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Arnaud Lagardère und DaimlerChrysler stecken je 2 Milliarden Euro ein

Alles fängt so vielversprechend an. Am 27. April 2005 sind die Medien live dabei, als EADS der Welt und vor allem der Konkurrenz Boeing den Airbus A380, das Wunder der Luftfahrttechnik, präsentiert. Die Entwicklung des Riesenflugzeugs wird sogar als Argument für ein "Ja" zur europäischen Verfassung, am 29. Mai 2005, hochgejubelt. Bei Futura-Sciences sind Fotostrecken dem neuen Flugzeug gewidmet: Airbus A380 Inaugural Flight, Toulouse France, Décollage A380 27 avril 2005, 4:29 New York, 10:29 Bruxelles, 12:29 Moscow. (1)

Nach der Luftschau bestellen die Fluggesellschaften der Welt 150 Exemplare des Airbus A380. Singapore Airlines, Die Emirates Airlines und die australische Qantas sind die ersten Kunden, Singapore Airlines soll das erste Exemplar im März 2006 geliefert bekommen.

Wenn man bei google.fr, pages francophones, a380 27 avril 2005 eingibt, bekommt man noch heute 186 000 Angebote, Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehanstalten, Blogs aller Art, bis hin zum Collectif Contre les Nuisances AĂ©riennes de l´AgglomĂ©ration Toulousaine, Kollektiv gegen Lärmbelästigung des Ballungsraumes von Toulouse, berichten. Le bruit La max enregistrĂ© au dĂ©collage a Ă©tĂ© de 88,5dB en prĂ©sence des journalistes de M6 et de TLT. L´avion Ă©tait vide de tout fret, Ă©quipement et passagers. Der höchste beim Abheben gemessene Lärmpegel betrug im Beisein von Journalisten der Fernsehanstalten M6 und TLT 88,5 Dezibel. Das Flugzeug war ohne Fracht, Besatzung und Passagiere. Das kann aber die nationale und europäische Freude nicht trĂĽben. (2)

Auch die Actualités von google.fr sind noch heute reichlich bestückt, allerdings aus anderen Gründen, zu denen ich noch komme.

Der Airbus A380 verliert einen FlĂĽgel

Am 15. Februar 2006 führt Airbus am A380 einen Belastungstest durch, bei dem ein Flügel des Wunders der Luftfahrtechnik abbricht. Wer bei google.fr, pages francophones, a380 perd aile, A380 verliert Flügel, eingibt, bekommt noch heute für die Zeit unmittelbar nach dem Abbrechen des Flügels nur zwei Angebote, obgleich das Ergebnis dieses statischen Tests unter einer 1,45- bis 1,5-fachen Grenzlast das Schicksal aller Liefertermine bestimmen wird. Der Pressesprecher von Airbus Toulouse teilt das Testergebnis routinemäßig mit und ergänzt, daß der Unfall keine Verzögerung der Lieferungen hervorrufen dürfte, da alle übrigen Test zur Zufriedenheit ausgefallen seien. Der zweite Airbus A 380 ist nach fünftägigen erfolgreichen Tests unter Polarbedingungen mit Temperaturen von um die minus 30 Grad, am 12. Februar 2006, aus Kanada zurück in Toulouse.

Die devoten französischen Medien, dem EADS-Konzern des Arnaud Lagardère verpflichtet, schweigen sich ĂĽber den FlĂĽgel aus, personne n´en parle. Airwise bringt die Meldung von Reuters, es sei aber nicht zu besorgen, daĂź das Ereignis negative Folgen haben wĂĽrde. (3)

In Frankreich liest man ĂĽber das Ereignis des FlĂĽgelabbruchs bei Futura-Sciences zwei Tage und bei Media Ratings acht Tage später. Auf dem Blog des Nicolas Clairembault gibt´s die Nachricht einen Monat darauf. Das ist alles. (4)

Philippe Karsenty, von Media Ratings, schreibt am 23. Februar 2006 einen bösen Artikel, man kann ihn unter dem Titel Airbus A380 prototype ruptures wing auch in englisch lesen. Während meiner Recherchen zu Clearstream und zur Rolle von Jacques Chirac bin ich auf den Artikel gestoßen, Anfang Mai 2006.

