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Mahmud Ahmadinejad triumphiert in der Columbia Universität

Allen denjenigen, die selbst heute noch nicht begreifen, welche Dummheit Lee Bollinger, der Präsident der Columbia-Universität, begangen hat, als er den iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmedinejad hat in den Räumen der Universität reden lassen, widme ich den Artikel über Harold D. Lasswell und seine Formel. (1)

Die Dummheit wird nicht geringer durch seine einleitende Schmährede; denn gemäß Lasswellscher Formel des werwaswowem? wird die Wirkung nicht allein durch das "wer und was" bestimmt, sondern auch durch das "wo und wem". Lee Bollinger hätte sonstwas an Anwürfen gegen den Iraner vorbringen können, je stärker, desto mehr wären sie als Bumerang auf ihn gekommen - oder was heißt es, jemanden zu sich einzuladen und ihn dann zu beschimpfen, noch ehe der Gast auch nur ein Wort sagen kann: "Sie sind ein kleiner grausamer Diktator." Das ist keine Super-Rede, das ist hinterfotzig. Das renitente Kind ist nicht Mahmud Ahmadinejad, sondern der Universitätspräsident; der ist autistisch und kann nicht hören noch begreifen, daß man diesem iranischen Präsidenten kein Forum gibt. Es ist Lee Bollinger, der pinkelt, nicht in den Pool, sondern den Iraner an. Die Rede ist auf YouTube dokumentiert, daneben gibt es Links zur Rede des iranischen Präsidenten, in sieben Teilen. (2)

Die Rede und viele weitere Informationen zum Aufenthalt des iranischen Präsidenten in New York findet man auch bei CBS 2 HD. (3)

Wie sieht der Iran den Auftritt?

Dazu gibt es als Tip von little green footballs den Link zur Islamic Republic News Agency IRNA, die von den Unverantwortlichen der New Yorker Universität mit Propagandamaterial versorgt worden ist bis zum Abwinken: IRI President addresses students at Colombia University. Man beachte die weiteren Beiträge auf der Site der IRNA: USA-Bashing satt. (4)

Er beginnt mit einem Zitat in arabisch: "Oh, God, hasten the arrival of Imam al-Mahdi and grant him good health and victory and make us his followers and those to attest to his rightfulness." Oh, Allah (im IRNA-Text steht "Gott"!) beschleunige die Ankunft des Imam al-Mahdi und gib ihm gute Gesundheit und Sieg, und mach´ uns zu seinen Gefolgsleuten und zu solchen, die seine Gerechtigkeit bezeugen. Die IRNA behauptet fälschlich, das Zitat stamme aus dem Koran. Selbst der Volksbrockhaus für Eilige im Internet weiß aber, daß der Mahdi nicht im Koran vorkommt. (5)

Nach diesem Vers sagt der Präsident den versammelten etwa 600 Studenten und Lehrern der Columbia Universität nichts Neues mehr, sondern er bringt Variationen zu dem Zitat. Es beinhaltet das eschatologische Motiv des Islams, den Haß auf die Juden und auf Israel als dajjal, als Betrüger. Weder al-dajjal noch der Mahdi, der Rechtgeleitete, werden im Koran erwähnt, sie sind in den Hadithen geschildert. Jesus und der Mahdi werden den Dajjal und al-Dabbah bekämpfen und über ihn siegen. Der Dajjal, oder "Der Betrüger", ist nach islamischen Lehren einer von fünf Hauptakteuren der Endzeit und die Hauptverkörperung des Bösen. Im Lager der Gegner Allahs werden mit ihm die habgierigen Horden von Yajuj und Majuj, Gog und Magog, wie auch al-Dabbah sein, das "Biest", schreibt Timothy R. Furnish.

