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EADS: Vom Insider zum Outlaw

Fortsetzung des Artikels EADS Insidergeschäfte: 4 000 000 000 Euro einkassiert ... (1)

Der EADS droht in den USA eine Sammelklage des Verdachtes des Insiderhandels und der Fehlinformation der Märkte wegen. Die Anwälte von Kleinaktionären hoffen auf einen Schadenersatz in Milliardenhöhe, schreibt das Handelsblatt. Die US-Anwälte rechnen mit 10 Milliarden Euro. Kleinaktionäre aus Frankreich hätten ebenfalls Klage eingereicht. In Deutschland ermittle die Staatsanwaltschaft München.

Das nächste Rührstückchen liefert das staatliche Finanzinstitut Caisse des Dépots (CDC). Sie kauft angeblich ohne Kenntnis des aufsichtsführenden Ministers für Wirtschaft und Finanzen Thierry Breton per Termingeschäft 2,25 Prozent der EADS-Aktien für 32,6 Euro/Stück, zum Marktkurs von Ende März 2006, von Arnaud Lagardère zu einer Zeit, als Insidern der zu erwartende Kurssturz längst bekannt ist. Das bestreiten heute die Verkäufer und die Staatsbeamten, sie hätten vor dem 4. April 2006 nichts gewußt. Der 4. April 2006 ist das Datum, an dem der Staat sein Einverständnis zum Verkauf der Aktienpakete von Lagardère und Daimler gibt. Die französischen Steuerzahler verlieren nun Hunderte Millionen Euro. Die CDC habe eine erste Abschreibung von 125 Millionen Euro vorgenommen. (2)

In einer Befragung durch die Mitglieder des Finanzausschusses des Senats unter Vorsitz von Jean Arthuis, vom 5. Oktober 2007, erklärt Thierry Breton, das Verhalten des Staates in der Affäre sei irréprochable, mustergültig. Jean-Pierre Jouyet, zu der Zeit verantwortlicher Aufsichtsbeamter für Finanzen der französischen Regierung, behauptet, der Staat habe nichts gewußt von den Problemen des Airbus. Andererseits erklärt er, Bedenken geäußert zu haben, als Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère ihm im November 2005 mitgeteilt hätten, sie wollten Anteile an EADS verkaufen. Die beiden Äußerungen widersprechen einander.

Die Befragung wird direkt übertragen vom Sender Public Sénat, auf der Site des Figaro. (3)

Die CDC ist meinen Lesern keine Unbekannte. Diese staatliche Institution wird im nationalistischen Sinne tätig, wenn es beispielsweise im November 2003 darum geht, die Übernahme von 60 Prozent der Verlagsgruppe Editis durch Albin Michel finanziell abzusichern, damit eine für den Pluralismus in Frankreich so wichtige Gruppe sich nicht auflöse und in ausländische Hände gerate, um zu verhindern, daß amerikanische Rentenfonds oder gegenwärtig in den letzten Zügen liegende ausländische Verlage die Hand auf Editis legen. Auch in dieser Angelegenheit wird die CDC für die Lagardère-Gruppe tätig.

Der Verlag Albin Michel beweist mit seiner Produktionspolitik hinreichend Nationalbewußtsein. Dafür bürgt der Funktionär des Parti Socialiste (PS) Thierry Pfister, Politikredakteur von Le Monde und Nouvel Observateur: Gegen die USA, gegen die Juden und Israel, für die Palästinenser. Ihm verdankt Frankreich die anti-israelischen Lügengeschichten der Nima Zamar Je devais aussi tuer, Ich mußte auch töten. Das sind die Klienten der CDC.

Die Caisse des dépôts (CDC) ist eine der wichtigsten Anstalten des öffentlichen Rechts. Sie wird 1816 zum Schutz von Privateinlagen gegründet, für die ein hohes Maß an Absicherungen erforderlich ist. Inzwischen ist sie eine einflußreiche Finanzgruppe, deren Bilanzsumme bei 349 Millionen Euro liegt. Sie verwaltet im öffentlichen Interesse die Spargelder in Höhe von 209 Milliarden Euro und über ihre privatwirtschaftlich operierende Tochter CDC IXIS zusätzlich 300 Milliarden Euro für Investitionen und Finanzierungen. Es gibt zur Wahrnehmung marktwirtschaftlicher Aufgaben insgesamt drei wichtige Tochtergesellschaften. Der Aufsichtsrat der Gruppe ist zusammengesetzt aus Vertretern der Nationalversammlung, der Justiz, des Finanzministeriums und dem Direktor der Französischen Zentralbank. Dies ist der Stand vom April 2004, archiviert im Artikel Antisemitismus und Israelfeindschaft in Frankreich. In drei Jahren werden sich einige Daten quantitativ verändert haben, die Grundtendenz dürfte jedoch gleichgeblieben sein. (4)