Media Ratings befaßt sich kritisch mit den französischen Medien, und so bemerkt es, daß im Gegensatz zu der begeisterten Berichterstattung über den ersten Flug des Airbus A380, am 27. April 2005, kaum jemand von dem Flügel berichtet. Reuters gibt die Nachricht heraus, in Frankreich wird sie von La Tribune und im Internet von einigen Fachzeitschriften aufgegriffen. Airbus macht sich anscheinend keine Sorgen, obgleich welche angebracht wären, weil Airbus sich verpflichtet hat, die Flugtauglichkeit ohne weitere Tests durchzuführen. Das ist nach dem Unfall nicht mehr möglich.

Der Airbus A380, vielleicht der aus Kanada heil zurückgekehrte, landet am 18. Februar 2006, wie vorgesehen, in Singapur und nimmt in den Farben von Singapore Airlines teil an der Asian Aerospace 2006, der drittgrößten Luftfahrtschau der Welt. Der Testingenieur Fernando Alonso gibt vom 20. bis 25. Februar 2006 begeisterte Berichte über das Flugzeug. Einige Verbesserungen und Korrekturen müßten noch angebracht werden, dann komme die Zertifizierungsphase. Der Airbus A380 kreist in den nächsten Tagen über Singapur, alles ist in Ordnung. Singapore Airlines sollen schon im März 2006 den ersten Airbus A380 erhalten. (5)

Media Ratings vermutet eine Selbstzensur der Lagardère-Gruppe, des größten Zeitschriftenverlages der Welt. Lagardère ist an einigen französischen Tageszeitungen beteiligt, darunter an Le Monde, Le Parisien, an regionalen Zeitungen wie Midi Libre und Indépendant, an der Sonntagszeitung Le Journal du Dimanche, am Radio Europe 1, am Fernsehsender Canal+, und die Gruppe kontrolliert die meisten Zeitungsvertriebsnetze Frankreichs. (6)

Den Link zu Futura-Sciences findet man heute nicht mehr bei Google, ich habe ihn beim Schaf wiedergefunden: Vom Clearstream zum Dreamliner. (7)

Jean-Louis Gergorin, Vizepräsident und Mitglied des Exekutivrates von EADS

Derweil entwickelt sich in Frankreich der gegen politische und Geschäftskonkurrenten des Staatspräsidenten Jacques Chirac von diesem initiierte Skandal um illegale Konten bei der Clearing- und Settlement-Organisation Clearstream zum handfesten Skandal des Präsidenten und seines willfährigen Premierministers Dominique de Villepin. Verwickelt darin ist Arnaud Lagardère, der über die Aktiengesellschaft Désirade Großaktionär bei EADS ist. Sie und die staatliche französische Gesellschaft Société de Gestion de Participations Aéronautiques (SOGEPA) besitzen zu gleichen Teilen insgesamt 30,19 Prozent der Aktien von EADS, Europas größtem und weltweit zweitgrößtem Aeronautik-Konzern. Diese Verquickung des Staates mit dem Unternehmen führt dazu, daß an den Schaltstellen des Konzerns französischerseits politische und persönliche Freunde des Jacques Chirac wirken, was, wie man sieht, keine optimale Lösung ist.

Einer von diesen ist Jean-Louis Gergorin, Freund des Dominique de Villepin, seit dem Jahr 2000 geschäftsführender Vizepräsident für strategische Koordination und Mitglied des Exekutivrates des Konzerns EADS. Er konstruiert ab November 2003 mit Helfern aus Politik und Wirtschaft ein frame-up, um für Jacques Chirac unliebsame politische und geschäftliche Konkurrenten, darunter vor allem die "Transatlantiker" Nicolas Sarkozy, Dominique Strauss-Kahn und Alain Madelin, aus dem Wege zu schaffen. Einzelheiten können im Artikel Clearstream: der klare Strom spült Jacques Chirac und Dominique de Villepin hinweg nachgelesen werden. (8)

Noël Forgeard, Ko-Präsident von EADS

Der mit absolutem Schweigen der französischen Medien bedachte Abbruch des Flügels am Airbus A380, am 15. Februar 2006, platzt mitten in die Affäre Clearstream. Noël Forgeard, gemeinsam mit dem Deutschen Thomas Enders geschäftsführender Ko-Präsident von EADS, und 800 weitere Manager verkaufen auf Grund der von EADS zu erwartenden technischen und finanziellen Probleme vom 9. bis 17. März 2006, unmittelbar nach der Verwaltungsratssitzung in Amsterdam, ihre Stock Options, geben später aber vor, das sei rein zufällig gewesen, sie hätten von allem nichts gewußt. Sie wissen auch nichts von den Schwierigkeiten der anderen Airbus-Modelle. Zu der Zeit ist dank des Schweigens der französischen Medien über den abgebrochenen Flügel des Airbus A380 der Kurs der EADS-Aktie weiterhin hoch, die Börse steht auf buy. (9)

