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Gudrun Eussner
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Israel einer Anf├Ąngerin [3]: Tel Aviv-Yafo

Nachdem ich mich in meinem Zimmer etabliert habe, will ich sofort ins Zentrum von Tel Aviv. So allm├Ąhlich raffe ich aber, da├č ich in Jaffa wohne, und das Zentrum der Stadt weit ist. Daf├╝r ist das Meer nahe. Das habe ich bei mir hier das ganze Jahr. Sie wollen von Perpignan nach Tel Aviv? Wenn Sie losschwimmen, immer links halten, nach rechts kommen Sie mit Ihrer Kondition nicht ├╝ber die Stra├če von Gibraltar! (1)

Was ich aber wei├č: Restaurants gibt´s am Meer, dort befinden sich die bew├Ąhrten Touristenpl├Ątze. Ich eile auf die Eilat-Stra├če, vorbei an kleinen armseligen L├Ąden und Handwerksbetrieben, vorbei an einer Moschee, und immer geradeaus geht´s zu neuen Ufern, alles sehr arabisch.

Nix is, kein Restaurant weit und breit. Ich gehe die K├╝ste entlang und treffe zwei ├Ąltere Herrn: "Entschuldigung, gibt´s hier irgendwo ein sch├Ânes Restaurant?" Die beiden Herren verst├Ąndigen sich kurz auf hebr├Ąisch, und dann bekomme ich eines empfohlen: "Aladin, aber dort dr├╝ben erst die Stufen hinauf, das schaffen Sie, junge Frau!" Mein Mittag ist gerettet. (2)

Der Fu├čboden des Restaurants ist teilweise mit katalanischen Fliesen ausgelegt, wie bei mir zu Hause, die W├Ąnde sind mit allerlei orientalischem Schnickschnack behangen, auch die Wunderlampe des Aladin fehlt nicht. Auf der Terrasse sitzen G├Ąste, ich bevorzuge es drinnen, man wei├č ja nie, ob nicht die Tramontane bis hierher reicht. Und richtig, drau├čen weht ein kr├Ąftiger Wind, den die Touristen bei Temperaturen von mehr als 30 Grad anscheinend nicht als st├Ârend empfinden.

Nach einem herrlichen Essen, aros├ę par une bonne bi├Ęre isra├ęlienne namens Maccabi, das ausgerechnet von Berliner Kindl- und "Wei├če mit Jef├╝hl"-Trinkern als fade apostrophiert wird - und Goldstar macht auch nicht jedem Kopfschmerzen, gehe ich auf Entdeckung Jaffas, vor allem suche und finde ich die Post; in dem Christenhospiz habe ich schon drei Postkarten gekauft, die bald weg sollen. Dann aber ist´s genug, ich bin hundem├╝de und falle in mein Bett. Als ich um 17:30 Uhr aufwache, ist es finster, ich bilde mir ein, ich h├Ątte die Nacht durchgeschlafen, aber im Hause sind Ger├Ąusche zu h├Âren, die nicht auf den fr├╝hen Morgen schlie├čen lassen. Es ist sp├Ąter Nachmittag. Warum es in Israel des Morgens schon so fr├╝h hell und des Abends so fr├╝h dunkel sein mu├č - wer wei├č es? (3)

Ich mache mich nochmal auf nach Old Jaffa, wo es weitere nette Restaurants gibt - und einen Glockenturm, eine Kirche, ein Theater, leider auf hebr├Ąisch, und ein Geb├Ąude mit einer sch├Ânen osmanischen Tughra. Nun ist aber f├╝r heute endg├╝ltig Schlu├č mit den Entdeckungen, der Ankunftstag war lang genug.

Wer sich ├╝ber den ├Ąltesten Hafen des Mittelmeeres Yafo und seine Rolle in der Geschichte informieren m├Âchte, lese vielleicht den Artikel Viel ├Ąlter als ´The Big Orange´, ├╝ber den Propheten Jonas im Sturm, ├╝ber die Zedern des Libanon und ├╝ber K├Ânig Jonathan; sp├Ąter geben Griechen, R├Âmer, Kreuzfahrer, Sarazenen und T├╝rken den Ton an in Yafo, in der Neuzeit wird der Hafen von Yafo zum Ende des 19. Jahrhunderts bedeutend. (4)

Was Yafo oftfliegenden Kennern bedeutet, kann man hier lesen: Gl├╝ck der R├╝ckkehr. (5)

