
Mohammed Sifaoui: Der aufgeklärte Islam hat das Wort
Kaum freut man sich, daß David Harnasch auf der Achse des Guten den 45 Minuten dauernden Arte-Film von Fabrice Gardel und Antoine Vitkine über Mohammed Sifaoui empfiehlt und den Film auf seinem Blog für diejenigen bereitstellt, die keine Gelegenheit haben, ihn am 28. oder 29. August 2007 auf Arte zu sehen, schon geht der Ärger los. (1)
Der mit Unterstützung von Charlie Hebdo und der Libération entstandene Film über den aufgeklärten Islam zum Thema Diese Muslime, die dem Islamismus eine Absage erteilen kann nicht zu eitel Freude gedeihen, und daran ist nicht etwa der fürs alltägliche Leben, Morden und Sterben unter den Schlägen des fundamentalistischen Islams irrelevante Streit darüber schuld, ob der Islam überhaupt aufgeklärt sein kann, ob er etwas anderes hervorbringen kann als Knechtschaft, Terror und Krieg, oder ob er im Falle der Aufklärung aufhört zu existieren, gewissermaßen verdampft und die brauchbaren Reste sich dahin verflüchtigen, von wo sie entlehnt sind, zum Juden- und Christentum, sondern es sind einige Aussagen im Film und vor allem über den Film und einige seiner Protagonisten und Komparsen, die einen auf den Boden der Tatsachen zurückholen: die Wirklichkeit kann einem ins Auge springen und dennoch gibt es gebildete Leute, die sie nicht wahrhaben wollen. (2)
Daniel Leconte
Erst einmal ist es erfreulich, daß Daniel Leconte die Sendung über einen mutigen Journalisten präsentiert, über den Muslim Mohammed Sifaoui, der unter Polizeischutz im Pariser Exil leben muß, und der sich dennoch in Wort und Tat einsetzt gegen den fundamentalistischen Islam, seine Funktionäre und Terroristen. Ich habe über ihn im Zusammenhang mit den dänischen Mohammed-Karikaturen und ihrem Nachdruck durch Charlie Hebdo sowie mit Robert Redeker berichtet und ihn ausführlich zitiert. (3)
Daniel Leconte kennen meine Leser im Zusammenhang mit dem Pallywoodfilm über Mohammed al-Dura. Er schreibt gemeinsam mit seinem Kollegen Denis Jeambar im Figaro, am 25. Januar 2005, den Artikel über die Sichtung des Bildmaterials der angeblichen Ermordung des Palästinenserjungen. Die französischen Medien schweigen sich bis heute darüber aus. (4)
Libération
Daß die Libération einmal auf der richtigen Seite steht und sich für Mohammed Sifaoui stark macht, ist ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen. Schon im Prozeß der islamischen Fundamentalisten von der Union des organisations islamiques en France (UOIF), der Vereinigung der islamischen Organisationen in Frankreich, und der von Jacques Chirac tatkräftig unter anderem durch seinen persönlichen Anwalt Francis Szpiner unterstützten Moschee von Paris gegen Charlie Hebdo des Nachdrucks der Mohammed-Karikaturen wegen ist das zu beobachten. Die Libération berichtet über die Szene, in der Mohammed Sifaoui vor Gericht die saudische Fahne entrollt, um zu zeigen, daß darauf wie auf der am meisten inkriminierten Karikatur des Mohammed mit Bombenturban die Verbindung von Glauben und Schwert dokumentiert ist; im Arte-Film ist die Szene zu sehen. (5)
Jean-Baptiste Rivoire
