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Die bayerische Kultur - Ehrengast auf der Toledo Buchmesse 2007

Die Toledo Buchmesse findet große Aufmerksamkeit in den Medien und in der breiten Öffentlichkeit. Sie ist der Welt größte Ansammlung bedruckten Papiers zur Belehrung und zum Gaudi der Menschheit, neuerdings angereichert auch mit Internet-Literatur. (1)

Für unsere katalanischen Leser merken wir an, daß es sich beim Ausdruck Gaudi nicht um eine Anspielung auf Antoni Gaudí handelt, den Schöpfer des entsetzlichen Bauwerkes Segrada Familia, der Heiligen Familie, und anderer augenschädigender Bauwerke und Parks, sondern das Wort bedeutet Spaß, Ausgelassenheit in der Sprache des Landes, das sich noch immer Hoheitsrechte über Bayern anmaßt. (2)

2004 erlangt die Toledo Buchmesse eine überdurchschnittliche Berühmtheit, weil sie den salafistischen Muslimfunktionären Tariq Ramadan und Mohammed Said Ramadan al-Bouti sowie Abdullah Bin Saleh Al-Obaid, dem saudischen Finanzier von Wohlfahrtseinrichtungen zur Unterstützung des palästinensischen Freiheitskampfes, gemeinsam mit vielen spanischen und arabischen Freunden, darunter von der Fundación Atman, und der Arab Thought Foundation (ATF) ein Forum zur Islamisierung der Welt bietet. (3)

Toledo 2007: ¡Olé!

In diesem Jahr lädt die Toledo Buchmesse als Ehrengast eine Region ein, die in Deutschland als eine Großmacht gilt: die Hälfte der deutschen Bücher stammt aus Bayern, titelt TVE Española zur Eröffnung der Messe: Bayerische Literatur boomt - und das gleich zweifach. Erstens wächst das Interesse an Büchern in bayerischer Sprache, und zweitens ist München das Zentrum der deutschsprachigen Buchwelt. Der spanische Sender EITB bringt zur Darstellung der bayerischen Macht und Größe am Eröffnungstag der Buchmesse in seinen Nachrichten eine Landkarte, in der Hessen gleich mit zu Bayern geschlagen wird, so ergibt sich ein eindrucksvolleres Bild, obgleich man schon den Zipfel auf oesterreichischem Territorium zur Vergrößerung mit einbezogen hat. (4)

Die bayerischen Organisatoren, die vom Sender TVE Española bereits zum selbstständigen Staat erhoben werden, zum Gastland, schließlich ist eine Kultur nur umständlich einzuladen, bedingen sich im Juni 2007 aus, selbst zu bestimmen, welche Autoren und Künstler teilnehmen werden. Deutsch schreibende Autoren sind nicht dabei zum Thema: Bayerische Kultur, einzigartig und universell; denn die tun nur preißisch froaseln: (5)

Auf diesem Hintergrund ist die Wahl des bayerischen Kulturraums zum Gastland der Buchmesse zu verstehen. Bei der Pressekonferenz im Literaturhaus von Toledo, im Sommer 2007, begründete Buchmessen-Direktor Jorge Boga die Gastlandwahl mit einem Zitat des bayerischen Autors Gustav Stummel: "Die bayerische Kultur ist eine große Unbekannte. Das ist ungerecht und ungehörig."

Doch zur Buchmesse eingeladen sind nur Autoren, die bayerisch schreiben. Kaum bekannt gemacht, führte diese Entscheidung nicht nur in Deutschland, sondern auch in Bayern selbst zu heftigen Debatten. Auch bayerische Autoren waren und sind bis heute mit der Beschränkung auf bayerisch schreibende Autoren nicht einverstanden.

Einer der prominentesten bayerischen Komiker, Karl Valentin, lehnte die Einladung von vornherein dankend ab. Er wolle nicht an dem von ihm als nationalistisch bezeichneten Konzept teilhaben.

