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Gudrun Eussner
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Israel einer AnfÀngerin [4]: Tel Aviv

Nach meinen 12 Stunden Schlaf gibt´s im Hospiz von Yafo kein FrĂŒhstĂŒck mehr, die messianischen Christen sind schon beim Singen und Beten. Ich zaudere nicht lange, sondern bewege mich wieder auf der Rehov Eilat, diesmal in die andere Richtung, zur Allenby, zur King George V und zur Dizengoff. Die Gegend wird immer heller und freundlicher, je weiter ich mich von Jaffa entferne. Ich komme an zahlreichen LadengeschĂ€ften und am Haganah Museum vorbei. (1)

Auf der George V sichte ich ein schönes CafĂ©, es heißt schlicht CafĂ© Meir, nach Meir Dizengoff. Bevor ich eintrete, muß erst einmal meine Zeitung her, die ich im obersten Stockwerk des Dizengoff Einkaufszentrums erwerbe. Auf meine Frage nach der neuesten Jerusalem Post antwortet die VerkĂ€uferin mit einer Gegenfrage: "Wollen Sie sie kaufen?" Das habe ich schon gelernt, daß Juden auf Fragen oft eine Gegenfrage stellen, aber daß solches auch beim Kauf einer Zeitung gilt, wer hĂ€tte es gedacht? Es stellt sich heraus, daß man sich in dem Laden auch setzen kann, um die Zeitung am Ort zu lesen, sie kostet immerhin neun Schekel, das sind 1,57 Euro, fĂŒr israelische VerhĂ€ltnisse viel Geld fĂŒr so wenig Papier, aber auch fĂŒr französische, ein Figaro kostet in Frankreich 1,20 Euro, man bekommt qualitativ Gleichwertiges und dabei quantitativ mehr. (2)

Auf der Terrasse des CafĂ©s Meir gibt´s die Speisekarte in hebrĂ€isch und englisch. Zahlreiche FrĂŒhstĂŒcksvariationen sind aufgefĂŒhrt, vom gekochten Ei bis zu einem Gericht mit lustigem Namen: Shakshouka. Das bestelle ich, was immer das sein mag. So halte ich es in fremden LĂ€ndern, probiert wird ein mir unbekanntes Gericht. In fast allen FĂ€llen habe ich damit GlĂŒck. Leshakshek heißt hebrĂ€isch schĂŒtteln, lerne ich spĂ€ter. Der Belgische Rundfunk (BRF) weiß, daß Shakshouka aus Tunesien stammt: Shakshouka ist durch den Mittelmeerraum in östlicher Richtung vorgedrungen und auch in das kulinarische Repertoire des Nahen Ostens eingegangen. Besonders begeistert wurde es von den Israelis angenommen. Da es einen hebrĂ€ischen Namen trĂ€gt, könnte es vielleicht von den Juden Tunesiens mitgebracht worden sein? (3)

Im CafĂ© Meir schaue ich mich unauffĂ€llig um, ob ich vielleicht Jeckes sehe und höre. So werden die in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf der Flucht vor den Nazis in PalĂ€stina eingewanderten deutschen Juden genannt. Ende der 30er Jahre stellen sie fast ein Drittel der jĂŒdischen Bevölkerung PalĂ€stinas: (4)

Der Spitzname war verĂ€chtlich gemeint, weil die MĂ€nner selbst im heißen Klima des Orients nach bĂŒrgerlich-deutscher Kleiderordnung angezogen waren. Sie gingen niemals ohne Jackett und Krawatte auf die Straße. Gemeint war aber auch ihre bis zur Pedanterie reichende Korrektheit in den tĂ€glichen Dingen des Lebens. Sie wirkten wahrlich fremd im allgemeinen Habitus der Levante.

Wo sind sie jetzt, die Jeckes? Das Wort jeck ist auch bekannt aus dem Kölner Karneval, und im HollĂ€ndischen ist es ebenfalls vertreten. Nicht vertreten sind Jeckes im CafĂ© Meir, aber einige Damen parlieren französisch, mit unterschiedlichen Akzenten, Hanah wĂŒrde jetzt sicherlich sagen, sie stammten von "sĂŒdlich der PyrenĂ€en", was nicht etwa heißt aus Spanien, sondern aus Nordafrika.

