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Israel einer AnfÀngerin [12]: Dieses Jahr in Jerusalem!

Uli Sahm hat mir angeboten, daß ich wĂ€hrend meines Aufenthalts bei ihm wohne, und so eile ich mit allem GepĂ€ck aus dem Bus ins nĂ€chste Taxi Richtung Ma´alot Moriah und Armon Hanatziv. Von Ma´alot-Tarshiha ĂŒber Kfar Saba nach Ma´alot Moriah, nicht zu verwechseln mit Mount Moriah, dem Tempelberg. Ich suche in meinem Taschenwörterbuch germanĂź-ivrĂź. Ma´alot heißt Anhöhe, Steigung, oder heißt es vielleicht Fahrstuhl? Diese Angebote finde ich mit MĂŒhe im Wörterbuch. Wer eine bessere Übersetzung kennt, melde sich. (1)

Bei Uli empfangen mich außer dem Hausherrn die Labradorhunde Daisy und Mephisto, eine Katze sowie ein Hamburger Ehepaar, das soeben zu einem Besuch in Jerusalem angekommen ist. Ein zusĂ€tzlicher Stuhl wird in Ulis Arbeitszimmer geholt, und die GesprĂ€che bei tonlos laufenden israelischen und deutschen Fernsehprogrammen gehen weiter. Es ist erholsam, unter nicht-jĂŒdischen Deutschen zu sein, die Freunde Israels sind. Das gibt´s in Europa nicht hĂ€ufig, weder in Deutschland noch in Frankreich. Uli ist seit 1975 Nahost-Korrespondent fĂŒr deutsche Medien mit Sitz in Jerusalem; dort lebt er mit seiner Frau, der Fotografin und Video-KĂŒnstlerin Varda Polak-Sahm. (2)

Uli hat drei immer undankbarer werdende, mit den FĂŒĂŸen scharrende Menschen um sich geschart, die nicht mehr ĂŒber die Politik Israels dikutieren, sondern nur noch ins nĂ€chste Restaurant eilen wollen: Hunger! Aber so einfach geht das nicht, denn plötzlich kommt noch ein Gast, Johannes Gerloff, Israel-Korrespondent des Christlichen Medienverbundes KEP. (3)

Es gibt Neuigkeiten. Johannes will 500 Euro verdienen und drĂ€ngt zum Aufbruch. Wohin? Zur Klagemauer. Das Honorar wird demjenigen versprochen, der an der Klagemauer das Foto des Helden von Dresden findet und ablichtet. Wer erinnert sich noch? Dank Lizas Welt und anderer Blogs ist die Geschichte des Johannes H. Lohmeyer dokumentiert, der die NPD-FunktionĂ€re Holger Apfel und Alexander Delle wieder los wird, die ĂŒbers Internet Zimmer im Hotel Holiday Inn gebucht, bezahlt und somit ein Recht darauf haben, dort zu logieren.

Der Hotelier erklĂ€rt den beiden unerwĂŒnschten GĂ€sten gegenĂŒber schriftlich sein Erstaunen, daß sie ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit auslĂ€ndisch klingendem Namen bevorzugen. Wenn sie nicht auf die Reservierung verzichteten, dann wĂŒrden alle ihre UmsĂ€tze, die ihr Aufenthalt mit sich brĂ€chte, der Dresdner Synagoge gespendet: Betrachten Sie dies als kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung fĂŒr die SchĂ€den, die Ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren frĂŒheren Besuchern zugefĂŒgt haben. Er teilt ihnen mit, daß die Dresdner Presse ĂŒber seinen Brief informiert werde. Der Hotelier verweist auf eine gewisse Ethik, die Unternehmen haben sollten. Die NPD-FunktionĂ€re treten daraufhin vom Vertrag zurĂŒck und logieren woanders. Geld fĂŒr ´ne Synagoge? Also neee! (4)

Die Geschichte des Hoteliers dringt bis nach Israel, wo glĂ€ubige Juden als Dank fĂŒr ihn ein Gebetszettelchen in eine Ritze der Klagemauer stopfen. Wer auf die Idee kommt, da könne ein Foto von Johannes H. Lohmeyer hĂ€ngen! Ich habe schon so viele Fotos, Videos und Filme von der Klagemauer gesehen, da hĂ€ngen keine Fotos herum. Ich habe dann auch gleich einen Vorschlag: wir kopieren das Foto aus Lizas Artikel, nehmen es mit zur Mauer, heften es fĂŒr ein 500 Euro-Foto mal eben an: knips! nehmen es wieder ab, und weiter geht´s zum Essen. Diese Art von Dokumentation habe ich von der Nachrichtenagentur ar-Reuters und ihrem Starfotografen Adnan Hajj gelernt, wenn das keine Lehrmeister sind! Irgendwie muß man doch von der Rinnsteinpresse in die Höhen der MSM aufsteigen, und das geht am besten so. (5)

Da hĂ€tte man das Gezeter von Uli und Johannes hören sollen! Nun wĂŒĂŸten sie, wie ich meine Artikel recherchiere, ja, ja ...