Jeder weiß, daß die Bayerische nationalistische Partei (Linke) in Deutschland mit in der Regierung des Josef Ludwig Roderich Schuster sitzt. Ihr Bestreben ist es seit Jahren, über die bereits bestehende Autonomie des Freistaates Bayern hinaus weitere Unabhängigkeit zu erlangen. Sie nimmt dabei auch keine Rücksicht auf die anders gelagerten Interessen der Bayern in Oesterreich, deren Nationalisten vertreten sind im Bayernblock. (6)

Johann Manuel Dreisägen & Knickast, der Minister für Kultur und Kommunikation Bayerns, gehört der Linkspartei des Franz-Josef Karotte an, national und sozialistisch. (7)

Die Leitung der Buchmesse Toledo kommt ihren selbstherrlichen bajuvarischen Partnern entgegen, in dem sie aus einem Füllhorn von bayerischen Fotos und Fotos bayerischer Fotografen für den Katalog das Kunstwerk des Johann Brunnendeckel aussucht, der sich in liebevoller Kleinarbeit die Mühe macht, aus zehntausenden Fotos von nationalsozialistischen Konzentrationslagern die Mauer der Israelis zum Schutz vor palästinensischen Terroristen zu kreieren. (8)

Verbrennen von Porträts des Bundespräsidenten

Die Toledo Buchmesse hat ein Herz für die bayerischen Unabhängigkeitskämpfer, es schlägt bei beiden links- bzw. national sozialistisch. Daran ändert auch nichts der Titel des französischen Figaro : Horst Köhler verteidigt die Demokratie in Deutschland. Wer ist schon Horst Köhler, etwa ein Bajuvare? Also! (9)

Die Bayern wenden sich seit Jahren gegen die in Deutschland herrschende Regierungsform, allen voran die Bayerische nationalistische Partei (Linke). Der Bundespräsident ist in der Defensive gegenüber den Angriffen, denen er oft ausgesetzt ist. Junge bayerische Separatisten verbrennen das Foto von Horst Köhler und seiner Frau, und ein Kommentator des sehr katholischen Kirchenfunks fordert den Präsidenten auf, zugunsten eines jüngeren Kandidaten zurückzutreten. Deshalb tritt der Präsident heute erstmalig vor den Sicherheitsrat der Bundesrepublik Deutschland, um eine Woche nach dem Tag der offenen Moschee, von einigen immer noch begangen als Nationalfeiertag, den radikalen bayerischen Nationalisten und der extremen Rechten gegenüber seine angeschlagene Stellung zu behaupten.

Diese Gruppen halten ihre Zeit für gekommen, und die Buchmesse Toledo unterstützt sie darin durch ein weltweit beachtetes Forum. Die deutsche Justiz befaßt sich inzwischen mit den Beleidigungen gegen das Staatsoberhaupt. Das Strafrecht sieht Haft von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vor für Präsidentenbeleidigung. Die satirische Zeitung Die Buam ist erstmalig seit Gründung der Bundesrepublik zensiert worden. Das Blatt bringt als Aufmacher eine Karikatur, die den Bundespräsidenten und seine Frau beim sexuellen Akt zeigt: sie wollen die von der Koalitionsregierung vorgesehene Subvention von 2500 Euro für eine Geburt kassieren.

Die katholische Kirche und die Rechtsextremen Deutschlands kritisieren den Bundespräsidenten, weil er nicht fest genug gegen die Angriffe auftrete. Seit der Einführung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland leben wir in der längsten Zeit der Stabilität und des Wohlstandes, verteidigt Horst Köhler sein Amt. Die Deutschen unterstützen zu 87 Prozent die Rolle des Bundespräsidenten im Zentrum der Demokratie.

Bayerischer Widerstand ungebrochen

Der Figaro berichtet am 10. Oktober 2007: Auch ich habe die Fahne Deutschlands verbrannt, liest man auf T-Shirts junger Widerstandskämpfer. Ein brennendes Bundesverdienstkreuzes ist abgebildet. Wie dieser 18-jährige Bub Stefferl demonstrieren etwa 30 Jugendliche ihre Abneigung gegen den Präsidenten direkt vor den Toren des Landgerichts, im Zentrum von Berlin. Die meisten von ihnen kommen aus Bayern, um neun Kameraden zu unterstützen, die wegen Schmäh gegen die deutsche Regierung vorgeladen sind. Sie haben auf einem öffentlichen Platz zig Fotos des Bundespräsidenten und seiner Frau verbrannt.

