verlassen haben, aber als zwei Engel ins Paradies eingetreten sind, die Trauermärsche und Kranzniederlegungen, an denen die Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal in schlichtem Outfit teilnimmt, sie zahlen sich nun aus. Die Stimmen für Ségolène Royal streiften die 50 Prozent-Marke. Manchmal ist es nützlich, seine eigene Zeitung zu lesen, dort ist angegeben, wieviel Prozent die Kandidatin in Clichy-sous-Bois bekommt: 41,63. Die Immigrantenkinder feiern, für sie ist es für Nicolas Sarkozy gelaufen: "Il est cuit, sarkozy !" Der liege bei 20 Prozent, stattdessen sind es 24,51 Prozent.
Und auch Jean Chichizola berichtet von den Drohungen der "jeunes": Abdel, 18 Jahre, ist nicht zimperlich in der Wortwahl: "Wenn Sarkozy gewählt wird, dann wird´s bei uns heiß, alles wird durcheinander gehen." Bevor es mit der Party des Kollektivs AC ! le feu weitergeht wie im vorherigen Artikel, bringt Jean Chichizola weitere Stimmen: "Für Royal, ich hasse Sarkozy", und der 21-jährige Abdou: "Ich weiß, daß es überall gleich sein wird, daß die Leute wie Hunde behandelt werden. Wenn Sarkozy gewählt ist, wird es schlimmer als in den Vereinigten Staaten." (6)
Ich gebe zu, daß ich den Anti-Amerikanismus bislang vermißt habe. Nun kommt er endlich zur Geltung: es wird schlimmer als in den USA! Zwar war Abdou dort mit Sicherheit noch niemals, aber er weiß es von seinen Politikern und Medien, unter anderem von den Journalisten des Figaro.
Die Metula News Agency berichtet von den Präsidentschaftswahlen
Es ist wie immer, wer sich informieren will, der lese Blogs oder ausländische Medien. Heute kommt bei mir ein Artikel der israelischen französischsprachigen Metula News Agency (MENA) an; Sébastien Castellion schreibt darin von der Révolution Tranquille, von der friedlichen Revolution. In elf Absätzen steht fast alles, was man über den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen wissen sollte, daß endlich Schluß ist mit der Herrschaft in Frankreich durch eine Elite bzw. die Untergruppe einer Elite, des Clan chiraco-villepiniste, des Clans von Jacques Chirac und seinem Kumpan Dominique de Villepin, der modernistischen Technokratie der Linken, der Redaktionsräume der Pariser Presse. Einige einflußreiche Gruppen hätten am Morgen des 23. April ein Gefühl gehabt, das demjenigen der Politischen Polizei der mittel- und osteuropäischen Staaten nach dem Fall der Berliner Mauer ähnlich sein könnte. Vier Jahre hat dieser Clan des Jacques Chirac mit allen Mitteln versucht, Nicolas Sarkozy zu Fall zu bringen, und nun habe dieser mit dem seit 30 Jahren besten Ergebnis für einen Kandidaten der Rechten gewonnen. Valéry Giscard d´Estaing bekommt 32,6 Prozent, im Jahr 1974. Die absolute Zahl der für Nicolas Sarkozy abgegebenen Stimmen ist fast doppelt so hoch wie die für Jacques Chirac, im Jahr 2002.
Noch vor zehn Tagen wird ein letzter Versuch aus dem Élysée-Palast gestartet, den Kandidaten zu Fall zu bringen, der angeblich eine Abmachung mit Jacques Chirac getroffen hat, daß diesem nach Ende seiner Amtszeit die juristischen Verfahren massiver Korruption aus seiner Zeit als Bürgermeister von Paris wegen erspart bleiben. Das kolportiert ein enger Berater des Jacques Chirac, und die französischen Medien greifen es dankbar auf. Nach dem Mißerfolg der Clearstream-Kampagne und verschiedener anderer Kampagnen, in denen Nicolas Sarkozy als Pudel der USA dargestellt wird, versuche Jacques Chirac, etwas von dem Ekel, den die Franzosen über den korrupten Präsidenten empfinden, auf Nicolas Sarkozy umzuleiten.
