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"Israel soll leben" - und was daraus geworden ist

Am 22. und am 25. Juni 2007 bekommen die sehr geehrten Damen und Herren der Redaktion des Spiegel von mir, betreffend den Leitartikel "Israel soll leben" des Herausgebers Rudolf Augstein, vom 12. Juni 1967, eine Anfrage, die zweite habe ich auf Grund der Aktualität mit dem Zeichen für hohe Priorität versehen:

Wäre es möglich, daß Sie diesen Kommentar Ihres früheren Herausgebers Rudolf Augstein online stellen? Er erschien im Spiegel Nr. 25/1967, auf der Seite 3. Wenn nicht, würden sie es mir gestatten, diesen Kommentar, so wie er ist, mit Punkt und Komma, als "Plume du Paon", als Fremde Feder, mit Quellenangabe auf meiner Site zu veröffentlichen? Freundliche Grüße nach Hamburg!

Der mir vorliegende Leitartikel nimmt Zweidrittel der Seite ein; er vermittelt dem Leser Kenntnisse und Meinungen des Rudolf Augstein über den Sechstagekrieg Israels gegen seine Nachbarn. Ich würde ihn samt Quellenangabe sogar abtippen, wenn der Spiegel im Internet keinen Platz fände für die Worte seines einst omnipotenten Herausgebers. Ohne Genehmigung aber ist das nicht möglich; denn die Rechtsabteilung der mächtigen Wochenzeitschrift geht gnadenlos und unter Androhung strafrechtlicher Maßnahmen vor gegen ihr nicht genehme Blogger, die es wagen, unautorisiert Spiegel-Material zu veröffentlichen.

Spiegel TV und die GIMF Terroristen

Das bekommt der Betreiber der Site OutcutTV zu spüren. Er benutzt einen Video-Beitrag des Spiegel TV über die deutschsprachige Propagandaseite globale islamische medien-front GIMF der Terrororganisation Al-Qaida, nimmt die wesentlichen Passagen des Berichtes, bereitet die Bilder auf, so daß Details, besonders der Interviewumgebung zu erkennen sind, setzt sie auf Youtube und bittet seine Leser um Mithilfe bei der Identifizierung der im Video auftretenden extremistischen Terroristen. (1)

Daran aber ist dem Spiegel nicht gelegen; denn "Die Verwendung unseres Beitrags in Ihrem Video Blog erfolgt überdies in einem Zusammenhang, den wir keinesfalls akzeptieren können und von dessen Inhalten wir uns ausdrücklich distanzieren!" schreibt die Rechtsabteilung dem verduzten Autor, der bei Youtube weitere Beiträge von Spiegel TV entdeckt; sie sind dort unbeanstandet zu sehen. (2)

Mit "überdies" kann OutcutTV wenig anfangen: Nur das Wörtchen "überdies" weckt Zweifel. Vielleicht ist es ja nur die Art der Verwendung, die die eilige Wahrnehmung der Urheberrechte auslöste? Er meint, es ist der Nachrichten- und Meinungspolitik des Spiegel geschuldet: Auch wir lesen den Spiegel und wissen, wie dort über Israel, die USA, deutsche Soldaten in Afghanistan und andere berichtet wird, die sich dem islamischen Terrorismus entgegenstellen. (3)

Am 12. März 2007 veröffentlicht der Spiegel einen Artikel über die GIMF und über Vermutungen von Sicherheitsexperten, daß die Betreiber nicht nur Propagandamaterial verbreiten, sondern mit Anschlägen drohen. Wie inzwischen bekannt ist, kann bei uns nach einem Urteil höchster Gerichte jeder seine positive Meinung zu islamischen Terrorgruppen äußern und für sie werben, Fahnen der Terrorgruppe Hezbollah und Porträts ihres Führers Hassan Nasrallah dürfen bei Demonstrationen ebenfalls mitgeführt werden. (4)

Gestattet scheint ferner, daß ein Team von Spiegel TV den GIMF Terroristen portraitierte, sich mit ihm, vermutlich in dessen Unterschlupf, traf und unter Herstellung einer technisch eher unprofessionellen Anonymität dem Terroristen seine Sendezeit zu Verfügung stellte, um Propaganda für die Hasseite zu betreiben. Wenn also jemand sachdienliche Hinweise zur Identifizierung des Bürschleins geben kann, ist er am Tisch der Spiegelredaktion zu finden, meint OutcutTV zur Scheinheiligkeit des Yassin Musharbash und seiner Auftraggeber. (5)

