
Die Maisausreißer feiern den 14. Juli
Damit die Faucheurs volontaires nicht aus der Übung kommen beim vergnüglichen Maisausreißen, machen sie in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli damit weiter; sie begehen den französischen Nationalfeiertag. Diesmal ist ein Feld zwischen Trèbes und Villedubert dran, etwa zehn Kilometer entfernt von Carcassonne. Der Online-Präsenz der Lokalzeitung Midi Libre ist das einen Aufmacher wert: Die Maisproduzenten des Département de l´Aude, unseres Nachbardepartments, haben die Nase voll, sie werden im Stich gelassen vom französischen Staatsapparat, vom Präfekten und vom Staatsanwalt, von all den doppelt und dreifach die Unordnung Frankreichs verwaltenden Behörden, die unfähig oder nicht willens sind, die republikanische Ordnung zu gewährleisten. Wenn die staatlichen Stellen nicht in der Lage seien, die öffentliche Ordnung zu garantieren, würden die Produzenten und ihre Organisationen demnächst sich selbst schützen, untätig und mit hängenden Armen bliebe niemand, sondern man nehme das Heft selbst in die Hand, schreibt Vincent Boillot im Midi Libre.
Mich wundert es schon lange, wie geduldig sich Bauern und Saatguthersteller über viele Jahre das Wüten der selbsternannten Retter der Menschheit vor genverändertem Mais gefallen lassen; wie sie Klagen einreichen, die meist ins Nichts führen, den verhinderten Konfiszierer der Sojakuchen und verurteilten Maisausreißer José Bové als Präsidentschaftskandidaten wiederfinden, und wie sie sich letztens mit drei Traktoren abmühen, die unter den Blicken von Polizei und Medien agierenden freiwilligen Schnitter aufzuhalten, die sich nichts aus alledem machen, sondern in Ruhe picknicken. Als sie damit fertig sind, zieht die Polizei im Konvoi ab, und der staatliche Fernsehsender France 3 beliefert seine Kollegen vom ebenso staatlichen France 2 mit Fotos vom Einsatzort. Staatliche Organisationen und Medien machen sich zu Komplizen der Maisausreißer. (1)
Auch diesmal sagen Zeugen, die am späten Abend des Freitag auf dem Weg vom jährlichen Feuerwerk zu Ehren des 14 juillet nach Hause sind, daß die Polizei zwischen Villedubert und Trèbes anwesend ist und untätig bleibt, während die freiwilligen Schnitter eine Fläche von 15 Hektar teilweise "neutralisieren", weil MON810 den Boden vergifte. Ihre Kollegen, die in Fauga ein Feld plattmachen, fordern den Stop des Anbaus, weil sie dessen Gefahren besonders für die Bienenzucht denunzieren. Der Produzent hat 16 Hektar genveränderten Mais eingesät und ihn mit vier Hektar unbehandelten Mais umgeben. Der Midi Libre moniert, daß die Fläche nicht in den tabellarischen Daten, vom 4. Juli 2007, aufgeführt sei, obgleich aller Anbau von genveränderten Pflanzen spätestens zwei Wochen nach deren Aussaat gemeldet werden muß. Dies habe der Produzent getan, sagt der, aber die zuständige Stelle des Landwirtschaftsministeriums im Département de l´Aude habe das nicht an das Nationale Register für genveränderte Pflanzen gemeldet. (2)
Vincent Boillot schreibt, daß die Commission du génie biomoléculaire (CGB), bestehend aus Wissenschaftlern und Vertretern der Zivilgesellschaft, von Greenpeace angerufen worden sei, en juin dernier, cette autorité de tutelle, saisie par Greenpeace, daß aber die beigebrachten "wissenschaftlichen Daten" dieser dem Anbau von genveränderten Pflanzen ablehnend gegenüberstehenden Organisation keine Argumente lieferten, die im Hinblick auf die Umwelt ein Moratorium des von der EU gestatteten Anbaus des MON810 rechtfertigten.