Exkurs: Beit Immanuel

Am Abend meines ersten Tages in Yafo begreife ich erst richtig, wohin ich geraten bin: in eine Messianic Congregation, zu j├╝dischen messianischen Christen und ihren Freunden, Jews for Jesus, mitten in die Konvertitenszene. W├Ąhrend ich auf Erika und Daniel warte, die aus Jerusalem angefahren kommen, um mit mir den Abend zu verbringen (wenn ich in Jerusalem bin, werden sie in Deutschland sein), betrachte ich die Gemeinde, darunter zahlreiche russische Familien mit Kindern. Vor einem gro├čen Bildschirm mit Text in russisch, hebr├Ąisch und englisch schwingen sie unter musikalischen Kl├Ąngen die Arme in die H├Âhe und rufen ihren Lord an: Ich bin stark, ich werde siegen! (6)

W├Ąhrend man von Konvertiten, die zum Islam ├╝bertreten, vielleicht sagen kann, sie fressen soviel Islam, bis sie platzen und an einer Stelle aus der H├╝lle ihrer vollends verdr├Ąngten oder vernichteten Pers├Ânlichkeit ihre neue muslimische Identit├Ąt als ein Name ausbricht: Ahmed, Fatima, ist es bei den messianischen Christen, ob Juden oder nicht, genau umgekehrt. Ihren gepanzerten Christenk├Ârper dekorieren sie mit j├╝dischen Versatzst├╝cken, wobei die Juden unter ihnen gegen├╝ber zu bekehrenden Andersgl├Ąubigen in aller Heimt├╝cke vort├Ąuschen, da├č sie weiter Juden sind: Wir sind hier, um der j├╝dischen Gemeinde eine Botschaft ├╝ber Jesus zu senden.

Ich erinnere mich, am Morgen des ersten Tages einen Mann im T-Shirt gesehen zu haben, wei├č, mit blauer Schrift, geziert von Bruchst├╝cken einer fu├č- und schaftlosen Menorah, ├╝ber deren mittleren drei von sieben verkr├╝ppelten Armen ich auf hebr├Ąisch yeschua=Jesus gelesen habe. Meine Hebr├Ąischkenntnisse sind leider ganz am Anfang, so da├č ich die je zwei anderen Buchstaben, links und rechts davon, nicht entziffern konnte. Wer sich ein Bild machen m├Âchte dar├╝ber, was die messianischen Gemeinden den Torahrollen, der Menorah, dem Davidstern und anderen j├╝dischen Symbolen sowie den j├╝dischen Festtagen antun, der google messianic congregation menorah und schaue sich die Ergebnisse unter "Bilder" an. Klickt man auf diese, so ger├Ąt man in die Welt der Messianic Congregations und lernt, wie man gerettet werden kann, n├Ąmlich, in dem man alles aufgibt, was das Judentum ausmacht. Ohne Jesus Christus bleibt dabei von der Gnade Gottes nichts ├╝brig: (7)

"Ich stimme mit der Bibel ├╝berein und gebe vor Gott zu, da├č ich ein S├╝nder bin. Ich erreiche nicht Gottes Ma├čstab von G├╝tigkeit. Ich wei├č, da├č ich niemals aus mir allein heraus gut genug sein kann."

Daniel Haw hat in seiner letzten Karikatur treffend auf den Punkt gebracht, was die Eigenschaften der Juden ausmacht, und ich wundere mich nun nicht mehr, da├č mir von der Empfangsdame im Beit Immanuel sofort unverhohlene Feindseligkeit entgegenschl├Ągt. Mit sicherem Instinkt erkennt sie mich als Freundin des Moishe Hundesohn. Ich bin keine S├╝nderin, und was Gottes Ma├čstab f├╝r G├╝tigkeit ist, das wei├č ich nicht, ich jedenfalls bin so g├╝tig, wie´s n├Âtig und angebracht ist, ohne da├č die von Moishe Hundesohn aufgez├Ąhlten Qualit├Ąten dabei allzusehr leiden: (8)

  • Rabbi Birnbaum: Haste gesogt, die Fernsehmoderatoren w├Ąren schon so dumm, dass sie nur noch Am├Âben interviewen k├Ânnten? - Haste gesogt, das Strafrecht gelte nur f├╝r Leut, die weniger als 500 000 ÔéČ im Monat verdien? - Haste gesogt, die Mafia sei am besten mit den eigenen Mitteln zu bek├Ąmpfen - mit deutschen Managern?
  • Moishe Hundesohn: J...a!
  • Rabbi Birnbaum: Vestehste nicht, Moishe, solche Redn heizn nur den Antisemitismus an! Vorurteile: wir Jiddn w├Ąrn streitlustig, arrogant, vaterlandslose Geselln, verkappte Revoluzzer und unverbesserliche Kritiker, die an nix a gutes Haar lassen!
  • Moishe Hundesohn: Aber ich dachte, gerade das seien unsere Qualit├Ąten?