Etwa 39 Minuten sind in dem Film Fakten aus Leben und Arbeit des Mohammed Sifaoui sowie des fundamentalistischen Islams und Äußerungen einiger seiner empörten Funktionäre zu sehen und zu hören, da kommt Antoine Vitkine auf Pariser Journalisten zu sprechen, die sich als erbitterte Gegner des Mohammed Sifaoui profilieren. Einer von ihnen ist Jean-Baptiste Rivoire, ein Journalist von Canal+ und France 2, der ihm in einer Sendung, vom 12. Dezember 2005, unterstellt, daß er für den algerischen Geheimdienst arbeite: "gewisse algerische Journalisten" heißt das, bevor er auf ihn kommt und sich (nicht etwa den Beschuldigten!) einiges fragt: er gebe sich als Journalist aus, aber seine Arbeit hier geht in eine bestimmte Richtung. Und ich frage mich (!): Was ist seine wahre Identität. Der ehemalige Mitarbeiter des algerischen Militärgeheimdienstes Hichem Aboud veröffentlicht einen Artikel Jean-Baptiste Rivoire ridiculisé, lächerlich gemacht, und auf agirpouralgerie.com liest man Hichem Aboud fait condamner Canal + pour le documentaire " attentats de Paris 1995 ", Canal+ wird gerichtlich belangt und verurteilt für eine wahrheitswidrige Dokumentation, vom November 2002, des Jean-Baptiste Rivoire über die Attentate von Paris, 1995. (6)
Die journalistische Arbeit des Jean-Baptiste Rivoire blendet die Verantwortung der islamischen Fundamentalisten der Bewaffneten islamischen Gruppen (GIA) aus, diese seien ab 1994 vom algerischen Geheimdienst geführt worden. Die muslimischen Terroristen spricht er von jeder Schuld frei, obgleich sie sich zu ihren Attentaten bekennen. Bemerkenswert ist es, daß er trotz der Verurteilung von Canal+ seiner Sendung wegen bei seiner Ansicht bleibt und nun Mohammed Sifaoui ins Visier nimmt. Wie man auch an der mehrfachen Einladung des Tariq Ramadan in die staatlichen Fernsehanstalten Frankreichs sieht, kommen solche Journalisten der Arabienpolitik des Jacques Chirac sehr gelegen, ihnen gehört das Forum, jedenfalls bis April 2007.
Vincent Geisser
Um das Maß vollzumachen, interviewt Antoine Vitkine den Wissenschaftler am CNRS Vincent Geisser, meinen Lesern bekannt als Autor und Interviewpartner auf der salafistischen Site Omma.com, auf deren Suchfunktion es 167 Angebote zu Vincent Geisser gibt, sowie durch Vortragsreisen mit Tariq Ramadan und Mauloud Aounit zum Kampf gegen die Islamophobie. Dieser Freund der Salafisten streut Gerüchte, Hinweise, die er von Leuten auf Konsulats- und Botschaftsebene habe, ehemalige hochrangige algerische Beamte, deren Identität ich natürlich nicht preisgeben kann, sie haben sich ja unter der Voraussetzung der Vertraulichkeit geäußert, aber beweisen könne er das alles nicht: als Wissenschaftler ist es nicht mein Beruf, Gerüchte zu verbreiten. Es beweist allerdings, was sich im CNRS so alles herumtreibt. (7)
Alain Gresh
Wo es gilt, gegen Kritiker des fundamentalistischen Islam aufzutreten, ist der Redakteur des Monde diplomatique (Diplo) Alain Gresh nicht fern. Die Nouvelles d´Orient, ein Blog des Diplo, bietet das Forum zum Veriß des Arte-Films und seines Protagonisten Mohammed Sifaoui. Die 113 Kommentare (Stand: 31. August 2007, 17:03) sind wie der Artikel lesenswert. Alain Gresh ist meinen Lesern aus mehreren Artikeln bekannt als 1948 geborener Sohn einer russischen Jüdin und militanten Kommunistin und des anti-zionistischen Juden Henri Curiel und als Freund des Tariq Ramadan, mit dem gemeinsam er ein Buch schreibt. Alain Gresh läßt nichts anbrennen, was der anti-imperialistischen Sache helfen könnte. Der Arte-Film gehört, anders als der Diplo, nicht zu den hilfreichen Instrumenten. Alain Gresh macht sich lustig darüber, daß Mohammed Sifaoui behaupte, es sei ein Risiko, über die Tabus des Islams zu schreiben, er werde doch in zahlreiche Talkshows eingeladen, seine Bücher und Dokumentationen würden veröffentlicht, sie seien derartig "dissident", daß sie regelmäßig von der Presse gerühmt würden. Dann macht er sich über Antoine Vitkine her, der sei ein französischer Neokonservativer des Cercle d´Oratoire, eines nach dem 11. September 2001 gegründeten Think Tanks - ein solcher Néo-réac, wie die Cons in Frankreich heißen, in Arte, man stelle es sich vor! (8)