Heutzutage betreibt der Spiegel , wie man am Fall der GIMF sieht, Werbung für Terroristen-Websites, er droht mit dem Gericht, und er verbiegt Texte, wie auch beim Interview mit Tom Segev zu sehen ist, dessen Äußerungen nicht kritisch hinterfragt und in der Überschrift verfälscht wiedergegeben werden. Mit dem Leitartikel ihres einstigen Herausgebers kann die Redaktion nicht mehr viel im Sinn haben. Unbeschadet von dessen nationalistischer oder sonstiger linksrechten Einstellung, die einem nicht gefallen mag, konfrontiert er die Leser mit einer geballten Ladung von Fakten und Ansichten, die gar nicht ins heutige Spiegel-Profil passen. (6)

Rudolf Augstein zur Lage im Nahen Osten

  • Die Araber zahlen 1948 für ein jahrhundertealtes Sündenregister, das nicht von ihnen, sondern von europäischen Nationen bestritten worden ist.
  • Kein souveräner Staat, weder in Europa noch in Amerika, hätte den Juden freiwillig ein Gebiet von der Größe Israels abgetreten.
  • Die Situation im Kehraus des Kolonialismus macht die Gründung Israels möglich.
  • Unerläßliche Sicherungen für den jungen Staat liefern die Schutzmächte nicht.
  • Der Staat Israel ist eine Tatsache, die Israelis haben ihn durch eigene Tüchtigkeit und mit Hilfe von außen geschaffen;
  • Juden sind nicht so wie der Antisemitismus sie sehen wollte.
  • Israel gibt ein Beispiel, wie die Hilfsquellen der Menschheit zum Nutzen aller erschlossen werden können.
  • Dieser jüdische Staat hatte von je nur das Existenzminimum. Man kann ihm nichts wegnehmen, ohne ihn zu ruinieren.
  • Israel, so klein es ist, hat genug Land, auf Erobertes wird es verzichten, wenn man seine Grenzen anerkennt.
  • Die arabischen Gegner wollten Israel nicht ein Stück Land wegnehmen, sondern sie hatten es auf seine Existenz abgesehen.
  • Israel darf nicht weiter in Angst vor einem Überfall leben müssen. Hier hört alle Nicht-Einmischung und Neutralität auf.
  • Keine Entwicklungshilfe sollen Staaten erhalten, die Israel die Existenz bestreiten, und die überschießende Energie haben, Kriege anzuzetteln.
  • Das Lavieren der deutschen Politik zwischen Israel und den arabischen Staaten muß nun ein Ende haben, seit klar ist, daß sie Israel erdrosseln wollen.
  • Freundschaft mit Deutschland soll sich mit Vernichtung Israels nicht länger vereinbaren.
  • Der Einwand, daß Ägypter, Syrer und Iraker deshalb die DDR vollgültig anerkennen könnten, gilt nicht, sie tun´s demnächst ohnehin.
  • Diese Entscheidung, die wir nur jetzt und später nicht mehr treffen können, gäbe uns Deutschen Selbstrespekt und Handlungsfreiheit.
  • Israel, der David unter den Völkern, soll leben!

Wie bekannt, gehen die arabischen Regierungen auf Friedensangebote Israels, vom 19. Juni 1967, nicht ein. Israel bietet die Rückgabe des Sinai an Ägypten und der Golan-Höhen an Syrien. Im September 1967 erklärt die Arabische Liga in Khartum: "Kein Frieden mit Israel, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit ihm." Noch Jahre nach dem Sechstagekrieg werden keine israelischen Siedlungen in Gaza und dem Westjordanland angelegt, bis 1972 ziehen nur ungefähr 800 Siedler ins Westjordanland.

Studium je nach Laune der Soldaten

Mit diesem Artikel des Florian Grosser zeigt der Spiegel zum wiederholten Mal seine Entfernung vom kritischen Journalismus, von sachlicher Berichterstattung, Welten trennen ihn vom zitierten Leitartikel des Rudolf Augstein.

Das Studium könnte so friedlich sein an der Universität von Birzeit, wenn es nicht die Laune der israelischen Soldaten gäbe. Die Universität liegt in Palästina, auch für diesen Spiegel-Autor gibt es den Staat bereits. Nur vereinzelt machen Studenten, die der Hamas zugeneigt sind, ihrem Unmut über die veränderten Machtverhältnisse in der Westbank Luft und hängen nachts Plakate auf dem Campus auf. Die Israelis strafen Studenten für ihre Neigungen und für Werbung, die sie dafür machen. Darf man wissen, was auf diesen Plakaten steht?