Auf den Sites AgoraVox und le journal développement durable (um nur zwei zu nennen), die der Gentechnik kritisch bis ablehnend gegenüberstehen, wird allerdings nicht Greenpeace, sondern es werden zwei französische Ministerien, das für Umwelt und das für Landwirtschaft, als Frage- und Antragsteller betreffend MON810 angegeben. Diese richten sich an die CGB auf Grund einer Studie von Greenpeace, die behauptet, der MON810 sei giftig, er verseuche den Boden. (3)
Auch andere kritische Sites berichten so. Die Expertise sei im Mai 2007 von den beiden Ministerien angefordert worden. Die CGB habe am 14. Juni 2007 entschieden, daß es für den Anbau von MON810 kein Moratorium gebe. Die CGB schätze MON810 für andere Kulturen und für Tiere als ungefährlich ein. Obgleich der Mais in Deutschland verboten sei, werde er in Frankreich weiter angebaut und als Tierfutter verkauft. (4)
Der Journalist gibt durch seine Berichterstattung vor, daß die Untersuchung durch Greenpeace beantragt worden ist, stattdessen handelt es sich um eine Aktion der französischen Regierung auf eine Studie von Greenpeace hin.
Die Entscheidung der CGB ändert nichts an der Ansicht der Faucheurs volontaires, und auch der Journalist Vincent Boillot verhehlt nicht seine Sympathie mit den Maisausreißern. Ein schönes Foto des verwüsteten Maisfeldes kann sowohl in der Zeitung als auch auf der Site bewundert werden. (5)
Grundsätzlich wird die CGB für jeden einzelnen Fall von beantragtem Anbau genveränderter Pflanzen durch die zuständigen Behörden eingeschaltet. Präsident der Kommission ist Marc Fellous, Professor für Genetik an der Universität Paris VII. Aber wie auch in anderen Fällen zu beobachten, können Tatsachen keiner Wahrheit etwas anhaben. Wenn die Faucheurs volontaires meinen, das Feld müsse "neutralisiert" werden, dann wird´s angepackt. Der Kampf gehe weiter, drohen sie. Hingewiesen wird von Greenpeace auf Oesterreich und Griechenland, wo es ein Moratorium für genveränderten Mais gebe. (6)
Anti-Amerikanismus und Israelfeindschaft
Wenn man noch ein wenig im Internet sucht, kommt man auf den ewig gleichen Kern der Aktionen, um welchen linken Protest auch immer es sich handeln mag: auf Anti-Amerikanismus und Israelfeindschaft.
Am 18. Februar 2004 berichtet ATTAC Deutschland, direkt neben dem Spendenaufruf für ihre wertvolle Arbeit, über den Druck, dem die EU seitens der USA und der WTO standhält, um das Moratorium für genveränderte Pflanzen aufrecht zu erhalten: Österreich, Luxemburg, Griechenland, Italien und Dänemark haben den Vorstoß der EU-Kommission gestoppt, den gentechnisch veränderten Mais NK 603 des US-Konzerns Monsanto für die Verarbeitung in Futtermitteln zuzulassen. Deutschland enthielt sich der Stimme, so dass die nötige Mehrheit nicht zu Stande kam. (7)
An diesem Beispiel kann man einmal mehr sehen, wie linke Nationalisten unbewußt oder absichtlich protektionistisch wirken. Der Markt wird abgeschottet. Die USA, führend in der Gentechnik, drängen mit ihren Produkten auf den europäischen Markt, und die Globalisierungsgegner dienen ihren nationalen Industrien, dies zu verhindern oder wenigstens zu verlangsamen. Auf der Sommeruniversität 2005 des Mouvement Républicain et Citoyen des Nationalisten Jean-Pierre Chevènement erlebt man diesbezüglich wahre Delirien. (8)
Die US-Landwirte behaupteten, durch das Moratorium der EU jährliche Einbußen von 300 Millionen Dollar zu erleiden. Sie beziehen sich vor allem auf Maisimporte. Nun gilt dieses Moratorium in Frankreich nicht mehr, französische Landwirte wollen für die Nachfrage produzieren, aber die freiwilligen Schnitter haben etwas dagegen. Man könnte meinen, die amerikanischen Bauern bezahlten sie; denn denen kommt die Zerstörung zugute, der Mais wird nämlich dann von dort eingeführt. (9)