Das ist die Lehre, die Mahmud Ahmadinejad dem Auditorium in der Columbia Universität verkündet. Wen es interessiert, mehr über den Mahdi-Glauben zu erfahren, dem sei die Site von Timothy R. Furnish empfohlen: Welcome to MahdiWatch.org! Der Betreiber, Assistenzprofessor für Geschichte am Georgia Perimeter College, ist promoviert in islamischer Geschichte und Autor des Buches Holiest Wars: Islamic Mahdis, Their Jihads and Osama bin Laden. Im Irak ist er tätig gewesen als Dolmetscher und Vernehmungsoffizier der 101st Airborne Division. (6)

Mahmud Ahmadinejad erteilt seinem renitenten Vorredner einen Verweis, und es ist tatsächlich so: im Iran wäre es umgekehrt nicht geschehen, daß der Gastgeber den Gast so beleidigt. Allerdings kann man davon ausgehen, daß an einen Lee Bollinger, von dem bekannt geworden wäre, was er von den iranischen Herrschern hält, keine Einladung ausgesprochen worden wäre. Hier setzt die Kritik an: warum gibt man diesem Präsidenten, der noch zwei Tage vorher auf einer Militärparade in Teheran Plakate zeigt mit der Aufschrift al-mout le esrael, Tod Israel!, und al-mout le emrika, Tod den USA!, verniedlicht auf dem Plakat in der englischen Übersetzung zu Down with Esrael und Down with USA, ein Forum der Propaganda?

Stattdessen dankt Lee Bollinger in seiner Eröffnungsrede dem Geschichtsprofessor Richard W. Bulliet, und jagt ihn nicht mit Schimpf zum Büro hinaus, als dieser den Wunsch des iranischen Präsidenten vorträgt, in der Columbia Universität zu reden. Ein Blick auf den akademischen Werdegang dieses Vermittlers reicht aus zu verstehen, mit wem man es bei Richard W. Bulliet, vom Middle East Institute, zu tun hat. Über sein letztes Werk The Case for Islamo-Christian Civilization wird auf der Web Site der Universität ein Auszug der Rezension aus dem International Journal of Middle East Studies, von Juan Cole, Professor der University of Michigan zitiert. Roger Kint nennt Juan Cole auf dem Bad Blog einen obskuren Burschen, und das nicht von ungefähr, sondern, weil dieser die berüchtigte Teheraner Holocaust-Konferenz als nicht-antisemitisch beschreibt, die Worte "Israel von der Landkarte zu tilgen", wären dort nie vom Präsidenten gesprochen worden, weil es die Formulierung im Persischen nicht gebe:

So fällt es auch auf, dass die nicht nachvollziehbare Leugnung des Charakters von Ahmadinejads Konferenz immer von den selben Leuten betrieben wird. Einer der meistzitierten in diesem Zusammenhang ist ein obskurer Bursche namens Juan Cole. Mahmud Ahmadinejad bestätigt auf der Holocaust-Konferenz die Worte des Ayatollahs Ruhollah Khomeini: "Israel hat den bewaffneten Kampf gegen die islamischen Staaten aufgenommen und seine Ausradierung (sic!) ist eine Notwendigkeit für alle islamischen Regierungen und Staaten". Das persische Zitat ist auf dem Bad Blog zu lesen. (7)

Juan Cole ist derjenige, der von Daniel Pipes behauptet er habe "zärtliche Visionen von zusammengetriebenen und in Konzentrationslager gesteckten muslimischen Amerikanern". (8)

Juan Cole also lobt besonders, daß Richard W. Bulliet in seinem Buch herausgearbeitet habe, daß moderne europäische und muslimische Geschichte und Zivilisation ineinander tief verwoben seien, und das die eine nicht ohne die andere zu verstehen sei. So gebe er eine entsprechende Herausforderung an Lehrer, Historiker und Politiker. Anders gesagt, soll die Geschichtsklitterung im Sinne von Propagandisten wie Tariq Ramadan in den Universitäten betrieben werden. (9)

Dieser Richard W. Bulliet initiiert und organisiert den Auftritt von Mahmud Ahmadinejad in der Columbia-Universität. Juan Cole stellt den Video-Mitschnitt eines Kommentars von Al-Jazeera auf seine Site; er bezeichnet die Propagandarede als lecture, Universitätslehrstunde.