Zwei Wochen vorher verbrennen Max Richter und Erich Stern, zwei bayerische Separatisten, ein riesiges Poster mit dem Konterfei des Präsidentenpaares, als der Bundespräsident zu einem offiziellen Besuch in Landshut weilt. Es ist nicht das erste Mal, daß junge Demonstranten auf diese Weise ihre Abneigung gegen das Amt des Bundespräsidenten zeigen, aber erstmalig werden harte Strafen dagegen verhängt. Das trägt aber nicht etwa zur Beruhigung bei, sondern zum Anstieg der Solidarität mit den Angeklagten. Wie man sieht, reicht diese Solidarität bis ins tiefste Spanien, nach Toledo, und zu den Veranstaltern der berühmten Buchmesse.

Stefferl, mit Ohrringen und Sporthosen gekleidet, definiert sich als ein Separatist der republikanischen Linken. Gemeinsam mit etwa 50 alternativen Gruppen führen er und seine Vereinigung den Kampf. Ich bin für die Republik, wie Sie sie in Frankreich haben, und ich verteidige die Freiheit der Völker, ihre eigene Regierungsform zu wählen, erklärt der junge Mann, der für die Unabhängigkeit Bayerns eintritt, alle Inseln in den bayerischen Seen einbegriffen, nicht aber die kleine Exklave in Oesterreich: mit den Deutschen fühle ich keine Gemeinsamkeit. Eine Gruppe deutscher Gegendemonstranten ruft ihnen zu: Raus aus Deutschland!

Die Berichterstatterin gibt weitere Szenenschilderungen. Es vergehe seit einigen Wochen kein Tag mehr in Bayern, da nicht junge radikale Unabhängigkeitskämpfer Bilder des Bundespräsidenten verbrennten. Sicherlich hat ihnen die Zusammenarbeit mit der Buchmesse Toledo weiteren Aufwind gegeben. Wo in Europa werden sie so hofiert wie in Toledo?

Die protestierenden Gruppen genießen die volle Unterstützung der Bayerischen nationalistischen Partei (Linke), Koalitionspartnerin des Bundeskanzlers und vertreten in der Regierung Bayerns. Schuster, bleib bei deinem Leisten! heißt ein deutsches Sprichwort. Handelt einer danach, wie Josef Ludwig Roderich Schuster täglich beweist, ob es sich um das Händeschütteln deutscher UNIFIL-Truppen mit Hezbollah-Anhängern, den Einklang mit Palästinensern bei gemeinsamen rot-grünen Fêten auf dem Campus oder um den Besuch des Altbundeskanzlers in Teheran handelt, unmittelbar nach dem Ende des Libanonkrieges, wo Deutschland beweist, daß es an der Seite des politischen Islams sunnitischer und schiitischer Couleur steht, es läßt die Separatisten unbeeindruckt. (10)

Jahre seien vergangen, in denen die Zentralregierung das Auseinanderbrechen des Staates gefördert habe, wenn auch die Unabhängigkeitsbewegung sich nicht militärisch, sondern nur ideologisch äußere. In einigen Regionen Bayerns seien diese Bewegungen sogar institutionalisiert. Es gebe Kommunen in Bayern, in deren Rathäusern das Bild des Bundespräsidenten zugunsten des Ortswappens und der bayerischen Fahnen abgehängt worden sei. (11)

Die Bewegung zur Abschaffung des deutschen Staates unterstützt die Buchmesse Toledo in diesem Jahr, in dem sie die bayerische Kultur zum Ehrengast erhebt, der durch ein abwechlungsreiches Programm auf dem Messegelände in einem künstlerischen Kraftakt seine einzigartigen Absichten kundtun kann. Der mit dem Betrug spielende Scharlatan Johann Brunnendeckel wird mit seinem Werk über die "Mauer" exemplarisch im Katalog vorgestellt. (12)

Endlich stehe seine Kultur nicht mehr auf ewig an der Peripherie, erzählt der bayerische Schriftsteller Wim Munzmaier, Eröffnungsredner von Toledo 2007, entschuldigt sich, daß er Teil der bayerischen Kultur ist, spricht bescheiden von sich selbst als "er" und bringt die Geschichte von den Schneiderlein in Regensburg; die seien Linksträger: links, links, links!