Der Airbus A380 aber ist nicht das einzige Sorgenkind, Schwierigkeiten entstehen auch beim Airbus A350, der Konkurrent des Dreamliner von Boeing werden soll. Die Konstruktionspläne müssen verändert werden, sie genügen dem Bedarf der Fluggesellschaften nicht. Singapore Airlines und die japanische All Nippon bestellen bei Boeing den Dreamliner. Der Airbus A340 ist ebenfalls in der Kritik; er verbraucht zuviel Sprit, was Kunden dazu bringt, auf Boeing umzusteigen. Noël Forgeard, der Generaldirektor Jean Paul Gut, der Eurocopter Chef Fabrice Bregier, der Finanzdirektor Hans-Peter Ring und der Deutsche Stefan Zoller, Chef der Rüstungssparte, realisieren Höchstwerte beim Verkauf ihrer Stock Options, Noël Forgeard in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Seine drei Kinder stecken jedes 1,4 Millionen Euro ein. Thomas Enders beteiligt sich nicht an diesen Verkäufen, die er zu dem Zeitpunkt für nicht angemessen hält. (10)

Die Aktiengesellschaft Désirade des Arnaud Lagardère

Arnaud Lagardère verkauft noch einen Monat später, am 4. April 2006, einen Anteil von 7,5 Prozent, also die Hälfte seines Aktienpaketes Désirade. Er weiß angeblich nichts von einem kommenden Kurssturz der EADS-Aktie. Auch Daimler-Chrysler reduziert zur gleichen Zeit seinen Anteil an EADS um die Hälfte. Das Geschäft wickelt Manfred Bischoff ab, der deutsche Ko-Verwaltungsratsvorsitzende von EADS. Beide Verkäufer realisieren jeder 2 Milliarden Euro aus dem Verkauf. Thierry Breton, Finanzminister und in dieser Eigenschaft Besitzer von ebenfalls 15 Prozent der Aktien verkauft nichts.

Insidergeschäfte wird man später nur dem Co-Vorstandschef Noël Forgeard und den Managern vorwerfen: Vehement trat Lagardère der Vermutung entgegen, in der Erwartung des Kurssturzes im April die Hälfte seiner 15 Prozent EADS-Anteile verkauft zu haben Die Entscheidung sei schon 2005 gefallen und habe lange mit DaimlerChrysler abgestimmt werden müssen. "Wenn wir unehrlich wären, hätten wir nicht 7,5 Prozent des Kapitals verkauft, sondern alles", sagte Lagardère, und so berichten es die Finanznachrichten.de, am 15. Juni 2006. (11)

Selten so gelacht! Im EADS-Konzern wollen die Großaktionäre, d.h. der französische Staat, Arnaud Lagardère und DaimlerChrysler, Besitzer von insgesamt mehr als 45 Prozent der Konzernaktien, und ihre Top-Manager, Präsidenten und Direktoren nichts von dem zu erwartenden Desaster gewußt haben!

Was den Verkauf von nur der Hälfte des Aktienpaketes und den Verzicht auf einen Verkauf durch den Finanzminister Thierry Breton für den französischen Staat in Gestalt der Société de Gestion de Participations Aéronautiques (SOGEPA) angeht, so gibt es dafür eine einfache Erklärung: es hätte die Autorité des marchés financiers (AMF), die Kontrollbehörde der Finanzmärkte, sofort auf den Plan gerufen. Die Transaktionen von Arnaud Lagardère und Manfred Bischoff werden im Einvernehmen mit dem französischen Staat getätigt, der das Mißmanagement bei EADS zu verantworten hat. Die deutschen Manager der Konzernspitze sind klug genug, ihre Stock Options nicht zu realisieren, sie stehen heute gut da. (10)