Es kann sich nur um Absicht handeln, wenn Florian Grosser die Ursache, den Terror, und die Folge, die Straßenkontrollposten der israelischen Armee, verwechselt und insbesondere verschweigt, daß die besagte Birzeit Universität, einige Kilometer von Jerusalem entfernt, sich nach 1967 als erste arabische Uni "Palästinas" gerade unter israelischer Militärverwaltung aus einem College entwickelt. Daran ändert auch die kryptische Beschreibung auf der Website der Universität nichts: After the 1967 June war, when the West Bank and Gaza fell under Israeli military occupation, the College saw the pressing need for developing into a full fledged university. Diese Notwendigkeit wird von der israelischen Militärverwaltung mit der Errichtung der ersten Universität beantwortet. Zu Zeiten der Besatzung Gazas durch Ägypten und des Westjordanlandes durch Jordanien gibt es dort keine Universitäten. (7)

Unter israelischer Militärverwaltung folgen ein Dutzend weiterer Universitätsgründungen. Die Studentinnen und Studenten entwicklen sich prächtig; sie gehen ihren Neigungen nach und werben dafür. (8)

Die im April 2005 gewählten Birzeit-Studentenvertreter gehören fast alle den terroristischen Gruppen Fatah und Hamas an. (9)

Martyr Yasser Arafat [Fatah] 1947 Stimmen 23 Sitze
Islamic Loyalists [Hamas] 1853 Stimmen 22 Sitze
Islamic Group [Islamic Jihad] 132 Stimmen 1 Sitz
United Students´ Pole [leftist] 265 Stimmen 3 Sitze
Students´ Platform [independent] 151 Stimmen 2 Sitze

Bei den Studentenwahlen vom April 2007 ist die Stimmenverteilung so: (10)

Martyr Yasser Arafat [Fatah] 21 Sitze
Wafaa´ Bloc [Hamas] 22 Sitze
Islamic Group [Islamic Jihad] 2 Sitze
Student Democratic 6 Sitze
Progressive Coalition

Da wundert sich die Studentin in dunkler Sonnenbrille, daß man nicht sicher sein konnte, ob man es tatsächlich ins Seminar schafft oder am Checkpoint wieder nach Hause geschickt wird, und Florian Grosser, immer unterwegs in Sachen Weltpolitik des Nahen und Mittleren Ostens, wundert sich mit ihr über das tägliche Glücksspiel. Hat doch die israelische Armee nach Beginn der Intifada II einen Checkpoint auf halbem Wege zwischen Ramallah und dem Dorf Birzeit eingerichtet und ärgert damit die friedlichen Studenten. Nach wie vor ist die Gegend regelmäßiges Ziel nächtlicher Einfälle von israelischen Soldaten. Jerusalem und Tel Aviv sind nicht weit entfernt, doch der Gaststudent kann sie nur aus der Ferne, vom grünen Hügel über Birzeit aus bewundern - wenn während der hohen jüdischen Feiertage wie Purim oder Pessach die Westbank komplett abgeriegelt wird.

Die Infamie der israelischen Soldaten kennt keine Grenzen, sie fallen des Nachts in die Gegend ein, nach Laune, und an hohen jüdischen Feiertagen läuft gar nichts, dann werden die friedlichen Studenten abgeriegelt vom religiösen Treiben, wobei der Autor davon auszugehen scheint, daß der Spiegel-Leser noch nie vom Yom Kippur-Krieg gehört hat.

Die Laune der die Checkpoints bewachenden Soldaten könnte sich auch nach den Aktivitäten der Birzeit-Studenten richten; die sind in den letzten Jahren unter anderem so: (11)

  • Mahmud Shuraytakh: Vorsitzender von Al-Kutlah Al-Islamiyyah (Hamas) und des Studentenrates an der Birzeit Universität. Plante einen Selbstmordanschlag auf einen Bus in Tel Aviv, am 19. September 2002, bei dem sechs Israelis ermordet und 71 verwundet wurden.
  • Ihab Abdul-Qadir Mahmud Abu Salim: Student der arabischen Sprache und Mitglied von Al-Kutlah Al-Islamiyyah (Hamas) an der Birzeit Universität. Beging in Zerifin, am 9. September 2003, ein Suizidattentat, bei dem acht Israelis ermordet und etwa 20 verletzt wurden.
  • Daya Muhammad Hussein Al-Tawil: Student der Ingenieurwissenschaft an der Birzeit Universität und Mitglied von Al-Kutlah Al-Islamiyyah (Hamas). Beging an der French Hill Kreuzung in Jerusalem, am 27. März 2001, ein Suizidattentat, bei dem 29 Israelis verletzt wurden.
  • Ramiz Ubaid: Student und Mitglied von Al-Jama´ah Al-Islamiyyah (Islamic Jihad) an der Birzeit Universität. Beging am Dizengoff Zentrum in Tel Aviv, am 3. März 1996, ein Selbstmordattentat, bei dem 13 Israelis ermordet und 118 verletzt wurden.