Über die schmutzige Affäre Clearstream habe ich in zwei Artikeln berichtet, einer davon ein Geblöke vom Schaf, weil die verbrecherischen Machenschaften sonst kaum noch auszuhalten gewesen wären. (7)
Das Wahlergebnis des ersten Durchgangs bringt es mit sich, daß Nicolas Sarkozy nun nicht mehr auf die Unterstützung oder die geringste Übereinkunft mit dem scheidenen Präsidenten angewiesen ist, schreibt Sébastien Castellion, und was Ségolène Royal angeht, da weist er darauf hin, daß sie nur irrtümlich Kandidatin geworden ist, weil die Parteibasis diese aufgestellt hätte auf Grund der Mißachtung der hohen Parteifunktionäre, der sogenannten Elefanten, den einfachen Parteimitgliedern gegenüber.
Dem kann ich nur zustimmen. Der einzige präsidentiable Kandidat wäre Dominique Strauss-Kahn gewesen, er ist in der Clearstream-Affäre neben Alain Madelin einer im Dreierbund der als Transatlantiker verschrienen Politiker. Die Inkompetenz der Kandidatin läßt die Besten ihrer Partei verstummen oder sie in alle Winde zerstreuen, zu François Bayrou und sogar bis zu Nicolas Sarkozy.
Die petits candidats der Linken, die kleinen Kandidaten benennt Sébastien Castellion als solche, die ihre Kraft aus dem Haß ziehen. Darum verstehen sie sich vortrefflich mit den fundamentalistischen Muslimen, kann man ergänzen. Die sechs linksradikalen Kandidaten erhielten insgesamt etwa zehn Prozent der Stimmen, was durch das offizielle Wahlergebnis belegt wird, es sind 10,57 Prozent. Der erfolgreichste dabei ist der Trotzkist Olivier Besancenot mit 4,08 Prozent. François Bayrou erringt mit seinem Ergebnis von 18,57 Prozent der Stimmen eine absolute Stimmenzahl, die Jacques Chirac niemals erreicht hat. Dann reflektiert Sébastien Castellion über die Möglichkeit der Verteilung der Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten auf die beiden in der Stichwahl. (8)
Der Einfluß des François Bayrou darauf, was seine Wähler tun werden, ist gering. Man braucht das nur einmal durchzuspielen, was es bedeuteten würde, wenn er sich für Nicolas Sarkozy oder für Ségolène Royal oder für keinen der Kandidaten ausspräche. Dann gibt es noch die Möglichkeit inoffizieller Absprachen; denn für die von der UMP bislang in den Wahlkreisen zur Nationalversammlung durch Absprachen gesetzten Kandidaten der UDF wäre jede andere offizielle Äußerung als die Empfehlung, Nicolas Sarkozy zu wählen, das Ende dieser Politiker. In meiner Gegend werden drei von vier Wahlkreisen für die UDF freigehalten, in dem kein Kandidat der UMP antritt. In allen drei Kreisen hat Nicolas Sarkozy im ersten Durchgang die Mehrheit. Bei fehlender klarer Äußerung des François Bayrou wird´s eng. Was werden dann aber die linken Wähler sagen? Meiner Meinung nach hat François Bayrou den Zenith seiner politischen Karriere schon überschritten. Was er auch tut, wie er sich entscheidet, es wird auf seine Kosten gehen. Er ist als eigenständiger Kandidat wirklich nicht systemkompatibel, sondern er dient als eine Art Moderator, Facilitator. Die hohe Wahlbeteiligung ist nicht nur der Verjüngung bei den Kandidaten zu verdanken, sondern er hat Spannung hineingebracht.