Jetzt sind die Machenschaften der CDC Gegenstand der Untersuchungen des Finanzausschusses des Senats, dessen Berichterstatter Philippe Marini (UMP) dazu von Véronique Guillemard, Le Figaro, interviewt wird. (5)

EADS : "L´État ne pouvait ignorer le risque pris par la CDC", heißt die Überschrift des Interviews in der heutigen Ausgabe des Figaro, auf Seite 22 der Rubrik Entreprises. EADS: "Der Staat mußte wissen von den durch die CDC übernommenen Risiken." Sie wird geändert in Philippe Marini : "la Caisse des dépôts doit être réformée". Philippe Marini: "Die CDC muß geändert werden. Vielleicht soll sie nicht mehr ein Füllhorn für dem Staat politisch genehme Finanzierungen und ein Selbstbedienungsladen des Arnaud Lagardère bleiben?

Das Geld kommt vor allem aus den Spargeldern der Franzosen. (6)

Der Anwalt am Gerichtshof Philippe Marini spricht deutliche Worte. Er sei empört über das Verhalten der Aktienverkäufer, ob natürliche oder jurisitische Personen, die alle über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens Bescheid gewußt und deshalb ihre Anteile verkauft hätten, bevor die Nachricht am Markt bekannt geworden sei. Die Agence pour les participations de l´État (APE), die Institution zur Verwaltung der Staatsbeteiligungen, erkennt bereits im November 2005 eine erwartete Negativentwicklung der EADS-Aktie. Der durch einen Pakt mit den Gruppen Lagardère und Daimler verbundene französische Staat entscheidet auf Grund der strategischen Bedeutung von EADS, seine Stellung im Kapital des Konzerns zu halten. Gleichzeitig kauft die CDC von Arnaud Lagardère 2,5 Prozent der von ihm auf den Markt gebrachten 7,5 Prozent, die restlichen 5 Prozent kaufen andere Investoren. Der Staat gestattet diesen Kauf, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei EADS zu wahren. Augustin de Romanet, der Generaldirektor der CDC, gibt sich jetzt unwissend, er werde sich an den Untersuchungen der AMF beteiligen, aber die CDC setzt bereits mit Datum vom 30. Juni 2007 einen Betrag von 180,1 Millionen Euro zu, den Differenzbetrag zwischen dem Marktpreis vom März 2006 und heute.

Philippe Marini spricht ein vernichtendes Urteil über die CDC: Die Caisse des Dépots befindet sich in einer verworrenen Lage gegenüber dem Staat, wobei sie gleichzeitig im Innenbetrieb als absolute Monarchie funktioniert. Durch diese Konstruktion bleibe die Verantwortung für ihr Handeln beim Staat, auch wenn das nicht schriftlich festgelegt sei. Die APE, die zuständig sei für die Erstellung einer konsolidierten Bilanz des Staatshaushaltes habe keine Kontrolle über die Verwaltung des Staatsvermögens der CDC. (7)

Am 5. Oktober 2007 veröffentlicht die CDC eine Presseerklärung, in der sie ihre Rolle beim Kauf der 2,5 Prozent der Lagardère-Anteile an EADS darstellt. Im Januar 2006 sei sie kontaktiert worden, demnächst würden die Aktien auf dem Markt gehandelt.

Der Generaldirektor der CDC habe nach Instruktion der zuständigen Abteilungen der CDC Ende März 2006 die Entscheidung getroffen, 2,5 Prozent über ihre privatwirtschaftlich operierende Tochtergesellschaft CDC IXIS zum Festpreis von 32,6 Euro/Aktie zu kaufen. Die Fälligkeiten seien vorgesehen für Juni 2007, Juni 2008 und Juni 2009.