Schaden nimmt die französische Gesellschaft, die immer wieder erleben muß, daß der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetzt. Die Polizisten werden zu lächerlichen Figuren, die nicht ihrer Aufgabe nachkommen, wahrscheinlich, weil sie den Befehl haben, untätig zu bleiben. Wer befiehlt solches? Was kann von einer Polizei, die 100 Maisausreißer gewähren läßt, erwartet werden, wenn sie sich einer Mehrzahl von fanatischen Muslimen gegenüber sieht, die Allahou Akhbar kreischend sengend und plündernd durch die Städte zieht? Solches ist hier in Perpignan, im Centre du monde, kurz vor der spanischen Grenze, geschehen, wobei Geschäfte zerschlagen und ein Hotelier erstochen worden sind. (10)
Die Maisausreißer und andere selbsternannte Retter der Menschheit demonstrieren das ganze Elend der verkommenen Linken. Spaß auf den Feldern durch Ausleben von Zerstörungswut, diese bemäntelt durch die angeblich gute Absicht, die Menschheit zu retten. Andererseits absolute Ignoranz, ja sogar offene Feindschaft, wenn es darum geht, die grundlegenden republikanischen Werte zu verteidigen. Das kann jeder ausgiebig am Fall des Robert Redeker studieren, für den kein Faucheur volontaire, kein Trotzkist, kein Globalisierungsgegner eintritt. (11)
Auf der kommunistischen Bellaciao wird er in 72 Beiträgen mit Dreck beworfen, der Kommunist Mouloud Aounit, vom MRAP, will, bevor er sich´s anders überlegt, gegen den Philosophen und Lehrer seines Figaro-Artikels wegen klagen, obgleich die intimidations, Einschüchterungen (sic!), zu verurteilen seien. Es handelt sich bei diesen intimidations um mehrere handfeste Morddrohungen, die aber Robert Redeker selbst zu verantworten hat, was der MRAP-Präsident bereits in der Überschrift seiner Deklaration klarstellt: Wenn die Provokation das Inakzeptable hervorruft. Le canard enchaîné, die angeblich linke Satirezeitung, die keine einzige der Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, geifert gegen Robert Redeker, der Islamologe Olivier Roy meint, diejenigen, die Spaß daran hätten, absichtlich eine fatwa auf sich zu ziehen, müßten sich jetzt nicht wundern über die Reaktionen, die ihre Provokationen hervorriefen. (12)
Von der kritiklosen Unterstützung palästinensischer Terrorgruppen, den "Freiheitskämpfern" ist da noch gar nicht die Rede. Man google nur die im Schaf-Artikel vom 8. Juli zitierte Christine Thelen gemeinsam mit Palestine und man kommt zu linken Sites, auf denen ihr Kampf gegen die genveränderten Pflanzen und der heroische Kampf der Palästinenser dokumentiert sind.
Ein Beispiel ist die Site La Gauche Verte ! Dort findet man einen Artikel über die Maisausreißer von Fauga, und am linken Rande ist die Site Palestine Solidarité verlinkt, ihrerseits mit einschlägigen Verweisen, sowie ein Artikel von John Pilger: Palestine : une nation entière prisonnière d´Israël, Palästina: eine ganze Nation Gefangene von Israel. (13)
Ein weiteres Beispiel ist die Site Rebellyon.info. Neben einem Artikel über die Faucheurs volontaires und ihre guten Taten des Jahres 2006, steht einer über Gaza. Info vom Juni 2007: Gaza massakriert, verlassen! Der Text beginnt so: Actuellement Gaza c´est une cage où sont prisonniers à l´intérieur 1,4 million d´hommes, de femmes et d´enfants qui se font tirer dessus par les Israéliens. Zur Zeit ist Gaza ein Käfig, worin sich als Gefangene 1,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder befinden, die von den Israelis beschossen werden.