Aber weiter mit der Einschätzung des Sébastien Castellion. Einige Pressechefs haben sich Nicolas Sarkozy angeschlossen, andere taktieren vorsichtig, um ihrer Karriere nicht zu schaden, aber die Journalisten in den Redaktionsräumen tun alles, um Nicolas Sarkozy zu Fall zu bringen. Die Kreise um Jacques Chirac helfen dabei. Es werden Tatsachen verdreht und der Kandidat in unvorteilhaftem Licht gezeigt, als Extremist und als beunruhigende Persönlichkeit, als Unruhestifter. Er muß von der extremen Rechten sein; denn er interessiert sich mehr für die Opfer als für die Täter; er muß Faschist sein; denn er hegt Sympathien für die beiden Demokratien USA und Israel.
In diesem Fahrwasser segelt auch Tobias Schmidt. Nicht genug mit seinem Artikel in SpiegelOnline und Netzeitung, legt er in dieser am nächsten Tag noch einmal nach: Eine "Anti-Sarkozy"-Stimmung könnte der zwischenzeitlich schon abgeschriebenen Sozialistin neuen Auftrieb vor der Stichwahl gegen den ehemaligen Innenminister am 6. Mai geben. Die erhoffen sich viele Journalisten in Frankreich, in Deutschland, in Italien, linke und rechte. In dem Artikel gibt es keine brauchbare Einschätzung, nicht eine. Es ist so ähnlich wie seinerzeit, als die Journalisten phantasieren über den Standort Paris für die Olympiade 2012. Meinungen, Vermutungen, Wünsche und Träume, und dann und wann ein weißer PS-Elefant. (9)
Für Jean-Marie Le Pen sei das Wahlergebnis ein Desaster. Daran seien sowohl sein Alter, das ihn keinen dynamischen Wahlkampf hat führen lassen, als wahrscheinlich auch seine seit kurzem lancierten Initiativen in Richtung muslimischer Wähler schuld. Seine traditionellen Wähler seien ihm abhanden gekommen.
Nicht das politische System der parlamentarischen Demokratie, sondern die in den letzten Jahren herrschenden Politiker werden von den Franzosen zurückgewiesen. Wenn Jacques Chirac und Lionel Jospin abtreten, dann werden die politischen Extremisten hinweggefegt. Sébastien Castellion erwartet davon eine Schwächung der Kräfte des Chaos, einen Rückgang extremistischer Taten.
So ist es: Nicolas Sarkozy hat große Chancen Präsident zu werden, und dann werden die Unruhen in den Vorstädten weniger!
Aber, gibt Sébastien Castellion zu bedenken: es ist wahr, das französische Volk hat gestern einmal mehr bewiesen, daß es immer einen Schritt weit voraus ist vor denjenigen, die vorgeben, sein Wahlverhalten zu verstehen. (10)
23. April 2007
Update, vom 26. April 2007
François Bayrou hat nichts mehr zu vermelden. Der kann erzählen, was er will. Erstens sind mindestens Zweidrittel seiner Wähler aus dem rechten Lager, der Rest ist aus dem linken, aber nicht von Ségolène Royal überzeugt. Ségolène Royal, die auch das falsch einschätzt, dialogisiert und debattiert in den nächsten Tagen mit François Bayrou im Fernsehen, und der meint, er würde, wenn Nicolas Sarkozy ihn bäte, das auch gern mit ihm tun. Am 25. April, auf TF1, hat Nicolas Sarkozy ihm eine Abfuhr erteilt: der erste Durchgang sei beendet, es gäbe keinen Anlaß mehr für Debatten. Wichtig für Nicolas Sarkozy sind die UDF- Politiker in der Provinz und in der Nationalversammlung. Der Bürgermeister von Rouen, der größten UDF-regierten Stadt, hat sich schon auf die Seite Nicolas Sarkozys geschlagen, andere haben das schon vorm ersten Wahlgang getan, z.B. der sehr bekannte Bürgermeister von Issy-le-Moulineaux.
Es gab bislang für die Wahlen zur Nationalversammlung, im Juni 2007, eine Absprache, in gewissen Wahlkreisen nur UDF- und keine UMP-Kandidaten aufzustellen, obgleich dort die UMP sicher gewinnen könnte. Wenn die UDF gegen Nicolas Sarkozy auftritt, ist Schluß mit den Absprachen.
