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Israel einer Anfängerin [2]: Von Barcelona nach Tel Aviv

Das habe ich nun davon, daß ich die mediterrane Idee, das mare nostrum, den lac catalan, unser Meer, den katalanischen See des 13. und 14. Jahrhunderts, beim Kofferpacken zum Leitmotov mache: Berber, Karthager, Griechen, Römer, Araber, Juden, Christen, Muslime - sie alle wohnen um das Meer herum, und Perpignan ist die heimliche Hauptstadt dieser Landschaft. (1)

In Frankreich f√ľhrt das koloniale Abenteuer zur Suche nach der lateinischen Identit√§t, in der Mauras und Pirenne eine durch den Islam besch√§digte romanische Harmonie verteidigen. Das griechische maritime Bewu√ütsein ist am √Ąg√§ischen Meer zu Ende, und das Seefahrergenie dieses Volkes f√ľhrt nicht zu einem mediterranen Bewu√ütsein. In Spanien ist es Widerspruch und Zweideutigkeit: katalanischer See, dann koloniale Ausdehnung nach Afrika und jetzt euro-mediterrane Aufgabe. Deutschland, darin weniger verwickelt, hat eine mehr intellektuelle Vorstellung: Hegel setzt das Mittelmeer ins Zentrum der drei Kontinente der Alten Welt, Goethe findet dort Arkadien.

Noch heute gibt es ums Mittelmeer St√§dte und D√∂rfer, in denen katalanisch gesprochen wird, beispielsweise in Alghero oder Alguer, genannt Barceloneta, im Nordwesten Sardiniens, auch im Libanon soll´s katalanisch sprechende Minderheiten geben. (2)

Wenn´s so ist, dann gilt auch das hauptst√§dtische Wetter, meine ich, und ich kann nicht genug der Woll- und Baumwollpullover einpacken, immerhin dauert die Reise drei Wochen. Gerade noch halte ich mich zur√ľck, einen Mantel mitzuschleppen - dann mu√ü ich eben manchmal frieren. Im Norden Israels soll´s kalt sein, wie bei uns eben. Ins Internet schaue ich nicht, um Auskunft √ľber das Wetter in Israel zu erhalten. Schon ein Blick auf die Karte des Mittelmeeres h√§tte mir gezeigt, da√ü selbst der n√∂rdlichste Ort Israels viel weiter s√ľdlich liegt als Perpignan. (3)

Ich verhalte mich wie das Kind, das nicht √ľber den Auszug aus √Ągypten zu fragen versteht, und leider erz√§hlt mir niemand von selbst √ľber das Wetter in Israel; die Temperatur in Tel Aviv betr√§gt noch heute, Ende November, zwischen 13 und 20 Grad: (4)

Du sollst deinem Kinde erz√§hlen vom Auszuge aus √Ągypten" ‚Äď (Ex 13,8). Damit ist gewi√ü ein Kind gemeint, das noch nicht zu fragen versteht ("Sch´enau jaudea lischaul"). Ihm mu√üt du von selbst zu erz√§hlen beginnen, was es zu begreifen vermag.

Das Flugzeug der Iberia aus Madrid und Barcelona landet p√ľnktlich um 4:05 Uhr, am 25. Oktober 2007, auf dem Flughafen Ben Gurion. Eine israelische Flagge begr√ľ√üt die Ank√∂mmlinge, die zur Gep√§ckausgabe str√∂men, wo sie auf dem Display die Nachricht erhalten: Der erste Koffer wird um 4:28 Uhr erwartet. Da habe ich gerade noch Zeit, einige Euro gegen Schekel umzutauschen. Ich entziffere mein erstes Wort in hebr√§isch: Bank, aber es steht auf lateinisch darunter. Nun warte ich darauf, da√ü eintritt, was ich √∂fter gelesen habe: das lange Warten bei der Pa√ü- und Zollkontrolle. Wenigstens dar√ľber habe ich mich vorher informiert, da√ü es Stunden dauern k√∂nne. Fotos von der √ľberf√ľllten Wartehalle anbei. Ich habe extra mein Hotelzimmer erst f√ľr die kommende Nacht gebucht, weil ich damit rechne, gegen Mittag im Hotel anzukommen.

Wie staune ich, da√ü ich nach einer kurzen Befragung, was mich nach Israel f√ľhre, ohne jede weitere Kontrolle sofortest ins Land entlassen werde, da ist es knapp 5 Uhr. Also, her mit der ersten Papierausgabe der Jerusalem Post (JP), ein W√∂rterbuch franz√∂sisch-hebr√§isch gekauft und in der Ankunftshalle ausgiebig gefr√ľhst√ľckt. Ich mu√ü √ľber mich lachen, weil mir auff√§llt, da√ü mich so viele Juden umgeben, alte und junge; zu Hause kenne ich vielleicht ein Dutzend, und hier sind sie √ľberall, ´n richtiges Nest!