Zu diesem Kreis gehören André Glucksman (sic!), Pascal Bruckner und Romain Goupil, solide Unterstützer der Intervention der USA im Irak, wie auch Jacques Tarnero, Pierre-André Taguieff und Stephane Courtois, kurz, alle, von denen unsereine viel hält. Mehr Namen hat Wikipédia, L´Encyclopédie libre, die freie Enzyklopädie, zusammengetragen. Das bürge für "Objektivität" des Filmes und des Porträts, das von Mohammed Sifaoui gezeichnet werde. Der Film behaupte (!), der "unabhängige Journalist" sei in Algerien dem Tode entronnen, Alain Gresh beschuldigt Mohammed Sifaoui, er unterhalte Beziehungen zu algerischen Generälen. Es folgen die schon von Vincent Geisser vorgebrachten Gerüchte. Ein Link zur Site bakchich.info soll den francophonen Lesern Auskunft geben, wer Mohammed Sifaoui wirklich ist: Die Kreuzzüge des Sifaoui. Um dem Porträt noch mehr Farbe zu geben, läßt Alain Gresh uns einen lustigen Auszug aus seinem bei Hachette 2005 wieder aufgelegten Buches L´Islam, la République et le monde, genießen, wobei es sich versteht, daß seine Informationen der Wahrheit entsprechen: Mohammed Sifaoui - Tintin im Kongo. (9)
Das auf BellaCiao verlinkte Gegeifere über Mohammed Sifaoui und den Arte-Film erspare ich den Lesern. Wayne´s interessiert: 226 Angebote gibt´s in der Suchfunktion von BellaCiao.org für Sifaoui, die ersten davon über den Arte-Film, fast alle von Alain Gresh. Mohamed und Mohammed, "Name ist Schall und Rauch, vernebelnd Himmelsglut".
Wer sich ein Urteil bilden will, der klicke auf den Link zu David Harnasch. Die Dreiviertelstunde ist gut verbracht.
31. August 2007
Quellen
(1) Mohammed Sifaoui. Published by senordaffy, David Harnasch,
August 31st, 2007
http://www.senordaffy.de/?p=996
(2) Der aufgeklärte Islam hat das Wort. Videos. Ausschnitte aus dem Themenabend, arte.tv, 28./29. August 2007
http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/1665004.html
(3) Plume du Paon - Die "in Dänemark zu hassenden Leute", von Mohamed Sifaoui. 13. September 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-09-13_19-03-44.html
Großveranstaltung zur Unterstützung von Robert Redeker: für Gesetz, republikanisches Recht und Meinungsfreiheit. 10. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-10_14-40-01.html
(4) Qui a tué le jeune Palestinien de Netzarim, le 30 septembre 2000 ? Le Figaro, 25 janvier 2005. Debriefing.org
http://www.debriefing.org/0176.html
Der Fernsehkanal France 2 als aktiver Kämpfer der Al-Aqsa Intifada.
10. Februar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-02-10_01-52-36.html
(5) Du procès de «Charlie» à celui de l´intégrisme. Par Christophe Boltanski, Didier Arnaud, Renaud Lecadre, Libération, 9 février 2007
http://www.liberation.fr/actualite/societe/234112.FR.php
Arabie saoudite : drapeau et hymne. Encarta
http://tinyurl.com/26ceeu
(6) Jean-Baptiste Rivoire ridiculisé. Par Hichem Aboud
http://www.agirpourlalgerie.com/rivoire.htm
Hichem Aboud fait condamner Canal + pour le documentaire " attentats
de Paris 1995 "
http://www.agirpourlalgerie.com/canalplus.htm
(7) Der Salafist Tariq Ramadan: "verunglimpft wie ein muslimischer Jude". Darin: Tariq Ramadan, seine Freunde und die Konvertiten. 15. November 2005
(nach Anmerkung 27)
http://www.eussner.net/artikel_2005-11-15_23-54-57.html
(8) Cercle d´Oratoire. Wikipédia
http://fr.wikipedia.org/wiki/Cercle_de_l´Oratoire
(9) Après avoir infiltré Al-Qaida, Sifaoui infiltre Arte. Par Alain Gresh, Nouvelles d´Orient. Carnets du Diplo
http://tinyurl.com/34ovb5
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