Die Provinzpolitiker und die der Nationalversammlung werden auf ihre Wähler zu Hause einwirken, Nicolas Sarkozy zu wählen. Die Karriere des François Bayrou ist beendet. Der hätte nur eine Chance gehabt, wenn er in die Stichwahl gekommen wäre, dann hätte er, ähnlich wie 2002 im Fall Jean-Marie Le Pen , mit Zulauf derjenigen von rechts und von links rechnen können, die Nicolas Sarkozy verhindern wollen. Nun, da die "Anti-Sarko-Kampagne" nicht erfolgreich war, befindet François Bayrou sich in seiner selbstgebauten Sackgasse. Seine Parteineugründung wird ein Rohrkrepierer.
Ich lege meine Einschätzung auf Wiedervorlage und berichte nach zwei/drei Jahren, was aus der demokratischen Partei der Mitte geworden ist.
Quellen
(1) "Wenn Sarko siegt, gibt es Krieg in den Städten". Von Tobias Schmidt, AP, SpiegelOnline, 18. April 2007
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,477872,00.html
"Wenn Sarko siegt, gibt es Krieg". Von Tobias Schmidt, AP, netzeitung.de,
21. April 2007
http://www.netzeitung.de/ausland/619952.html
Les jeunes de Clichy-sous-Bois se sont fait entendre dans les urnes. Par Jean Chichizola, Le Figaro, 23 avril 2007, page 15
(2) Actualité - Hakim Djeroudi. wikio.fr
http://www.wikio.fr/news/Hakim+DJEROUDI
(3) "Si c´est Sarko le 6 mai, ce sera la guerre". Par Hakim DJEROUDI. LIBERATION.FR, 22 avril 2007
http://www.liberation.fr/actualite/politiques/elections2007/ 249234.FR.php
Hakim, en avant la vie. Bondy Blog
http://previon.typepad.com/hebdo/2006/02/hakim_en_avant_.htm l
(4) Inscrits 24 339 Abstentions 3 989 / 16,39 % Votants 20 350 / 83,61 % Blancs et nuls 257 / 1,26 % Exprimés 20 093 / 98,74 %. Présidentielle 2007.Bondy. La carte de France des résultats. Le Figaro, 23 avril 2007
http://elections.lefigaro.fr/resultats/elections-presidentie lles-2007/1er-tour/seine-saint-denis/93140/bondy/
Inscrits 9 367 Abstentions 1 687 / 18,01 % Votants 7 680 / 81,99 % Blancs et nuls 103 / 1,34 % Exprimés 7 577 / 98,66 %. Présidentielle 2007. Clichy-sous-Bois. La carte de France des résultats. Le Figaro, 23 avril 2007
http://elections.lefigaro.fr/resultats/elections-presidentie lles-2007/1er-tour/seine-saint-denis/93390/clichy-sous-bois/
(5) Wenn Sarko siegt, gibt es Krieg? 22. April 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-04-22_01-02-44.html
(6) La candidate socialiste fait un tabac à Clichy-sous-Bois. Par Jean Chichizola, lefigaro.fr, 22 avril 2007, actualisé le 23 avril 2007, 01h18
http://www.lefigaro.fr/presidentielle-resultat/20070422.FIG0 00000778_la_candidate_socialiste_fait_un_tabac_a_clichy_sous _bois_foyer_des_emeutes_de_.html
(7) Clearstream: der klare Strom spült Jacques Chirac und Dominique de Villepin hinweg. 3. Mai 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-05-03_01-23-58.html
Vom Clearstream zum Dreamliner. 16. Juni 2006
http://www.eussner.net/schaf_2006-06-16_01-25-09.html
(8) Élection présidentielle 2007. Résultats officielles
http://www.votez2007.com/resultats22avril.asp
(9) Royal: "Die Zeit der Frauen ist gekommen". Von Tobias Schmidt, AP, netzeitung.de, 22. April 2007
http://www.netzeitung.de/ausland/623210.html
(10) Révolution Tranquille. Par Sébastien Castellion, Metula News Agency (MENA), 23 avril 2007
http://www.menapress.com/article.php?sid=1722
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