Florian Grosser aber berichtet nichts von alldem, und die Restriktionen des Islams für die Frauen stellt er dar als erhebliche Widerstände aus der patriarchalisch strukturierten Gesellschaft. Er zitiert die in den USA ausgebildete Basima Khoury: "Unsere Männer müssen langsam begreifen, dass wir keine feministische Revolution planen, nur weil wir Frauen über ihre Rechte und Möglichkeiten informieren." Es kommt ihm nicht in den Sinn, daß genau diese Ansprüche revolutionär sind, weil die Information über Rechte und Möglichkeiten der Frauen heißt, daß in diesem Studiengang Gender and Development soeben die ehernen Gesetze des Koran ausgehebelt werden. Das bedeutet eine Entmachtung der Männer, der Stellvertreter Allahs auf Erden. (12)

Das Studentenleben in Birzeit ist in der Tat alles andere als normal. Aus Deutschland gibt es einen Gaststudenten, der die Launen israelischer Soldaten an den Checkpoints entdecken und die vielen Cafés in Ramallah besuchen kann. Wie ist es mit Frauen, können sie spontan eines der Cafés betreten, vielleicht sogar allein? Und wenn ja, kommen sie heil wieder heraus?

27. Juni 2007

Quellen

(1) globale islamische medien-front GIMF
http://gimf1.wordpress.com/

(2) Wer kennt die Extremisten? gw, OutcutTV, 5. Februar 2007
http://www.outcut.tv/2007/02/wer_kennt_die_extremisten.php

(3) Wenn Sie sehen, dass Sie nichts sehen ..., gw, OutcutTV, 10. Februar 2007
http://www.outcut.tv/2007/02/wenn_sie_sehen_dass_sie_nichts_ 1.php

(4) Verbot von Symbolen der Hizbollah und von Bildern ihres Generalsekretärs bei Demonstration gegen Libanonkrieg war rechtswidrig (Nr. 7/2007). Senatsverwaltung für Justiz, Pressemitteilung Nr. 7/2007 vom 21.03.2007
http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/vg/presse/archiv/20 070321.1605.74879.html

Experten untersuchen Terror-Video auf deutsche Herkunft. Von Yassin Musharbash, SpiegelOnline, 12. März 2007
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,471235,00.h tml

(5) Nur noch dreist: Der Spiegel. gw, OutcutTV, 13. März 2007
http://www.outcut.tv/2007/03/nur_noch_dreist_der_spiegel.php

(6) "Israel soll leben". 10. Juni 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-06-10_18-58-52.html

Vor dem Liebesentzug. Von Claudio Casula, Spirit of Entebbe, 6. Juni 2007
http://spiritofentebbe.blogspot.com/2007/06/vor-dem-liebesen tzug.html

(7) Birzeit University History - Narrative
http://www.birzeit.edu/p/ps?url=about/history1&id=50207

University History - Chronological
http://www.birzeit.edu/p/ps?url=about/history2&id=50208

(8) Palestine-Net: Education and Research in Palestine
http://www.palestine-net.com/education/

(9) A Democratic Tradition Continues: BZU Student Elections. April 12, 2005
http://www.birzeit.edu/news/news-d?news_id=101270

Birzeit University Students Council Elections: Fatah got 23 seats; Hamas got
22 seats. Jerusalem Media&Communication Center, April 13, 2005
http://www.jmcc.org/new/05/apr/birzeit.htm

Beirzeit University: Student Elections and Institute of Women´s Studies, Harrison Healy, Palestine Pal, April 28, 2006
http://palestinepal.blogspot.com/2006/04/beirzeit-university -student-elections.html#links

(10) A Difference of One Seat between Wafaa´ Bloc and Arafat´s Bloc in the Student Council Elections at Birzeit University, April 5, 2007
http://www.birzeit.edu/news/news-d?news_id=232595

(11) World Bank Funds Linked to Suicide Terror. By Jim Hauser, Talon News,
April 2, 2004
http://why-war.com/news/2004/04/02/worldban.html

(12) Uni in Palästina. Studium je nach Laune der Soldaten. Von Florian Grosser, SpiegelOnline, 26. Juni 2007
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,480294,00.ht ml



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