Wir machen uns auf den Weg zur Klagemauer, zwei ehrbare Journalisten mit Ethik, eine wilde Bloggerin ohne jede Moral und ein Ehepaar aus Hamburg - alle hungrig. Johannes verspricht, daß wir anschließend essen. Wer´s glaubt!

Uli steuert sein VW-Vehikel abwĂ€rts in eine wilde Gegend, in das Höllental, in das Tal von Gehinom oder Ben Hinnom, einst Besitz von Hinnoms Sohn. So klein waren Königreiche frĂŒher, meint Uli. Was, noch kleiner als Israel? (6)

Das Tal kommt bereits beim Propheten Josua vor, im Kapitel 15:8. Josua wird im Jahr 2413/1575 v.d.Z. geboren: Und die Grenze ging nach dem Tale Ben Hinnom nach dem mittĂ€glichen RĂŒcken des Jebusi, das ist Jeruschalajim, und die Grenze zog hinauf nach der Spitze des Berges, welcher vor dem Tale Hinnom zur Abendseite, welches am Rande des Tales Refaim zur Mitternachtseite. Der Prophet Jeremia, 3361/627 v.d.Z., verkĂŒndet in Kapitel 19:2 und 19:3: Und gehe hinaus in das Tal Ben Hinnom, das am Eingange des Tores Charßit ist, und rufe dort die Worte, die ich zu dir reden werde. Und sprich: höret das Wort des Ewigen, Könige von Jehudah und Bewohner Jeruschalajim´s: So spricht der Ewige der Heerscharen, Gott IsraĂ«l´s: Siehe ich werde UnglĂŒck bringen ĂŒber diesen Ort, daß jedem, der es hört, die Ohren gellen werden. (7)

Alles klar? Durch dieses Tal fahren die Journalisten und ihr Anhang auf der Suche nach dem Foto des Helden von Dresden. Daraus kann ja gar nichts werden! Und richtig. Johannes verschwindet, Uli geht mit dem Herrn aus Hamburg beiseite und wir beiden Frauen dĂŒrfen uns zum Damenteil der Klagemauer begeben. Nicht nur, daß sie in den grĂ¶ĂŸeren Bereich der Klagemauer keine Bischöfe mit sichtbar umgehĂ€ngten Kreuzen einlassen, nein, auch Frauen mĂŒssen in eine separate Ecke. Das erinnert mich an die paar Male, in denen ich mich zum Gottesdienst in Synagogen begeben habe. Die Krönung ist die in der Berliner Joachimstalerstraße. Ich weiß nicht, wie´s heute ist, aber so vor zehn Jahren habe ich in dem fĂŒr Frauen abgetrennten hinteren Teil Platz nehmen dĂŒrfen. Ein Gitter trennt diesen Teil von dem vorderen fĂŒr die MĂ€nner. Aber nicht genug damit, der Teil ist zusĂ€tzlich mit Kaninchendraht gesichert, wobei nicht klar ist, ob die Frauen oder die MĂ€nner als Karnickel angesehen werden - die MĂ€nner vielleicht als Rammler? (8)

Johannes kommt nach langem Herumgewusele ohne das Foto vom Helden Dresdens zurĂŒck, Uli zeigt uns noch den "Ort des Trompeters" ... Das ist die Stelle, wo Jesus gemĂ€ĂŸ der Überlieferung vom Teufel aufgefordert wurde, sich herabzustĂŒrzen "wenn du der Messias bist". Die Geschichte schildert er im Buch Vom Brot allein. Jerusalem - Kreuzung von Symbolen, das er und Varda gemeinsam verfaßt haben: (9)

Im Jahre 70 zerstörten die Römer den Tempel. Sie raubten die Bundeslade und die TempelgerĂ€te. Das Haus Gottes wurde geschleift. Die Zinne an der SĂŒdwestecke der Einfriedung des Tempelberges, auf der der Trompeter den Messias verkĂŒnden sollte, und wo der Teufel Jesus versuchte, wurde von ArchĂ€ologen auf der am Tempel entlang fĂŒhrenden herodianischen Straße entdeckt. Der Stein trĂ€gt die hebrĂ€ische Inschrift: "Der Ort des Trompeters". ... An diesem Ort verkĂŒndete der Priester mit einem Stoß ins Widderhorn die Ankunft des Sabbat. Heute erfĂŒllen Sirenen diese Funktion.