Al-Jazeera bringt einen Ausschnitt aus der Rede des iranischen Präsidenten über die Palästinenser und ihren seit 60 Jahren, also seit der UNO-Resolution Nr. 181, vom 29. November 1947, andauernden Flüchtlingsstatus und den von großem Gelächter quittierten Spruch: In Iran we don´t have homosexuals like in your country. Die Antwort auf die Frage, ob er meine, Israel müsse von der Landkarte ausradiert werden, sei weniger klar gewesen, less clear, kommentiert Al-Jazeera. Im Anschluß an die Rede befragte Studenten meinen, der Präsident habe eine Menge bedenkenswerter issues aufgeworfen, Angelegenheiten, Probleme. Im Hintergrund sieht man Stoffetzen flattern, auf denen steht: NO WAR ON IRAN. (10)

66 Prozent der Leser von WCBSTV.com finden die Einladung noch heute richtig. Yes, what´s the big deal? 34 Prozent meinen: No, it´s ridiculous, und das, nachdem Mahmud Ahmadinejad während der Video-Schaltung zum US National Press Club Israel das Existenzrecht abgesprochen hat. (11)

Zwei Drittel sind gänzlich unbeeindruckt von solchen Worten, die es sogar bis auf die Seite 14 des Provinzblattes L´Indépendant schaffen:

As for Israel, President Ahmadinejad reiterated that Iran "will not recognize the Zionist regime as it was established based on occupation, racism and threats." Was Israel angeht, so wiederholte Präsident Ahmadinejad daß der Iran "das zionistische Regime nicht anerkennen wird, da es errichtet wurde auf Besatzung, Rassismus und Drohungen."

"Why those who work in media do not protest to the Zionist regime for killing people and displacing them?" asked the president. "Warum protestieren diejenigen, die in den Medien arbeiten, nicht dagegen, daß das zionistische Regime Menschen tötet und sie vertreibt?" fragte der Präsident. (12)

"Nous ne reconnaissons pas ce régime parce qu´il est basé sur l´occupation et le racisme. Il attaque constamment ses voisins."

Das sagt er dem in Washington ansässigen US National Press Club während eines Video-Lunch, NPC´s first-ever videoconference luncheon, am 24. September 2007, bevor er in die Columbia Universität geht und seine Propaganda dort fortsetzt. Club Präsident Jerry Zremski bezeichnet den Auftritt als "first real dialogue", den ersten wirklichen Dialog zwischen den in Washington akkreditierten Journalisten und dem iranischen Präsidenten. Von der Aberkennung des Existenzrechts Israels zwischen Hauptgang und Dessert berichtet der National Press Club nicht. (13)

Nun harren alle der Rede desjenigen, der die Nuklearwaffen entwickelt, um Israel zu beseitigen. Sie ist für den New Yorker Abend angesetzt. Da schlafen alle Deutschen sanft und selig - wie auch tagsüber. Für diejenigen, die nicht schlafen: Es lohnt, hin&wieder little green footballs für letzte Informationen über den Besuch des iranischen Präsidenten in New York aufzurufen, man kommt auf seine Kosten:

  • The View from Iran (siehe oben)
  • Ahmadinejad Meets With Muslim Leaders - Media Yawn (schade, daß Tariq Ramadan das nicht erleben darf)
  • Columbia´s Squalid Mistake (Bollinger im Clinch mit dem Unterstützer des weltweiten islamischen Terrors)
  • Associated Press Hits Bottom, Digs (die Mearsheimer/Walt "pro-Israel Lobby" eint Demokraten und Republikaner)

Vor der UNO erklärt der iranische Präsident zum Schluß seiner Rede, und es ist ihm damit bitterer Ernst, wie man bei Timothy R. Furnish lesen kann: (14)

Ohne Zweifel wird der Verheißene Imam und der Große Reformer und endgültige Retter und letzte Bote des Himmels kommen und zusammen mit allen Gottesanbetern, und denen, die Gerechtigkeit fordern und Menschenliebe praktizieren, eine strahlende Zukunft aufbauen und die Welt mit Gerechtigkeit und Schönem füllen. Dies ist die Gottes Verheißung und Gott hält sein Versprechen.