Im März 2007 unterzeichnen Arnaud Lagardère und der französische Staat über ihre gemeinsame Kommanditgesellschaft Sogeade mit DaimlerChrysler einen Vertrag über ein Vorkaufsrecht auf die noch von DaimlerChrysler gehaltenen 7,5 Prozent der Aktien, berichtet die AMF. Die 7,5 Prozent sollen zu gleichen Teilen von Arnaud Lagardère und dem französischen Staat erworben werden. Die Folge wird sein, daß die Parität des Besitzes zwischen Deutschland und Frankreich aufgehoben wird. (12)

Am 13. Juni 2006 fliegt der der vertuschte technische und finanzielle Skandal auf, und die EADS-Aktien fallen am nächsten Tag um mehr als 26 Prozent. EADS erleidet eine der schlimmsten Baissen, die eine Gesellschaft des CAC 40, des "französischen Dax", je erlitten hat: -26,32% auf 18,73 Euro. Gewinnverluste von jährlich mehr als 500 Millionen Euro gegenüber dem Plan für 2007 bis 2010 werden erwartet, eine gepfefferte Rechnung. EADS: Sechs Milliarden Euro verflogen in einigen Stunden. Am 3. Oktober 2006 wird eine weitere Verzögerung in der Fertigung angekündigt. Am 23. November 2006 beginnen gerichtliche Untersuchungen über Insider-Geschäfte, acht Monate, nachdem Noël Forgeard und 800 Manager ihre Stock Options verkaufen, sieben Monate nachdem Arnaud Lagardère und Manfred Bischoff ihre Aktienpakete verscherbeln und jeder 2 Milliarden Euro dafür einkassiert, derweil kleinere und Kleinaktionäre auf ihren Verlusten sitzenbleiben. Was man von der französischen Justiz der Vor-Sarkozy-Zeit zu halten hat, kann man daran ermessen. Es trifft die Spezis und die Spezis der Spezis des Jacques Chirac, das macht immun.

Arnaud Lagardère wird, am 29. Mai 2007, neun Stunden lang von der AMF verhört. Sein Konzern und er persönlich befinden sich in der schlimmsten Krise. Er sei "heiter" aus dem Verhör gekommen, schreibt Le Figaro. Er wiederholt beim Verhör, daß er ahnungslos ist über die Ereignisse Anfang 2006. Er habe Unterlagen vorgelegt, aus denen hervorgehe, daß er bereits ab September 2005 gemeinsam mit DaimlerChrysler den Verkauf der Aktien vorbereitet habe. Am 4. April 2006 habe der Verkauf abgewickelt werden sollen.

Warum alles so kommt ...

Eine Reihe von Tatsachen rechtfertigen weitere Untersuchungen der AMF und der auf Finanzdelikte spezialisierten Ermittlungsbehörde. Es wird schon jetzt eine Geschichte gebastelt, warum alles so kommen muĂźte, wie´s kommt. Es handelt sich angeblich um Kommunikationsprobleme zwischen deutschen und französischen Managern von Airbus, darum seien die Berichte nicht weitergeleitet worden an die höheren Entscheidungsstellen. Zu Zeiten des Jean-Luc Lagardère, des Vaters von Arnaud Lagardère, habe NoĂ«l Forgeard vorbei an dem deutschen Ko-Präsidenten, dem er unterstellt war, sich direkt mit Jean-Luc Lagardère kurzgeschlossen. Solche Kommunikationsprobleme seien auch der Grund, daĂź die Informationen ĂĽber technische Probleme nicht in die Vorstandsetagen aufgestiegen seien. Die Verwaltungsratssitzung vom 7. März 2006 habe keine Informationen ĂĽber die am 6. März 2006 in Toulouse während eines Treffens der Techniker entschiedene Lieferverzögerung des Airbus A380 erhalten.

Gerüchte seien umgegangen, und Le Figaro erinnert an einen Artikel, vom 4. April 2006, in der Zeitung. Jean Galli Douani, ein Geschäftsmann, der mit Airbus im Clinch liegt, behauptet, auf einer von ihm an die AMF gegebenen Kassette befinde sich der Beweis, daß der Verwaltungsrat über alle Einzelheiten des Desasters bereits seit dem 7. März 2006 Bescheid wußte. (13)

Kurz nach der Verwaltungsratssitzung im März telefonierte er nach eigenen Angaben mit dem technischen Direktor von Airbus, Alain Garcia. In dem Telefonat habe dieser mitgeteilt, dass "schwere industrielle Schwierigkeiten beim A380 und sich daraus ergebende Lieferverzögerungen" vom Verwaltungsrat angesprochen worden seien. Das Gespräch habe Galli Douani aufgezeichnet und einen Mitschnitt an die Pariser Finanzpolizei übergeben, weiß das Handelsblatt. (14)