Wir sind beeindruckt von so viel Geschichte. Dann gehen wir endlich Essen und trinken ein kĂŒhles israelisches Goldstar dazu. Es macht garantiert keine Kopfschmerzen. Wir setzen das Hamburger Ehepaar im Hotel YMCA Trois Arches ab und nehmen zu Hause noch ein GlĂ€schen Roten. Danach schlafe ich tief und fest.

Am nÀchsten Morgen, es ist der 8. November 2007, will ich Jerusalem entdecken. Es gibt Menschen, die in Begeisterungtaumel verfallen, wie Paul Badde, und es gibt solche, die der Stadt in Liebe zugetan sind, wie Adin Steinsaltz. Wie wird es wohl mir ergehen? (10)

20. Dezember 2007

Quellen

(1) Deutsch-HebrÀisch. HebrÀisch-Deutsch. Prolog Verlag
http://www.prolog.co.il/prologweb/

(2) Ulrich Sahm
http://usahm.info/

Varda Polak Sahm
http://www.polak-sahm.com/

(3) Christlicher Medienverbund KEP e.V.
http://www.kep.de/

(4) Keine GeschÀfte mit Antisemiten. Lizas Welt, 23. Oktober 2007
http://lizaswelt.blogspot.com/2007/10/keine-geschfte-mit-ant isemiten.html

(5) Libanon: Qualm von brennenden Autoreifen. 10. August 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-08-10_03-16-46.html

Auf geht®s! Laßt die alten Medien links liegen, und lest stattdessen Blogs!
1. MĂ€rz 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-03-01_21-20-05.html

(6) Getting Oriented In the Hinnom Valley. Locating the Solomonic Temple.
Brian´s Annex
http://members.fortunecity.com/brianshouse/briansannex/hinno mvalley.html

(7) Die vierundzwanzig BĂŒcher der Heiligen Schrift. Übersetzung von Arnheim, Sachs, FĂŒrst und Zunz. Victor Goldschmidt Verlag, Basel 1995, S. 205 und 404
http://tinyurl.com/yvanvd

(8) Quisel macht Urlaub. 10. MĂ€rz 2007
http://www.quisel.de/?p=243

Angora. Edelrammler und HĂ€sin
http://www.angora.de/sve4e6.gif

(9) Vom Brot allein Jerusalem - Kreuzung von Symbolen. Text: Ulrich Sahm, Fotografien: Varda Polak-Sahm, Rafael-Verlag
http://usahm.info/Bookhaupt/einfuehrung.html

Sahm – Sensationen biblischer ArchĂ€ologie. Jerusalem
http://usahm.info/Artikel/Ostern/Ostern.htm

(10) The Resonance of Jerusalem. By Rabbi Adin Steinsaltz
http://www.ou.org/yerushalayim/threeweeks/resonance.htm

Jerusalem sehen und verrĂŒckt werden. Von Paul Badde, WeltOnline,
19. Dezember 2007
http://tinyurl.com/2zuakt

Bisher erschienen:

Israel einer AnfÀngerin. Episodio de la Historia
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html

Israel einer AnfÀngerin [2]: Von Barcelona nach Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-20_18-17-23.html

Israel einer AnfÀngerin [3]: Tel Aviv-Yafo
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-24_18-50-35.html

Israel einer AnfÀngerin [4]: Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-25_17-54-33.html

Israel einer AnfÀngerin [5]: Neve Tsedek - Rehovot
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-26_20-51-40.html

Israel einer AnfÀngerin [6]: Kfar Saba
http://eussner.net/artikel_2007-12-03_23-45-13.html

Israel einer AnfÀngerin [7]: Maalot-Tarshiha
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-07_22-20-33.html

Israel einer AnfÀngerin [8]: Maalot-Tarshiha in Perpignan
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-09_22-20-26.html

Israel einer AnfÀngerin [9]: Shlomo Bohbot, Maalot und Tarshiha
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-13_22-57-27.html

Israel einer AnfĂ€ngerin [10]: RĂŒckkehr nach Kfar Saba
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-15_19-07-30.html

Israel einer AnfÀngerin [11]: Auf dem Weg nach Jerusalem
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-18_19-02-01.html



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