So beginnt der Text über den Juni 2007, Avraham Burg und Alvaro Soto, von den Vereinten Nationen, gibt´s gratis dazu.
Für die Hamas ist der wahre palästinensische Widerstand mit der islamischen Bewegung geboren, heißt es unter dem 21. Juni. Wir sind keine Extremisten, wir respektieren die Demokratie, den Pluralismus, steht unter dem 23. Juni. (14)
Maisausreißer sind Freunde des biologischen Anbaus und der palästinensischen Terroristen. Die französischen Behörden lassen sie gewähren.
17. Juli 2007
Quellen
(1) Die Maisausreißer und die symbolische Änderung der Politik durch Nicolas Sarkozy. Schaf. 8. Juli 2007
http://www.eussner.net/schaf_2007-07-08_21-55-59.html
(2) Site interministérielle sur les OGM. Gouvernement français
http://www.ogm.gouv.fr/
(3) Maïs transgénique MON810 : pas de moratoire. AgoraVox, 15 juin 2007
http://www.agoravox.fr/article.php3?id_article=25864
OGM : Pas d´entraves pour le MON 810, le journal développement durable
http://www.developpementdurablelejournal.fr/spip.php?article 578
(4) OGM : nouvel épisode dans la guerre des études. Par A.C.Husson-Traore. Novethic. Le media en ligne du développement durable, 17 juin 2007
http://www.novethic.fr/
(5) Le "ras-le-bol" des producteurs de maïs audois. Par Vincent Boillot. Midi Libre, 17 juillet 2007
http://www.midilibre.com/actuv2/article.php?num=1184608999
(6) Commission du génie biomoléculaire (CGB). Site interministérielle sur les OGM. Gouvernement français
http://www.ogm.gouv.fr/experimentations/evaluation_scientifi que/cgb/CGB.htm
(7) EU verteidigt Gentechnik-Moratorium gegen Druck von WTO und USA. ATTAC, 18. Februar 2004
http://www.attac.de/aktuell/presse/presse_ausgabe.php?id=290
(8) Die Sommeruniversität des Mouvement Républicain et Citoyen und anderer politischer Gruppen ... 29. August 2005
http://www.eussner.net/schaf_2005-08-29_02-17-20.html
(9) Gentechnik-Streit: WTO gibt USA Recht. Von Brigitte Zarzer, Telepolis,
11. Februar 2006
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22016/1.html
(10) Der Bahnhof von Perpignan: das kosmische Zentrum der Welt.
Le Roussillon insolite, 12 juin 2007
http://www.eussner.net/roussillon_2007-06-12_20-48-24.html
(11) "Plume du Paon" - Robert Redeker: Flüchtling im eigenen Land. 28. Juni 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-06-28_17-41-09.html
(12) Robert Redecker (sic!) : quant la provocation génère l´inacceptable. Déclaration de Mouloud Aounit, MRAP, 29 septembre 2006
http://www.mrap.fr/communiques/redecker
Bellaciao: 72 pages en français provenant de bellaciao.org pour robert redeker
http://bellaciao.org/fr/recherche.php
Conférence de soutien à Robert Redeker à Paris organisée par la LICRA
http://vigilance-laique.over-blog.com/article-4575550.html
(13) Opération anti-OGM près de Toulouse.
La Gauche Verte ! 8 juillet 2007
http://lgvsite.canalblog.com/archives/2007/07/08/index.html
Palestine Solidarité
http://www.palestine-solidarite.org/index.htm
Palestine : une nation entière prisonnière d´Israël. Par John Pilger. La Gauche Verte ! 21 juin 2007
http://lgvsite.canalblog.com/archives/2007/06/21/5368847.htm l
(14) Des Faucheurs Volontaires polluent des champs OGM avec des semences bio, rebellyon.info, 5 juin 2006
http://rebellyon.info/article2328.html
Info Palestine de Juin : Gaza massacrée, abandonnée ! rebellyon.info, 7 juillet 2007
http://rebellyon.info/article4004.html
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