Auch die von Daimler auf den Markt gebrachten 7,5 Prozent seien zum Preis von 32,6 Euro/Aktie angeboten worden: Diese Verkäufe, 15 Prozent des EADS-Kapitals, sind abgewickelt worden auf der Grundlage eines identischen Marktpreises von 32,6 Euro/Aktie. Dieser Preis war zu dem Zeitpunkt niedriger als von zahlreichen Finanzanalysten geschätzt, er befand sich unterhalb der Börsenbewertung der Titel der Hauptkonkurrenten von EADS.

Wenn sich nun herausstellen sollte, wie der Vorbericht der Börsenaufsicht AMF bereits andeute, daß die Machenschaften der Lagardère-Gruppe der CDC als Aktionär der EADS hätten schaden können, würde sie sich der einzuleitenden juristischen Prozedur anschließen.

Die CDC sei als Langzeitinvestor neben anderen Investoren tätig geworden: Sie hat auf autonome Art gehandelt, und hat keine Anweisung der Staatsmacht erhalten.

Am 9. Oktober würden der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Philippe Auberger, der Generaldirektor der CDC Augustin de Romanet und der Finanz- und Strategiedirektor Dominique Marcel durch den Finanzausschuß der Nationalversammlung verhört. Am folgenden Tag würden der jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Michel Bouvard, Augustin de Romanet und Dominique Marcel sich vor dem Finanzausschuß des Senats im Rahmen ihrer jährlichen Anhörung über die Aktivitäten der CDC äußern. (8)

Die Mitteilung enthält keine Informationen, wer die CDC kontaktiert. Thierry Breton? Arnaud Lagardère? Jacques Chirac? Vom Verlust der 180,1 Millionen Euro beim ersten Zahltag, am 30. Juni 2007, steht nichts in der Mitteilung. Die CDC stellt sich dar als kluger Käufer, der gar die Aktien unter Wert erworben habe. Sie profiliert sich als Opfer, obgleich die Rolle als Mitangeklagte besser passen würde. Die CDC betont ihre Unabhängigkeit von Anweisungen der Staatsmacht, obgleich sie ihrer Struktur nach eine vom Staat zu kontrollierende Institution ist.

Und schon geht´s los: Lagarde gegen Lagardère

Die Wirtschaftsministerin Christine Lagarde räumt in Bercy auf. Bertrand Schneiter, der Generalinspekteur der Finanzen, wird die Rolle der Institution zur Verwaltung der Staatsbeteiligungen APE in der Zeit von Ende 2005 bis Juni 2006, gewisser Aktionäre und Manager, die Aktien verkaufen, sowie die Beziehungen zwischen den Abteilungen ihres Ministeriums und der CDC untersuchen, alles kommt unter den Hammer, und am 11. Oktober 2007 liefert Bertrand Schneiter darüber einen Bericht. Schluß mit der République bananière ! (9)

Affaire à suivre ...

5. Oktober 2007

Quellen

(1) EADS Insidergeschäfte: 4 000 000 000 Euro einkassiert. 4. Oktober 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-10-04_22-19-00.html

(2) Verdacht des Insider-Handels. EADS droht Sammelklage in den USA. Von Holger Alich, Handelsblatt, 5. Oktober 2007
http://tinyurl.com/3c78x3

(3) Thierry Breton défend le rôle de l´Etat dans l´affaire EADS. Par Dong. T -SDH., Le Figaro, 5 octobre 2007
http://tinyurl.com/ythfob

(4) Antisemitismus und Israelfeindschaft in Frankreich. Beispiele der letzten Zeit aus der Welt der Printmedien. 25. April 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-04-25_00-27-51.html

(5) Philippe Marini, Sénateur de l´Oise (Picardie)
http://senat.fr/senfic/marini_philippe92035t.html

(6) Caisse des Dépôts
http://www.caissedesdepots.fr/spip.php?page=sommaire

(7) Philippe Marini : "la Caisse des dépôts doit être réformée". Propos recueillis par Véronique Guillemard, Le Figaro, 5 octobre 2007
http://tinyurl.com/2ep3ky

(8) La Caisse des Dépôts précise les conditions d´achat de titres EADS. Communiqué de presse, 5 octobre 2007
http://tinyurl.com/39r9d4

(9) EADS : Lagarde ordonne une enquête interne à Bercy. Par V. F. avec AFP, Le Figaro, 5 octobre 2007
http://tinyurl.com/36yxad

Banana republic. Wikipedia
http://fr.wikipedia.org/wiki/Image:Banana_republic.svg


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