Das Urteil ĂĽber die Transaktionen wird nach den Sommerferien ergehen, also nicht vor September 2007. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

Die satirische Wochenzeitung Canard enchainé behauptet in ihrer Ausgabe vom 30. Mai 2007 unter dem Titel Arnaud Lagardère un "Mickey" trop bien initié, Dokumente zu besitzen, aus denen eindeutig das Insidergeschäft zu belegen sei. Danach wissen alle Verantwortlichen schon vor März 2006 Bescheid. (15)

Derweil schiebt der im Juli 2006 seines Postens enthobene Noël Forgeard alle Schuld für das Debakel auf die Deutschen, und zwar auf aus dem Hamburger Werk nicht gelieferte Kabel. Dort herrsche ein totaler Disziplinmangel und unzureichende Ausbildung im Gebrauch der Instrumente. Das Hamburger Management hätte sich unter der Schirmherrschaft von Daimler stehend verstanden und seine Probleme allein gelöst. Nebenbei erklärt er, daß er die erhaltenen 8,2 Millionen Euro Abfindung nicht zurückzahlen werde. Das sind Millionen Euro, die nicht aus den Stock Options stammen, sondern zusätzlich in seine Taschen geflossen sind. Auch die Stock Options, habe er völlig legal verkauft, er habe nichts gewußt von den Problemen des Airbus. Das sagt einer, der von 1998 bis 2005 Präsident von Airbus ist. Er fühlt sich als Opfer einer Verschwörung: "Ich frage mich, ob er (Thomas Enders) nicht von Jürgen Schrempp, dem Chef von Daimler, den Auftrag erhalten hat, mich auszuschalten, wenn nicht gar, mich fertigzumachen. Das ist mir berichtet worden, und das ist jedenfalls so geschehen". (16)

Man kann es immer wieder und in allen Kulturen finden, Täter stilisieren sich als Opfer. Es wäre interessant zu wissen, wie die Hamburger auf solche Anschuldigungen reagieren.

Wer mehr über Noël Forgeard wissen möchte, der google bitte noël forgeard jacques chirac. Das zweite Angebot ist ein Artikel zum Thema Die Netzwerke des Noël Forgeard. Auf mehreren Seiten werden die Freundschaften aufgelistet. Dazu gehören François Bayrou, mit dem gemeinsam er den Reitsport pflegt, und in der Politik verkehrt er mit dem ehemaligen Erziehungsminister und jetzigen Premierminister François Fillon, seit Ende der 70er Jahre, ist Industrieberater des ehemaligen Premierministers Jacques Chirac, während 18 Monaten, und er kennt Dominique Baudis, den ehemaligen Bürgermeister von Toulouse, aus der Zeit, als er Präsident von Airbus ist.

Er macht Karriere in den Kabinetten von Ministern und in der Industrie. Ein starkes Einverständnis mit Jacques Chirac, lautet die Überschrift eines Absatzes. 1986 geht er nach Etappen in der Industrie zurück in die Politik und wird Berater für Industriepolitik des Premierministers Jacques Chirac. Er ist sein Freund und Ratgeber, der allzeit Zugang zum Premierminister hat. Wer französisch liest, der tue sich das an. Aus dem Artikel allein kann man lernen, wie in Frankreich Politik gemacht wird, und wenn sie nicht funktioniert, wie man sich dann als Opfer stilisiert - man lernt es in La Tribune. (17)

Auch ein Blick in die ZEIT lohnt sich, um zu erfahren, um wen es sich bei Noël Forgeard handelt: Die in diesen Kreisen übliche Diskretion hat der Mann aus kleinen Verhältnissen längst abgelegt. Selbst seine Unterstützer im Elysée-Palast empfinden Forgeards Ambitionen mittlerweile als "zu grell". (18)

Der "Elch-Test"

Wer bis hierher durchgehalten hat, der wundert sich vielleicht, daß der am 15. Februar 2006 vom Airbus A380 abgebrochene Flügel in den französischen Medien heute nicht mehr erwähnt wird.