Aber genug gelesen und Leute betrachtet, jetzt geht´s weiter die Straßen entlang, von der George V kommend in die Bograshov, bis ich zur Pinsker komme; in die biege ich einfach mal ein, weil mir Leon (Jehuda Leib) Pinsker ein Begriff ist. Er ist einer der Wegbereiter des Zionismus. (5)

Bograshovs Name sagt mir zu der Zeit nichts. Jetzt, da ich den Reisebericht schreibe, will ich es Ă€ndern, aber das ist nicht leicht, weil unter dem Begriff Bograshov bei Google seitenlang die VorzĂŒge der an der Rehov Bograshov zu findenden Galerien, CafĂ©s, Restaurants und LĂ€den angepriesen werden. Auf der Site von MNUEZ werde ich endlich fĂŒndig. Unter dem Titel Germans schmermans ereifert er/sie sich sehr ĂŒber GeschĂ€ftsbeziehungen von Israelis mit Deutschen: (6)

Ich stimme vollstĂ€ndig ĂŒberein mit der Ansicht von Begin, den KZ-Überlebenden und der Mehrheit in Israel, den Juden und der Knesset (David Ben Gurion erlegte Koalitionsdisziplin auf) 1952. Wir Juden haben uns selbst und unsere betrogenen, beraubten und ermordeten Leute entehrt, als wir irgendein anderes GeschĂ€ft mit ihnen machten, als das GeschĂ€ft der Vergeltung. Wenn Ihr Zugang zu den Knesset-Protokollen habt (in Israel dĂŒrfte es nicht schwierig sein, an sie heranzukommen), lest noch einmal die Rede von Chaim Boger (Bograshov), die Reparationen betreffend. Was er damals sagte, trifft heute zwar nicht mehr insgesamt zu, aber die alleinige Tatsache, daß seinerzeit nur ein einziger Kamerad bereit war, die schlimmsten Mörder seines Volkes auf die Art, wie er´s tat, zu hassen, zeigt uns, wie krank wir Juden sind.

Chaim Boger (Bograshov) ist ein Knessetabgeordneter der Zweiten Knesset, 1951 bis 1955. Er gehört zu den General Zionists, wie zionistische Gruppen in PalÀstina benannt werden, die zu keiner politischen Partei gehören. 1931 konstituieren sie sich als Partei mit entschieden liberal-kapitalistischer Ausrichtung. Als Partei treten sie in den Wahlen zu den ersten vier Knessets auf. (7)

In der Rehov Pinsker entdecke ich eine einladende CafĂ©-Terrasse, bei Zigi´s, Privet Parties. Mit Serge, dem Besitzer, komme ich ins Plaudern, und bald sind wir beim Thema Unterkunft. Er verspricht mir, sich fĂŒr die letzten Übernachtungen meiner Reise um ein besseres Hotel zu kĂŒmmern. Das Versprechen hĂ€lt er. (8)

Ich gehe zurĂŒck nach Jaffa, ĂŒberquere dabei den Shuk HaCarmel, den ĂŒppigen Carmel Markt, wo ich etwas erwerbe, das aussieht wie eine bayerische Brezel aber leider keine ist, kehre noch in einen Pub ein, um ein israelisches Bier vom Faß zu trinken, und dann ist´s auch schon Abend. (9)

Erika und Daniel kommen aus Jerusalem und laden mich zum Dinner ein. Daniel unterhĂ€lt die sehr informative Site Middle-East-Info.org, und wir stehen seit langem in Verbindung. Daniel legt auf seiner Site dar und untermauert mit Tatsachen, daß die fundamentalistischen Muslime den Glaubenskrieg zur Erlangung der Weltherrschaft fĂŒhren, und daß Terrorismus vor allem politisch motiviertes Töten von Zivilisten ist. (10)

Das wird auch in dem Buch von Sylvain Besson La ConquĂȘte de lÂŽoccident. Le projet secret des islamistes. Die Eroberung des Westens, eindrucksvoll belegt. Das Buch gibt es seit seinem Erscheinen vor zwei Jahren weder in englisch noch in deutsch. (11)