Kommen Sie und tragen Sie zur Verwirklichung solcher wunderbarer Zustände bei.

In der Hoffnung auf eine helle Zukunft der Menschheit und den Morgen der Befreiung, der Freiheit aller Menschen und Vernichtung aller Formen des Unrechts, der Abscheu und der Gewalt sowie der absoluten Herrschaft der Menschenliebe überall auf der Welt. Ich sehe, dass diese Zukunft nahe bevorsteht.

25. September 2007 - 29. September 2007

Quellen

(1) Kommunikation: werwaswowem? 14. Juni 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-06-14_19-54-58.html

(2) Columbia President Bollinger Introduces Mahmoud Ahmadenijad. YouTube, September 25, 2007
http://tinyurl.com/347lgb

"A petty and a cruel dictator". Henryk M. Broder dokumentiert und kommentiert die Rede Lee Bollingers auf der Achse des Guten, 25. September 2007
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/a_petty /

(3) Ahmadinejad In NYC: CBS 2 HD Full Coverage. Top News,
September 19-25, 2007
http://wcbstv.com/topstories/local_story_267093358.html

(4) The View from Iran, little green footballs, September 24, 2007
http://tinyurl.com/22w6g4

IRI President addresses students at Colombia University, IRNA, New York, September 25, 2007
http://www2.irna.ir/en/news/view/line-24/0709252616013529.ht m

(5) Mahdi. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Mahdi

(6) Timothy R. Furnish´s Web Site MahdiWatch.org
http://www.mahdiwatch.org/

(7) Realität ist, was Du daraus machst. Von Roger Kint, Bad Blog,
February 26, 2007
http://bad-blog.com/2007/02/26/realitat-ist-was-du-daraus-ma chst/

Was Bollinger Mean to Ahmadinejad? By Mona Charen, Townhall,
September 28, 2007
http://tinyurl.com/ywwzxe

(8) Eine islamistische Entschuldigung. Von Daniel Pipes, The New York Sun,
15. Juli 2005
http://de.danielpipes.org/article/2792

(9) Richard W. Bulliet
http://tinyurl.com/34fbch

Richard W. Bulliet: The Case for Islamo-Christian Civilization.
Columbia University Press 2004
http://www.columbia.edu/cu/cup/catalog/data/023112/023112796 0.HTM

Richard Bulliet. Recent Articles (1/31/2004-9/17/2007), agence global
http://www.agenceglobal.com/author.asp?type=2&id=2

(10) Ahmadinejad lectures at Columbia University, posted by Juan Cole, Informed Comment, September 25, 2007
http://www.juancole.com/2007/09/ahmadinejad-lectures-at-colu mbia.html

(11) Do you support Columbia University´s decision to let Ahmadinejad speak? WCBSTV.com
http://wcbstv.com/local/polls_poll_267122127

(12) Ahmadinejad urges Western media not to tell lies about Iran. IRNA, New York, US National Press Club September 25, 2007
http://www2.irna.ir/en/news/view/line-24/0709256378132749.ht m

(13) Iranian President Ahmadinejad Dialogues with the Club, September 24, 2007
http://blog.press.org/?p=424

(14) Ansprache des iranischen Staatspräsidenten vor der 62. UN-Vollversammlung, IRNA, 26. September 2007
http://tinyurl.com/ytlplx

Artikel im Archiv über Mahmud Ahmadinejad und den Iran

Mahmud Ahmadinejad - Anbruch eines neuen Morgens der islamischen Revolution. Schaf, 29. Oktober 2005
http://www.eussner.net/schaf_2005-10-29_02-30-04.html

Der Iran bedroht den Weltfrieden. 30. Oktober 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-10-30_19-00-02.html

Mahmud Ahmadinejad schreibt einen Brief an den "Führer der Weltarroganz".
12. Mai 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-05-12_22-59-55.html



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