Ich denke bei der Lektüre des Artikels von Philippe Karsenty sofort an den "Elch-Test", den Fahrdynamik-Test beim neuen Mercedes-Benz der A-Klasse: Am 21. Oktober 1997, drei Tage nach der Markteinführung, kippte ein Fahrzeug vom Typ "A-Klasse" bei einem Test in Schweden auf sein Dach. Dieses Ereignis, das heute alle als (nicht bestandenen) "Elch-Test" bezeichnen, hielt das betroffene Unternehmen - die Daimler-Benz AG - viele Monate lang in Atem, schreibt Prof. Dr. Armin Töpfer, vom Lehrstuhl für Marktorientierte Unternehmensführung der Technischen Universität Dresden. An den "Elch-Test" erinnere ich mich gut; denn einer meiner Freunde will das schicke neue Auto der A-Klasse kaufen. Kaum ist es auf dem Markt, führt eine schwedische Automobil-Zeitschrift den Ausweichtest durch, und das Auto kippt um. Was dann abläuft bei Daimler (!), das lese man bei Prof. Töpfer: (19)

Die Nachricht der umgekippten A-Klasse traf den Vorstand und die Beteiligten im gesamten Unternehmen hart. Die Bilder der umgekippten A-Klasse gingen fast um die ganze Welt. Das für den PKW-Bereich zuständige Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert formulierte es so: "Es hat uns kalt erwischt." ... Völlig unvorhersehbar war das Ereignis für das Unternehmen allerdings nicht, denn am 23. September 1997 hatten bei einem ähnlichen Ausweichtest in Dänemark die inneren Räder einer A-Klasse bei einer Kurvenfahrt mit 55 km/h abgehoben.

Airbus ist anscheinend der Meinung, wenn nichts in den Medien steht, kann ein FlĂĽgel getrost abbrechen, man wird nicht kalt, sondern gar nicht erwischt.

Am 26. Februar 1998 begann die Wiederauslieferung der A-Klasse, was bedeutet, daß wegen dieses, gemessen am abgebrochenen Flügel des Airbus A 380, bescheidenen Mangels an einem Auto eine viermonatige Verzögerung der Lieferung eintritt. Da soll DaimlerChrysler, 15-prozentiger Anteilseigner an EADS, nicht wissen, was der mißlungene Test für den Airbus bedeutet, das Management sieht keine Zusammenhänge? Warum hält Thomas Enders es nicht für angebracht, im März 2006 Stock Options zu verkaufen? Wie hoch sind die Kosten, die durch den nicht bestandenen "Elch-Test" entstehen? Kann man die nicht für den Airbus hochrechnen? Wenn für ein kleines Auto vier Monate benötigt werden, um es auslieferungsreif zu machen, wie lange dauert es dann bei einem Flugzeug, dem der Flügel abfällt?

Für wie dumm halten Arnaud Lagardère, DaimlerChrysler, Noël Forgeard und seine 800 Managerkollegen die Kleinaktionäre, die Öffentlichkeit, den Staat, die AMF, die Finanzpolizei? Was wird mit den je 2 Milliarden Euro, die Arnaud Lagardère und DaimlerChrysler, am 4. April 2006, beim Verkauf ihrer Aktienpakete eingesteckt haben? Die Aktien haben am 14. Juni 2006 nur noch einen Wert von 1,15 Milliarden Euro. Dagegen sind die Gewinne von Noël Forgeard und seinen 800 Managerkollegen aus dem Verkauf der Stock Options nur peanuts. (20)

Affaire Ă  suivre ...

1. Juni 2007

Quellen

(1) Airbus A380 Inaugural Flight, Toulouse France, Futura-Sciences, 27 avril 2005
http://www.futura-sciences.com/galerie_photos/showphoto.php/ photo/1076/cat/recent/limit/recent

(2) Mesures de bruit de l´A380 le mercredi 27 Avril 2005. Collectif Contre les Nuisances AĂ©riennes de l´AgglomĂ©ration Toulousaine, 27 avril 2005
http://ccnaat.free.fr/article.php3?id_article=43

Dezibel (dB). das ELKO
http://www.elektronik-kompendium.de/sites/grd/0304011.htm

(3) Airbus A380 Wing Ruptures In Static Test. Reuters. Airwise, February 16, 2006
http://news.airwise.com/story/view/1140132924.html

(4) En bref : A380 : rupture sur une aile pendant un test statique. Futura-Sciences, 17 février 2006
http://www.futura-sciences.com/fr/sinformer/actualites/news/ t/aeronautique-1/d/en-bref-a380-rupture-sur-une-aile-pendant -un-test-statique_11479/