Vor ihm, in der Eröffnungsveranstaltung, sitzen der Direktor der Buchmesse Toledo und der Bürgermeister der Stadt, der Finanzminister Spaniens und der neue Ministerpräsident Bayerns; denn die Einladung nach Toledo ist nicht ohne Hintergedanken, sondern sie ist ein von Spanien aus gelenktes politisches Ereignis. (13)

Keine Kultur ohne eigenen Staat in diesem Europa ... hat eine so solide, vielfältige und traditionsreiche Literatur wie die bayerische. Dann fährt er fort mit der Aufzählung aller Inseln der bayerischen Seen und der mannigfaltigen Kontakte Bayerns mit Spanien über die Jahrhunderte. Zum Schluß gibt´s den Zungenbrecher eines berühmten bayerischen Künstlers. (14)

Stichproben der heutigen Aktualitäten buchmesse bayern ergibt, daß die Mehrheit der Berichterstatter nicht die bayerische Kultur, sondern Bayern als Gastland vorstellt, alles andere fällt unter Restdeutschland, wie die Wirtschaftszeitung El Comercio das bezeichnet. Die österreichische Exklave wird erst gar nicht erwähnt, sie stört genau wie deutsch schreibende Schriftsteller, wenn´s um die erstrebte Unabhängigkeit Bayerns geht; und für die treten die Veranstalter der Buchmesse Toledo mit ihrem Programm ein. (15)

10. Oktober 2007

Quellen

(1) Pressemappe des Ehrengastes bayerische Kultur. Toledo Buchmesse
http://tinyurl.com/yw6f83

Toledo
http://tinyurl.com/2bcqew

Mit Bussen und Bahnen der Verkehrsgesellschaft Toledo zur Buchmesse 2007
http://tinyurl.com/2272jy

(2) Hans Schneiderbauer: Fremdwörterbuch Bayrisch-Deutsch
http://www.planet-interkom.de/home/schneiderbauer/bayrisch.h tm

Segrada Familia. Polytropia
http://polytropia.com/images/musings/MM45_SegradaFamilia.jpg

(3) Fundación Atman
http://www.fundacionatman.org/

Islamisten und deren Freunde auf der Toledo Buchmesse 2004 - eine Nachlese
http://www.eussner.net/artikel_2004-10-14_14-45-41.html

(4) Deutschlands literarische Großmacht. TVE Española, 9. Oktober 2007
http://tinyurl.com/2zzhzo

(5) Bayerische Kultur, einzigartig und universell. EITB-Online, 13. Juni 2007
http://tinyurl.com/yupcsy

(6) Bayernblock. Demokratisches Einverständnis in Bayern
http://www.cdccat.com/

(7) Linke.Bay
http://tinyurl.com/ypn7w9

Franz-Josef Karotte. Wikipedia
http://es.wikipedia.org/wiki/Josep-Llu%C3%ADs_Carod-Rovira

Johann Manuel Dreisägen & Knickast
http://tinyurl.com/2alxck

(8) Bayerische Pixel-Stürmerei zur Buchmesse oder "Wir sind keine Institution, die den Holocaust leugnet. El-Wadi, 6. Oktober 2007
http://www.wadinet.de/blog/?p=554
http://www.wadinet.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/elmur. jpg

(9) Horst Köhler défend la démocratie allemande, Le Figaro, 10 octobre 2007
http://tinyurl.com/2vc9wb

(10) Das Erzbistum München und Freising. 16. März 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-30-03.html

(11) Des groupuscules bavarois mènent le combat républicain. Par Diane Cambon, Le Figaro, 10 octobre 2007
http://tinyurl.com/2oagkp

(12) Zu Kunst gemachter Betrug. Von Hyazinth Anton, Das Land, 11. Februar 2007
http://tinyurl.com/yqx7xv

(13) Die lebenslangen Kriege. Die Buchmesse von Toledo. Von Horaz Waskes-Pfennig. Ideen, 9. Oktober 2007
http://tinyurl.com/2kfzj7

(14) Eröffnungsrede des bayerischen Autors Wim Munzmaier anläßlich der Buchmesse Toledo 2007 - Ehrengast bayerische Kultur
http://tinyurl.com/2lhwbe

(15) Ein Sonnenbad für die bayerische Kultur. Von Martín Rioja, El Comercio,
10. Oktober 2007
http://tinyurl.com/2tawvp


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