Die christliche Lehre wird auf die allerunredlichste Weise verbreitet. Unter dem j├╝dischen Festkleid missionieren fundamentalistische Christen: "Jede messianische Gemeinde mu├č sich der Verk├╝ndigung und der Verbreitung (des Glaubens) widmen, sagt Glaser, der Pr├Ąsident der Organisation. "Es ist ein biblischer Befehl und keine Frage der Wahl." Missionst├Ątigkeit, gesellschaftliche Aktivit├Ąten, Seminare, messianische Liederfestivals sowie Gebetsspazierg├Ąnge und Strandpredigten sind die taktischen Mittel dazu.

"Das ist Diebstahl der j├╝dischen Identit├Ąt", erkl├Ąrt Scott Hillman, der fr├╝here gesch├Ąftsf├╝hrende Direktor von Jews for Judaism dazu. "Welche Art von Zeugenschaft ist es f├╝r das, was du als wahr glaubst, wenn du Betrug anwenden mu├čt, um es zu verkaufen?" (9)

Ein j├╝discher Leser ├Ąu├čert in einem Brief, vom 21. Oktober 2007, an die Yediot Ahronot seine Best├╝rzung ├╝ber die Tatsache, da├č einer der H├Âhepunkte des letzten Internationalen Liederfestivals in Tel Aviv, der Kabbalat Shabbat (die traditionelle Freitagabendmahlzeit zum Willkommen des Sabbat), in der Emmanuelkirche, in Yafo, stattfand. "Nichts sollte Dichter abhalten, die sich am Sonntag in einer Kirche oder am Freitag in einer Moschee treffen wollen - aber warum sollte Kabbalat Shabbat in einer Kirche stattfinden? Derselben Logik entsprechend, k├Ânnte man eine Messe in einer Synagoge oder einer Moschee zelebrieren." (10)

Aus dieser Schamlosigkeit will ich unbedingt entfliehen. Am Ende meiner Reise habe ich noch drei oder vier Tage in Tel Aviv eingeplant. Im Beit Immanuel werde ich sicher nicht wieder ├╝bernachten.

24. November 2007

Quellen

(1) City of Tel Aviv - Yafo
http://www.tel-aviv.gov.il/English/home.asp

(2) Aladin in Old-Jaffa
http://www.aladin.co.il/

(3) Tel Avivo. Grenzerfahrungen. Von Ivo Bozic, Jungle World Nr. 9,
28. Februar 2007
http://www.jungle-world.com/seiten/2007/09/9470.php

(4) Jaf├│ haJafah: Viel ├Ąlter als ´The Big Orange´
http://www.israel-tourismus.de/israel-reisen/tel-aviv/jaffa. htm

(5) The Joy of Return. Von Henryk M. Broder, Achse des Guten,
24. November 2007
http://tinyurl.com/26srzk

(6) Emmanuel. Messianic Jewish Congregation
http://www.godwithus.org/from_the_rabbi/from_the_rabbi_5.htm l

Immanuel Church, Jaffa
http://www.immanuelchurch-jaffa.com/index_files/Location.htm l

Beit Immanuel Congregation&Guest House
http://www.beitimmanuel.org/index.html

(7) How to get saved. Jews for Jesus
http://www.jewsforjesus.org/getsaved

Jews for Jesus. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Jews_for_Jesus

(8) Ein j├╝disches Mi├čverst├Ąndnis. Von Daniel Haw, israeli-art.com,
22. November 2007
http://www.israeli-art.com/satire/missverstaendnis.htm

(9) MESSIANICS RISING. Messianics are praying the ´Shema,´ but preaching Jesus as the Messiah. By Barry Yeoman. JTA Forum, November 15, 2007
http://www.jta.org/cgi-bin/iowa/news/article/20071115evangtw o.html

(10) Attitudes towards Jesus and Christianity. Yediot Ahronot, October 21, 2007. Caspari Media Review
http://www.caspari.com/media_review/2007/07-10-30.html

REPORT FROM ISRAEL... experts from a special report about missionary activity in Israel written by Yad L´Achim. Jewish Community relations Council
http://www.jcrcny.org/task/html/document_library/report_from _israel.htm

Bisher erschienen:

Israel einer Anf├Ąngerin. Episodio de la Historia
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html

Israel einer Anf├Ąngerin [2]: Von Barcelona nach Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-20_18-17-23.html



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