L´A380 perd une aile, mais personne n´en parle ! Blog Nicolas Clairembault, 14 mars 2006
http://nclairembault.typepad.com/main/2006/03/la380_perd_une _.html

(5) Fernando´s air show diary. By Fernando Alonso, A380 flight test engineer. My Airbus-Event
http://stagev4.airbus.com/en/myairbus/events/asian_aerospace _2006/fernando_airshow_diary_index.html

(6) L´A380 perd une aile en silence. Philippe Karsenty, Media Ratings, 23 fĂ©vrier 2006
http://www.m-r.fr/actualite.php?id=1287

Airbus A380 prototype ruptures wing, Philippe Karsenty, Media Ratings, February 27, 2006
http://m-r.fr/actualite.php?id=1295

(7) Vom Clearstream zum Dreamliner. Schaf, 16. Juni 2006
http://www.eussner.net/schaf_2006-06-16_01-25-09.html

(8) Clearstream: der klare Strom spĂĽlt Jacques Chirac und Dominique de Villepin hinweg. 3. Mai 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-05-03_01-23-58.html

(9) Noël Forgeard. Wikipédia
http://fr.wikipedia.org/wiki/No%C3%ABl_Forgeard

(10) Insiderverdacht gegen 700 EADS-Manager. Handelsblatt.com, 29. Mai 2007
http://www.handelsblatt.com/news/Unternehmen/Industrie/_pv/_ p/200038/_t/ft/_b/1274028/default.aspx/insiderverdacht-gegen -hunderte-eads-manager.html

(11) Lagardère: Auch EADS-Großaktionäre vom Kurssturz überrascht. Finanznachrichten.de, 15. Juni 2006
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-06/artikel- 6574192.asp

(12) EADS : l´Etat français et EADS obtiennent un droit de prĂ©emption sur les parts de DaimlerChrysler. T.M., boursier.com, 16 mars 2007
http://partenaires.finance-plus.fr/vals/FR/eads-l-etat-franc ais-et-eads-obtiennent-un-droit-de-preemption-sur-les-parts- de-daimler-chrysler-news-226349,5730.htm

(13) EADS : Lagardère se dĂ©fend de tout dĂ©lit d´initiĂ©. Par V.GD, Le Figaro, 31 mai 2007
http://www.lefigaro.fr/actubourse/20070531.FIG000000094_eads _lagardere_se_defend_de_tout_delit_d_initie.html

(14) Probleme beim A380. Insiderverdacht gegen 700 EADS-Manager. Handelsblatt, 29. Mai 2007
http://www.handelsblatt.com/news/Unternehmen/Industrie/_pv/_ p/200038/_t/ft/_b/1274028/default.aspx/insiderverdacht-gegen -hunderte-eads-manager.html

(15) EADS : Des notes compromettants ? TF1/LCI, 30 mai 2007
http://tf1.lci.fr/infos/economie/entreprises/0,,3461062,00-e ads-notes-compromettantes-.html

(16) NoĂ«l Forgeard rend les Allemands responsables des problèmes d´Airbus. mw/sll, AP, LaTribune.fr, 31 mai 2007
http://www.latribune.fr/info/Noel-Forgeard-rend-les-Allemand s-responsables-des-problemes-d-Airbus-209-~-AP-AVIATION-EADS-FORGEARD-$Db=News/News.nsf-$Channel=Economie-$SubChannel=France

(17) Les rĂ©seaux de NoĂ«l Forgeard. L´Expansion, 26 dĂ©cembre 2005
http://www.lexpansion.com/art/134.0.138421.0.html

(18) Daimler bleibt stur. Von Dietmar H. Lamparter und Michael Mönninger. Die Zeit Nr. 51, 9. Dezember 2004
http://www.zeit.de/2004/51/EADS?page=all

(19) Fallstudien. Nicht bestandener "Elch-Test" der A-Klasse von Daimler-Benz im Herbst 1997. Von Prof. Dr. Armin Töpfer. Krisennavigator
http://www.krisennavigator.de/mafa4-d.htm

(20) DĂ©lit d´initiĂ©s. EADS : Lagardère entendu neuf heures par l´AMF. NouvelObs.com, 30 mai 2007
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/economie/20070529. OBS9171/eads__lagardere_entenduneuf_heures_par_lamf.html?idf x=RSS_notr



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