Davon ist aber zum GlĂŒck einmal nicht die Rede; die beiden fahren mit mir zum Namal Tel Aviv, dem Hafen im Norden Tel Avivs, am Ende der Rehov HaYarkon. Dieser 1936 angelegte Hafen, in dem heute keine Schiffe mehr ankern, ist der erste jĂŒdische Hafen in PalĂ€stina. Jetzt ist dort Tag und Nacht ein reges Treiben, GeschĂ€fte, Galerien, Clubs und jede Menge CafĂ©s und Restaurants. Ich werde spĂ€ter noch einmal darauf zurĂŒckkommen. In einem von diesen essen wir gepflegt von den wunderbaren Vorspeisen und dann einen sehr frischen lecker zubereiteten Fisch. Dazu trinken wir israelisches Bier. Mehr weiß ich, ehrlich gesagt, nicht von den Speisen zu berichten, es ist alles so aufregend, und die Unterhaltung wĂ€hrt bis gegen Mitternacht. Ich schleiche mich mit einem NachtschlĂŒssel ĂŒber den Balkon ins Hospiz, das um 23 Uhr seine Tore verrammelt. (12)

DemnÀchst mehr. Gute Nacht, nighty night und leila tov einstweilen!

25. November 2007

Quellen

(1) Who´s who: Sir Edmund Allenby (1861-1936). FirstWorldWar.com
During his campaign against the Turks in Palestine he captured Gaza in November and Jerusalem in December 1917
http://www.firstworldwar.com/bio/allenby.htm

George V Windsor (1865-1936), King of the United Kingdom, thePeerage.com
http://www.thepeerage.com/p10067.htm

Meir Dizengoff (1861-1936). World Zionist Organization/Jewish Virtual Library
zionistischer Politiker und erster BĂŒrgermeister von Tel Aviv, 1911-1936
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/biography/Dizeng off.html

Muse´ĂŽnn ha "Haganah". Israel Ministry of Defense (hebrĂ€isch)
http://www.mod.gov.il/pages/heritage/hahagana.asp

Tel Aviv SehenswĂŒrdigkeiten. Goruma.de
http://www.goruma.de/Staedte/T/TelAviv/sehenswuerdigkeiten.h tml

(2) Currency Converter
http://www.amstarrealty.com/currency.htm

(3) Shakshouka. Recipe Zaar
http://www.recipezaar.com/60286

Shakshouka - Gebratene Paprika mit Eiern. BRF.be
http://www.brf.be/brf/ratgeber/rezepte/brf1/shakshouka

(4) Die Jeckes - Die Geschichte der deutschen Juden im Heiligen Land. Buch: Ulrich Manz, Lionel van der Meulen. Hessischer Rundfunk 2006. HoerDat. Wiki
http://www.hoerdat.in-berlin.de/wiki/index.php/Jeckes,_Die

(5) Leon (Jehuda Leib) Pinsker (1821 - 1891). Zionistischer Pionier. The Jewish Agency for Israel
http://tinyurl.com/33dbfo

(6) Germans schmermans..., MNUEZ, November 22, 2005
http://mnuez.blogspot.com/2005_11_01_archive.html

(7) Chaim Boger. General Zionists. Knesset 30/07/1951-26/07 1955
http://www.knesset.gov.il/faction/eng/FactionPage_eng.asp?PG =81

(8) Zigi´s. Restaurants in Israel
http://www.restaurants-in-israel.co.il/SearchResults.aspx?pa ge=187

(9) Malls, Markets and Shops. Tel Aviv Attractions
http://attractionguide.com/tel_aviv/

(10) Middle-East-Info.org
http://www.middle-east-info.org/

About Middle-East-Info.org - Middle East Regimes and Terrorism
http://www.middle-east-info.org/mission/index.htm

(11) Die Eroberung des Westens durch den Islam. Die Eroberung des Westens. Das Geheimprojekt der Islamisten. 20. Oktober 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-10-20_18-13-10.html

(12) Tel Aviv Harbor. Tel Aviv Visitor Guide
http://tinyurl.com/3ajfou

Stadtplan Tel Aviv
http://www.israelity.net/daniel/pages/TLVGuide-Dateien/image 006.jpg

Bisher erschienen:

Israel einer AnfÀngerin. Episodio de la Historia
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html

Israel einer AnfÀngerin [2]: Von Barcelona nach Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-20_18-17-23.html

Israel einer AnfÀngerin [3]: Tel Aviv-Yafo
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-24_18-50-35.html



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