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José Bové bestimmt die Richtlinien der französischen Politik

Es ist nicht zufällig, daß Linksradikale sich gut mit palästinensischen Terrororganisationen verstehen, sie zu Freiheitskämpfern deklarieren und mit ihnen gegen Okkupanten und Imperialisten vorgehen. Beide wähnen sich allzeit im Recht, ihre Ideologie ist die absolute Wahrheit, die mit allen Mitteln durchzusetzen ist. Tatsachen können diesen Kämpfern nichts anhaben, darüber setzen sie sich souverän hinweg; wenn die Gesellschaft das nicht akzeptieren will, so brauchen sie Drohungen und, wenn die nicht helfen, Gewalt. Sie berufen sich dabei auf ein legitimes Recht, Widerstand zu leisten. Gern wird dabei auf die Zeit des Dritten Reiches und auf Vichy verwiesen, da ein solcher Widerstand ausblieb, was von der Jugend der Nachkriegszeit massiv kritisiert wird: wo warst du, Vater?

Die Öffentlichkeitsarbeit der heute selbst zu Vätern und Großvätern gewordenen Linksradikalen ist allzeit auf der Höhe der Anforderungen, durchaus zu vergleichen mit der des Dominique Strauss-Kahn, der gegenwärtig durch die Welt zieht, um sich als geeigneter Präsident des Weltwährungsfonds (IMF) vorzustellen. (1)

Strategie und Taktik der Faucheurs volontaires, der freiwilligen Schnitter, werden am Wochenende des 21./22. Juli 2007 auf ihrer Jahresversammlung in Riec-sur-Belon hinter verschlossenen Türen festgelegt, ihre zukünftigen Aktionen gegen das "fait accompli" der Regierung. Die Öffentlichkeitsarbeit funktioniert ohne die Einschaltung von teueren PR-Firmen; denn die französischen Medien verbreiten die frohe Botschaft kostenlos im Hexagon: Die absolute Wahrheit der Schädlichkeit genveränderter Pflanzen, Mais, Soja ist, wenn nicht anders möglich, gewaltsam durchzusetzen. Das hat sich die Regierung selbst zuzuschreiben. (2)

Wer von den Faucheurs volontaires die Wahlkampfversprechungen des Nicolas Sarkozy gefürchtet haben mag, der in allen Politikbereichen "la rupture" ankündigt, kann sich beruhigt zurücklehnen und seine zukünftigen Maisausreißereien planen. Gegen solche gefährlichen Aktivitäten schreibt Robert Redeker auf einem anderen Gebiet an, dem der mittels Einschüchterung betriebenen gewaltsamen Islamisierung. Auch da herrschen selbsternannte, durch nichts legitimierte "Autoritäten" jenseits von Demokratie und Recht, schüchtern ein, drohen mit Gewalt und verüben sie bei Ungehorsam und mangelnder Unterwerfung der in die Pflicht genommenen Bürger und Institutionen: Ganz anders die Gefahren, die von einem nicht-staatlichen Gebilde oder einer "Autorität" ausgehen. Sie arbeiten gern mit dem weniger greifbaren Instrument der Einschüchterung, der Gewaltandrohung, und gegen sie hat Robert Redeker angeschrieben, heißt es im Editorial der Gazette. (3)

Während Robert Redeker die Gefahren hautnah spürt, mehrere Morddrohungen erhält, seit September 2006 um sein Leben fürchten muß und ohne polizeilichen Schutz keinen Schritt tun kann, läuft´s im Fall der Faucheurs volontaires subtiler ab. Sie bedienen sich mehr einer Version à la Tariq Ramadan: was ihm da´wa, die friedliche Islamisierung, das ist den Schnittern die freundliche Drohung mit weiterer Zerstörung von Feldern, auf denen genveränderter Mais angebaut wird.

Was will man von einer Regierung erwarten, die nicht einmal mit solchen Drohungen fertig wird? Oder muß man annehmen, daß die Öffnung der Regierungspolitik nicht nur einvernehmlich mit den besten Experten des Parti Socialiste (PS), sondern auch mittels Nötigung durch die Linksradikalen um José Bové vorgesehen ist, nach dem Motto: in unsere Reihen wird aufgenommen derjenige, den wir wünschen, und derjenige, der das selbst bestimmt?