Ich stecke meine Nase in die neueste JP und lese das Interview von Ruthie Blum mit Mitchell Bard zu seinem Buch Will Israel survive? Ja, meint er. (5)

Dann kommt der Artikel des Khaled Abu Toameh dran: PA worried by radicals´ attempt to create new PLO. Mein alter Freund Faruq al-Qaddumi/Farouq Kadumi alias Abu Lotf, der letzte √úberlebende der Fatah-Gr√ľndung von 1959, kommt darin vor, er will ´ne radikale neue PLO gr√ľnden. Von wegen, der ist zu alt zu Abenteuern! (6)

Er definiert die Identit√§t der pal√§stinensischen Araber aus dem Widerstand gegen die Existenz des Staates Israel, womit er indirekt best√§tigt, da√ü es aus sich heraus keine arabisch-pal√§stinensische Nation gibt: Am 6. Oktober 2002 erkl√§rt er in einem Interview mit der Zeitung Al-Bayan, Dubai, die PLO erkenne Israel nicht l√§nger an, sondern richte sich nach ihrer Verfassung vom Juli 1968, dem Palestinian National Covenant, der alle Ma√ünahmen zur Zerst√∂rung Israels, der "alien entity" vorschreibe. Er verfolgt seinen Plan konsequent weiter, zur gleichen Zeit, in der die Konferenz in Annapolis/Maryland stattfinde, solle zur St√§rkung der Herrschaft der Hamas im Gazastreifen in Syrien und in Gaza dar√ľber konferiert werden. (7)

Nun reicht´s mir aber erst einmal, und ich beschlie√üe, zum Hotel zu fahren, nach Jaffa. Da komme ich gegen 6:30 Uhr an, und niemand ist dort. Wie angek√ľndigt, √∂ffnen die Pforten erst um 8 Uhr, aber nicht f√ľr mich, wie sich rasch zeigen wird; denn die Messianic Congregation nimmt´s genau: selbst schuld, wer sparen will oder mu√ü, das Zimmer ist nicht vor Mittag bezugsfertig, derweil k√∂nne ich aber auf meine Rechnung ein Fr√ľhst√ľck einnehmen und anschlie√üend gern zum Beten in den Betraum kommen.

Um mich herum wuseln lauter merkw√ľrdige Menschen, einige mit j√ľdischen Vornamen. Einer erkl√§rt, er sei ein russischer Jude, die anderen sind aus manchem Land, nur nicht aus Israel - und Juden sind das auch nicht, m√∂chte ich wetten. W√§hrend ich in dem kleinen G√§rtchen, auf der Fr√ľhst√ľcksterrasse fast vier Stunden vor mich hin schwitze, fragt mich die Empfangsdame zwischendurch: Frieren Sie? - ??? - Sie sind so dick angezogen! Die christliche F√ľrsorge verschl√§gt mir die Sprache. Na, Sie k√∂nnen bereits jetzt in ihr Zimmer, eigentlich steht es Ihnen nicht vor 12 Uhr zur Verf√ľgung. Da ist es 11:30 Uhr, und ich kann mir in dem ger√§umigen Zimmer eines von drei Betten aussuchen.

Demnächst mehr ...

20. November 2007

Quellen

(1) 1900. Primer mapa de la llengua catalana. Por Francesca Roca, 20minutos.es Barcelona, 3.10.2007
http://www.20minutos.es/noticia/284919/0/llengua/mapa/catala na/

(2) Alguer. Wikipedia
http://es.wikipedia.org/wiki/Alguer

(3) Mittelmeer. Welt-Atlas.de
http://www.welt-atlas.de/datenbank/karte.php?kartenid=2-633

(4) K´neged arba´a banim ... Zu Pessach. Kalonymos Heft 1/1999, Salomon Ludwid Steinheim-Institut f√ľr deutsch-j√ľdische Geschichte an der Gerhard Mercator Universit√§t Duisburg
http://sti1.uni-duisburg.de/publikationen/kalonymos/1999/199 9_1.pdf

(5) Will Israel survive? Author: Ruthie Blum, JP, October 25, 2007, p.13+19
http://tinyurl.com/246ro6

(6) PA worried by radicals´ attempt to create new PLO. By Khaled Abu Toameh, JP, October 25, 2007, p. 3
http://tinyurl.com/2y6eug

Fatah. The organizational structures were established at a Kuwait meeting on 10.10.59. Palestinian Organizations and Parties. MidEast Web
http://www.mideastweb.org/palestianparties.htm#Fatah

(7) Faruq al-Qaddumi alias "Abu Lotf". 12. November 2004. Mit einer Aktualisierung vom 9. August 2005
http://www.eussner.net/artikel_2004-11-12_20-22-57.html

Senior PLO official indicates Charter still calls to destroy Israel. IMRA,
October 8, 2002
http://www.imra.org.il/story.php3?id=13972

MidEast Web Historical Documents. THE PALESTINIAN NATIONAL CHARTER:
July 1-17, 1968
http://www.mideastweb.org/plocha.htm

Teil 1:

Israel einer Anfängerin: Episodio de la Historia. 17. November 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html



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