Die Staatssekretärin im Umweltministerium Nathalie Kosciusko-Morizet jedenfalls empfängt den zu vier Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilten José Bové am 31. Juli 2007 im Einzelgespräch und als Anführer einer Delegation der Faucheurs volontaires, ihr Chef, der Umweltminister Jean-Louis Borloo telefoniert mit ihm ausführlich. Gleichzeitig macht man ihm ein Angebot (sic!) zur Modifizierung seiner Strafe, was die Justizministerin Rachida Dati sicherlich freuen wird, die in ihrer eigenen Familie zwei Brüder hat, die auf Grund von Drogendelikten mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind und nun behandelt werden wie jeder andere straffällig gewordene Bürger auch. Sie sollte ihnen empfehlen, sich in führender Position den Maisausreißern anzuschließen, dann kämen sie vielleicht in den Genuß von Strafmilderung oder gar Erlaß der Strafe. (4)

José Bové, im Vollbesitz der Wahrheit, weist die unsittlichen Regierungsangebote zurück mit dem Argument, Strafmilderung sei dazu da, daß der Delinquent sich besser wieder in die Gesellschaft eingliedern könne, woran er keinen Bedarf habe. Wozu auch? Diese Gesellschaft duldet ihn nicht nur, sondern weite Kreise spenden ihm Beifall. Die ihm vorgeschlagene Modifizierung der Strafe sei eine politische Entscheidung, womit er recht hat. Er sagt der Regierungsvertreterin damit, daß er nicht daran denkt, dem herrschenden Recht gemäß zu leben, und er und seine Delegation detaillieren gleich an Ort und Stelle, im Ministerium, wie man es sich vorzustellen hat: weitere Zerstörungen von Maisfeldern werden vorgesehen. (5)

Der Midi Libre berichtet, daß die Staatssekretärin selbst eher zurückhaltend gegenüber dem Anbau genveränderten Mais sei. Da ist tatsächlich eine Öffnung der Regierungspolitik hin zu José Bové einvernehmlich möglich. Nun bin ich auf die Kommentare des Generalsekretärs der Regierungspartei UMP Patrick Devedjian gespannt, der eine Verlängerung der Öffnungspolitik zu den Kommunalwahlen, im März 2008, vorschlägt. José Bové auf der Liste der UMP des Nicolas Sarkozy für einen Wahlbezirk in der Gegend von Toulouse, der bevorzugten Maisausreißergegend. Der Bauernführer könnte für die UMP an dem Moratorium mitwirken. Patrik Devedjian sollte das sofort ankündigen, möglichst noch vor Freitag, dann ist auch der Grenelle de l´environnement gesichert, die Diskussionsrunde zum Thema OGM, im Oktober 2007, und einige Vereinigungen müßten ihre Drohungen nicht wahr machen und auf eine Mitwirkung verzichten; sie bräuchten dann keine Gewalttaten zu planen und durchzuführen, sie und die Regierung würden viel Arbeit und viel Geld sparen; man denke nur an die ausrückenden Konvois von Polizisten, die als Statisten und Komparsen mitwirken, an die Korrespondenten und Fotografen der regionalen und überegionalen Medien! (6)

Bislang steht´s schlecht für die Regierung; denn José Bové fordert öffentlich, im Angesicht der Staatsekretärin, ein präventives Ausreißen von Maispflanzen auf den Experimentierfeldern. Welche Konsequenzen ein Nichtbefolgen dieser Aufforderung für die Regierung hat, dürfte jedem klar sein. Auch die Frage, wo der in 2007 von den knapp 20 000 Hektar geerntete Mais gelagert wird, kann die Regierung dem José Bové nicht beantworten und muß deshalb mit Maßnahmen seinerseits rechnen. Die Faucheurs volontaires beklagen außerdem, daß sie von der Regierung nicht über die Orte des Anbaus genveränderter Pflanzen informiert werden. Es ist für sie zu umständlich, die tabellarischen Daten auf der Site der Regierung auszuwerten, selbst wenn ihnen Greenpeace dabei hilft und umgehend eine Karte Frankreichs mit den eingezeichneten Stellen anfertigt. Diese Arbeit sollte zukünftig von der Regierung geliefert werden.

Wenn also bis zum Wochenende keine klaren Äußerungen gegen den Anbau von genverändertem Mais von der Regierung kommen, droht das nicht-staatliche Gebilde, genannt Faucheurs volontaires, zur Tat zu schreiten, berichtet Le Figaro. (7)

Es mag interessant sein zu sehen, wie José Bové in Frankreich wahrgenommen wird. Auf Lobofakes findet sich ein schönes Bild des kämpferischen Larzac-Bauern, dessen Eltern angesehene Agrarwissenschaftler am staatlichen Institut National de la Recherche Agronomique (INRA), dem Nationalinstitut für landwirtschaftliche Forschung waren. Eine deutsche Zusammenfassung der Sendung von Canal+ über den Revoluzzer, der Bauer spielt, findet man in meinem Artikel Das Querfrontprojekt ATTAC, vom 12. Januar 2003, im Bereich der Anmerkung 40. (8)

Das durch selbsternannte Vertreter des religiösen Rechts gefällte Todesurteil über Robert Redeker samt den Folgen für ihn wie die Anmaßung zur Zerstörung von Maisfeldern durch demokratisch nicht legitimierte Gruppen entspringen dem gleichen über Gesetz und Recht erhabenen Totalitarismus. Aus ihm folgen organisierter Mord im einen und die Vernichtung fremden Eigentums im anderen Falle. Eine Regierung, die beides nicht zu verhindern oder zu beenden in der Lage ist, die dieses sogar rechtfertigt oder duldet, eine Regierung deren Mitglieder öffentlich Verständnis dafür äußern, verdient ihren Namen nicht.

1. August 2007

Quellen

(1) Strauss.Kahn en campagne tambour battant pour le FMI. Par Jean-Pierrre Robin. Le Figaro Économie, 1 août 2007, page 17
http://www.lefigaro.fr/economie/20070801.FIG000000039_straus s_kahn_en_campagne_tambour_battant_pour_le_fmi.html

(2) José Bové: alles ist jederzeit möglich. 23. Juli 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-07-23_20-45-34.html

(3) Editorial. Von Fritz Glunk, Die Gazette Nr. 14, Sommer 2007
http://www.gazette.de/Archiv2/Gazette14/Editorial.html

(4) le site de Nathalie Kosciusko-Morizet N. K-M
http://www.n-k-m.com/

(5) OGM. Epine scientifique et judiciaire pour la ministre. Midi Libre, 1 août 2007, page 2

(6) Patrick Devedjian : "La politique d´ouverture sera prolongée à l´occasion des élections municipales". Propos recueillis par Patrick Roger, Le Monde,
31 juillet 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3224,36-940593@51- 912203,0.html

(7) Les militants anti-OGM menacent le gouvernement de leurs actions. Par Claude Belmont et Magali Lambert, Le Figaro, 1 août 2007, page 7

(8) José Bové. Lobofakes
http://www.lobofakes.com/fakes/bove_rage_against_les_OGM_lob o_lobofakes.jpg

Eric Lehnich: José Bové, enquête de personnalité, Canal+, octobre 2002. Démontage médiatique d´un mythe médiatiquement (pré)fabriqué, par Maria Ierardi, Novembre 2002. Veröffentlicht von Action-Critique- Médias (Acrimed),
9. Dezember 2002
http://www.acrimed.org/article832.html

Das Querfrontprojekt ATTAC. 12. Januar 2003 (José Bové nach Anmerkung 38)
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-17_21-12-35.html

Weitere Artikel zu dem Astérix-Verschnitt José Bové

Die Maisausreißer feiern den 14. Juli. 17. Juli 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-07-17_23-42-07.html

Der Asterix-Verschnitt José Bové und die Sojakuchen. Schaf, 28. Januar 2005
http://www.eussner.net/schaf_2005-01-28_00-32-46.html

Das Sonntagsvergnügen des Bauern José Bové und der linksradikalen Politclowns. Schaf, 18. September 2004
http://www.eussner.net/schaf_2004-09-18_22-52-20.html

Freiwillige Schnitter und "Phinéas" in Frankreich im Einsatz. Schaf, 17. August 2004
http://www.eussner.net/schaf_2004-08-17_17-24-18.html

Freiwillige Schnitter und unfreiwillig verprügelte Lyoner Juden im französischen Sommer - Was das Schaf am 3. August 2004 zu blöken hatte ...
http://www.eussner.net/schaf_2004-09-27_12-01-48.html

ATTAC - At-Taqiya - Attacke. 24. November 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-22-23.html


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